„Vor dem Vergessen. Meine drei Leben“ ist die 1982 erschienene Autobiografie der deutsch-jüdischen Schriftstellerin Lola Landau(1892–1990).
In diesem Werk beschreibt sie eindrucksvoll ihr langes Leben, das sie selbst in drei wesentliche Phasen („Leben“) unterteilte:
Das erste Leben (Berlin): Ihre Jugend und die Zeit in der Berliner Bohème der 1920er Jahre. Sie war Teil der expressionistischen Literaturszene und mit dem Schriftsteller Armin T. Wegner verheiratet.
Das zweite Leben (Flucht und Neuanfang): Die Zeit der Verfolgung durch die Nationalsozialisten, ihre Emigration 1936 nach Palästina (später Israel) und die schwierigen Jahre des Exils.
Das dritte Leben (Israel): Ihr späteres Leben in Israel, wo sie trotz der sprachlichen Barrieren weiter schrieb und sich für den Frieden sowie die deutsch-jüdische Aussöhnung einsetzte.
Das Buch gilt als wichtiges Zeitzeugnis und literarisches Dokument über das Schicksal der deutschsprachigen jüdischen Intelligenz im 20. Jahrhundert.
sieh auch:"[...] Eine detaillierte und umfangreiche Biographie und Werkgeschichte unter dem Titel „Lola Landau. Leben und Werk“ (2000) wurde von Birgitta Hamann verfasst [...]" (https://armin-t-wegner.de/lola-landau/)
R. Kipling: Wikipedia: "Das Dschungelbuch(englischer OriginaltitelThe Jungle Book) ist eine Sammlung vonErzählungenundGedichtendes britischen AutorsRudyard Kipling. Der erste Band erschien 1894, der zweite 1895 unter dem TitelThe Second Jungle Book(„Das zweite Dschungelbuch“); seither werden die Erzählungen der beiden Bände meistens gemeinsam publiziert, oft alsThe Jungle Books(„Die Dschungelbücher“).
Die bekanntesten Erzählungen darin handeln von Mowgli (in verschiedenen Übersetzungen auch Maugli oder Mogli geschrieben), einem Findelkind, das bei Tieren im indischenDschungel aufwächst. Die Geschichten über Mowgli stehen dem Genre des Entwicklungsromans nahe, da sie Mowglis Erwachsenwerden und Bewusstwerdung vom verspielten Kind bis hin zum Herrn über die Tierwelt aufzeigen. Mowgli muss lernen, dass die Naturgesetze hart sind und ein hohes Maß von Verantwortung fordern. Im Kampf mit den Kräften der Natur, mit den Tieren und mit den Menschen reift das Kind zum selbstbewussten Jugendlichen. Trotz mancherlei kritischer Betrachtungen – man erkennt in der Darstellung der Figuren und der Betonung des Gesetzes des Dschungels Kiplings positive Stellung zum Kolonialismus – ist die Bedeutung des Dschungelbuchs für die spätere literarische Entwicklung sowie seine Stellung als eines der bekanntesten und erfolgreichsten Jugendbücher der Welt kaum zu überschätzen.
Inhalt
Das Dschungelbuch umfasst im Original sieben Erzählungen, denen jeweils ein kurzer Liedtext vorangestellt ist und ein etwas längerer mit eigener Überschrift folgt. Die ersten drei Erzählungen schildern die Geschichte von Mowgli, während die übrigen Erzählungen meist einzelne Tiere als Hauptdarsteller haben und in keinem Zusammenhang mit den Mowgli-Erzählungen stehen. (Die folgenden Absätze verwenden die englischen Originalnamen.)
Kapitel 1. Mowglis Brüder (Mowgli’s Brothers)
LiedtextJagdgesang des Seoni-Rudels(Hunting-Song of the Seeonee Pack)
Ein kleiner indischer Junge wird durch den Überfall des lahmenden Tigers Shere Khan (Schir Khan) auf seine Eltern von ihnen getrennt.
Zitat:
"Das Gesetz der Dschungel, das nichts ohne guten Grund vorschreibt, verbietet den Tieren, Menschen anzugreifen, mit der einzigen Ausnahme, wenn ein Tier seine Jungen das Jagen und Töten lehrt. Das aber darf nur abseits geschehen, niemals in den Jagdgründen des eigenen Rudels oder Stammes. Der wahre Grund dafür ist, daß früher oder später, wenn ein Mensch getötet ist, die Bleichgesichter anrücken auf Elefanten, mit Büchsen bewaffnet, begleitet von Hunderten von braunen Dienern, mit Gongs, Raketen und Fackeln. Dann haben alle in der Dschungel zu leiden. Die Tiere aber geben als Grund an, daß der Mensch das schwächlichste und wehrloseste aller Geschöpfe ist, daher sei es unsportlich, ihn anzugreifen. Sie sagen ferner – und das ist die Wahrheit –, vom Menschenfleisch würden sie räudig und verlören die Zähne."
Im Dschungel von Seoni stößt er in der Nähe des Wainganga-Flusses auf eine Wolfsfamilie, die ihn unter Leitung der Wölfin Raksha(Rakscha) zusammen mit ihrem eigenen Wurf aufzieht. Die Wölfe nennen ihn „Mowgli“ (‚Frosch‘)[1] und er erlernt nach und nach alle Fertigkeiten, die er zum Überleben im Dschungel benötigt. Nach einiger Zeit wird er wie alle Wolfskinder dem Rudel präsentiert, um begutachtet und akzeptiert zu werden. Auf die Fürsprache des Bären Baloo (Balu), des „Lehrers der Gesetze“, und des schwarzen PanthersBagheera wird er ins Rudel aufgenommen. Da der Leitwolf Akela aber schon alt und schwach ist, gelingt es Shere Khan, der unablässig sein Recht an dem Jungen fordert, immer mehr Wölfe auf seine Seite zu bringen, bis das führer- und disziplinlose Rudel nach Jahren Mowgli verstößt. Vorgewarnt und mit der Waffe des Feuers versehen, das alle Tiere fürchten, kann er verhindern, dass die Wölfe und Shere Khan ihn angreifen. Da man ihm eindrücklich klargemacht hat, dass er ein Mensch ist, verlässt Mowgli den Dschungel und geht zu den Menschen zurück.
Kapitel 2. Der Hungertanz der Schlange Kaa (Kaa’s Hunting)
Kaa. Illustration von Charles Maurice Detmold, 1908
LiedtextWanderlied der Bandar-Log(Road Song of the Bandar-Log)
In verschiedenen Übersetzungen auch mit Kaas Jagdtanz überschrieben. Die zweite Erzählung über Mowgli liegt zeitlich zwischen den Ereignissen der ersten Geschichte. Mowglis Freunde Baloo und Bagheera haben ihn gelehrt, wie er in Gefahr die verschiedenen Tiere des Dschungels rufen kann, und ihm das Gesetz des Dschungels beigebracht. Als Mowgli von den gesetzlosen und den von den anderen Tieren verachteten Affen Bandar-Log entführt wird, kann er seine erworbenen Fertigkeiten erproben. Baloo und Bagheera kommen ihm zu Hilfe, können aber nur durch die Unterstützung des PythonsKaa etwas ausrichten.
Kapitel 3. Tiger! Tiger! (Tiger! Tiger!)
