23 Oktober 2026

Karl Tanera: 'Wolf der Dragoner'

 Wolf der Dragoner des Prinzen Eugen“ ist eine kriegsgeschichtliche Erzählung von Karl Tanera und bildet den zweiten Band seiner Jugendbuch-Trilogie „Durch ein Jahrhundert – Drei kriegsgeschichtliche Erzählungen“.

Die Hauptfiguren

  • Wolf Rützhaub (der Jüngere): Der Titelheld der Erzählung. Er wächst in einer wohlhabenden Bürgerfamilie auf, die einst vor den Zerstörungen der Franzosen aus Speyer geflohen ist. Als das Land erneut von Truppen bedroht wird, entscheidet er sich aus Stolz und Vaterlandsliebe, als Dragoner in den Militärdienst einzutreten.

  • Wolf Rützhaub (der Ältere): Vater des Protagonisten. Er floh Jahre zuvor mit seiner Frau Afra aus dem von französischen Truppen zerstörten Speyer und baute sich in einer neuen Heimat Ansehen und Wohlstand auf. Sein eigener Lebensweg prägt den Sohn stark.

  • Afra Rützhaub: Wolfs Mutter, die das Familienschicksal und die Ängste der Zivilbevölkerung in Zeiten des Krieges verkörpert.

  • Prinz Eugen von Savoyen: Der historische Feldherr des Heiligen Römischen Reiches. Im Roman tritt er als verehrtes Vorbild, strenger Befehlshaber und genialer Strategischer Kopf auf, unter dessen Fahnen Wolf dient.

Handlung und Ablauf

Die Handlung verbindet das persönliche Schicksal der Familie Rützhaub mit den realen historischen Geschehnissen des Ausgehenden 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts.

1.Vorgeschichte & Motivation:Aufbruch in den Dienst.

Nachdem die Familie Rützhaub durch die früheren Kriege ihre Heimat Speyer verlor, ist der junge Wolf in Wohlstand aufgewachsen. Als die politische Lage in Europa erneut eskaliert und das Reich bedroht wird, beschließt Wolf, dem Beispiel historischer Krieger zu folgen, und meldet sich zu einem Dragonerregiment.

2.Die Ausbildung & Das Soldatenleben:Formung des Charakters.

Wolf tritt seinen Dienst bei den Dragonern an – einer Truppengattung, die sowohl zu Pferde als auch zu Fuß kämpfen kann. Tanera schildert detailliert die harte militärische Ausbildung, das Einreiten der Pferde, die Kameradschaft unter den Soldaten sowie den rauen Alltag im Feldlager.

3.Die Feldzüge unter Prinz Eugen:Bewährung in den Schlachten.

Wolf zieht mit seinem Regiment an die Fronten der Türkenkriege und des Spanischen Erbfolgekriegs. Unter dem Oberbefehl des Prinzen Eugen nimmt er an gefährlichen Aufklärungsritten und großen Schlachten teil. Er muss Mut, Disziplin und strategisches Denken beweisen, um in den chaotischen Kämpfen zu überleben und seinen Rängen gerecht zu werden.

4.Bewährung & Rückkehr:Vom Jungen zum reifen Mann.

Durch persönliche Tapferkeit und die Treue zu seinen Kameraden verdient sich Wolf das Vertrauen seiner Vorgesetzten. Die Erzählung schließt mit dem Reifen des jungen Dragoners zu einem erfahrenen Soldaten und der Überwindung der Gefahren der Epoche.

Einordnung & Besonderheiten des Werks

AspektDetails
Pädagogischer AnsatzWie in der Jugendliteratur des späten 19. Jahrhunderts üblich, betonte Tanera Tugenden wie Pflichterfüllung, Mut, Kameradschaft und Vaterlandsliebe.
DetailtreueAls ausgebildeter bayerischer Offizier legte Karl Tanera großen Wert auf eine historisch und militärisch präzise Darstellung von Taktik, Ausrüstung und Regimentsleben.
ReihenkontextDas Buch ist das Bindeglied zwischen „Wolf der Junker“ (Zeit Ludwigs XIV.) und dem Nachfolgeband „Wolf der Husar“ [irrtümlich: „Heinz der Preuße“], die zusammen das Schicksal der Familie über verschiedene Kriege hinweg verfolgen.

J.L. Carr: A Month in the Country

 Set in the idyllic summer of 1920, the story is narrated decades later by Tom Birkin, a shell-shocked veteran of World War I. Suffering from a severe nervous facial tic and deep psychological trauma (shell shock), and abandoned by his unfaithful wife, Birkin arrives in the remote Yorkshire village of Oxgodby.

He has been hired to uncover and restore a large medieval mural hidden under layers of whitewash on the wall of the parish church—a bequest left by a wealthy local eccentric.

