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07 Dezember 2025

Louis Bromfield: Der große Regen (Film)

 An den Titel des Romans erinnere ich mich aus meiner Jugend. Offenbar habe ich ihn nie gelesen.

Aber es war ein Buch, über das man irgendwann in meiner Jugend sprach.

Stilprobe:

Während er den Schlamm der Anfahrtstraße durchstapft, fällt der Sonnenball hinter den Horizont und lässt die reglose Luft schwer dunstig und dunkelgrün, geschwängert von Fruchtbarkeit, wie immer während der Regenzeit. Die Luft ist so trächtig und reich und feucht, als lebten Kräuter, Sträucher und Bäume von ihr allein, zögen aus ihr alle Nahrung und brauchten weder Wurzeln noch Erdreich. Als er vor der Veranda an langt, ist die gelbe Beleuchtung verschwunden. Das düstere, alte Haus liegt in der Dunkelheit. Im Licht der Fenster erblickt er die Gestalten [Namen einiger Personen: Sie] trinken Cocktail und plaudern.
Er steigt die Stufen empor und bemerkt, dass die kahlen Gummibäume und Aspidistren, die die Veranda garnieren, gar wunderliche Blüten getrieben haben. Aus ihrem stumpfen Grün drängt sich wie durch Hexerei, ein kunterbunter Tumult von Dotterblumen, Zinnien, Rosenmalven, Begonien und Nelken. Ihm ist, als sei die Pflanzenwelt plötzlich wahnsinnig geworden. Sein gärtnerische Geschmack fühlt sich beleidigt, doch schon versteht er: dies dekadente Schauspiel kann nur das Werk des alten Bannerji sein, welcher das heutige Fest augenscheinlich als ein für den Sohn hochwichtiges gesellschaftliches Ereignis ansah und darum, wie schon an früheren Galaabenden, an anspruchslose Gummipflanzen und Aspidistren die Blüten bunt prangender Gewächse zur Verzierung mit Garn fein säuberlich anband." (S. 286)

Louis Bromfield: Der große Regen, Roman 1937, dt. 1939 (Handlung im Film von 1955)

Der Film "Der große Regen" von 1955 (The Rains of Ranchipur), bei dem es sich um die zweite Verfilmung von Louis Bromfields Roman "The Rains Came" (1937) handelt, weicht in einigen wesentlichen Punkten vom Roman ab, insbesondere in Bezug auf die Charakterisierung und das Ende der Hauptfiguren.


🎭 Charakterveränderungen

  • Tom Ransome: Im Roman ist Tom Ransome ein zynischer englischer Maler; in der Verfilmung von 1955 wird er zu einem zynischen amerikanischen Ingenieur (gespielt von Fred MacMurray). Dies ändert seine Rolle und seine Funktion in der Katastrophe.

  • Major Rama Safti: Im Roman ist Major Safti ein Brahmane und Schützling des Maharadschas. Im Film von 1955 wird er, um die verbotene interrassische Liebesbeziehung radikaler zu gestalten, als "Unberührbarer" dargestellt, der zudem eine Gefängnisstrafe wegen seiner Beteiligung am Unabhängigkeitskampf verbüßt hat. Dies verschärft den sozialen Konflikt seiner Liebe zu Lady Edwina.


Änderung des Endes

Der wohl bedeutendste Unterschied liegt im Schicksal von Lady Edwina Esketh und ihrem Mann Lord Albert Esketh:

  • Roman (und Verfilmung von 1939):

    • Lord Esketh stirbt infolge der Naturkatastrophe.

    • Lady Edwina (die im Film von 1955 Lana Turner spielt) findet während der Katastrophe Erlösung, indem sie sich um die Kranken kümmert. Sie stirbt schließlich selbst an der Cholera-Epidemie, die nach der Flut ausbricht, weil sie versehentlich aus dem Glas eines Patienten trinkt. Dieses tragische, aber sühnende Ende war ein zentrales Element von Bromfields ursprünglicher Konzeption.

  • Film von 1955 (The Rains of Ranchipur):

    • Lady Edwina und Lord Esketh überleben beide.

    • Lord Esketh überlebt, und Lady Edwina beschließt, zu ihm nach Hause zurückzukehren, da ihre Affäre mit Major Safti beendet ist.

Die Filmemacher von 1955 eliminierten somit den tragischen Tod der "ausschweifenden" Lady Edwina, was die ursprüngliche Sühne und die moralische Aussage des Romans über die Läuterung in der Krise abschwächte.


Erzählstruktur und Fokus

  • Der Roman zeichnet sich durch eine breite Perspektive auf das Land aus und nimmt sich viel Zeit für die Vorgeschichte sowie die detaillierte Beschreibung der sozialen Hierarchien im Indien vor der Unabhängigkeit.

  • Die Filme (1939 und 1955) straffen die Handlung, um sie für das Kinoformat zu beschleunigen. Sie beginnen früher mit dem Besuch der Eskeths und Edwinas Verliebtheit in Major Safti, wobei der Fokus stärker auf die romantischen Verwicklungen und die Katastrophenszenen (Erdbeben, Dammbruch, Flut und Seuche) gerichtet wird, um sie als dramaturgischen Höhepunkt zu nutzen.

  • Die Verfilmung von 1955 konzentriert sich noch stärker auf das zentrale Liebesdreieck (Edwina - Safti - Ransome) und lässt Nebengeschichten, wie die Romanze zwischen Tom Ransome und Fern Simon (die im Roman und im Film von 1939 wichtig ist), stärker in den Hintergrund treten.

