Werner Bergengruen: Zwieselchen
Zwieselchen ist ein Buch von Werner Bergengruen für Kinder im Kindergartenalter.
Die einzelnen Geschichten dieser Sammlung hatte der Autor für seine eigenen Kinder verfasst. Sie wurden zuerst 1931 in fünf einzelnen Büchern veröffentlicht: „Zwieselchen im Warenhaus“, „Zwieselchen im Zoo“, „Zwieselchen und Turu-Me“, „Zwieselchen und der Osterhase“ und „Zwieselchens große Reise“. 1933 erschienen dann alle Geschichten der fünf Teile in einem Band, der 1971 die 16. Auflage erlebte (insgesamt 104.000 Exemplare). In den „Zwieselchen“-Geschichten erfahren die kleinen Zuhörer oder Leser, wie ein kleiner Junge aus Berlin seine Umwelt erlebt und bewältigt.
Zwieselchen telefoniert zum ersten Mal S.3
das Spielzeugautorennen S,8
Zitat: "Ich erzähle euch, was der Gebrüderschmidt Junior alles haben wollte und wie er plötzlich gar nicht mehr da war
"[...] Und wissen Sie was? Sie müssen auch noch ein Motorboot kaufen, ganz bestimmt! Wenn sie erst die Autos haben, dann können Sie doch in zehn Minuten am / Wannsee sein, und da werden sie gewiss Lust haben, auf dem Wasser spazieren zu fahren und Goldfische zu fangen. Außerdem ist er sehr praktisch, weil sie immer das Benzin von den Autos auch für das Motorboot brauchen können, und das Benzin von Motorboot für die Autos."
"Ja", sagte das Zwieselchen, "das wird wohl so sein."
"Also schön, ich sehe schon, Sie sind sehr vernünftig, Herr Soundso, sagte Herr Gebrüderschmidt Junior. Das Motorboot ist wirklich ausgezeichnet, es hat 25.000 Tonnen."
"Wozu denn Tonnen?" fragte das Zwieselchen.
"Ach, das sagt man nur so bei Motorbooten, erklärte Herr Gebrüderschmidt Junior. So wie man bei Äpfeln oder Backpflaumen immer 'Pfund' dazu sagt. Das wäre also abgemacht. Jetzt müssen wir noch noch eine Kleinigkeit besprechen. Haben Sie auch genug Geld?.
Daran hatte das Zwieselchen noch gar nicht gedacht, und darum erschrak es ein bisschen, als ist der nachgefragt wurde. "Nein", sagte es schließlich. "Aber neulich hatte ich noch 10 Pfennige, die hatte meine Mutter mir geschenkt, damit ich dem Bibi Pfefferminz kaufen konnte, weil er mich doch zum Geburtstag eingeladen hatte."
Herr Gebrüderschmidt Junior machte ein strenges Gesicht und sagte: "Na, hören Sie mal, Herr Soundso. Das finde ich aber sehr schlimm. Sie kaufen hier mir hier alle meine Sachen ab, und dann haben sie gar kein Geld!
Das Zwieselchen schämte sich sehr und antwortete nichts / [...] Ich glaube, da muss ich doch erst meine Eltern fragen."
Ach, ihre werten Eltern wohnen bei Ihnen im Hause, Herr Soundso? Aber das tut nichts; wenn sie erst die fünf Autos haben, dann brauchen ihre Eltern das Haus auch nicht mehr, dann können ihre Eltern ja auch immer zu Auto fahren, und die Else kann es auch. [...] Nun lief das Zwieselchen, so schnell es konnte, zur Else in die Küche und sagte:
"Denke nur, Else, wie schrecklich! Ich soll dem Herrn Gebrüderschmidt Junior alle meine Bilderbücher geben und mein Schaukelpferd und meinen Roller und meinen Holländer und alle Silbersachen, die in der Kommode im Esszimmer sind, und das ganze Haus!"
"Na, sowas!" sagte die Else und stopfte weiter ans Zwieselchens Strümpfen.[...]
"[...] Er soll bloß weggehen! Du musst ihm das sagen, Else."
"Nein, das musst du ihm selber sagen, Zwieselchen. Aber wenn du so viel Angst vor ihm hast, dann kann ich ja mal mitkommen."
Nun nahm Else das Zwieselchen bei der Hand und ging mit ihm ins Wohnzimmer. Aber kaum waren sie im Wohnzimmer drin, da machte das Zwieselchen, ganz große, verwunderte Augen, und der Mund blieb ihm offen stehen vor Staunen.
"Onkel Sebastian!" schrie das Zwieselchen. Da sitzt ja der Onkel Sebastian! " (S. 13-17).
