10 August 2026

Goethes Briefwechsel mit Zelter

 Der umfangreiche Briefwechsel zwischen Johann Wolfgang von Goethe und dem Komponisten Carl Friedrich Zelter (1796–1832) ist online über verschiedene digitale Archive, Bibliotheken und Textportale zugänglich.

1. Historische Erst- und Gesamtausgaben (Digitalisate / Scans)

  • Internet Archive & HathiTrust: Die mehrbändigen historischen Ausgaben (u. a. die von Friedrich Wilhelm Riemer ab 1833 herausgegebene Erstausgabe sowie die kritische Ausgabe von Max Hecker für das Goethe- und Schiller-Archiv) stehen als vollständige PDF-Digitalisate und E-Books im Open Access zur Verfügung.

  • Google Books: Die Bände der historischen Riemer-Edition lassen sich dort in Teilen durchsuchen oder komplett im Volltext lesen.

  • Digitale Sammlungen (z. B. Herzogin Anna Amalia Bibliothek / Klassik Stiftung Weimar): Die Originalausgaben sind über das Repository der Herzogin Anna Amalia Bibliothek digital erfasst.

2. Digitale Volltexte & Textdatenbanken (Durchsuchbar)

  • Projekt Gutenberg-DE / Zeno.org: Auf Kultur- und Literaturportalen sind ausgewählte Abschnitte und Briefe im Volltext erfasst und nach Datum oder Stichworten durchsuchbar.

  • Goethezeitportal: Bietet thematische Auszüge, Analysen und Begleitmaterialien zur Freundschaft und zum Briefwechsel der beiden Persönlichkeiten.

3. Handschriften & Archivgut

  • Goethe- und Schiller-Archiv (GSA) / Klassik Stiftung Weimar: Die Original-Handschriften der Briefe werden im GSA in Weimar aufbewahrt. Über das Archivportal (Kalliope sowie das eigene Rechercheportal der Klassik Stiftung) sind die Metadaten, Regesten und teilweise hochauflösende Scans der Originalbriefe abrufbar.

4. Hörbücher & Vertonungen

  • Audio-Aufnahmen (Spotify, YouTube, LibriVox): Da der Briefwechsel auch musikalisch bedeutsam ist (Goethe schickte Gedichte, Zelter antwortete mit Vertonungen), gibt es Aufnahmen ausgewählter Briefwechsel als Hörbuch sowie Aufnahmen der im Briefwechsel besprochenen Lieder und Kompositionen.

Digitalisat der Briefe 1828-30:

https://play.google.com/books/reader?id=YxjUaJqHtIMC&pg=GBS.PA3&hl=de


Wolfgang Schäuble: Erinnerungen

 Wolfgang Schäuble: Erinnerungen. Mein Leben in der Politik, 2024

Über die Staatsschuldenkrise Griechenlands schreibt Schäuble im Kapitel Rendezvous mit der Globalisierung (S.455ff.) im Abschnitt "2010 - Annus horribilis: Griechische und persönliche Fieberkurven (S.482-559)

"Ein positives Testat der Troika war für die Euro Gruppe immer Voraussetzung, um die nächsten Beistandskredite zu gewähren.

In dieser ersten Eskalation der Krise kam für mich persönlich erschwerend hinzu, dass 2010 zu einem gesundheitlich überaus problematischen Jahr wurde – und dadurch zu einem der schwierigsten meiner Politikerlaufbahn überhaupt. In entscheidenden Phasen fiel ich immer wieder durch Krankenhausaufenthalte aus. Ich hatte Anfang des Jahres einen an sich harmlosen Eingriff vornehmen lassen müssen, bei dem ein seit meiner Querschnittslähmung notwendiges Implantat ausgetauscht wurde. Allerdings verheilte die Operationswunde nicht, und ich tat in der damaligen Krisensituation nicht genug / dafür, den Heilungsprozess zu unterstützen. Die Entwicklungen in Griechenland zogen mich viel zu schnell wieder an den Schreibtisch, weshalb ich die Rekonvaleszenz regelmäßig zu früh abbrach.
Schon in der Osterpause eilte ich aus dem Marzahner Krankenhaus ins Kanzleramt, um bei einer Kabinettssitzung dabei zu sein, der auf meinen Vorschlag hin auch die französische Finanzministerin Christine Lagarde beiwohnte. Sechzehn-Stunden-Tage zwischen Büro, Sitzungssälen, Flugzeug und Veranstaltungsräumen zwangen mich zum dauernden Sitzen, was an sich schon anstrengend ist, aber Gift für einen Menschen, der auf den Rollstuhl angewiesen ist. Ich muss zwischendurch liegen, um Druckstellen vorzubeugen – und nach einer Operation gilt das erst recht. Anfang Mai verkündigte ich zwar vollmundig, dass mein Sitzfleisch inzwischen wieder so sei, dass ich notfalls auch den Götz von Berlichingen zitieren könnte, eine flapsige Bemerkung, die mir das Schmunzeln der Journalisten einbrachte – und den Tadel meiner Frau, weil ich öffentlich nicht so reden sollte. Schlimmer war allerdings, dass ich die Lage völlig falsch eingeschätzt hatte [...]. Der Spiegel sah damals klarer, als ich es mir selber eingestand: 'Er arbeitet mehr, als ihm gut tut. Er lebt gerade in einem Grenzbereich, er lebt gegen den medizinischen Rat.' Vermutlich hätte ich mir diese Analyse zu Herzen nehmen sollen, denn meine diesbezügliche Urteilskraft war zu dem Zeitpunkt offenkundig beschränkt." (S.483/84)

Dazu die KI Gemini:

1. Das Konzept des temporären Grexit („Auszeit“)

Eines der zentralen Themen im Buch ist Schäubles Vorstoß im Juli 2015, Griechenland eine vorübergehende „Auszeit“ aus dem Euroraum (einen temporären Grexit) vorzuschlagen.

  • Ökonomische Logik: Schäuble argumentierte, dass Griechenland ohne eine eigene Währung (und die damit verbundene Abwertungsmöglichkeit) unter der enormen Schuldenlast kaum wettbewerbsfähig werden könne. Ein echter Schuldenschnitt war jedoch rechtlich innerhalb der Eurozone nach den EU-Verträgen (No-Bailout-Klausel) nicht möglich.

  • Keine Bestrafung, sondern Neustart: Er betont, dass der Vorschlag nicht als Bestrafung gedacht war, sondern als Chance für Griechenland, sich wirtschaftlich zu erholen, kombiniert mit europäischer Finanz- und Wiederaufbauhilfe.

2. Der Dissens mit Angela Merkel

Schäuble gewährt in seinen Erinnerungen detaillierte Einblicke in sein Verhältnis zu Kanzlerin Angela Merkel während der heißesten Phase der Krise im Sommer 2015:

  • Unterschiedliche Prioritäten: Während Schäuble die Einhaltung von Regeln und das Vermeiden von Moral Hazard (Fehlanreizen für andere Euro-Staaten) in den Vordergrund stellte, wägte Merkel vor allem die geopolitischen Risiken und die Gefahr eines Dominoeffekts ab. Ihr Mantra lautete: „Scheitert der Euro, dann scheitert Europa“.

