04 März 2026

Jack London: Martin Eden

 Jack London: Martin Eden

"[...] Die Handlung des Romans – er umfasst 46 Kapitel auf 486 Seiten – spielt in der San Francisco Bay Area und im Zentrum stehen diese beiden Protagonisten:[6]

Mit einem Abendessen in der Wohnung der Familie Morse beginnt der Roman. Arthur, der Bruder von Ruth, hatte Martin eingeladen. Es geschah aus seiner Dankbarkeit für dessen spontane Hilfeleistung bei einem Angriff von betrunkenen Hooligans auf einer Fähre. Vor dem Abendessen sieht Martin zum ersten Mal Ruth, von deren sublimer Schönheit er sofort begeistert ist: Er verliebt sich in Ruth. In ihrem ersten Gespräch sprechen sie auch über die Dichter Swinburne und Longfellow.[7] Beim Abschied leiht Ruth ihrem Gast Martin je einen Gedichtband von Swinburne sowie von Browning.[8]

Martin Eden will nun seine Bildung durch intensive autodidaktische Studien verbessern. Zu diesem Zweck wird er ein regelmäßiger Nutzer der Oakland Free Library sowie der Berkeley Free Library. In einem Dienstmädchenzimmer, das er im Haus seines Schwagers Bernard Higginbotham bewohnt, verbringt er Tage und Nächte mit dem Lesen der entliehenen Bücher. Nachdem er auch die Götter-und Heldensagen  von  Thomas Bulfinch gelesen hatte und eine Woche vergangen war, organisiert Martin ein Wiedersehen mit Ruth in ihrem Haus.[9]

Beim zweiten Treffen beschreibt Martin den dringenden Wunsch, seine allgemeine Bildung wesentlich zu verbessern. Hierzu bittet er Ruth um Rat, und sie antwortet: Was Sie brauchen, das ist Ihnen ja selbst klar, ist Bildung. Sie müssen zurück in die Grammar School, und wenn Sie damit fertig sind, zur Highschool und zur Universität.[10] Über Martins Einwand fehlender Finanzmittel entwickelt sich eine Diskussion über seine sprachliche Ausdrucksweise, insbesondere über seine mangelhafte Grammatik.[11] Die dann folgenden Besuche, es sind etwa ein halbes Dutzend, sind geprägt von Ruths Lernhilfe. Aber sie trägt auch das Gedicht Princess des englischen Lyrikers Alfred Lord Tennyson vor, und sie spielt die Ouvertüre zu Wagners Tannhäuser. Weil ihr Erfahrungen fehlen, kann sie die Situation nicht durchschauen: Ruth hat keine Ahnung davon, dass der verliebte Matrose allmählich auch ihre Liebe entstehen lässt. Oder mit anderen Worten: Da sie bisher ohne jede Liebesgeschichte gewesen war, fehlte es ihr an der Möglichkeit, eigene Gefühle einzuordnen.[12]

Weil Martin das Geld ausgegangen war, hatte er als Matrose vor dem Mast auf einem Schatzsucherschiff angeheuert. Von dieser Reise kehrt er nach acht Monaten mit der festen Entscheidung zurück, zukünftig als Schriftsteller sein Einkommen verdienen zu wollen. Er würde schreiben – alles: Gedichte und Prosa, Erzählungen, Aufsätze und Theaterstücke wie Shakespeare. Das war … ein Weg, um Ruth zu gewinnen.[13]

Mit hoher Disziplin setzt Martin die Entscheidung in die Tat um. Das Manuskript einer Erzählung schickt er an den Herausgeber des San Francisco Examiner. Danach schreibt er eine Abenteuergeschichte für Jungen, die er an die Kinderzeitschrift The Youth’s Companion adressiert. Anschließend beginnt er, einen Artikel über Perlentaucher zu schreiben. In derselben Zeit entscheidet das Ehepaar Morse nach einem gemeinsamen Abendessen über Martins Rolle. Ihm wird die Aufgabe zugestanden, Ruths Interesse für die Männerwelt im Allgemeinen zu wecken.[14]

Auf dem Weg zur Bibliothek hört Martin en passant aus einer Diskussionsrunde im City Hall Park einige Zitate des englischen Philosophen Herbert Spencer, die ihn veranlassen, dessen Werk First Principles auszuleihen und zu lesen. Das intensive, enthusiastische Studieren des Werkes lässt Martin sogar einen Termin mit Ruth vergessen. Doch beim nächsten Treffen – im Beisein ihrer Brüder Arthur und Norman sowie des Kommilitonen Will Olney – beobachtet Martin eine erstaunliche Gleichgültigkeit gegenüber Spencer. Olney wiederholt sogar jenen Spruch, den Martin schon aus der Diskussionsrunde kennt: Es gibt keinen Gott außer dem Unerkennbaren, und Herbert Spencer ist sein Prophet.[15]

[...]"

