Zum Anfang des Buches sieh dort.
Sigrid Damm schildert uns Schiller in seiner Bedrängnis durch Krankheit, Geldsorgen, seinem wenig höfischen Auftreten. Bei seiner Arbeit am Superwerk Wallenstein immer auf Goethes Anregung und Ermunterung hoffen. Goethe oft abwesend, dann sogar mit dem Plan einer Italienreise, bei der man bei im damit rechnen muss, dass sie Jahre dauern wird. Schiller der Bedürftige, der in der Hoffnung, mehr von Goethe zu haben und mehr Unterstützung durch seinen Landesherrn zu bekommen, der ihn durch den Gewinn den das Hoftheater durch Schiller erhalten werde zu locken versucht.
Andererseits dann die merkwürdige Folge, dass Goethe ihm dadurch ferner wird, weil er für seine Arbeit immer wieder nach Jena zieht und weil seine Einladungen in sein Haus am Frauenplan, wo er den Hausherrn mit großer Gesellschaft und den Hofmann gibt, ihn seinem Freunde entziehen, wo sie doch bei Schiller am engeren Familienkreise in der ungezwungenen Vertrautheit ihre "Zweiheit" (wie Goethe es nennt) genießen können.
Dann wiederum: Schiller erlebt seine Jahre als der große Theaterautor mit hohen Auflagen, nationalem Ruhm. Goethe hat unfruchtbare Jahre. Aber Goethe genießt die Anerkennung der Romantiker und Kritiker Schlegel und ihres Kreises, Schiller kritisieren sie recht scharf und über seine "Glocke" lachen sie schallend. (Damm, S.300-387)
Nach Schillers Tod werden Goethes Wahlverwandtschaften und der West-östliche Diwan folgen. Schiller stirbt mit Schulden bei seinem Verlegen, der ihm für den Hauskauf Vorschuss gab. (Endlich eine Haus ohne Verkehrslärm und mit Garten.)
Übrigens der Goethesohn August und die Schillersöhne spielen miteinander. Die Kinder vermitteln Gemeinsamkeit, wo Charlotte, geb. v. Lengefeld den gesellschaftlichen Verkehr mit Goethes "Bettschatz" Christiane Vulpius ablehnt und dafür ihre Freundschaft mit Goethes ehemals Geliebter Frau von Stein pflegt.
Sehr viel Goethe, wo es doch um Schillers Leben gehen soll. - Doch zu Recht: denn die Freundschaft der beiden, die klassische Dichterfreundschaft der Weimarianer, war ja ganz seine Leistung, denn ohne sein Zugehen auf Goethe, sein Eingehen auf seine "Urpflanze" wäre es ja nicht zur Freundschaft gekommen. Zu sehr fühlte Goethe den Abstand zu dem Stürmer und Dränger, den er in sich mit dem Italienjahren ja hinter sich gelassen hatte.
Damms Darstellung ist von ihr in der Rechtschreibung von Elisabetha Dorothea wiedergegeben. Den Text habe ich der KI vorgelesen. Natürlich stimmt von der Reschtschreibung nichts, aber der Sinn ist zu erraten:
https://de.wikipedia.org/wiki/Elisabetha_Dorothea_Schiller
Schillers Mutter wird von Damm als sehr uneigennützig und aufopferungsvoll beschrieben.
"Regelmäßig schreibt sie dem Sohn. Ihre Briefe sind, wenn auch nicht vollständig, jedoch im Großen und Ganzen überliefert. Schillers Korrespondenz dagegen nur bruchstückhaft. Oft wissen wir nur aus seinem Kalender die Absendedaten. Das meiste ist verloren.
Auch schrieb offensichtlich in großen Abständen.
Die Mutter mag das besonders schmerzlich empfunden haben. Ihre Ängste wegen der so schlechten Gesundheit des Sohnes seines immer so schwächliche Körpers.
Aber nie macht sie im Vorwürfe. Sie weiß um die Kostbarkeit seiner Zeit. Drängt sich nicht auf. Keine Anspielung, dass sie in Weimar zu Besuch sein möchte. Dabei ist es sicherlich ihr sehnlichster Wunsch. Als Christine (das Kindermädchen der Famliie Schiller, die aus Schwaben nach Thüringen gegangen ist) ihr von den Kindern berichtet, schreibt sie: wann ich auch nur auch zeige (Zeuge) dabei sein könnte. Und nach der Geburt der Enkelin Karoline: die liebe kleinen Karoline Carolin möchte ich doch sehen… Und die liebe junge, wie werden sie die kleine Schwester verlieben.
