Dies Buch fand sich bisher nur ziemlich versteckt bei meinen Lektüreanregungen. Es soll hier leichter zu finden sein:
15 Mai 2026
Die Frau im Mittelalter
14 Mai 2026
Elena Ferrante: Meine geniale Freundin
Die Erzählerin machte alles ihrer Freundin Lila nach, auch wenn sie dabei große Angst hatte. Denn Lila macht immer wieder ohne Furcht etwas, was Elena nie von selbst getan hätte.
Alle Kinder waren frech und hielten sich nicht an das, was ihnen gesagt wurde, Nur Lila tat es offen und ohne Furcht. Sie gehorchte der Lehrerin nicht, und wenn die sie strafen wollte, fiel ihr selbst etwas Schreckliches zu.
Lina lief nicht vor den Steine werfenden Jungen fort, sondern wich ihnen immer erfolgreich aus und bewarf ihrerseits die Jungen mit Steinen.
So ist Elena auch am Beginn des Romans dabei, ihrer Freundin auf dem Weg zu Don Achille zu folgen, obwohl der der Schrecken des ganzen Viertels war. In dieser magischen Kinderwelt voller Ängste hat Lila keine Angst. Deshalb kann sie alles, auch das Unmögliche, weil sie keine Angst hat. Lila wird diese Fähigkeit bis zum Schluss der Tetralogie haben.
Am Anfang stehen Verse aus Goethes Faust Prolog im Himmel
Du darfst auch da nur frei erscheinen;
Ich habe deinesgleichen nie gehaßt.
Von allen Geistern, die verneinen,
ist mir der Schalk am wenigsten zur Last.
Des Menschen Tätigkeit kann allzu leicht erschlaffen,
er liebt sich bald die unbedingte Ruh;
Drum geb ich gern ihm den Gesellen zu,
Der reizt und wirkt und muß als Teufel schaffen.
Als Elena in die Schule kam, wurde sie, weil sie artig und fleißig war, bald die beste aus der Klasse. Bis eines Tages herauskam, dass Lila sich, ohne jede Hilfe, Lesen und Schreiben beigebracht hatte und auch besser Kopfrechnen kann als die zwei Jahre älteren Schüler.
Von da ab hat sie es sich allerdings mit den Jungen in der Schule verdorben. Elena aber erkennt Lilas Überlegenheit fraglos an und bemüht sich, immer an ihrer Seite zu bleiben, und Lila nimmt sie zu allerlei Mutproben mit, die Elena von sich aus nie zu unternehmen gewagt hätte. In dieser Zeit wirft Lila auch Elenas Puppe ins Kellerloch. Als sie sie nachher im Keller suchen, finden sie sie nicht und vermuten, Don Achille habe sie gestohlen.
Damals hat Nino Sarratore Elena auch gesagt, dass er Elena heiraten wolle, wenn sie groß seien. Sie liebte ihn auch, wies ihn aber ab. (S.74)
Dass Elena Lila als mit übermenschlichen Fähigkeiten ausgestattet sieht, führt Ferrante also auf die plötzlich Überlegenheit Lilas, dass sie ohne Hilfe Lesen gelernt hat, zurück. Und dass sie - wie Mephisto Faust - Elena in das ihr bis dahin fremde Leben einführt, auf ihre Furchtlosigkeit.
Zum größeren Zusammenhang als Vorausschau sieh die Darstellung zur Tetralogie und zum 3. Band.
