26 September 2026

Lektüreanregungen: Manzoni und Rabelais

 Aus einem öffentlichen Bücherregal nahm ich diese beiden Bücher, die ich mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht zu Ende lesen werde. Ich will aber die Chance, etwas mehr darüber zu erfahren, als in der Wikipedia steht und was (von dort "gestohlen") manche KI berichtet, nutzen und für andere Leser nutzbar machen: Teile des Textes im Wortlaut kennenzulernen, wenn auch zunächst nur auf Deutsch. 

Alessandro Manzoni (Wikipedia): Die Verlobten (Text) (Wikipedia) (sieh unten!)

Das Exemplar des Buchs von 1988 mit 955 Seiten , das ich 2026 dem Bücherregal entnommen habe, wirkt wie neu und trägt jedenfalls fast keine Lesespuren, so dass ich die Verpflichtung spüre, es für mich und andere nutzbar zu machen, auch wenn ich ihm nur beschränkt gerecht werden kann.
Umberto Eco:„Ich liebe diesen Roman, weil ich das Glück hatte, ihn das erste Mal zu lesen, bevor ich in der Schule damit gequält wurde.“
Aus dem Wikipediaartikel: "Nachdem Manzoni bis dahin nur Gedichte und Dramen geschrieben hatte, fasste er 1821 den Plan, angeregt durch den großen Erfolg der historischen Romane von Walter Scott, ein Buch nicht nur für die Bildungselite, sondern für das ganze italienische Volk zu schreiben. Es sollte sein Beitrag zur nationalen Einheit Italiens sein. Dazu brauchte er jedoch außer einer tragfähigen Geschichte auch eine in ganz Italien verständliche Sprache, die es damals – anders als in Frankreich, England oder im deutschsprachigen Raum – so noch nicht gab: Man schrieb entweder im jeweiligen Dialekt oder in einer noch stark vom Gelehrtenlatein geprägten Kunstsprache (Manzoni selbst sprach in Mailand lombardisch und sonst überwiegend französisch).

Eine erste Fassung mit dem Arbeitstitel Fermo e Lucia beendete er 1823, gab sie aber nicht zum Druck (sie wurde erst 1915 unter dem Titel Gli sposi promessi veröffentlicht), sondern begann sofort eine gründliche Um- und Neubearbeitung, deren Ergebnis dann 1827 in drei Bänden erschien, nun unter dem Titel I Promessi Sposi (die sogenannte „Ventisettana“). [...] Die Beschreibung der Pest, die als eigenständiger historischer Essay, für den Manzoni z. T. wörtlich zitierte zeitgenössische Dokumente und Darstellungen studiert hat, in den Roman eingebettet ist, gilt als einer der Höhepunkte der italienischen Prosa überhaupt[12]  [...]"


Zitat:

16. Kapitel

[...] Er gelangte auch glücklich aus Mailand heraus und machte sich, hier und dort mit aller Vorsicht fragend, nach der Grenze des mailändischen Staates auf den Weg. Die Furcht im Rücken, wanderte er den ganzen Tag hindurch und kam abends in Gorgonzola an, das auf der Straße nach Bergamo liegt, hart an der Grenze, aber immer noch im Mailändischen, welches der Lauf der Adda von dem venezianischen Gebiete scheidet. Schon unterwegs war's sein Entschluß, hier einen Stillstand zu machen und eine ausführlichere Mahlzeit zu sich zu nehmen. Der ermüdete Körper hätte sich gar gern auch ein Bette gefallen lassen; ehe er aber sich diese Befriedigung gewährte, wäre unser Wanderer lieber erschöpft auf der Landstraße niedergefallen. Indessen wollte er sich im Wirtshause über die Entfernung der Adda erkundigen, wollte sich sagen lassen, wie man über den Fluß hinübergelangte, und dann, gleich nach der Mahlzeit, sich auf den angegebenen Weg machen. Für den Augenblick dünkte es ihn das wichtigste, das jenseitige Ufer und damit fremdes Gebiet und Sicherheit zu erreichen. Wenn sich das an dem nämlichen Tage nicht mehr durchsetzen ließ, so war's sein Vorsatz weiterzuwandern, solange Nacht und Atem ihm gestatteten, und dann auf irgendeinem einsamen Anger, wo es Gott gefiele, die nächste Morgenröte zu erwarten.

Er hatte in Gorgonzola gerade einige Schritte getan, so fiel ihm das Schild eines Gasthauses ins Auge. Er trat hinein und forderte vom Wirt, der ihm entgegenkam, eine Abendmahlzeit und ein Nößel Wein. – »Ich bitt' Euch um Eile,« fügte er hinzu, »ich muß mich den Augenblick wieder auf den Weg machen.«

Der Wirt versprach es, und Renzo saß währenddessen dort, wo Verzagte gewöhnlich zu sitzen pflegen, am Ende des Tisches, dicht an der Türe.

Im Zimmer befanden sich einige müßige Leute aus dem Dorfe. Sie hatten über die großen Neuigkeiten aus Mailand vom vorigen Tage gesprochen, gestritten und ihre Bemerkungen zum besten gegeben; es lag ihnen am Herzen, zu wissen, wie es mit der Sache wohl auch an diesem Tage gegangen sein möchte; die Begierde war um so größer, je lebhafter die ersten Nachrichten die Neugier geweckt und gereizt hatten; eine Empörung, die weder unterdrückt noch siegreich, durch die Nacht mehr ausgesetzt als beendigt worden; eine verstümmelte Geschichte, eher das Ende eines Aufzuges als eines Schauspiels. Einer unter diesen Leuten trat aus der Gesellschaft hervor, machte sich an unsern Flüchtling und fragte ihn, ob er von Mailand käme.

»Ich?« sagte Renzo überrascht, um Zeit zur Antwort zu gewinnen.

»Ja, Ihr, wenn's erlaubt ist, zu fragen.«

Renzo schüttelte den Kopf, zuckte mit den Lippen und ließ einige undeutliche Worte hören. – »Mailand,« sagte er, »soviel ich höre, so ungefähr zu sagen ... das ist kein Ort, wo einer gegenwärtig hingehen sollte, wofern ihn nicht die größte Not dazu zwingt.«

»Dauert also auch heute der Lärm noch fort?« fragte der Neugierige und ward immer zudringlicher.

»Man müßte dort sein, um es zu wissen,« sagte Renzo.

»Aber Ihr, kommt Ihr denn nicht von Mailand?«

»Ich komme von Liscate,« antwortete der Jüngling, der indessen seine Antwort überlegt hatte, gerade heraus. Er sagte keine Lüge; er war durch das Dorf gekommen, und ein Reisender, welcher ihm den Weg nach Gorgonzola angab, hatte ihm den Namen gesagt.

»O!« rief der gute Mann, als wenn er sagen wollte: 's wär' gescheiter, du kämst von Mailand; aber Geduld. – »Und in Liscate wußte man nichts aus Mailand?« fügte er hinzu.

»'s ist sehr leicht möglich, daß einer da was wußte,« antwortete unser Jüngling aus dem Gebirge; »ich aber hab' nichts gehört.« – Er hatte in diese Worte einen gewissen Ausdruck gelegt, als wollte er damit andeuten: Nun hab' ich's satt. Der Neugierige ging zu seiner Gesellschaft zurück; einen Augenblick später kam der Wirt und tischte auf.

»Wie weit ist's denn wohl von hier bis zur Adda?« fragte Renzo mit halber Stimme. Dabei nahm er eine schläfrige Gleichgültigkeit an.

»Bis zur Adda, um hinüberzukommen?« fragte der Wirt.

»Ja, ja, das mein' ich ... zur Adda.«

»Wollt Ihr über die Brücke von Cassano, oder meint Ihr die Fähre von Canonica?« fragte jener.

»Wo es ist, gleichviel. Ich frag' so ... aus Neugier.«

»Eh, ich sag's nicht umsonst. Das sind so die Stellen, wo die ordentlichen Leute hinübergehen, die Rechnung von sich ablegen können.«

»Gut. Wie weit ist's also?«

»Wohlerwogen wird's nach dem einen wie nach dem andern Punkt sechs Miglien sein.«

»Sechs Miglien! Das wußt' ich nicht,« sagte Renzo. Er nahm eine auffallende Miene des Überdrusses an, daß sie ihm fast unnatürlich stand, und fragte weiter: »Und wenn's einem nun drum zu tun wäre, einen Richtweg zu nehmen, kommt er da wohl durch andere Ortschaften durch?«

»'s finden sich sicherlich welche,« antwortete der Wirt und sah ihm mit dem Blick boshafter Neugier scharf ins Gesicht. Und der Blick war scharf genug, um die übrigen Fragen, welche der Jüngling in Bereitschaft hatte, ihm auf der Zunge zurückzudrängen. Er zog die Schüssel an sich heran, betrachtete den Nößel, welchen der Wirt auf den Tisch gestellt hatte, und fragte, ob der Wein auch unverfälscht wäre.

»Wie Gold,« versicherte der Wirt. »Fragt alle Leute im Dorfe und in der Gegend herum, so könnt Ihr's hören. Und dann werdet Ihr ihn ja selber kosten.« – Mit diesen Worten trat er zur Gesellschaft hin.

Verdammte Wirte, hätte Renzo gern laut gesagt, je mehr ich deren kennen lerne, desto nichtswürdiger finde ich sie. – Indessen ließ er sich's tüchtig schmecken, hielt aber beständig, ohne danach auszusehen, das Ohr hin, um sich von seiner Lage zu überzeugen und zu erfahren, wie über die große Begebenheit, an welcher er selbst nicht unbedeutenden Teil genommen, die Leute hier dachten; zugleich wollte er auskundschaften, ob unter den Sprechern da sich vielleicht ein rechtschaffener Mann befände, welchen ein armer junger Mensch, ohne Furcht, in die Enge getrieben oder zum Schwatzen über sich selbst gezwungen zu werden, vertrauensvoll nach dem Wege fragen dürfte.

