25 Juli 2011

Adolf Muschg: Der Rote Ritter

Der Anfang war recht mühsam zu lesen. Herzeloyde, Parzivals Mutter, ist schon bei Wolfram eine schwer verständliche Gestalt. Dass Muschg sie als eine Hysterikerin vorstellt, die von dem klosterähnlichen Leben im Bereich des Grals geprägt ist, und deshalb von steifer Strenge zu draufgängerischem Ansturm auf Gahmuret übergeht, bringt sie mir menschlich nicht näher. Gahmuret bleibt ganz Schemen und Geist. Das Personal um sie herum, außer der sehr lebendigen Sigune, wirkt ebenfalls tot, marionettenhaft, allenfalls als Karikatur (so vor allem der Musterritter Gurnemanz, Parzivals späterer Lehrer).
Richtiges Leben entwickelt sich erst mit dem Auftritt Parzivals. Dann freilich wird's interessant. Es gibt Liebesszenen von großer Wirkung; Parzivals bei Wolfram weithin unverständliches Verhalten wird überzeugend motiviert. Er kommt uns nahe und bleibt uns fremd. Was mir wie eine Schwäche des Buches erscheint, der lebensfremde Anfang, ist freilich in Wolframs Parzival vorgebildet. Auch dort blieben mir die Bücher der Gahmurethandlung besonders fremd. Eine zweite Schwäche ist sicher das, was in einer Rezension Muschgs Geschwätzigkeit genannt wird. Umständlich wie bei Thomas Mann, aber mit weniger Ironie. Es wird etwas viel ausgesprochen.

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