While living in the church belfry and working on the painting layer by layer, Birkin meets Charles Moon, another traumatized war veteran who is excavating a lost medieval grave in the adjacent field. Over the idyllic summer, Birkin finds solace in the rhythm of his work, the warmth of the local village community, and a tender, unfulfilled love for Alice Keach, the young wife of the stern local vicar.

Key Themes

  • Healing and Recovery: Both Birkin and Moon are spiritually and physically scarred by the horrors of the Western Front. The quiet countryside, physical labor, and art act as a restorative sanctuary that allows them to re-enter humanity.

  • Art and Preservation: As Birkin uncovers the medieval Doom painting (a depiction of the Last Judgment), he connects across centuries with the anonymous artist who painted it, realizing that human emotions, faith, and struggles remain timeless.

  • Lost Paradise and Nostalgia: The novel captures a brief, perfect moment in time that cannot last. The summer of 1920 becomes an Edenic interlude before life inevitably moves on.

  • Unspoken Longing: The quiet, unspoken attraction between Birkin and Alice Keach exemplifies restraint and bittersweet romantic melancholy.

Key Details at a Glance

FeatureDetail
AuthorJ.L. Carr (1912–1994)
Published1980
SettingOxgodby, Yorkshire (Summer 1920)

22 Oktober 2026

Bismarck: Gedanken und Erinnerungen

Wikipedia:

"Gedanken und Erinnerungen heißt die Autobiografie Otto von Bismarcks. Er verfasste sie nach seiner Entlassung aus dem Amt des Reichskanzlers im März 1890 unter Mitwirkung seines langjährigen Mitarbeiters Lothar Bucher. Die ersten beiden Bände wurden 1898 nach Bismarcks Tod am 30. Juli veröffentlicht und erwiesen sich als Bestseller. Der dritte Band wurde 1919/1921 gegen den Widerstand der Familie Bismarck publiziert.

Entstehung

Der Anstoß zum Schreiben der Memoiren kam von Bismarcks Arzt Ernst Schweninger, der darin die richtige Beschäftigung für den Exkanzler sah und ihm gegenüber argumentierte, das deutsche Volk habe ein Recht zu erfahren, wie es wirklich gewesen sei. Insgesamt 43 Verleger erklärten sich bereit, das Werk zu publizieren, den Zuschlag erhielt schließlich die angesehene Cotta’sche Verlagsbuchhandlung mit einem Angebot von 100.000 Mark pro Band.

Von Oktober 1890 bis Dezember 1891 erzählte Bismarck in loser Folge aus seiner Vergangenheit, während Bucher stenografierte. Die Masse dieser Aufzeichnungen brachte Bucher noch bis Mai 1892 unter Hinzufügung von Briefen und anderen Dokumenten in eine chronologische Ordnung. Er starb am 12. Oktober 1892.

Schon im Oktober 1893 lagen die Druckfahnen vor. Doch Bismarck, dem es vor allem um die Rechtfertigung seiner Politik ging, korrigierte mit seinem Arzt und Sekretär Rudolf Chrysander noch bis 1897 an den Fahnen. Er ließ den Inhalt von seinem Anwalt überprüfen, da er befürchtete, die Veröffentlichung könne als staatsgefährdender Akt angesehen werden. Bis zu seinem Tod am 30. Juli 1898 konnte Bismarck sich nicht zu einer Veröffentlichung entschließen.

Sein Sohn Herbert von Bismarck betraute nun den Historiker Horst Kohl mit der Herausgabe des Werkes. Im November 1898 erschienen die ersten zwei Bände unter dem von Kohl stammenden Titel Gedanken und Erinnerungen zu dem hohen Preis von zwanzig Mark. Die Auflage von 100.000 Exemplaren war dennoch schnell vergriffen und löste zahlreiche Richtigstellungen, Schmähschriften und Angriffe von Presseorganen aus. Kritisiert wurde auch die Herausgebertätigkeit Kohls. Erst 1932 erschien durch Gerhard Ritter und Rudolf Stadelmann eine auf das gesamte Handschriftenmaterial zurückgreifende Ausgabe. Der dritte Band sollte wegen der darin enthaltenen Angriffe auf Kaiser Wilhelm II. erst nach dessen Tod erscheinen, kam aber nach der Abdankung des Kaisers unter zivilprozessualen Begleiterscheinungen schon 1919 (recte 1921) heraus.

Inhalt

Im ersten Band erzählt Bismarck in farbiger, oft dramatisch zugespitzter Weise von seiner Jugendzeit bis zu seiner Tätigkeit als preußischer Gesandter in St. Petersburg und Paris. Der zweite Band hat seine Zeit als preußischer Ministerpräsident und Reichskanzler zum Inhalt und erstreckt sich bis zu Friedrich III.