  • Rücktrittsangebot: Nach tiefen Auffassungsunterschieden über den Grexit-Vorschlag bot Schäuble Merkel indirekt seinen Rücktritt an, falls sie seinen Kurs nicht mittragen könne. Merkel lehnte ab, setzte sich jedoch in der Sache durch – Griechenland verblieb im Euro und erhielt das dritte Hilfspaket. Schäuble fügte sich am Ende aus Loyalität und politischer Staatsräson.

3. Urteil über die griechische Politik (Tsipras und Varoufakis)

Schäuble schildert mit seinem typischen, trockenen Humor die Verhandlungen mit der 2015 neu gewählten linken Syriza-Regierung unter Alexis Tsipras:

  • Yanis Varoufakis: Den damaligen griechischen Finanzminister beschreibt er pointiert als einen „Ökonomen mit einer gewissen Expertise im Bereich der Spieltheorie […], die politischen Spielregeln verstand er allerdings nicht“. Varoufakis’ Verhandlungsstil habe das Vertrauen der Euro-Partner massiv beschädigt und wertvolle Zeit gekostet.

  • Alexis Tsipras: Schäuble rechnet Tsipras an, dass dieser nach dem Referendum im Juli 2015 schließlich eine pragmatische Kehrtwende vollzog und die harten Reformauflagen akzeptierte, um den Kollaps des griechischen Bankensystems zu verhindern.

4. Ordnungspolitik und Regeltreue

Grundlegend für Schäubles gesamte Argumentation ist sein ordnungspolitisches Fundament:

  • Eine gemeinsame Währung könne langfristig nur funktionieren, wenn Verträge und Stabilitätskriterien (wie der Stabilitäts- und Wachstumspakt) strikt eingehalten werden.

  • Zugeständnisse ohne echte Strukturreformen hätten in seinen Augen das Fundament der gesamten Währungsunion gefährdet.

  • Er hebt hervor, dass Länder wie Irland, Portugal und Spanien, die sich an die Auflage- und Reformprogramme gehalten hatten, gestärkt aus der Krise hervorgingen, was seinen harten Kurs bestätige.

"Dass die CumEx-Deals illegal waren, weil sie allein darauf abzielten, sich Kapitalertragssteuer erstatten zu lassen, die zuvor gar nicht abgeführt worden war, ist ohne juristisch Fortbildung nachzuvollziehen. 2021 entschied der Bundesgerichtshof, dass sie auch strafbar sind. Bei den verwandten Cum-Cum-Geschäften erwies sich die Rechtslage [als] komplizierter, bis der Bundesfinanzhof 2015 in einer Grundsatzentscheidung, auch in diesen Deals eine rechtswidrige, missbräuchliche Steuergestaltung erkannte, die nach Abgabenverordnung verboten und als Steuerhinterziehung zu werden ist. 2016 wurden auch sie unterbunden.
Zögerlich und mit unterschiedlichen Nachdruck haben die Steuerverwaltungen der Länder begonnen, aufzuarbeiten, wie groß der Steuerschaden für die Einnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden tatsächlich ist. Weil Rückforderungsansprüche verjähren, entstand dabei ein zusätzliches Problem, das durch die Zurückhaltung der Hamburger Finanzbehörden im Fall der an illegalen CumEx-Geschäften, beteiligten Warburg Bank öffentlich bekannt wurde. Die Behörde, die zuvor bereits eine Rückforderung in die Verjährung hatte laufen lassen, musste ich als Bundesfinanzminister 2017 per Weisung dazu zwingen, 43 Millionen Euro zu Unrecht, erstattete Kapitalertragssteuern von der Privatbank kurz vor der Verjährung zurückzufordern. – was den Verdacht begründet, dass in Hamburg jemand ein Interesse daran hatte, Warburg vor der Steuernachzahlung und womöglich auch vor einer Strafe zu schützen.
Die Hintergründe, dieser Affäre und insbesondere die Rolle des damaligen ersten Bürgermeisters (und heutigen Bundeskanzlers) in einen Bundestagsuntersuchungsausschuss parlamentarisch aufzuarbeiten, ist bislang an der Ampel-Koalition gescheitert. Weil nur geprüft werden dürfe, was auch in den Kompetenzbereich des Bundes falle, wurde erstmals in der Geschichte des Parlaments, ein von einer einsetzungsberechtigten Minderheit beantragter Untersuchungsausschuss nicht eingesetzt – ein bemerkenswerter Vorgang, auch weil hier die Mehrheit des Bundestags, offenbar gestützt, auf einen ausgerechnet im Kanzleramt gefertigten Vermerk, die Zuständigkeit des Bundes in der Sache negiert. Dabei hat der Bund die Aufsicht über die Steuerverwaltung der Länder inne, wie sonst hätte ich 2017 der Hamburger Finanzbehörde die Anweisung zur Rückforderung geben können?" (S. 518). 

24 Juli 2026

David A. Kaplan: Silicon Valley, Cop. deutsch 2000

David A. Kaplan: Silicon Valley, 1999, dt.2000

Wer heute von Silicon Valley liest, denkt meist nicht an die grauen Zeiten zurück, wo es das Internet noch nicht gab und wo es als unsinnig erschien, eine Firma, die bisher nur Verluste gemacht hatte, für eine Milliardensumme aufzukaufen. Faszinierend ist ein Buch über Computer und Internet, wo Wikipedia keine Rolle spielt. Heute, wo wir durch die LLMs gelernt haben, dass eine technische Entwicklung sofort Investitionen von vielen hundert Milliarden hervorruft, obwohl im Prinzip schon jeder Grundschüler sie kostenlos benutzen kann, ist es erstaunlich in Zeiten zurückversetzt zu werden, wo das alles neu war.

Und das zum Thema Silicon Valley, dem Zentrum der Computerbranche, das doch brandaktuell erscheint. 

Prolog: Woodside 94062 (S.11 ff.)

"Es gibt die Reichen, es gibt die Stinkreichen - und es gibt Woodside [...] Palo Alto und Portola Valley, Atherton uns Los Altos Hills - sie gehören zu den Orten, die die Silicon Millionäre ihr Zuhause nennen." (S.11) (Es gab also Zeiten, wo man Superreiche noch Millionäre nannte.)

Kapitel 1: Träume, S.27ff.

