14 Juli 2017

Marie von Ebner-Eschenbach

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Werke

Briefwechsel

"Sie folgte offenbar dem von ihr geprägten Aphorismus „Briefe von geliebten Menschen verbrennt man gleich oder nie“ – und entschied sich oft genug für „gleich“. Von den Angehörigen jener Freundinnen, die sie überlebte (und sie überlebte eigentlich alle), pflegte Marie von Ebner-Eschenbach ihre Briefe zurückzuverlangen und auch zu bekommen. Mit Josephine von Knorrs Erben hingegen stand sie nicht auf vertrautem Fuße, und so überdauerte dieser Schatz hundert Jahre hinter den Mauern von Schloss Stiebar.
Knapp achthundert der mehr als tausend Briefe, die die beiden Frauen – nach der Rekonstruktion der Herausgeberinnen – im Laufe ihrer Lebensfreundschaft gewechselt haben, sind erhalten. Der erste Brief, ein Brieflein, datiert von 1851; es geht um eine Verabredung zum Theater. Man kennt einander aus Wien, wo die Familien beider Damen den Winter zubringen, im Sommer weilt die verheiratete Baronin Ebner-Eschenbach, vormals Comtesse Dubsky, vorzugsweise auf dem mährischen Familiensitz Zdislawitz, ihrem Geburtsort, während die zeitlebens ledig gebliebene „Sephine“ Freiin von Knorr nach Gresten geht, ein Treffpunkt von Künstlern, Wissenschaftlern und Schauspielerinnen. „Löwenjägerei“ nennen die Freundinnen die Sammelleidenschaft für prominente Salon-Raubtiere.

Vergebliche Warnung vor freigeistiger Lektüre 
Für Ebner-Eschenbach wirkt die drei Jahre Ältere zunächst als Vorbild, als formsichere Lyrikerin ebenso wie als für eine Aristokratin außergewöhnlich gebildete junge Frau, die ihr Lektüretipps gibt, Dickens und Byron empfiehlt und durchaus Brisantes wie Beecher Stowes „Onkel Toms Hütte“. Die Dichterinnen schicken einander ihre Werke, bitten um strengste Kritik. Unablässig liest, lernt, studiert Marie Ebner, schreibt einen verlorengegangenen Gesellschaftsroman, „Die große Welt“. Sie beneidet „Sephine“ um ihre Bekanntschaft mit der berühmten Betty Paoli, einer „Dichterin vom Wirbel bis zur Zehe“, mit der sie sich später anfreunden sollte. Die Baronesse von Knorr stellt auch den Kontakt zu Grillparzer her, der Marie Ebners Mentor wird." (Briefe verbrennt man gleich oder nie)

Aphorismen
Sag etwas, das sich von selbst versteht, zum ersten Mal, und Du bist unsterblich.

Geduld mit der Streitsucht der Einfältigen! Es ist nicht leicht zu begreifen, daß man nicht begreift.

Alt werden, heißt sehend werden.

Der Gescheitere giebt nach! Ein unsterbliches Wort. Es begründet die Weltherrschaft der Dummheit.

Wenn es einen Glauben giebt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft.

Ehen werden im Himmel geschlossen, aber daß sie gut gerathen, darauf wird dort nicht gesehen.

Die meisten Menschen brauchen mehr Liebe, als sie verdienen.

Die Leute, denen man nie widerspricht, sind entweder die, welche man am meisten liebt, oder die, welche man am geringsten achtet.

Die eingebildeten Übel sind die unheilbarsten.

Wir sollen immer verzeihen, dem Reuigen um seinetwillen, dem Reuelosen um unseretwillen.

Wir entschuldigen nichts so leicht als Thorheiten, die uns zuliebe begangen wurden.

Unerreichbare Wünsche werden als »fromme« bezeichnet. Man scheint anzunehmen, daß nur die profanen in Erfüllung gehen.

Sich mit Wenigem begnügen ist schwer, sich mit Vielem begnügen noch schwerer.

Die Bescheidenheit, die zum Bewußtsein kommt, kommt ums Leben.

Man fordre nicht Wahrhaftigkeit von den Frauen, so lange man sie in dem Glauben erzieht, ihr vornehmster Lebenszweck sei – zu gefallen.

An das Gute glauben nur die Wenigen, die es üben. [daher: "Gutmensch"]

Die Menschen, denen wir eine Stütze sind, die geben uns den Halt im Leben.

In jede hohe Freude mischt sich eine Empfindung der Dankbarkeit.  

Nicht, was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, macht unser Schicksal aus.

Wenn mein Herz nicht spricht, dann schweigt auch mein Verstand, sagt die Frau. Schweige, Herz, damit der Verstand zu Worte komme, sagt der Mann.

Der Gläubige, der nie gezweifelt hat, wird schwerlich einen Zweifler bekehren.

Eltern verzeihen ihren Kindern die Fehler am schwersten, die sie selbst ihnen anerzogen haben.

Der herbste Tadel läßt sich ertragen, wenn man fühlt, daß Derjenige, der tadelt, lieber loben würde.

Der Gedanke an die Vergänglichkeit aller irdischen Dinge ist ein Quell unendlichen Leids – und ein Quell unendlichen Trostes.

Eine gescheite Frau hat Millionen geborener Feinde: – alle dummen Männer.  

Der alte Satz: Aller Anfang ist schwer, gilt nur für Fertigkeiten. In der Kunst ist nichts schwerer als Beenden und bedeutet zugleich Vollenden.

Eine Vernunftehe schließen, heißt in den meisten Fällen, alle seine Vernunft zusammennehmen, um die wahnsinnigste Handlung zu begehen, die ein Mensch begehen kann.

Wenn Du durchaus nur die Wahl hast zwischen einer Unwahrheit und einer Grobheit, dann wähle die Grobheit; wenn jedoch die Wahl getroffen werden muß zwischen einer Unwahrheit und einer Grausamkeit, dann wähle die Unwahrheit.

Verwöhnte Kinder sind die unglücklichsten; sie lernen schon in jungen Jahren die Leiden der Tyrannen kennen.

Er ist ein guter Mensch! sagen die Leute gedankenlos. Sie wären sparsamer mit diesem Lobe, wenn sie wüßten, daß sie kein höheres zu ertheilen haben.

Du wüßtest gern, was Deine Bekannten von Dir sagen? Höre, wie sie von Leuten sprechen, die mehr werth sind als Du.

Ausnahmen sind nicht immer Bestätigung der alten Regel; sie können auch die Vorboten einer neuen Regel sein.

Die Frau verliert in der Liebe zu einem ausgezeichneten Manne das Bewußtsein ihres eigenen Werthes; der Mann kommt erst recht zum Bewußtsein des seinen durch die Liebe einer edlen Frau.

Der Schwächling ist bereit, sogar seine Tugenden zu verleugnen, wenn sie Anstoß erregen sollten.

Ein wahrer Freund trägt mehr zu unserem Glück bei, als tausend Feinde zu unserem Unglück.

Wohl Jedem, der nur liebt, was er darf, und nur haßt, was er soll.

Wenn man nicht aufhören will, die Menschen zu lieben, muß man nicht aufhören, ihnen Gutes zu thun.

Nicht tödtlich, aber unheilbar, das sind die schlimmsten Krankheiten.

Wenn die Zeit kommt, in der man könnte, ist die vorüber, in der man kann.

Soweit die Erde Himmel sein kann, soweit ist sie es in einer glücklichen Ehe.

Der Staat ist am tiefsten gesunken, dessen Regierung schweigend zuhören muß, wenn die offenkundige Schufterei ihr Sittlichkeit predigt.

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