LiedtextMowglis Gesang(Mowgli’s Song)
In der dritten Erzählung wird berichtet, wie Mowgli im Anschluss an die erste Erzählung zu den Menschen kommt und erst mühsam erlernen muss, sich zu verständigen und den Menschen gemäß zu handeln. Er wird Hirte und beaufsichtigt die Büffel des Dorfes. Seine Wolfsbrüder warnen Mowgli, dass Shere Khan, der Tiger, ihm wieder nachstellt. Da benutzt Mowgli die Büffel, um Shere Khan in die Enge zu treiben, und lässt ihn von den Büffeln niedertrampeln. Doch nach seinem Triumph über den Erzfeind werden ihm von den Menschen Hexenkünste angedichtet, und er wird aus dem Dorf vertrieben. Mowgli kehrt in den Dschungel zurück, um mit seinen Wolfsbrüdern zu leben, mit denen er in Rakschas Wurf aufgewachsen ist.
Kapitel 4. Die Weiße Robbe (The White Seal)
LiedtextLukannon(Lukannon)
In keinem Zusammenhang mit den anderen Erzählungen des Buches steht die Geschichte von Kotick, einer kleinen weißenRobbe auf der Sankt-Paul-Insel im nördlichen Pazifik (der Liedtitel bezieht sich auf die Lukanin-Bucht an der Ostküste dieser Insel). Als Kotick mit seinen Altersgenossen zusammen spielt, kommen Robbenfänger und treiben die Robben an einen abseits gelegenen Ort, wo sie sie niedermachen. Nur Kotick wird wegen seines weißen Felles aus Aberglauben verschont. Entsetzt versucht Kotick, das von ihm Gesehene den anderen Robben zur Kenntnis zu bringen. Doch noch keine andere Robbe hat die Schlächterei mit eigenen Augen gesehen, und träge und teilnahmslos schenken sie ihm keine Beachtung. Verzweifelt versucht Kotick in den folgenden Jahren, in denen er heranwächst, einen Ausweg aus dem alljährlichen Sterben der Robben zu finden. Endlich gelangt er zu dem Volk der Seekühe, die ihm einen verborgenen Ort zeigen, der noch nie von Menschen betreten worden ist und paradiesische Verhältnisse für Robben bietet. Er kehrt zurück, besiegt im Kampf die stärksten Robben, die ihm für den Fall des Sieges versprechen mussten, ihm zu folgen, und führt sein Volk in das neue Land, in dem es sicher leben kann.
Kapitel 5. Rikki-Tikki-Tavi (Rikki-Tikki-Tavi)
LiedtextDarzees Preislied(Darzee’s Chaunt, in manchen Ausgaben auch Darzee’s Chant), gesungen zu Ehren von Rikki-Tikki-Tavi.
Rikki-Tikki-Tavi ist ein kleiner Mungo, der in den Garten einer weißen Familie in Indien verschlagen wird. Zutraulich wird er dort heimisch und rettet tapfer die Familie mehrmals vor gefährlichen Schlangenangriffen, einmal vor dem eines Krait und zweimal vor großen Brillenschlangen.
Text: "[...] Dies ist die Geschichte der Schlacht, die Rikki-Tikki-Tavi schlug, ganz allein, in dem Badezimmer des großen Bungalows im Distrikt Segowlee. Darsie, der Webervogel, half ihm, und Chuchundra, die Moschusratte, die an Platzangst leidet und deshalb immer an den Wänden entlangkriecht, gab ihm guten Rat. Aber den Kampf führte Rikki ganz allein durch.
Ein Mungo war Rikki – nach Pelz und buschiger Rute glich er fast einer Katze, doch Kopf und Art waren die eines Wiesels. Seine Augen und die immer bewegliche Nase schimmerten rosig; leicht konnte er sich am ganzen Körper kratzen und putzen und dabei ganz nach Belieben einen seiner Läufe benutzen. Seine Rute konnte er aufplustern, daß sie wie eine Flaschenbürste aussah; und wenn er durch das hohe Gras schnürte, ließ er seinen pfeifenden Schlachtruf ertönen: Rikki-Tikki-Tikki-Tschick! [...]
Den ganzen Tag spürte er in allen Winkeln umher. In der Badewanne wäre er beinahe ertrunken; seine rosa Nase färbte sich ganz schwarz in dem Tintenfasse auf dem Schreibtisch, und er verbrannte sich die Zunge, als er das glühende Ende der Zigarre untersuchen wollte, die aus dem Munde des großen Mannes qualmend hervorragte. Am Abend beobachtete er neugierig in der Kinderstube, wie die Lampen angezündet wurden; und als Teddy sich ins Bett legte, probierte er, ob ihm die Strümpfe oder die Hosen des Knaben paßten. Er kletterte dann auf die Kissen und schloß die Augen, als ob er schlafen wollte. Aber er war ein rastloser Gefährte, denn bei dem kleinsten Geräusch schreckte er auf und begann eine umständliche Untersuchung anzustellen. Teddys Mutter und Vater kamen in die Stube, um gute Nacht zu sagen, und Rikki blinzelte ihnen von den Kissen entgegen.
»Nein, das geht nicht«, sagte die Mutter. »Vielleicht beißt er Teddy.«
»Er denkt nicht daran«, erklärte der Vater. »Im Gegenteil, dieser kleine Kerl hält besser Wache als ein Bluthund. Käme zum Beispiel eine Schlange in die Stube . . .«
Aber Teddys Mutter wollte an etwas so Schreckliches gar nicht denken.
Rikki-Tikki war zu klug, um Zeit mit Umschauen zu verlieren. Er sprang gerade in die Luft, so hoch er konnte, und breit zischend schoß Nagainas Kopf unter ihm durch. Das Weibchen Nags war unbemerkt hinter seinen Rücken gekrochen, um ihn mit einem Biß zu erledigen. Rikki fiel auf Nagainas Rücken herab, und wäre er ein wenig älter gewesen, so hätte er ihr mit einem Biß das Rückgrat gebrochen. Wohl schlug er seine scharfen Zähne in den Körper der Schlange, aber er fürchtete einen zweiten Angriff und biß nicht tief genug, um Nagaina zu töten. Dann sprang er davon, während sich die Schlange vor Schmerzen wand.
»Jämmerlicher Verräter, Darsie!« zischte Nag und reckte sich so hoch wie möglich empor, aber Darsie hatte sein Nest so hoch gebaut, daß es aus dem Bereich der Schlange lag, und wippte nun frohlockend auf dem Ast.
Rikki-Tikki setzte sich auf die Hinterfüße und stützte sich auf den Schwanz, gerade wie ein kleines Känguruh. Seine Augen wurden ganz rot (das ist bei den Mungos immer ein Zeichen der Wut), und er schalt und schimpfte, während er nach allen Seiten scharfen Auslug hielt.
Nag und Nagaina jedoch waren im Grase verschwunden. Wenn eine Schlange ihren Stoß verfehlt hat, verrät sie niemals, was sie zunächst zu tun beabsichtigt. [...]