»Aber,« begann der eine, »diesmal scheint's doch gerade, als wenn die Mailänder einmal was Gutes hätten anstellen wollen. Genug, morgen spätestens werden wir etwas zu hören bekommen.«

»'s tut mir in der Seele leid, daß ich nicht diesen Morgen nach Mailand gegangen bin,« sagte ein andrer.

»Wenn du morgen gehst, gehe ich mit,« sprach ein dritter, ebenso ein vierter und ein fünfter.

In dem Augenblick ließ sich der Hufschlag eines nahenden Pferdes hören. Alle laufen nach der Türe, und kaum haben sie den Daherkommenden erkannt, eilen sie ihm sämtlich entgegen. Es war ein Kaufmann aus Mailand, welcher jährlich einigemal in Geschäften die Reise nach Bergamo machte und die Nacht in diesem Wirtshause zuzubringen pflegte; da er nun fast immer dieselbe Gesellschaft darin antraf, war er der Bekannte eines jeden geworden. So drängten sie sich denn um ihn her: der eine faßte die Zügel, der andre den Steigbügel. – »Willkommen!«

»Gott zum Gruß!« rief der Kaufmann ihnen als Antwort zu.

»Ist die Reise gut gegangen?«

»Vortrefflich. Und ihr hier, wie geht's euch?«

»Gut, gut. Was Neues aus Mailand?«

»Eh, da sind gleich die Neuigkeitskrämer bei der Hand!« sagte der Kaufmann, stieg ab und ließ sein Pferd in den Händen des Hausknechts. – »Und übrigens,« fuhr er fort, indem er mit der Gesellschaft zur Türe hineintrat, »und übrigens wißt ihr's um diese Stunde vielleicht schon besser als ich.«

»Nein, im Ernst, wir wissen ganz und gar nichts,« sagte mehr als einer und legte die Hand auf die Brust.

»Wie täte das zugehen?« fragte der Kaufmann. »Ihr sollt also gar schöne oder gar häßliche Geschichten zu hören bekommen. He, Wirt, steht mein gewöhnliches Bette leer für mich da? – Gut, einen Becher Wein und mein gewöhnliches Abendessen; geschwind, ich will mich beizeiten niederlegen und morgen in aller Frühe mich wieder auf die Beine machen, um gegen Mittag in Bergamo hineinreiten zu können. Und ihr, Leutchen,« fuhr er fort, indem er sich ans andre Ende des Tisches setzte und von Renzo mit schweigender Aufmerksamkeit beobachtet ward, »von allen verteufelten Geschichten, die gestern vorgefallen, wißt ihr nichts?«

»Von gestern haben wir wohl sprechen hören.«

»Da seht ihr nun, ob ihr die Neuigkeiten wißt,« entgegnete der Kaufmann. »Ich hab's gleich sagen wollen, ihr steht hier immer auf Wache und mustert einen jeden, der durchkommt ...«

»Aber heute! Wie ist's denn heute gegangen?«

»Ah, heute; von heute wißt ihr nichts?«

»Nicht das Geringste,« war die Antwort; »'s ist noch niemand durchgekommen.«

»Laßt mich also die Lippen erst ein wenig anfeuchten, und dann wollen wir ein Wörtchen von heute sprechen. Ihr sollt zu hören kriegen.« – Darauf füllte er den Becher, nahm ihn in die rechte Hand, hob mit den beiden Fingern der andern den Schnauzbart in die Höhe, strich mit der Fläche den Bart am Kinn nieder, trank und nahm wieder das Wort: »Heute, liebe Freunde, hat wenig gefehlt, so wär' der Tag ebenso stürmisch wie gestern oder noch schlimmer abgelaufen. Und es kommt mir gar nicht wahrscheinlich vor, daß ich hier sitze und euch davon erzähle; denn ich hatte alle Gedanken an die Reise schon beiseite gesetzt, wollte zu Hause bleiben und auf meinen armen Kram achthaben.«

»Was hat's denn gegeben?« fragte einer der Zuhörer.

»Was es gegeben hat? Ihr werdet's hören!« Indem er darauf das Fleisch, das ihm vorgesetzt worden war, schnitt und sich's schmecken ließ, fuhr er in seiner Erzählung fort. Die Gesellschaft, zur Rechten und Linken des Tisches auf den Beinen, hörte ihm mit offenem Munde zu; Renzo, welcher am andern Ende eben den letzten Bissen zu sich nahm, schien am wenigsten teilzunehmen und saß doch in der gespanntesten Aufmerksamkeit da.

»Die Schurken, die gestern so einen entsetzlichen Lärm gemacht hatten, fanden sich heute früh auf ihren verabredeten Posten ein; sie verstanden sich untereinander, 's war alles vorbereitet. Und so kamen sie denn zusammen und fingen dieselbe saubere Geschichte wieder an, zogen von Straße zu Straße und machten ein lautes Geschrei, um Volk zusammenzurufen. Ihr wißt, 's ist gerade, mit Verlaub zu sagen, als wenn das Haus ausgefegt wird; der zusammengekehrte Müllhaufe wird immer größer, je weiter der Besen vorrückt. Wie sie nun glaubten, es seien Leute genug da, machten sie sich auf den Weg nach dem Hause des Herrn Speichervogts; als wenn's an den Unmenschlichkeiten, die sie gestern mit ihm vorgenommen, noch nicht genug wäre, mit 'nem Herrn von solchem Range! Die Schurken die! Und was sie für Nichtswürdigkeiten gegen ihn ausstießen! Lauter Erfindungen; ein rechtschaffener, pünktlicher Herr! Ich kann's sagen, bin sein alles in allem und verkauf' ihm das Tuch zur Livree für seine ganze Dienerschaft. Sie strömten also nach dem Hause, in der hübschen Absicht, eine Plünderung vorzunehmen; aber ...« Hier hob der Redner die linke Hand in die Höhe und setzte die Spitze des Daumens an die Nasenspitze.

»Aber?« riefen beinahe sämtliche Zuhörer.

»Aber,« fuhr der Kaufmann fort, »sie fanden die Straße mit Balken und Karren verrammelt und hinter der Wagenburg eine hübsche Reihe von Soldaten; hatten die Flintenhähne gespannt und die Kolben dicht an den Schnauzbart angelegt. Wie sie sich mit dem Gruß empfangen sahen ... Was hättet ihr in dem Fall getan?«

»Zurückgegangen.«

»Sehr vernünftig, und so machten sie's auch. Seht aber einmal, ob's nicht der leibhaftige Teufel war, der sie regierte. Sie stehen auf dem Cordusio, sie sehen die Bäckerei vor sich, die sie schon gestern hatten auskramen wollen – und was geschah eben in dem Laden? Man teilte den Kunden das Brot aus; 's standen Edelleute da, der wahre Kern des Adels, und hatten acht, daß alles in guter Ordnung zuginge – und die Kerle ... sie hatten den Teufel im Leibe, sag' ich euch, und dann mußt' es ihnen einer ins Ohr flüstern – in den Laden hinein, wie wütende Stiere; nimm du, ich nehm' auch; in einem Augenblick Edelleute, Bäcker, Kunden, Brote, Kasse, Bänke, Backtröge, Kisten, Säcke, Mehlbeutel, Kleie, Mehl, Teig, alles von unterst zu oberst!«

»Und die Soldaten?«

»Die Soldaten, die hatten das Haus des Speichervogts zu bewachen; 's kann einer nicht singen und zu gleicher Zeit das Kreuz tragen. In einem Augenblick, sag' ich euch; sie raffen und raffen zusammen; was sich nur packen läßt, wird fortgeschleppt. Und darauf rückt der schöne Zug von gestern wieder ins Feld, um die Trümmer auf den Platz zu tragen und sein Freudenfeuer wieder anzuzünden. Und die Halunken fingen schon an, Sachen herauszuschleppen; und einer unter ihnen, ein Haupthalunke, was meint ihr wohl, mit was für 'nem saubern Vorschlag er sich hören ließ?«

»Mit was für einem?«

»Mit was für einem? Aus allem, was in der Bude zu finden, einen Haufen zu machen, Feuer darunter zu legen und so den Haufen mitsamt dem Hause anzustecken. Gesagt, getan ...«

»Haben sie's angesteckt?«

»Geduld. Nebenbei stand ein rechtschaffener Mann, dem gab der Himmel einen prächtigen Gedanken ein. Er lief hinauf in die Zimmer oben, suchte nach einem Kruzifix, fand es, hängte es an den Querbogen eines Fensters, nahm über einem Bette zwei geweihte Lichter fort, steckte sie an und stellte sie zur Rechten und Linken vom Kruzifix auf die Brüstung. Das Volk guckt hinauf. In einem Mailand, das muß man sagen, ist noch immer Gottesfurcht vorhanden – sie gingen also in sich. Der größte Teil, will ich sagen; 's standen freilich Höllenkerle da, die um des Raubes willen selbst das Paradies in Brand gesteckt hätten; wie sie aber sahen, daß das Volk anders dachte, mußten sie wieder zurück und sich ruhig verhalten. Nun ratet einmal, wer dazukam! Alle geistlichen Herren vom Dom, in Prozession, mit aufgerichtetem Kreuze, in Chorkleidern; Seine Ehrwürden der Erzbischof fing von der einen Seite zu predigen an, Seine Ehrwürden der Oberbeichtvater von der andern, und dann wieder andre, hier und dort: ›Aber gutes Volk! Aber was habt ihr vor? Ist das das Beispiel, das ihr euren Kindern geben wollt? Geht nach Hause, ihr sollt wohlfeiles Brot haben; geht hin und seht, der feste Preis ist an die Ecken angeschlagen.‹«

»War's wahr?« fragten die Zuhörer.

