Die Meursault-Ermittlungen (französisch: Meursault, contre-enquête) sind der erste Roman des algerischen Schriftstellers und Journalisten Kamel Daoud. Es handelt sich um eine Nacherzählung von Albert Camus’ Roman „Der Fremde“ aus dem Jahr 1942. Die Erstveröffentlichung in Algerien erfolgte im Oktober 2013 durch Barzakh Editions, eine Neuauflage in Frankreich durch Actes Sud (Mai 2014). Nach der französischen Veröffentlichung wurde das Buch für zahlreiche Preise und Auszeichnungen nominiert.
Inhalt: Bezug zu Camus’ „Der Fremde“
Meursault, der Protagonist in Albert Camus’ Roman „Der Fremde“, ermordet eine Person, die nur als „der Araber“ bekannt ist. Vor Gericht erklärt er, der Mord sei eine sinnlose Geste gewesen, ausgelöst durch einen Sonnenstich oder Gottes Abwesenheit. Camus lässt Meursaults Opfer namenlos, Kamel Daoud gibt ihm jedoch einen Namen: Musa. Die Meursault-Ermittlungen greifen diese Ereignisse erneut auf, diesmal jedoch aus der Perspektive von Harun, Musas Bruder.
Für Daoud ist die Benennung von Meursaults namenlosem Opfer mehr als nur die Wiederbegegnung mit einer Nebenfigur. In einem Interview mit der Los Angeles Review of Books sagte Daoud: „Seit dem Mittelalter hat der weiße Mann die Angewohnheit, Afrikas und Asiens Berge und Insekten zu benennen, während er den Menschen, denen er begegnet, die Namen verweigert. Indem er ihnen die Namen nimmt, verharmlost er Mord und Verbrechen. Indem man seinen eigenen Namen annimmt, beansprucht man auch seine Menschlichkeit und damit das Recht auf Gerechtigkeit.“[1]
Im selben Interview, auf die Frage nach seiner Motivation zum Schreiben des Buches, betonte Daoud die zentrale Bedeutung von „Der Fremde“ für seine Identität als algerischer frankophoner Schriftsteller.[1] In anderen Publikationen bestätigte Daoud die zentrale Rolle, die „Der Fremde“ bei der Entstehung von „Die Meursault-Ermittlungen“ spielte, und bezeichnete seinen Roman als „Dialog mit Camus“.[2]
Daoud bezieht sich in seinem Roman auch auf einen weiteren Roman von Camus, „Der Fall“.
Kritische Rezeption
Nachdem das Buch 2015 von John Cullen ins Englische übersetzt und von Other Press veröffentlicht worden war, erhielt es positive Kritiken in englischsprachigen Publikationen. Azadeh Moaveni nannte es in der Financial Times „vielleicht den wichtigsten Roman, der in jüngster Zeit aus dem Nahen Osten hervorgegangen ist“.[3] Laila Lalami beschrieb es in der New York Times Book Review als Daouds „vielschichtigen und einfallsreichen neuen Roman“.[4] Michiko Kakutani nannte es „atemberaubend“.[5] Im April 2015 wurde ein Auszug aus „Die Meursault-Ermittlungen“ im New Yorker veröffentlicht.[6]
Religiöse Kontroverse in Algerien
Am 16. Dezember 2014 wurde über eine mittlerweile gesperrte Facebook-Seite eine Morddrohung gegen Daoud ausgesprochen.[2] Abdelfattah Hamadache, der radikal-islamistische Prediger, der die Fatwa erließ, führt eine salafistische Gruppe namens Islamische Erweckungsfront an.[2] Hamadache bezeichnete Daoud als Abtrünnigen, „Feind der Religion“, „Abweichler“ und „Kollaborateur“.[2] Er forderte den algerischen Staat auf, Daoud hinzurichten, da dieser einen „Krieg gegen Gott und den Propheten“ führe.[2]
Daoud erstattete Anzeige wegen Volksverhetzung beim Religionsministerium.[7] Verschiedene Einzelpersonen und Gruppen unterzeichneten Petitionen und veröffentlichten offene Briefe zur Unterstützung Daouds.[2] (en: Wikipedia: https://en.wikipedia.org/wiki/The_Meursault_Investigation)
"[...] Der Roman erzählt die Geschichte eines introvertierten Mannes namens Meursault. (Der Name Meursault ist ein Homonym zu „Meurs, sot!“, zu Deutsch etwa „Stirb, (du) Trottel!“). Er hat einen Totschlag begangen und wartet in seiner Gefängniszelle auf die Hinrichtung. Die Handlung spielt im Algerien der 1930er Jahre.
Der Roman ist in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil beginnt mit den Worten: „Heute ist Mama gestorben. Oder vielleicht gestern, ich weiß es nicht.“ Bei der Beerdigung seiner Mutter zeigt Meursault keine Emotionen. Das Fehlen von Anteilnahme beruht offenbar auf einem kühlen Verhältnis, das zwischen Mutter und Sohn herrschte. Der Roman setzt sich mit einer Dokumentation der folgenden Tage von Meursaults Leben aus der Ich-Perspektive fort.
Meursault zeigt sich als Mensch, der antriebslos in den Tag hineinlebt, der zwar Details seiner Umgebung wahrnimmt, jedoch Gewalt und Ungerechtigkeit ungerührt hinnimmt. Kurz nach der Beerdigung seiner Mutter beginnt er eine Liebesaffäre, was später als Beweis für seine emotionale Kälte angeführt wird. Meursault ist offenbar zufrieden, wenn sein Alltag routinemäßig und wie gewohnt verläuft.
