28 Februar 2026

T.S. Eliot: The Waste Land

The Waste Land (Wikipedia)

The Waste Land (Text)


I. THE BURIAL OF THE DEAD


APRIL is the cruellest month,breeding


Lilacs out of the dead land, mixing
Memory and desire, stirring
Dull roots with spring rain.
Winter kept us warm, covering
Earth in forgetful snow, feeding
A little life with dried tubers.
Summer surprised us, coming over the Starnbergersee
With a shower of rain; we stopped in the colonnade,
And went on in sunlight, into the Hofgarten,10

And drank coffee, and talked for an hour.
Bin gar keine Russin, stamm' aus Litauen, echt deutsch.
And when we were children, staying at the archduke's,
My cousin's, he took me out on a sled,
And I was frightened. He said, Marie,
Marie
, hold on tight. And down we went.
In the mountains, there you feel free.
I read, much of the night, and go south in the winter.

What are the roots that clutch, what branches grow
Out of this stony rubbish? Son of man,20

You cannot say, or guess, for you know only
A heap of broken images, where the sun beats,
And the dead tree gives no shelter, the cricket no relief,
And the dry stone no sound of water. Only
There is shadow under this red rock,
(Come in under the shadow of this red rock),
And I will show you something different from either
Your shadow at morning striding behind you
Or your shadow at evening rising to meet you;

I will show you fear in a handful of dust.30

Frisch weht der Wind
Der Heimat zu,
Mein Irisch Kind,
Wo weilest du?

"You gave me hyacinths first a year ago;
"They called me the hyacinth girl."
—Yet when we came back, late, from the Hyacinth garden,
Your arms full, and your hair wet, I could not
Speak, and my eyes failed, I was neither
Living nor dead, and I knew nothing,40
Looking into the heart of light, the silence.

Od' und leer das Meer.

Madame Sosostris, famous clairvoyante,
Had a bad cold, nevertheless
Is known to be the wisest woman in Europe,
With a wicked pack of cards. Here, said she,
Is your card, the drowned Phoenician Sailor,
(Those are pearls that were his eyes. Look!)
Here is Belladonna, the Lady of the Rocks,
The lady of situations.50
Here is the man with three staves, and here the Wheel,

And here is the one-eyed merchant, and this card,
Which is blank, is something he carries on his back,
Which I am forbidden to see. I do not find
The Hanged Man. Fear death by water.
I see crowds of people, walking round in a ring.
Thank you. If you see dear Mrs. Equitone,
Tell her I bring the horoscope myself:
One must be so careful these days.

26 Februar 2026

Caroline von Wolzogen: Agnes

 Caroline von Wolzogen: Ages von Lilien (Text)

Agnes von Lilien (Wikipedia)

Agnes von Lilien, (Kommentare zur Entstehung u.a.) Berlin 1798

"Wem solche Schilderungen der innern Gestalt der Seele, solche feine Zergliederungen ihrer geheimsten Seiten werth sind, wer vorzugsweise die Werke aufsucht, die sie ihm darbieten, dem wird Agnes von Li1ien eine wohlthätige Erscheinung seyn. [...] Nie hat vielleicht dem Sinne des Dichters das Bild eines so vollendeten, harmonischen, zartgewebten Wesens vorgeschwebt, nie ist es vielleicht einem gelungen, durch den Zauber einer wunderbar ergreifenden, selbstgeschafnen Sprache, jenen unerklärbaren Regungen des Herzens Ton und Gestalt zu geben, für „deren bewegliche Flut“, nach Agnes eignem Geständniss, „selbst das Gedächtniss keine Zeichen besitzt, und mit denen nur das geheimnissvolle Wesen der Musik noch einigermassen vertraut ist.“ "(Wilhelm von Humboldt)

"Als mein Verstand reif genug war, um die Menschen gegen einander zu vergleichen, sagte ich oft meinem Vater, wie hoch über alle andere erhaben Er mir erschiene. Mit einem milden Ernst in seinem Blick erwiederte er dann: Wenige zwang das Schicksal mit so freundlicher Gewalt[4] auf der Bahn des Rechten zu bleiben, als mich. Manche Kraft wird zerstöhrt, ehe sie ihre wahre Richtung empfängt. Ich hatte hohen Genuß und tiefes Leiden, aber die Flamme der reinen Liebe erhielt mein besseres Leben. Eine Welt von Erinnerungen schien sich bey solchen Äußerungen in seinem Innern zu entwickeln; sein Auge war gesenkt, er war in sich selbst versunken, aber schnell, als von einem neuen Feuer belebt, kehrten sich dann seine Blicke nach mir; er sagte mir ein freundliches Wort, gab mir einen kleinen Auftrag, welchen ich vorzüglich gern befolgte; ich fühlte, daß irgend ein Gefühl seinen Busen drängte, welchem er Gewalt anthat, und es war[5] mir als schwebte auf seinen Lippen: »Du bist doch mein Liebstes in der Welt!« Über meine Erziehung wachte er mit der Sorgfalt, mit der er jede einmahl übernommene Pflicht beobachtete. Er beschäftigte sich mit mir in seinen ernsten Stunden, aber ich war auch sein liebstes Spiel in den wenig geschäftlosen Augenblicken, die er sich vergönnte. Ich entsinne mich, daß er mich früh gewöhnte, die Begriffe der Arbeit und Ordnung mit meinen Spielen zu verbinden; das geringste, einmahl angefangene Geschäft mußte ich vollenden. [...]"

"»Du sollst herrschen und dienen lernen,[7] mein liebes Kind,« sagte er mir zuweilen: »wenn man beides mit Einsicht und mit Achtung für sich selbst zu thun versteht, so ist eins so leicht als das andere; aber sicher ist es Quelle mannichfaltiger Schiefheit und Verworrenheit in vielen Verhältnissen, wenn unsere Fähigkeit ausschliessend für das eine oder für das andere entwickelt wurde. Die Ungeschicklichkeit, sich in irgend einer Lage zu betragen, zieht ein Heer kleiner Übel um uns her, die endlich den Blick in die äußere Welt und in unser Inneres umdämmern. Darum übe dich in allen Formen des Umgangs, und lerne jeden Menschen nach seinem individuellsten Daseyn behandeln, und dich selbst in jedem[8] Verhältniß auf die freieste und für andere am wenigsten drückende Art stellen.« Sein Beispiel, sein stillwirkendes Leben erklärte mir den tiefen Sinn dieser Rede.

Wenn mich nicht häusliche Geschäfte abriefen, war ich größtentheils in einem Kabinet, welches an meines Vaters Zimmer stieß. Ich fühlte mich in voller Freiheit, und, war doch in immerwährender Aufsicht. Da mein Vater selbst nie in eine gewisse Leere und Unbedeutenheit des Daseyns versank, so lernte ich sie auch nicht kennen; ich lebte in einem Cirkel stiller Geschäftigkeit, und mein jugendlicher Frohsinn entwickelte sich mit einigen Gespielen meines Alters. Die Kinder unserer[9] Gutsherrschaft und ein paar Bauerkinder aus der Nachbarschaft lockten mich zu allen kindischen Spielen, und mein Vater sah es gern, wenn ich in körperlicher Behendigkeit die andern übertraf; selbst Rosine durfte kein schiefes Gesicht machen, wenn ich mit zerrissener Schürze und Halstuch zurückkam, aber ich selbst mußte auch alles wieder in guten Stand bringen, und wenn sie dazu helfen wollte, so war es nur Gefälligkeit. Ich hatte einige Lehrstunden, um mich an regelmäßige Arbeit zu gewöhnen; aber mir damahls unbemerkbar war mein Vater, während dem ganzen Lauf des Tages, mit meiner Bildung beschäftigt."