Dem dritten Band stellte Bismarck die Widmung Den Söhnen und Enkeln zum Verständnis der Vergangenheit und zur Lehre für die Zukunft voran. Er beschäftigt sich darin ausschließlich mit der Zeit unter Kaiser Wilhelm II.

Wertung

Einerseits ist das Werk – wie die meisten Selbstdarstellungen von Politikern – als historische Quelle nur bedingt geeignet, da der entsprechend verbitterte Reichsgründer es nach seiner Entlassung als Rechtfertigungsschrift seines politischen Lebens und Wirkens verfasste. Bismarck attackiert darin recht schonungslos seine politischen und persönlichen Gegner, darunter auch den Deutschen Kaiser Wilhelm II., dessen persönliches Bestreben es nach seiner Thronbesteigung gewesen war, den dominanten Reichskanzler loszuwerden. Andererseits erschließt es in klarer und mitunter ironischer Prosa die Selbstdeutung eines der bedeutendsten Staatsmänner des 19. Jahrhunderts.

Zitate:  Band I, 7. Kapitel

"Potsdam, 17. Mai 1852.

Wenn Manteuffel den Quehl nicht fortjagt, so kann das kein gutes Ende nehmen. . . . Ich halte Manteuffel für einen braven Mann, aber ein sonderbares politisches Leben ist das seinige doch. Er hat die Dezemberverfassung unterzeichnet, sich zur Unionspolitik bekannt, Gemeinde-Ordnung und Ablösungs-Gesetz mit Rücksichtslosigkeit durchgesetzt, den Bonapartismus amnestirt u. s. w. Daß er in diesen Dingen nicht consequent gewesen, gereicht ihm zum Ruhm, aber wenn auch Se. Majestät sagt, die Consequenz sei die elendeste aller Tugenden, so ist die Manteuffel'sche Inconsequenz doch etwas stark. Man spricht gegen die Kammern und gegen den Constitutionalismus. Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts bis jetzt aber sind alle Regierungen revolutionär gewesen, außer England mit Kammern bis zur Reform und Preußen in geringen Unterbrechungen, 1823 und 1847. [...]" 

"Wenn ich die Wünsche seiner Majestät früher gekannt hätte, hätte ich vielleicht einen Anschluss gewinnen können; aber der Befehl des Königs, von mir in Berlin ausgeführt und in der konservativen Partei beide Häuser vertreten, würde meine parlamentarische Stellung, für den König und seine Regierung in anderen Fragen von Nutzen sein könnte, zerstören, wenn ich Ryan als königlicher Beauftragter ohne eigene Gedanken zu vertreten, meinen Anschluss in der kurzen Frist von zwei Tagen verwerten sollte. Ich fragte daher an, ob ich nicht den vom Könige erhalten Auftrag, mit dem Herzog von Augustenburg zu verhandeln, als Grund für meinen, wegbleiben von dem Landtage geltend machen dürfte. Ich erhielt durch den Telegrafen wie Antwort, mich auf das Augsburg, Augustenburger Geschäft nicht zu berufen, sondern sofort nach Berlin zu kommen, reißt ja also am 26. April ab. Inzwischen war in Berlin auf Betrieb der konservativen Partei ein Beschluss gefasst worden, der den Absichten des Königs, sowie der lief, und der von seiner Majestät unternommen. Feldzug schien damit verloren zu sein. Als ich mich am 27. bei dem General von Gerlach in dem Flügel des Charlottenburger Schlosses, neben der Wache meldete, vernahm ich das Herr König ungehalten über mich sei, weil ich nicht sofort abgereist sei; wenn ich gleich erschienen wäre, so würde ich den Beschluss haben, verhindern können. Gerlach ging, um mich zu melden zum Könige und kam nach ziemlich langer Zeit zurück mit der Antwort: seine Majestät wolle mich nicht sehen, ich solle aber warten. Dieser in sich widersprechende Bescheid, ist, charakteristisch für den König; er erzählte mir und wollte das durch Versagung der Audienz zu erkennen geben, aber doch auch zugleich die Wieder Annahme zu Gnaden in kurzer Frist sicherstellen. Es war das eine Art von Erziehungsmethoden, die man in der Schule gelegentlich aus der Klasse ausgewiesen, aber wieder hinein gelassen wurde. Ich war gewissermaßen im Charlottenburger Schloss interniert, ein Zustand, der mir durch ein gutes und elegantes Frühstück erleichtert wurde. Zwischenraum die Wirtschaftsführung, war allerdings nicht auf russische Fuße, aber doch durchaus vornehmen und reichlich nach unseren Begriffen, ohne in Verschwendung auszuhalten.