Sein Nachbar, Raymond Sintès, der der Zuhälterei verdächtigt wird, freundet sich mit ihm an. Meursault hilft Raymond, eine junge Frau anzulocken, damit dieser sie bestrafen kann - es bleibt unklar, ob die Frau die ehemalige Geliebte des Nachbarn, oder er ihr Zuhälter ist; Raymond bedrängt und demütigt die Frau. Später begegnen Meursault und Raymond dem Bruder der Frau und dessen Freunden am Strand, es kommt zu einer Schlägerei, bei der Raymond mit dem Messer verletzt wird. Kurz danach trifft Meursault auf einen der Araber, der bei seinem Anblick ein Messer zieht und ihn mit dem Glanz der Sonne auf der Messerklinge blendet; daraufhin tötet ihn Meursault mit einem Schuss aus seiner Pistole. Ohne besonderen Grund gibt er unmittelbar darauf vier weitere Schüsse auf den Leichnam ab, was vor Gericht zum Ausschluss von Notwehr und unbeabsichtigtem Totschlag und letztlich zur Verurteilung Meursaults als Mörder führt. Meursaults mögliche Unzurechnungsfähigkeit nach Stunden in praller Sonne steht im Raum.
Der zweite Teil des Buches behandelt den Prozess. Hier wird der Protagonist erstmals damit konfrontiert, wie er durch sein gleichgültiges Verhalten auf gottesfürchtige Menschen wirkt. Den Vorwurf, er sei gottlos, nimmt er kommentarlos hin und verteidigt sich nicht. Sein indolentes Verhalten deutet er selbst als konsequenten Lebensansatz. Meursault wird zum Tod durch die Guillotine verurteilt. Als der Gefängnisgeistliche in der Todeszelle für ihn beten will, wird er wütend, doch zum Schluss zeigt er sich empfänglich „für die zärtliche Gleichgültigkeit der Welt“.
Beziehung zum Gesamtwerk
Der Roman entstand parallel zu Camus’ philosophischer Abhandlung Der Mythos des Sisyphos und entwickelt die darin essayistisch vorgestellte Philosophie des Absurden in literarischer Form. Dabei diente ihm der zwischen 1936 und 1938 niedergeschriebene und erst postum erschienene Roman Der glückliche Tod gleichsam als Steinbruch. Der Fremde steht zudem in enger thematischer Beziehung zu dem Bühnenstück Caligula (Uraufführung 1945) und zu Die Pest. [...]"
Albert Camus schätze ich aus den Zeiten, als ich mich etwas mehr mit ihm beschäftigt habe, als Person, die sich nicht vereinnahmen ließ. Zu "Der Fremde" habe ich wohl ein Gefühl der Achtung entwickeln können. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass mich das Werk je ergriffen hätte. "Die Pest" hat mich eher angesprochen. Ich nehme "Der Fall Meursault" hier auf, weil es einen Bezug zu dem Werk von Camus hat und ich erstmals die Gelegenheit habe, in den Text hineinzusehen.
Da "Der Fremde" mir gegenwärtig nicht sagt, bleibt mir "Der Fall Meursault" bei der bisherigen Lektüre aber auch fremd.
Sigrid Damm schildert uns Schiller in seiner Bedrängnis durch Krankheit, Geldsorgen, seinem wenig höfischen Auftreten. Bei seiner Arbeit am Superwerk Wallenstein immer auf Goethes Anregung und Ermunterung hoffen. Goethe oft abwesend, dann sogar mit dem Plan einer Italienreise, bei der man bei im damit rechnen muss, dass sie Jahre dauern wird. Schiller der Bedürftige, der in der Hoffnung, mehr von Goethe zu haben und mehr Unterstützung durch seinen Landesherrn zu bekommen, der ihn durch den Gewinn den das Hoftheater durch Schiller erhalten werde zu locken versucht.
Andererseits dann die merkwürdige Folge, dass Goethe ihm dadurch ferner wird, weil er für seine Arbeit immer wieder nach Jena zieht und weil seine Einladungen in sein Haus am Frauenplan, wo er den Hausherrn mit großer Gesellschaft und den Hofmann gibt, ihn seinem Freunde entziehen, wo sie doch bei Schiller am engeren Familienkreise in der ungezwungenen Vertrautheit ihre "Zweiheit" (wie Goethe es nennt) genießen können.
Dann wiederum: Schiller erlebt seine Jahre als der große Theaterautor mit hohen Auflagen, nationalem Ruhm. Goethe hat unfruchtbare Jahre. Aber Goethe genießt die Anerkennung der Romantiker und Kritiker Schlegel und ihres Kreises, Schiller kritisieren sie recht scharf und über seine "Glocke" lachen sie schallend. (Damm, S.300-387)
Nach Schillers Tod werden Goethes Wahlverwandtschaften und der West-östliche Diwan folgen. Schiller stirbt mit Schulden bei seinem Verlegen, der ihm für den Hauskauf Vorschuss gab. (Endlich eine Haus ohne Verkehrslärm und mit Garten.)
Übrigens der Goethesohn August und die Schillersöhne spielen miteinander. Die Kinder vermitteln Gemeinsamkeit, wo Charlotte, geb. v. Lengefeld den gesellschaftlichen Verkehr mit Goethes "Bettschatz" Christiane Vulpius ablehnt und dafür ihre Freundschaft mit Goethes ehemals Geliebter Frau von Stein pflegt.
Sehr viel Goethe, wo es doch um Schillers Leben gehen soll. - Doch zu Recht: denn die Freundschaft der beiden, die klassische Dichterfreundschaft der Weimarianer, war ja ganz seine Leistung, denn ohne sein Zugehen auf Goethe, sein Eingehen auf seine "Urpflanze" wäre es ja nicht zur Freundschaft gekommen. Zu sehr fühlte Goethe den Abstand zu dem Stürmer und Dränger, den er in sich mit dem Italienjahren ja hinter sich gelassen hatte.
Damms Darstellung ist von ihr in der Rechtschreibung von Elisabetha Dorothea wiedergegeben. Den Text habe ich der KI vorgelesen. Natürlich stimmt von der Reschtschreibung nichts, aber der Sinn ist zu erraten:
Schillers Mutter wird von Damm als sehr uneigennützig und aufopferungsvoll beschrieben.
"Regelmäßig schreibt sie dem Sohn. Ihre Briefe sind, wenn auch nicht vollständig, jedoch im Großen und Ganzen überliefert. Schillers Korrespondenz dagegen nur bruchstückhaft. Oft wissen wir nur aus seinem Kalender die Absendedaten. Das meiste ist verloren.