02 März 2026

Lektüreanregungen von J-P Martin nicht nur für Politiker

 https://jeanpol.wordpress.com/2026/03/02/warum-jean-pol-martin-meint-dass-politiker-diese-zwei-bucher-lesen-sollten/

  • Das Endorphin-Prinzip von Borwin Bandelow
  • Not the End of the World von Hannah Ritchie

Warum gerade diese beiden?


1. Weil Angst Demokratien destabilisieren kann

Nach Jean-Pol Martin unterschätzen viele Politiker, wie stark Angst das Denken verändert. Der Psychiater Borwin Bandelow beschreibt, wie unser Gehirn auf Unsicherheit reagiert. Wenn Menschen das Gefühl haben, keine Kontrolle mehr zu haben, geschieht etwas Vorhersehbares:

  • Denken wird einfacher, aber weniger differenziert.
  • Komplexität wird als Bedrohung erlebt.
  • Der Wunsch nach klaren, schnellen Lösungen wächst.
  • Polarisierung nimmt zu.

Für Martin ist das entscheidend: Eine Demokratie braucht Bürgerinnen und Bürger, die komplex denken können. Wenn politische Kommunikation jedoch dauerhaft Krisenrhetorik verstärkt, wenn Unsicherheit betont wird oder Entscheidungsprozesse undurchsichtig bleiben, entsteht Stress. Und Dauerstress schwächt die Fähigkeit zur sachlichen Urteilsbildung. Deshalb meint Martin: Politiker sollten verstehen, wie Angst wirkt – und wie man Stabilität erzeugt, statt Unruhe zu verstärken.


2. Weil verzerrte Weltbilder zu Fehlentscheidungen führen

Gleichzeitig betont Jean-Pol Martin: Angst ist nicht das einzige Problem. Auch falsche oder verzerrte Informationen sind gefährlich. Hannah Ritchie zeigt in Not the End of the World, dass viele globale Entwicklungen langfristig besser verlaufen, als öffentliche Debatten oft suggerieren:

  • Extreme Armut ist stark gesunken.
  • Die Lebenserwartung ist weltweit gestiegen.
  • Technologische Innovationen ermöglichen Fortschritte im Klimaschutz.

Probleme bleiben – aber die Welt ist nicht nur im Niedergang. Für Martin ist das zentral: Politik braucht belastbare Daten und realistische Einschätzungen. Wenn alles als Katastrophe erscheint, entstehen Panikreaktionen. Wenn Fortschritte ignoriert werden, sinkt Motivation. Wenn Fakten durch Ideologie ersetzt werden, verliert Politik ihre Orientierung.

28 Februar 2026

T.S. Eliot: The Waste Land

The Waste Land (Wikipedia)

The Waste Land (Text)


I. THE BURIAL OF THE DEAD


APRIL is the cruellest month,breeding


Lilacs out of the dead land, mixing
Memory and desire, stirring
Dull roots with spring rain.
Winter kept us warm, covering
Earth in forgetful snow, feeding
A little life with dried tubers.
Summer surprised us, coming over the Starnbergersee
With a shower of rain; we stopped in the colonnade,
And went on in sunlight, into the Hofgarten,10

And drank coffee, and talked for an hour.
Bin gar keine Russin, stamm' aus Litauen, echt deutsch.
And when we were children, staying at the archduke's,
My cousin's, he took me out on a sled,
And I was frightened. He said, Marie,
Marie
, hold on tight. And down we went.
In the mountains, there you feel free.
I read, much of the night, and go south in the winter.

What are the roots that clutch, what branches grow
Out of this stony rubbish? Son of man,20

You cannot say, or guess, for you know only
A heap of broken images, where the sun beats,
And the dead tree gives no shelter, the cricket no relief,
And the dry stone no sound of water. Only
There is shadow under this red rock,
(Come in under the shadow of this red rock),
And I will show you something different from either
Your shadow at morning striding behind you
Or your shadow at evening rising to meet you;

I will show you fear in a handful of dust.30

Frisch weht der Wind
Der Heimat zu,
Mein Irisch Kind,
Wo weilest du?