Plötzlich zischte ganz in der Nähe eine dünne Stimme: »Zittert alle, denn ich bin der Tod!« Karait war es, die kleine graubraune Schlange, die sich arglistig im Staube verkriecht, so daß man sie von ihrer Umgebung nicht zu unterscheiden vermag. Winzig ist der Körper Karaits, aber sein Biß ist so giftig wie der Biß der großen Kobra; und wenn man die kleine Schlange entdeckt, ist es meist schon zu spät. [...]"
Kapitel 6. Toomai von den Elefanten (Toomai of the Elephants)
Liedtext Shiv und der Heuschreck(Shiv and the Grasshopper)
Toomai ist ein zehnjähriger Junge, der seinen Vater, Mahut in dritter Generation, in den Garo-Hügeln (Meghalaya) begleitet, um Elefanten zu fangen und abzurichten. Toomai verhält sich sehr tapfer und unerschrocken, und sein größter Wunsch ist es, Elefantenfänger zu werden. Doch man sagt ihm, dass er erst dann Fänger werden könne, wenn er den Tanz der Elefanten gesehen habe. Da noch niemand diesen Tanz gesehen hat, bedeutet dies, dass er niemals Elefantenfänger werden könne. Doch eines Nachts reitet er auf Kala Nag („Schwarze Schlange“), dem Elefanten seines Vaters, in den Dschungel und wird dort Zeuge dieses außergewöhnlichen Ereignisses.
Text:"[...] Das Schweigen der Nacht war wie durch einen Zauber gebrochen. Alle die Elefanten in der Reihe sprangen hoch, als brenne der Boden unter ihnen; und ihr Kollern weckte die schlafenden Mahouts. Sie kamen herbei, trieben mit großen Hämmern die Pflöcke tiefer in die Erde, zogen die Ketten an, knüpftendie Seile fester, bis alles wieder ruhig war. Ein junger wilder Elefantenbulle hatte seinen Pflock ausgerissen; so nahm der große Toomai Kala Nags Kette und fesselte den einen Hinterfuß Kalas an den Vorderfuß des Wildings. Dann wand er um Kala Nags Füße noch ein Strohseil und schärfte ihm ein, nicht zu vergessen, daß er fest angebunden sei – wie es Toomai selbst, wie auch sein Vater und Großvater schon hundertmal zuvor getan hatten. Kala Nag nahm den Befehl stillschweigend hin, ohne zu kollern, wie er es sonst tat. Reglos stand er, den Kopf leicht erhoben, die Ohren wie Fächer ausgebreitet und starrte durch das Mondlicht nach den waldigen Hängen der Garo-Berge hinüber.
»Paß gut auf, wenn er unruhig werden sollte«, sagte der große Toomai zum kleinen Toomai und legte sich dann wieder in seine Hütte schlafen. Auch der kleine Toomai war gerade wieder im Einschlafen; da hörte er plötzlich, wie mit einem kurzen, scharfen »Päng« das Halteseil riß und Kala Nag aus den Pfählen heraustrollte, ruhig und lautlos, wie Wolken zu Tal ziehen. Der kleine Toomai lief ihm nach, barfuß über den steinigen Weg, und rief mit verhaltenem Atem: »Kala Nag! Kala Nag! Nimm mich mit – bitte, Kala Nag.«
Der Elefant wandte sich um, ging zwei, drei Schritte zurück, steckte den Rüssel aus und hob den Knaben auf seinen Rücken. Kaum hatte sich Toomai festgeklammert, als schon das Dschungeldickicht über ihnen zusammenschlug.
Ein letzter wütender Trompetenstoß ertönte aus den Reihen der angepflockten Elefanten; dann verschlang das Schweigen des Waldes jedes Geräusch, und Kala Nag setzte sich in Fahrt. Hohe Grasbüschel rauschten an seinen Flanken, wie Wellen am Schiff entlanggleiten; die Ranken der Schlingpflanzen strichen über seinen Rücken, oder Bambusstämme brachen knackend, wenn er mit den Schultern dagegenstieß. Völlig lautlos aber, fast wie ein Nebellied, zog Kala Nag durch den Garo-Wald in stetiger Gangart dahin. Es ging bergauf; doch der kleine Toomai suchte vergeblich die eingeschlagene Richtung nach dem Sternenbild zu bestimmen, das schummerig über den Bäumen stand.
Dann erreichte Kala Nag den Kamm der Hügelkette und verweilte einen Augenblick. Der kleine Toomai sah die Baumwipfel meilen- und meilenweit in flutendem Mondlicht liegen und den bläulich-weißen Dunst, der über dem Fluß im Tal lagerte. Er beugte sich vor, um Ausschau zu halten, und er fühlte, wie der Wald unter ihm voll drängenden Lebens war. Eine große braune Fledermaus strich an seinem Ohr vorbei, im Dickicht raschelte ein Stachelschwein, und im Dunkel zwischen den Baumstämmen hörte er einen Bären eifrig in dem feuchten warmen Boden wühlen und schnaufen.
Weiter zog der Elefant, und über Toomai schlugen wieder die Äste zusammen. Kala Nag wandte sich nun bergab, aber nicht lautlos jetzt, sondern in stürmischer Fahrt wie ein polterndes Ungewitter. Die ungeheuren Beine bewegten sich gleichmäßig und regelmäßig, wie Kolben einer Maschine – drei Ellen legten sie mit jedem Schritt zurück –, und an den Gelenken schabte schürfig die borkige Haut. Das dichte Unterholz vor ihm zerriß wie platzende Leinwand; die jungen Bäume rechts und links bogen sich zur Seite und peitschten zurückschlagend seine Flanken; die harten Ranken der Schlingpflanzen hingen in dichtem Gewirr an den wegbahnenden Hauern, während der schwere Schädel unaufhaltsam vorstieß und sich den Pfad durch den Urwald pflügte. Da schmiegte sich der kleine Toomai dicht in die breiten Falten des Nackens, um nicht von den vorbeistreifenden Ästen heruntergefegt zu werden; und er wünschte sich in die Geborgenheit des friedlichen Lagers zurück. [...]
Auf der Gipfelhöhe angekommen, machte Kala Nag zwischen zwei Baumstämmen halt. Sie standen am Rand einer unregelmäßig kreisförmigen Lichtung, etwa vier bis fünf Morgen groß, deren Boden so festgetrampelt war wie eine Tenne. In der Mitte der Lichtung erhoben sich ein paar mächtige Bäume, doch ihre Rinde war abgeschabt, wie der kleine Toomai bemerkte, und das blanke Holz glänzte im Mondschein. Von den oberen Ästen hingen grüne Schlinggewächse herab mit großen wächsernen Blüten, deren Kelche im Schlaf geschlossen waren. Sonst aber war auf der ganzen Lichtung weder Grün noch Grashalm – nur festgestampfte Erde.
Das Mondlicht übergoß die harte Fläche mit eisengrauem Schimmer; nur die Schatten weniger Elefanten hoben sich kohlschwarz ab. Der kleine Toomai schaute, bis die großen Augen ihm fast aus dem Kopfe traten, und wie er sich nach allen Seiten drehte, traten mehr und mehr und immer mehr schwarze Gestalten aus der Nacht in die Lichtung. Der kleine Toomai konnte nur bis zehn zählen, und er zählte und zählte an seinen Fingern, bis ihm der Kopf schwindelte. Vom Walde her drang das Geräusch der Elefanten, die sich durch das Unterholz den Weg brachen, aber sobald sie erst in der Lichtung waren, bewegten sie sich lautlos wie Geister.