»Wie? Ob's wahr war? Meint ihr etwa, die geistlichen Herren vom Dom wären in vollem Staatskleid hergekommen, um den Bürgern mit Märchen aufzuwarten?«

»Und die Leute? Was taten die?«

»Nach und nach gingen sie weg; sie liefen an die Straßenecken, und wer nur lesen konnte, der fand richtig die Taxe angeschlagen. Denkt euch mal, das Groschenbrot zu acht Unzen an Gewicht!«

»Das heißt ein Stich!«

»Der Gewinst ist schön; es kommt nur darauf an, ob er lange dauern wird. Wißt ihr, wieviel Mehl sie von gestern und heute früh verschleppt haben? Auf zwei Monate könnte man das ganze Herzogtum damit versehen.«

»Und für uns hier draußen ist kein gutes Gesetz gemacht worden?«

»Was für Mailand geschehen ist, das ist alles auf Kosten der Stadt geschehen. Ich kann euch weiter nichts sagen; für euch wird geschehen, was Gott will. Einstweilen hat's mit dem Lärm glücklich sein Ende; denn ich hab' euch noch nicht alles gesagt; jetzt kommt erst das Gute.«

»Was hat sich denn noch weiter begeben?«

»Gestern abend oder heute früh sind viele von den Rädelsführern festgenommen worden, und auf der Stelle hat man gewußt, daß viere an den Galgen kommen. Kaum lief das Gerücht herum, so machten sich die übrigen alle auf dem kürzesten Wege nach Hause, um nicht Numero fünf zu sein. Wie ich zum Tor herausritt, sah euch ganz Mailand gerade wie ein Mönchskloster aus.«

»Und werden sie sie wirklich aufhängen?«

»Gar kein Zweifel, und das bald,« antwortete der Kaufmann, »'s sind Kerle, die 's verdient haben, 's ist Gottes Schickung, seht ihr; 's war 'ne notwendige Sache. Hatten schon mit 'ner wahren Jubellust angefangen, in die Läden einzubrechen und sich zu nehmen, was da war, ohne mit der Hand in den Geldbeutel zu greifen; hätt' man ihnen den Zügel schießen lassen, so wär' nach dem Brot der Wein an die Reihe gekommen, und so eins nach dem andern ...; könnt also selbst denken, ob die Bösewichter eine so vorteilhafte Manier aus freiem Willen beiseitesetzen wollten, und ich kann euch versichern, für einen rechtschaffenen Mann, der seinen Laden offen stehen hat, roch der Spuk nicht nach Rosen.«

»Eh, sicher,« sagte einer der Zuhörer. – »Sicher, sicher,« wiederholten die übrigen in der Runde.

»Und die Sache war seit langer Zeit angelegt,« fuhr der Kaufmann fort, sich den Bart mit dem Tischtuch abwischend, »'s war 'ne Verbrüderung, wißt ihr?«

»Eine Verbrüderung?«

»Eine Verbrüderung, ja. Lauter Kabalen, die von den Navarrinern ausgingen, von dem Kardinal dort in Frankreich, der 'nen halb türkischen Namen hat und tagtäglich eine neue List zusammenspinnt, um der Krone von Spanien eins auszuwischen.«

»Der Tausend!«

»Wollt ihr den Beweis sehen? Die das meiste Gepolter getrieben haben, das waren Fremde; es schlichen Gesichter herum, die man nimmermehr in Mailand gesehen hatte. Da hab' ich eben euch eine Geschichte zu erzählen vergessen, welche mir als ganz sicher mitgeteilt wurde. Die Gerechtigkeit hatte einen in einem Wirtshause ertappt ...« Renzo, welcher kein Jota von dem ganzen Gespräche verloren, wurde beim Berühren dieser Saite von einem Schauder überrieselt und zuckte auf, ehe er daran dachte, sich ruhig in Schranken zu halten. Indessen ward es keiner gewahr, und der Redner sprach, ohne seine Erzählung einen Augenblick zu unterbrechen, weiter. – »Man weiß noch nicht eigentlich, aus welcher Gegend er hergekommen, von wem er geschickt worden oder was für 'ne Art Kerl es gewesen; aber auf jeden Fall war er eins von den Häuptern. Schon gestern hatte er, mitten im Getümmel, den Teufel gespielt, und damit nicht zufrieden, hatte er zu predigen angefangen und so eine lustige Artigkeit in Vorschlag gebracht: den hohen Herren nämlich sollte allen der Hals abgeschnitten werden. Der Spitzbube! Wer täte den armen Leuten zu leben verschaffen, wenn die hohen Herren umgebracht würden? Die Gerechtigkeit war hinter ihm her und packte ihn beim Kragen; ein ganzes Paket von Briefen fanden sie bei ihm, und so zogen sie ins Gefängnis mit ihm ab. Aber was geschah? Seine Spießgesellen, die um den Gasthof als Wache standen, kamen in großer Masse an und setzten ihn in Freiheit, den Halunken.«

»Und was ist aus ihm geworden?«

»Man weiß nicht,« erklärte der Kaufmann. »Er wird sich aus dem Staub gemacht haben oder in Mailand versteckt sitzen, 's sind Kerle, die weder Dach noch Fach haben, und finden allerorten ein Unterkommen, um sich zu verkriechen; aber nur solange der Teufel kann und ihnen beistehen mag; wenn sie's nachher am wenigsten sich vermuten, fallen sie ins Netz; denn wenn der Apfel reif ist, so fällt er an die Erde. Für jetzt weiß man gewiß, daß die Briefe in den Händen der Gerechtigkeit zurückgeblieben und die ganze Kabale darin auseinandergesetzt ist: man sagt, es werden viele Menschen daran müssen. Geschieht ihnen recht, haben halb Mailand umgewälzt und führten noch was Schlimmeres im Schilde.« Unserm Flüchtling war das schmale Abendbrot in giftige Pillen verwandelt. Tausend Jahre deuchten es ihm, ehe er aus dem Gasthofe, aus dem Dorfe hinauskam und sich erst weit davon befand; mehr als zehnmal hatte er zu sich selbst: Laß uns gehen, laß uns gehen! gesagt. Aber die Besorgnis, Anlaß zum Verdachte zu geben, welche soeben über alle Maßen gestiegen und die Tyrannin aller seiner übrigen Gedanken geworden war, hielt ihn immer noch wie an die Bank festgenagelt zurück. In dieser Verlegenheit dachte er, der Schwätzer würde damit endigen, von sich selbst zu sprechen; sobald er also merken würde, daß ein andres Gespräch angeknüpft wurde, wollte er augenblicklich sich aufmachen. [...] Hier ging der Wirt, der ebenfalls ein fleißiger Zuhörer gewesen, nach der andern Seite des Tisches, um nach dem Fremden zu sehen. Renzo benutzte die Gelegenheit, winkte ihn herbei, fragte nach seiner Rechnung und zahlte, ohne Umstände zu machen. Er sprach kein Wort weiter, ging in gerader Richtung dem Ende der Straße zu, sah sich wohl vor, nicht dorthin, woher er gekommen, wieder zurückzukehren, und hielt sich, die Vorsehung zur Führerin wählend, nach der entgegengesetzten Seite.

17. Kapitel

Eine einzige Neigung hat bisweilen über das Gemüt des Menschen Macht genug, um seiner Lage jeden erfreulichen Trost zu nehmen; man denke nun, wenn zwei ihn beherrschen und die eine mit der andern im Kampfe liegt. Der arme Renzo war soeben das Schlachtfeld zweier solcher Neigungen; er wollte vorwärts eilen und zugleich sich niemandem verraten. Die unglücklichen Worte des Kaufmanns hatten zur Steigerung beider Wünsche über alle Maßen beigetragen. Sein Abenteuer hatte also Lärm gemacht, man bemühte sich, ihn zu erhaschen; wer weiß, wie viele Häscher auf den Beinen waren, um ihn zu hetzen? [...]"



