27 Mai 2026

Erwin Wickert: China von innen gesehen

 Erwin Wickert: China von innen gesehen, 1982 (Jahreskapitel 1976-80)

KI Ecosia: Erwin Wickert: China von innen gesehen

China von innen gesehen ist ein Buch des deutschen Diplomaten und Schriftstellers Erwin Wickert (1915–2008), das 1982 erschien. Es gilt als eines seiner bekanntesten Werke und bietet ein persönliches Porträt Chinas aus der Perspektive eines langjährigen Beobachters und Diplomaten www.penguin.de.

Wickert beschreibt in seinem Buch die chinesische Gesellschaft, Kultur und Politik aus eigener Erfahrung. Er lebte mehrere Jahre in China und schildert darin nicht nur politische Strukturen, sondern auch den Alltag der Menschen, ihre Mentalität und die gesellschaftlichen Veränderungen der 1970er- und frühen 1980er-Jahre opacplus.bsb-muenchen.de www.spiegel.de. Besonders hervorgehoben wird seine Fähigkeit, die chinesische Kultur und die Eigenheiten der Bevölkerung einfühlsam und authentisch darzustellen www.amazon.de.

Das Buch wurde sowohl in Deutschland als auch international wahrgenommen und gilt bis heute als wertvolle Quelle für alle, die sich für das China dieser Zeit interessieren www.penguin.de. Es erschien im Bertelsmann Verlag und wurde später auch als Lizenzausgabe im Bertelsmann Club veröffentlicht www.ebay.de www.booklooker.de

Das Buch ist - zumindest am Anfang - sehr im Erzählstil geschrieben, dadurch flüssig zu lesen.

"Auch neu: Maos Leibwächter pflegte seinem Herrn hübsche Mädchen zuzuführen, im Schlafwagen (Wickert: »Wo habe ich so etwas schon einmal gehört? Gab es so etwas nicht schon einmal? ... Später fiel es mir ein"), die Sekretärin Zhang Yufeng bekam gar ein Kind vom greisen Revolutionär." (Spiegel 4.4.82)

25 Mai 2026

Thomas Mann: Joseph und seine Brüder - Joseph in Ägypten

 Anke-Marie Lohmeier

Lexikon zu Thomas Manns »Joseph und seine Brüder« (1933-1943)

Namen, Schauplätze, Sachen

Nach der Geburt von Joseph ist Rahel ein zweites Mal schwanger geworden, hat aber kaum Kraft zu pressen. Dagegen wird über das Kind gesagt: "Rege war es, das einzig wichtige Ding.
Aufs entschiedenste erachtete es seine Stunde für gekommen, strebte heraus ans Licht und wollte abwerfen die Mutterhülle. Es gebar sich gleichsam selbst, ungeduldig den schmalen Schoß bestürmend, kaum unterstützt, trotz herzlicher Willensbereitschaft von der, die es selig empfangen und mit ihrem Leben herangenährt hatte, aber es nicht hervorzubringen wusste.
[...]  Als es Nacht geworden [...] sagte sie, aus einer Ohnmacht erwachend' Rahel wird sterben.' Alle schrien auf [...]" (S.285)
Jaakob erkennt, dass Rahel mit Mami sowohl sich als Ischtar meint:









Im Alten Testament heißt es im 1. Buch Mose (Genesis), Kapitel 35, Vers 16–20: 

16Und sie brachen auf von Bethel. Und als es noch eine Strecke Weges war bis Efrata, da gebar Rahel. Und es kam sie hart an über der Geburt. 17Da ihr aber die Geburt so schwer wurde, sprach die Hebamme zu ihr: Fürchte dich nicht, denn auch diesmal wirst du einen Sohn haben. 18Als ihr aber das Leben entwich und sie sterben musste, nannte sie ihn Ben-Oni, aber sein Vater nannte ihn Ben-Jamin. 19So starb Rahel und wurde begraben an dem Wege nach Efrata, das nun Bethlehem heißt. 

Diese 5 Verse nehmen in Th. Manns Darstellung etwa vier Seiten ein, von denen hier nur zwei Seiten und 6 1/2 Zeilenhier wiedergegeben sind. Dagegen heißt es über die Verse 22-26 bei Mann nur: "Da sündigte Ruben mit Bilha der Kebse, und ward verflucht." Vom Fluch ist in der Bibel nicht die Rede. Da heißt es nur "Und das Kam vor Israel." Danach werden die 12 Söhne Jaakobs genannt.