Große, wilde Bullen waren da mit lang hervorragenden Stoßzähnen und mit Schlingpflanzen und stacheligen Zweigen in den Hautfalten; fette Weibchen, unter deren Bäuchen kleine, drei oder vier Fuß hohe Kälber umhersprangen; junge Burschen, die sehr stolz auf ihre eben hervorbrechenden Stoßzähne zu sein schienen. Ältliche Jungfern kamen zum Tanz, mit schmalen, hohlen, vergrämten Gesichtern; Kampfbullen im Schmuck ihrer zahllosen Narben; zuletzt wechselte ein gewaltiger Einzelgänger in die Lichtung mit zersplittertem Stoßzahn und dem furchtbaren Riß der Tigerpranke auf altersgrauer Flanke.
Dicht gedrängt standen sie oder wanderten in Gruppen auf und ab über die Lichtung; Einzelgänger hielten sich abseits und wiegten sich bedächtig hin und her – Elefanten, Elefanten und nochmals Elefanten.
Toomai wußte, ihm würde nichts geschehen, solange er still auf Kala Nags Rücken lag. Denn selbst in dem Aufruhr des Keddahtreibens lassen die wilden Elefanten die Männer auf den Nacken der zahmen Tiere unbehelligt; und die Dickhäuter hier dachten in dieser Nacht nicht an den Menschen. Nur einmal stutzten sie und stellten die Ohren hoch, denn durch den Wald klang das Geklirr eiserner Fußfesseln – aber es war Pudmini, Petersen Sahibs Lieblingstier, das mit gerissener Kette schnaubend und kollernd den Berg heraufwuchtete. Klein Toomai bemerkte noch einen dritten zahmen Elefanten mit tiefen Seilstriemen auf Rücken und Brust; auch er war wohl aus einem Lager in der Nähe ausgebrochen. [...]
Dann stieß ein Elefant einen hellen Trompetenstoß aus; alle anderen fielen ein, und mehrere Sekunden lang tobte ein wahrer Höllenlärm. Der Ton sprühte wie Regen von den Bäumen auf unsichtbare Rücken, und ein dumpf tosendes Geräusch setzte ein, dessen Ursprung sich der kleine Toomai nicht zu erklären vermochte. Anfangs war dieses Geräusch nicht sehr laut, dann aber wuchs und wuchs es an, und Kala Nag hob einen Vorderfuß nach dem anderen und wuchtete ihn wieder auf den Boden – eins – zwei, eins – zwei – stetig wie ein Dampfhammer. Nun stampften und stampften alle zusammen, und es dröhnte wie dumpfer Trommelwirbel vor einer Höhle. Der Boden zitterte und wankte, das Wuchten und Rumpeln wurde immer lauter; und der kleine Toomai hielt sich die Ohren zu, weil das Dröhnen übermächtig wurde. Vergebens – der Taktschlag einer Urgewalt durchzitterte seinen ganzen Körper, dieses Stampfen der Hunderte von Elefantentritten auf der harten Erde. Manchmal fühlte er, wie Kala Nag und die anderen einige Schritte vorwuchteten, und das Stampfen ging über in weiches Trampeln auf zerquetschtem grünem Gesträuch und Gestrüpp, aber wenige Minuten später erklang wieder das dumpfe Donnern auf hartem Boden. Ein Baum knarrte und ächzte ganz in der Nähe. Der Kleine streckte die Hand aus und konnte die Rinde fühlen, aber nicht sehen, wo er war in der Lichtung, denn Kala Nag schritt stetig stampfend vorwärts. Keinen Laut gaben die Elefanten von sich; nur einmal quiekten zwei oder drei Kälber selig auf. Man hörte einen dumpfen Stoß und ein Schürfen von Haut; dann begann das regelmäßige Stampfen von neuem. Es mochte zwei Stunden gedauert haben, vielleicht mehr, vielleicht weniger; der kleine Toomai war wie zerschlagen am ganzen Körper, aber er spürte in der Luft, daß der Morgen nahte.
Fahlgelbe Dämmerung tauchte über den grünen Hügeln auf; und beim ersten Schein des Lichts verstummte das Stampfen wie auf ein Kommando. Noch bevor der Klang in seinen Ohren verhallt war – bevor er noch Zeit hatte, sich erstaunt umzudrehen –, sah der kleine Toomai keinen anderen Elefanten mehr als Kala Nag, Pudmini und den fremden Gesellen mit den Seilfetzen. Weder ein Rauschen noch sonst ein Laut oder Zeichen verkündete, wohin all die schwarzen Gestalten verschwunden waren. Der Knabe starrte verwundert auf die gähnende Fläche; diese schien größer geworden zu sein über Nacht. Mehr Bäume ragten inmitten der Lichtung, doch am Rande war alles Gesträuch und Dschungelgras wie weggewischt. Die Elefanten hatten die Fläche erweitert – hatten Unterholz und saftiges Rohr zu Brei getreten, den Brei zu zäher Masse gepreßt und diese wiederum zu steinharter Erde verstampft.
»Wah!« sagte der kleine Toomai und rieb sich die müden Augen. »Kala Nag, Fürst, wir wollen uns an Pudmini halten und ihr zum Lager des Sahibs folgen, sonst falle ich dir noch vom Nacken.« Der fremde Elefant sah den beiden abziehenden Dickhäutern nach; er schnarchte laut, drehte sich um und nahm seinen Weg in entgegengesetzter Richtung. Vielleicht gehörte er irgendeinem der kleinen einheimischen Fürsten, fünfzig oder hundert Meilen entfernt.
Als Petersen Sahib zwei Stunden später beim Frühstück saß, begannen seine Elefanten, die während der Nacht mit doppelten Seilen gefesselt waren, laut zu trompeten. Pudmini und Kala Nag hinkten lahm und schmutzbedeckt in das Lager. Das Gesicht des kleinen Toomai war grau und eingefallen; das schwarze Haar, voller Blätter, hing ihm in nassen Strähnen um den Kopf. Dann versuchte er, vor Petersen Sahib eine tiefe Verbeugung zu machen und rief mit ermattender Stimme: »Der Tanz . . . der Elefantentanz! Ich habe ihn gesehen . . . und – nun – muß ich sterben.« Als Kala Nag niederkniete, glitt der Knabe bewußtlos vom Nacken des Elefanten. [...]