Stilprobe:
Da er [Major Safti] ihr [Edwina]  hilfreich zur Seite tritt und der Zögernden den Krug entwindet, berührt seine Hand, die ihre. Wie betäubt von Glück muss sie sich am Tisch anlehnen, doch nur eine Sekunde, dann dankt sie gefasst und mit Haltung: "Ja, er ist schwer."
In dieser Sekunde zitterten ihre Hände wie damals im Sommerpalast, als sie nach dem Weggang von Elisabeth Hodge in dem geschmacklosen Salon mit ihm allein war. Die Haltung jedoch, in der sie vor ihm steht, ist stramm und so respektvoll, als sei sie um kein Haar mehr als die pockennarbige Gupta. Lächelnd bemerkt er, es sei wohl Zeit zum ersten Rundgang, "ich begleite Sie", füllt eine zweite Kanne und nimmt beide auf.
"Geben Sie mir die eine! bittet sie, ich tue es doch gern. Ein leichtes Schmunzeln geht über sein Gesicht, sie fühlt, es, ist kein spöttisches Grinsen, sondern herzlich und warm; es ist fast, als sehe er einem Kind zu, das Doktor spielt, und sie sagt etwas gekränkt: "Sie brauchen mich gar nicht so anzusehen!"
Er hat auch dafür Verständnis, denn er entgegnet nichts, sondern drückt ihr die zwei von der Oberschwester geschriebenen Merkzettel in die Hand: "Die brauchen Sie jedenfalls", worauf sie ihm die Kanne abnimmt und stillschweigend ihren Rundgang antritt.
Aber sie ist nicht gekränkt. Sie lässt ihm den Vortritt und geht mit gelehriger Mine hinter ihm her. Selbst die bis zum Überdruss gedrillte Schwester Gupta könnte nicht braver, nicht andächtiger zu ihm aufblicken. Er widmet ihr auch keine größere Aufmerksamkeit, als er in der gleichen Situation der guten, hässlichen Gupta zuwenden würde. Er geht von Bett zu Bett, und sie gießt die Emaillebecher voll, die neben jedem auf einem kleinen Gestell stehen. Nur ein kleiner Teil der Kranken schläft, etwa zwölf delirieren; die meisten liegen geduldig da. Ihre großen, weit geöffneten Augen folgen den beiden, wie die die Reihen entlanggehen.
Bei den vier, die auf der Liste "Stirbt" stehen, bleibt der Arzt etwas länger. Er fühlt den Puls und legt die Hand auf die glühende Stirn, ohne dabei von Edwina Notiz zu nehmen. Nur einmal sagt er ihr beinahe entschuldigend: "Das Handauflegen hat an sich keinen Zweck, es soll Ihnen nur etwas Mut geben, / denn sie wissen, dass ich Brahmane bin, und seit Jahrhunderten ist diesen Unberührbaren, Ausgestoßenen eingeimpft, sie müssten vor unsereinem beiseite treten, damit ihr Schatten nicht auf uns falle und uns dadurch beflecke. (S. 526/27 - Übersetzung Dr. Rudolf Frank). 

31 Mai 2019

Eine indische Schilderung der Schöpfung (Mahabharata)

Die Wikipedia über das Werk:

"Mit seiner großen Anzahl an Geschichten und Motiven sowie seinen unzähligen religiösen und philosophischen Parabeln wird die Bedeutung des Epos am besten mit dem Satz aus dem ersten Buch zusammengefasst: „Was hier gefunden wird, kann woanders auch gefunden werden. Was hier nicht gefunden werden kann, kann nirgends gefunden werden.“"


Die Geschichte der Schöpfung

"Als dieses Universum ohne Glanz und Licht und alles in völlige Finsternis gehüllt war, da kam ein mächtiges Ei ins Sein, als Ursprung der Schöpfung und als der eine unerschöpfliche Samen von allen erschaffenen Wesen. Es wird Mahadivya genannt und wurde zu Beginn des Yugas erschaffen, in dem - wie uns erzählt wurde - das wahre Licht Brahma war, dieses ewige und wundersame Wesen, welches in allen Orten gleichzeitig präsent ist, die unsichtbare und subtile Quelle und das Wesen der Einheit und Vielfalt. Aus diesem Ei entsprang der Große Vater Brahma, dieser einzige Prajapati, mit Vrihaspati (dem Lehrer der Götter) und Sthanu (Shiva). Dann kamen die einundzwanzig Prajapatis in Erscheinung, nämlich Manu, Vasishta und Parameshti, die zehn Prachetas, Daksha und die sieben Söhne Dakshas. So entfaltete sich das Höchste männliche Wesen von undenkbarer Natur, das alle Rishis erkennen, auch in Form der Viswadevas, Adityas, Vasus, Aswin Zwillinge, Yakshas, Sadhyas, Pisachas, Guhyakas und Pitris. Danach wurden die weisen und höchst heiligen Brahmanen geschaffen und die zahllosen Kshatriyas, die mit allen edlen Qualitäten ausgezeichnet sind. So entstanden auch Wasser, die himmlischen Bereiche, Erde, Himmel und die Himmelsrichtungen sowie die Jahre, Jahreszeiten, Monate, Wochen und die Tage und Nächte in ihrer rechten Abfolge. Alle Dinge wurden so geschaffen, welche der Menschheit bekannt sind. Und am Ende der Welt nach Ablauf der Yugas (Zeitalter) wird alles Geschaffene, alles Belebte und Unbelebte, was im Universum zu sehen ist, wieder verfallen und aufgelöst. Und wenn dann ein neues Yuga beginnt, werden alle Dinge wieder erschaffen, in gleicher Weise wie die verschiedenen Früchte der Erde in ihren rechten Jahreszeiten erscheinen und gedeihen. Dieses mysteriöse Rad, welches die Zerstörung und Erschaffung aller Dinge verursacht, dreht sich auf diese Weise beständig in der Welt, ohne Anfang und Ende.[...]

König Janamejaya wird beim Opfer verflucht

Sauti sprach:
Einst nahm Janamejaya, der Sohn von Parikshit, mit seinen Brüdern an einem langwierigen Opfer in den Ebenen bei Kurukshetra teil. Seine Brüder waren Srutasena, Ugrasena und Bhimasena. Als sie so beim Opfer saßen, da erschien ein Nachfahre von Sarama, der himmlischen Hündin, am selben Ort. Von den Brüdern Janamejayas bedrängt, floh er vor Schmerzen weinend davon und zu seiner Mutter. Als seine Mutter ihn so heftig weinen sah, da fragte sie ihn: „Warum weinst du? Wer hat dich geschlagen?“ Er antwortete ihr: „Ich wurde von den Brüdern des Janamejaya bedrängt.“ Da meinte seine Mutter: „Du hast sicher einen Fehler begangen und wurdest dafür geschlagen.“ Doch er erwiderte: „Ich habe keine Schuld. Ich habe die Opferbutter mit meiner Zunge nicht berührt und sie nicht einmal angesehen.“ Als seine Mutter Sarama dies vernahm, regte sich großer Kummer ob des Leidens ihres Sohnes in ihr, und sie begab sich zu dem Ort, an dem das lang andauernde Opfer des Janamejaya stattfand. Dort richtete sie ihre zornigen Worte an Janamejaya: „Mein Sohn hat nichts Sündiges getan. Er hat weder die Opferbutter angesehen, noch sie mit seiner Zunge berührt. Warum wurde er von euch geschlagen?“ Doch niemand gab ihr Antwort, woraufhin sie sprach: „Weil ihr meinen schuldlosen Sohn geschlagen habt, wird Böses über euch kommen, wenn ihr es am wenigsten erwartet.“