Nach etwa 1 Stunde wurde ich durch den Adjutanten vom Dienst zum Könige berufen und etwas kühler als sonst, aber nicht so ungnädig empfangen, wie ich befürchtet hatte. Seine Majestät hatte erwartet, dass ich auf die erste Anregung erscheinen würde, und darauf gerechnet, dass ich im Stande sein würde, in den 24 Stunden bis zur Abstimmung, die konservative Fraktion wie auf militärisches Kommando kehrt machen und in das Königs Verkehrsrichtung einschränken zu lassen. Ich setzte auseinander, dass damit mein Einfluss auf die Fraktion über – und die Unabhängigkeit der selben unterschätzt werden. Ich hätte in dieser Frage Persönlich keine Überzeugung, die der des königsentgegensteht Ständern, und sei bereit, die letzte bei meinen Fraktions Genossen zu vertreten, wenn er mir Zeit dazu lassen wolle und geneigt sei, seine Wünsche in neuer Gestalt, nochmals geltend zu machen. Der König, sichtlich versöhnt, ging darauf ein und entließ mich mit dem Auftrage, Propaganda für seinen Plan zu machen. Letzter Teres geschah mit mehr Erfolg, als ich selbst erwartet hatte; der Widerspruch gegen die Umgestaltung der Körperschaft hatte nur die Führer der Fraktion Zuträger, und seine Nachhaltigkeit beruht nicht auf der Überzeugung der Gesamtheit, sondern auf der Autorität, welche in jeder Fraktion die anerkannten Leiter zu haben pflegen– und nicht mit Unrecht, da sie in der Regel, die besten Redner und gewöhnlich die einzigen arbeitsamen Geschäftsleute sind und den übrigen die Mühe abnehmen, die vorkommenden Fragen zu studieren. Ein Opponent in der Fraktion, der nicht das gleiche Ansehen hat, wird von dem Fraktionsführer, welcher gewöhnlich der schlagfertiger Redner ist, sehr leicht in einer Weise abgeführt, welche ihn für die Zukunft die Lust zur Auflehnung benimmt, wenn er nicht mit einem Mangel an Schüchternheit begabt ist, der bei uns gerade in den Klassen, denen die konservativen, meist angehören, nicht häufig ist." (S. 147/148). 

Wenn ich heut auf diese Vorgänge zurückblicke, so scheint es mir, daß die drei oder sechs Führer, gegen welche ich die conservative Fraction aufwiegelte, im Grunde dem Könige gegenüber Recht hatten. Die Erste Kammer war zur Lösung der Aufgaben, welche einer solchen im constitutionellen Leben zufallen, befähigter als das heutige Herrnhaus. Sie genoß in der Bevölkerung eines Ansehns, welches das Herrnhaus sich bisher nicht erworben hat. Das letztre hat zu einer hervorragenden politischen Leistung nur in der Conflictszeit Gelegenheit gehabt und sich damals durch die furchtlose Treue, mit der es zur Monarchie stand, auf dem defensiven Gebiete der Aufgabe eines Oberhauses völlig gewachsen gezeigt. Es ist wahrscheinlich, daß es in kritischen Lagen der Monarchie dieselbe tapfre Festigkeit beweisen wird. Ob es aber für Verhütung solcher Krisen in den scheinbar friedlichen Zeiten, in denen sie sich vorbereiten können, denselben Einfluß ausüben wird, wie jene Erste Kammer gethan hat, ist mir zweifelhaft. Es verräth einen Fehler in der Constitution, wenn ein Oberhaus in der Einschätzung der öffentlichen Meinung ein Organ der Regirungspolitik oder selbst der königlichen Politik wird. Nach der preußischen Verfassung hat der König mit seiner Regirung an und für sich einen gleichwerthigen Antheil an der Gesetzgebung wie jedes der beiden Häuser; er hat nicht nur sein volles Veto, sondern die ganze vollziehende Gewalt, vermöge deren die Initiative in der Gesetzgebung factisch und die Ausführung der Gesetze auch rechtlich der Krone zufällt. Das Königthum ist, wenn es sich seiner Stärke bewußt ist und den Muth hat, sie anzuwenden, mächtig genug für eine verfassungsmäßige Monarchie, ohne eines ihm gehorsamen Herrnhauses als einer Krücke zu bedürfen. Auch wenn das Herrnhaus in der Conflictszeit sich für die ihm zugehenden Etatsgesetze die Beschlüsse des Abgeordnetenhauses angeeignet hätte, so wäre immer, um ein Etatsgesetz nach Art. 99 zu Stande zu bringen, die Zustimmung des dritten Factors, des Königs, unentbehrlich gewesen, um dem Etat Gesetzeskraft zu geben. Nach meiner Ueberzeugung würde König Wilhelm seine Zustimmung auch dann versagt haben, wenn das Herrnhaus in seinen Beschlüssen mit dem Abgeordnetenhause übereingestimmt hätte. Daß die »Erste Kammer« das gethan haben würde, glaube ich nicht, vermuthe im Gegentheil, daß ihre durch Sachlichkeit und Leidenschaftslosigkeit überlegnen Debatten schon viel früher auf das Abgeordnetenhaus mäßigend eingewirkt und dessen Ausschreitungen zum Theil verhindert haben würden. Das Herrnhaus hatte nicht dasselbe Schwergewicht in der öffentlichen Meinung, man war geneigt, in ihm eine Doublüre der Regirungsgewalt und eine parallele Ausdrucksform des königlichen Willens zu sehn." S.149-150)