Zwieselchen im Zoo S.23
der Löwe im Zoo erzählt, wie er aus Afrika in den Zoo kam S.34
der Kurzschluss (Stromausfall) S.58
Großmutter erzählt, wie man früher mit den Zigeunern lebte:
Die Großmutter erzählt, was Turu-Me für wunderbare Dinge konnte.
"Ach, Großmutter, und da ist ja richtig dein Freund geworden, so Bibi, mein Freund ist?", fragte das Zwieselchen.
"Ja", sagte die Großmutter, "darum habe ich ihn auch so oft in seiner Kammer besucht, und er hat mir herrliche Dinge gemacht. Denn das ist kaum zu glauben, was Turu-Me alles konnte und was er mir alles gezeigt und geschenkt hat, in der langen Zeit, die er bei uns war."
"War er denn so lange bei euch?" fragte das Zwieselchen, "und wurde sein Fuß denn nicht besser?"
"Doch, der Fuß wurde besser", erzählte die Großmutter weiter. "Aber es ging recht langsam, damit. Als Turu-Me viele Wochen gelegen hatte, da konnte er erst aufstehen, und dann humpelte er und stützte sich auf einen Stock. Das war schon im Winter, und es war sehr kalt. Darum war Turu-Me auch wohl froh, dass er in einem warmen Haus sein konnte und nicht auf der Landstraße zu frieren brauchte. Mein Vater gab ihm allerlei Arbeiten im Haus und im Hof, und dazwischen half er der Köchin oder dem Schmied oder dem Sattler und flickte Kessel und schliff Messer und Scheren, und alle hatten ihn gern, aber am liebsten hatte ich ihn, / weil ich doch seine Freundin war und er mein Freund. Und denke dir nur, was er machte – lauter Dinge, die kein anderer konnte. Einmal fand er irgendwo eine alte Schublade von einer zerbrochenen Kommode, daran nagelt er ein Brettchen zum Anfassen, und darüber spannte er ein paar Drähte. Das war sein Musikinstrument. Als es Frühling wurde, setzt er sich damit auf die Bank vor der Herberge in die Sonne, während der schmelzende Schnee vom Dach tröpfelte und am Himmel weiße Welt herum rannten wie winzige Zickelchen. Und dann macht er seine Musik, und ich kam angelaufen und setzte mich neben ihn und konnte gar nicht genug bekommen vom Zuhören. Denn obwohl mein Vater Flöte blasen und mein älterer Bruder schon Klavier spielen konnte, so fand ich doch, dass Turu-Me die allerschönste Musik machte, die ich je gehört hatte, und wenn ich heute daran zurückdenke, dann kommt es mir auch so vor."
Turu-Me sah mich an und lachte, und dann fragte er, ob er singen sollte. Ich sagte: "Ach ja, bitte, bitte!" Und nun sang er Lieder, die ich noch nie gehört hatte. Eins von Ihnen fing an:
"Zinker, Zanker, Zaule.
schöner brauner Gaule."
Und ein anderes hieß:
"Schwarzer Hund hat Mond gefressen,
fetten, gelben Mond.
Schwarzer Hund hat platzen müssen.
piri romi lo." /
Damals damals wusste ich noch viel mehr Lieder, die Turu-Me mir vorgesungen hatte, bis ich sie mitsingen konnte, aber heute weiß ich sie nicht mehr. Auch ein paar Worte in der Zigeunersprache habe ich von ihm gelernt, aber die habe ich alle wieder vergessen, weil es doch so lange her ist.
"Schade", meinte das Zwieselchen. "Ich hätte so gern gehört, wie die Zigeunersprache ist. Aber vielleicht lerne ich sie, wenn ich in die Schule komme." [...] (S.79-82)
Zwieselchen im Warenhaus Wertheim S.94
Zwieselchen geht verloren S.111
Zwieselchen ertappt eine Diebin S.119
Zwieselchen schläft im Warenhaus ein und träumt von einer Reise nach dem Winterland und nach Italien S.134
Aus der Erinnerung eines Erwachsenen: Wie er sich im Kaufhaus verläuft, und dann hat er einen ganz langen Traum, in dessen Verlauf er dann auch irgendwann Frau und Kinder hat (und befreundet ist mit dem Zwerg Kitsch aus der alten Zeit). Und seine Oma erzählt ihm die Geschichte darüber, wie der "Zigeunerjunge" einen Igel in Lehm brät.
Zwieselchen und das Osterwasser S.168
Zwieselchen rettet den Osterhasen S.193
Zwieselchen reist ans Meer S.216