"Als er zur Thür hinaus war, ergossen sich die Fräulein mit ihrem Bruder in tausend Vermuthungen und Fragen über die Erscheinung[63] dieses Fremden. Nicht weniger drangen sie in mich, alle kleinen Umstände seiner Ankunft zu erzählen. Die Gegenwart meines Vaters machte sie etwas zurückhaltender. Er hatte einen edlen Ton in seinem Hause eingeführt, und alles unnöthige leere Geschwätz wurde soviel als möglich verbannt, weil es nur aus kleinen Gesinnungen entsteht, und sie auch wieder nährt. Der junge Salm, der doch den Werth des Geistes und der Kultur genug erkennen konnte, um große Achtung dafür zu äußern, ergoß sich in Lobeserhebungen über den Fremden. Ein vortreflicher Mann! rief er mit jenem affektirten Enthusiasmus, in den Seelen von geringen Fähigkeiten leicht verfallen: in[64] Wahrheit ein vortreflicher Mann! begann er von neuem, wie er schön und bieder spricht, welch ein Feuer in seinem Auge, und wie etwas Großes und Vornehmes in seinem ganzen Benehmen liegt, als stehe ihm alles an, was er zu thun gedenkt, und als sey er überall der Herr. Und durch Simplizität und Verstand Herr, sagte mein Vater, welches die beste Herrschaft ist. Die Fräulein fielen auch ein, und fanden, er habe gute Fassons; einen Tadel, der schon auf den Lippen schwebte, schienen sie nur aus Furcht vor meinem Vater zu unterdrücken Im Ganzen schien es ihnen doch aufgefallen zu seyn, daß die wenige Aufmerksamkeit, die er der ganzen[65] jungen Gesellschaft bezeigt hatte, nur einzig auf mich gerichtet war. Wie froh war ich, als die Gesellschaft endlich Abschied nahm, und mich meinem Herzen überließ! Mein Vater gab mir sogleich gute Nacht, und hieß mich das Frühstück gegen sieben Uhr bereiten.

Selbst meinen Vater verließ ich gern, zum erstenmahl in meinem Leben. Ich ordnete das nöthigste für den morgenden Tag, und ging in mein Zimmer. Ich sank auf einen Stuhl neben dem Bette, und überließ mich den lieblichen Bildern, die allgewaltig auf meine Seele eindrangen.

Nur der vergangene Abend lag mir vor den Sinnen, aber in welchen[66] Zauberfarben, die mein ganzes Daseyn überglänzten, wie eine neu hervorbrechende Sonne! Mein Wesen ging mir in einer nie empfundenen erhöhten Kraft auf, eine Welt süßer Ahndungen umfaßte mich, und statt in flacher Dämmerung lag das Leben mit seinen Höhen und Tiefen klar vor meinem geistigen Auge. Immer fühlte ich den Druck seiner Hand aufs neue wieder, kindisch legte ich die meine auf die Gegend des Armes, die er berührt hatte, um gleichsam den Eindruck fest zu halten, und ihn in allen meinen Nerven wiedertönen zu lassen.

Holdes Zaubergefühl der Liebe, wo Sinn und Geist sich in einem allgewaltigen Klang vermählen! Ich[67] genoß diese einzigen Momente, voll und rein, in allem Reiz der süßen mystischen Dämmerung, die die Freuden der Liebe im Busen eines sittsam erzogenen Mädchens umschleiert. Mich hinzugeben dem unaussprechlichen, hohen und schönen, der mir als eine Göttergestalt erschien; in ihm, durch ihn nur zu leben, zu empfinden, – alles dieses ging mir in der Seele auf, und mein Inneres zerfloß in der Gewalt und im Wechsel dieser seligen Bilder. Die Stunde der Mitternacht ging so vorüber, und vergebens legte ich mich zum Schlummer, nachdem ich mir ein nettes, weißes Morgenkleid zurecht gelegt hatte. Holde Träume umfingen mich, und der Geliebte erschien[68] mir in tausend Gestalten und unter tausend verschiedenen Situationen.


Über die Autorin: Autorin ist Friedrich Schillers Schwägerin Caroline von Wolzogen, geborene von Lengefeld, die Schwester seiner Frau Charlotte. Sie liebte ihn, und er sie. Auch davon erzählt der Roman - in der verschlüsselten Logik einer traumhaften Phantasie. Schiller hat an ihm mitgearbeitet und den ersten Teil in seiner Zeitschrift "Die Horen" veröffentlicht. Anonym. Einige, so die Brüder Schlegel, glaubten, Goethe sei der Autor. Manche Ähnlichkeiten mit seinem kurz zuvor erschienen "Wilhelm Meister" waren unverkennbar. Als das Rätsel, an dem ganz Weimar mitriet, sich löste, machte der Roman Caroline von Wolzogen zu einer berühmten Frau. Goethe kritisierte an ihm einen Mangel an künstlerischer Bearbeitung, zeigte sich jedoch nach der Lektüre mit "Erstaunen" von dem Talent der Autorin begeistert. Er räumte ein, "daß eine solche Natur, wenn sie einer Kunstbildung fähig gewesen wäre, etwas Unvergleichliches hätte hervorbringen können." Ob die Autorin mit diesem Roman nicht doch etwas Unvergleichliches hervorgebracht hat, kann man jetzt überprüfen. Schon damals sahen das viele anders als Goethe. Zum Beispiel seine Mutter. Ihr hatte Christiane Vulpius im Auftrag des Sohnes den Roman zugeschickt, und sie bedankte sich mit den Worten: "0! lassen Sie dieser trefflichen Frau meinen besten Dank für dieses herrliche Produkt kund und zu wissen tun."

"Mit seiner Schwägerin Caroline verband Schiller bis zu seinem Tod eine intensive freundschaftliche, durch die gemeinsamen literarischen Interessen geförderte Beziehung.[3] Durch Beulwitz wurde wiederum der Kontakt geknüpft zu Caroline von Dacheröden sowie zum Erfurter Statthalter Karl Theodor von Dalberg, späterer Kurfürst in Mainz." (Wikipedia)


Der Morgen begann. – In wenigen Stunden wirst du ihn sehen, sagte ich mir – und die sonderbare Furcht, mit welcher der Mensch allem hoch und heilig geachteten begegnet, ergriff mich. Die schlaflose Nacht bewirkte auch noch physische Ermattung; mit zitternder Hand kleidete ich mich an, und schlich leise durch Rosinens Zimmer, um sie noch eine Stunde Schlaf genießen zu lassen. Kaum wagte ich zu athmen, als ich auf dem Vorsaal an der Thür des Geliebten vorbey kam. Aufs neue ergriff mich das Bild des vergangenen Abends, als ich in das[69] Wohnzimmer trat; die Magd war noch nicht aufgestanden, es zu reinigen, und es lag und stand noch alles umher, wie ich es am Abend verlassen hatte. Ich setzte mich auf den Stuhl, wo der geliebte Mann gestern gesessen hatte. Das Morgenroth flammte in Osten, die Häupter der Berge waren verklärt, und bald von Strahlen übergoldet. Die ferne Gebirgkette, und die niedern Hügel, die unser Thal einschlossen, schwammen im blauen Dufte des Herbstes, und das harmoniereichste Farbenspiel belebte die liebliche Landschaft. Silbern glänzte der Fluß aus den Schatten des Ufers, die sich allgemach verloren. Wie neu erschien mir diese liebe, so bekannt gewordene[70] Gegend. – Sein Bild war gemischt mit allem was mir erschien, und alles Schöne schien mir nur ein Theil seines Wesens. Die Magd trat herein, um das Zimmer zu reinigen, und nur um die Sonderbarkeit meines frühern Erwachens zu entschuldigen, berief ich sie über ihr spätes Aufstehen. Es ist so spät noch nicht, erwiederte sie, und der Fremde wird auch gerne ausruhen wollen. [...]