Als Ende 1798 die Möglichkeit eines Treffens in Meiningen erwogen wird – offenbar kommt der Vorschlag von Schiller –, denkt sie über das Opfer an Zeit, Kosten und Unbequemlichkeit für den Sohn nach: mein bester Sohn, dies ist alles vor, mich zu unternehmen, wäre zu viel… Und so groß, mir aber die Freude und das Glück wäre, meine liebste, in der Welt noch zu umarmen, schreibt sie ihm so werde mir, als dann die Trennung noch empfindlicher werden, ich will mir diese Hoffnung, durch öfteren Nachricht von ihm und der lieben Lotte und meinen lieben Enkeln unter drucken…
Elisabetta Dorothea sucht Nähe zum Sohn durch Anteilnahme an seinem Werk. Ein Exemplar des Wallenstein auf Druckpapier möge Cotta seiner Mutter schicken, heißt es am 30. August 1800. Unter dem 12. September vermerkt der Verleger auf dem Konto seines Autors: laut Brief vom 30. August für Wallenstein / PostPorto drei,Gulden 36 Kreuzer. Die Mutter dankt am 6. November: den Wallenstein habe ich gleich auf seinen Befehl von Cotta erhalten, wovor ich vielen Dank sage, es freute mich um desto mehr, da es hier so gut gegen die all Langeweile, und es uns allen viele Unterhaltung gemacht.
Maria Stuart verschafft sie sich selbst. Bittet Cotta, ihr das Drama gegen Entgelt zu senden. Mit ihm korrespondiert sie, da über ihn, die finanzielle Zuwendung des Sohnes abgewickelt wird. Quartalsweise muss sie Cotta eine Quittung über den Betrag schicken, daraufhin erfolgt die Zahlung. Da ich Herrn Cotta die Quittung schicke, fragte ich um die Maria Stuart. Es mir von diesem Geld abzuziehen, heißt es Ende August/Anfang September 1801 an den Sohn. Er schickte es mir mit und zieht es nicht ab. Ich danke davor. Wirklich hat er Buch Bender. Eine Reaktion zum Inhalt des Buches ist nicht überliefert (S. 388/89).

Wikipedia: "[...] Ihr Mann Johann Caspar starb am 7. September 1796, vermutlich an Prostata-Krebs.[10] Mit dem Tod ihrer jüngsten Tochter sechs Monate zuvor war der Tod ihres Mannes ein weiterer Schicksalsschlag.[11] Friedrich überließ ihr seinen väterlichen Erbteil, „dass keine Sorge Sie mehr drückt.“[12] Seit dem Jahreswechsel 1797 lebte sie im Leonberger Schloss und erhielt eine Pension von hundert Gulden.[13]
Sie starb am 29. April 1802 in Cleversulzbach. Hier war sie von ihrer Tochter Luise, die mit dem dortigen Pastor Frankh verheiratet war, in ihren letzten Monaten gepflegt worden. Das Grab auf dem Friedhof des Orts, in dem sie am 1. Mai 1802 beigesetzt wurde,[14] ist 1834 von Eduard Mörike wiederhergerichtet worden; in einem benachbarten Grab bestattete er seine eigene Mutter Charlotte Mörike.[...]"