Auch schrieb offensichtlich in großen Abständen.
Die Mutter mag das besonders schmerzlich empfunden haben. Ihre Ängste wegen der so schlechten Gesundheit des Sohnes seines immer so schwächliche Körpers.
Aber nie macht sie im Vorwürfe. Sie weiß um die Kostbarkeit seiner Zeit. Drängt sich nicht auf. Keine Anspielung, dass sie in Weimar zu Besuch sein möchte. Dabei ist es sicherlich ihr sehnlichster Wunsch. Als Christine (das Kindermädchen der Famliie Schiller, die aus Schwaben nach Thüringen gegangen ist) ihr von den Kindern berichtet, schreibt sie: wann ich auch nur auch zeige (Zeuge) dabei sein könnte. Und nach der Geburt der Enkelin Karoline: die liebe kleinen Karoline Carolin möchte ich doch sehen… Und die liebe junge, wie werden sie die kleine Schwester verlieben.
Als Ende 1798 die Möglichkeit eines Treffens in Meiningen erwogen wird – offenbar kommt der Vorschlag von Schiller –, denkt sie über das Opfer an Zeit, Kosten und Unbequemlichkeit für den Sohn nach: mein bester Sohn, dies ist alles vor, mich zu unternehmen, wäre zu viel… Und so groß, mir aber die Freude und das Glück wäre, meine liebste, in der Welt noch zu umarmen, schreibt sie ihm so werde mir, als dann die Trennung noch empfindlicher werden, ich will mir diese Hoffnung, durch öfteren Nachricht von ihm und der lieben Lotte und meinen lieben Enkeln unter drucken…
Elisabetta Dorothea sucht Nähe zum Sohn durch Anteilnahme an seinem Werk. Ein Exemplar des Wallenstein auf Druckpapier möge Cotta seiner Mutter schicken, heißt es am 30. August 1800. Unter dem 12. September vermerkt der Verleger auf dem Konto seines Autors: laut Brief vom 30. August für Wallenstein / PostPorto drei,Gulden 36 Kreuzer. Die Mutter dankt am 6. November: den Wallenstein habe ich gleich auf seinen Befehl von Cotta erhalten, wovor ich vielen Dank sage, es freute mich um desto mehr, da es hier so gut gegen die all Langeweile, und es uns allen viele Unterhaltung gemacht.
Maria Stuart verschafft sie sich selbst. Bittet Cotta, ihr das Drama gegen Entgelt zu senden. Mit ihm korrespondiert sie, da über ihn, die finanzielle Zuwendung des Sohnes abgewickelt wird. Quartalsweise muss sie Cotta eine Quittung über den Betrag schicken, daraufhin erfolgt die Zahlung. Da ich Herrn Cotta die Quittung schicke, fragte ich um die Maria Stuart. Es mir von diesem Geld abzuziehen, heißt es Ende August/Anfang September 1801 an den Sohn. Er schickte es mir mit und zieht es nicht ab. Ich danke davor. Wirklich hat er Buch Bender. Eine Reaktion zum Inhalt des Buches ist nicht überliefert (S. 388/89).
Wikipedia: "[...] Ihr Mann Johann Caspar starb am 7. September 1796, vermutlich an Prostata-Krebs.[10] Mit dem Tod ihrer jüngsten Tochter sechs Monate zuvor war der Tod ihres Mannes ein weiterer Schicksalsschlag.[11] Friedrich überließ ihr seinen väterlichen Erbteil, „dass keine Sorge Sie mehr drückt.“[12] Seit dem Jahreswechsel 1797 lebte sie im Leonberger Schloss und erhielt eine Pension von hundert Gulden.[13]
Sie starb am 29. April 1802 in Cleversulzbach. Hier war sie von ihrer Tochter Luise, die mit dem dortigen Pastor Frankh verheiratet war, in ihren letzten Monaten gepflegt worden. Das Grab auf dem Friedhof des Orts, in dem sie am 1. Mai 1802 beigesetzt wurde,[14] ist 1834 von Eduard Mörike wiederhergerichtet worden; in einem benachbarten Grab bestattete er seine eigene Mutter Charlotte Mörike.[...]"
Perlentaucher: Mit einem Frontispiz. Nicht Friedrich Schillers Werke sind der Gegenstand dieses Buches, sondern die
Umstände und die Bedingungen ihrer Entstehung, der Alltag eines Schriftstellers, Gelehrten und Theatermannes. Sigrid Damm sucht bei ihrer Wanderung die Orte von Schillers viel zu kurzem Leben auf. Es ist ein überraschend kleiner Raum; Schiller hat nie die Schauplätze seiner Dramen - Frankreich, Schottland, die Schweiz - gesehen, nie Italien, hat niemals an einem Meer gestanden. Geldmangel hat sein Leben geprägt. Schiller war einer der ersten Autoren, der einen wesentlichen Teil seiner Einkünfte als freier Autor zu bestreiten versuchte und somit gezwungen war, sich im kommerziellen Literaturbetrieb zu behaupten. Bei aller äußeren Kargheit war dieses Leben dennoch kein "Leben im Kleinen". Der Mensch, dessen Lebensspuren Sigrid Damm folgt, spricht nicht nur von "Freiheit", er ist frei, innerlich unabhängig. Die Räume, die seine Gedanken durchschreiten, kennen keine Grenzen.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.10.2004
Die Biografin Sigrid Damm ist eine Spezialistin für's "Menschlich- Allzumenschliche", für die atmosphärische Ausstattung eines Lebens. Friedrich Schiller war ein Mensch, der sein Leben ganz in der Kunst lebte und nicht einmal Tagebuch führte. Das absehbare Ergebnis der Zusammenkunft, nach Ansicht des Rezensenten Dieter Borchmeyer: eine "gescheiterte Biografie". Dabei schreibt die Autorin ja selber: "Es bleibt nichts als das Werk". Nur genau darüber wisse sie nichts zu sagen, und auch Schillers Zeit wird nicht dargestellt, und so bleiben ihr nur die Krankheiten und Schulden als Thema, ergänzt durch Werkparaphrasen ohne eigene Meinung, massenhaft Zitate plus "Interlinearversionen im Telegrammstil". Zur Ehrenrettung Damms ergänzt der Rezensent noch, dass ihre Flucht zu Nebenpersonen gelungen sei: "Über Schillers Mutter, über seinen Vater hat man selten so lebendige und bewegende Porträts gelesen", und die Beziehung von Goethe und Schiller werde als Ritual von "Annäherung und Distanz" wunderbar beschrieben. "Da ist", schreibt Borchmeyer, "die Autorin in ihrem Element, da schreibt sie plötzlich keine Telegrammsätze mehr, sondern lebendig atmende Prosa." Es bleibt aber die Ausnahme.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.10.2004
