29 Mai 2026

GABRIELE GYSI: Die Nacht, als Soldaten Verkehrspolizisten wurden, 2025

 Gabriele Gysi: Die Nacht, als Soldaten Verkehrspolizisten wurden, 2025 (Westend Verlag, 200 Seiten)

 Thomas Harlan sprach bei Biolek "über die für ihn feststehende Tatsache, dass die Bundesrepublik ein Fortführung des 1000-jährigen Nazireiches bis in die 1970er Jahre gewesen sei." (S.94)

"Harlan hatte in Polen, wo er seit 1960 auch lebte, mit Recherchen über die Vernichtungslager Kulmhof, Sobibór, Bełżec und Treblinka begonnen. Bis 1964 trug Harlan mit seiner Arbeit in den polnischen Archiven, aus denen er Tausende von Dokumenten über deutsche Kriegsverbrechen zutage förderte, zu der Einleitung von über 2000 Strafverfahren gegen Kriegsverbrecher in der Bundesrepublik bei. Seit 1960 wurde er dabei von dem italienischen Verleger Giangiacomo Feltrinelli unterstützt. Zu dem hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer entwickelte sich eine Freundschaft. Gleichzeitig arbeitete Harlan beim Warschauer Rundfunk an Sendungen in deutscher Sprache mit. Aufgrund der Veröffentlichung seiner Archivrecherchen wurde er 1963 wegen Geheimnisverrats in Polen für ein Jahr unter Hausarrest gestellt. Auch in der Bundesrepublik erstattete Hans Globke 1964 gegen ihn Anzeige wegen Landesverrats aufgrund der Benutzung von Vernehmungsprotokollen der deutschen Justiz in polnischen Veröffentlichungen. Er wurde nicht verurteilt, erhielt aber für 10 Jahre keinen deutschen Reisepass und konnte sich in dieser Zeit nicht legal in der Bundesrepublik aufhalten." (Wikipedia)

Gemini: „Die Nacht, als Soldaten Verkehrspolizisten wurden“ ist ein bekanntes, prägendes Zitat von Gabriele Gysi (Schauspielerin, Regisseurin und Schwester des Linken-Politikers Gregor Gysi).

Mit diesem bildhaften und zugleich bitteren Satz beschreibt sie die Nacht vom 12. auf den 13. August 1961 – die Nacht des Mauerbaus in Berlin.

Hier ist der historische und persönliche Kontext zu diesem Zitat:

Der historische Hintergrund

In jener Nacht riegelte die DDR-Führung unter Walter Ulbricht die Sektorengrenze zu West-Berlin abrupt ab. Bewaffnete Einheiten der Nationalen Volksarmee (NVA), der Grenztruppen und der Betriebskampfgruppen besetzten die Straßenkreuzungen und Schienenwege.

Soldaten, die eigentlich für den militärischen Kampf gegen einen äußeren Feind ausgebildet waren, standen plötzlich an den innerstädtischen Kreuzungen und regelten – wie Verkehrspolizisten, nur eben mit Maschinenpistolen im Anschlag – wer wohin gehen durfte (beziehungsweise, dass niemand mehr in den Westen durfte). Sie leiteten den Verkehr um, sperrten Straßen mit Stacheldraht ab und zementierten die Teilung der Stadt.

Gabriele Gysis Perspektive

Gabriele Gysi, die aus einer prominenten Ost-Berliner Familie stammt (ihr Vater Klaus Gysi war ein hochrangiger DDR-Kulturfunktionär), erlebte diesen tiefen Einschnitt wie viele andere Berliner als einen Schock.

Das Zitat bringt die Absurdität und die beklemmende Normalisierung von nackter Gewalt und Freiheitsentzug auf den Punkt:

  • Die Zweckentfremdung der Armee: Eine Armee wird gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt, um sie einzusperren.

  • Die Alltäglichkeit des Unnormalen: Soldaten übernahmen im Handumdrehen zivile Aufgaben (wie die Verkehrsregelung), was die plötzliche, totale Kontrolle des Staates über das alltägliche Leben der Bürger symbolisierte.

„Die Nacht, als Soldaten Verkehrspolizisten wurden“ steht als Metapher für den Moment, in dem die DDR-Diktatur ihre Maske fallen ließ und die Reisefreiheit ihrer Bürger über Nacht gewaltsam beendete.



KI: Claude Ausgangspunkt: Der 9. November 1989

Ausgehend von der Nacht vom 9. zum 10. November 1989 wirft Gabriele Gysi einen Blick auf die deutsche Nachkriegsgeschichte. Sie beschreibt diesen Moment als einen glücklichen Augenblick – mit einer unglaublichen Gemeinsamkeit und Friedlichkeit bei aller Aufregung. Die Welt erstaunte über diesen realen Moment des Friedens, über eine ungeahnte Friedensfähigkeit. Gabriele-gysi

Der titelgebende Moment bezieht sich auf DDR-Soldaten, die in jener Nacht spontan zu Verkehrspolizisten wurden – ein sinnbildliches Bild für den gewaltlosen, improvisiert-menschlichen Charakter des Mauerfalls.