Der Empfang der Dame ließ mir keine Zeit, mich meinen Empfindungen zu überlassen; aber ich war[79] in der disharmonischsten Stimmung. Freude über die aufgeschobene Abreise, und diese neue Erscheinung, die sich so schnell zwischen meinen Freund und mich drängte, kämpften in meinem Busen. Sein Betragen schien mir gezwungener, seitdem sie unter uns war, und drückte doch Achtung und Neigung für sie aus. Ihre Züge waren schön, aber sie versprachen mehr Verstand, als Gefühl. Der Firniß der feinen Welt, der über ihr Betragen gezogen war, entfernte mich, ohne mir zu misfallen. Sie begegnete mir auch nur mit jener, Menschen von feinen Sitten mechanisch gewordenen Gefälligkeit.

Ihre Entfernung, mein liebster[80] Freund, hat mir Sorgen gemacht, sagte sie halb laut in französischer Sprache; ich fürchtete, es wäre Ihnen ein Unfall begegnet. Er dankte mit einer Beugung des Kopfes für ihre Theilnahme, und wandte sich dann gegen uns. – Ich habe in dieser liebenswürdigen Gesellschaft einen der glücklichsten Abende meines Lebens zugebracht, und wünschte, Sie hätten ihn mit mir genossen. Die Dame sah mich scharf an, und zeigte mir nach dieser Äußerung mehr Aufmerksamkeit. Nicht ein Wort entfiel, aus welchem mir ihr gegenseitiges Verhältniß hätte klar werden können. Es schien mir große Vertraulichkeit zwischen ihnen zu herrschen; vergebens wünschte ich den[81] Nahmen Schwester zu hören, und ich wagte es nicht, auszudenken, daß sie vielleicht verheirathet seyn könnten.

Als ich nach einem kleinen Geschäft ins Zimmer zurückkam, fühlte ich, daß man von mir gesprochen hatte. Die Dame bat mich, neben ihr zu sitzen, nahm meine Hand, freute sich, mich so unvermuthet kennen zu lernen, und hofte, wir würden uns bald und öfters wiedersehen, um uns näher zu kennen. Sein Auge war mit innigem Wohlgefallen auf uns geheftet. Ich fing an, die Dame als ein Band zwischen ihm und mir anzusehen; dieses gab vielleicht meinem Betragen gegen sie die Farbe der Neigung. Ach, ihn[82] zu sehen, in seinem Kreise zu athmen, wie viel schien mir dieses in dem Augenblicke der Trennung! Die Dame sprach viel und scharfsinnig mit meinem Vater über Literatur, fremde Länder und Sitten. Wie interessant könnte mir ihr Umgang seyn, wenn sie die Schwester des geliebten Mannes wäre!

Zum zweitenmahl kam der Moment des Abschiedes, aber die Lage war verändert. Die Reinheit der ersten ungemischten Empfindung war durch die Dazwischenkunft der Dame mit mehreren kleinen Leidenschaften gefärbt. Am mächtigsten wirkte der Stolz, die tiefen Bewegungen meines Herzens den Augen eines scharfbeobachtenden Weibes verbergen zu[83] wollen. Ich folgte der Gesellschaft mit einer sonderbaren Dumpfheit des Sinnes an den Wagen. Wir werden uns wieder sehen, mein bestes Kind, sagte die Dame, als sie mich beym Abschied umarmte; Ihr guter Vater hat es mir zugesagt. Der Geliebte drückte noch einmahl schweigend meine Hand an seine Lippen; er sagte kein Wort, das Hofnung des nahen Wiedersehens zeigte. Lieber Vater, sagte er noch mit einem Blick stiller Liebe zu uns, man steigt vom Himmel auf die Erde, wenn man von Ihnen scheidet; geben Sie mir Ihren Segen! Aber wie schmerzlich bebte mein Busen, als er sich gegen die Dame mit den Worten wendete: »Liebe Amalie, nicht wahr,[84] Sie fühlen es mit mir, daß man dieses gastfreundliche Haus nur ungern verlassen kann?« [...]"


"Ein großer bunter Vogel mit den glänzendsten Farben geschmückt, flog auf uns zu, und hielt ein Körbchen voll der schönsten Früchte in seinem Schnabel. Wir reichten beide nach den Früchten, aber der Vogel flatterte bei uns vorbei, lachte und rief Nordheimen zu: Noch nicht, sobald noch nicht, denn sie liebt dich nicht! Nordheim zog seine Hand aus der meinen, und eilte sich zu entfernen, ich warf mich zu seinen Füßen, weinte, wollte ihn zurück halten, aber vergebens, er war [423] verschwunden. Ich suchte ihn auf, aber wo ich auch hinfloh, so zog sich ein Kreis von Gebüschen, meist von wilden Rosen um mich her, und versperrte mir den Ausgang. War ich einmahl durch eine Lücke der Hecke entwischt, so bildete sich gleich wieder ein neuer Kreis, der zu einer schauerlichen Höhe empor wuchs. Julius stand mitten in solch einem Kreis, er trug die Rüstung eines alten Ritters, und über die Brust eine breite weiße Binde, die Blutflecken hatte. Ich näherte mich, er riß die Binde auf, und aus seiner Brust wuchs eine Blume von sonderbarer Gestalt und Farbe, die ich nie gesehen. Reiß mir die Blume von der Brust, sagte er mir ernsthaft, und ich befreie dich. Ich gab mir alle Mühe, die Blume[424] abzubrechen, aber vergebens. Er sah mir lächelnd zu, berührte die Rosenhecke um uns her mit seinem Degen, und es öfnete sich ein kleiner Fußpfad. Bald zertheilten sich die Gebüsche, vor uns lag Nordheims Schloß. Nordheim selbst näherte sich uns freundlich, und als wir alle drey dicht bei einander standen, flog derselbe bunte Vogel auf uns zu. Langsam ließ er sich über unsern Häuptern nieder, und als er die Erde berührte, sahen wir statt seiner einen wunderschönen Knaben. Er hielt denselben Teller mit Früchten, welchen uns der Vogel erst versagt hatte, wir eilten alle drei, das Kind zu umarmen.

Der Zauber dieser Traumgestalten wirkte belebend auf mein Gemüth,[425] wie die Gegenwart eines Freundes, und die alte Frau freute sich der sonderbaren Veränderung, die der Anblick des Kindes in mir bewirkt hatte.

In kurzem erschien der Arzt, ein Mann von mittlerem Alter, mit einer angenehmen Bildung und wohlwollenden Miene; er näherte sich mir mit Anstand, und erkundigte sich mit bescheidnen Fragen nach meinem Befinden.