"Dynastien und Stämme. Niemals, auch in Frankfurt nicht, bin ich darüber in Zweifel gewesen, daß der Schlüssel zur deutschen Politik bei den Fürsten und Dynastien lag und nicht bei der Publicistik in Parlament und Presse oder bei der Barrikade. Die Kundgebungen der öffentlichen Meinung der Gebildeten in Parlament und Presse konnten fördernd und aufhaltend auf die Entschließung der Dynastien wirken, aber sie förderten zugleich das Widerstreben der letztern vielleicht häufiger, als daß sie eine Pression in nationaler Richtung ausgeübt hätten. Schwächere Dynastien suchten Schutz in Anlehnung bei der nationalen Sache, Herrscher und Häuser, die sich zum Widerstande fähiger fühlten, mißtrauten der Bewegung, weil mit der Förderung der deutschen Einheit eine Verminderung der Unabhängigkeit zu Gunsten der Centralgewalt oder der Volksvertretung in Aussicht stand. Die preußische Dynastie konnte voraussehn, daß ihr die Hegemonie mit einer Vermehrung von Ansehn und Macht im künftigen Deutschen Reiche schließlich zufallen würde. Ihr kam die von den andern Dynastien befürchtete capitis deminutio voraussichtlich zu Gute, so weit sie nicht durch ein nationales Parlament absorbirt wurde." (S.262ff.)

Colleen McCullough: Die Dornenvögel

 Der Roman, den ich heute aus einem öffentlichen Bücherregal mitnahm, war nach seinem Titel bekannt, inzwischen vermute ich, dass ich ihn als Fortsetzungsroman kennengelernt habe. Vermutlich habe ich nur sehr bruchstückweise Fortsetzungen gelesen. Der Kardinal war mir in Erinnerung. Mit dieser Verbindung von einem Hinweis auf seine ungewöhnliche Verbreitung, wenigen Zitaten und Aussagen über den Inhalt versuche ich, Interesse für ihn zu wecken. Jetzt habe ich sicher mehr von ihm mitbekommen als bei der erstmaligen Lektüre. 

Er regt zur Lektüre an, mich freilich nicht zu einer vollständigen. In dem mir vorliegenden Exemplar ist die Bindung aber nach der Seite 500 mehrmals aufgebrochen. 


Wikipedia:

"Die Dornenvögel (englischer Originaltitel: The Thorn Birds) ist ein Roman der australischen Schriftstellerin Colleen McCullough von 1977. Er schildert die Geschichte einer Farmerfamilie Australiens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im Fokus steht dabei die Liebesgeschichte zwischen dem Priester Ralph de Bricassart und der Farmerstochter Meggie Cleary.

Zitat: " Am 8 Dezember 19015  hatte Meggie Cleary ihren vierten Geburtstag. Nach dem Abräumen des Frühstücksgeschirrs drückte ihre Mutter ihr wortlos ein braunes Papierpäckchen in die Arme. Und befahl ihr,  nach draußen zu gehen. So hockte Meggie sich hinter den Stechginster am Vordertor und begann, ungeduldig und mit ungeschickten Fingern am Einwickelpapier zu zerren.. Es roch schwach nach dem Wahine General Store, wo es so verwirrend viele Dinge zu kaufen gab. Der Geruch verriet ihr, dass,– wunderbarerweise - wohl auch dieses Päckchen mit seinem Inhalt dort gekauft worden war. Ja, gekauft. Nichts von anderen Abgelegtes war es und auch nichts Hausgemachtes. 

Durch eine aufgerissene Ecke im Papier schimmerte es hell. Fast wie Gold. Meggie attackierte die schützende Hülle heftiger. Lange Streifen von braunem Papiere riss sie fort.

'Agnes! Oh, Agnes!' sagte sie zärtlich und blickte verwirrt auf die Puppe, die da wie in einem. zerrupften Nest lag. 

Ein Wunder, o ja. Den Wahine General Store hatte Meggie erst ein einziges Mal von innen gesehen. Vor einer halben Ewigkeit: im Mai – als Belohnung dafür, dass sie besonders brav gewesen war. 

