24 Juni 2007

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Kressmann Taylors Briefroman von 1938 lässt eine Freundschaft zwischen zwei deutschamerikanischen Kunsthändlern, Max Eisenstein und Martin Schulze, darüber zerbrechen, dass Martin Ende 1932 nach München geht und schon 1934 am Tod der Schwester seines Freundes mitschuldig wird, weil er der Verführung durch die "Nationale Bewegung" erliegt.
Die Aufführung der deutschen Theaterversion, "Empfänger unbekannt", die ich sah, erleichterte das Verständnis für die an sich etwas unglaubhafte Offenheit, mit der Martin seinem jüdischen Freund Max seine Faszination durch Hitler berichtet, dadurch, dass diese Passagen so übersteigert vorgetragen wurden, dass man sich in eine Naziveranstaltung hineinversetzt fühlte, die mit ihrem Sog individuelle Widerstände hinweg spülte.

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