Somasrava soll als Priester den König beschützen

Nach diesen Worten der himmlischen Hündin Sarama war Janamejaya erschüttert und wurde niedergeschlagen. Nach Abschluß des Opfers kehrte er zurück nach Hastinapura und begann mit großer Anstrengung nach einem Purohita (Priester) zu suchen, der ihn von seiner Sünde befreien und den Fluch neutralisieren konnte. Eines Tages entdeckte Janamejaya, der Sohn des Parikshit, auf der Jagd in einem besonderen Teil seines Reiches eine geheiligte Einsiedelei, in welcher der ruhmreiche Rishi Srutasrava wohnte. Dieser hatte einen Sohn namens Somasrava, welcher tief in asketischer Hingabe versunken war. Janamejaya wünschte sich sehr, diesen Sohn des Rishi zu seinem Purohita zu ernennen. Er grüßte den Rishi und sprach ihn an: „Oh du mit den sechs göttlichen Attributen Versehener, laß deinen Sohn mein Purohita sein.“ Der Rishi gab ihm folgende Antwort: „Oh Janamejaya, mein Sohn ist asketischer Frömmigkeit zutiefst zugetan, und er ist tüchtig im Studium der Veden. Er ist mit der ganzen Kraft meiner Askese ausgestattet und wurde im Leib einer Schlange geboren, welche meinen Lebenssamen getrunken hatte. Er ist in der Lage, dich von all deinen Sünden zu befreien, außer denen, die gegen Mahadeva begangen wurden. Aber er hat eine besondere Eigenschaft. Er gewährt jedem Brahmanen jeden Wunsch, was auch immer dieser von ihm erbittet. Wenn du damit einverstanden bist, dann nimm ihn.“ Und Janamejaya erwiderte: „Es sei, wie du sagst.“ Er akzeptierte ihn als seinen Priester und kehrte nach Hastinapura zurück. Dort sprach er zu seinen Brüdern: „Diesen Menschen habe ich zu meinem spirituellen Meister erwählt. Was auch immer er sagt, dem müßt ihr Folge leisten, ohne zu fragen.“ Und seine Brüder gehorchten, wie er es ihnen anwies. Danach marschierte der König nach Takshashila und eroberte dieses Land.

Die Geschichte der Heiligen Dhaumya und Aruni

Ungefähr zur selben Zeit lebte ein Rishi mit Namen Ayoda-Dhaumya. Dieser hatte drei Schüler: Upamanyu, Aruni und Veda. Der Rishi bat seinen Schüler Aruni aus Panchala auf seinem Feld eine Bresche im Wasserzulauf zu verstopfen. Aruni begab sich auf Befehl seines Lehrers dorthin und erkannte, daß es ihm mit gewöhnlichen Mitteln nicht möglich sein würde, die Bresche zu stopfen. Darüber war er sehr beunruhigt, denn das bedeutete, daß er seines Lehrers Bitte nicht erfüllen würde. Doch nach einer Weile kam ihm eine Idee, und er sprach zu sich: „Gut, so werde ich es tun.“ Er stieg in die Bresche hinab und legte sich selbst hinein. So wurde das Wasser eingedämmt. Nach einiger Zeit erkundigte sich der Lehrer Ayoda-Dhaumya bei seinen anderen Schülern, wo Aruni aus Panchala wäre. Sie antworteten ihm: „Herr, er wurde von dir selbst fortgesandt, um den Wasserauslauf im Feld zu stoppen.“ Solchermaßen erinnert sprach Dhaumya zu ihnen: „Laßt uns alle dahin gehen, wo er ist.“ Dort angekommen rief er: „Aruni aus Panchala, wo bist du? Komm her, mein Kind.“ Als Aruni die Stimme seines Lehrers vernahm, erhob er sich aus der Bresche und stand vor seinem Lehrer. Er sprach: „Hier bin ich. Ich war nicht in der Lage, das Wasser anders einzudämmen, also bin ich selbst hinabgestiegen, um es vom Weglaufen abzuhalten. Nur weil ich deine verehrte Stimme gehört habe, habe ich die Bresche verlassen und den Wassern erlaubt, auszulaufen. Nun stehe ich vor dir, Meister, und grüße dich. Sag mir, was ich tun soll.“ Da sprach der Lehrer: „Weil du aus dem Graben gestiegen bist und die Wasser hast frei laufen lassen, sollst du von nun an Uddalaka genannt werden als ein Zeichen meiner Gunst. Und weil du meinen Worten so wahrhaft gefolgt bist, sollst du Glück erfahren. Alle Veden werden in dir scheinen und die Dharma Shastras auch.“ So von seinem Lehrer gesegnet, ging Aruni fort zu einem Land, das nach seinem Herzen war.