Rabelais: Gargantua und Pantagruel (Wikipedia)

»Sehr treffliche Zecher und ihr, meine kostbaren Venusbrüder – denn euch und sonst niemandem sind meine Bücher zugeschrieben ...« Mit diesen Worten wendet sich Maistre Alcofribas Nasier (Anagramm von François Rabelais) im Vorwort zu seinem Höchst erstaunlichen Leben des großen Gargantua (1534) an seine Zeitgenossen. Eine Anrede von zweifelhafter Herzlichkeit! Die »sehr trefflichen Zecher« von 1534 aber waren weniger zimperlich. Lockere Sitten in Liebesangelegenheiten waren in den besten Familien an der Tagesordnung, und was das Zechen betrifft, so hat es noch nie als ehrenrührig gegolten, ein trinkfester Saufbruder zu sein. Nein, die damaligen Leser der unerhörten Heldentaten des Gargantua und Pantagruel waren entzückt. Da war endlich jemand, der ihre Sprache redete – eine Sprache, die die Dinge beim Namen nannte, so unverhohlen und eindeutig, daß die gelehrten ›Abstraktoren‹ jener Zeit es mit der Angst bekamen: »Euch aber soll Antonius' Feuer brennen, soll fallende Sucht zu Boden werfen, Krebs fressen, Blutfluß abzapfen, Aussatz, fein wie Kuhhaar, mit Quecksilber verfeuert, in den Hintern fahren, und ihr sollt wie Sodom und Gomorrha in Schwefel, Feuersglut und Höllengestank umkommen, wenn ihr nicht getreulich alles glauben werdet, was ich euch in dieser gegenwärtigen Chronik berichten tue.«

Das war ein ganz neuer Ton, ein Stil, der sich den Teufel scherte um jede erzieherische oder bildende Absicht einer Ars Poetica. Die Gebildeten, die echten wie die falschen, fühlten sich vor den Kopf gestoßen. Der Sorbonne, der allmächtigen Regentin über Wissen und Gewissen, fiel es nicht schwer, schockiert zu sein. Ihr genügten die Freiheiten des Pantagruel (1532), um das Buch in Grund und Boden zu verdammen. Doch auch die Humanisten sahen zunächst in Pantagruel nicht viel mehr als einen groben, unanständigen Ulk. »Was fällt dir ein, Rabelais?« schreibt 1533 der Dichter Nicolas Bourbon, ein Freund Rabelais'. »Immer mehr lenkst du unsere Scholaren von ihren Pflichten ab, vom Studium der Literatur und von der Liebe zu den heiligen Büchern. Willst du denn zusehen, wie sie ihre schöne Jugend ... in deinen frivolen und finsteren Volksmären ... in unwürdigen Gemeinheiten, im Mist, im Schlamm verlieren? « Erst zwei Jahre, später, nach der Veröffentlichung des Gargantua, entdeckte man »la sustantificque mouelle«, das »substantialische Mark« dieser anscheinend so groben Knochen. Die hochgelehrte Welt der Sorbonnisten und Scholastiker verdarb sich daran gründlich den Magen. Die Humanisten und Reformatoren aber wußten den Nährwert zu schätzen.

Und was empfindet der unbefangene Leser von heute? Mehr an Ordnung gewöhnt, wird ihn die wild wuchernde Sprache, die Unförmigkeit des Ganzen verwirren. Geschult am pointierten Stil, an der diskreten Formulierung, die mehr andeutet als ausspricht, wird es ihm manchmal schwerfallen, über Rabelais' grobkörnigen Witz zu lachen. Andererseits entschädigt ihn die Fülle für die mangelnde Form. Dies ist kein Spaziergang durch den wohlproportionierten Park von Versailles – dazu ist es noch ein Jahrhundert zu früh –, sondern ein rauher Marsch durch die Wildnis, voller Überraschungen und nicht immer angenehm. Denn daß in der freien Natur nicht alles nach Eau de Cologne riecht, weiß jeder Naturfreund, und dem Philosophen ist klar, daß dies eben in der Freiheit der Natur begründet ist. Mit anderen Worten: es geht – um das Ärgernis gleich vorwegzunehmen – nicht darum, Rabelais' berühmte Unanständigkeit zu entschuldigen. Es geht darum, sie zu verstehen, aus der Zeit, aus der Anlage des Gesamtwerkes.

Man hat Rabelais' gesunde Schamlosigkeit mit der eines großen, nackten Babys verglichen. Damit ist im Grunde nicht viel gesagt. Urwüchsigkeit und Infantilität sind ja hier nicht Gegenstand, sondern Form der Auseinandersetzung. Man vergißt über den Spaßmacher zu leicht den Gelehrten. Der gleiche Rabelais, der über »Gargantua, Pantagruel, Saufaus, die Würdigkeit des Hosenlatzes, Speckerbsen cum commento etc.« schrieb und zu schreiben sich vornahm, hat Galenus ex cathedra gelehrt und die Aphorismen des Hippokrates nach dem griechischen Urtext kommentiert. In seinen fünf Büchern ist ein Wissen von enzyklopädischer Breite aufgespeichert. Die zahllosen Zitate, Anspielungen, Reminiszenzen aus der Antike und dem Mittelalter, geschöpft aus allen Wissensbereichen, vermag heute kaum noch jemand ohne einen wissenschaftlichen Kommentar zu verstehen. Rabelais' Gelehrsamkeit will ernst genommen sein. Sie ist nicht, wie etwa das romantische Rittertum des Don Quichotte, sich selbst ein Gegenstand überlegener Ironie. [...]"

Alessandro Manzoni: Die Verlobten 

Einleitung:

Quel cielo di Lombardia, così bello quand' è bello, così splendido, così in pace. (Dieser lombardische Himmel, so schön, wenn er freundlich ist, so glanz-geschmückt, so friedlich-sanft.)

Manzoni, Die Verlobten, T. I, Kap. 17.

Wem es jemals vergönnt war, die Sonne des also gefeierten lombardischen Himmels zu fühlen, wer je die Wunder der oberitalienischen Seen, das Wunder des Mailänder Domes erlebt hat, wird die Landschaft, in der die mailändische Geschichte von den »Verlobten« spielt, niemals wieder vergessen. Sie bleibt die ewige Sehnsucht des Nordländers, der nach einem reineren Himmel, nach hellerer Klarheit und wärmerer Sonne verlangt; sie war aber in gleicher Weise das Land, das auch der Südländer von jeher mit besonderer Liebe umfing. Aus sehnsüchtiger Erinnerung heraus fragte Plinius d. J. in einem Briefe an Caninius Rufus: »Was macht Como, deine und meine Wonne? Was das reizende Landhaus? Was die Säulenhalle mit dem ewigen Frühling? Was der schattige Platanenhain? Was die grüne, kristallklare Flut? Was das sonnenbestrahlte Bad?«

Dieses Bild könnte auch heute noch ein moderner Italienfahrer im Gedächtnis haben, wenn er an Como und seinen See denkt: das ist ganz das Abbild des einen, südwestlichen Armes des dreizipfligen Sees mit seiner Perlenschnur von weißen Villen, die am Ufer entlang in das dunkle Grün der Gärten eingebettet liegen. Manzonis Werk nimmt seinen Ausgang aber vom Winkel des südöstlichen Armes, in dem die Seidenspinnerstadt Lecco liegt und die Adda aus dem See austritt. Dieser Teil, einsamer und weniger besucht von Fremden, aber darum nicht minder reich an landschaftlichen Schönheiten, trägt ein anderes Gepräge. Wer aus dem Comoarm kommend das Paradies von Bellaggio umfahren hat und in den See von Lecco kommt, ist überrascht von der Grelle dieser Gegensätze: eben noch anmutige Hügel, immergrünende Gärten in lieblicher Landschaft, jetzt eine ragende Bergwelt mit schroffen und kahlen Felswänden, die romantische Gebirgsszenerie einer Dolomitenkette, die nur schlichte Dörfer und Weiler am schmalen Seeufer duldet. Die künstliche Welt der Villen und Parks hat aufgehört, eine herbere, einfachere, aber in der Großartigkeit der Bergeinfassung um so eindrucksvollere beginnt. Dort, wo am Südende bei Lecco und Malgrate die Berge mehr zurücktreten und größeren Raum für die Olivenhaine und Weingärten der Dörfer lassen, lebt die Lieblichkeit des westlichen Armes noch einmal auf, aber sozusagen unvermischt, ohne die künstliche Zugabe prunkvoller Villen und Zierparks, in ihrer ganzen natürlichen Schönheit. Dort, in jener »lieblichen Mannigfaltigkeit«, die von der schroffen, sägenartig gezackten Felswand des Monte Resegone durch grünende Fluren an das helle Ufer des Leccosees, der Adda, des Sees von Pescarenico führt, dort sind die Gestalten Manzonis zu Hause.Dort ist auch des Dichters Familie beheimatet: Sie stammt aus der Valslássina und hatte sich im Gebiet von Lecco bei Pescarenico niedergelassen. Der Graf Alessandro Manzoni selbst wurde am 7. März 1785 in Mailand geboren und ist am 22. Mai 1873 dort gestorben. Seine Jugend verbrachte er in jenem Seengebiet, in Merate, Lugano und Mailand.

Das Leben Manzonis entbehrt größerer äußerer Begebenheiten. 1805 bis 1807 weilte er in Paris und geriet dort ganz ins klassizistische Fahrwasser. Die Jahre 1809/12 sind von entscheidender Bedeutung für Manzonis inneres Leben. Nach seiner Rückkehr aus Paris heiratete er die kalvinistische Schweizerin Henriette Blondel nach protestantischem Ritus; beide aber traten im Mai 1810 wieder zum katholischen Glauben über. In dieselbe Zeit fällt auch die Bekehrung Manzonis zur Romantik. Er schrieb die Inni sacri (Heilige Hymnen, 1812 begonnen, Gesamtausgabe 1823), die zu den herrlichsten Liedschöpfungen zum Preise des Katholizismus gehören, dazu gleichsam die erste lyrische Manifestation der Romantik in Italien sind; er verfaßte die ersten romantischen Dramen (1816/22), die sich über die klassischen Einheiten hinwegsetzen, aber heute, weil in ihnen die Geschichte die Poesie überwuchert, vergessen sind. Sein berühmtestes, noch heute lesenswertes Gedicht ist »Der fünfte Mai« (1821), eine Ode auf den Tod Napoleons, die von Goethe mit Recht gerühmt wird.

Sein Haupt- und Lebenswerk ist jedoch I promessi sposi, »Die Verlobten«, an dem er immer wieder arbeitete und verbesserte. Die erste Ausgabe in drei Bänden 1825/27 ist stark mit Lombardismen durchsetzt; nach einem Aufenthalt in Florenz machte er sich an die Ausmerzung derselben (1840) und schenkte damit seinem Volke ein Beispiel für reine Prosa, die von der Akademie der Crusca für vorbildlich erklärt wurde.