Während des letzten halben Jahrhundert ist es Silicon Valley gelungen, die kritische Masse all jener Elemente zusammenzubringen, die für unternehmerische Explosionen erforderlich waren. Akademiker, Finanleute, Anwälte, Wissenschaftler, Ingenieure, sogar das technisch unbedarfte Volk, das Restaurants führt – sie alle beschreiben auf relativ kleinem Raum eine Art hyperkinetischen Teilchentanz. Tausende von Unternehmen drängen sich hier zusammen – wie Transistoren auf einem Chip. Mit einer Gesamtbevölkerung von 2,3 Millionen übertrifft das Valley 32 Staaten der USA. Mehr als 1 Million Menschen arbeiten auf einem Gebiet von knapp 4000 km². Und es bleibt kaum Platz zur Expansion. [...] Die alte Geldaristokratie verliert an Bedeutung, so dass ein Sproß dieser Schicht wie Will Hearst das Zeitungsimperium der Familie aufgegeben hat, um Venture-Kapitalgeber im Valley zu werden." (S. 41). 


Kapitel 2 Anfänge, S.46ff.

Frederick Terman (S.49ff.) Hewlett-Packard (S.52ff.)

Transistor, Shockley Bardeen, Brattain, S.60ff.

"Weit eher als Hewlett-Packard – ein Unternehmen, dass seinen Aufstieg sicher nicht der Halbleiter-Technik verdankte – war Fairchild Semiconductor, das erste von Technikfreaks geleitete Unternehmen, das den Stil von Silicon Valley verkörperte. Er unterschied sich radikal von der steifen Unternehmenskultur der Westküste – eigentlich merkwürdig, da Fairchild Semiconductor einem New Yorker Unternehmen gehörte. [...]
[Tom Wolfe berichtete über den Besuch dieses Eigentümers bei Fairchild...] So fuhr Carter auf dem Rücksitz des schwarzen Cadillac vor dem Betonfertigbau in Mountain View vor, am Steuer der Chauffeur im traditionellen Habit seiner Zunft – schwarzer Anzug, weiße Hemd, schwarzer Schlips und schwarze Schirmmütze. Das allein genügte schon, um einen Auflauf bei Fairchild Semiconductor hervorzurufen. Bisher war hier draußen noch nie eine Limousine mit Chauffeur aufgetaucht. Doch das war es noch nicht, was diesen Tag für alle unvergesslich machen sollte. Es war vielmehr der Umstand, dass der Fahrer fast acht Stunden vor dem Gebäude wartete und nichts tat… John Carter hielt sich im Gebäude auf und tat, was das Herz eines Firmenchefs erfreut: er besichtigte die Firma, hielt Konferenzen ab, sah sich Tabellen an, nickte zufrieden und verströmte seinen New Yorker Vorstandsvorsitzendencharme. Und der Fahrer saß den ganzen Tag draußen und hatte nichts zu tun, als seine Schirmmütze zu tragen. Die Leute verließen ihre Werkbank und traten ans Fenster, um diese Erscheinung aus einer anderen Welt /zu bestaunen. Es erschien ihnen einfach bizarr. Da saß ein Sklave, der den ganzen Tag gar nichts tat, der nur vor der Tür wartete, um sich sofort an die Fersen seines Herrn zu heften, sobald dieser samt Beinen, Bauch und Backen erscheinen sollte. Es war nicht nur so, dass dieser kleine Eindruck von dem Leben in New Yorker Chefetagen hier in den braunen Hügeln des Santa Clara Valley ungewöhnlich wirkte. Er hatte auch etwas, was diesen Leuten schrecklich falsch erschien.

Noyce duldete in seinem kleinen Unternehmen nichts, was nach sozialen Unterschieden oder Klassen aussah. Dabei war er durchaus kein Ausbund an Bescheidenheit. [...]" (S. 76/77). 

Kapitel 3: Glaube, S.78ff.

Mikroelektronik Integrierter Schaltkreis 50er Jahre "Die Größe des Einzelbauteils liegt dabei weit unter einem Quadratmikrometer." (Wikipedia); [sieh auch 21. Jahrhundert]
IntelIntel-Chipsätze, (S.90 ff.)
"Noch in keinem Industriezweig war es bis dahin möglich gewesen, die Produktionsleistung zu verdoppeln und die Kosten zu halbieren; das veranlasste natürlich die Wortführer der Halbleiter-Branche, die frohe Botschaft so lange zu verkünden, bis sie niemand mehr hören konnte.
In anderen Branchen wäre das Moorsche Gesetz möglicherweise ein finanzielles Todesurteil gewesen. Wenn sich die Nachfrage nicht drastisch erhöhen lässt, müssen ständig sinkende Preise schließlich in die roten Zahlen führen. Doch das Computergeschäft zeichnet sich dadurch aus, dass sich mit wachsender Leistungsfähigkeit und Geschwindigkeit auch die Verwendungsmöglichkeiten eines Chips vervielfältigen. Die singenden Glückwunschkarten, die man heute für ein paar Dollar kaufen kann, enthalten mehr Rechenleistung als der ENIAC. " (S.98)


Kapitel 4: Propheten, S.107 ff.

Der Apple II war das Herzstück des Unternehmens von Jobs, Wozniak und Markkula. Der Öffentlichkeit vorgestellt wurde er im April 1977 auf der ersten West Coast Computer Fair,e die von Jim Warren organisiert wurde, den Pot rauchenden Whirlpool-Hippie, neben dem WOozwie ein Vertreter des Establishments wirkte. Warren gab eine Zeitschrift für Programmierer heraus und versuchte sich jetzt als Unternehmer. Überall im Lande gab es große Computermessen, nur in der Bay-Area nicht. Daher beschloss Warren, eine solche Verkaufsschau im Stadtzentrum von San Francisco zu veranstalten. Es war ein merkwürdiger Anblick dort im Behördenzentrum – eine futuristische Zusammenkunft, halb Karneval und halb Erweckungsversammlung, in einem der prächtigen, alten Säle der Stadt. Außerdem war es ein Riesenerfolg und Warren machte ein gewaltiges Geschäft. Mehr als 13.000 zahlende Gäste kamen – was die kühnstenträume der Beteiligten übertraf, auch der bedauernswerten Besucher, die stundenlang in endlosen Schlangen auf Einlass warteten. Als Markkula das sah, meinte er staunend zu Wozniak: 'Der Beweis, dass die Revolution tatsächlich stattfindet.'
 Steve Jobs gelang es, den größten und besten Stand gleich am Eingang der Ausstellungshalle zu ergattern. Wie Wächter am Tor postiert, waren die prächtigen Apple II die Glanzstücke der Messer Den größten Spaß hatte Woz. Wie immer zu Streichen aufgelegt, verteilte er einen Prospekt für den 'Zaltair', der angeblich nicht nur den Altair, sondern auch den Apple II und jeden anderen Personalcomputer in der Halle in den Schatten stellte. 'Stellen Sie sich / das Gerät ihrer Träume vor', hieß es laut den Historikern, Freiberger und Swaine in dem Prospekt. Nehmen Sie die Computersensation des Jahrhundert hier und heute in Augenschein. Der Scherz hatte Jobs im Visier, dessen Verkaufsgenie, Woz inzwischen zur Genüge kennen gelernt hatte. Anfang 1978, nur ein Jahr nach der Gründung des Unternehmens, schrieb Apple bereits schwarze Zahlen. Die Einnahmen betrugen mehr als zwei Millionen Dollar. Markkula fand immer neue Händler, die den Apple II verkauften. Im folgenden Jahr wuchs der Umsatz auf mehr als das Dreifache an und im Jahr darauf auf das Fünffache, nicht zuletzt durch den Einsatz im Bildungsbereich. Drei Jahre später belief sich die Zahl schon auf phänomenale 335 Millionen Dollar, mehr als ein Drittel der gesamten Computerbranche. Unter die Fortune 500 (die Liste der 500 stärksten Unternehmen, die jährlich von der Zeitschrift Fortune, veröffentlicht wird) gelangt Apple schneller als jedes andere Unternehmen und Steve Jobs war der jüngste Auserwählte, der ist je in den Fortune 400 schaffte. Von dem kleinen elektronischen Spielzeug, das sich Steve Wozniak ausgedacht hatte, waren Ende 1981 mehr als 300 000 Exemplare verkauft (im Laufe von siebzehn Jahren sollten es insgesamt  fünf Millionen werden. Die Riesenkräfte des ENIAC standen jetzt jedermann zur Verfügung, einem einzigen Benutzer und nicht mehr einer ganzen Armee, die in einer voll klimatisierten Festung untergebracht war. Mit Streichspeichervorrichtungen und anderen Zusatzgeräten, die den Anschluss an Drucker und Telefonkabel dienten, wurde der Apple II ab 1298 Dollar verkauft.