Die Geschichte von Upamanyu

Der Name eines anderen Schülers von Ayoda-Dhaumya war Upamanyu. Es kam der Tag, an dem Dhaumya ihm folgendes bestimmte: „Geh, mein Kind, und hüte das Vieh.“ Und Upamanyu gehorchte. Den ganzen Tag hütete er die Kühe, und am Abend kehrte er ins Haus seines Lehrers zurück, stand vor ihm und grüßte ihn respektvoll. Nach einigen Tagen bemerkte sein Lehrer, wie der Junge in bester körperlicher Verfassung vor ihm stand und fragte ihn: „Upamanyu, mein Kind, wovon ernährst du dich? Du bist außerordentlich füllig.“ Die Antwort war: „Herr, ich ernähre mich durch Betteln.“ Da sprach sein Lehrer: „Was dir als Almosen gegeben wird, solltest du nicht für dich allein behalten, ohne es mir anzubieten.“ Nach diesen Worten ging Upamanyu davon. Als er wieder Almosen erhielt, bot er diese seinem Lehrer an. Und der nahm von ihm alles. Nachdem Upamanyu so behandelt worden war, ging er zum Vieh zurück. Wieder hütete er es den ganzen Tag, und stand am Abend respektvoll grüßend vor seinem Lehrer. Dieser bemerkte, daß sein Schüler immer noch bei guter Verfassung war und sprach: „Upamanyu, mein Kind, ich nehme dir alles weg, was du an Almosen erhältst und lasse dir nichts übrig. Wie schaffst du es immer noch, dich zu ernähren?“ Und Upamanyu erklärte: „Herr, nachdem ich dir alle Almosen übergeben hatte, ging ich ein zweites Mal betteln, um selber zu essen.“ Sein Lehrer sprach: „Das ist nicht die Art, wie du den Worten deines Lehrers gehorchen solltest. Auf diese Weise verringerst du die Unterstützung für andere, die vom Betteln leben. Indem du dich auf diese Weise ernährt hast, hast du dich gierig gezeigt.“ Da stimmte Upamanyu allem zu, was sein Lehrer gesagt hatte, und ging fort, sich um die Kühe zu kümmern. Er hütete sie bei Tage, kam am Abend zum Haus seines Lehrers, stand vor ihm und grüßte ihn voller Respekt. Doch immer noch war er mollig und wurde gefragt: „Upamanyu, mein Kind, ich nehme dir alles weg, was du erbittest, und du gehst kein zweites Mal betteln. Doch immer noch bist du gesund und rund. Wie machst du das nur?“ Upamanyu erwiderte: „Ich trinke die Milch der Kühe.“ Doch sein Lehrer sagte ihm: „Es ist nicht recht von dir, von dieser Milch zu trinken, ohne vorher meine Erlaubnis einzuholen.“ Upamanyu stimmte der Richtigkeit dieser Worte zu und ging davon, sich um die Kühe zu kümmern. Als er zu seinem Lehrer zurückkam, ihn zu grüßen, hatte sich nichts verändert. Dhaumya fragte ihn erneut: „Upamanyu, mein Kind, du ißt keine Almosen, gehst kein zweites Mal betteln, trinkst nicht mehr die Milch meiner Kühe und bist immer noch fett. Wovon ernährst du dich nun?“ Die Antwort war: „Herr, ich schlecke nun den Schaum, den die Kälber ausspucken, wenn sie an den Zitzen ihrer Mütter saugen.“ Daraufhin sprach sein Lehrer: „Nun, ich bin sicher, daß diese Kälbchen aus Mitgefühl für dich große Mengen Schaum ausspucken. Möchtest du ihr volles Mahl auf diese Weise weiter stören? Wisse, es ist nicht recht von dir, den Schaum zu trinken.“ Upamanyu stimmte zu und ging davon.
Von seinem Lehrer zurückgehalten aß er keine Almosen, trank weder Milch noch Schaum und hatte gar nichts zu essen. Eines Tages aß er vor lauter Hunger von den Blättern eines Arka Baumes im Wald. Die scharfen, bitteren, rohen und salzigen Eigenschaften der Blätter, welche er gegessen hatte, griffen jedoch seine Augen an, und er wurde blind. Als er so umherirrte, fiel er in einen tiefen Graben und konnte nicht zum Haus des Rishis heimkehren. Als an diesem Tag die Sonne hinter den Gipfeln der Berge im Westen versank, fragte der Lehrer seine anderen Schüler, wo Upamanyu ist. Sie antworteten ihm, daß dieser ausgegangen war, das Vieh zu hüten. Und Dhaumya meinte, er hätte Upamanyu von allem zurückgehalten, und deswegen wäre er wohl bis jetzt noch nicht nach Hause gekommen. „Laßt uns nun alle gehen, um ihn zu suchen“. Gesagt, getan. Dhaumya ging mit seinen Schülern in den Wald und begann zu rufen: „Hey, Upamanyu, wo bist du? Komm her, mein Kind!“ Als Upamanyu die Stimme seines Lehrers vernahm, antwortete er mit lauter Stimme: „Hier bin ich, am Grunde eines Grabens.“ Und sein Lehrer fragte ihn: „Wie bist du da hineingefallen?“ Upamanyu erwiderte: „Ich wurde blind, nachdem ich von den Blättern eines Arka Baumes aß, und so stolperte ich hinein.“ Daraufhin riet ihm sein Lehrer: „Verehre die Aswin Zwillinge, die beiden Ärzte der Götter. Sie werden deine Sicht wiederherstellen.“
Von seinem Lehrer solcherart angewiesen, begann Upamanyu, die Aswin Zwillinge mit den folgenden Worten aus dem Rigveda zu preisen:
Oh ihr Erstgeborenen, ihr existiertet vor der Schöpfung! Ihr offenbart euch im wunderbaren Universum der fünf Elemente. Ich wünsche, euch zu erfahren mithilfe von gehörtem Wissen und Meditation, denn ihr seid grenzenlos. Ihr seid der Lauf der Natur selbst und die weise Seele, welche diesen Zyklus durchdringt. Ihr seid Vögel mit wunderschönen Federn, die sich auf dem Körper niederlassen wie auf einem Baum. Ihr seid von den drei Grundeigenschaften aller Seelen befreit (Güte, Leidenschaft und Trägheit). Ihr seid jenseits aller Vergleiche. Ihr durchdringt das ganze Universum mit dem Geist eines jeden geschaffenen Wesens. Ihr seid goldene Adler! Ihr seid die Essenz, in die alle Dinge verschwinden. Ihr seid frei von Fehlern und kennt kein Verderben. Ihr habt schöngeformte Schnäbel, welche niemals ungerecht zuschlagen und in jedem Kampf siegreich sind. Ihr herrscht ganz sicher über die Zeit. Ihr habt die Sonne geschaffen und webt das wunderbare Kleid des Jahres bei Tag und Nacht aus weißen und schwarzen Fäden. Mit diesem Gewebe habt ihr zwei Wege für die Taten geschaffen, welche zu den Göttern oder zu den Ahnen gehören. Ihr laßt den Vogel des Lebens frei, welcher von der Zeit ergriffen wurde und welcher die Stärke der grenzenlosen Seele symbolisiert, damit er großes Glück beschert. Jene, welche in tiefer Unwissenheit befangen sind, weil ihre Sinne sie täuschen, nehmen an, daß ihr, die ihr unabhängig von den Eigenschaften der Materie seid, eine Form habt. Dreihundert und sechzig Kühe, die ebenso vielen Tagen entsprechen, gebären ein Kalb, und das ist das Jahr. Dieses Kalb ist der Schöpfer und Vernichter von allem. Die Wahrheitssuchenden, auch wenn sie vielen Wegen folgen, schöpfen die Milch der Wahrheit mit seiner Hilfe. Ihr Aswins, ihr seid die Schöpfer dieses Kalbes.
Das Jahr ist die Nabe eines Rades, an dem siebenhundert und zwanzig Speichen angebracht sind. Diese stellen die Tage und Nächte eines Jahres dar. Der Radkranz ist ohne Anfang und Ende und entspricht den zwölf Monaten. Dieses Rad ist voller Täuschungen und kennt kein Vergehen. Es beeinflußt alle Wesen in dieser oder der anderen Welt. Ihr Aswins habt dieses Rad der Zeit in Bewegung versetzt.
Das Rad der Zeit, wie es vom Jahr repräsentiert wird, hat noch eine Nabe, und das sind die sechs Monate. Die Zahl der hierzu gehörenden Speichen ist zwölf, und das sind die Tierkreiszeichen. Dieses Rad der Zeit offenbart die Früchte der Taten aller Wesen. Selbst die führenden Götter der Zeit bleiben in diesem Rad. Gebunden bin auch ich von seinen Banden, oh Aswins, befreit mich von diesem Rad der Zeit. Oh Aswins, ihr seid dieses Universum der fünf Elemente. Ihr seid die Objekte, an denen man sich in dieser und der anderen Welt erfreut. Macht mich unabhängig vom Einfluß der fünf Elemente! Denn obwohl ihr das Höchste Brahman seid, bewegt ihr euch doch über die Erde in verschiedenen Gestalten und genießt die Freuden, welche die Sinne gewähren können.
Am Anfang schuft ihr die zehn Himmelsrichtungen des Universums. Ihr habt die Sonne und den Himmel an ihren Platz gehoben. Die Rishis führen ihre Opferzeremonien anhand des Laufs dieser Sonne durch. Auch Götter und Menschen zelebrieren ihre Opfer wie es ihnen zugewiesen wurde und erfreuen sich an den Früchten dieser Taten. Indem ihr die drei Farben mischtet, erschuft ihr alle sichtbaren Objekte. Aus diesen Objekten entstand das Universum, in dem Götter, Menschen und alle Wesen, die mit Leben gesegnet wurden, mit ihren jeweiligen Aufgaben beschäftigt sind.
Ihr Aswins, ich verehre euch! Ich verehre auch den Himmel, der euer Werk ist. Euch sind die Früchte aller Taten geweiht, von denen auch die Götter nicht frei sind. Doch ihr selbst seid frei von den Früchten eurer Taten. Ihr seid die Eltern von allem. Als Mann und Frau verzehrt ihr die Nahrung, welche sich später in lebensspendenden Saft und Blut verwandelt. Das neugeborene Kind saugt an der Brust der Mutter. Wahrlich, das seid ihr, ihr nehmt die Gestalt dieses Kindes an. Oh Aswins, gewährt mir das Augenlicht, um mein Leben zu beschützen.