 Abraham Laban Jaakob  Rahel Teraphim Joseph Benjamin  Ruben  Bilha









Huij und Tuij

S.642-643: Die alten Eltern des Höflings Peteprê, ein Ehepaar von Geschwistern wie auch bei den Pharaonen nicht unüblich, glauben sich unbeachtet und unterhalten sich in leichtem Streit über ihr Schicksal, wie es ihnen nach ägyptischer Vorstellung bevorsteht.

Die Frau Tuij versichert ihrem Mann, der nicht immer geschickt zu reden versteht (Demenz ist eine allzu technische Beschreibung), dass sie ihm beim Totengericht beistehen wird und dafür sich schnell vergiften wird, damit sie gemeinsam vor dem Richter stehen.

Für den Erfolg Peteprês ist sein Hausmeier Mont-kaw verantwortlich.

Joseph Hebron Himmelstraum Potiphars Weib                                            Namensregister



23 Mai 2026

Heimito von Doderer: Die Dämonen (1956) – angelesen

 Von norberto42  angegebene Links

https://www.sandammeer.at/rezensionen/doderer-daemonen.htm


Vorstellung von norberto42 am 22. Mai 2026

Man ahnt nur von ferne, was man sich antut, wenn man Doderers „Die Dämonen“ zu lesen beginnt; man muss bis S. 1345 durchhalten. Die ruhige Art des Erzählens macht die Lektüre einfach, aber auch zugleich auch schwer: Es passiert fast nichts, es treffen sich Leute, sie reden miteinander und übereinander, sie trinken gerne einen, gehen spazieren, bummeln in der Stadt, sitzen im Café oder in der Oper, fahren im Winter Ski, betrachten die Landschaft, fahren gelegentlich ein Stück weit, einzelne ziehen, Liebespaare streiten sich – obere Mittelschicht, würde ich sagen.

Ich habe nur den ersten Teil (bis S. 467) geschafft, dann habe ich das Handtuch geworfen: Es passiert zu wenig. Im ersten Teil gibt es nur einen Höhepunkt, das

ist die Schilderung der Zustände bei den Zeitungen der Allianz (S. 329 ff.). Dann wird noch angedeutet, dass die unmittelbare Nachkriegszeit zu Ende ist (S. 249 f.), dass das alte Österreich versunken ist (S. 348 f.), dass der Ich-Erzähler von seiner Vergangenheit Abschied nimmt (S. 455 f.). Er heißt übrigens Georg (s. 242) und schreibt nach meiner Berechnung 1954, nach Wikipedia 1955; ich habe aber die Seite nicht notiert, wo er von den 28 Jahren spricht, die seither vergangen sind. Im Zusammenhang mit den Hexenprozessen spricht René davon , dass das Wissen von der Imaginationskraft verloren gegangen ist, „womit dämonisch Begnadete Himmel oder Hölle bevölkern, die sonst leer wären, und doch nicht aufhörten zu existieren“ (S. 447) – das ist als Zitat gekennzeichnet, aber ich habe keine Quelle dafür finden können.

Tja, und das war mir für rund 460 Seiten zu wenig. „Die Dämonen“ gilt als opus magnum des Heimito von Doderer; es ist mir zu magnös. Bei Wikipedia hat sich auch noch keiner gefunden, das das Buch wirklich aufarbeitete.


20 Mai 2026

Werner Lansburgh: Dear Doosie

 Ich starte mit der 2. Seite, um jeweils 2 Seiten auf einem Foto zu erfassen, Doch teile ich vorher kurz mit: Der Text richtet sich an Doosie mit der Begründung, dass die Anrede you im Deutschen Du oder Sie bedeuten kann. Da der Verfasser einen männlichen Vornamen trägt, ist Doosie zwar eine ziemlich lautgerechte Wiedergabe von Du/Sie, erweckt aber zugleich den Eindruck, dass eine Sie, also eine  weibliche Person, angesprochen wird und zwar, obwohl der Autor seine Leser nicht kennen kann, mit einem sehr vertrauten Du.

Mit solchen Sprach- und Wortspielen spielt der Autor im gesamten Text.