Rezensent Rolf-Bernhard Essig blickt schon ins Jahr 2005 - zum 200. Todestag von Friedrich Schiller - und berichtet in einer umfassenden Sammelrezension, was es Neues gibt am Horizont der Schiller-Literatur. Sigrid Damm, so der Rezensent, geht ihren gewohnten Weg, um sich und dem Leser ein Bild von dem Dichter zu machen, und nimmt - ohne die Werke aus den Augen zu verlieren - "den Alltag, die Arbeitsweise, die Menschen um Schiller und seine Person" ins Visier. Bemerkenswert findet der Rezensent nicht nur die Originalität, mit der Damm das Material zusammenstellt, sondern auch die Wirkung dieser Zusammenstellung. In der Tat verbinden sich Nähe und Fremde auf höchst einträgliche Weise, lobt er, wobei die Tatsache, dass sich Damm selbst ins Spiel bringe, den Leser auf ihre eigene "Wanderung" mitnehme, an dieser Wirkung beträchtlichen Anteil hat. Dass Damm "ich" sagt, möchte der Rezensent nicht als selbstgefällige Egozentrik verstanden wissen. Dies verhindere schon die "grundsätzliche Uneitelkeit" der Autorin, die sich ganz "in den Dienst Schillers" stelle und der es gelinge, den Respekt vor dem "Geistesheros und Menschen Schiller" mit jeder Seite wachsen zu lassen.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.09.2004
Sigrid Damms Zugang zu Schiller ist Hanno Helbling zu betulich-selbstverliebt. Das moniert er, und er mokiert sich über das zwanghaft Literarische ihres Verfahrens - dessen Niederschlag der Rezensent noch im Auslassen der Anmerkungen aufspürt. Einen sehr persönlichen Zugang zu Schiller hat Damm gewählt - Helbling ist er anfangs viel zu persönlich, bis sich die symbiotische Lese-Schreib-Beziehung etwas lockert. Gleichwohl empfiehlt der Rezensent das Werk nicht, jedenfalls nicht als Studie über Schillers Leben.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.09.2004
Rechtzeitig vor Schillers zweihundertstem Geburtstag [Todestag!] im Jahr 2005 erscheint ein ganzer Stapel neuer Biografien, die den Dichter würdigen, ohne in das nationale Pathos früherer Jahre zu verfallen. Eine davon - und eine sehr gelungene, wie die Rezensentin Ursula Homann findet - ist die von Sigrid Damm. Im Mittelpunkt steht der Mensch Schiller, mit seinen finanziellen Nöten, Krankheiten und seinen Beziehungen, wobei natürlich die Freundschaft zu Goethe viel Platz einnimmt. Grundlage für die Darstellung, so Homann, ist die ungewöhnlich fleißige Quellenarbeit der Autorin, die es ihr erlaubt, Schillers Existenz beinahe minutiös zu beschreiben. Das Schillersche Werk wird auf diese Weise vor allem aus der Perspektive seines Zustandekommens betrachtet. Eine gut informierte, zugänglich geschriebene Lebensbeschreibung, lobt die Rezensentin.
Wikipedia: "[...] Die Handlung des Romans – er umfasst 46 Kapitel auf 486 Seiten – spielt in der San Francisco Bay Area und im Zentrum stehen diese beiden Protagonisten:[6]
Martin Eden, Matrose, 20 Jahre alt, aus der Arbeiterschicht stammend,
Mit einem Abendessen in der Wohnung der Familie Morse beginnt der Roman. Arthur, der Bruder von Ruth, hatte Martin eingeladen. Es geschah aus seiner Dankbarkeit für dessen spontane Hilfeleistung bei einem Angriff von betrunkenen Hooligans auf einer Fähre. Vor dem Abendessen sieht Martin zum ersten Mal Ruth, von deren sublimer Schönheit er sofort begeistert ist: Er verliebt sich in Ruth. In ihrem ersten Gespräch sprechen sie auch über die Dichter Swinburne und Longfellow.[7] Beim Abschied leiht Ruth ihrem Gast Martin je einen Gedichtband von Swinburne sowie von Browning.[8]
Martin Eden will nun seine Bildung durch intensive autodidaktische Studien verbessern. Zu diesem Zweck wird er ein regelmäßiger Nutzer der Oakland Free Library sowie der Berkeley Free Library. In einem Dienstmädchenzimmer, das er im Haus seines Schwagers Bernard Higginbotham bewohnt, verbringt er Tage und Nächte mit dem Lesen der entliehenen Bücher. Nachdem er auch die Götter-und Heldensagen von Thomas Bulfinch gelesen hatte und eine Woche vergangen war, organisiert Martin ein Wiedersehen mit Ruth in ihrem Haus.[9]
Beim zweiten Treffen beschreibt Martin den dringenden Wunsch, seine allgemeine Bildung wesentlich zu verbessern. Hierzu bittet er Ruth um Rat, und sie antwortet: Was Sie brauchen, das ist Ihnen ja selbst klar, ist Bildung. Sie müssen zurück in die Grammar School, und wenn Sie damit fertig sind, zur Highschool und zur Universität.[10] Über Martins Einwand fehlender Finanzmittel entwickelt sich eine Diskussion über seine sprachliche Ausdrucksweise, insbesondere über seine mangelhafte Grammatik.[11]Die dann folgenden Besuche, es sind etwa ein halbes Dutzend, sind geprägt von Ruths Lernhilfe. Aber sie trägt auch das Gedicht Princess des englischen Lyrikers Alfred Lord Tennyson vor, und sie spielt die Ouvertüre zu Wagners Tannhäuser. Weil ihr Erfahrungen fehlen, kann sie die Situation nicht durchschauen: Ruth hat keine Ahnung davon, dass der verliebte Matrose allmählich auch ihre Liebe entstehen lässt. Oder mit anderen Worten: Da sie bisher ohne jede Liebesgeschichte gewesen war, fehlte es ihr an der Möglichkeit, eigene Gefühle einzuordnen.[12]