Nachdem Upamanyu die Aswins auf diese Weise verehrt hatte, erschienen sie vor ihm und sprachen: „Wir sind mit deiner Hingabe sehr zufrieden. Hier ist ein Keks für dich. Nimm ihn und iß.“ Doch Upamanyu erwiderte: „Eure Worte, oh Aswins, sind niemals unwahr. Doch ich wage es nicht, ihn zu essen, ohne den Keks zuerst meinem Lehrer anzubieten.“ Da sprachen die Aswins: „Dein Lehrer hat uns auch einmal herbeigebeten. Wir gaben ihm einen Keks wie diesen und er aß ihn, ohne ihn vorher seinem Meister anzubieten. Tue, was dein Lehrer damals tat.“ Doch Upamanyu sprach erneut: „Oh Aswins, ich flehe um eure Gnade. Ich kann ihn nicht annehmen, ohne ihn vorher meinem Lehrer anzubieten.“ Da erwiderten die Aswins: „Wir sind zufrieden mit deiner Hingabe zu deinem Lehrer. Die Zähne deines Meisters sind von schwarzem Eisen. Deine sollen golden sein. Dir soll das Augenlicht wiedergegeben werden, und du sollst Glück erfahren.“ Nach diesen Worten der Aswins kehrte ihm das Sehvermögen zurück. Er ging zu seinem Lehrer, grüßte ihn und erzählte ihm alles, was passiert war. Auch sein Lehrer was sehr zufrieden mit ihm und sprach: „Du sollst genau das Glück erfahren, wie es die Aswins erwähnten. Alle Veden sollen in dir scheinen und alle Dharma Shastren.“ Und das war seine Prüfung. [...]" (Text: Mahabharata - Wikipedia)

Weitere Schöpfungsmythen

05 August 2017

Arundhati Roy: Der Gott der kleinen Dinge

Arundhati Roy: Der Gott der kleinen Dinge

Das Buch habe ich Im Jahr 2000 gelesen und habe Monate gebraucht, hineinzufinden. 
Es ging mir damit ähnlich wie mit "Hundert Jahre Einsamkeit". Ich bin gern bereit, zuzugestehen, dass es große Literatur ist, doch bleibt es mir zu fremd, als dass ich gern wieder danach greifen würde.
Damals habe ich festgehalten:
Der Roman gewinnt mit der Liebesgeschichte zwischen  Ammu (der Mutter von Estha und Rachel) und dem einarmigen Unberührbaren, dem Schreiner und Techniker Velutha an Richtung.
Sie endet in einer Katastrophe, aus der sich der Tod der englischen Kusine Esthas und Rachels (Unfalltod bei gemeinsamer Bootfahrt mit den Zwillingen), Sophie Mol, und darauffolgend ihre Trennung ergibt. Velutha ist "Der Gott der kleinen Dinge".

Ich bin froh, dass ich heute auf Wikipedia und Rezensionen (Suchmaschine) verlinken kann, damit der Leser hier mehr erfährt, als ich damals niedergeschrieben habe.
Ich bin sicher, dass "Das Ministerium ..." große Literatur ist und bin doch dankbar, dass ich über Richard Christ: Mein Indien mehr Verständnis für diese mir fremde Welt gewinnen konnte, als es mir über "Der Gott ..." gelungen ist.
Meine Bewunderung gilt der Aktivistin Roy mehr noch als der Künstlerin. Sicher findet sich auch bei Fontane der Gedanke, dass man (Dichtung) nur schreiben soll, wenn man muss. Offenbar war es für Roy, nachdem sie sich durch den Gott der kleinen Dinge einen Namen gemacht hat, noch wichtiger, für Veränderung zu kämpfen, als Veränderungswürdiges bleibend dichterisch zu gestalten. Sie musste also eine Zeit lang nicht mehr schreiben.
Für die Weltliteratur ist es aber sicher ein Gewinn, wenn sie ihrer Begabung von jetzt ab mehr nachgehen sollte als ihrer politischen Verpflichtung.