Ich bemerkte bald, daß ihm die Gegenwart der Alten Zwang auflegte; als sie sich auf ein paar Augenblicke entfernen mußte, sagte er sanft: Vor allem wird es zu Ihrer Genesung beitragen, wenn Sie sich über Ihre, ich gestehe es, freilich sonderbare Lage an diesem Ort, keine[426] beunruhigenden Gedanken machen. Haben Sie Muth, und sorgen jetzt einzig und allein für Ihre Genesung! Die Alte kam zurück, ehe ich antworten konnte, und das Betragen des Arztes gegen sie, hieß mich jede Frage in ihrer Gegenwart unterdrücken.

Als sie auch entfernt auf meine Gemüthsstimmung deutete, und mich Muth fassen hieß, antwortete ich kalt, daß ich mir nichts bewußt wäre, wodurch ich ein böses Schicksal verdient hätte, und daß ich also auch keins befürchtete. [...]

Waldemar Bonsels: Die Biene Maja

 Waldemar Bonsels: Die Biene Maja (Lesemodus)

"[...] Peppis Rosenhaus

Als die kleine Maja erwachte, war es schon hell geworden. Sie fror ein wenig unter ihrem großen grünen Blatt, und die ersten Bewegungen, die sie machte, gelangen ihr nur schwerfällig und langsam. Sie hielt sich an einem Äderchen des Blattes fest und ließ ihre Flügel zittern und flimmern, damit sie geschmeidig und frei von Staub werden möchten. Dann glättete sie ihre blonden Haare und wischte sich die großen Augen blank. Vorsichtig kroch sie etwas weiter, bis an den Rand des Blattes, und schaute sich um.

Sie war ganz geblendet von der Pracht und dem Glanz der Morgensonne umher. Die Blätter leuchteten wie grünes Gold hoch über ihr, da, wo sie selbst saß, war es noch kühl im Schatten.

O du herrliche Welt, dachte die kleine Biene. [https://projekt-gutenberg.org/authors/waldemar-bonsels/books/die-biene-maja/chapter/4/?gl_reading_mode=1]


Ich kenne den Titel des Buches seit meiner Kindheit, kann mich nicht besinnen, es jemals in meiner Hand gehabt zu haben; aber ich kann das auch nicht ausschließen. Jedenfalls habe ich mich gefreut, jetzt in das Buch hineinschauen zu können und anderen über da oben angegebene Link, auch die Möglichkeit zu geben. 

Ich finde, es taugt immer noch zum Kinderbuch, allerdings wegen der etwas komplizierten und altertümlichen Sprache erst in einem höheren Alter, als es damals gewesen sein wird.

Besonders der Anfang ist mit seiner Personalisierung der Biene im Märchenton gehalten, aber andererseits doch wiederum so realistisch in der Darstellung, dass man sich sogar Gedanken darüber gemacht hat, ob es realistisch sei, dass eine Biene so lange außerhalb des Stockes überleben könne. 


Unabhängig von dem Kinderbuch interessiert der Erfolg des Buches in Verbindung mit seiner Nähe zum Nationalsozialismus. 

Links:

Sind in Bonsels "Die Biene Maja" Spuren von Bonsels Wertschätzung der NSDAP zu erkennen?

Maja, die Hakenkreuzbiene

Bonsels und die Biene Maja

War Bonsels Antisemit?

Und diese Biene die ich meine, war ein Nazi …

25 Februar 2026

Arthur Miller: Der Tod des Handlungsreisenden

 Arthur MillerDer Tod des Handlungsreisenden: Zwei Akte und ein Requiem, 1949

"Tod eines Handlungsreisenden beschreibt den Konflikt zwischen dem 63 Jahre alten William „Willy“ Loman und dessen 34-jährigem Sohn Biff. Willy Loman ist ein innerlich zerrissener Mensch, dessen Leben in einer Welt stattfindet, in der sich für ihn Vergangenheit und Gegenwart vermischen (in mehreren Szenen spricht er mit Personen, die nur in seiner Vorstellung anwesend sind, oder es werden Rückblicke gezeigt, manchmal vermischt sich auch beides). Biff hat seinem Vater nie verziehen, dass er einst, während einer Geschäftsreise, seine Mutter mit einer anderen Frau betrogen hat, ging deswegen nicht zur Sommerschule, bekam seinen Abschluss nicht, konnte nicht studieren und schlägt sich mit vielen verschiedenen Jobs durchs Leben. [...]" (Wikipedia)

2. Akt:
"[...] Biff: Seit meiner Schulzeit habe ich mich durch Klauereien um jede gute Stellung gebracht.
Willy: Und wessen Schuld ist das?
Biff: Und ich hab’s nie zu was gebracht, weil du mir solche Flausen in den Kopf gesetzt hast, dass ich glaubte, ich brauchte mir von niemanden etwas sagen zu lassen. Und wessen Schuld ist das?
Willy: Ich nehme es zur Kenntnis.
[...]
Biff: Es wird höchste Zeit, dass du zur Kenntnis nimmst! Innerhalb von zwei Wochen musste ich es mindestens bis zum Generaldirektor gebracht haben. Aber jetzt habe ich die Nase voll!
Willy: Dann häng dich doch auf!– Häng dich auf! /
Biff: Nein! Ich denke nicht daran, mich aufzuhängen! Ich bin heute, mit dem Füller in der Hand, elf Treppen runtergerannt. Und mit einem Mal bin ich stehen geblieben, verstehst du? Und zwar mitten in dem Bürohaus, verstehst du? Ich bin mitten in dem Gebäude stehen geblieben und habe – den Himmel – gesehen. Ich habe all das gesehen, was ich an dieser Welt liebe. Arbeit und Essen und genug Zeit, um sich hinzusetzen und eine Zigarette zu rauchen. Und ich habe mir den Federhalter angeguckt und mich gefragt, warum, zum Teufel ,ich ihn genommen habe? Warum ich versuche, etwas zu werden, was ich nicht sein will? Was ich in einem Büro zu suchen habe, warum ich einen verächtlichen, armseligen Narren aus mir mache, wo doch alles, was ich mir wünsche, da draußen vorhanden ist. Und nur darauf wartet, dass ich endlich sage: ich weiß, wer ich bin! Warum kann ich das nicht sagen, Vater?
Er möchte, dass Willy im Rede steht, aber Willy wendet sich ab und geht nach links.
Willy voller Hass, drohend: Die Tür zum Leben steht weit offen für dich!
Biff: Ich bin nur Dutzendware, Papa, du aber auch!
Willy wendet sich in einem hemmungslosen Ausbruch gegen ihn: Ich bin keine Dutzendware! Ich bin Willy Loman, und du bist Biff Loman!  [...]" (S.206/ 207)