Weil Martin das Geld ausgegangen war, hatte er als Matrose vor dem Mast auf einem Schatzsucherschiff angeheuert. Von dieser Reise kehrt er nach acht Monaten mit der festen Entscheidung zurück, zukünftig als Schriftsteller sein Einkommen verdienen zu wollen. Er würde schreiben – alles: Gedichte und Prosa, Erzählungen, Aufsätze und Theaterstücke wie Shakespeare. Das war … ein Weg, um Ruth zu gewinnen.[13]
Mit hoher Disziplin setzt Martin die Entscheidung in die Tat um. Das Manuskript einer Erzählung schickt er an den Herausgeber des San Francisco Examiner. Danach schreibt er eine Abenteuergeschichte für Jungen, die er an die Kinderzeitschrift The Youth’s Companion adressiert. Anschließend beginnt er, einen Artikel über Perlentaucher zu schreiben. In derselben Zeit entscheidet das Ehepaar Morse nach einem gemeinsamen Abendessen über Martins Rolle. Ihm wird die Aufgabe zugestanden, Ruths Interesse für die Männerwelt im Allgemeinen zu wecken.[14]
Auf dem Weg zur Bibliothek hört Martin en passant aus einer Diskussionsrunde im City Hall Park einige Zitate des englischen Philosophen Herbert Spencer, die ihn veranlassen, dessen Werk First Principles auszuleihen und zu lesen. Das intensive, enthusiastische Studieren des Werkes lässt Martin sogar einen Termin mit Ruth vergessen. Doch beim nächsten Treffen – im Beisein ihrer Brüder Arthur und Norman sowie des Kommilitonen Will Olney – beobachtet Martin eine erstaunliche Gleichgültigkeit gegenüber Spencer. Olney wiederholt sogar jenen Spruch, den Martin schon aus der Diskussionsrunde kennt: Es gibt keinen Gott außer dem Unerkennbaren, und Herbert Spencer ist sein Prophet.[15]
[...]"
Kapitel 14 bis 22
Vierzig Manuskripte hat Martin auf den Weg in die Redaktionen gebracht, doch bisher kann er keinen Erfolg, keine Annahme eines Manuskriptes nachweisen. Erst jetzt entschließt er sich, Ruth ausgewählte Texte zu präsentieren. Bei einem Ausflug im Sommer liest er Ruth drei Geschichten vor. Ihre Kritik ist ablehnend, sie nennt sein Schreiben amateurhaft und ungeschult. Trotzdem möchte sie alle Texte lesen, die er geschrieben hat oder noch schreiben wird.[16]
In Martins Zimmer stapeln sich die zurückgesandten Manuskripte, und dem Autor fehlt es mittlerweile an Geld, um Briefmarken für weitere Versandaktionen kaufen zu können. Also geht er zur Arbeitsvermittlung, wo er die Stelle in der Wäscherei des Hotels Shelly Hot Spring annimmt. Das Hotel befindet sich 70 Meilen von San Francisco entfernt. In der Wäscherei arbeitet Martin – gemeinsam mit Joe Dawson – täglich bis in den Abend hinein. Seine mehrmals wiederholten Versuche, nach der Arbeit ein Buch des Philosophen John Fiske zu lesen, misslingen.[17] Bei einem Saufgelage in der Dorfkneipe wird ihm seine völlig aussichtslose Lage bewusst, Martin beendet nach drei Monaten den Job in der Wäscherei und zieht wieder in sein Oaklander Zimmer ein.[18]
Zur selben Zeit kehrt die Familie Morse von ihrem Sommerurlaub am Lake Tahoe zurück. Ruth – sie hatte inzwischen ihr Examen bestanden und damit ihr Studium mit einem Bachelor of Arts[19] beendet – und Martin sehen einander in diesem Herbst sehr häufig: Ihre Nähe füreinander kann wachsen.[20] Diese Entwicklung beobachtet Ruths Mutter mit Sorge, über die ein vertrauensvolles Gespräch zwischen den beiden Personen stattfindet. Und die Mutter spricht eine Warnung aus: Ich glaube, ich muss meinem kleinen Mädchen sagen, dass sie sich vorsehen soll. Mit ambivalenten Gefühlen nimmt die Mutter die Wandlung ihrer Tochter vom Mädchen zur Frau wahr, wobei Martin eine vom Ehepaar Morse gewollte funktionale Rolle übernommen hat.[21]
Martin und Ruth machen viele sonntägliche Ausflüge in die Umgebung von San Francisco, zum Beispiel in den Shellmound Park. An einem Herbsttag, bei dem sie auf den Mount Tamalpais blicken können, sprechen sie zum ersten Mal über ihre Liebe.[22]
Wieder daheim kommt es sofort zu einem Gespräch zwischen Ruth und der Mutter über das Ereignis des Tages. Ruth bekennt sich zu ihrer Liebe und sagt: Ich dachte, du wüsstest es. Martin und ich sind verlobt. Das Bekenntnis beantwortet die Mutter mit einer strikten Ablehnung und – auch mit noch anderen Argumenten – ausdrücklich mit dem Hinweis auf Martins Status als ein mittelloser Abenteurer, Seemann, Viehtreiber und Schmuggler, der jetzt verantwortungslos seine Zeit mit dem Schreiben verschwende. Nach diesem Gespräch beschließen die Eltern, auf eine öffentliche Ankündigung der Verlobung zu verzichten und auf ihr Zerbrechen zu warten.[23]
Kapitel 23 bis 28
Martin hat ein Zimmer in North Oakland gemietet, wo er seine schriftstellerischen Arbeiten beharrlich fortsetzt. Weiterhin ist er eifrig bemüht, seine Manuskripte zu versenden. Der fehlende finanzielle Erfolg seiner Bemühungen bringt ihn immer tiefer in eine existenzielle Notlage. Sogar seinen persönlichen Besitz wie Mantel, Uhr, Fahrrad und Anzug bringt er zum Pfandleiher. Als Ruth davon hört, hält sie diesen Weg der Geldbeschaffung für ein hoffnungsvolles Zeichen seiner möglichen Umkehr, seines Ausstiegs aus der Schriftstellerei.[24]
In der schier verzweifelten Lage besteht Martin die Prüfung für eine Anstellung bei der Post (Railway Mail) als bester Bewerber. In diesen Moment hinein kommt ein Brief vom Magazin Transcontinental Monthly mit der Annahme der Horrorgeschichte Das Läuten der Glocken –, allerdings für ein solch niedriges Honorar, dass Martin verärgert auf die an sich positive Nachricht reagiert. Wie ein Trost wirkt da die Annahme der Horrorgeschichte Der Strudel durch das Magazin White Mouse für ein relativ gutes Honorar.[25]