13 Mai 2026
Saša Stanišić: Wolf - ein Buch zum Thema Mobbing
Saša Stanišić: Wolf. (Perlentaucherrezensionen)
Wolf ist "mehr als nur eine Mobbing-Geschichte. Der Roman erzählt auch von Freundschaft, Veränderung und vor allem von Selbstermächtigung - davon, wie man wieder zum Erfinder oder zur Erfinderin der eigenen Geschichte wird, lesen wir. Und das natürlich gewohnt witzig, fantasiereich und mit einer Sensibilität für Sprache, die berührt, beeindruckt und anregt - genauso übrigens, wie die feinen Illustrationen von Regina Kehn. Dieser Kinderroman ist definitiv "anders" auf die beste Weise" (Christine Knödler, Süddeutsche Zeitung, 05.05.2023
Interview mit Schülerinnen, die das Buch gelesen haben, dem Lehrer, an dessen Schule alle das Buch gelesen haben und Stanišić (ZEIT 13.5.26)
Ich begleite die Werke von Stanišić seit 2014. Ich bin kein begeisterter Leser. Dies Buch aber, das ich nicht gelesen habe, gefällt mir sehr gut aufgrund der wenigen Stellen, die in dem Interview zitiert werden, und der Reaktion der Leserinnen. Denn Mobbing ist ein sehr wichtiges Thema, weil es sich weitgehend für die Erwachsenen im Verborgenen abspielt und es sehr schwierig ist, die Dynamik des Prozesses zu erkennen und noch schwerer, sie zu beeinflussen. Ich bin Stanišić dankbar, dass er das Thema aufgegriffen hat und bin beeindruckt, dass es gelungen ist, das Buch in einer Schule in allen Klassen zu lesen.
Dan Olweus hat einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung von Gewaltpräventionsprogrammen in der Schule geleistet, aber insbesondere aufgrund der Möglichkeit des außerschulischen Mobbings über das Internet trotz allen verdienstvollen pädagogischen Interventionen nicht wirklich erfolgreich bekämpft worden. Die Beteiligten sind weiterhin oft überfordert, weil Erwachsene und Mobbingopfer nicht früh genug zueinander finden.
12 Mai 2026
Franz Grillparzer: Libussa
Libussa (Wikipedia) Behandlungen des Stoffs in der Kunst (Literatur usw.)
Grillparzer (Wikipedia)
Der Dichter Grillparzer spielt in meiner literarischen Bildung nur eine unwichtige Nebenrolle. In meiner Schulzeit lernte ich nur Weh dem, der lügt! (1838) kennen. Der arme Spielmann (1847) folgte als nächstes, war mir aber zu resignativ, auch wenn er Grillparzer sympathisch erscheinen ließ. Neben Schillers Dramen konnte das nicht bestehen. Mit Sicherheit habe ich in manche Werke hineingesehen. König Ottokars Glück und Ende (1825) interessierte mich vom historischen Standpunkt.
Bei meiner Erstlektüre von Libussa im Juli 2024 habe ich mehr zu Grillparzer und meiner Erfahrung mit ihm geschrieben. Dort findet sich auch längere Zitate aus dem 1.und 3. Akt.
Hier sollen einige Zitate aus dem Nachwort von Heinz Rieder* stehen, die die Bedeutung des Werkes würdigen. *Heinz Rieder (1911–1995) war ein österreichischer Historiker, Germanist und Bibliothekar, arbeitete an der Österreichischen Nationalbibliothek und als freier Schriftsteller. Zunächst Stichworte: Der Stoff der Libussa interessierte G. erstmals 1822, also mit 31 J. , der 1. Akt wurde erstmals 1840 aufgeführt und 1841 gedruckt. Das vollständige Stück (vermutlich 1848 vollendet) fand sich erst in seinem Nachlass und wurde 1874 aufgeführt.
5. Akt:
"Primislaus(aufstehend).
Siehst
du, die Moldau, dieses Landes Ader,
Die blutverbreitend durch
den Körper strömt,
Hier hat versammelt sie all ihre
Quellen
Und breitet sich in weiten Ufern aus.
Noch weiter
unten fließt sie in die Alb,
Mit der vereint sie durch die
Berge bricht,
Die scheiden unser Land vom deutschen Land
Und
strömt mit ihr, so sagt man, bis ins Meer.