Werner Lansburgh: Dear Doosie ist ein humorvoller und herzerwärmender

Briefromandes deutschen Autors Werner Lansburgh (1912–1990). Das Buch

erschien erstmals 1967 und wurde zu einem Klassiker der deutschen Literatur,

der bis heute beliebt ist.

Kurze Zusammenfassung

Der Roman besteht aus einer Sammlung von humorvollen, liebevollen und

manchmal etwas chaotischen Briefen, die der fiktive Autor Eduard “Doosie”

Meyer an seine Frau Doosie schreibt. Die Briefe sind voller Alltagsgeschichten,

persönlicher Gedanken, Missverständnisse und einer Prise Berliner

Schnauze. Lansburghs humorvolle und warmherzige Erzählweise macht

das Buch zu einem besonderen Leseerlebnis.

Besonderheiten

Humorvoll und charmant: Die Briefe sind voller Wortspiele,

absurder Situationen und einer typisch deutschen, etwas

schrulligen Komik.

Alltagsnah: Die Geschichten spiegeln das Leben in den

1960er-Jahren wider, sind aber universell verständlich.

Herzerwärmend: Trotz des Humors steckt viel Zuneigung

und Liebe zwischen den Zeilen.


Ausgabe und Verfügbarkeit

Das Buch ist immer noch erhältlich, z. B. als:

  • Taschenbuch (z. B. bei Rowohlt oder dtv)
  • Hörbuch (gelesen von bekannten Sprechern wie Dieter Hallervorden)
  • E-Book

Zusatz: Eine Liebesgeschichte in Briefen. Auch eine Möglichkeit, sein Englisch spielend aufzufrischen. Nymphenburger, München 1977

Weiter geht es im Text des Buches

19 Mai 2026

Peter Härtling: Nachgetragene Liebe

 Ich habe das Buch von Härtling vor Jahrzehnte in der Hand gehabt. Wieviel ich davon gelesen habe, ist mir unklar. Was ich darüber gelesen habe, spricht mich an.

Dieter Wunderlich: Inhaltsangabe und Kritik

KI Gemini:

„Nachgetragene Liebe“ (erschienen 1980) gehört zu den bedeutendsten und persönlichsten Werken von Peter Härtling (1933–2017). Es handelt sich um ein tiefgreifendes autobiografisches Buch, in dem der Autor versucht, die schwierige und von Sprachlosigkeit geprägte Beziehung zu seinem Vater zu verarbeiten und nachträglich zu klären.

Hier ist eine kompakte Übersicht zu den wichtigsten Aspekten des Werks:


1. Inhalt und Hintergrund

Der Kern der Erzählung dreht sich um die Kindheit des Ich-Erzählers (der unverkennbar Härtling selbst ist) während der „finstern Zeiten“ des Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit.

  • Der Vater: Rudolf Härtling war Rechtsanwalt, ein distanzierter, oft schweigender Mann, der seine Strenge meist durch Entzug von Worten ausdrückte. Politisch stand er dem NS-Regime zwar kritisch gegenüber, verhielt sich aber weitgehend passiv.

  • Die Entfremdung: Der junge Peter flüchtet sich zeitweise in die Begeisterung des „Deutschen Jungvolks“ (Hitlerjugend), sehr zum Missfallen des Vaters, der jedoch unfähig ist, dem Sohn seine Beweggründe im Gespräch zu erklären.

  • Das Ende: Kurz nach dem Zusammenbruch des Regimes 1945 stirbt der Vater mit nur 39 Jahren in einem sowjetischen Gefangenenlager. Der Sohn ist zu diesem Zeitpunkt erst zwölf Jahre alt.


2. Die Bedeutung des Titels

Das Wort „nachgetragen“ hat im Deutschen eine Doppelbedeutung, die Härtling brillant nutzt:

  1. Etwas nachtragen (Groll): Dem Vater die Härte, das Schweigen und die emotionale Kälte der Kindheitsjahre vorwerfen.

  2. Etwas nach-tragen (Liebe): Dem Toten die Liebe hinterhertragen, die man ihm zu Lebzeiten nicht geben konnte oder wollte, weil man ihn nicht verstand.