Und als zuletzt die Feuer niedergebrannt waren und mit ihren glühenden Holzstößen purpurrotes Licht auf die Elefanten warfen, als habe man auch sie mit Blut begossen, da sprang Machua Appa auf – Machua Appa, der Vormann der Treiber aller Keddahs – Machua Appa, die rechte Hand des großen Sahibs, sein Stellvertreter, der seit vierzig Jahren keine von Menschenhänden gebaute Straße gesehen hatte – Machua Appa, der so groß war, daß er keinen anderen Namen hatte als eben Machua Appa –, er sprang auf die Füße, hielt den kleinen Toomai hoch über seinen Kopf in die Luft und rief, daß es durch das Lager dröhnte: »Hört mich an, Brüder! Auch ihr, hört meine Stimme, ihr Herren dort an den Pfählen, denn ich spreche, ich, Machua Appa. Dieser Knabe hier soll hinfort nicht mehr ›der kleine Toomai‹ genannt werden, sondern ›Toomai, der Liebling der Elefanten‹, wie sein Urgroßvater vor ihm genannt wurde. Was keinem andern Menschen vergönnt war, zu sehen, er hat es während der ganzen langen Nacht mit angeschaut, denn er ist der Liebling der Elefanten und der Götter der Dschungel. Er soll ein großer Pfadfinder werden – er soll sogar größer werden als ich, Machua Appa! Er soll der frischen Spur folgen und der alten Spur – er soll die gemischten Spuren unterscheiden können mit dem Auge des Falken. Ihm soll kein Leid widerfahren, wenn er in der Keddah unter den Bäuchen der Elefanten umherrennt, und fällt er auf der Jagd zu Boden, so soll sich der wilde Bullelefant verneigen und soll ihn nicht berühren. Aihai! Ihr Herren an den Ketten!« Und er schritt die Reihe der gemächlich sich wiegenden grauen Gestalten ab. – »Aihai! Hier ist der Kleine, der euch bei euren Geheimnissen belauscht hat, der euch bei eurem Tanze gesehen hat – der erblickte, was ihr den Menschen sonst neidisch verbergt! Erweist ihm Ehre, meine Gebieter! Salaam Karo, meine Kinder! Grüßt Toomai, euren Liebling, in eurer eigenen Weise! Gunga Pershad, ahaa! Hira Guj, Birchi Guj, Kutta Guj, ahaa! Pudmini, du hast ihn beim Tanz gesehen, und auch du, Kala Nag, du Perle unter den Elefanten. Ahaa! Alle zusammen! Heil unserem Toomai, dem Liebling der Elefanten! Barrao!«
Und bei diesem letzten wilden Schrei warf die ganze Reihe der Elefanten den Rüssel in die Höhe, bis die Spitze über dem Kopf schwebte, und sie alle brachen aus in das laute Huldigungsgeschrei, den schmetternden Trompetenruf, den sonst nur der Vizekönig von Indien hört – das Salaamut der Keddah.
Und das alles geschah zu Ehren des kleinen Toomai, der geschaut hatte, was nie vorher einem Menschen zu sehen vergönnt war: den Tanz der Elefanten mitten in der Nacht und tief im Herzen der Garo-Berge! –"
Kapitel 7. Dienst Ihrer Majestät (Her Majesty’s Servants, in der ersten Ausgabe Servants of the Queen)
LiedtextParadelied der Lagertiere(Parade-Song of the Camp Animals)
In der Nacht vor einer Militärparade belauscht ein Soldat die sprechenden Tiere.
Geboren am 30. Dezember 1865 als Sohn einer angloamerikanischen Familie in Bombay, gestorben am 18. Januar 1936 in London. Im Alter von zwei Jahren wurde er bereits nach England geschickt, dort erhielt er seine Ausbildung. Er kehrte 1882 nach Indien zurück und arbeitete dort als Journalist. 1907 erhielt er, noch keine 42 Jahre alt, als erster englischsprachiger Schriftsteller den Literaturnobelpreis; den Rekord als jüngster Literaturnobelpreisträger hält er bis heute.
Das Buch "Maria Magdalena" habe ich durchgelesen (parallel zu Margaret Atwoods: "Der Report der Magd").
Beiden gemeinsam ist die Perspektive aus der Sicht der Frau. Bei Fredriksson ist Jesus derjenige, der alle versteht, zu ihr aber ein besonderes Verhältnis hat, weil sie eine Frau ist, alle anderen Anhänger Jesu, die dort eine Rolle im Christentum spielen, sind Juden und Männer. Dagegen ist ihr Mann, Leonidas, ein Grieche, römischer Soldat und wird von Jesus (wie alle Menschen) fraglos anerkannt, er brauche keine Religion, in deren Namen er missionieren muss. Ähnlich bei dem Rabbi, der Jesus versteht und zu jüdischen Gesetzen einen Abstand hat. Von den Juden ist Magdalena die einzige, die keine Religion braucht, um ihre Beziehung zu Jesus zu beweisen, sie hat eine Sonderbeziehung zu ihm.
Euphrosyne wird wie alle Menschen von Jesus anerkannt, das unterscheidet sie aber von den jüdischen Männern, weil sie aufgrund ihrer Berufstätigkeit von Juden nicht vorurteilsfrei gesehen wird. Diese Männer brauchen eine eigene Religion, um sich als von Jesus anerkannt sehen zu können, und fühlen sich auch in dieser Rolle noch als minder anerkannt als Magdalena.
Natürlich ist die Rolle von Petrus und Paulus differenziert gesehen; aber Paulus als Heidenmissionar wird das Odium eines Religionsgründers nicht los, während Petrus der übliche Macho ist, der sich immer als etwas Besseres fühlen muss. Paulus lässt ausgewählte Aussagen Jesu notieren, wenn sie in sein Bild der Jesusreligion passen.
Die Frauen wollen die weibliche Sicht auf Jesus dokumentieren.
Du merkst, dass ich in meiner Darstellung eine gewisse Distanz zu den verschiedenen Sichtweisen von Jesus habe.
Das liegt daran, dass die weibliche Sicht als die richtige Sicht dargestellt wird und die männliche als falsch. Da sie die Sichtweise ist, die mehr unserem Modernen Verständnis entspricht, passt das einerseits, aber andererseits wird auch hier eine Art Rangordnung in der Nähe zu Jesus geschaffen, so wie im Glaubensbekenntnis die Nähe Jesu zu Gott durch sitzend "zur Rechten Gottes" hervorgehoben wird. Man fragt sich: "Wo sitzt der Heilige Geist?" Zwar gibt es eine Dreieinigkeit, aber trotzdem ist der, der zur Rechten sitzt, irgendwie hervorgehoben?
Petrus und Paulus fühlen beide, dass Jesus Magdalena ihnen vorgezogen habe (irgendwie gilt das ja offenbar auch von Johannes). Und das, obwohl Jesus doch alle Menschen gleich anerkannt habe.
Sympathisch also das "Macht keine Gesetze ..." (in meiner Ausgabe auf S.241 als Hauptaussage betont); aber irgendwie steckt doch eine Art Wertung darin.
Beim Report der Magd geht es auch primär um die Sicht der Frau, weil sie dort besonders in ihrer Selbstentfaltung beschnitten scheint. Aber das ist noch ein anderes Kapitel.
Zum Schluss: Mit haben bei der Lektüre von Fredriksson wiederholt die Tränen in den Augen gestanden, weil so vieles so treffend geschildert wird. Als abstrakte Gesamtaussage scheint es mir zwar etwas problematisch. Doch es war eine schöne christliche Sicht auf die Weihnachtsbotschaft, wie man sie in diesen Tagen brauchen kann.
Erstaunlich ist, dass die "Puffmutter" Euphrosyne zu Jesus sehr rasch ein gutes Verhältnis gewinnt. Der Grund: Magdalena wohnt zwar bei ihr sozusagen unter den Sündern, ist aber deswegen nur für Juden unrein, vor Jesus aber unschuldig geblieben.