Steht unsre Stadt
nun hier, so baun wir Schiffe
Und laden auf des Landes
Überfluß
An Frucht, an Korn, an Silber und an Gold.
Libussa. So achtest du das Gold?
Primislaus.
Ich nicht, doch andre,
Und andern eben
bieten wir es dar.
So schafft uns Tausch was hier noch etwa
fehlt.
Libussa. Genügsamkeit ist doch ein großes Gut!
Primislaus. Befriedigt
ist das Tier nur und der Weise,
Den Menschen, die gleich mir und
gleich den meisten
Ward das Bedürfnis als ein Reiz und
Stachel
Von ew'gen Mächten in die Brust gelegt,
Bedürfnis
das sich sehnt nach der Befried'gung
Und dort auch noch zu neuen
Wünschen keimt."
Text der KI Ecosia zum Stück mit weiterweisenden Links)
„Libussa“ von Franz Grillparzer ist ein monumentales Trauerspiel in fünf Aufzügen, das die legendäre Gründung Prags und Böhmens thematisiert freitext.org. Die Handlung dreht sich um die böhmische Königstochter Libussa, die aus göttlichem Geschlecht stammt und nach dem Tod ihres Vaters die Regierung übernimmt austria-forum.org www.deutsche-digitale-bibliothek.de link.springer.com.
Libussa begibt sich auf die Suche nach Heilkräutern für ihren todkranken Vater und verirrt sich dabei link.springer.com. In dieser Situation wird sie mit politischen und persönlichen Herausforderungen konfrontiert, die letztlich zur Gründung Prags führen. Das Drama untersucht auch die Rolle der Frau in der Gesellschaft und die Erwartungen an weibliche Herrschaft macau.uni-kiel.de.
Grillparzer vollendete das Werk im Revolutionsjahr 1848 odysseetheater.at. Es verbindet mythische Elemente mit politischen und sozialen Themen seiner Zeit."
Mehr zum Stück und an Zitaten bei meiner Erstlektüre von Libussa im Juli 2024.
04 Mai 2026
Elena Ferrante: Die Geschichte der getrennten Wege, Band 3 der Neapolitanischen Romane
Elena Ferrante (Wikipedia): Die Geschichte der getrennten Wege Copyright 2013, dt. 2017
Heute wie druckfrisch in einem kleinen neuen öffentlichen Bücherregal gefunden.
Das Pseudonym der Autorin ist literarisch Interessierten schon länger bekannt (dazu der Wikipediaartikel), die Gelegenheit in eins der Bücher hineinzusehen, wollte ich nicht verpassen. Meine Vermutung ist, dass ich nicht rasch damit vorankommen werde.
[Das habe ich geschrieben mir Blick auf Steinbecks "Früchte des Zorns", über die ich seit dem 11.2. berichte und Jack Londons "Martin Eden", über den ich seit dem 4.3. berichte (gegen Ende April beendet). Freilich, beide habe ich auf Englisch abends im Bett gelesen, um das Einschlafen zu befördern. "Von Früchte des Zorns" hatte ich Anfang und Schluss auf Deutsch gelesen, bevor ich mit "Martin Eden" begann. Jetzt bin ich irgendwo im ersten Viertel oder Drittel. - Da ich Ferrante auf Deutsch lese, werde ich schneller vorankommen können und eher einen Eindruck gewonnen haben, so dass das Springen zum Schluss früher erfolgen dürfte.]
Daher schon hier zur Vorstellung ein Link auf den Wikipediaartikel Neapolitanische Saga. Für die, die den Spoiler fürchten, die Angaben von zwei KIs (beide gekürzt) um mir Zusammenfassungen zu ersparen. [Zur emotionalen Einfühlung kann man Fotos der Hauptdarstellung und Kurzinformationen zu den Episoden der Verfilmung der Romane hier sowie in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung und Fotos vom Schauplatz in Neapel in einem Foto-Essay im Guardian finden.finden.]