Arundhati Roy: Das Ministerium des äußersten Glücks

"Roy ist eine weltberühmte Kapitalismuskritikerin, und ihr Roman Das Ministerium des äußersten Glücks ist bis zum Platzen vollgestopft mit Protest gegen die Ungerechtigkeit der indischen Gesellschaft und unserer Zeit überhaupt. [...] Dass man sich dem allgemeinen Verderben entgegenstemmt, heißt nicht, dass man einen Straßenköter ignorieren dürfte. Wenn ein Käuzchen, das auf einer Straßenlaterne sitzt, "mit der Eleganz und den tadellosen Manieren eines japanischen Geschäftsmannes" den Kopf neigt, dann lässt Roy das Bild nicht einfach liegen, sondern reicht es weiter, an die Frau, die von ihrem Zimmer aus den Vogel im Blick hat: "In manchen Nächten nickte sie ebenfalls und sagte, Moshi , Moshi . Mehr Japanisch konnte sie nicht." Auf beinahe jeder Seite findet sich diese Poesie des Details, finden sich Humor und Genauigkeit und Liebe. [...]  Arundhati Roys publizistische Aufschreie gegen den Überwachungsstaat oder die multinationalen Konzerne sind keine schlüssige Gesellschaftskritik, und Das Ministerium des äußersten Glücks ist kein gelungener Roman. Die Temperatur ist immer zu hoch, die Distanz zu gering. [...] 
Nicht zufällig lebt Arundhati Roy in Indien und ist Das Ministerium des äußersten Glücks ein Indien-Roman. Indien, mit seinem Chaos und seinen Widersprüchen, mit seiner abenteuerlichen Spannweite zwischen quasimittelalterlichem Landleben und hypermoderner IT-Ökonomie, bedeutet die ultimative Überforderung durch eine bedrängende Realität: Die Versuchung, vor dem Angriff der Tatsachen in Deckung zu gehen, sich aus dem unverdaulichen Ganzen bequeme Teilwahrheiten herauszusuchen, ist fast übermächtig. Aber man kennt sie auch außerhalb Indiens. Dem tritt Arundhati Roy mit ihrem Projekt einer schutz- und filterlosen Wahrnehmung entgegen, die vom Antiterrorkampf des frühen 21. Jahrhunderts bis zu den Teeblättern auf der Schnauze eines Hundes alles umfasst. Das Ministerium des äußersten Glücks ist eine Lektion in der Kunst, die Augen offen zu halten." (Jan Roß: Arundhati Roy: Chronistin des Grauens, ZEIT 32/2017, 3.8.17)

03 Dezember 2016

Richard Christ: Mein Indien

Richard Christ: Mein Indien. Aufbau-Verlag,1982 (Kommentare)

File:Mumbai 03-2016 52 Dharavi near Mahim Junction.jpg
Mumbai travel map.svg 
Bilder aus: Wikivoyage Mumbai*
sieh auch: Lonely Planet Indien
Dieser Artikel ist auf Fontanefans Schnipsel entworfen und auch veröffentlicht worden.

*Mumbai. (2016, August 30). Wikivoyage, The FREE worldwide travel guide that anyone can edit. Retrieved 04:17, October 3, 2016 fromhttps://en.wikivoyage.org/w/index.php?title=Mumbai&oldid=3042379.

Das Buch liest sich gut, ist nicht komprimiert, aber auf unterhaltsame Weise unterrichtend.
Beispiele: 
Elephanta, S.34
Über die vielfältigen Göttersagen und die zentralen religiösen Texte wissen auch ungebildete Inder erstaunlich gut Bescheid. Was früher die mündliche Überlieferung leistete, leisten jetzt Comics (in schreienden Farben illustriert) in Anlehnung an die bedeutendsten und berühmtesten Skulpturen und  Plastiken sehr effektiv:
"Wir sind im Westen ungeheuer spezialisiert, von profunder Wissenschaftlichkeit [...] aber unsere Vergangenheit haben wir darüber langsam, doch unwiderrufbar verloren. Sie lebt nur noch in den Archiven und im Gedächtnis studierter Altertumsforscher. Für die Mehrzahl der Bevölkerung ist unsere Kulturgeschichte tot." (S.106)
[Die Wikipedia ermöglicht freilich zu vielem einen im Vergleich zu früher sehr unkomplizierten Zugang. Nur aufgrund des hohen Anspruchs der Autoren an sich selbst droht sie sich mehr und mehr dem Verständnis der "Mehrzahl der Bevölkerung" zu entziehen.]
Parsen. Aus Persien kommend, die geborenen Händler und Unternehmer. Kein Kastendenken, kein Verbot, Schiffe zu benutzen, wie bei den Hindus. Dafür Zoroaster, Feuerkult, keine Verunreinigung der Elemente, Totentürme, auf denen Geier das Fleisch der Menschen fressen, ohne dass Feuer, Erde oder Wasser verunreinigt werden. Freilich ... (S.118-125)
Adschanta (Ajanta Wikipedia, Wikimedia Commons) S.143-152
Ellora (S.156ff), besonders Kailasa-Tempel ("Höhle 16"), dazu auch Lingam und Yoni.
Avatare Wischnus (Vishnu) S.160-163 (Buddha als Verkörperung Vishnus)
Pune S.164ff
"Keralas Hauptstadt Trivandrum schickt zur Begrüßung einen Mann, der in meiner Erinnerung weiterleben wird gewissermaßen als der indischste Inder." Mr. Menon. (S.225)

Vivekananda versuchte das Kastensystem aufzubrechen, Suchindram, ein eindrucksvoller Tempel (S.258 ff.)
Kasten "Wachsende Arbeitsteiligkeit führte ebenso wie die unablässige Verästelung des Hinduglaubens zu einer vielfachen Unterteilung der Stände", den Kasten. (S.266) 1927 zählten die Briten etwa 2500 Kasten, neuere Schätzungen schwanken zwischen 2000 und 3000. Zu den Parias, den Unberührbaren, Gandhi nannte sie die "Gotteskinder" , gibt es heute etwa 100 Millionen. (S.268)
Bhagavad Gita: "Ich hatte in Goa das heiligste Buch der Hindus gelesen und war verzweifelt, weil ich mir nicht einmal die Synonyme der Personen merken konnte." (S.271)
Bei der Verabschiedung sagte Mr. Menon "mir nichts von den flotten Floskeln, die einem oft wie eingelernt vom Munde gehen [...]. Er [...] sah mir lange in die Augen und sagte: [...] Denken Sie gut von mir, wenn ich Ihnen in Erinnerung komme." (S.272)
Golkonda-Festung (S.293), Koh-i-Noor (S.294)
Bangalore (S.299 ff.)
Tanz zur Geschichte der Kuhhirtin Radha und Krischnas (S.302)

