20 März 2011

Mecklenburg während der Zeit der französischen Besetzung 1806-1813

Äwer as achteihnhunnertunsöß Mürat un Bernadott un Dawuh achter den ollen Blücherten herjagten un hei ehr bi Speck un Wohren de Tähn wis'te, as von Berlin dat saubere Stichwurd utgahn was: »Ruhe ist die erste Bürgerpflicht«, dunn gung dat ruhiger her as tau dese Tid; dunn was blot von Befehl un Gehursam de Red'. Dunn plünnerten un brandschatzten de Herrn Franzosen nah Hartenslust, un dat Volk dukerte sick un schow sick ein achter den annern, un de richtige Nidertracht gaww sick allentwegent kund, denn ein jeder dachte an sick un sin Habseligkeiten, un Meister Kähler in Malchow säd tau sin Fru un Kinner: » Ick möt mi redden, an jug is nicks gelegen; ji bliwwt hir, wenn de Franzosen kamen«, un lep in't Ellerbrauk un kröp in't Ruhr. – Ful un anrüchig was allens von baben bet unnen.


De Tiden süllen sick ännern. De Not lihrt beden; äwer sei lihrt ok sick wehren. Schill brok los un de Herzog von Brunswick; in ganz Nedderdütschland würd't späuken; keiner wüßt, woher't kamm; keiner wüßt, wohen't führen süll. Schill treckte dwars dörch Meckelborg nah Stralsund. Up Befehl von Boneparten müßten em de Meckelbörger den Paß bi Damgoren un Tribsees verleggen; sei kregen Släg', denn sei slogen sick hundsvöttsch slicht. Ein Schillsche Husor namm 'ne ganze Kapperalschaft lange meckelbörgsche Granedier gefangen. »Kinner«, röp hei ehr tau, »sid ji all gefangen?« – »Ne«, säd de brave Kapperal, »uns hett nüms wat seggt.« – »Na, denn kamt man mit!« – Un sei gungen mit. – Was dat Feigheit? Was dat Furcht? Wer uns' Landslüd' achteinhunnertdrütteihn un -virteihn seihn hett, wer wat von't strelitzsche Husoren-Regiment hürt hett, urtelt anners. Wenn ein Stamm in Dütschland dat Tüg dortau hett, up en Slachtfeld tau stahn, dann hett't de Meckelbörger. – Ne, dat was kein Feigheit – dat was de Unwill, gegen dat tau striden, wat sei sülwst in den deipsten Harten drogen un wünschten. Dat späukte in Meckelborg; un as't in Preußen losbrok, was Meckelborg dat irste Land in Dütschland, wat folgen ded. So is't west, un so möt't ok bliwen.

Un de Tiden wiren anners worden. Uns' Herrgott hadd den Franzosen in den rußschen Winter de goldschinige Snakenhut afströpt. Hei, de süs as Herr rümme pucht hadd, kamm as Snurrer un Pracher taurügg un wendt sick an't dütsche Erbarmen, un dit schöne dütsche Gottsgeschenk kreg de Äwerhand äwer den grimmigen Haß. Keiner wull de Hand upböhren gegen den Mann, de von Gott slagen was, dat Mitled let vergeten, wat hei verschuldt hadd. Knapp hadd sick äwer de verklamte Snak wedder verdort in dat warme dütsche Bedd, as sei ok den Stachel wedder wisen würd, un de Schinneri süll wedder losgahn; äwer dat Späuk in Nedderdütschland was taum Schatten worden, un de Schatten kreg Fleisch un Bein un kreg en Namen, un de Namen würd lud up de Strat raupen: »Upstand gegen den Minschenslachter!« – Dat was dat Feldgeschri. Äwer dat Feldgeschri was kein Dagsgeschri. Nich en Hümpel unbedarwte junge Lüd', nich de Janhagel up de Strat fung dormit an, ne, de Besten un Vernünftigsten treden tausam, nich tau 'ne Verswörung mit Metz un Gift, ne, tau 'ne Verbräuderung mit Wehr un Wurd gegen andahne Gewalt; de Ollen redten dat Wurd, un de Jungen schafften de Wehr. Nich up apne Strat bluckte de irste Flamm tau Höcht; wi Nedderdütschen liden kein Füer up de Strat; ne, ein jeder stickte dat still in sinen Hus' an, un de Nahwer kamm taum Nahwer un warmte sick an sine Glaut. Nich as en Füer von Dannenholt un Stroh, wat tauletzt blot en Hümpel Asch äwrig lett, steg de Läuchen taum Hewen, ne, wi Nedderdütschen sünd en hart Holt, wat langsam Füer fangt, äwer denn ok Hitt giwwt. Un tau de dunnmalige Tid was ganz Nedderdütschland en groten Kahlenmiler, de in sick swälte un gläuhte, heimlich un still, bet de Kahlen gor wiren; un as sei fri wiren von Rok un Flackerflammen, dunn smeten wi uns' Isen in de Kahlenglaut un smäd'ten uns' Waff un Wehr dorin, un de Haß gegen den Franzosen was de Slipstein, de makte sei scharp, un wat dunn kamm, weit jedes Kind up de Strat, un süll't dat nich weiten, denn is't dütsche Mannspflicht för sinen Vader, em dat so intauremsen, dat hei't sindag' nich vergett.

Ok in unsre Gegend swälte un smökte de Kahlenmiler, un de Franzosen röken't in de Luft; sei fäuhlten bi jeden Schritt un Tritt, dat de Bodden, up den sei marschierten, unner sei bäwern ded as 'ne Ruhrplag: sei müßten erfohren, dat de süs so demäudigen Beamten un Magistratspersonen anfungen, sick tau winnen un tau strüben un katthorig tau warden, sei segen, dat Börger un Bur unnod worden was, un sei läden ehr Hand sworer up dat Land. Dat was nu nich dat Middel, den upsternatschen Sinn sachter tau stimmen, dat Volk würd ümmer wedderhoriger; de Befehle von un för de Franzosen würden mit Afsicht falsch verstahn; wat süs glatt gahn was, würd nu 'ne Tüderi. Tag as en Reimen wehrte sick dat Volk mit Listen allerlei Ort, un de Franzosen, de woll marken müggten, dat ehr Regiment hir bald sin Endschaft hadd, nemen, wat sei mit de Tähnen dorvon wegtrecken können, denn de Soldat wüßt, dat sin Offizierers dat nich beter makten.
(Fritz Reuter: Ut de Franzosentid, Kapitel 11)

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