KI Ecosia: Die Neapolitanische Saga von Elena Ferrante ist eine der bekanntesten und meistdiskutierten Buchreihen der letzten Jahre. Die vierbändige Reihe erzählt die lebenslange Freundschaft und Rivalität zwischen zwei Frauen aus Neapel: Elena Greco (genannt Lenù) und Raffaella Cerullo (genannt Lila). Die Saga ist ein tiefgründiges Porträt von weiblicher Emanzipation, sozialer Ungleichheit, Gewalt und der Komplexität menschlicher Beziehungen.
Meine geniale Freundin (L’amica geniale, 2011)
- Die Geschichte beginnt in den 1950er-Jahren in einem armen Viertel Neapels. Die beiden Mädchen, Elena und Lila, wachsen in einer von Männern dominierten Welt auf. Lila ist hochintelligent, rebellisch und voller Ideen, während Elena sich als die “Stille” sieht, die durch Bildung und Fleiß versucht, ihrem Schicksal zu entkommen. Der Band endet mit Lilas plötzlicher Hochzeit in jungen Jahren – ein Bruch in ihrer Freundschaft. (Mehr zum Inhalt erfährt man aus den Angaben zur Verfilmung des Romans für das Fernsehen)
Die neue Freundin (Storia del nuovo cognome, 2012) Der zweite Band deckt die 1960er-Jahre ab. Elena beginnt, sich von Lilas Schatten zu lösen, und besucht das Gymnasium. Lila hingegen ist in einer unglücklichen Ehe gefangen, kämpft mit häuslicher Gewalt und versucht, sich durch Arbeit und Bildung zu befreien.
Diejenigen, die gehen und diejenigen, die bleiben (Storia di chi fugge e di chi resta, 2013) Hier wird die Freundschaft auf die Probe gestellt, als Elena in Florenz studiert und sich von Neapel entfernt. Lila arbeitet in einer Fabrik und engagiert sich politisch. Die gesellschaftlichen Umbrüche der 1970er-Jahre (Studentenproteste, Feminismus, wirtschaftliche Krisen) spielen eine zentrale Rolle.
Das verlorene Kind (Storia della bambina perduta, 2014) spielt in den 1980er- und 1990er-Jahren. Elena hat sich als Schriftstellerin etabliert, während Lila ein zurückgezogenes Leben führt. Die Vergangenheit holt beide ein, und die Frage, wer von ihnen “erfolgreich” war, wird neu verhandelt. Der Roman endet mit einem rätselhaften Verschwinden Lilas.
Was die Saga so besonders macht, ist Ferrantes ungeschönter Blick auf die Realität:
Ambiguität der Freundschaft: Es ist keine reine „Wohlfühl-Freundschaft“. Sie ist geprägt von tiefer Liebe, aber auch von Neid, Konkurrenzkampf und gegenseitiger Abhängigkeit.
Das Viertel (Rione): Ein Mikrokosmos voller Gewalt, Camorra-Einfluss und strenger patriarchaler Strukturen, dem beide Frauen auf unterschiedliche Weise zu entkommen versuchen.
Bildung als Befreiung: Während Elena durch Bildung sozial aufsteigt, bleibt die (vielleicht genialere) Lila im Viertel gefangen, fordert das System jedoch von innen heraus heraus.
Sprache: Der Kontrast zwischen dem harten neapolitanischen Dialekt (Gewalt/Herkunft) und dem reinen Italienisch (Bildung/Aufstieg).
Hintergrund: Elena Ferrante ist ein Pseudonym. Die wahre Identität der Autorin (oder des Autors) ist offiziell nicht bestätigt, was den Kult um die Bücher noch verstärkt hat. Die Anonymität soll sicherstellen, dass das Werk für sich selbst spricht.
Die Saga wurde unter dem Originaltitel "L'amica geniale" (My Brilliant Friend) spektakulär von HBO und der RAI verfilmt. Die [Fernseh-]Serie ist bekannt für ihre visuelle Treue zum Zeitgeist und die herausragenden schauspielerischen Leistungen.