Die Meursault-Ermittlungen (französisch: Meursault, contre-enquête) sind der erste Roman des algerischen Schriftstellers und Journalisten Kamel Daoud. Es handelt sich um eine Nacherzählung von Albert Camus’ Roman „Der Fremde“ aus dem Jahr 1942. Die Erstveröffentlichung in Algerien erfolgte im Oktober 2013 durch Barzakh Editions, eine Neuauflage in Frankreich durch Actes Sud (Mai 2014). Nach der französischen Veröffentlichung wurde das Buch für zahlreiche Preise und Auszeichnungen nominiert.
Inhalt: Bezug zu Camus’ „Der Fremde“
Meursault, der Protagonist in Albert Camus’ Roman „Der Fremde“, ermordet eine Person, die nur als „der Araber“ bekannt ist. Vor Gericht erklärt er, der Mord sei eine sinnlose Geste gewesen, ausgelöst durch einen Sonnenstich oder Gottes Abwesenheit. Camus lässt Meursaults Opfer namenlos, Kamel Daoud gibt ihm jedoch einen Namen: Musa. Die Meursault-Ermittlungen greifen diese Ereignisse erneut auf, diesmal jedoch aus der Perspektive von Harun, Musas Bruder.
Für Daoud ist die Benennung von Meursaults namenlosem Opfer mehr als nur die Wiederbegegnung mit einer Nebenfigur. In einem Interview mit der Los Angeles Review of Books sagte Daoud: „Seit dem Mittelalter hat der weiße Mann die Angewohnheit, Afrikas und Asiens Berge und Insekten zu benennen, während er den Menschen, denen er begegnet, die Namen verweigert. Indem er ihnen die Namen nimmt, verharmlost er Mord und Verbrechen. Indem man seinen eigenen Namen annimmt, beansprucht man auch seine Menschlichkeit und damit das Recht auf Gerechtigkeit.“[1]
Im selben Interview, auf die Frage nach seiner Motivation zum Schreiben des Buches, betonte Daoud die zentrale Bedeutung von „Der Fremde“ für seine Identität als algerischer frankophoner Schriftsteller.[1] In anderen Publikationen bestätigte Daoud die zentrale Rolle, die „Der Fremde“ bei der Entstehung von „Die Meursault-Ermittlungen“ spielte, und bezeichnete seinen Roman als „Dialog mit Camus“.[2]
Daoud bezieht sich in seinem Roman auch auf einen weiteren Roman von Camus, „Der Fall“.
Kritische Rezeption
Nachdem das Buch 2015 von John Cullen ins Englische übersetzt und von Other Press veröffentlicht worden war, erhielt es positive Kritiken in englischsprachigen Publikationen. Azadeh Moaveni nannte es in der Financial Times „vielleicht den wichtigsten Roman, der in jüngster Zeit aus dem Nahen Osten hervorgegangen ist“.[3] Laila Lalami beschrieb es in der New York Times Book Review als Daouds „vielschichtigen und einfallsreichen neuen Roman“.[4] Michiko Kakutani nannte es „atemberaubend“.[5] Im April 2015 wurde ein Auszug aus „Die Meursault-Ermittlungen“ im New Yorker veröffentlicht.[6]
Religiöse Kontroverse in Algerien
Am 16. Dezember 2014 wurde über eine mittlerweile gesperrte Facebook-Seite eine Morddrohung gegen Daoud ausgesprochen.[2] Abdelfattah Hamadache, der radikal-islamistische Prediger, der die Fatwa erließ, führt eine salafistische Gruppe namens Islamische Erweckungsfront an.[2] Hamadache bezeichnete Daoud als Abtrünnigen, „Feind der Religion“, „Abweichler“ und „Kollaborateur“.[2] Er forderte den algerischen Staat auf, Daoud hinzurichten, da dieser einen „Krieg gegen Gott und den Propheten“ führe.[2]
Daoud erstattete Anzeige wegen Volksverhetzung beim Religionsministerium.[7] Verschiedene Einzelpersonen und Gruppen unterzeichneten Petitionen und veröffentlichten offene Briefe zur Unterstützung Daouds.[2] (en: Wikipedia: https://en.wikipedia.org/wiki/The_Meursault_Investigation)
"[...] Der Roman erzählt die Geschichte eines introvertierten Mannes namens Meursault. (Der Name Meursault ist ein Homonym zu „Meurs, sot!“, zu Deutsch etwa „Stirb, (du) Trottel!“). Er hat einen Totschlag begangen und wartet in seiner Gefängniszelle auf die Hinrichtung. Die Handlung spielt im Algerien der 1930er Jahre.
Der Roman ist in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil beginnt mit den Worten: „Heute ist Mama gestorben. Oder vielleicht gestern, ich weiß es nicht.“ Bei der Beerdigung seiner Mutter zeigt Meursault keine Emotionen. Das Fehlen von Anteilnahme beruht offenbar auf einem kühlen Verhältnis, das zwischen Mutter und Sohn herrschte. Der Roman setzt sich mit einer Dokumentation der folgenden Tage von Meursaults Leben aus der Ich-Perspektive fort.
Meursault zeigt sich als Mensch, der antriebslos in den Tag hineinlebt, der zwar Details seiner Umgebung wahrnimmt, jedoch Gewalt und Ungerechtigkeit ungerührt hinnimmt. Kurz nach der Beerdigung seiner Mutter beginnt er eine Liebesaffäre, was später als Beweis für seine emotionale Kälte angeführt wird. Meursault ist offenbar zufrieden, wenn sein Alltag routinemäßig und wie gewohnt verläuft.
Sein Nachbar, Raymond Sintès, der der Zuhälterei verdächtigt wird, freundet sich mit ihm an. Meursault hilft Raymond, eine junge Frau anzulocken, damit dieser sie bestrafen kann - es bleibt unklar, ob die Frau die ehemalige Geliebte des Nachbarn, oder er ihr Zuhälter ist; Raymond bedrängt und demütigt die Frau. Später begegnen Meursault und Raymond dem Bruder der Frau und dessen Freunden am Strand, es kommt zu einer Schlägerei, bei der Raymond mit dem Messer verletzt wird. Kurz danach trifft Meursault auf einen der Araber, der bei seinem Anblick ein Messer zieht und ihn mit dem Glanz der Sonne auf der Messerklinge blendet; daraufhin tötet ihn Meursault mit einem Schuss aus seiner Pistole. Ohne besonderen Grund gibt er unmittelbar darauf vier weitere Schüsse auf den Leichnam ab, was vor Gericht zum Ausschluss von Notwehr und unbeabsichtigtem Totschlag und letztlich zur Verurteilung Meursaults als Mörder führt. Meursaults mögliche Unzurechnungsfähigkeit nach Stunden in praller Sonne steht im Raum.
Der zweite Teil des Buches behandelt den Prozess. Hier wird der Protagonist erstmals damit konfrontiert, wie er durch sein gleichgültiges Verhalten auf gottesfürchtige Menschen wirkt. Den Vorwurf, er sei gottlos, nimmt er kommentarlos hin und verteidigt sich nicht. Sein indolentes Verhalten deutet er selbst als konsequenten Lebensansatz. Meursault wird zum Tod durch die Guillotine verurteilt. Als der Gefängnisgeistliche in der Todeszelle für ihn beten will, wird er wütend, doch zum Schluss zeigt er sich empfänglich „für die zärtliche Gleichgültigkeit der Welt“.