Wegen der fehlenden Besuche entscheidet Ruth spontan, ihren Martin zu besuchen. Sie kommt in der Kutsche der Familie vorgefahren. Zum ersten Mal in ihrem Leben sieht sie die ihr bisher unbekannten Verhältnisse der Armut. Den kurzen Besuch beendet Ruth mit dem Ruf: Ich liebe, liebe, liebe dich![26]
Das Ehepaar setzt die Strategie fort, das Verlöbnis ihrer Tochter durch das Veranstalten von Zusammenkünften mit jungen Menschen aufzuweichen. Doch Martin meistert das Kennenlernen der Gäste und die Gespräche mit ihnen erstaunlich gewandt –, und Ruth hätte sich von ihrem Verlobten kein besseres Benehmen wünschen können. Mit dem Professor Caldwell führt er ein langes Gespräch, in dem es auch um die Evolutionstheorie geht. In diesem Zusammenhang erwähnt Caldwell seinen ehemaligen Kollegen an der Universität Berkeley, den Geologen Joseph LeConte.[27]
Der Abend bei der Familie Morse hinterlässt bei Martin ein widerstreitendes Gefühl: Er ist einerseits enttäuscht von seinem Ziel des Aufstiegs, andererseits ermutigt ihn dieser leichte Aufstieg. Als beschwerlich erweist sich aber weiterhin der komplizierte Weg, mit dem Schreiben ausreichend Geld zu verdienen. Die gezahlten Honorare sind entweder gering oder die Zahlungen bleiben aus. Die Besuche beim Pfandleiher werden wieder häufiger.[28]
Kapitel 29 bis 33
Das Ehepaar Morse setzt seinen Geselligkeitsfeldzug rigoros fort – Martin erscheint nur noch selten. Anlässlich eines Dinners, an dem er teilnimmt, sagt er zum Vater von Ruth: Sie hassen und fürchten die Sozialisten. Aber warum? Sie kennen doch gar keine, und ihre Lehren auch nicht? In dem kontroversen Gespräch gibt sich Mr. Morse als Republikaner zu erkennen.[29]
Seit sich Martin und Ruth ihre Liebe erklärten, ist ein Jahr vergangen. An einem Herbsttag sitzen sie wieder an ihrem bevorzugten Aussichtspunkt, wo Martin den Liebes-Zyklus liest. Statt eines ausführlichen Kommentars beklagt sich Ruth darüber, dass die Hochzeit keineswegs näher gerückt sei, und ihr Verlobter möge sich endlich einen Job suchen, der ein wirkliches Einkommen bringen könnte. In seiner Argumentation zum schöpferischen Prozess bezieht sich Martin auf die Philosophie von Otto Weininger. Doch Ruth bleibt pragmatisch und sagt, Martin könne gegen eine gute Bezahlung in der Kanzlei ihres Vaters anfangen. Schließlich will er von seiner Verlobten wissen, ob sie an seine Schriftstellerei glaube. Sie antwortet: Ich glaube nicht, dass du zum Schreiben geschaffen bist. Und sie denkt an das Unmögliche, das er zu erreichen versucht.[30]
Auf dem Heimweg von einem Dinner begegnet Martin zufällig dem extravaganten[31] Russ Brissenden, den er dort schon als Gast gesehen hat. Den Rest des Abends verbringen beide spontan in dem Lokal Grotto, wo sie einen regen Gedankenaustausch führen. Martin ist begeistert von der lebhaften Intelligenz und dem sprudelnden Wissen seines Dialogpartners, der auf einem katholischen College studierte.[32]
Bereits am folgenden Tag besucht Brissenden seinen neuen Freund, wo er sogleich dessen Manuskript Sternenstunde liest. Beim Abschied nimmt er die Gedichte Liebes-Lyrik und die Die Fee und die Perle mit. Am nächsten Tag kommentiert der Dichter Brissenden die Gedichte von Martin sehr positiv, geradezu euphorisch. Danach sehen sich die Freunde fast täglich.[33]
Kapitel 34 bis 37
Im November – einen Tag vor dem Thanksgiving Day – besucht Ruth ihren Verlobten ein zweites Mal, um seine Anwesenheit beim Dinner zu erfragen. Weil er seinen Anzug beim Pfandleiher hat, kann er nicht als Gast erscheinen. Außerdem ist Martin gerade damit beschäftigt, eine Hawaii-Geschichte mit dem Titel Wiki-Wiki zu schreiben, an der Ruth keinen Gefallen finden kann.[34]
Plötzlich taucht auch wieder Brissenden bei Martin auf. Er bringt Whisky und sein neuestes Gedicht Ephemera mit. Das Gedicht umfasst fast siebenhundert Zeilen, und nach dem Lesen sagt Martin: So etwas hat es in der Literatur noch nicht gegeben. Es ist wunderbar! Die Freunde diskutieren die Chancen einer Veröffentlichung, zu der Brissenden nur sagt: In der ganzen Christenheit gibt es keine Zeitschrift, die es wagen würde, so etwas zu drucken. Dann gibt er Martin dessen Manuskript Schande der Sonne mit den besten Kommentaren zurück.[35]
An einem Januarabend macht Brissenden seinen Freund Martin in einem Haus in San Francisco mit einer Gruppe von Sozialisten bekannt. Zu dieser Gruppe gehören zum Beispiel diese Personen:[36]
Das Gespräch in der Gruppe beginnt eher planlos, doch bald bemerkt Martin ein sehr breites Spektrum der Themen: Sie gehen aus vom neuen Shaw-Buch der konservativen englischen Schriftstellerin Mrs. Humphry Ward[37] über Henry James und den amerikanischen Theaterwissenschaftler Brander Matthews (1852–1929)[37] hin zu den Wahlen in Deutschland und einer Rede von August Bebel. Für Martin ist die intensive, auch kontrovers geführte Gesprächsrunde, die im Arbeiterghetto südlich der Market Street stattfindet, wie eine Offenbarung.[38]
Nachdem Martin das Manuskript Schande der Sonne an die Zeitschrift Acropolis geschickt hat, beginnt er eine Semmannsgeschichte mit dem Titel Überfällig. Als Gast der Familie Morse verursacht er beim Abendessen einen Eklat, indem er in einer Diskussion über den Philosophen Herbert Spencer wutentbrannt den Richter Blount beschimpft. Ruths Vater denkt, dass sich in dem heftigen Streitgespräch die Ruppigkeit dieses unangenehmen Burschen gezeigt habe. Beim Abschied sagt Martin zu Ruth: Ich werde deine Familie nicht mehr behelligen, meine Liebe. Sie mögen mich nicht, und es ist Unrecht, wenn ich ihnen meine störende Gegenwart aufdränge.[39]