Ihre Mutter neben sich nahm sie bei der Fülle ringsum vor lauter Aufregung kaum etwas genauer wahr. Mit einer Ausnahme allerdings, und diese Ausnahme war Agnes.

Die wunderschöne Puppe, gekleidet in eine Krinoline aus rosa Satin. Mit cremefarbenem Spitzenbesatz allüberall., saß auf dem Ladentisch. Und Meggie taufte sie auf der Stelle Agnes." (S.7-8)

Wikipedia: "Die Saga der Familie Cleary beginnt zu Anfang des 20. Jahrhunderts, als Paddy Cleary mit Frau und sieben Kindern von Neuseeland ins südöstliche Australien auswandert, um dort auf der Farm Drogheda als Schafbauer für seine Schwester Mary Carson zu arbeiten. Trotz familiärer Spannungen und hoher Anforderungen, die das harte, raue Landleben an die Clearys stellt, scheint die Familie doch mehr oder weniger zur Ruhe zu finden. Der Friede erweist sich jedoch als trügerisch: Meggie, die einzige Tochter der Clearys, hegt seit Kindertagen eine große Zuneigung zu dem attraktiven Pater Ralph de Bricassart, der mit der Familie eng verbunden ist.
Handlung

Die eifersüchtige Mary Carson hinterlässt ihr beträchtliches Vermögen Pater Ralph in dem Wissen, dass dieser mit den so gewonnenen Mitteln die Farm verlassen wird, um seine ehrgeizigen Karriereziele in der katholischen Kirche verfolgen zu können. Bereits bei seinem Abschied kommt es zwischen dem Priester und der nun zur Frau gewordenen Meggie zu einem ersten Kuss. Als Jahre später Meggies Vater und Bruder bei einem Brand ums Leben kommen, kehrt Ralph für kurze Zeit zurück. Es zeigt sich, dass ihre Gefühle füreinander unverändert sind. Ralph macht Meggie jedoch klar, dass Gott in seinem Leben immer an erster Stelle stehen wird.

Als Meggie begreift, dass sie nie eine Beziehung mit Ralph führen können wird, heiratet sie Luke O’Neill, der sie äußerlich an Ralph erinnert und mit dem sie nach Queensland geht. Luke erweist sich als nicht gerade fürsorglicher Ehemann:

Zitat: " 'Nächstes Mal wird's für dich besser sein.' brachte er mit Anstrengung hervor. Beim ersten Mal tut's der Frau immer weh.' 

Und warum konntest du mir das nicht vorher sagen!? hätte sie ihn am liebsten angeschrien. Doch da waren die Schmerzen, da war die Erschöpfung, und da war das Gefühl, tief erniedrigt worden zu sein. Weil sie eben für ihn offenbar nicht ein Mensch mit einer eigenen Persönlichkeit gewesen war, sondern nur ein Gegenstand. 

Beim zweiten Mal tat es genauso weh wie beim ersten Mal. Und auch beim dritten Mal war es nicht anders Luke schien der Meinung zu sein, so etwas könne und dürfe es gar nicht gegeben Und mit ihrem ständigen Gejammer – wie er es für sich nannte –stelle sie sich nur an. Schließlich drehte er ihr wütend den Rücken zu. Und schlief ein.  [...]/[...]

Solange ich auch lebe, dachte sie, ich möchte dich nie wieder küssen! Ihr Blick glitt über seinen muskulösen Körper, über die schwarz behaarte Brust und weiter über seinen Bauch zu jener buschigen Stelle, in deren Mitte sich etwas befand, das –, es wirkte so täuschend klein und harmlos, dass man nie und nimmer geglaubt hätte, es könne solche Schmerzen verursachen." (S.314/15)

 Obwohl die beiden von Meggies Geld ein gutes Leben führen könnten, schließt sich Luke einer Truppe von Zuckerrohrschneidern an. Für Meggie organisiert er eine Stelle als Haushaltshilfe bei einem kinderlosen Ehepaar.

Meggie glaubt, Luke durch ein gemeinsames Kind zu einem familiäreren Leben bringen zu können. Als sie ihm mitteilt, dass sie schwanger ist, merkt sie jedoch, dass Luke das Kind nur als Belastung sieht. Aus der unglücklichen Situation heraus entwickelt sie wenig mütterliche Gefühle gegenüber ihrer Tochter Justine.

Ihre Arbeitgeber, zu denen Meggie im Laufe der Zeit ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut hat, raten ihr zu einem Urlaub. Sie reist nach Matlock Island und hat dort zum ersten Mal die Gelegenheit, allein zu sein und ihr Leben zu reflektieren. Sie beschließt, Luke zu verlassen und mit ihrer Tochter wieder auf Drogheda zu leben. Überraschend taucht Ralph auf der Insel auf: Er macht sich Sorgen um Meggie und möchte ihr als Freund zur Seite stehen. Vom ersten Augenblick an übermannt die beiden aber die jahrelang unterdrückte Leidenschaft, und sie verbringen die Tage als Liebespaar."