Für verschiedene Stimmungen stehen bestimmte Weisen, Ragas, die so wirkmächtig sind, dass eine feurige - der Legende nach - den Sänger selbst verbrennen kann und eine andere Regen für Bengalen gebracht und so die Ernte gerettet hat. S.304) Ohne Kenntnis der Ragas sei ein Tanz nicht vergnüglicher als ein Buch für einen Analphabeten. Der Autor, Richard Christ, kann das nicht bestätigen. Er war von dem Tanz sehr angetan. (S.305)
Bild: Krischna (blau) mit Kuhhirtinnen. (Wikipedia)

R. Christ fährt auch zum Mausoleum Tipu Sultans, der mit den Franzosen gegen die Briten kämpfte. Er war so begeistert für die Französische Revolition, dass er sich gelegentlich auch Citoyen Tipu nannte. (S.305-307)
Von Maisur/Mysore geht es zu den Gärten von Vrindavan (in französischem Stil). 


In Madurai fährt Christ zum Minakshi-Tempel, dem gegenüber andere Tempelanlagen winzig erscheinen (sieh Bild aus Wikipedia). (S.313-327)

Madras (S.333 ff.)

Witwenverbrennung 
Ram Mohan Roy (1772-1833), S. 340

In Südindien wurden Denkmäler für britische Könige u.ä. weniger oft zerstört als in Nordindien. (S.344)

Streit um die indische Gemeinsprache. Die Verhandlungen wurden auf Englisch geführt. Die Entscheidung fiel für Hindi. Bengalen und Tamil Nadu wehrten sich dagegen. Bis 1975 sollte der Umlernprozess abgeschlossen sein. (S.346)
1983 war das noch nicht erreicht.
Im Süden von Madras eine Schlangenfarm und das "Welthauptquartier der Theosophischen Gesellschaft." (S,349)
Schlangen sind in Südindien und Bengalen fast so heilig wie die Kühe. Sie sind oft als eine Art Halstuch oder Gürtel Begleiter der Götter, dienen als Tempelwächter, müssen aber vor"skrupellosen Händlern geschützt" werden. (S.350)
Mamalapuram (S.357)
heutige Steinmetze (S.359)
auf dem Lande, Reisfelder (S.363ff.)
Auroville (S.371)
Aurobindo Ghose
Mirra Alfassa ("die Mutter")
Matrimandir (S.372)
Pondicherry (S.379)


Banyan-Feige (Ficus Benghalensis L.) (S.406-408)
Milton beschreibt im "Paradise Lost" 25 Jahre vor der Gründung Kalkuttas einen solchen Baum:
"der heut in Indien bekannt,/ In Malabar und Deckhan, der die Zweige/ So breit und lang ausstreckt, dass die zum Boden/ Gesenkten Reiser wurzeln und als Töchter/ Den Mutterbaum umwachsen, hoch gewölbt,/ Ein Pfeilerwald mit widerhallenden Gängen./ Dort sucht der indische Hirt, die Hitze scheuend, / Im Kühlen Schutz und hütet seine Herden/ Durch Lücken, die er in das Dickicht haut." (S.406)
Der Same des Baums wurde 1786 in den Boden gesenkt. Als Queen Viktiria sich zur Kaiserin Indiens machte, hatte der Hauptstamm schon 15 Meter Umfang. Zur Zeit des Ersten Weltkriegs war der Kronenumfang 300 Meter. Während der Regierungszeit Georgs V. verliert der Baum seinen Hauptstamm. Seine Krone wird weiter von den Luftwurzeln gehalten. Eine Zählung ergibt 526.
1947 dann zum Ende der britischen Herrschaft bedeckt der Baum eine Fläche von 7000 Quadratmetern. Die Krone hat einen Umfang von 400 m. Unter Indira Gandhi Höhe des Baums 27 Meter, Kronenumfang 417 m. 1983 zählt Richard Christ 1125 Stämme.

Kalkutta ist einmalig in seinem Verkehrschaos "Weil es keine Stdt gibt, die so wenige Quadratmeter für den Verkehr unbebaut lässt (im indischen Vergleich dreimal weniger als Bombay)."
Im Stau ergibt sich folgender Eindruck: "Die gesamte Bewegungsenergie der Fahrzeuge scheint sich umzuwandeln in Geräusche." (S.409) "Jam hour: Wenn alles zerrieben und zermahlen wird zu Verkehrsmarmelade." (S.410)

New Market: "Schaufenster gibt es nicht, alle Ware liegt offen. Jedes Stehenbleiben provoziert ein fast gewalttätiges Angebot." (S.414)

Bettler
"Hier wird in anderem Stil gebettelt, unfreundlich, fast aggressiv. [...] Die Miserablen setzen das letzte ein, was ihnen geblieben ist, ihre Krankheit. Sie bedrängen mit beulenbesetzten Gliedern und zerfressenen Gesichtern die ahnungslose Kundschaft, verursachen Schrecken und Ekel, aus dem jeder bereit ist, sich loszukaufen [...] Ihr Aussatz ist echt. Sie betteln ohne Vorspiegelung falscher Leiden." (S.415)
"Die Statistik neutralisiert das Grauen zu Zahlen. In derStadt werden jährlich zehn Millionen Dollar erbettelt, allein gewerbsmäßige Bettler zählt man hundertfünfzigtausend." (S.415)
"Seither stirbt Kalkuttas Armut unter den sanften Händen der Mutter Theresa und ihrer tapferen Helfer. Das Los der Todkranken wird gelindert, ohne dass missioniert würde. [...] das Heim, in dem noch niemand verzweifelt, verlassen, unversorgt oder - dies ist vielleicht das Größte, was Mutter Theresa leistet - ungeliebt gestorben ist." (S.416)

Lord Curzon, Kaiserin Victoria (S.430)

Orissa, Puri, Kaiser Aschoka (S.435 ff.)
Entfernungsmaß: "Geh einen grünen Zweig lang! Es ist die durch das Verdorren eines gebrochenen Zweiges geeichte kurze Zeitspanne." (S.441)
Dschagannath (S.441 ff.) Sein Tempel steht von Beginn an allen Kasten der Hindus offen. Er wird behandelt "als regierendes Oberhaupt von Orissa", gewaschen, angezogen, gespeist, umgezogen, gespeist ... (S.443) Das Götterbild ist aus Holz und unvollständig (S.444)