REQUIEM
[...]
Biff: Es hat so hübsche Zeiten gegeben. Wenn er von der Reise zurückkam; oder sonntags, wenn wir die Veranda, zimmerten; oder beim Ausbauen des Kellers; oder der Loggia; oder wie er das Extra-Badezimmer gebaut hat und die Garage. Ich will dir was sagen, Charley, in unserer Veranda, da steckt mir von ihm drin als in seinen ganzen Geschäften.
Charley: Ja. Mit einem Eimer Zement war er glücklich.
Linda: Er war so wunderbar geschickt.
Biff: Nur seine Träume waren falsch. Die waren alle falsch.
Happy: will beinah auf Biff losgehen: Sag das nicht!
Biff: Er hat nie gewusst, wer er war.
Charley hält Happy zurück und antwortet für ihn: Niemand soll einen Stein auf diesen Mann werfen. Begreif doch: Willy war Reisender. Und für einen Handlungsreisenden hat das Leben keinen festen Boden. Er baut keine Häuser, er spricht kein Recht, er verschreibt keine Medizin. Er ist ein Mann, der irgendwie in der Luft schwebt, der mit seinem Lächeln reist und mit seiner Bügelfalte. Und wenn sein Lachen nicht mehr erwidert, wird – dann stürzt eine Welt ein. Dann wird sein Hut speckig, und es ist aus / mit ihm. Niemand werfe einen Stein auf diesen Mann. Ein Handlungsreisenden muss träumen, mein Junge. Das gehört zu seinem Beruf. [...] " (S.211/12)

19 Februar 2026

The Twilight of the Souls

Eine Lektüreanregung an mich, der ich vorläufig nicht nachgehen kann:

Louis_Couperus 

Roman: Originaltitel: De boeken der kleine zielen. Zielenschemering (1902)

Übersetzung:

https://en.wikisource.org/wiki/The_Twilight_of_the_Souls/Chapter_I

https://en.wikisource.org/wiki/The_Twilight_of_the_Souls/Chapter_II

14 Februar 2026

Werner Bergengruen: Zwieselchen

 Werner Bergengruen: Zwieselchen

Zwieselchen ist ein Buch von Werner Bergengruen für Kinder im Kindergartenalter. 

Die einzelnen Geschichten dieser Sammlung hatte der Autor für seine eigenen Kinder verfasst. Sie wurden zuerst 1931 in fünf einzelnen Büchern veröffentlicht: „Zwieselchen im Warenhaus“, „Zwieselchen im Zoo“, „Zwieselchen und Turu-Me“, „Zwieselchen und der Osterhase“ und „Zwieselchens große Reise“. 1933 erschienen dann alle Geschichten der fünf Teile in einem Band, der 1971 die 16. Auflage erlebte (insgesamt 104.000 Exemplare). In den „Zwieselchen“-Geschichten erfahren die kleinen Zuhörer oder Leser, wie ein kleiner Junge aus Berlin seine Umwelt erlebt und bewältigt.

Zwieselchen telefoniert zum ersten Mal  S.3

das Spielzeugautorennen S,8
 
Zitat: "Ich erzähle euch, was der Gebrüderschmidt Junior alles haben wollte und wie er plötzlich gar nicht mehr da war
"[...] Und wissen Sie was? Sie müssen auch noch ein Motorboot kaufen, ganz bestimmt! Wenn sie erst die Autos haben, dann können Sie doch in zehn Minuten am / Wannsee sein, und da werden sie gewiss Lust haben, auf dem Wasser spazieren zu fahren und Goldfische zu fangen. Außerdem ist er sehr praktisch, weil sie immer das Benzin von den Autos auch für das Motorboot brauchen können, und das Benzin von Motorboot für die Autos."
"Ja", sagte das Zwieselchen, "das wird wohl so sein."
"Also schön, ich sehe schon, Sie sind sehr vernünftig, Herr Soundso, sagte Herr Gebrüderschmidt Junior. Das Motorboot ist wirklich ausgezeichnet, es hat 25.000 Tonnen."
"Wozu denn Tonnen?" fragte das Zwieselchen.
"Ach, das sagt man nur so bei Motorbooten, erklärte Herr Gebrüderschmidt Junior. So wie man bei Äpfeln oder Backpflaumen immer 'Pfund' dazu sagt. Das wäre also abgemacht. Jetzt müssen wir noch noch eine Kleinigkeit besprechen. Haben Sie auch genug Geld?.
Daran hatte das Zwieselchen noch gar nicht gedacht, und darum erschrak es ein bisschen, als ist der nachgefragt wurde. "Nein", sagte es schließlich. "Aber neulich hatte ich noch 10 Pfennige, die hatte meine Mutter mir geschenkt, damit ich dem Bibi Pfefferminz kaufen konnte, weil er mich doch zum Geburtstag eingeladen hatte."
Herr Gebrüderschmidt Junior machte ein strenges Gesicht und sagte: "Na, hören Sie mal, Herr Soundso.  Das finde ich aber sehr schlimm. Sie kaufen hier mir hier alle meine Sachen ab, und dann haben sie gar kein Geld!
Das Zwieselchen schämte sich sehr und antwortete nichts / [...] Ich glaube, da muss ich doch erst meine Eltern fragen."
Ach, ihre werten Eltern wohnen bei Ihnen im Hause, Herr Soundso? Aber das tut nichts; wenn sie erst die fünf Autos haben, dann brauchen ihre Eltern das Haus auch nicht mehr, dann können ihre Eltern ja auch immer zu Auto fahren, und die Else kann es auch. [...] Nun lief das Zwieselchen, so schnell es konnte, zur Else in die Küche und sagte:
"Denke nur, Else, wie schrecklich! Ich soll dem Herrn Gebrüderschmidt Junior alle meine Bilderbücher geben und mein Schaukelpferd und meinen Roller und meinen Holländer und alle Silbersachen, die in der Kommode im Esszimmer sind, und das ganze Haus!"
"Na, sowas!" sagte die Else und stopfte weiter ans Zwieselchens Strümpfen.[...]
"[...] Er soll bloß weggehen! Du musst ihm das sagen, Else."
"Nein, das musst du ihm selber sagen, Zwieselchen. Aber wenn du so viel Angst vor ihm hast, dann kann ich ja mal mitkommen."
Nun nahm Else das Zwieselchen bei der Hand und ging mit ihm ins Wohnzimmer. Aber kaum waren sie im Wohnzimmer drin, da machte das Zwieselchen, ganz große, verwunderte Augen, und der Mund blieb ihm offen stehen vor Staunen.
"Onkel Sebastian!" schrie das Zwieselchen. Da sitzt ja der Onkel Sebastian! " (S. 13-17). 

Zwieselchen im Zoo S.23 
der Löwe im Zoo erzählt, wie er aus Afrika in den Zoo kam S.34
der Kurzschluss (Stromausfall) S.58