Zitate:
Martin: "My experiences were so many meaningless pictures. But as I began to add to my knowledge, and to my vocabulary, I saw something more in my experiences than mere pictures. I retained the pictures and I found their interpretation. That was when I began to do good work, when I wrote ‘Adventure,’ ‘Joy,’ ‘The Pot,’ ‘The Wine of Life,’ ‘The Jostling Street,’ the ‘Love-cycle,’ and the ‘Sea Lyrics.’ I shall write more like them, and better; but I shall do it in my spare time. My feet are on the solid earth, now. Hack-work and income first, masterpieces afterward. Just to show you, I wrote half a dozen jokes last night for the comic weeklies;
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Martin:“No, no, not for a moment. I merely maintain my right as an individual. I have just been telling you what I think, in order to explain why the elephantine gambols of Madame Tetralani spoil the orchestra for me. The world’s judges of music may all be right. But I am I, and I won’t subordinate my taste to the unanimous judgment of mankind. If I don’t like a thing, I don’t like it, that’s all; and there is no reason under the sun why I should ape a liking for it just because the majority of my fellow-creatures like it, or make believe they like it. I can’t follow the fashions in the things I like or dislike.” “But music,
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[...] And next day Martin Eden cast hack-work aside, and at white heat hammered out an essay to which he gave the title, “The Philosophy of Illusion.” A stamp started it on its travels, but it was destined to receive many stamps and to be started on many travels in the months that followed.
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Martin:[...] cent of all editors is failure. They have failed as writers. Don’t think they prefer the drudgery of the desk and the slavery to their circulation and to the business manager to the joy of writing. They have tried to write, and they have failed. And right there is the cursed paradox of it. Every portal to success in literature is guarded by those watch-dogs, the failures in literature. The editors, sub-editors,
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Martin zu Brissenden:[...] never can puzzle out why you, of all men, are a socialist,” Martin pondered. “You detest the crowd so. Surely there is nothing in the canaille to recommend it to your aesthetic soul.” He pointed an accusing finger at the whiskey glass which the other was refilling. “Socialism doesn’t seem to save you.” “I’m very sick,” was the answer. “With you it is different. You have health and much to live for, and you must be handcuffed to life somehow. As for me, you wonder why I am a socialist. I’ll tell you. It is because Socialism is inevitable; because the present rotten and irrational system cannot endure; because the day is past for your man on horseback. The slaves won’t stand for it. They are too many, and willy-nilly they’ll drag down the would-be equestrian before ever he gets astride. You can’t get away from them, and you’ll have to swallow the whole slave-morality. It’s not a nice mess, I’ll allow. But it’s been a-brewing and swallow it you must. You are antediluvian anyway, with your Nietzsche ideas. The past is past, and the man who says history repeats itself is a liar. Of course I don’t like the crowd, but what’s a poor chap to do? We can’t have the man on horseback, and anything is preferable to the timid swine that now rule. But come on, anyway. I’m loaded to the guards now, and if I sit here any longer, I’ll get drunk. And you know the doctor says—damn the doctor! I’ll fool him yet.”
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[Die Natur: ...] Out of the plentiful spawn of life she flung from her prolific hand she selected only the best. It was by the same method that men, aping her, bred race-horses and cucumbers. Doubtless, a creator of a Cosmos could have devised a better method; but creatures of this particular Cosmos must put up with this particular method. Of course, they could squirm as they perished, as the socialists squirmed, as the speaker on the platform and the perspiring crowd were squirming even now as they counselled together for some new device with which to minimize the penalties of living and outwit the Cosmos. So Martin thought, and so he spoke when Brissenden urged him to give them hell. He obeyed the mandate, walking up to the platform, as was the custom, and addressing the chairman. He began in a low voice, haltingly, forming into order the ideas which had [...]
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"[...] Malthus, and enunciated the biological law of development. “And so,” he [Martin] concluded, in a swift résumé, “no state composed of the slave-types can endure. The old law of development still holds. In the struggle for existence, as I have shown, the strong and the [...]
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[Martin...] “But to return. I have shown that no society of slaves can endure, because, in its very nature, such society must annul the law of development. No sooner can a slave society be organized than deterioration sets in. It is easy for you to talk of annulling the law of development, but where is the new law of development that will maintain your strength? Formulate it. Is it already formulated? Then state it.” Martin took his seat amidst an uproar of voices."