Varanasi, Ganges, Ghat, (S.457ff.) 
"Denn vor allem die Alten, einen Schritt vor dem Grab, wollen nach Varanasi. Der Fluß wäscht alle Sünden ab und sichert die Wiedergeburt in besserer Existenz." (S.464) "Panchganga-Ghat, unter ihm sollen sich fünf heilige Flüsse treffen." (S.467)

"Chemiker haben Versuchsreihen angesetzt, mischten Gangawasser mit Choleraerrregern. Die Krankheitskeime starben nach kurzer Zeit ab. [...] man vermutet desinfizierende mineralische Bestandteile [...] (S.473)

Kinderhochzeit ist verboten. "Vor kurzem habe ich in der Presse gelesen, daß in Radschasthan an einem Tag, der als besonders glückverheißend gilt, zehntausend Kinder vermählt worden sind." (S.479) Essen im Tempel der tibetischen Lamaisten (S.481ff.)

Lord Krishna (S.484) Tadsch Mahal (S.488)

Ali: "Ich bin wie Kaiser Akbar. Ich war nie in einer Schule." (S.502)

Khadschuraho, Tempel, Kamasutra, (S.502 ff.)

Raschputenland, Dschaipur, Pfauen (S.517)
Dschai Singh II. "Palast der Winde" (nur Fassade aus lauter Erkern) (S.519)
Amber, Elefant,
Udaipur, Maharana, Maharadscha, Insel Dschag Mandir,
Nagda (S.531) Mewar 
"Spruch aus einem Handbuch über Radschstan: "Sieh Venedig und stirb, aber sieh Udaipur und lebe, um es wieder und wieder zu sehen!" Bei Vollmond gab es da gar nichts zu Belächeln." (S.532)

Simla; Hanuman "Sein Affenfuß hat hier einen Abdruck hinterlassen, als er auf die Insel Ceylon hinübersprang, wo er Rama beistand. Es sind die gleichen Mythen, wie sie dreitausend Kilometer südlich, in Tamil Nadu oder Kerala erzählt werden. Sie verbinden das Land, und wenn es ein Indien gibt, trotz vieler Nationalitäten, Religionen, Rassen, Kasten, so sind die alten Geschichten, so ist Poesie nicht unbeteiligt daran." (S.592)

"Die schwimmenden Gärten im Paradies" (S.593)
Kaschmir, Srinagar (S.593)
Shalimar-Gärten, Dal-See. (S.602)

Kangar/Kangri: ein Korb mit irdenem oder Messingeinsatz, den man in Kaschmir statt der nicht vorhandenen Öfen verwendet. Man nimmt ihn unter dem Umhang auch nach draußen mit. Gefüllt ist er mit glühender Holzkohle "gebrannt aus Kiefernholz, das mit den Flüssen vom Gebirge heruntertreibt. Gewöhnlich wird noch trockenes Laub zugefüllt." (S.607) "die individuelle Art des Heizens", recht ökologisch.

Der Bergführer (S.611), Weg zum Nanga Parbat. Der liegt in Wolken.   

"ein Wort aus dem Sanskrit: "Wer kann getadelt werden, wenn er trotz redlicher Bemühung das erwünschte Ziel nicht erreicht?" (S.625)


Weiteres zu Indien:

eher etwas zum Schmökern: 
- "An den inneren Ufern Indiens. Eine Reise entlang des Ganges" von Ilija Trojanow, Piper
- "Der Sadhu an der Teufelswand. Reportagen aus einem anderen Indien" von Ilija Trojanow, Sierra Taschenbuch
- "Notbremse nicht zu früh ziehen! Mit dem Zug durch Indien" von Andreas Altmann von Rowohlt Tb.

04 April 2009

Keine Geschichte Indiens

Unter dem Titel "Eine kleine Geschichte Indiens" wird ein engagiertes Plädoyer für ein pluralistisches Indien von Shashi Tharoor vertrieben. Leider ist es eine Mogelpackung. Zwar ist ihm eine Tabelle zur Geschichte Indiens beigefügt, aber selbst die beginnt erst 1947.
Wer glaubte, anhand dieses über 400 Seiten starken Werkes seine Kenntnisse über die Geschichte Indiens deutlich erweitern zu können, wird bitter enttäuscht.

29 September 2007

Baniane

10 000 Menschen sollen unter ihrem Laubdach Platz finden, Hindus und Buddhisten ist sie heilig, die Baniana, Pappel-Feige, auch Buddhabaum genannt. So berichtet Pauline Helfer.
Als historisch gesichert gilt, dass ein Ableger des Baumes, unter dem Buddha seine Erleuchtung gehabt haben soll, in Sri Lanke steht. Und die vielen Ableger, die man von dort genommen hat, um sie in buddhistische Tempelbauten zu integrieren, gehen also alle auf diesen Baum zurück. Die Bilder, die man von solchen Bäumen finden kann, lassen freilich nur den Schluss zu, dass Frau Helfer einen Pappelfeigenwald meint, der sich aus einer einzelnen Pappelfeige entwickelt hat.

Uns weniger erstaunlich als ihr, die unvorbereitet mit diesem Brauch konfrontiert wurde, ist freilich, was sie von angeschwemmten Toten zu berichten hat, die im Ganges ihr fließendes Grab erhalten haben, und von Alten, die sich auf Familienbeschluss ans Gangesufer begeben, um beim Hochwasser mitgerissen zu werden. (Johann Helfer's Reisen in Vorderasien und Indien) 

23 September 2007

Kalkutta

Kalkutta, eine Stadt, in der das Geld "nicht gezählt, sondern gemessen" wird und Europäer es nicht anfassen, sondern diese Aufgabe ihrem Sirkar, ihrem obersten Bediensteten, überlassen, empfängt das Ehepaar Helfer bei ihrem Aufenthalt 1836. (Kalkutta galt damals wegen der Verbindung von asiatischem und europäischem Luxus als teuerste der Welt.)
Eine beiläufige Empfehlung von Oberst Chesney, dem Leiter der Euphratexpedition, an Mr. Hutchinson reicht aus, um dem mittellos in Kalkutta eintreffenden Ehepaar einen sorglosen Aufenthalt, umhegt von der Gastfreundschaft des Direktors eine Kanonengießerei in Cassipoor, zu verschaffen. (Johann Helfer's Reisen in Vorderasien und Indien)