Großmutter erzählt, wie man früher mit den Zigeunern lebte:
Die Großmutter erzählt, was Turu-Me für wunderbare Dinge konnte.
"Ach, Großmutter, und da ist ja richtig dein Freund geworden, so Bibi, mein Freund ist?", fragte das Zwieselchen.
"Ja", sagte die Großmutter, "darum habe ich ihn auch so oft in seiner Kammer besucht, und er hat mir herrliche Dinge gemacht. Denn das ist kaum zu glauben, was Turu-Me alles konnte und was er mir alles gezeigt und geschenkt hat, in der langen Zeit, die er bei uns war."
"War er denn so lange bei euch?" fragte das Zwieselchen, "und wurde sein Fuß denn nicht besser?"
 "Doch, der Fuß wurde besser", erzählte die Großmutter weiter. "Aber es ging recht langsam, damit. Als Turu-Me viele Wochen gelegen hatte, da konnte er erst aufstehen, und dann humpelte er und stützte sich auf einen Stock. Das war schon im Winter, und es war sehr kalt. Darum war Turu-Me auch wohl froh, dass er in einem warmen Haus sein konnte und nicht auf der Landstraße zu frieren brauchte. Mein Vater gab ihm allerlei Arbeiten im Haus und im Hof, und dazwischen half er der Köchin oder dem Schmied oder dem Sattler und flickte Kessel und schliff Messer und Scheren, und alle hatten ihn gern, aber am liebsten hatte ich ihn, / weil ich doch seine Freundin war und er mein Freund. Und denke dir nur, was er machte – lauter Dinge, die kein anderer konnte. Einmal fand er irgendwo eine alte Schublade von einer zerbrochenen Kommode, daran nagelt er ein Brettchen zum Anfassen, und darüber spannte er ein paar Drähte. Das war sein Musikinstrument. Als es Frühling wurde, setzt er sich damit auf die Bank vor der Herberge in die Sonne, während der schmelzende Schnee vom Dach tröpfelte und am Himmel weiße Welt herum rannten wie winzige Zickelchen. Und dann macht er seine Musik, und ich kam angelaufen und setzte mich neben ihn und konnte gar nicht genug bekommen vom Zuhören. Denn obwohl mein Vater Flöte blasen und mein älterer Bruder schon Klavier spielen konnte, so fand ich doch, dass Turu-Me die allerschönste Musik machte, die ich je gehört hatte, und wenn ich heute daran zurückdenke, dann kommt es mir auch so vor."
Turu-Me sah mich an und lachte, und dann fragte er, ob er singen sollte. Ich sagte: "Ach ja, bitte, bitte!" Und nun sang er Lieder, die ich noch nie gehört hatte. Eins von Ihnen fing an:
 "Zinker, Zanker, Zaule.
schöner brauner Gaule."

Und ein anderes hieß:

"Schwarzer Hund hat Mond gefressen,
fetten, gelben Mond.
Schwarzer Hund hat platzen müssen.
 piri romi lo." /
Damals damals wusste ich noch viel mehr Lieder, die Turu-Me mir vorgesungen hatte, bis ich sie mitsingen konnte, aber heute weiß ich sie nicht mehr. Auch ein paar Worte in der Zigeunersprache habe ich von ihm gelernt, aber die habe ich alle wieder vergessen, weil es doch so lange her ist.
"Schade", meinte das Zwieselchen. "Ich hätte so gern gehört, wie die Zigeunersprache ist. Aber vielleicht lerne ich sie, wenn ich in die Schule komme." [...]  (S.79-82)
 
Zwieselchen im Warenhaus Wertheim S.94 
Zwieselchen geht verloren S.111 
Zwieselchen ertappt eine Diebin  S.119
Zwieselchen schläft im Warenhaus ein und träumt von einer Reise nach dem Winterland und nach Italien S.134
Aus der Erinnerung eines Erwachsenen: Wie er sich im Kaufhaus verläuft, und dann hat er einen ganz langen Traum, in dessen Verlauf er dann auch irgendwann Frau und Kinder hat (und befreundet ist mit dem Zwerg Kitsch aus der alten Zeit). Und seine Oma erzählt ihm die Geschichte darüber, wie der "Zigeunerjunge" einen Igel in Lehm brät. 
Zwieselchen und das Osterwasser S.168 
Zwieselchen rettet den Osterhasen S.193 
Zwieselchen reist ans Meer S.216

13 Februar 2026

Robert Harris: Konklave

 Robert Harris: Konklave

Das Buch liest sich gut und ist geeignet, eine Vorstellung dafür zu entwickeln, wie die Vorgänge sich abgespielt haben könnten und wie unterschiedlich die Personen und ihre Interessenlagen sind.

Das Buch ist freilich - wie Harris' Bücher über Cicero - eine differenzierte Darlegung darüber, wie die Vorgänge sich im einzelnen abgespielt haben. Das ist aber auch nicht die Aufhabe eines solchen Buches.

sieh auch: https://fontanefan3.blogspot.com/2025/04/robert-harris-imperium.html


12 Februar 2026

Hermann Hesse: Demian

 Hermann Hesse: Demian, 1919

Inhalt Wikipedia:
"Der Schriftsteller Emil Sinclair erzählt im Rückblick die Geschichte seiner Kindheit und Jugend. Stufenartig wird die Entwicklung des Protagonisten vom zehnjährigen Lateinschüler zum 18-jährigen Studenten und dann zum jungen Soldaten geschildert. Mit jeder Etappe gewinnt er an Selbstvertrauen und eigenem Charakter, mit jedem Schritt findet Sinclair mehr zu sich. Zugleich aber enthält der Roman eine radikale Kritik der dualistischen christlichen Moral und Dogmatik mit dem Ziel, eine anders geartete, bipolarische und nichtpatriarchale Kultur zu schaffen. Symbol dieses Kulturwandels ist die große Eva-Mutter, aus der am Ende eine neue Menschheit hervorgeht.

Einstieg

Mancher wird niemals Mensch, bleibt Frosch, bleibt Eidechse, bleibt Ameise. Mancher ist oben Mensch und unten Fisch. Aber jeder ist ein Wurf der Natur nach dem Menschen hin. Und allen sind die Herkünfte gemeinsam, die Mütter, wir alle kommen aus demselben Schlunde; aber jeder strebt, ein Versuch und Wurf aus den Tiefen, seinem eigenen Ziel zu. Wir können einander verstehen; aber deuten kann jeder nur sich selbst.“[2]

Zwei Welten

Im frühesten Kindesalter spürt Sinclair die Existenz zweier Welten in seinem Leben: Die eine ist die warme, lichte, geborgene, saubere und liebe Vater- und Mutterwelt. Ihr gegenüber steht die andere, die verbotene, dunkle, böse, allgemein gegensätzliche Welt, die ihm spannender und verlockender erscheint. Diese fremde Welt begegnet dem sozial höhergestellten Lateinschüler Sinclair in dem drei Jahre älteren Volksschüler und Schneidersohn Franz Kromer. Mit einer erfundenen kleinen Räubergeschichte von einem Apfeldiebstahl, mit der er seinen Kameraden imponieren will, kommt er in die Knechtschaft Kromers. Dieser droht ihm, ihn anzuzeigen, wenn er kein Schweigegeld zahlt. Da er es nicht aufbringen kann – Sinclair bekommt, obwohl seine Eltern wohlhabend sind, zur Verwunderung Kromers kein Taschengeld –, lässt dieser ihn andere, demütigende Dinge tun. Der naive Sinclair fühlt sich immer mehr in die dunkle Welt hineingezogen, weil er zu Hause Geld stiehlt und sich nicht traut, seinen Eltern die Wahrheit zu beichten. In den kommenden Wochen wird er von Albträumen und Angstzuständen geplagt, seinen Eltern gegenüber verhält er sich zunehmend verschlossen. Sinclair bekennt: „Was ich in diesen Träumen erlebte und was in der Wirklichkeit, das kann ich längst nicht mehr genau trennen.“ Er wird immer mehr von Kromer unter Druck gesetzt und ausgenutzt und sieht angstvoll der Zerstörung seiner bisher heilen Welt entgegen.