Den Rest seines Lebens verbrachte Manzoni, hochgeehrt von seinen Landsleuten, zum Teil in seinem vornehmen Hause in Mailand, zum Teil auf seinem Landgut Brusuglio in der Brianza. Wir hielten es für notwendig, die Leser umständlicher in die Landschaft des Romans einzuführen. Denn diese Landschaft ist der belebende Atem, der durch das ganze Werk weht. Klarheit, Lieblichkeit und einfache Größe, sie geben seinem Geschehen und seinen Personen das Gepräge. Daher ist das Werk echte Heimatkunst im besten Sinne des Wortes. Selten vielleicht stehen Landschaft und Dichtung in so engem Zusammenhange wie hier. Sie bedingen einander so sehr, daß sogar nachträglich Landschaft und Örtlichkeit nach dem Roman gedeutet wurden. Die eigentliche Handlung nämlich, die Geschichte der Verlobten Renzo und Lucia, deren Vereinigung ein gewalttätiger Machthaber Don Rodrigo zu hindern sucht, ist vom Dichter frei erfunden, aber das lesende Volk, das seine Welt in dem Werke wiederfindet, seine Örtlichkeiten und sein Denken und Fühlen mit solcher Meisterschaft und Naturwahrheit geschildert sieht, glaubt an die wirkliche Existenz der erfundenen Personen. Hier mußte Don Rodrigo in seinem Raubneste gehaust haben, dort standen die Hütten der unglücklichen Liebenden, hier mußten die Bravi dem furchtsamen Don Abbondio aufgelauert haben, dort mußten die flüchtigen Verlobten über die Adda gesetzt sein: So wird noch jetzt dem wissensdurstigen Reisenden berichtet.

Aber Manzonis Werk ist nicht nur Heimatkunst, es ist mehr als das. Echte Dichtung kann vielleicht nur in dem fruchtbaren Boden des – in weitestem Sinne – heimischen Volkstums keimen, aber sie muß darüber hinaus in allgemein menschliche Bezirke wachsen. Viele lieben mit uns diese so trefflich geschilderte Landschaft, übervölkische Bedeutung jedoch als ein Roman der Weltliteratur erhält es erst durch die Wahrheit der Empfindung und die Tiefe des Gefühls, die jeden Empfänglichen ergreifen, und durch die künstlerische Vollkommenheit, mit der sie in Sprache und Charakterschilderung zur Darstellung gebracht werden.

Daß diese Eigenschaften in schönster Harmonie unseren Roman schmücken, wird nicht nur durch seine Volkstümlichkeit in ganz Italien bewiesen, wo er eine Art Weltbibel, geistiger Besitz von fast jedermann ist, sondern vor allem durch die Wertschätzung, deren er sich in ganz Europa erfreut. Er ist sehr oft und in alle Kultursprachen übersetzt worden, er wird von vielen für ein schlechthin vollkommenes Buch gehalten, das den übrigen Romanen der Weltliteratur in nichts nachsteht und viele übertrifft. [...]"

21 September 2026

Peter Glotz: Die Jahre der Verdrossenheit. Politisches Tagebuch 1993/94

 Peter Glotz: Die Jahre der Verdrossenheit. 

"Als ich 1970 das erste Mal in ein Parlament gewählt wurde – so habe ich es auf den Seiten notiert –, war Politiker, ein einigermaßen reputierlicher Beruf. Das kann man heute nur noch mit großer Einschränkung sagen. Wieso? Ein paar tastende Antwortversuche werden in diesem Buch gemacht. Meine Diagnose widerspricht übrigens dem moralisieren Zeitgeist: Sie lautet eben nicht 'Unmoral', sondern 'Kommunikationsunfähigkeit'. (S.7) 


"Ich beende den Tag mit Doderer: 'Die Demokratie ist die edelste Form, in der eine Nation zu Grunde gehen kann…' Das ist schön kalt, aber auch nicht klug." (S. 150).

'Demokratie ist Diskussion' hat Tomas Masaryk, der Begründer der ersten tschechoslowakischen Republik und ein bedeutender, humanistischer Philosoph gesagt. Bei uns aber häufen sich die Beispiele, die zeigen, dass diese Diskussion gerade verweigert wird. Dass diese Verweigerung mit larmoyantem verantwortungsethischem Gesülze einhergeht, macht die Sache nicht besser.
Aus hundert möglichen Beispielen: fünf:
– der Intendant des Norddeutschen Rundfunks, Jobst Pflog, will das Selbstdarstellungrecht der politischen Parteien in Fernseh-Spots unterbunden sehen. Begründung. Das verhetzte, unaufgeklärte Volk sei nicht in der Lage, die ausländerfeindliche oder rassistische Agitation rechtsradikaler Parteien zu erkennen. Das Ergebnis dieser Abstinenz wäre natürlich eine massive Verschlechterung der Marktzutrittschance für neue Parteien aller Art, ein dicker Gefallen für den Club der Etablierten./Auch in Fernsehwahlkampfdebatten sollen radikale Parteien zwar nicht generell ausgeschlossen, wohl aber volkspädagogisch bearbeitet werden. 'Ungefilterte Selbstdarstellung', so Pflog stolz, 'gibt es in den von uns verantworteten Sendungen nicht'. [...]
– Im Jahr 1994 werden zwanzig Wahlen abgehalten. In Deutschland gibt es zwischen fünf und sechs Millionen Arbeitslose, die Staatsverschuldung hat einen bisher nicht für möglich gehaltenen Höhepunkt erreicht, und das Verhältnis zwischen Ostdeutschen und Westdeutschen verschlechtert sich eher, als dass es sich verbesserte. Gregor Gysis PDS erreicht in den neuen Bundesländern Umfrageziffern von über 20 Prozent, und jeder Kundige weiß, dass Franz Schönhuber besser abschneiden wird, als die Demoskopen vermuten: Viele der potentiellen Protestwähler schämen sich, ihr beabsichtigtes Wahlverhalten zuzugeben. Und wo gibt es die großen Debatten, in denen die demokratischen Politiker, Gysi und Schönhuber (die weiß Gott/grundverschieden sind, aber doch gemeinsam haben, dass sie größere Gruppen von Protest vertreten) mit den besseren Argumenten widerlegen? Nirgends. Man dürfte solche Leute nicht 'aufwerten', heißt die flaue Ausrede. Demnächst wird man vermutlich auch Peter Gauweiler und Manfred Brunner meiden, weil sie Argumente benutzen, die das blöde Volk, den großen 'Lümmel' (Heine) verwirren könnten." (S. 215-17) 

KI Gemini: "[...] Das Buch [...] 1996 in der Deutschen Verlags-Anstalt, Stuttgart) ist eines von insgesamt drei politischen Tagebüchern, die der bekannte SPD-Politiker, Publizist und Kommunikationswissenschaftler hinterlassen hat. [...]
  • Politische Bestandsaufnahme: Das Tagebuch beleuchtet die Jahre 1993 und 1994 – eine turbulente Phase in der deutschen Politik kurz nach der Wiedervereinigung, in der sich in der Bevölkerung zunehmend eine Politikverdrossenheit und Frustration über Reformstau, gesellschaftliche Umbrüche und die etablierten Parteien ausbreitete.

  • Innensicht der SPD: Als prominenter und oft kritischer Kopf der Sozialdemokraten (unter anderem ehemaliger Bundesgeschäftsführer der SPD) reflektiert Glotz in den Notizen die internen Debatten, Richtungsstreitigkeiten und das Ringen seiner Partei um Antworten auf die neuen gesamtdeutschen Herausforderungen.

  • Superwahljahr 1994: Das Buch fängt die Stimmung rund um das intensive Wahljahr 1994 ein (Bundestagswahl, Europa- und Landtagswahlen), in dem Helmut Kohl (CDU) knapp im Amt bestätigt wurde und die SPD unter Rudolf Scharping eine Niederlage einstecken musste. [...]"

17 September 2026

Lukas Rietzschel: Mit der Faust in die Welt schlagen

 Lukas Rietzschel: Mit der Faust in die Welt schlagen

Keine angenehme Lektüre, aber sie verdeutlicht, warum die Wunden, die 1990ff. geschlagen wurden, noch eine Generation danach nicht vernarbt sind.  Weil die benachteiligten Gruppen, Einigungsverlierer und Flüchtlinge nicht zusammenfanden, sofern der Arbeitsmarkt sie nicht aufnahm und ihnen kein Weg zur Solidarität eröffnet wurde.

Aus Rezensionen:

  • „Sehr gut beobachtet und schön und poetisch genau geschrieben“ – Der Spiegel, Volker Weidermann, 8. September 2018
  • „Mit einer sinnlichen, feinporigen Sprache zeichnet Rietzschel das Wachstum von Wut und Empörung besonders in den Gesten der beiden Jugendlichen nach“ – FAZ, Thomas Thiel, 24. November 2018
  • „Wie ein böser, albtraumhafter Thriller“ – Münchner Merkur, Ulrike Frick, 28. Oktober 2018
  • „Was nach einem harten Gegenwartsroman klingt, ist eine leise, fast zärtliche Geschichte über zwei junge, einsame Menschen.“ – Brigitte, 26. September 2018
  • „Der Ost-Roman des Moments“ – FAZ, 9. September 2018
  • „Ich glaube, es ist der Roman über den Osten der 2000er-Jahre schlechthin.“ – MDR Kultur, Matthias Schmidt, 10. September 2018 (Wikipedia)

Steinbeck: Jenseits von Eden

 Als Jugendlicher habe ich viel von dem Roman gelesen, konnte aber nichts damit anfangen und bin ihm nicht gerecht geworden, deshalb lese ich ihn jetzt ein zweites Mal. Zur Vorstellung des Buches hier die Handlung in der Fassung der Wikipedia.