Aus dem Nichts hatte sich die PC-Branche zu der Industrie mit der größten Wachstumsrate in der amerikanischen Geschichte entwickelt, 1 Milliarden-Dollar- Triumph, geboren aus dem Traum eines College-Abbrechers und der technischen Virtuosität eines zweiten. In einem Zeitraum von zehn Jahren erreichte Apple allein einen Umsatz von 1 Milliarde Dollar, ein kapitalistisches Kabinettstück, dessen sich nur noch ein anderes Unternehmen rühmen kann – Xerox, nachdem es 1959 das erste Kopiergerät auf dem Markt gebracht hatte." (S. 131/132). 

"Der für 2495 Dollar angebotene Macintosh war der emotionale Gipfelpunkt in der Apple-Geschichte, so sehr, dass die Bezeichnung des Modells ein Synonym für das Unternehmen wurde. Elegant, ansprechend, liebenswürdig – ein Triumph des guten Geschmacks – war der Mac weit attraktiver als der Apple I oder II. Man schaltete ihn ein, und das Gerät erwachte buchstäblich zum Leben. Als erstes sah man ein lächelndes Gesicht. (Das haben die Apple-Rechner noch immer), die entscheidende Neuerung des Mac, war ein 'GUI' (Graphical User Interface) – eine grafische Benutzeroberfläche mit Neuerungen wie Icons (Bildsymbolen), Pull-Down-Menüs und einer beweglichen 'Maus', die de Benutzer ermöglichte, das Geschehen auf dem Bildschirm durch Handbewegungen zu steuern. Man musste nur noch 'zeigen und klicken', statt eine Liste von Befehlen einzutippen. Die Benutzeroberfläche auf dem Bildschirm gehorchte im Prinzip von WYSIWYG (what you see is what you get) – 'Was Sie sehen, bekommen Sie'. Sie verwandelte den Computerbildschirm in eine visuelle Metapher – einen Desktop.
Allerdings war die grafische Benutzeroberfläche keine Apple Erfindung. Ihre Wurzeln gingen zurück in das zurückliegende Jahrzehnt zu dem angesehenen Palo, Alto Research Center von Xerox." (S.137). 
Zum Konflikt zwischen Bill Gates/Microsoft und Gary Kildall /Digital Research (oder: Wie Bill Gary sein Betriebssystem abluchste und das weitgehende Monopol für PC-Betriebssysteme erlangte) S.143-157.
Kildall/Gates Der Techniker und der Verkäufer. Bei Wozniak/Jobs lag eine vergleichbare Konstellation vor. Nur: Wozniak fand seine Befriedigung in Mäzenatentum und Computerkursen für Grundschüler, Kildall kam nicht darüber hinweg, dass Gates der große Name und Milliardär wurde. (S.156)

Kapitel 5 Oz S.158 ff.

"Gates Ist Amerikas reichster Bürger. Ellison gehört nur zu den reichsten zehn. Gates ist ungeschliffene, Ellison umgänglich. Gates wirkt kühl, Ellison  charismatisch,  witzig und weltläufig. Gates ist / fad, selbst wenn er der amerikanischen Starinterviewerin Barbara Walters ein Ständchen bringt. Ellison ist der amüsanteste Typ im Land der Langeweile, mit einem Sinn für bühnenreife Auftritte, der nur noch von Steve Jobs getoppt wird." (S.158/59)

 Larry Ellison"Sein Vermögen fiel um mehr als 2,1 Milliarden Dollar - dem Vernehmen nach der größte finanzielle Verlust, den ein einzelner Mensch jemals erlitten hat." (S.192)

Aus der Sicht von Musk im Jahr 2026, wo sein Vermögen eine Billion Dollar ausmacht, wäre das ein Verlust von 0,21%, wie er bei täglichen Börsenschwankungen immer wieder einmal auftreten kann. ist, für Oracle waren es 1997 29%.

Kapitel 6 Venture Capital, S.203 ff.

 Venture-Capital-Gesellschaft

"Das Wall Street Journal[1] und andere Medien haben KPCB [Kleiner Perkins] als einen der „größten und am besten etablierten“ Risikokapitalgeber betitelt. Dealbook beschreibt KPCB als eine von Silicon Valleys Top-Risikokapitalgebern.[2] "(Wikipedia)

Zitate Text ist diktiert und wird noch korrigiert:

Anders als die meisten Investmentinstrumente sind die privaten Fonds der VCs – in den Vereinigten Staaten allein fast fünfhundert– der Börsenaufsicht fast vollkommen entzogen. So sind sie im Finanzuniversum, eine Kraft, die im Verborgenen – die unsichtbare Hand des Kapitalismus, die das Valley regiert –, erklärbar nur durch die Gesetze der Wirtschaft. Und größtenteils haben sie sich während der letzten 25 Jahre als / außerordentlich ertragreich erwiesen für ihre Investoren und für sich selbst.
[...] Doch gegenwärtig wird das Geschehen bei KP von einer einzigen Person bestimmt – dem hundertfachen Millionär John Doerr aus Woodside. Er hat das Wort von der 'größten legalen Wertschöpfung der Menschheitsgeschichte' geprägt. Wenn man den Berechnungen von KP trauen kann, hatten die von der Firma unterstützen Unternehmen Ende 1997 einen Börsenwert von 125 Milliarden $, Umsätze in Höhe von 21 Milliarden $ und 162.000 Mitarbeiter. (Diese Zahlen können die KP-Partner auswendig und sind stets bereit, sie herzubeten, wie ein Baseballstar die Zahl seiner Homeruns. [...] (S.204/05)