02 Mai 2026
Irving Stone: Zur See und im Sattel. Das Leben Jack Londons
Irving Stone: Zur See und im Sattel. Das Leben Jack Londons. (engl. 1938; rororo TB 1955)
(von mir erstmals gelesen 1958 - Damals im Lektüretagebuch: "Jack London lebt in der Jugend als Pirat u.ä. Nach größten Werken tötet er sich."*) *Laut Wikipedia ist die Todesursache umstritten. Seine Niereninsuffizienz wie Morphium, das er nahm, kommen in Frage.
Wikipedia: "Das Bild des sozialen Abgrunds heruntergekommener, ins Elend abgerutschter Männer, die in jüngeren Jahren genau so waren wie er, ließ seine Vorstellung reifen, nicht mehr körperlich zu arbeiten. Er beschloss, seinen Kopf zu gebrauchen, und begann hektisch, sich auf viele Arten zu bilden. Er las die Werke von Karl Marx, Charles Darwin und Herbert Spencer. In ihren Ideen erkannte er sich selbst. So entwickelte sich sein politisches Bewusstsein. London engagierte sich für alles, was den Armen und den Arbeitern helfen konnte, sich aus dem Abgrund der Armut zu befreien. Gleichzeitig hielt er leidenschaftliche Ansprachen auf dem Rathausplatz in Oakland, die ihn ins Gefängnis brachten.
Die Zeit um die Mitte der 1890er Jahre, in die Londons erste schriftstellerischen Bemühungen fielen, schildert er selbst:
„Das Schlimmste für den Schreibanfänger sind die langen Dürreperioden, in denen kein Scheck von einem Verlag kommt und alles Pfändbare schon verpfändet ist. … Mein Problem bestand darin, dass ich niemanden hatte, der mich beriet. Ich kannte keine Menschenseele, die schrieb oder den Versuch zu schreiben gemacht hatte. Ich kannte nicht einmal einen Reporter. Außerdem stellte ich fest, dass ich praktisch alles vergessen musste, was die Lehrer und Professoren der Literatur an der High School und Universität mich gelehrt hatten, um mit dem Schreiben Erfolg zu haben.“[13]"
Das passt zur Darstellung in Martin Eden. Aber es fehlen die vielen Frauengestalten, die Stone anführt. Die finden sich dafür in Martin Eden. Ruth entspricht Mabel, der Empfindsamen, doch seine Mutter Flora und Bessie Maddern, die Frau, die er heiratet, finden sich dort nicht.
"Im Juli endlich konnte er wirklich, als Schriftsteller von Beruf gelten, denn da liefen von ihm Geschichten und Artikel in fünf Zeitschriften – für einen jungen Menschen von 23 Jahren, der erst neun Monate schrieb, ein Wunder. Das 'American Journal of Education' brachte zwei Arbeiten über die Sprache und den Gebrauch der Zeitwörter, Studien, die zeigen, wie weit er mit seiner handwerklichen Selbsterziehung gekommen war. Die 'Owl, , die schäbig zahlende, aber eifrig druckende 'Overland Monthly' und der Tillotson-Konzern erwarben einiges Skizzen.
Jack hielt dafür, dass dieser Galamonat ebenso verdiene, gefeiert zu werden, wie die Veröffentlichung seiner beiden ersten Erzählungen, und so löst er es sein Fahrrad aus, holte Mabel ab und fuhr mit ihr in die Berge. Aber als er ihr diesmal seine Triumphe zu Füßen legte, schien sie nachdenklich und niedergeschlagen. Auf ihre direkte Frage gestand er, dass alle fünf Beiträge im nur zehn Dollar angebracht hätten, zu denen noch 7,50 Dollar kämen, wenn die Overland Monthly ihren Rückstand begliche. Mabel sank zusammen, packt den Kopf in seinem Schoß und weinte. Sechs Monate ihres Verlobungsjahres waren schon verfossen, und Mabel bewiesen Jacks Einkommen aus seiner doch erfolgreichen Schriftstellerei nur, dass sie davon niemals leben können. Sie selber/hätte seine Armut gern geteilt, aber ihre Mutter hatte ihr mit Nachdruck klargemacht, dass sie Jack nicht heiraten dürfte, bevor er nicht eine gesicherte Existenz bieten könnte. (Seite 92/93).