"You gave me hyacinths first a year ago;
"They called me the hyacinth girl."
—Yet when we came back, late, from the Hyacinth garden,
Your arms full, and your hair wet, I could not
Speak, and my eyes failed, I was neither
Living nor dead, and I knew nothing,40
Looking into the heart of light, the silence.

Od' und leer das Meer.

Madame Sosostris, famous clairvoyante,
Had a bad cold, nevertheless
Is known to be the wisest woman in Europe,
With a wicked pack of cards. Here, said she,
Is your card, the drowned Phoenician Sailor,
(Those are pearls that were his eyes. Look!)
Here is Belladonna, the Lady of the Rocks,
The lady of situations.50
Here is the man with three staves, and here the Wheel,

And here is the one-eyed merchant, and this card,
Which is blank, is something he carries on his back,
Which I am forbidden to see. I do not find
The Hanged Man. Fear death by water.
I see crowds of people, walking round in a ring.
Thank you. If you see dear Mrs. Equitone,
Tell her I bring the horoscope myself:
One must be so careful these days.

26 Februar 2026

Caroline von Wolzogen: Agnes

 Caroline von Wolzogen: Ages von Lilien (Text)

Agnes von Lilien (Wikipedia)

Agnes von Lilien, (Kommentare zur Entstehung u.a.) Berlin 1798

Waldemar Bonsels: Die Biene Maja

 Waldemar Bonsels: Die Biene Maja (Lesemodus)

"[...] Peppis Rosenhaus

Als die kleine Maja erwachte, war es schon hell geworden. Sie fror ein wenig unter ihrem großen grünen Blatt, und die ersten Bewegungen, die sie machte, gelangen ihr nur schwerfällig und langsam. Sie hielt sich an einem Äderchen des Blattes fest und ließ ihre Flügel zittern und flimmern, damit sie geschmeidig und frei von Staub werden möchten. Dann glättete sie ihre blonden Haare und wischte sich die großen Augen blank. Vorsichtig kroch sie etwas weiter, bis an den Rand des Blattes, und schaute sich um.

Sie war ganz geblendet von der Pracht und dem Glanz der Morgensonne umher. Die Blätter leuchteten wie grünes Gold hoch über ihr, da, wo sie selbst saß, war es noch kühl im Schatten.

O du herrliche Welt, dachte die kleine Biene. [https://projekt-gutenberg.org/authors/waldemar-bonsels/books/die-biene-maja/chapter/4/?gl_reading_mode=1]


Ich kenne den Titel des Buches seit meiner Kindheit, kann mich nicht besinnen, es jemals in meiner Hand gehabt zu haben; aber ich kann das auch nicht ausschließen. Jedenfalls habe ich mich gefreut, jetzt in das Buch hineinschauen zu können und anderen über da oben angegebene Link, auch die Möglichkeit zu geben. 

Ich finde, es taugt immer noch zum Kinderbuch, allerdings wegen der etwas komplizierten und altertümlichen Sprache erst in einem höheren Alter, als es damals gewesen sein wird.

Besonders der Anfang ist mit seiner Personalisierung der Biene im Märchenton gehalten, aber andererseits doch wiederum so realistisch in der Darstellung, dass man sich sogar Gedanken darüber gemacht hat, ob es realistisch sei, dass eine Biene so lange außerhalb des Stockes überleben könne. 


Unabhängig von dem Kinderbuch interessiert der Erfolg des Buches in Verbindung mit seiner Nähe zum Nationalsozialismus. 

Links:

Sind in Bonsels "Die Biene Maja" Spuren von Bonsels Wertschätzung der NSDAP zu erkennen?

Maja, die Hakenkreuzbiene

Bonsels und die Biene Maja

War Bonsels Antisemit?

Und diese Biene die ich meine, war ein Nazi …

25 Februar 2026

Arthur Miller: Der Tod des Handlungsreisenden

 Arthur MillerDer Tod des Handlungsreisenden: Zwei Akte und ein Requiem, 1949

"Tod eines Handlungsreisenden beschreibt den Konflikt zwischen dem 63 Jahre alten William „Willy“ Loman und dessen 34-jährigem Sohn Biff. Willy Loman ist ein innerlich zerrissener Mensch, dessen Leben in einer Welt stattfindet, in der sich für ihn Vergangenheit und Gegenwart vermischen (in mehreren Szenen spricht er mit Personen, die nur in seiner Vorstellung anwesend sind, oder es werden Rückblicke gezeigt, manchmal vermischt sich auch beides). Biff hat seinem Vater nie verziehen, dass er einst, während einer Geschäftsreise, seine Mutter mit einer anderen Frau betrogen hat, ging deswegen nicht zur Sommerschule, bekam seinen Abschluss nicht, konnte nicht studieren und schlägt sich mit vielen verschiedenen Jobs durchs Leben. [...]" (Wikipedia)