Das Bestechende an einer Risikoanlage bei, sagen wir, Intel oder Apple  war, dass die Verlustaussichten so viel kleiner waren als die Gewinnaussichten. Sie können Ihr ganzes Geld nur einmal verlieren, aber sie können ihre Investitionen hundert-  oder tausenmalmal hereinholen. Wenn ein Unternehmen an die Börse geht, oder an einen großen Konkurrenten verkauft, ist der Profit unter Umständen astronomisch, während der Verlust möglicherweise leicht zu verschmerzen ist. Das ist genau der umgekehrte Weg, den traditionelle (will sagen) sichere Banken einschlagen. Wenn ihre Anleihen gut gehen, dann können Sie 5,10,15 % im Jahr verdienen, doch schon eine einzige schlechte Anleihe kann den Gewinn von zehn guten wettmachen. Deshalb sind solche Banken jedem Risiko abhold– und würden unter keinen Umständen in Jungunternehmen investieren, die keine Sicherheiten oder Einkünfte vorzuweisen haben. Und doch verhalten sich gerade diese Geldinstitute wie Lemminge und stürzen sich blindlings auf jedes törichte Kreditgeschäft (Manhattanimmobilien, Kalifornienimmobilien, Öl und Gas, Lateinamerika, Mexiko, Südostasien). Diese Erkenntnis – und die prallen / Gewinne, die viele Venture Firmen der ersten Stunde vorzuweisen hatten – waren im Wesentlichen dafür verantwortlich, dass die Einschränkungen, die institutionellen Anlegern auferlegt waren, gelockert wurden. Und so wurden die Venture Kapitalgeber zu einem festen Bestandteil des Silikon-Valley-Systems. Es wurde mehr Geld investiert, was zu mehr Unternehmungsgeist, was mehr Erfolg brachte, was noch mehr Geld anlockte – eine Aufwärtsspirale des Reichtums. " (S.215/16)

Von 2026 aus gesehen ist diese 'Aufwärtsspirale des Reichtums' freilich weitgehend auf das  das Aufblasen der Dotcom-Blase zurückzuführen, die schon im März 2000 platzte. Doch auch wenn durch die Überhitzung mancher Scheinreichtum entstand, die Firmen Intel und Google, die Kaplan 1999 als Beispiele für die Erfolge nannte, sind aus der damaligen Krise erfolgreich hervorgegangen. Heute sind Multimillionäre kaum noch einflussreich, um Reichtum politisches Gewicht zu verschaffen, braucht man heute Vermögen in der Größe von vielen Milliarden.

Kapitel 7 Gewinne S.240ff.

John Doerr


Kapitel 8 Mozilla S.280 ff

Jim Clark (dt.) S.280-283

"Allein in den Vereinigten Staaten werden täglich mehr als zwei Milliarden E-Mails verschickt - bei einigen Menschen haben sie schon das Telefon als häufigstes Kommunikationsmittel ersetzt -, und man erwartet, dass sich diese Zahl bis zum Jahr 2002 vervierfacht hat." (S.286) (Die Beschleunigung des Anstiegs hielt zwar nicht an, doch dank der kommerziellen Verwendung hat der Anstieg trotz Messengerdiensten nicht abgenommen, gegenwärtig sind es weltweit über 380 Mrd. Mails pro Tag.)

Vannevar Bush entwickelte schon 1945 in dem Essay As We May Think die Vorstellung eines Konzepts, das Personal Computer und Hypertext voraussah. (S.289)

Marc Andreessen S.291

"Eines Tages, sagen die Propheten, werden alle Dinge in der physischen Welt – Milchtüten, Flugzeuge,/Laternenpfähle, wir selbst – mit dem Netz verbunden sein, das die Informationen überträgt und korreliert. Die konkreten Geräte – Computer, Telefone oder Armbanduhren – werden keinerlei Bedeutung mehr haben. Einzig die Informationen, die sie verbinden, werden noch zählen." (S.296/97)

Clark (Geld) und Andreessen (Technik) entwickeln zusammen Mozilla /Netscape (S.302), bald übernahm Barksdale das Management.

Kaplan schreibt 1999. Die Möglichkeit, dass der Klimawandel für die Menschheit eine größere Rolle spielen könnte als Informationen, spricht er nicht an. Kein Wunder: Denn in dieser Zukunftsvision kommen Menschen nicht mehr vor.

Netscape war auf dem Weg, die Software-Neugründung mit dem schnellsten Wachstum aller Zeiten zu werden. Vor allem dank Netscape legte das World Wide Web so ein Tempo zu, dass es sogar die traditionellen Übertreibungen der Branchenbeobachter hinter sich ließ. Selbst der Heilige Stuhl konnte sich der Macht des neuen Medium nicht verschließen und legte sich eine Webseite zu. Die Wachstumsraten – die Zahl der Benutzer verdoppelte sich alle paar Tage – hatte es in der Weltwirtschaft noch nie gegeben. Niemand wusste, wohin die Zahlen noch klettern würden, und niemand in Silicon Valley wollte den Zug verpassen.

Andere Unternehmen begannen ihre Claims im Web abzustecken. Cisco stellte Hardware her, die hinter den Kulissen die Netzwerktechnologie anlegte, und entwickelte sich stürmisch. (Im Frühjahr 1999 schätze die Wall Street Cisco auf 175 Milliarden Dollar und machte es damit zu dem Unternehmen mit dem acht-/ größten Wert in den Vereinigten Staaten.) (S. 317/318). 

Kapitel 9: Godzilla, S.328 ff.
Microsoft bekam wegen seiner Macht im Silicon Valley bald den Ruf der Mafia.

"Microsoft ist wie Sauerstoff. Es ist überall. Wenn sie im Valley ihr Geld verdienen, dann können Sie nicht einatmen, ohne eine gehörige Portion Microsoft zu inhalieren. Viele Unternehmer hoffen, das 'innovative' Microsoft werde eines Tages an ihrer Tür klopfen und sie für ein Vermögen aufkaufen. So ging es 1997 Web-TV; seine drei Gründer verdienten daran jeder zehn Millionen Dollar. Ein fetter Scheck von Bill Gates ist die zweitschönste Sache auf der Welt – nach einem Börsengang. 'Niemand will heute noch ein Hewlett-Packard, Intel oder Apple aufbauen',  sagt Steve Jobs. 'Heute lassen sich die Leute irgendeine schlaue Idee einfallen und versuchen, die Firma soweit zu bringen, dass sie sie verkaufen können.' " (S.331)

Microsoft setzt beim Kampf gegen Netscape auf Windows 95, sehr viel teure Reklame und den eingebauten Internetexplorer. (S.346-351)

Kommentar eines damals angehenden Informatikstudenten:

Das Buch spielt die Bedeutung von Windows 95 aber schon ziemlich herunter. Das war nicht nur eine inkrementelle Weiterentwicklung von Windows 3.1 mit neuer Oberfläche.