Thema: Die DDR und die deutsche Einheit

Das „Verschwinden" des kleineren Teils von Deutschland, die folgenden Merkwürdigkeiten und Anmaßungen der Zeit sowie der weiterhin gegenwärtige westdeutsche Umgang mit der ostdeutschen Vergangenheit stehen im Mittelpunkt. Gysi zufolge hat die BRD – die sich stets mit breiter Brust schlicht „Deutschland" nannte – die DDR einfach angeschlossen. Fertig. So sei die deutsche Frage nach der Einheit gelöst worden. Gabriele-gysi

Essayistischer Ansatz & literarische Bezüge

In essayistischen Reflexionen, persönlichen Erinnerungen und politischen Beobachtungen stellt Gysi die Frage, warum der Untergang eines Staates ohne würdige Beerdigung blieb – und was das über das vereinte Deutschland sagt. Zwischen Antigone und Shakespeares Welttheater analysiert sie die Inszenierungen von Macht, Medien und Moral. Vr-entertain

Die Figur der Antigone dient dabei als Metapher für den Widerstand gegen autoritäre Strukturen. Antigones Kampf um eine würdige Beerdigung ihres Bruders spiegelt den Konflikt zwischen individueller Moral und staatlicher Autorität wider – in Anlehnung an die DDR als einen Staat, der alternative Ordnungsprinzipien und Wertvorstellungen verkörperte. Gabriele-gysi

Zentrales Anliegen

Gysi fragt, was aus der Hoffnung auf Frieden wurde, die beide deutschen Staaten nach dem Krieg verband, und was es bedeutet, wenn Vergangenheit nur noch als Feindbild dient. Sie engagiert sich gegen den westdeutschen Umgang mit der ostdeutschen Vergangenheit und tritt für eine wahre Gerechtigkeit ein, die ihrer Meinung nach noch immer aussteht. Vr-entertainGabriele-gysi

Fazit

Ein leidenschaftliches, persönlich gefärbtes Essay-Buch, das weder DDR-Nostalgie noch pauschale Verurteilung betreibt, sondern eine gerechtere und ehrlichere Erinnerungskultur einfordert – und dabei den 9. November als vielschichtiges Datum der deutschen Geschichte begreift, das Novemberrevolution 1918, Pogrome 1938 und Mauerfall 1989 in sich vereint.

Sigrid Damm: Künstler meines Lebens

KI Ecosia: Sigrid Damm ist eine deutsche Schriftstellerin, Literaturwissenschaftlerin und Publizistin, die am 7. Dezember 1940 in Gotha/Thüringen geboren wurde. Sie lebt und arbeitet als freie Autorin in Berlin und Mecklenburg und ist Mitglied des P.E.N. sowie der Akademie der Künste Berlin www.suhrkamp.de www.lovelybooks.de www.hugendubel.de de.wikipedia.org.

In ihrem Werk “Künstler meines Lebens” reflektiert Sigrid Damm über sechzehn Künstlerinnen und Künstler, die für sie prägend waren. Dazu gehören Persönlichkeiten wie Goethe, Käthe Kollwitz, Ernst Barlach und Eva Strittmatter. Das Buch bietet persönliche Porträts, die vom jeweiligen Todestag der Künstler:innen ausgehen und so auf ausgewählte Lebensmomente zurückblicken www.morgenpost.de www.amazon.de www.literaturland-thueringen.de www.fr.de.

Damm schreibt dabei nicht nur über Dichter:innen, sondern auch über bildende Künstler:innen. Ihre Texte sind als Reflexionen und Erinnerungen an diese Wegbegleiter:innen gestaltet, die sie auf unterschiedliche Weise inspiriert haben www.literaturland-thueringen.de.


KI Gemini:

„Künstler meines Lebens. Sechzehn Porträts | Reflexionen und Erinnerungen an Wegbegleiter“ ist ein im März 2026 im Insel Verlag erschienenes Buch der bekannten Biografin und Schriftstellerin Sigrid Damm.

Nach ihren großen Erfolgen rund um die Weimarer Klassik (wie Christiane und Goethe oder Das Leben des Friedrich Schiller) wirft sie in diesem Band einen sehr persönlichen, fast intimen Blick auf die Kunst- und Literaturschaffenden, die ihren eigenen Lebensweg maßgeblich geprägt haben.