Mein persönliches Urteil werde ich dazu schreiben, wenn ich mehr gelesen habe.

"Steinbeck erzählt die drei Generationen umfassende Geschichte zweier Familien vor dem Hintergrund der Historie der USA zwischen Beginn des Bürgerkrieges und dem Ende des Ersten Weltkrieges. Während Glück und Leid der Familie Hamilton als repräsentativ für Einwandererschicksale angesehen werden können, sind die Trasks mit dem alttestamentlichen Kontrast zwischen Gut und Böse und dem Hass des vom Vater weniger geliebten Sohnes auf den Bruder belastet. Im 34. Kp. wird diese Thematik formuliert: „Die Menschen sind verstrickt – mit ihrem Leben und Denken […] in einem Netz von Gut und Böse. […] Tugend und Laster waren Schuss und Kette unseres frühesten Bewusstseins und sie werden das Gewebe unseres letzten bilden, ungeachtet aller Veränderungen […] aller Wandlungen von Wirtschaft und Lebensweise.“ In der Diskussion über die Auslegung der Kain und Abel-Erzählung trägt der chinesische Diener Lee seine Interpretation („timschal“) vor, die im Schlusswort aufgegriffen wird und als Botschaft des Autors verstanden werden kann: „Du kannst über die Sünde herrschen“ (24. Kp.), d. h., dass man seinem Schicksal nicht ausgeliefert ist, sondern eine Wahl hat.

Erster Teil

Der erste Teil erzählt im Wechsel die Geschichten der drei Protagonisten, die im Salinas Valley bei King City in Kalifornien aufeinander treffen (11. und 13. Kp.): Samuel Hamilton wohnt dort mit seiner kinderreichen Familie auf einer Ranch (Kp. 1, 2 u. 5), Adam Trask und seine junge Frau Cathy siedeln sich in ihrer Nähe an. Im Rückblick erfährt der Leser, wie es zur Heirat der beiden kam: Adam (geb. 1862) lebte davor mit seinem Vater Cyrus (kurze Teilnahme am Bürgerkrieg) und seinem Bruder Charles in Connecticut und wanderte nach dem Militärdienst als Tramp durch die USA (Kp. 3, 4, 6, 7, 10), Cathy Ames verbrachte ihre behütete Kindheit und Jugend bei ihren Eltern in Massachusetts (Kp. 8 u. 9). An ihrem Beispiel entwickelt der Autor sein Weltbild der Kain-und-Abel-Polarität: Der Mensch in der Spannung zwischen der Reinheit der Gesinnung und dämonischer Abgründe: „Wir sind Kains Sprossen“ (Kp. 22) und haben die Wahl.

Cyrus führt ein hartes Regiment auf der Farm in Connecticut. Die Ehefrauen müssen sich unterordnen und widmen sich dem Haushalt. Die Söhne Adam und Charles aus erster und zweiter Ehe erleben eine raue Kindheit. Beide sind von athletischer Statur, Charles immer etwas geschickter und meist der Erste und Schnellste, Adam dafür etwas nachdenklicher und sensibler. Der jüngere und stärkere Charles hält immer seine Hand über seinen Bruder, solange dieser ihm den Vorrang nicht streitig macht. Cyrus war kurze Zeit Soldat, erlitt schon in der ersten Stunde einer Kriegshandlung eine Verletzung und kam mit Holzbein auf die Farm zurück. Er kommandiert die Söhne mit militärischer Strenge. Jedoch möchte er nur Adam zur Armee schicken, da er ihn seinem Bruder Charles vorzieht.

Die Situation auf der Farm eskaliert, als Charles aus Eifersucht in blindem Jähzorn den bevorzugten Bruder Adam zusammenschlägt und ihn mit einer Axt auch ermordet hätte, wenn Adam sich nicht im Gebüsch eines Wassergrabens verkrochen hätte. Kurze Zeit später geht Adam zunächst für fünf Jahre zur Armee. Der Vater tritt nach dem Tod seiner zweiten Ehefrau Alice als Militärberater in den Dienst der Regierung und kommt zu einem großen Vermögen, das er seinen Söhnen vererbt. Charles bleibt allein auf der Farm zurück, bringt diese durch harte Arbeit zum Blühen, während er sich selbst und den Haushalt vernachlässigt. Menschlich isoliert hat er keine feste Partnerin, sondern vergnügt sich alle zwei Wochen mit Prostituierten im Saloon der Kleinstadt.

Adam und Charles bleiben in zunächst regem Briefkontakt, in dem Charles über sich erzählt. Er vermisst seinen Bruder, freut sich auf dessen Rückkehr und lässt den Haushalt für ihn herrichten. Adam fürchtet jedoch Auseinandersetzungen mit seinem jähzornigen Bruder und verlängert den Dienst um weitere fünf Jahre. Danach zieht er wie ein Landstreicher durch Amerika. Zweimal wird er aufgegriffen und zur Zwangsarbeit für je sechs Monate im Straßenbau verurteilt. Mittellos kehrt er schließlich auf die Farm zurück. Charles nimmt ihn freudig auf, allerdings in der Hoffnung, nach dem Tod des Vaters herauszubekommen, wieso dieser Adam ihm vorzog, obwohl er ihn liebte. In einem klärenden Gespräch sagt Adam, dass er den Vater nie liebte, und beruhigt damit Charles. Dieser hat nun den Vater für sich. Beide überlegen jetzt, was sie mit dem Erbe des Vaters machen sollen. Charles kann sich nicht vorstellen, wie er rechtmäßig zu einer so großen Summe gelangt ist, und vermutet, er habe Geld veruntreut. Adam jedoch sieht keinen Anlass zum Misstrauen und überredet seinen Bruder, das Erbe anzunehmen. Sie sind nun reich und können beide von dem Geld ein Leben ohne finanzielle Sorge führen.

im 8. und 9. Kp. wechselt der Erzähler zur Geschichte von Cathy Ames und beschreibt sie als eine dämonische Femme fatale. Bereits als Kind hat das schöne gefühlskalte Mädchen eine Veranlagung fürs Böse. Für ihren Vorteil setzt sie alles ein – auch ihren Körper. Als Zehnjährige stiftet sie zwei Jungen zu sexuellen Handlungen mit ihr an und lenkt nach der Entdeckung die Schuld auf die beiden. Nach extremen Züchtigungen durch ihre Väter kommen sie in eine Besserungsanstalt. Cathy nutzt ihre magische Anziehungskraft auf Männer aus und erhält Schmuck und Wertgegenstände, von denen sie behauptet, sie gefunden zu haben. Ihre leichtgläubigen Eltern akzeptieren anfangs auch die merkwürdigen Erklärungen. Als sie jedoch nicht mehr zur Schule gehen will, kommt es zu Auseinandersetzungen mit Vater und Mutter. Cathy spielt nach den Züchtigungen für einige Zeit die gehorsame Tochter und rächt sich schließlich grausam für die erhaltenen Schläge: Sie setzt das Haus in Brand, wobei die Eltern umkommen, und plündert den Tresor im Geschäft des Vaters. Ihr Verschwinden tarnt sie als Entführung durch einen Landstreicher.

Cathy nennt sich nun Catherine Amesbury und will Prostituierte werden. Beim Vorstellungsgespräch verdreht sie dem Bordellkönig Edwards sofort den Kopf. Der bislang kühl rechnende Geschäftsmann und Familienvater wird ihr hörig, macht sie zu seiner Geliebten, kauft ihr ein Haus und staffiert sie aus. Dass er sich von ihr ausnehmen lässt, verdrängt er. Als Cathy im Gegensatz zu ihren Prinzipien eines Tages betrunken die Kontrolle verliert und Edwards ihre wahren Gefühle zeigt, gerät er in Wut und will sie zur Strafe in eines seiner Bordelle bringen. Er schlägt sie brutal zusammen und lässt sie halb tot auf der Straße liegen.

Adam und Charles finden die schwer verletzte Cathy vor ihrer Haustür. Adam pflegt sie und fühlt sich sofort zu ihr hingezogen. Charles hingegen durchschaut das kalte, berechnende Wesen von Cathy, und möchte sie möglichst schnell loswerden. Diese beginnt sogleich mit ihrem durchtriebenen Spiel: Sie heiratet Adam aus Berechnung, um ihre Zuflucht zu erhalten. Aber in ihrem teuflischen Trieb betrügt sie ihn gleich in der ersten Nacht mit seinem ihr im Laster ebenbürtigen Bruder (beide haben an das Kainsmal erinnernde Narben auf der Stirn), der sich in seiner Einschätzung der Schwägerin bestätigt fühlt und diesen Triumph über die Naivität Adams genießt.

Zweiter Teil



Im zweiten Teil des Romans zieht Adam Trask mit seiner Frau Cathy nach Kalifornien, wo er sich im Salinas-Tal in der Nähe von King City die Sanchez-Ranch kauft. Cathy ist schwanger, ob von Charles oder Adam bleibt offen, und hat erfolglos versucht abzutreiben. Adam erkennt nicht die Einseitigkeit der Liebesbeziehung und projiziert seine eigenen Gefühle in das kalte Wesen seiner schönen Frau. Er glaubt das Glück mit Cathy, die von Anfang an nicht mit ihm nach Kalifornien ziehen wollte und nur aus finanziellen Gründen nachgab, erzwingen zu können. Adam will den herunter gekommenen großen alten spanischen Landsitz vom ererbten, vielleicht unrechtmäßig erworbenen väterlichen Geld für sich und seine Familie zu einem Garten Eden ausbauen. Er sieht nicht, dass seinem ganzen Projekt damit die ideell reine Grundlage fehlt. Zur Bewässerung des fruchtbaren Bodens soll der in Erfindungen erfahrene und handwerkliche geschickte Samuel Hamilton einige Brunnen graben und zum Wassertransport durch Windmühlen betriebene Aufzüge bauen. Auch bei der Geburt der Zwillinge hilft der neunfache Vater Samuel. Doch Cathy lehnt Mann und Kinder ab. Als sie wieder bei Kräften ist, will sie ihre Familie verlassen. Adam, den das Verhalten seiner Frau erschüttert, schließt sie in die Kammer ein, doch Cathy schießt ihn in die Schulter und verlässt das Haus.