Windows 95 war die erste Version, die 32-Bit-Software ausführen konnte und gleichzeitig auf der Hardware lief, die die meisten Leute schon hatten. Windows NT konnte schon vorher 32-Bit-Software, brauchte aber mindestens 16 MB RAM, was damals sehr teuer war. Windows 95 schaffte dasselbe mit nur 8 MB RAM.

Und 32-Bit-Software schreiben zu können, war damals für mich schon eine Revolution. Vorher musste man sich mit einer segmentierten 16-Bit-Architektur herumschlagen, und das war sehr umständlich.
Außerdem war Windows 95 die erste Consumer (nicht-NT) Version, die präemptives Multitasking hatte. Bedeutet: Wenn eine Anwendung hängt, legt sie nicht wie früher das gesamte System lahm.
Ich denke, aus der Zeit muss auch mein Zitat stammen. ["Ich wünsche mir für mein weiteres Leben jeweils die neueste Version von Windows."] *Das hat sich schon ganz anders angefühlt, auf Windows 95 zu entwickeln.
*Ein weiteres Zitat aus der Zeit: "Auf der beiliegenden Diskette finden sich einige Ausgaben der "Ask-The-Chief-Columns" von Phil Farrands Homepage. Dabei sollte man beachten, daß die Dateien im HTML-Format gespeichert sind, d.h. man braucht einen Web-Browser, um sie sich gescheit anzusehen. So ein Browser ist aber auf der CD von Windows 95 enthalten, er heißt "Internet Explorer". Vielleicht kann der Papa ihn ja installieren. Ansonsten kann man sich die Dateien auch unter Word ansehen, man muß dann bloß damit leben, daß der Text durch unheimlich viele Formatierungsbefehle verunstaltet ist." [Rechtschreibung der Zeit.]

Und Linux war ja damals gerade erst im Kommen. Ich glaube, mein erstes Linux habe ich erst 1996 oder 1997 installiert.
Auf jeden Fall stimmt es, dass Microsoft damals Angst vor dem Internet hatte. Sie haben damals versucht, mit MSN (Microsoft Network) quasi eine proprietäre Alternative zum Internet zu etablieren. Hat aber, wie bekannt, nicht funktioniert.

Kapitel 10 Yahoo
Yahoo "Yahoo was established by Jerry Yang and David Filo in January 1994 and was one of the pioneers of the early Internet era in the 1990s.[6] However, its use declined in the 2010s as some of its services were discontinued, and it lost market share to Facebook and Google.[7][8]

Epilog (S.411ff.)
diktiert, wird noch korrigiert:

"Metcalfe: [...] Zu Beginn des Jahres 1998 war Meg Whitman Produktmanagerin für die Figur Potato Head aus der Toy Story beim Spielwarenmarkt Hasbro und sechs Monate später hatte sie ein Vermögen von einer halben Milliarde Dollar als Präsidentin von eBay [der online-Auktionsfirma]. Du entwickelst ein Produkt und hast im Handumdrehen. 40 Millionen Kunden. Ich kann mich noch an die Zeiten bei 3Com erinnern, als wir nur 50 Einheiten pro Monat ausgeliefert haben. Die Menschen führen heute ein schnelleres, anderes Leben. Heute weiß ich, wie sich die Leute bei IBM gefühlt haben, als 3Com aufkam." Die Hardware-Unternehmen früherer Zeiten versuchen nach Kräften, mit der neuen Entwicklungsschritt zu halten. Compaq, das 1982 gegründet wurde und heute einer der größten PC- Hersteller ist, unternimmt trotzdem alle Anstrengungen, um sich in ein Online- Commerce-Unternehmen zu verwandeln, das nicht nur Computer aller Art, sondern auch Zubehör verkauft. In den ersten 14 Jahren seines Bestehens hat es 30 Millionen Computer verkauft, doch diese Zahl verblasst im Vergleich zu den Möglichkeiten des Internets.
Metcalfe klagt über das neue Tempo und die neue Internet – Moral, die die der Halbleiter und PCs rückblickend, gerade zu idyllisch erscheinen lassen. "Ich bin ein Traditionalist. Ich finde es unmoralisch, wenn ein Unternehmen ohne Gewinne und ohne realistische Aussicht auf Gewinne an die Börse geht. Aber ich bin auch in einer anderen Zeit großgeworden." (S. 418/419) 
"[...] Das Workaholic-Tempo macht die Menschen zu Robotern – sie müssen reich werden. Es ist sowas wie Grippe. Keine Zeit für das Vergnügen, keine Zeit für die Familie, keine Perspektive für das Leben außerhalb der Seifenblase. Ist es Zufall, dass es so wenig echte Wohltätigkeit gibt im Valley, wodurch die größte legale Wertschöpfung der Menschheitsgeschichte stattfindet? Was ein glänzte im Valley, rostet jetzt. Die Pionier purzelten, sind vorbei und wurden durch eine einbetoniert Rennstrecke ersetzt. Wozniak zählt die Tage, bis seine Kinder groß genug sind und er in Sierra einziehen kann, in die Sierra ziehen kann. Zwischenraum. Wenn so viele Menschen so viel Geld machen, dann fangen sie automatisch an zu vergleichen – und die meisten verdienen scheinbar mehr. Die Party geht weiter, aber die Partygäste verlieren die Lust.
Das Valley war einmal eine neue Maschine. Sie hat die Welt verändert. Das tut sie vielleicht wieder. Aber sie hat keine Seele mehr." (S.420/421). 

Sprung ins 21. Jh.

Es folgten Google, Facebook ... LLMs, ChatGPT
Musk ist der erste Mensch mit einem Vermögen von 1 Billion $, Nvidia die erste Firma, die über 1 Billion $ wert ist.


"DIE ZEIT: Herr Appenzeller, Sie arbeiten im Silicon Valley für Andreessen Horowitz, den weltgrößten Start-up-Investor. Wie hat künstliche Intelligenz Ihre eigene Arbeit verändert?

Guido Appenzeller: Extrem. Ich verwende verschiedene KI-Anwendungen mehr als hundert Mal am Tag. Um Texte zu schreiben, für Analysen, zum Programmieren. Ich habe häufig eine Schreibblockade, da hilft KI unglaublich.

ZEIT: Wie hilft Ihnen KI da?

Appenzeller: Inzwischen lasse ich fast alle längeren Texte von KI schreiben. Etwa Artikel für unseren Blog oder für Investitionsentscheidungen, in denen wir Start-ups analysieren. Der KI gebe ich meine Notizen, Quellen, noch etwas Kontext dazu und auf was sie sich fokussieren soll. Es ist aber selten so, dass mir das Ergebnis der KI komplett gefällt.