2. Akt:
"[...] Biff: Seit meiner Schulzeit habe ich mich durch Klauereien um jede gute Stellung gebracht.
Willy: Und wessen Schuld ist das?
Biff: Und ich hab’s nie zu was gebracht, weil du mir solche Flausen in den Kopf gesetzt hast, dass ich glaubte, ich brauchte mir von niemanden etwas sagen zu lassen. Und wessen Schuld ist das?
Willy: Ich nehme es zur Kenntnis.
[...]
Biff: Es wird höchste Zeit, dass du zur Kenntnis nimmst! Innerhalb von zwei Wochen musste ich es mindestens bis zum Generaldirektor gebracht haben. Aber jetzt habe ich die Nase voll!
Willy: Dann häng dich doch auf!– Häng dich auf! /
Biff: Nein! Ich denke nicht daran, mich aufzuhängen! Ich bin heute, mit dem Füller in der Hand, elf Treppen runtergerannt. Und mit einem Mal bin ich stehen geblieben, verstehst du? Und zwar mitten in dem Bürohaus, verstehst du? Ich bin mitten in dem Gebäude stehen geblieben und habe – den Himmel – gesehen. Ich habe all das gesehen, was ich an dieser Welt liebe. Arbeit und Essen und genug Zeit, um sich hinzusetzen und eine Zigarette zu rauchen. Und ich habe mir den Federhalter angeguckt und mich gefragt, warum, zum Teufel ,ich ihn genommen habe? Warum ich versuche, etwas zu werden, was ich nicht sein will? Was ich in einem Büro zu suchen habe, warum ich einen verächtlichen, armseligen Narren aus mir mache, wo doch alles, was ich mir wünsche, da draußen vorhanden ist. Und nur darauf wartet, dass ich endlich sage: ich weiß, wer ich bin! Warum kann ich das nicht sagen, Vater?
Er möchte, dass Willy im Rede steht, aber Willy wendet sich ab und geht nach links.
Willy voller Hass, drohend: Die Tür zum Leben steht weit offen für dich!
Biff: Ich bin nur Dutzendware, Papa, du aber auch!
Willy wendet sich in einem hemmungslosen Ausbruch gegen ihn: Ich bin keine Dutzendware! Ich bin Willy Loman, und du bist Biff Loman!  [...]" (S.206/ 207)

REQUIEM
[...]
Biff: Es hat so hübsche Zeiten gegeben. Wenn er von der Reise zurückkam; oder sonntags, wenn wir die Veranda, zimmerten; oder beim Ausbauen des Kellers; oder der Loggia; oder wie er das Extra-Badezimmer gebaut hat und die Garage. Ich will dir was sagen, Charley, in unserer Veranda, da steckt mir von ihm drin als in seinen ganzen Geschäften.
Charley: Ja. Mit einem Eimer Zement war er glücklich.
Linda: Er war so wunderbar geschickt.
Biff: Nur seine Träume waren falsch. Die waren alle falsch.
Happy: will beinah auf Biff losgehen: Sag das nicht!
Biff: Er hat nie gewusst, wer er war.
Charley hält Happy zurück und antwortet für ihn: Niemand soll einen Stein auf diesen Mann werfen. Begreif doch: Willy war Reisender. Und für einen Handlungsreisenden hat das Leben keinen festen Boden. Er baut keine Häuser, er spricht kein Recht, er verschreibt keine Medizin. Er ist ein Mann, der irgendwie in der Luft schwebt, der mit seinem Lächeln reist und mit seiner Bügelfalte. Und wenn sein Lachen nicht mehr erwidert, wird – dann stürzt eine Welt ein. Dann wird sein Hut speckig, und es ist aus / mit ihm. Niemand werfe einen Stein auf diesen Mann. Ein Handlungsreisenden muss träumen, mein Junge. Das gehört zu seinem Beruf. [...] " (S.211/12)

19 Februar 2026

The Twilight of the Souls

Eine Lektüreanregung an mich, der ich vorläufig nicht nachgehen kann:

Louis_Couperus 

Roman: Originaltitel: De boeken der kleine zielen. Zielenschemering (1902)

Übersetzung:

https://en.wikisource.org/wiki/The_Twilight_of_the_Souls/Chapter_I

https://en.wikisource.org/wiki/The_Twilight_of_the_Souls/Chapter_II