Cathy taucht als Kate in Salinas unter und arbeitet als Prostituierte in Fayes Etablissement, einem der beiden Bordelle, die nach außen hin unauffällig und unspektakulär arbeiten und deshalb von den staatlichen Behörden zur Entlastung der sexuellen Bedürfnisse der ledigen und verheirateten Männer geduldet werden. Dort gewinnt sie schnell das Vertrauen ihrer Kolleginnen und der Puffmutter Faye, die Kate wie eine Tochter liebt und sie als Alleinerbin in ihrem Testament einsetzt. Kate will jedoch schnell den Betrieb übernehmen und ein neues Geschäftsmodell mit sadomasochistischen Angeboten einführen. So mischt sie Medikamente in das Essen und die Getränke Fayes, so dass diese nach längerem Siechtum stirbt.

Adam erholt sich unterdessen langsam von der schweren Schussverletzung an der Schulter. Er verfällt in tiefe Depression, gibt seine Sanierungspläne für die Farm auf und kümmert sich auch nicht um die Zwillingssöhne. Diese zieht sein chinesischer Diener und anfänglich erfolgloser philosophischer Berater Lee groß. Als sich nach über einem Jahr die Situation nicht gebessert hat, stellt Samuel Hamilton, der zweite Philosoph, Adam zur Rede, schlägt ihn gar und bringt ihn zur Besinnung. Gemeinsam mit Lee überlegen sie Namen für die Kinder. Dabei philosophieren sie über die biblische Geschichte von Kain, der seinen Bruder Abel erschlug, das zentrale Motiv des Buches. Schließlich nennen sie die Zwillinge nach den biblischen Figuren Caleb und Aaron Cal und Aron.

Dritter Teil

Im dritten Teil stellt John Steinbeck die Familie Hamilton zunächst weiter vor. Samuel Hamilton (namensgleich mit Steinbecks Großvater) ist vom frühen Tod seiner Tochter Una schwer getroffen. Seine anderen Kinder merken, wie er sichtlich altert. Sie beschließen, sich um ihn wechselweise zu kümmern. Olive (Mutter des Erzählers) und ihr Mann Ernest Steinbeck nehmen sich als erste seiner an und laden ihn und seine strenggläubige Frau Liza zu sich nach Salinas ein. Sein Sohn Tom bleibt allein auf der Farm. Später wird er sich dort das Leben nehmen, weil er sich am Tod seiner kranken Schwester Dessie durch eine falsche Behandlung schuldig fühlt. Samuel weiß, dass er nicht wieder zurückkehrt und er bald sterben wird. Er verabschiedet sich von Adam, dessen Diener Lee und den mittlerweile elfjährigen Söhnen Cal und Aron.

Die drei Erwachsenen sprechen nochmal über die Interpretation der biblischen Kain-Geschichte. Lee hatte dazu chinesische Gelehrte befragt und mit diesen Hebräisch zum Verständnis des Urtextes gelernt. Seiner Auslegung nach ist der Mensch durch Kains Brudermord nicht zur Sünde verdammt, sondern hat die Wahlfreiheit, gut oder schlecht zu handeln. Um Adam von seinen Illusionen von Cathy zu befreien, erzählt ihm Samuel die Wahrheit über sie und ihr verrufenes Bordell. Damit stellt er ihn vor die Wahl, seiner Liebe weiter nachzutrauern oder sich aus seiner Lethargie zu befreien und ein neues Leben zu beginnen.

Nach Samuels Begräbnis in Salinas will sich Adam selbst von Cathys Leben überzeugen. Die Konfrontation mit ihr öffnet ihm die Augen. Sie sagt ihm, dass sie ihn verachtet und immer für einen Schwächling gehalten hat und dass sogar Charles der Vater der Zwillinge sein könnte. Er rechnet ebenfalls mit ihr ab: nicht er habe Defizite, sondern ihr Gemüt sei deformiert und ihr fehle im Gegensatz zu den meisten anderen Menschen jegliches Gefühl. Trotz äußerlich unbeeindruckter Haltung ist Cathy tief getroffen, dass sie die Macht über ihn verloren hat. Ihr Selbstbewusstsein schwindet und ihr Selbstmord kündigt sich an.

Adam versucht eine Neuorientierung. Er kauft sich bei Samuels Sohn Will ein Auto, kümmert sich selbst um die Ausbildung der Kinder und plant, ein Haus in Salinas zu erwerben, damit seine Kinder bessere Schulen besuchen können. Auch schreibt er seinem Bruder Charles nach über zehn Jahren einen Brief. Doch er erhält nur Nachricht von Charles’ Tod. Dieser hinterließ Adam und Cathy je die Hälfte eines beträchtlichen Vermögens. Adam ringt nun mit sich, ob er dies der untergetauchten Cathy mitteilen soll. Doch schließlich entscheidet er sich dafür, den Wunsch seines Bruders zu befolgen, und unterrichtet Cathy von ihrem Erbteil. Diese versteht die Großmut und das Pflichtbewusstsein Adams allerdings nicht, sieht darin entweder einen neuen Beweis seiner Einfalt oder vermutet dahinter einen bösen Trick, sie zur Offenlegung ihrer Identität zu bewegen und sich an ihr zu rächen.

Cal und Aron wachsen in brüderlicher Konkurrenz, Wettstreit und auch gegenseitiger Zuneigung auf. Gelegentlich fragen sie nach ihrer Mutter. Adam und Lee erzählen dann, wie immer, sie sei gestorben und weit entfernt beerdigt. Doch die Zwillinge bekommen auch Gerüchte mit, dass sie noch lebe. Einmal belauscht Cal eine Unterredung von Adam mit Lee und erfährt, dass Cathy als Prostituierte in Salinas arbeitet. Nach dem Umzug versucht Cal die Wahrheit herauszufinden.

Vierter Teil

Im vierten Teil des Romans verliert Adam Trask durch eine zwar gute, aber nicht funktionierende Idee, im Winter Gemüse aus Kalifornien in Kühlwagen an die Ostküste zu transportieren, den Großteil seines Vermögens und erntet den Spott der Einwohner. Seine Söhne leiden unter den Bemerkungen ihrer Mitschüler. Vor allem Aron möchte die Schule schneller als geplant abschließen und in eine Universitätsstadt ziehen. Er hat sich einem strenggläubigen religiösen Zirkel angeschlossen und will Pfarrer werden. Er versucht, seine schöne Freundin Abra Bacon für die Idee sexueller Enthaltsamkeit zu gewinnen, und idealisiert das Mädchen zur reinen Madonna. Zwar verstärkt sein Plan eines Studiums und eines geradlinigen, nicht geschäftsorientierten Lebensweges den Respekt seines Vaters, der ihm immer mehr seine Zuneigung zeigt; bei Abra findet Aron jedoch keine Gegenliebe. Sie kann sich in seinem Bild von ihr nicht wiedererkennen, fühlt sich instrumentalisiert und wünscht sich ein ganz normales Familienleben mit Kindern. Sie löst sich immer mehr von ihm und interessiert sich zunehmend für Cal. An der Universität Stanford führt Aron ein abgeschiedenes Eremitendasein und steigert sich weiter in seine Vorstellungen hinein, die er ausführlich in Briefen an Abra beschreibt. In Wirklichkeit ist er mit dem akademischen Betrieb unzufrieden und will sein Studium aufgeben, traut sich aber nicht, das seinem Vater zu sagen.

Cal hat inzwischen mehr über die Mutter herausgefunden. Er verfolgt sie heimlich, bis er sie in ihrem Bordell zur Rede über ihr Verschwinden stellt. Sie beantwortet ehrlich seine Fragen über sich und ihre Beziehung zu seinem Vater. Er fühlt sich daraufhin einerseits abgestoßen von ihrem Wesen und ihrer Lebensweise, andererseits spürt er aber auch ähnliche destruktive Wesenszüge in sich. Er ahnt, dass sein weltabgewandter idealistischer Bruder, wüsste er über die Mutter Bescheid, daran innerlich zerbrechen würde.

Im letzten Teil des Romans entwickelt sich der immer deutlicher werdende Gegensatz zwischen Cal und Aron zur Kain-und-Abel-Tragödie. Cal leidet unter der Bevorzugung des Bruders und möchte durch eine besondere Tat die Liebe des Vaters erzwingen. Gemeinsam mit Will Hamilton verfolgt er eine Geschäftsidee, die der des Vaters überlegen ist. Er spekuliert auf eine lange Kriegsdauer mit Versorgungsengpässen und kauft Farmern bereits bei der Aussaat die Bohnenernte ab. Später verkauft er sie mit Gewinn an die britische Einkaufskommission, die zur Verpflegung der Soldaten alle Vorräte braucht, was den Preis hochtreibt. Den Gewinn von 15.000 Dollar schenkt er an Thanksgiving in Anwesenheit des Bruders dem Vater, um – wie er sich selbst eingesteht – sich dessen Gunst und Liebe zu erkaufen. Doch Adam weist den Spekulationsgewinn zurück. Er möchte kein durch den Krieg mit den vielen Toten verdientes Geld geschenkt bekommen, lieber wären ihm Söhne, die etwas aus ihrem Leben machen und sich für eine Idee einsetzen wie Aron. Cal ist durch die Abweisung und den moralischen Tadel verletzt. Ironischerweise bezieht sich Adam auf die von ihm erwarteten Prüfungserfolge Arons und weiß nicht, dass der sein Studium abbrechen wird. Cal will sich am seiner Meinung nach zu Unrecht bevorzugten Bruder rächen. Er führt ihn zum Bordell und zeigt ihm lachend die Mutter. Aron kann die Wirklichkeit nicht verkraften und meldet sich als angeblich 18-Jähriger (tatsächlich ist er erst 17) zum Militärdienst.