Wikipedia: "Das Bild des sozialen Abgrunds heruntergekommener, ins Elend abgerutschter Männer, die in jüngeren Jahren genau so waren wie er, ließ seine Vorstellung reifen, nicht mehr körperlich zu arbeiten. Er beschloss, seinen Kopf zu gebrauchen, und begann hektisch, sich auf viele Arten zu bilden. Er las die Werke von Karl Marx, Charles Darwin und Herbert Spencer. In ihren Ideen erkannte er sich selbst. So entwickelte sich sein politisches Bewusstsein. London engagierte sich für alles, was den Armen und den Arbeitern helfen konnte, sich aus dem Abgrund der Armut zu befreien. Gleichzeitig hielt er leidenschaftliche Ansprachen auf dem Rathausplatz in Oakland, die ihn ins Gefängnis brachten.
Die Zeit um die Mitte der 1890er Jahre, in die Londons erste schriftstellerischen Bemühungen fielen, schildert er selbst:
„Das Schlimmste für den Schreibanfänger sind die langen Dürreperioden, in denen kein Scheck von einem Verlag kommt und alles Pfändbare schon verpfändet ist. … Mein Problem bestand darin, dass ich niemanden hatte, der mich beriet. Ich kannte keine Menschenseele, die schrieb oder den Versuch zu schreiben gemacht hatte. Ich kannte nicht einmal einen Reporter. Außerdem stellte ich fest, dass ich praktisch alles vergessen musste, was die Lehrer und Professoren der Literatur an der High School und Universität mich gelehrt hatten, um mit dem Schreiben Erfolg zu haben.“[13]"
Das passt zur Darstellung in Martin Eden. Aber es fehlen die vielen Frauengestalten, die Stone anführt. Die finden sich dafür in Martin Eden. Ruth entspricht Mabel, der Empfindsamen, doch seine Mutter Flora und Bessie Maddern, die Frau, die er heiratet, finden sich dort nicht.
Bei Stone heißt es:
"Im Juli endlich konnte er wirklich, als Schriftsteller von Beruf gelten, denn da liefen von ihm Geschichten und Artikel in fünf Zeitschriften – für einen jungen Menschen von 23 Jahren, der erst neun Monate schrieb, ein Wunder. Das 'American Journal of Education' brachte zwei Arbeiten über die Sprache und den Gebrauch der Zeitwörter, Studien, die zeigen, wie weit er mit seiner handwerklichen Selbsterziehung gekommen war. Die 'Owl, , die schäbig zahlende, aber eifrig druckende 'Overland Monthly' und der Tillotson-Konzern erwarben einiges Skizzen.
Jack hielt dafür, dass dieser Galamonat ebenso verdiene, gefeiert zu werden, wie die Veröffentlichung seiner beiden ersten Erzählungen, und so löst er es sein Fahrrad aus, holte Mabel ab und fuhr mit ihr in die Berge. Aber als er ihr diesmal seine Triumphe zu Füßen legte, schien sie nachdenklich und niedergeschlagen. Auf ihre direkte Frage gestand er, dass alle fünf Beiträge im nur zehn Dollar angebracht hätten, zu denen noch 7,50 Dollar kämen, wenn die Overland Monthly ihren Rückstand begliche. Mabel sank zusammen, packt den Kopf in seinem Schoß und weinte. Sechs Monate ihres Verlobungsjahres waren schon verfossen, und Mabel bewiesen Jacks Einkommen aus seiner doch erfolgreichen Schriftstellerei nur, dass sie davon niemals leben können. Sie selber/hätte seine Armut gern geteilt, aber ihre Mutter hatte ihr mit Nachdruck klargemacht, dass sie Jack nicht heiraten dürfte, bevor er nicht eine gesicherte Existenz bieten könnte. (Seite 92/93).