Beziehung zum Gesamtwerk
Der Roman entstand parallel zu Camus’ philosophischer Abhandlung Der Mythos des Sisyphos und entwickelt die darin essayistisch vorgestellte Philosophie des Absurden in literarischer Form. Dabei diente ihm der zwischen 1936 und 1938 niedergeschriebene und erst postum erschienene Roman Der glückliche Tod gleichsam als Steinbruch. Der Fremde steht zudem in enger thematischer Beziehung zu dem Bühnenstück Caligula (Uraufführung 1945) und zu Die Pest. [...]"
Albert Camus schätze ich aus den Zeiten, als ich mich etwas mehr mit ihm beschäftigt habe, als Person, die sich nicht vereinnahmen ließ. Zu "Der Fremde" habe ich wohl ein Gefühl der Achtung entwickeln können. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass mich das Werk je ergriffen hätte. "Die Pest" hat mich eher angesprochen. Ich nehme "Der Fall Meursault" hier auf, weil es einen Bezug zu dem Werk von Camus hat und ich erstmals die Gelegenheit habe, in den Text hineinzusehen.
Da "Der Fremde" mir gegenwärtig nicht sagt, bleibt mir "Der Fall Meursault" bei der bisherigen Lektüre aber auch fremd.
Sigrid Damm schildert uns Schiller in seiner Bedrängnis durch Krankheit, Geldsorgen, seinem wenig höfischen Auftreten. Bei seiner Arbeit am Superwerk Wallenstein immer auf Goethes Anregung und Ermunterung hoffen. Goethe oft abwesend, dann sogar mit dem Plan einer Italienreise, bei der man bei im damit rechnen muss, dass sie Jahre dauern wird. Schiller der Bedürftige, der in der Hoffnung, mehr von Goethe zu haben und mehr Unterstützung durch seinen Landesherrn zu bekommen, der ihn durch den Gewinn den das Hoftheater durch Schiller erhalten werde zu locken versucht.
Andererseits dann die merkwürdige Folge, dass Goethe ihm dadurch ferner wird, weil er für seine Arbeit immer wieder nach Jena zieht und weil seine Einladungen in sein Haus am Frauenplan, wo er den Hausherrn mit großer Gesellschaft und den Hofmann gibt, ihn seinem Freunde entziehen, wo sie doch bei Schiller am engeren Familienkreise in der ungezwungenen Vertrautheit ihre "Zweiheit" (wie Goethe es nennt) genießen können.
Dann wiederum: Schiller erlebt seine Jahre als der große Theaterautor mit hohen Auflagen, nationalem Ruhm. Goethe hat unfruchtbare Jahre. Aber Goethe genießt die Anerkennung der Romantiker und Kritiker Schlegel und ihres Kreises, Schiller kritisieren sie recht scharf und über seine "Glocke" lachen sie schallend. (Damm, S.300-387)
Nach Schillers Tod werden Goethes Wahlverwandtschaften und der West-östliche Diwan folgen. Schiller stirbt mit Schulden bei seinem Verlegen, der ihm für den Hauskauf Vorschuss gab. (Endlich eine Haus ohne Verkehrslärm und mit Garten.)
Übrigens der Goethesohn August und die Schillersöhne spielen miteinander. Die Kinder vermitteln Gemeinsamkeit, wo Charlotte, geb. v. Lengefeld den gesellschaftlichen Verkehr mit Goethes "Bettschatz" Christiane Vulpius ablehnt und dafür ihre Freundschaft mit Goethes ehemals Geliebter Frau von Stein pflegt.
Sehr viel Goethe, wo es doch um Schillers Leben gehen soll. - Doch zu Recht: denn die Freundschaft der beiden, die klassische Dichterfreundschaft der Weimarianer, war ja ganz seine Leistung, denn ohne sein Zugehen auf Goethe, sein Eingehen auf seine "Urpflanze" wäre es ja nicht zur Freundschaft gekommen. Zu sehr fühlte Goethe den Abstand zu dem Stürmer und Dränger, den er in sich mit dem Italienjahren ja hinter sich gelassen hatte.
Damms Darstellung ist von ihr in der Rechtschreibung von Elisabetha Dorothea wiedergegeben. Den Text habe ich der KI vorgelesen. Natürlich stimmt von der Reschtschreibung nichts, aber der Sinn ist zu erraten:
Schillers Mutter wird von Damm als sehr uneigennützig und aufopferungsvoll beschrieben.
"Regelmäßig schreibt sie dem Sohn. Ihre Briefe sind, wenn auch nicht vollständig, jedoch im Großen und Ganzen überliefert. Schillers Korrespondenz dagegen nur bruchstückhaft. Oft wissen wir nur aus seinem Kalender die Absendedaten. Das meiste ist verloren.
Auch schrieb offensichtlich in großen Abständen.
Die Mutter mag das besonders schmerzlich empfunden haben. Ihre Ängste wegen der so schlechten Gesundheit des Sohnes seines immer so schwächliche Körpers.
Aber nie macht sie im Vorwürfe. Sie weiß um die Kostbarkeit seiner Zeit. Drängt sich nicht auf. Keine Anspielung, dass sie in Weimar zu Besuch sein möchte. Dabei ist es sicherlich ihr sehnlichster Wunsch. Als Christine (das Kindermädchen der Famliie Schiller, die aus Schwaben nach Thüringen gegangen ist) ihr von den Kindern berichtet, schreibt sie: wann ich auch nur auch zeige (Zeuge) dabei sein könnte. Und nach der Geburt der Enkelin Karoline: die liebe kleinen Karoline Carolin möchte ich doch sehen… Und die liebe junge, wie werden sie die kleine Schwester verlieben.
Als Ende 1798 die Möglichkeit eines Treffens in Meiningen erwogen wird – offenbar kommt der Vorschlag von Schiller –, denkt sie über das Opfer an Zeit, Kosten und Unbequemlichkeit für den Sohn nach: mein bester Sohn, dies ist alles vor, mich zu unternehmen, wäre zu viel… Und so groß, mir aber die Freude und das Glück wäre, meine liebste, in der Welt noch zu umarmen, schreibt sie ihm so werde mir, als dann die Trennung noch empfindlicher werden, ich will mir diese Hoffnung, durch öfteren Nachricht von ihm und der lieben Lotte und meinen lieben Enkeln unter drucken…
Elisabetta Dorothea sucht Nähe zum Sohn durch Anteilnahme an seinem Werk. Ein Exemplar des Wallenstein auf Druckpapier möge Cotta seiner Mutter schicken, heißt es am 30. August 1800. Unter dem 12. September vermerkt der Verleger auf dem Konto seines Autors: laut Brief vom 30. August für Wallenstein / PostPorto drei,Gulden 36 Kreuzer. Die Mutter dankt am 6. November: den Wallenstein habe ich gleich auf seinen Befehl von Cotta erhalten, wovor ich vielen Dank sage, es freute mich um desto mehr, da es hier so gut gegen die all Langeweile, und es uns allen viele Unterhaltung gemacht.