Kain

Die Rettung aus dieser Zwangssituation kommt von einem neuen Schüler, dem mehrere Jahre älteren Max Demian. Dieser weckt das Interesse der Mitschüler durch sein intelligentes und erwachsenes Auftreten. Bei einem Spaziergang erzählt Demian Sinclair seine eigene Interpretation der Geschichte von Kain und Abel, wonach das Kainsmal keine offen sichtbare, also körperliche Markung seiner Schuld sei, sondern ein Zeichen von Überlegenheit und Charakterstärke. Er erkennt, dass Sinclair unter der Macht Kromers leidet, und schlägt ihm vor, die Kunst des „Gedankenlesens“ auszuprobieren. Dieser fragt sich verwundert: „Sprach da nicht eine Stimme, die nur aus mir selber kommen konnte? Die alles wusste? Die alles besser, klarer wusste als ich selber?“ Demian spricht mit Kromer und dieser lässt von da an sein Opfer in Ruhe. Sinclair verfällt in Euphorie, vermag aber nicht, gegenüber Demian Dankbarkeit zu empfinden. Stattdessen zieht er sich wieder in die heile Welt des Elternhauses zurück.

Der Schächer

In der Pubertät angekommen, spürt Sinclair Triebe aufkeimen, die er auf die dunkle Welt zurückführt. Er erkennt schließlich, dass auch diese in ihm stecken und er sie nicht einfach vergessen oder verdrängen kann. Im Konfirmationsunterricht trifft Sinclair erneut auf Demian. Die beiden kommen sich wieder näher, und es entwickelt sich eine Freundschaft. Ausgangspunkt ihrer weltanschaulichen Gespräche ist die Kreuzigungsgeschichte und die unterschiedliche Beurteilung der beiden mit Jesus hingerichteten Verbrecher. Hier zieht Demian eine Parallele zu seiner „Kain und Abel“-Interpretation. Sinclair sieht in Demian zunehmend einen Seelenbruder. Unter anderem zeigt dieser ihm, wie sich Menschen allein durch einen eigenen, starken Willen steuern lassen. Vor allem beeinflusst Demian ihn mit seinen kritischen Ansichten von Einseitigkeit des christlichen Gottes- und Weltbildes. Den biblischen Gott hält er für unvollkommen, da er nur die gute offizielle Hälfte vertrete, während die andere Hälfte, v. a. der sexuelle Bereich des normalen Lebens, dem Teufel zugeschrieben und von der Gesellschaft ohne Differenzierung totgeschwiegen werde. Sinclair erkennt in dieser Sicht seinen eigenen Widerspruch zwischen den zwei Welten und wird gewahr, dass dies kein persönlicher, sondern ein kulturell bedingter Konflikt ist. „In mir trafen diese Worte das Rätsel meiner ganzen Knabenjahre, das ich jede Stunde in mir trug und von dem ich nie jemandem ein Wort gesagt hatte.“ Demian sieht sich und seinen Freund als Vorbilder für eine andere Art zu leben, denn auch die Gedanken der anderen Hälfte müssten gelebt werden. Jeder müsse selbst für sich entscheiden, was ihm erlaubt und was verboten ist, da sich Regeln genauso wie gesellschaftliche Konventionen mit der Zeit ändern und Verbote nur in ihrer jeweiligen Zeitspanne gelten würden. Kurz vor der Konfirmation scheint sich Demian von Sinclair zu distanzieren. Emil sieht Max zum ersten Mal im Zustand der Meditation, seine eigenen Versuche gelingen ihm jedoch nicht. Nach der Konfirmation beginnt für ihn eine Zeit, in der die Kindheit um ihn her in Trümmer fällt.

Beatrice

Mit etwa 14 Jahren wechselt Sinclair auf das Gymnasium in St. und wohnt in der Knabenpension eines Lehrers. Fern von Demian nehmen seine seelischen Probleme wieder zu. Er wird durch Alfons Beck, den ältesten seiner Pension, zum Trinker und erlebt seine ersten Alkoholexzesse, so dass er mit der Zeit als berühmter Kneipenbesucher bekannt wird und ein immer selbstzerstörerischeres Verhalten an den Tag legt. Indes herrscht in seinem Innersten ein zwiespältiges Gefühlschaos: Während er sich zum Teufel und zur dunklen Welt abgeglitten sieht, sehnt Sinclair sich nach einer neuen Liebe und nach seinem Freund Demian. Auch anderen Leuten erscheint Sinclair als ein seelisches Wrack, allen voran seinen Eltern, die ihn bei einem Besuch kaum wiedererkennen und befürchten, dass er von der Schule verwiesen wird. Sein innerer Konflikt beginnt sich zu lösen, als er einer jungen Frau begegnet, die er heimlich verehrt. Er nennt sie Beatrice, in Anlehnung an ein englisches Gemälde, das er stets bei sich trägt und das Dantes Jugendliebe Beatrice Portinari zeigt. Er verklärt sie zu einem Heiligtum und kehrt der bösen Welt schlagartig den Rücken. Manchmal ganz in einer Traumwelt lebend, beginnt er, Zeichnungen von seiner Beatrice anzufertigen. In diesen erkennt er Merkmale und Gesichtszüge von Demian und später auch von sich selbst: „Das Bild glich mir nicht – das sollte es auch nicht, fühlte ich – aber es war das, was mein Leben ausmachte, es war mein Inneres, mein Schicksal oder mein Dämon.“ Durch eine innere Verbundenheit mit den Bildern entwickelt er ein neues Ideal, das ihn leitet. Seine Schulnoten verbessern sich wieder, aber seine Wandlung isoliert ihn von den Kameraden. Er lebt „in einer ganz unwirklichen Welt“ mit Träumen und Erwartungen. Schließlich zeichnet der jetzt 16-Jährige nach dem Vorbild des Wappenvogels über dem Portal seines Elternhauses, auf den ihn einst Demian aufmerksam gemacht hat, das Traumbild eines Vogels, der aus einer Weltkugel hervorkommt, und sendet es an seinen Freund.

Der Vogel kämpft sich aus dem Ei

Bald darauf findet Sinclair in seiner Schulklasse einen kleinen Zettel in seiner Mappe, auf dem Demians Worte stehen: „Der Vogel kämpft sich aus dem Ei. Das Ei ist die Welt. Wer geboren werden will, muss eine Welt zerstören. Der Vogel fliegt zu Gott. Der Gott heißt Abraxas.“ Schon in der nächsten Unterrichtsstunde erfährt Sinclair, dass Abraxas der Name einer Gottheit ist, die Göttliches und Teuflisches vereint. Sein Interesse an dieser mysteriösen Göttergestalt ist augenblicklich geweckt. Nach erfolgloser Suche in der Bibliothek gelangt Emil, von seinem Verlangen nach Musik geleitet, zu dem Organisten namens Pistorius, einem ehemaligen Theologiestudenten. Dieser erzählt Sinclair einerseits von Abraxas als dem Einenden der zwei gegensätzlichen Welten, andererseits von dem „großen Menschheitsbesitz“, den jeder Mensch mit sich trage. All das, was jemals in einer Menschenseele gelebt habe, befinde sich auch in jedem einzelnen Individuum. Wer sich dessen bewusst sei, sei Mensch im eigentlichen Sinn. Pistorius hegt Zweifel am christlichen Gottesbild, verweist auf Abraxas und bestärkt Sinclair darin, sich mehr auf die eigene Stimme zu verlassen als auf die Meinung anderer.