Wikipedia: "Kapitel 38 bis 46
An einem Sonntagabend gehen Brissenden und Martin in Oakland in eine öffentliche Veranstaltung der Socialist Party of America. Dort ergreift Martin das Wort und argumentiert vehement gegen die Sklavengesellschaft.
Ein zufällig anwesender junger Reporter macht aus der Attacke einen Artikel über Martin als einen radikalen Anführer der Sozialisten in Oakland.[40]
Der Artikel – Martin nennt ihn eine Lügengeschichte – erscheint am Montagmorgen. Und der Reporter besitzt danach die Dreistigkeit, Martin für ein Interview aufzusuchen. Wegen dessen extrem ablehnender Haltung veröffentlicht der Reporter am nächsten Tag einen Artikel, in dem er Martin als Anarchisten, Agitator und Nichtsnutz darstellt. Beide Artikel haben sofort eine fatale Wirkung: Ruth löst in schriftlicher Form die Verlobung auf! Einige Wochen später treffen sich Martin und Ruth auf der Straße. Das kurze Gespräch beendet Ruth mit den Worten: Du hast mich sehr unglücklich gemacht und ich will dich nie wiedersehen.[41]
Während Martin völlig zurückgezogen an dem Text zu Überfällig arbeitet, erhält er mit der Post die Nachricht von der Zeitschrift Parthenon, die Redaktion werde Brissendens Gedicht Ephemera gegen ein hohes Honorar abdrucken. Als Martin seinem Freund die gute Nachricht überbringen will, erfährt er erst jetzt, dass Brissenden sich vor einigen Tagen das Leben genommen hat.[42]
Nachdem die Arbeit zu Überfällig abgeschlossen ist und ein paar Honorare für Veröffentlichungen eingetroffen sind, verschickt Martin in einer einmaligen Aktion etliche Manuskripte an diverse Redaktionen. Dann macht Martin eine lange Erholungspause.[43]
Martin ist völlig überrascht von der Tatsache, dass nach dem Ende der Sommerferien plötzlich seine Texte für gute Honorare gekauft werden: Seine hawaiianische Kurzgeschichte Wiki-Wiki nimmt Warren’s Monthly, die Northern Review will den Essay Wiege der Schönheit veröffentlichen und das Gedicht Die Handleserin soll in Mackintosh’s Magazin erscheinen. Dem Autor fehlt es allerdings an einer Erklärung für diesen Wandel nach seiner entbehrungsreichen Wartezeit von zwei Jahren.[44]
Auch sein erstes Buch erscheint: Der Verlag Singletree, Darnley & Co. hat – in einer vorsichtigen Kalkulation – mit einer Auflage von fünfzehnhundert Exemplaren den Titel Schande der Sonne drucken lassen.[45] Mit diesem Buch beginnt endlich der Erfolg von Martin Eden, denn in kurzer Zeit kann der Verlag vierzigtausend Exemplare verkaufen und einen Auftrag über weitere zwanzigtausend Exemplare erteilen. Der Verlag schreibt an seinen Autor: Es ist ein wunderbares Ereignis. Ein kritischer philosophischer Essay, der sich wie ein Roman verkauft. Sie hätten kein besseres Thema wählen können … Und der Verlag übersendet einen Vertrag, der mit einer freien Titelwahl und mit einem hohen Vorschuss verbunden ist. Martin Eden setzt den Titel Der Rauch der Freude ein und unterschreibt seinen ersten Vertrag mit einem Verlag.[46]
Seine Popularität wird noch verstärkt durch das Erscheinen des Buches Überfällig bei der Meredith-Lowell Company. Die Seegeschichte steht innerhalb kurzer Zeit ebenfalls an der Spitze der Bestsellerliste. Nun erlebt Martin Eden zugleich den Ruhm eines erfolgreichen Schriftstellers sowie ein freies Verfügen über hohe Honorareinnahmen. Der Autor kann jetzt die Bedingungen setzen, beispielsweise für den Abdruck von insgesamt neun Essays in zwei Magazinen. Doch er weigert sich beharrlich, neue Texte zu schreiben.[47]
Denn grundsätzlich verschickt Martin nur jene Manuskripte, die längst geschrieben waren. Für diesen Fundus entwickelt er den Begriff Geleistete Arbeit. In der vergangenen Zeit hatte der Autor konzentriert gearbeitet, schlafraubend und bis zur Erschöpfung. Von dieser Arbeit profitiert er jetzt, hinsichtlich des Ruhmes und des Geldes.[48]
Martin Eden wird zu gesellschaftlichen Treffen sozial prominenter Bürger als Ehrengast eingeladen, kann jedoch die Erkenntnis nicht überwinden, dass es ein und dieselben Menschen sind, die ihm vor seinem öffentlich anerkannten Erfolg als Schriftsteller aufgrund seiner unbedeutenden Herkunft und gesellschaftlichen Position ausgewichen sind. Im Rückblick auf seine Zeit als aktiver Schriftsteller, der unter wirklich erbärmlichen Lebensbedingungen gearbeitet hat, ist Martin Eden erstaunt über die gegenwärtige gesellschaftliche Anerkennung: Er empfindet sich als eine identische Person.[49]
Diese Empfindung spürt Martin auch bei Ruths abendlichem Besuch in seinem Hotel. Als Ruth sagt, ihre Mutter werde keine Einwände gegen eine Heirat erheben, antwortet Martin: Ich habe mich nicht verändert. Ich habe immer noch keinen Job, und ich werde auch künftig keinen Job suchen. Und ich glaube immer noch, dass Herbert Spencer ein großer und edler Mensch und Richter Blount ein absoluter Esel ist.[50] Martins Liebe zu Ruth ist erloschen –, und gegen Ende des Gesprächs sagt er: Es ist zu spät. Ich bin ein kranker Mann – nein, nicht mein Körper. Es ist meine Seele, mein Hirn. Ich scheine alle Werte verloren zu haben. Mir ist alles egal.[51]