Maria Stuart verschafft sie sich selbst. Bittet Cotta, ihr das Drama gegen Entgelt zu senden. Mit ihm korrespondiert sie, da über ihn, die finanzielle Zuwendung des Sohnes abgewickelt wird. Quartalsweise muss sie Cotta eine Quittung über den Betrag schicken, daraufhin erfolgt die Zahlung. Da ich Herrn Cotta die Quittung schicke, fragte ich um die Maria Stuart. Es mir von diesem Geld abzuziehen, heißt es Ende August/Anfang September 1801 an den Sohn. Er schickte es mir mit und zieht es nicht ab. Ich danke davor. Wirklich hat er Buch Bender. Eine Reaktion zum Inhalt des Buches ist nicht überliefert (S. 388/89).
Wikipedia: "[...] Ihr Mann Johann Caspar starb am 7. September 1796, vermutlich an Prostata-Krebs.[10] Mit dem Tod ihrer jüngsten Tochter sechs Monate zuvor war der Tod ihres Mannes ein weiterer Schicksalsschlag.[11] Friedrich überließ ihr seinen väterlichen Erbteil, „dass keine Sorge Sie mehr drückt.“[12] Seit dem Jahreswechsel 1797 lebte sie im Leonberger Schloss und erhielt eine Pension von hundert Gulden.[13]
Sie starb am 29. April 1802 in Cleversulzbach. Hier war sie von ihrer Tochter Luise, die mit dem dortigen Pastor Frankh verheiratet war, in ihren letzten Monaten gepflegt worden. Das Grab auf dem Friedhof des Orts, in dem sie am 1. Mai 1802 beigesetzt wurde,[14] ist 1834 von Eduard Mörike wiederhergerichtet worden; in einem benachbarten Grab bestattete er seine eigene Mutter Charlotte Mörike.[...]"
Perlentaucher: Mit einem Frontispiz. Nicht Friedrich Schillers Werke sind der Gegenstand dieses Buches, sondern die
Umstände und die Bedingungen ihrer Entstehung, der Alltag eines Schriftstellers, Gelehrten und Theatermannes. Sigrid Damm sucht bei ihrer Wanderung die Orte von Schillers viel zu kurzem Leben auf. Es ist ein überraschend kleiner Raum; Schiller hat nie die Schauplätze seiner Dramen - Frankreich, Schottland, die Schweiz - gesehen, nie Italien, hat niemals an einem Meer gestanden. Geldmangel hat sein Leben geprägt. Schiller war einer der ersten Autoren, der einen wesentlichen Teil seiner Einkünfte als freier Autor zu bestreiten versuchte und somit gezwungen war, sich im kommerziellen Literaturbetrieb zu behaupten. Bei aller äußeren Kargheit war dieses Leben dennoch kein "Leben im Kleinen". Der Mensch, dessen Lebensspuren Sigrid Damm folgt, spricht nicht nur von "Freiheit", er ist frei, innerlich unabhängig. Die Räume, die seine Gedanken durchschreiten, kennen keine Grenzen.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.10.2004
Die Biografin Sigrid Damm ist eine Spezialistin für's "Menschlich- Allzumenschliche", für die atmosphärische Ausstattung eines Lebens. Friedrich Schiller war ein Mensch, der sein Leben ganz in der Kunst lebte und nicht einmal Tagebuch führte. Das absehbare Ergebnis der Zusammenkunft, nach Ansicht des Rezensenten Dieter Borchmeyer: eine "gescheiterte Biografie". Dabei schreibt die Autorin ja selber: "Es bleibt nichts als das Werk". Nur genau darüber wisse sie nichts zu sagen, und auch Schillers Zeit wird nicht dargestellt, und so bleiben ihr nur die Krankheiten und Schulden als Thema, ergänzt durch Werkparaphrasen ohne eigene Meinung, massenhaft Zitate plus "Interlinearversionen im Telegrammstil". Zur Ehrenrettung Damms ergänzt der Rezensent noch, dass ihre Flucht zu Nebenpersonen gelungen sei: "Über Schillers Mutter, über seinen Vater hat man selten so lebendige und bewegende Porträts gelesen", und die Beziehung von Goethe und Schiller werde als Ritual von "Annäherung und Distanz" wunderbar beschrieben. "Da ist", schreibt Borchmeyer, "die Autorin in ihrem Element, da schreibt sie plötzlich keine Telegrammsätze mehr, sondern lebendig atmende Prosa." Es bleibt aber die Ausnahme.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.10.2004
Rezensent Rolf-Bernhard Essig blickt schon ins Jahr 2005 - zum 200. Todestag von Friedrich Schiller - und berichtet in einer umfassenden Sammelrezension, was es Neues gibt am Horizont der Schiller-Literatur. Sigrid Damm, so der Rezensent, geht ihren gewohnten Weg, um sich und dem Leser ein Bild von dem Dichter zu machen, und nimmt - ohne die Werke aus den Augen zu verlieren - "den Alltag, die Arbeitsweise, die Menschen um Schiller und seine Person" ins Visier. Bemerkenswert findet der Rezensent nicht nur die Originalität, mit der Damm das Material zusammenstellt, sondern auch die Wirkung dieser Zusammenstellung. In der Tat verbinden sich Nähe und Fremde auf höchst einträgliche Weise, lobt er, wobei die Tatsache, dass sich Damm selbst ins Spiel bringe, den Leser auf ihre eigene "Wanderung" mitnehme, an dieser Wirkung beträchtlichen Anteil hat. Dass Damm "ich" sagt, möchte der Rezensent nicht als selbstgefällige Egozentrik verstanden wissen. Dies verhindere schon die "grundsätzliche Uneitelkeit" der Autorin, die sich ganz "in den Dienst Schillers" stelle und der es gelinge, den Respekt vor dem "Geistesheros und Menschen Schiller" mit jeder Seite wachsen zu lassen.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.09.2004
Sigrid Damms Zugang zu Schiller ist Hanno Helbling zu betulich-selbstverliebt. Das moniert er, und er mokiert sich über das zwanghaft Literarische ihres Verfahrens - dessen Niederschlag der Rezensent noch im Auslassen der Anmerkungen aufspürt. Einen sehr persönlichen Zugang zu Schiller hat Damm gewählt - Helbling ist er anfangs viel zu persönlich, bis sich die symbiotische Lese-Schreib-Beziehung etwas lockert. Gleichwohl empfiehlt der Rezensent das Werk nicht, jedenfalls nicht als Studie über Schillers Leben.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.09.2004
Rechtzeitig vor Schillers zweihundertstem Geburtstag [Todestag!] im Jahr 2005 erscheint ein ganzer Stapel neuer Biografien, die den Dichter würdigen, ohne in das nationale Pathos früherer Jahre zu verfallen. Eine davon - und eine sehr gelungene, wie die Rezensentin Ursula Homann findet - ist die von Sigrid Damm. Im Mittelpunkt steht der Mensch Schiller, mit seinen finanziellen Nöten, Krankheiten und seinen Beziehungen, wobei natürlich die Freundschaft zu Goethe viel Platz einnimmt. Grundlage für die Darstellung, so Homann, ist die ungewöhnlich fleißige Quellenarbeit der Autorin, die es ihr erlaubt, Schillers Existenz beinahe minutiös zu beschreiben. Das Schillersche Werk wird auf diese Weise vor allem aus der Perspektive seines Zustandekommens betrachtet. Eine gut informierte, zugänglich geschriebene Lebensbeschreibung, lobt die Rezensentin.