Jakobs Kampf

Unterdessen zieht Sinclair durch seine Ausstrahlung den spirituell suchenden Mitschüler Knauer an, doch er kann ihm nicht helfen und sagt ihm, er müsse seinen eigenen Weg suchen. Knauer ist verzweifelt und Emil verhindert, von einer inneren Macht an den Unglücksort gezogen, seinen Selbstmord. Gegen Ende seiner Gymnasialzeit trennt sich der inzwischen 18-jährige Sinclair von seinem Führer Pistorius, der sich trotz seiner Botschaft zur Selbstfindung an traditionelle Werte, die Tradition seiner Musik, gebunden fühlt und Sinclairs radikalen Schnitt für sich nicht vollziehen kann. Der individuelle Weg, schicksalhaft nur den inneren Bedürfnissen entsprechend zu leben und auch Verbrechen nicht auszuschließen, bedeute die extreme Einsamkeit: „Wer wirklich gar nichts will als sein Schicksal, der hat nicht seinesgleichen mehr, der steht ganz allein und hat nur den kalten Weltenraum um sich. […] das ist Jesus im Garten Gethsemane.“ Emil dagegen hat erkannt, dass es für erwachte Menschen wichtig ist, dem ureigenen Weg zu folgen, indem man auf sein Inneres hört. Für jeden existiere ein eigenes „Amt“, das ihm das Schicksal zuweise, und dem er nachgehen müsse.

Frau Eva

Mit 18 Jahren beginnt Sinclair das Studium der Philosophie an der Universität H. Er betrachtet nun die Kneipengänger aus einer vollkommen anderen Perspektive und fühlt sich dieser Welt nicht mehr zugehörig. Er trifft – durch sein inneres Verlangen geleitet – wieder auf Demian und dieser lädt ihn in das Haus seiner Mutter ein. In der Halle hängt sein Sperberbild, das er dem Freund geschickt hat, und Sinclair erkennt, dass Demians Mutter, von ihren Vertrauten „Frau Eva“ genannt, dem oft von ihm gezeichneten Traumgesicht gleicht. Sie wird zu seinem neuen Leitbild, ist für ihn Dämon und Mutter, Schicksal und Geliebte, schön und verlockend, und gibt ihm die Kraft, ohne Angst und Unsicherheit auf sich selbst vertrauen zu können: „Meine Liebe zu Frau Eva schien mir der einzige Inhalt meines Lebens zu sein. Aber jeden Tag sah sie anders aus. Manchmal glaubte ich bestimmt zu fühlen, dass es nicht ihre Person sei, nach der mein Wesen hingezogen strebte, sondern sie sei nur ein Sinnbild meines Innern und wolle nur tiefer in mich selbst hinein führen. Oft hörte ich Worte von ihr, die mir klangen wie Antworten meines Unbewussten auf brennende Fragen, die mich bewegten.“ Frau Eva, Sinclair und Demian bilden in den kommenden Monaten eine enge, harmonische Gemeinschaft und den Kern eines Kreises „Suchende[r] von sehr verschiedener Art“, die sich durch das Kainszeichen und durch ihre Kritik an der „schreiende[n] Verödung des Geistes“ im jetzigen Europa verbunden fühlen. Gemeinsam bereiten sie sich auf den Zusammenbruch und die Neugeburt Europas vor, die sie erfühlen und für notwendig halten. Frau Eva spürt Sinclairs Liebe zu ihr und erklärt ihm, dass sie sich ihm nicht verschenken, sondern von ihm gewonnen werden will, indem seine Liebe sie zu ihm zieht.

Anfang vom Ende

Nach einigen Monaten des Glücks in der „Trauminsel“ in H. ahnt Sinclair, dass dieser Zustand nicht anhalten wird und er wieder in der kalten Welt der anderen stehen würde. Er sucht Hilfe bei Frau Eva und fasst sein ganzes Bewusstsein zusammen, um die Geliebte zu sich zu ziehen. Doch sie folgt ihm nicht, sondern schickt ihm Demian, der ihm die Wende verkündet: Die Welt scheint zusammenzustürzen, der Erste Weltkrieg hat begonnen. Die Freunde werden Soldaten und kämpfen an der Front. Sinclair spürt, dass der von dem Kreis der Erleuchteten ersehnte Zusammenbruch des alten Systems beginnt, und deutet dementsprechend den Hass der Gegner aufeinander: „Die Urgefühle, auch die wildesten, galten nicht dem Feinde, ihr blutiges Werk war nur Ausstrahlung des Innern, der in sich zerspalteten Seele, welche rasen und töten, vernichten und sterben wollte, um neu geboren werden zu können. Es kämpfte sich ein Riesenvogel aus dem Ei, und das Ei war die Welt, und die Welt musste in Trümmer gehen.“ In einer Vision sieht Sinclair in einer Wolke Frau Eva als mächtige Muttergöttin, die die Menschheit in sich aufnimmt, um sie neu zu gebären. Aus ihrer Stirn löst sich ein Stern. Es ist ein Geschoss, das Sinclair schwer verwundet. Im Lazarett liegt der sterbende Demian neben ihm und sagt ihm, dass er ihn nicht mehr wie damals vor Kromer beschützen kann. Aber er sei in ihm und er müsse in sich hineinhorchen. Dann gibt er dem Freund einen Kuss von Frau Eva. Sinclair findet fortan den Freund und Führer in sich selbst, dort „wo im dunkeln Spiegel die Schicksalsbilder schlummern“, und dieser ist eins mit ihm geworden."

meine Inhaltsangabe zur Zeit meiner Erstlektüre (1960/70?)
Vorwort: Jeder Mensch ist einmalig, "in jedem ist der Geist Gestalt geworden", und jeder strebt "seinem eigenen Ziele zu".
1.Kapitel: Zwei Welten:
Für Sinclair gab es immer zwei Welten, eine lichte Welt der Ordnung, Liebe und Klarheit, die von seinen Eltern repräsentiert wurde, und die dunkle Welt, der Unruhe und der Sinnlichkeit, die aufregend und deshalb anziehend war, obwohl er wusste, dass sie verboten und gefährlich war. Diese Welt war überall außerhalb des Einflussbereiches der Eltern.
Diese dunkle Welt brach in der Person des Franz Krombach, dem Sinclair, um ihm zu imponieren, eine Geschichte von einem Apfeldiebstahl vorgelogen hatte, in Sinclairs Leben ein. Dieser erpresste ihn mit der Drohung, dies angebliche Vergehen zu verraten, zu allerlei kleineren Diebstählen und Taten der Unterwerfung unter Franzens willen. Dadurch entfremdete er Sinclair seinen Eltern, so dass dieser (Sinclair) keine Möglichkeit sieht, sie um Hilfe anzugehen."

Dies Buch war das einzige Buch von Hesse, das mir von Anfang an großen Eindruck gemacht hat. Ich nehme daher an, dass ich es am Ende meiner Gymnasialzeit (das Wahrscheinlichere) oder im Anfang meines Studiums gelesen habe (auf jeden Fall vor dem 16.3. 1984, denn so ist der folgende Eintrag notiert). Imponiert hat mir damals der gut-böse Gott, der nicht einer der beiden Welten zuzuordnen ist.  Wikipedia: "Als Zeitzeuge äußerte sich Thomas Mann: „Unvergesslich ist die elektrisierende Wirkung“ des Demian, „eine Dichtung, die mit unheimlicher Genauigkeit den Nerv der Zeit traf und eine Jugend, die wähnte, aus ihrer Mitte sei ihr ein Künder ihres tiefsten Lebens entstanden (während es ein schon Zweiundvierzigjähriger war, der ihnen gab, was sie brauchte), zu dankbarem Entzücken hinriß“."[41]  [heute: midlife-crisis].