Ein zweiter zeitlich parallel verlaufender Handlungsstrang schildert die letzten Intrigen Cathys. Ihre ehemalige Kollegin Ethel ahnt, dass Cathy ihre Chefin Faye vergiftet hat, und erpresst sie. Cathy setzt darauf ihren Wächter Joe Valery auf sie an. Dieser ahnt die Hintergründe, will die Situation finanziell für sich ausnutzen und droht mit Andeutungen seiner Chefin. Cathy verwickelt sich immer mehr in ihre eigenen Machenschaften, und die Begegnungen mit Adam und schließlich ihrem Sohn Aron geben den Ausschlag für ihren seit langem erwogenen und vorbereiteten Selbstmord. Selbst diesen verschleiert sie und belastet damit Joe, der mit gestohlenen Wertgegenständen und dem Testament, in dem sie ihr Vermögen Aron vermacht, verhaftet und des Mordes beschuldigt wird. Adam weint, als er von Cathys Tod erfährt. Er will nun Aron aufklären. Doch als er Cal fragt, wo sein Bruder sei, antwortet dieser ähnlich wie Kain in der Bibel: „Muss ich denn auf ihn aufpassen?“.

Aron fällt bei seinem ersten Einsatz in Frankreich. Als die Nachricht von seinem Tod eintrifft, erleidet Adam einen Schlaganfall, der ihn lähmt und bald darauf zu seinem Tod führt. Cal fühlt sich schuldig an der von ihm ausgelösten Unglückskette und will weglaufen, doch Abra führt ihn zum Vater zurück. Auf dem Krankenbett vergibt er seinem Sohn und signalisiert ihm die von Lee entwickelte Kain-und-Abel-Interpretation, dass das Böse nicht als Erbe schicksalhaft hingenommen werden müsse, sondern dass die Menschen es bekämpfen könnten. Cal wird vermutlich, nach Hinweisen über ihre gemeinsame Liebe und Lebensvorstellungen in den letzten Kapiteln, Abra heiraten. Sie könnten gemeinsam Adams Ranch führen und versuchen, die Botschaft zu verwirklichen.

Zu den Personen sieh die englische Wikipedia (Stammtafel) und die französische (Nennung auch von Nebenpersonen)

Gespräche von Lee und Samuel Hamilton:
KI Ecosia: "Die Gespräche zwischen Lee und Samuel Hamilton in „Jenseits von Eden“ sind zentral für die Entwicklung der Handlung und der Charaktere. Samuel Hamilton ist eine der prägendsten Figuren des Romans und wird oft als weiser, lebenskluger und charismatischer Mann beschrieben, der durch seine Fragen und Gespräche die wahren Motive und Hintergründe der Menschen ergründet. Lee, der zunächst als scheinbar einfacher Diener auftritt, entpuppt sich als einer der tiefgründigsten und belesensten Charaktere des Romans. Reddit +3

Ein besonders wichtiger Moment ist das Gespräch, in dem Samuel Hamilton Lee nach seiner Herkunft und seinen Beweggründen fragt. Lee, der bis dahin in einer Art „Maskerade“ lebt und mit gebrochenem Englisch spricht, lässt hier seine wahre Persönlichkeit erkennen. Samuel durchschaut ihn und stellt fest, dass Lee ein hochintelligenter und reflektierter Mann ist, der sich aus strategischen Gründen so verhält. Diese Szene unterstreicht die Bedeutung von Identität und Selbstbestimmung im Roman. Frankfurter Allgemeine Zeitung +1

[Fontanefan: Lee und Samuel sprechen so offen miteinander, wie es psychologisch nicht wahrscheinlich erscheint, damit der Leser erfährt: Lee beherrscht fehlerloses Englisch (heute: Amerikanisch), spricht aber Pidgin, weil das von ihm erwartet wird (seine Rolle als Diener). Er sagt auch, dass er sehr viel Einfluss auf die Herren habe, weil sie stark auf ihn angewiesen sind. Ähnlich lässt auch Faulkner gelegentlich die schwarzen Sklaven darüber sprechen, dass sie die Weißen nicht spüren lassen dürfen, wie überlegen sie diesen sind, weil die das nicht mit ihrem Rollenbild von "Niggern" vereinbaren könnten.]

Ein weiteres zentrales Thema in den Gesprächen zwischen Lee und Samuel ist die Auseinandersetzung mit der biblischen Geschichte von Kain und Abel, die im Roman eine zentrale Rolle spielt. Lee und Samuel diskutieren die Bedeutung von „Timshel“ – einem hebräischen Wort, das „Du sollst“ bedeutet und die Idee von freiem Willen und Verantwortung vermittelt. Diese Gespräche sind nicht nur philosophisch tiefgründig, sondern prägen auch die Entwicklung der Hauptfiguren Adam Trask und seiner Söhne Caleb und Aron. SoundCloud"

Kapitel 14  wird hier, weil es aus der Haupthandlung herausfällt, ausführlich von einer KI wiedergegeben:

Olive Hamilton – die Mutter des Erzählers -  eine der Töchter von Samuel und Liza Hamilton

1. Olives Leben als Lehrerin

  • Die Rolle der Landschule: Das Kapitel beginnt mit einer Schilderung der damaligen Zeit, in der Landschulen das Zentrum des sozialen Lebens in den Städten und Dörfern bildeten. Die Lehrerin galt damals als „heiß begehrte“ Persönlichkeit.

  • Olives Arbeit: Olive Hamilton arbeitete einige Jahre als Lehrerin in einer solchen Landschule. Das war ein extrem harter Job, bei dem sie Kinder aller Altersstufen gleichzeitig unterrichten und den Schulbetrieb komplett allein schmeißen musste. Weil sie gebildet, charismatisch und attraktiv war, erhielt sie ständig Heiratsanträge (unter anderem von ihren eigenen Schülern).

  • Der Umzug in die Stadt: Da sie sich jedoch nach einem städtischen Leben sehnte, verließ sie das Unterrichten schließlich und heiratete Ernest Steinbeck, einen Geschäftsmann aus King City.

2. Olives Persönlichkeit und Weltbild

  • Umgang mit Geld und Schulden: Olive verabscheute Schulden über alles. Diese Eigenschaft gab sie auch an ihre Kinder weiter. Dies führte oft dazu, dass die Familie bei Haushaltsgeräten oder modernen Annehmlichkeiten im Vergleich zu den Nachbarn zurückblieb.

  • Pragmatischer Glaube: Ihr religiöses Weltbild war pragmatisch und breit gefächert. Sie lehnte es ab, an Dinge zu glauben, die unlösbar oder frustrierend waren. Wenn es brenzlig wurde, ging sie auf Nummer sicher: Als der Erzähler (John Steinbeck) als Jugendlicher schwer an Lungenentzündung erkrankte, ließ sie ihn vorsorglich von gleich mehreren Konfessionen (Episkopalen, Katholiken, Christian Science) gleichzeitig bebeten, um alle Optionen abzudecken.

3. Die Anekdote mit dem Flugzeug (Mut und Missverständnis)

Das Kapitel enthält eine berühmte, humorvolle Episode, die Olives stoische Entschlossenheit zeigt:

  • Der Flug: Als Olive (später im Leben) durch den Verkauf von Kriegsanleihen einen Rundflug in einem offenen Militär-/Kampfflugzeug gewinnt, hat sie panische Angst vor dem Fliegen und rechnet fest mit dem Absturz. Da sie aber stolz ist und ihre Familie (bzw. die Menschen) nicht enttäuschen will, zieht sie es durch.

  • Das Missverständnis: In der Luft übertönt der Motorenlärm die Worte des Piloten. Als dieser sie fragt, ob ihr der Flug gefällt bzw. ob er einige Kunststücke („stunts“) machen soll, versteht Olive fälschlicherweise das Wort „stuck“ (etwa: „stecken wir fest?“ / „ist etwas blockiert?“).

  • Haltung bewahren: Da sie glaubt, sie seien in Lebensgefahr, will sie tapfer bleiben. Sie lächelt tapfer, nickt und gibt ständig den Daumen nach oben („Thumbs-up“), um dem Piloten Mut zu machen. Daraufhin dreht der Pilot völlig auf und fliegt waghalsige Loopings und Sturzflüge.

  • Das Ende: Nach der Landung schüttelt der Pilot anerkennend den Kopf über ihre eiserne Nervenstärke. Olive hingegen ist völlig erschöpft, steif vor Schreck und muss sich erst einmal für zwei Tage ins Bett legen.

Bedeutung für den Roman

Obwohl Kapitel 14 auf den ersten Blick wie eine erzählerische Nebenlinie wirkt, vertieft es die Familiengeschichte im Hintergrund des Romans. Es stellt die Hamilton-Familie weiter vor, schlägt eine Brücke zum Autor selbst (der sich hier als Sohn zu erkennen gibt) und zeigt universelle Themen wie menschliche Skurrilität, Tapferkeit im Alltag und die Verschiedenartigkeit von Perspektiven („Stories“), die sich wie ein roter Faden durch ganz Jenseits von Eden ziehen.