Das Konzept: Ein literarischer Friedhofsspaziergang

Das Besondere an der Struktur dieser 16 Kurzbiografien ist der Ausgangspunkt: Sigrid Damm nähert sich den Persönlichkeiten jeweils von deren Todestag aus.

Von diesem finalen Moment blickt sie zurück auf prägende Lebensstationen, verknüpft historische Fakten mit Auszügen aus Werken und Briefen und spiegelt das Ganze an ihren eigenen, ganz persönlichen Begegnungen. Die Kritiken beschreiben das Buch treffend als einen nachdenklichen, melancholischen, aber ungemein unterhaltsamen „literarischen Friedhofsspaziergang“.

Die porträtierten Persönlichkeiten

Die Auswahl der sechzehn Porträts erstreckt sich über verschiedene Jahrhunderte und mischt persönliche Weggefährten mit lebenslangen literarischen Vorlieben und Zufallsfunden:

  • Persönliche Wegbegleiter: Künstler, mit denen Damm zu Lebzeiten persönlich bekannt oder freundschaftlich verbunden war, darunter das Schriftsteller-Ehepaar Eva und Erwin Strittmatter, der DDR-Autor Franz Fühmann und der legendäre Verleger Siegfried Unseld.

  • Lebenslange Vorlieben: Ikonen wie Caspar David Friedrich, Ernst Barlach, Käthe Kollwitz, Heinrich Heine, Hermann Hesse und natürlich Johann Wolfgang von Goethe samt Familie.

  • Literarische Entdeckungen & Funde: Porträts über Iwan Turgenjew, Else Lasker-Schüler, Rosa Luxemburg und Lew Tolstoj.

Das Fazit der Kritik: Ein Buch über das Sterben und das Überdauern durch die Kunst. Es zeigt eindrücklich, wie sehr uns die Geister der Vergangenheit im eigenen Alltag begleiten und das eigene Leben bereichern können.

27 Mai 2026

Erwin Wickert: China von innen gesehen

 Erwin Wickert: China von innen gesehen, 1982 (Jahreskapitel 1976-80)

KI Ecosia: Erwin Wickert: China von innen gesehen

China von innen gesehen ist ein Buch des deutschen Diplomaten und Schriftstellers Erwin Wickert (1915–2008), das 1982 erschien. Es gilt als eines seiner bekanntesten Werke und bietet ein persönliches Porträt Chinas aus der Perspektive eines langjährigen Beobachters und Diplomaten www.penguin.de.

Wickert beschreibt in seinem Buch die chinesische Gesellschaft, Kultur und Politik aus eigener Erfahrung. Er lebte mehrere Jahre in China und schildert darin nicht nur politische Strukturen, sondern auch den Alltag der Menschen, ihre Mentalität und die gesellschaftlichen Veränderungen der 1970er- und frühen 1980er-Jahre opacplus.bsb-muenchen.de www.spiegel.de. Besonders hervorgehoben wird seine Fähigkeit, die chinesische Kultur und die Eigenheiten der Bevölkerung einfühlsam und authentisch darzustellen www.amazon.de.

Das Buch wurde sowohl in Deutschland als auch international wahrgenommen und gilt bis heute als wertvolle Quelle für alle, die sich für das China dieser Zeit interessieren www.penguin.de. Es erschien im Bertelsmann Verlag und wurde später auch als Lizenzausgabe im Bertelsmann Club veröffentlicht www.ebay.de www.booklooker.de

Das Buch ist - zumindest am Anfang - sehr im Erzählstil geschrieben, dadurch flüssig zu lesen.

"Auch neu: Maos Leibwächter pflegte seinem Herrn hübsche Mädchen zuzuführen, im Schlafwagen (Wickert: »Wo habe ich so etwas schon einmal gehört? Gab es so etwas nicht schon einmal? ... Später fiel es mir ein"), die Sekretärin Zhang Yufeng bekam gar ein Kind vom greisen Revolutionär." (Spiegel 4.4.82)

25 Mai 2026

Thomas Mann: Joseph und seine Brüder - Joseph in Ägypten

 Anke-Marie Lohmeier

Lexikon zu Thomas Manns »Joseph und seine Brüder« (1933-1943)

Namen, Schauplätze, Sachen

Nach der Geburt von Joseph ist Rahel ein zweites Mal schwanger geworden, hat aber kaum Kraft zu pressen. Dagegen wird über das Kind gesagt: "Rege war es, das einzig wichtige Ding.
Aufs entschiedenste erachtete es seine Stunde für gekommen, strebte heraus ans Licht und wollte abwerfen die Mutterhülle. Es gebar sich gleichsam selbst, ungeduldig den schmalen Schoß bestürmend, kaum unterstützt, trotz herzlicher Willensbereitschaft von der, die es selig empfangen und mit ihrem Leben herangenährt hatte, aber es nicht hervorzubringen wusste.
[...]  Als es Nacht geworden [...] sagte sie, aus einer Ohnmacht erwachend' Rahel wird sterben.' Alle schrien auf [...]" (S.285)
Jaakob erkennt, dass Rahel mit Mami sowohl sich als Ischtar meint:









Im Alten Testament heißt es im 1. Buch Mose (Genesis), Kapitel 35, Vers 16–20: 

16Und sie brachen auf von Bethel. Und als es noch eine Strecke Weges war bis Efrata, da gebar Rahel. Und es kam sie hart an über der Geburt. 17Da ihr aber die Geburt so schwer wurde, sprach die Hebamme zu ihr: Fürchte dich nicht, denn auch diesmal wirst du einen Sohn haben. 18Als ihr aber das Leben entwich und sie sterben musste, nannte sie ihn Ben-Oni, aber sein Vater nannte ihn Ben-Jamin. 19So starb Rahel und wurde begraben an dem Wege nach Efrata, das nun Bethlehem heißt. 

Diese 5 Verse nehmen in Th. Manns Darstellung etwa vier Seiten ein, von denen hier nur zwei Seiten und 6 1/2 Zeilenhier wiedergegeben sind. Dagegen heißt es über die Verse 22-26 bei Mann nur: "Da sündigte Ruben mit Bilha der Kebse, und ward verflucht." Vom Fluch ist in der Bibel nicht die Rede. Da heißt es nur "Und das Kam vor Israel." Danach werden die 12 Söhne Jaakobs genannt.

 Abraham Laban Jaakob  Rahel Teraphim Joseph Benjamin  Ruben  Bilha









Huij und Tuij

S.642-643: Die alten Eltern des Höflings Peteprê, ein Ehepaar von Geschwistern wie auch bei den Pharaonen nicht unüblich, glauben sich unbeachtet und unterhalten sich in leichtem Streit über ihr Schicksal, wie es ihnen nach ägyptischer Vorstellung bevorsteht.

Die Frau Tuij versichert ihrem Mann, der nicht immer geschickt zu reden versteht (Demenz ist eine allzu technische Beschreibung), dass sie ihm beim Totengericht beistehen wird und dafür sich schnell vergiften wird, damit sie gemeinsam vor dem Richter stehen.

Für den Erfolg Peteprês ist sein Hausmeier Mont-kaw verantwortlich.

Joseph Hebron Himmelstraum Potiphars Weib                                            Namensregister



23 Mai 2026

Heimito von Doderer: Die Dämonen (1956) – angelesen

 Von norberto42  angegebene Links

https://www.sandammeer.at/rezensionen/doderer-daemonen.htm


Vorstellung von norberto42 am 22. Mai 2026

Man ahnt nur von ferne, was man sich antut, wenn man Doderers „Die Dämonen“ zu lesen beginnt; man muss bis S. 1345 durchhalten. Die ruhige Art des Erzählens macht die Lektüre einfach, aber auch zugleich auch schwer: Es passiert fast nichts, es treffen sich Leute, sie reden miteinander und übereinander, sie trinken gerne einen, gehen spazieren, bummeln in der Stadt, sitzen im Café oder in der Oper, fahren im Winter Ski, betrachten die Landschaft, fahren gelegentlich ein Stück weit, einzelne ziehen, Liebespaare streiten sich – obere Mittelschicht, würde ich sagen.

Ich habe nur den ersten Teil (bis S. 467) geschafft, dann habe ich das Handtuch geworfen: Es passiert zu wenig. Im ersten Teil gibt es nur einen Höhepunkt, das

ist die Schilderung der Zustände bei den Zeitungen der Allianz (S. 329 ff.). Dann wird noch angedeutet, dass die unmittelbare Nachkriegszeit zu Ende ist (S. 249 f.), dass das alte Österreich versunken ist (S. 348 f.), dass der Ich-Erzähler von seiner Vergangenheit Abschied nimmt (S. 455 f.). Er heißt übrigens Georg (s. 242) und schreibt nach meiner Berechnung 1954, nach Wikipedia 1955; ich habe aber die Seite nicht notiert, wo er von den 28 Jahren spricht, die seither vergangen sind. Im Zusammenhang mit den Hexenprozessen spricht René davon , dass das Wissen von der Imaginationskraft verloren gegangen ist, „womit dämonisch Begnadete Himmel oder Hölle bevölkern, die sonst leer wären, und doch nicht aufhörten zu existieren“ (S. 447) – das ist als Zitat gekennzeichnet, aber ich habe keine Quelle dafür finden können.

Tja, und das war mir für rund 460 Seiten zu wenig. „Die Dämonen“ gilt als opus magnum des Heimito von Doderer; es ist mir zu magnös. Bei Wikipedia hat sich auch noch keiner gefunden, das das Buch wirklich aufarbeitete.