3. Der literarische Ansatz: Verstehen statt Abrechnen

Im Gegensatz zu vielen anderen Autoren der „Väterliteratur“ der 1970er und 1980er Jahre (die oft brutal und anklagend mit der Tätergeneration abrechneten) wählt Härtling einen tastenden, suchenden Tonfall.

  • Die Perspektive: Der Erzähler schreibt das Buch aus einer Position heraus, in der er bereits älter ist, als sein Vater es je wurde.

  • Das Ziel: Es geht ihm nicht um Vergebung oder Beschönigung, sondern um das Verstehen. Er versucht zu begreifen, unter welchem Druck der Vater in dieser Epoche stand und warum er so unzugänglich wurde.

„Ich fange an, Deine Hand (noch) im Nacken, dich zu verstehen, zu lieben. [...] Du könntest mein jüngerer Bruder sein.“ — Peter Härtling, Nachgetragene Liebe


4. Stilistische Merkmale

  • Mischung aus Prosa und Lyrik: Das Buch bricht stellenweise mit klassischen Romanstrukturen. Es gibt Passagen, die fast wie Gedichte formatiert sind (ohne Interpunktion, in kurzen Zeilen), um die Fragmentierung der Erinnerung und das Stockende des Denkprozesses zu verdeutlichen.

  • Direkte Ansprache: Der Autor wechselt oft in ein imaginäres Zwiegespräch und spricht den verstorbenen Vater direkt mit „Du“ an.


Fazit

Nachgetragene Liebe ist ein berührendes Dokument der Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit auf einer ganz privaten, familiären Ebene. Es zeigt, dass Annäherung und Versöhnung mit den eigenen Eltern auch dann noch möglich (und manchmal bitter nötig) sind, wenn diese schon lange nicht mehr am Leben sind.

17 Mai 2026

Martin Walser: Der Augenblick der Liebe

 Der Augenblick der Liebe (Wikipedia)

"[...] Als Reiseerzählung und Liebesgeschichte im akademischen Milieu erinnert Der Augenblick der Liebe in vieler Hinsicht an den älteren Walserroman Brandung. Die künstlerische Innovation liegt vor allem in der Auseinandersetzung mit La Mettrie, die den Roman um philosophische Überlegungen bereichert. Es geht dabei vor allem um die Themen der Erziehung als Ausbildung zum Gefangenen und um das Erziehungs-Nebenprodukt Schuldgefühle. Die Interpretation Rick Hardys im Anschluss an den Vortrag – dessen Manuskript ist auf den Seiten 114–131 vollständig wiedergegeben – ist dabei die zentrale Stelle des Romans: Hardy beschuldigt Gottlieb, er wolle unter dem Vorwand, über La Mettrie und dessen These von der Lebensfeindlichkeit von Schuldgefühlen zu sprechen, den Deutschen einen „Freispruch erschwindeln“, wobei Hardy einen überraschenden Zusammenhang zur Erinnerung an den Holocaust herstellt. Die anschließende Reflexion Gottliebs wirkt wie eine späte Selbstverteidigung Walsers, der sich während der Diskussionen rund um seine Romane Ein springender Brunnen und insbesondere Tod eines Kritikers selbst Vorwürfen des latenten Antisemitismus ausgesetzt sah:

„La Mettrie behauptet, es gebe nichts Unmenschlicheres, nichts Lebensfeindlicheres als remords. Das würde natürlich auch für den Umgang der Deutschen mit ihrer Vergangenheit gelten. Aber das hat er [Zürn] nicht gesagt. Er müßte dann nachweisen, daß es eine Schuld gibt ohne Schuldgefühle. Kein bisschen weglügen, nichts verkleinern, und trotzdem kein Schuldgefühl, keine remords. […] La Mettrie hatte keine Erfahrung mit dem Gedächtnis. Inzwischen wacht das Gedächtnis über das Gewissen. Ob das lebensfeindlich ist, ist dem Gedächtnis egal.“ [...]" (Wikipedia)

Bernd A. Laska: Warum ausgerechnet La Mettrie? Über den „eigentlichen Helden“ in Martin Walsers Roman Der Augenblick der Liebe. In: literaturkritik.de, Jg. 6, Nr. 10, Oktober 2004 (eine ausführliche sehr informative Information über La Mettrie und seine Rolle zwischen Aufklärung, Freud und Reich))