ZEIT: In Ihrem Beruf versuchen Sie, Trends vorherzusagen und vielversprechende Start-ups zu finden. Kann KI dabei helfen, die Welt zu verstehen?

Appenzeller: Ich verwende Sprachmodelle für die Recherche. Sie können mir einen Überblick über die Firmen in einer Branche geben: Was diese Unternehmen machen, wie sie finanziert sind und so weiter. Die KI kommt zurück mit Tabellen, Charts, Analysen.

ZEIT: Wann übernimmt die KI Ihren Job?

Appenzeller: Die Entwicklung im Bereich KI ist sehr schnell. Ich habe keine Ahnung, was in fünf Jahren passieren wird. Aber soweit wir das beobachten können: KI ersetzt den Menschen nicht.

ZEIT: Eine bemerkenswerte Aussage von einem Investor, der sehr viel Geld in KI-Unternehmen steckt. Setzen Sie nicht darauf, dass KI Jobs automatisiert und Firmen so Geld sparen?

Appenzeller: Ein paar Berufe gibt es schon, in denen Menschen bald von künstlicher Intelligenz ersetzt werden. Ich war kürzlich in Japan. Dort hatten wir zum ersten Mal Meetings, in denen wir keine Simultanübersetzer mehr hatten. Eine KI hat übernommen. Generell aber glaube ich, das wird nur eine relativ kleine Minderheit an Berufen betreffen. [...]

ZEIT: Haben Sie sich damals unter den Menschen im Silicon Valley fremd gefühlt?

Appenzeller: Im Gegenteil. Ich habe mich gefühlt wie ein Fisch, der plötzlich ins Wasser geworfen wurde und endlich schwimmen durfte.

ZEIT: Weil alle so waren wie Sie selbst?

Appenzeller: In Deutschland war ich der Verrückte, der Software programmiert und verkauft hat. Dann kam ich hierher, und alle fanden das völlig normal. Der Internetboom war damals in vollem Gang.

ZEIT: Ihr Büro in Stanford war auf demselben Stockwerk wie die Büros von Larry Page und Sergey Brin, die wenig später Google gründeten.

Appenzeller: Google hieß damals noch Backrub. Und Sergey Brins Büro war nur drei Türen neben meinem. Das war ein völlig alberner Flur mit unheimlich intelligenten Menschen. Es gab so viele Ideen. Aus diesem Flur in Stanford sind später mehrere milliardenschwere Unternehmen entstanden. Larry und Sergey habe ich damals geholfen, den ersten Businessplan für Google zu schreiben.

ZEIT: Wie kam es dazu?

Appenzeller: Ich hatte anders als die anderen eine Vorlesung in Marketing besucht. (lacht) Von dem Businessplan habe ich sogar noch eine Kopie. Der war nicht besonders gut.

Appenzeller fängt an, auf seinem Laptop zu suchen.

ZEIT: Was haben Sie den beiden Gründern geraten, wie ihre neue Suchmaschine Geld verdienen sollte?

Appenzeller: Die beiden hatten schon zwei Ideen. Erstens wollten sie mit Werbebannern Geld verdienen. Die zweite Idee war, ihre Suchmaschinen an Unternehmen zu verkaufen, damit man deren Websites durchsuchen kann. Das zweite hat nie funktioniert. Das mit der Werbung dafür umso besser. [...]."






23 Juli 2026

Thomas Mann: Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull (wiederholte Lektüre)

 Thomas Mann: Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull

Kurze Übersicht über den Inhalt und die von Mann geplante Fortsetzung 

Ausführlichere Inhaltsangabe

Meine erste Lektüre des Romans lässt sich nicht mehr datieren. Mit Sicherheit  nach "Lotte in Weimar" und "Der Erwählte" (beide 1959). Vermutlich habe ich aber in meiner Studentenzeit bereits große Teile davon gekannt. Die Lektüre von 2022 war sicher sehr lückenhaft. Wieder bin ich beeindruckt davon, dass er die Arbeit so viel Jahre, nachdem das erste Fragment schon herausgekommen war, wieder aufgegriffen hat, vergleichbar mit Goethes Wilhelm Meisters Lehrjahre und seinem Faust, nur dass er an der Konzeption so wenig geändert hat.

22 Juli 2026

Karin Kiwus: Gedichte

 KI Gemini:

Karin Kiwus (*1942 in Berlin) gehört seit den 1970er-Jahren zu den bedeutendsten Stimmen der deutschen Gegenwartslyrik. Ihre Gedichte zeichnen sich durch präzise Alltagsbeobachtungen, feine Ironie und eine unaufgeregte, aber oft scharfsinnige Gesellschaftskritik aus.

Thematische Schwerpunkte

  • Beziehungswelten & Rollenbilder: Kiwus thematisiert häufig das Spannungsverhältnis zwischen Mann und Frau, das Scheitern von Kommunikation sowie die Suche nach Selbstbestimmung abseits traditioneller Geschlechterrollen.

  • Alltag & Großstadt: Viele Gedichte fangen Stimmungen des urbanen Lebens (oft mit Bezug zu Berlin) ein – nah am Geschehen, aber mit distanziertem, analytischem Blick.

  • Entfremdung & Existenz: Wiederkehrende Motive sind das Gefühl des Fremdseins in der eigenen Haut, verpasste Chancen sowie der Versuch, den eigenen Platz in einer durchgetakteten Welt zu behaupten.

Stil und Poetik

Kiwus verzichtet weitgehend auf pathosgeladene Metaphern oder Schwulst. Stattdessen nutzt sie:

  • Alltagssprache mit feinen Brüchen: Eine zugängliche, oft fast beiläufige Sprache, die durch unerwartete Pointen oder Wendungen Tiefe erhält.

  • Iroinsche Distanz: Humor dient ihr nicht zum Kalauer, sondern als Werkzeug zur Entlarvung von gesellschaftlichen Zwängen und Selbsttäuschungen.

  • Verknüpfung von Intimem und Politischem: Das Private wird bei ihr stets im Kontext gesellschaftlicher Strukturen reflektiert.

Wichtige Gedichtbände

  • 1976: Von unaufhörlichen Körperwechseln (Vielbeachtetes Debüt)

  • 1979: Angestrebte Lage

  • 1992: Das chinesische Examen

  • 2000: Nach dem Ekstasezustand

  • 2012: Das Leben verändern (Sammelband / Auswahl)

Bekannte Einzelgedichte:

  • »Frauenzimmer«: Ein eindrückliches Gedicht über weibliche Identität, Selbstbild und gesellschaftliche Zuschreibungen.

  • »Der unaufhaltsame Aufstieg der Gemütlichkeit«: Eine ironische Auseinandersetzung mit dem Rückzug ins Private und dem Biedermeier-Geist der Moderne.