Zurück in Queensland weiß Meggie, dass sie von Ralph schwanger ist. Sie teilt Luke mit, dass sie ihn verlässt, und kehrt nach Drogheda zurück.

Meggie, die von ihrer Mutter nie viel Zuwendung erfuhr, hatte sich in ihrer Kindheit geschworen, dass sie niemals eines ihrer Kinder mehr lieben wird als das andere. Tatsächlich liebt sie nun ihren Sohn Dane, den Sohn Ralphs, mehr als ihre Tochter Justine. Justine spürt dies und entwickelt sich zu einem unzugänglichen Kind, das echte Gefühle nur für ihren Bruder aufbringen kann. Sie beschließt, Schauspielerin in Europa zu werden. Als Dane schon in seinen Jugendjahren steht, besucht Pater Ralph Meggie, Dane und all die anderen Clearies auf Drogheda. Ralph und Dane fühlen sich zueinander hingezogen. Dane bewundert Ralph und möchte ihm als Priester nachfolgen. Dane eröffnet Meggie, dass er Priester werden möchte – ein harter Schlag für sie, denn sie sieht es als weiteres Opfer, das sie Gott erbringen muss. Sie sieht die Ereignisse jedoch als folgerichtig an, da sie Dane von Gott „gestohlen“ hat, und vertraut seine Ausbildung dem mittlerweile zum Kardinal aufgestiegenen Ralph an – der nach wie vor nicht weiß, dass Dane sein Sohn ist. Als Dane in Rom zum Priester geweiht wird, weigert sich Meggie, dorthin zu kommen und an der Priesterweihe teilzunehmen, obwohl sie auch die Nachricht erhält, dass es Kardinal de Bricassart gesundheitlich nicht gut gehen würde. Justine lernt den langjährigen Freund Ralphs, Rainer Hartheim kennen, der sich bald in sie verliebt. Er bemerkt jedoch ihre emotionale Zurückgezogenheit und geduldet sich über Jahre, bis es endlich zu einer gemeinsamen Liebesnacht kommt. Justine öffnet sich ihm, um unmittelbar danach mit der Nachricht konfrontiert zu werden, dass Dane in Griechenland ertrunken ist. Justine macht sich Vorwürfe, dass sie ihren Bruder wegen Rainer nicht beschützt hat, und beschließt, zurück zu ihrer Mutter nach Drogheda zu gehen.

Wie schon vorher bei dem Tod von Paddy und Stu kehrt Ralph zu Drogheda mit dem Sarg von Dane zurück, um dessen Beerdigung zu begleiten. Rainer bittet Meggie darum, Justine dazu zu bewegen, ihre Liebe zu ihm zuzulassen. Meggie ist inzwischen auch aufgrund des neuen, innigeren Verhältnisses zu ihrer Mutter klar geworden, dass sie Justine stets benachteiligt hat, und sie erklärt Justine, dass diese keine Verantwortung an Danes Tod trifft und sie ihr eigenes Leben leben muss. Justine entscheidet sich daraufhin für ein Leben mit Rainer in London. Damit führt sie als erste Cleary in vier Generationen ein unabhängiges Leben jenseits des Familienbesitzes.

Meggie fühlt sich durch Danes Tod von Gott abgestraft und teilt in ihrer Verbitterung Ralph mit, dass Dane sein Sohn war. Ralph bricht zusammen, beschließt jedoch im Anschluss daran, auf Drogheda zu bleiben und bittet Meggie um Verzeihung, dass er sich nie ganz für sie entschieden hat. Er stirbt daraufhin in Meggies Armen. Die Rückkehr von Ralph nach Drogheda nach dem Tod eines Familienmitglieds der Clearies wurde damit zu einem Leitmotiv des Romans, bis er dann selbst nach den für ihn besonders schmerzlichen Begräbnisfeierlichkeiten für Dane in Beisein von Meggie starb. Dane und Ralph, die Menschen, die Meggie am meisten liebte, starben damit in kurzer Zeit.

Zum Titel des Buches

Die Autorin lässt Ralph der jungen Meggie erklären, was es mit den Dornenvögeln auf sich hat:

„Da gibt es die Legende von einem Vogel, der in seinem Leben nur ein einziges Mal singt, doch singt er süßer als jedes andere Geschöpf auf dem Erdengrund. Von dem Augenblick an, da er sein Nest verlässt, sucht er nach einem Dornenbaum und ruht nicht, ehe er ihn nicht gefunden hat.