Perlentaucher:
Mit einem Frontispiz. Nicht Friedrich Schillers Werke sind der Gegenstand dieses Buches, sondern die Umstände und die Bedingungen ihrer Entstehung, der Alltag eines Schriftstellers, Gelehrten und Theatermannes. Sigrid Damm sucht bei ihrer Wanderung die Orte von Schillers viel zu kurzem Leben auf. Es ist ein überraschend kleiner Raum; Schiller hat nie die Schauplätze seiner Dramen - Frankreich, Schottland, die Schweiz - gesehen, nie Italien, hat niemals an einem Meer gestanden. Geldmangel hat sein Leben geprägt. Schiller war einer der ersten Autoren, der einen wesentlichen Teil seiner Einkünfte als freier Autor zu bestreiten versuchte und somit gezwungen war, sich im kommerziellen Literaturbetrieb zu behaupten. Bei aller äußeren Kargheit war dieses Leben dennoch kein "Leben im Kleinen". Der Mensch, dessen Lebensspuren Sigrid Damm folgt, spricht nicht nur von "Freiheit", er ist frei, innerlich unabhängig. Die Räume, die seine Gedanken durchschreiten, kennen keine Grenzen.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.10.2004
Die Biografin Sigrid Damm ist eine Spezialistin für's "Menschlich- Allzumenschliche", für die atmosphärische Ausstattung eines Lebens. Friedrich Schiller war ein Mensch, der sein Leben ganz in der Kunst lebte und nicht einmal Tagebuch führte. Das absehbare Ergebnis der Zusammenkunft, nach Ansicht des Rezensenten Dieter Borchmeyer: eine "gescheiterte Biografie". Dabei schreibt die Autorin ja selber: "Es bleibt nichts als das Werk". Nur genau darüber wisse sie nichts zu sagen, und auch Schillers Zeit wird nicht dargestellt, und so bleiben ihr nur die Krankheiten und Schulden als Thema, ergänzt durch Werkparaphrasen ohne eigene Meinung, massenhaft Zitate plus "Interlinearversionen im Telegrammstil". Zur Ehrenrettung Damms ergänzt der Rezensent noch, dass ihre Flucht zu Nebenpersonen gelungen sei: "Über Schillers Mutter, über seinen Vater hat man selten so lebendige und bewegende Porträts gelesen", und die Beziehung von Goethe und Schiller werde als Ritual von "Annäherung und Distanz" wunderbar beschrieben. "Da ist", schreibt Borchmeyer, "die Autorin in ihrem Element, da schreibt sie plötzlich keine Telegrammsätze mehr, sondern lebendig atmende Prosa." Es bleibt aber die Ausnahme.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.10.2004
Rezensent Rolf-Bernhard Essig blickt schon ins Jahr 2005 - zum 200. Todestag von Friedrich Schiller - und berichtet in einer umfassenden Sammelrezension, was es Neues gibt am Horizont der Schiller-Literatur. Sigrid Damm, so der Rezensent, geht ihren gewohnten Weg, um sich und dem Leser ein Bild von dem Dichter zu machen, und nimmt - ohne die Werke aus den Augen zu verlieren - "den Alltag, die Arbeitsweise, die Menschen um Schiller und seine Person" ins Visier. Bemerkenswert findet der Rezensent nicht nur die Originalität, mit der Damm das Material zusammenstellt, sondern auch die Wirkung dieser Zusammenstellung. In der Tat verbinden sich Nähe und Fremde auf höchst einträgliche Weise, lobt er, wobei die Tatsache, dass sich Damm selbst ins Spiel bringe, den Leser auf ihre eigene "Wanderung" mitnehme, an dieser Wirkung beträchtlichen Anteil hat. Dass Damm "ich" sagt, möchte der Rezensent nicht als selbstgefällige Egozentrik verstanden wissen. Dies verhindere schon die "grundsätzliche Uneitelkeit" der Autorin, die sich ganz "in den Dienst Schillers" stelle und der es gelinge, den Respekt vor dem "Geistesheros und Menschen Schiller" mit jeder Seite wachsen zu lassen.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.09.2004
Sigrid Damms Zugang zu Schiller ist Hanno Helbling zu betulich-selbstverliebt. Das moniert er, und er mokiert sich über das zwanghaft Literarische ihres Verfahrens - dessen Niederschlag der Rezensent noch im Auslassen der Anmerkungen aufspürt. Einen sehr persönlichen Zugang zu Schiller hat Damm gewählt - Helbling ist er anfangs viel zu persönlich, bis sich die symbiotische Lese-Schreib-Beziehung etwas lockert. Gleichwohl empfiehlt der Rezensent das Werk nicht, jedenfalls nicht als Studie über Schillers Leben.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.09.2004
Rechtzeitig vor Schillers zweihundertstem Geburtstag [Todestag!] im Jahr 2005 erscheint ein ganzer Stapel neuer Biografien, die den Dichter würdigen, ohne in das nationale Pathos früherer Jahre zu verfallen. Eine davon - und eine sehr gelungene, wie die Rezensentin Ursula Homann findet - ist die von Sigrid Damm. Im Mittelpunkt steht der Mensch Schiller, mit seinen finanziellen Nöten, Krankheiten und seinen Beziehungen, wobei natürlich die Freundschaft zu Goethe viel Platz einnimmt. Grundlage für die Darstellung, so Homann, ist die ungewöhnlich fleißige Quellenarbeit der Autorin, die es ihr erlaubt, Schillers Existenz beinahe minutiös zu beschreiben. Das Schillersche Werk wird auf diese Weise vor allem aus der Perspektive seines Zustandekommens betrachtet. Eine gut informierte, zugänglich geschriebene Lebensbeschreibung, lobt die Rezensentin.