Suchst du nach der Analyse eines bestimmten Gedichts von Karin Kiwus oder nach Empfehlungen für konkrete Textbeispiele?

Khaled Hosseini: Drachenläufer (wiederholte Lektüre)

 Dies Buch habe ich 2005 das erste Mal gelesen und 2025 hier vorgestellt. Ein eindrucksvolles Buch von der Personenkonstellation und von der Handlungsführung allemal. Das hat mir schon bei der ersten Lektüre imponiert. Bei der Vorstellung 20 Jahre danach konnte ich auf den 2008 entstandenen Wikipediaartikel zurückgreifen, habe aber zusätzlich aus den Notizen von 2005 und aus dem Roman zitiert, was mir besonders eindrücklich war. 

Jetzt haben mich die ersten Seiten des Buches aus der gegenwärtigen Situation heraus besonders angesprochen: Wieder wegen der Konstruktion des Romans, wegen der Vorausschau und wegen des Blicks auf den Rassismus. Nicht, weil die Unterschiede zwischen den Paschtunen und den Hazara nicht deutlich festzumachen wären. Sie unterscheiden sich - historisch bedingt von der Religion her (Paschtunen Sunniten, Hazara Schiiten) und von der sozialen Rolle im Lande (die Paschtunen stellen die bevorzugte Schicht). Aber an ihren Vertretern im Roman wird deutlich, dass die Paschtunen zwar bevorzugt sind, die Vertreter der Hazara aber größere  menschliche Qualitäten haben. 

Ich möchte dazu noch mehrere Passagen zitieren, vorläufig nur zwei:

Die Vorausdeutung: "An einem eiskalten, bedeckten Wintertag des Jahres 1975 wurde ich - im Alter von zwölf Jahren - zu dem, der ich heute bin." (S.7)

Die Charakterisierung der Personen: Der Erzähler Amir und sein Freund Hassan haben beide sehr früh ihre Mutter verloren und wurden beide (im Abstand von ein paar Jahren) von der gleichen Amme gestillt: 

"Hassan und ich hatten von derselben Brust getrunken. Wir machten unsere ersten Schritte auf demselben Rasen im selben Garten. Und unter demselben Dach sprachen wir unsere ersten Worte.

Meins lautete Baba. [der Name seines Vaters]

Seins lautete Amir." (S.17)

Was das über die beiden aussagt, bedarf einer ausführlicheren Erklärung.

Ali und Baba wuchsen zusammen auf, und sie spielten auch zusammen – zumindest so lange, bis die Polioinfektion Alis Bein verkrüppelte –, genau wie Hassan und ich es eine Generation später taten. Baba erzählte uns immer von dem Unfug, den Ali und er angestellt hatten, und dann schüttelte Ali den Kopf und sagte:/ 'Aber Aga, Sahib, sagt ihnen doch, wer der Baumeister des Unfug gewesen ist und wer der arme Arbeiter.' Und dann lachte Baba und schloss Ali in die Arme.
Aber in keiner seiner Geschichten sprach Baba jemals von Ali als seinem Freund.
Das Seltsame war, dass auch ich Hasan und mich nie als Freunde betrachtete. Zumindest nicht im gewöhnlichen Sinne. Auch wenn wir beide einander beibrachten, freihändig Fahrrad zu fahren oder eine voll funktionsfähige Kamera aus Pappkartons zu bauen. Auch wenn wir ganze Winter damit zubrachten, Drachen steigen zu lassen. Auch wenn für mich das Gesicht Afghanistans, das eines Jungen mit einer zartgliedrige Gestalt, einem rasierten Kopf und tief sitzenden Ohren ist, eines Jungen, dessen chinesisches Puppengesicht ständig von einem Hasenscharten-Lächeln erhellt wird.
All das spielte keine Rolle. Denn es ist nicht so leicht, die Geschichte zu überwinden. Und auch nicht die Religion. Am Ende war ich ein Paschtune und er ein Hazara, ich war Sunnit und er Schiit, und nichts würde das jemals ändern. Nichts. [...]
 Ich verbrachte den größten Teil meiner ersten zwölf Jahre beim Spiel mit Hassan. Manchmal kommt mir meine ganze Kindheit wie ein einziger träger Sommertag mit Hassan vor, an dem wir zwischen dem Gewirr von Bäumen im Garten meines Vaters Fangen und Verstecken, Räuber und Polizist, Cowboy und Indianer spielten [...] "(S. 31/32)
"Während des Schuljahres hatten die Tage ihren festen Ablauf. Wenn ich mich aus dem Bett schleppte und im Badezimmer herum/tapste, hatte sich Hasan bereits gewaschen, mit Ali, das Morgennamaz gesprochen und mein Frühstück bereitet und ordentlich auf den Esstisch gestellt: heißer schwarzer Tee mit drei Stückchen Zucker und eine Scheibe getoastetes naan mit Sauerkirschenmarmelade, meiner Lieblingsmarmelade. Während ich aß und mich über meine Hausaufgaben beschwerte, macht der Hassan mein Bett, putzte meine Schuhe, bügelte meine Kleider für den Tag und packte meine Bücher und Bleistifte zusammen. Ich hörte ihn beim Bügeln in der Halle draußen immer vor sich hin singen. Er sang mit seiner näselnden Stimme alte Hazara- Lieder." (S. 33/34).

"[...] Ich las ihm Gedichte und Geschichten vor, manchmal auch Rätsel - hörte aber damit auf, als ich feststellen musste, dass er in der Lage war, sie schneller zu lösen als ich. [...]
Am besten fand ich beim Vorlesen immer die Stellen, an denen Wörter vorkamen, die Hassan nicht kannte. Dann zog ich ihn auf, offenbarte seine Unwissenheit. Einmal, als ich ihm eine Geschichte über Hodscha Nasreddin vorlas, unterbrach er mich. 'Was bedeutet dieses Wort?'
'Welches?'
'Kretin.'
'Du weißt nicht, was es bedeutet?'  fragte ich grinsend.
'Nein, Amir Aga.'
'Aber es ist doch ein so geläufiges Wort!'
'Dennoch kenne ich es nicht.' Falls er die Häme meiner Stimme spürte, so verriet sein lächelndes Gesicht nichts davon.
'Also, jeder in meiner Schule weiß, was es bedeutet', sagte ich.
'Lass mal sehen. Kretin. Das bezeichnet einen Menschen, der klug und intelligent ist. Ich werde dir einen Beispielsatz geben. Wenn es um Wörter geht, dann ist Hassan ein Kretin.'
'Aaah', sagt er nickend.

Später hatte ich deswegen immer Schuldgefühle. Die versuchte ich zu besänftigen, indem ich ihm eins meiner alten Hemden oder ein kaputtes Spielzeug schenkte. Ich versuchte mir einzureden, dass das als Wiedergutmachung für einen harmlosen Streich ausreichte.' (S. 35)