Und wenn er im Gezweig zu singen beginnt, dann lässt er sich so darauf nieder, dass ihn der größte und schärfste Dorn durchbohrt. Doch während er stirbt, erhebt er sich über die Todesqual, und sein Gesang klingt herrlicher als das Jubeln der Lerche oder das Flöten der Nachtigall. Ein unvergleichliches Lied, bezahlt mit dem eigenen Leben. Aber die ganze Welt hält inne, um zu lauschen, und Gott im Himmel lächelt. Denn das Beste ist nur zu erreichen unter großen Opfern … So jedenfalls heißt es in der Legende.“

– Colleen McCullough: Die Dornenvögel, Vorwort

Rezeption

Die Dornenvögel waren Ende der 1970er Jahre und in der ersten Hälfte der 1980er Jahre einer der weltweit meistgelesenen Romane. Nachdem sich die gebundene Ausgabe in Amerika sehr schnell zu einem Bestseller entwickelt hatte, entstand um die Rechte für die Taschenbuchausgabe eine regelrechte Bieterschlacht, die mit der damaligen Rekordsumme von 1,9 Millionen Dollar endete.[1][2] Die deutschsprachige Taschenbuchausgabe erschien im Heyne-Verlag und verkaufte sich bis zum Jahr 2000 über zwei Millionen Mal.[3] Insgesamt verkaufte sich der Roman bis zum Tode seiner Autorin 2015 über 33 Millionen Mal und wurde in 20 Sprachen übersetzt.[4][5][6][7][8]

Nach ihrem Erscheinen wurden Die Dornenvögel in der Presse oft mit dem Roman Vom Winde verweht verglichen und als das neue oder australische Vom Winde verweht bezeichnet. Jahrzehnte später verglich die Zeitschrift People sie mit dem Roman 50 Shades of Grey und nannte sie die 50 Shades of Grey ihrer Zeit.[9][6][10][11]:


Stichworte: Kardinal, Frank,  Myxomatose (Kaninchenpest), biologische Kriegführung,

KI Gemini:

"In Colleen McCulloughs Roman „Die Dornenvögel“ (The Thorn Birds) tragen der Kardinal, Frank und die Myxomatosis entscheidend zur Handlung, der Familiendynamik und den Wendepunkten der Geschichte bei:

1. Der Kardinal (Ralph de Bricassart)

Pater Ralph de Bricassart strebt nach Macht und spirituellem Aufstieg innerhalb der katholischen Kirche.

  • Aufstieg und Konflikt: Durch das Vermächtnis von Mary Carson erhält Ralph die Mittel, in der Hierarchie der Kirche aufzusteigen, was ihn schließlich zum Kardinal macht.

  • Beziehung zu Meggie: Sein Aufstieg steht in ständigem Konflikt mit seiner verbotenen Liebe zu Meggie Cleary. Obwohl er sich für die Kirche und den Rang des Kardinals entscheidet, kann er sich emotional nie von Meggie lösen. Er ist der biologische Vater ihres Sohnes Dane, was er erst kurz vor Danes Tod erfährt.

2. Frank Cleary

Frank ist der älteste Sohn von Fiona (Fee) Cleary und Meggies geliebter Halbbruder.

  • Außenseiter und Rebellion: Frank fühlt sich in der Familie oft unzugehen und gerät immer wieder mit seinem Stiefvater Paddy aneinander. Er ist aufbrausend, beschützerisch gegenüber Meggie und leidet unter den Familienverhältnissen.

  • Das Familiengeheimnis: Frank ist nicht Paddys biologischer Sohn, sondern entstammt einer früheren Affäre von Fee mit einem verheirateten Politiker – ein Geheimnis, das die Dynamik der Familie prägt.

  • Schicksal: Frank verlässt Drogheda, um Preisboxer zu werden. Später gerät er ins Gefängnis, nachdem er bei einem Kampf jemanden getötet hat, was einen schweren Schlag für Fee und die Familie bedeutet.

3. Die Myxomatosis (Kaninchenpest)

Die Myxomatosis ist eine Viruserkrankung bei Kaninchen, die in Australien gezielt eingesetzt wurde, um die enorme Kaninchenplage einzudämmen.

  • Bedeutung für Drogheda: Auf der Schaffarm Drogheda sind Kaninchen eine existenzielle Bedrohung, da sie das Gras fressen und das Land verwüsten. Die Freisetzung des Virus ist entscheidend für den Erhalt der Weideflächen und das wirtschaftliche Überleben der Farm.

  • Symbolik: Die Seuche steht sinnbildlich für den harten, unerbittlichen Überlebenskampf der Menschen im australischen Outback sowie für die Zerstörung und Erneuerung im Naturkreislauf.