01 Mai 2026
B. Groethuysen: Die Entstehung der bürgerlichen Welt- und Lebensanschauung in Frankreich
besprochen von norberto42 (Danke! Fontanefan)
"[...] Groethuysen hat vor hundert Jahren ein Buch geschrieben, in dem er [...] zeigt, wie sich im Frankreich des 18. Jahrhunderts mit dem Aufkommen des Bürgertums die katholische Religion, vor allem das religiöse Erleben ändert: wie der Tod und die mit ihm drohende Hölle ihren Schrecken verlieren, wie „Gott“ aus dem souverän Erwählenden und Verwerfenden zu einem gütigen Vater aller wird, wie die Menschen – nach christlicher Lehre verderbt durch die Erbsünde – ihren wesentlichen Status als Sünder verlieren und zu Menschen werden, die gelegentlich sündigen, aber ordentliche Bürger sind und sich durchaus des Lebens auf Erden erfreuen dürfen. Die großen Parteien innerhalb der Kirche waren die Jansenisten, die strikt an der alten Religion mit der Verneinung der Welt festhielten, und die Jesuiten, die sich dem neuen Menschentypus annäherten und ihn für den Katholizismus zu retten versuchten; durch die Bulle Unigenitus wurden hundert Thesen der Jansenisten verdammt, die Jesuiten obsiegten im innerkirchlichen Streit.*
Groethuysen schildert diese Entwicklung breit und [...] einleuchtend, vor allem für den, der selber noch eine Art katholischer Erziehung abbekommen hat. [...]"
https://archive.org/details/die-entstehung-der-burgerlichen-1/page/n3/mode/2up (1. Band, 1927)
https://archive.org/details/die-entstehung-der-burgerlichen-welt-2/page/n5/mode/2up (2. Band, 1930)
https://de.wikipedia.org/wiki/Bernhard_Groethuysen (B. Groethuysen)
https://www.deutsche-biographie.de/gnd118542370.html#dbocontent (dito)
Mancher, der in den Jesuiten die Ausgeburt des Bösen zu kennen glaubte, wird sich vielleicht wundern, wie modern und säkular sie aus dieser Perspektive wirken. (Fontanefan)
* "[...]Die Rückbesinnung auf die Lehre von der zuvorkommenden Gnade führte zwangsläufig zur Auseinandersetzung mit dem in Frankreich mächtigen Jesuiten-Orden, der nach den Schriften des Jesuiten Luis de Molina auch Parti moliniste genannt wurde. Jedem Leser von Jansens Augustinus musste klar sein, dass darin der sogenannte Molinismus, der bereits seit 1588 zum sogenannten Gnadenstreit mit den Dominikanern geführt hatte, wie auch die als laxe Moral verdächtige Kasuistik und der Probabilismus in die Kritik geriet. Die Jansenisten verurteilten die jesuitische Lehre, nach der die göttliche Gnade und die menschliche Willensfreiheit bei der Erlangung des Seelenheils zusammenwirkten. Sie nahmen auch Anstoß an der jesuitischen Lehrmeinung, für die zum Empfang der Sündenvergebung notwendige Reue reiche die Furcht vor göttlichen Strafen aus. Nach jansenistischer Auffassung entspringt wahre Buße aus der Liebe zu Gott und ist allein ein Geschenk der göttlichen Gnade. Im Gegensatz zu den Jesuiten, die den christlichen Glauben in der Welt in Verbindung mit barocken Frömmigkeitsformen proklamierten, forderten die Jansenisten ein einfaches, zurückgezogenes Leben. [...]" (Wikipedia)