03 Dezember 2025

George Packer: Die Abwicklung: Eine innere Geschichte des neuen Amerika

 George PackerDie Abwicklung: Eine innere Geschichte des neuen Amerika Cop. 2013 engl., dt. 2015

Packer stellt von einigen zentralen Figuren davon, wie die Globalisierung und die Machtzusammenballung bei einigen weltweit tätigen Firmen die auf ihrem Sektor eine Monopolstellung haben, dafür sorgt, dass die Gewinne für Arbeiten, die in einzelnen Regionen geleistet werden, primär in den zentralen  Firmen anfallen.

Wie sich das am Anfang dieses Jahrtausends in den USA im einzelnen abspielte, erläutert Packer auf gut 500 Seiten. 

Ich versuche das Prinzip, wie Profit bei einzelnen Firmen konzentriert wird, an aktuellen Beispielen erklären: Airbnb lässt sich dafür bezahlen, dass es zwischen Touristen und Schlafplatzanbietern vermittelt, Uber vermittelt zwischen Touristen und privaten Autofahrern für Taxidienste.  Die Arbeit wird von Privatleuten geleistet, bezahlt wird die Firma, die lediglich Vermittlungsdienste leistet.

Bei den neuen Sprachmodellen wie ChatGTP, bei denen gegenwärtig die schnellste Entwicklung von künstlicher Intelligenz (KI) stattfindet, ist das nicht ganz so leicht zu durchschauen. Am Anfang steht die Entwicklung eines Programms, für die Ausführung sorgen mit ihrer Rechenkapazität einerseits hochentwickelte Rechenzentren und andererseits Lieferanten von Speicherplatz. Beide werden gut bezahlte. Den "Rohstoff", menschliche Texte, liefert das Internet den Suchmaschinenanbietern kostenlos, z.B. auch die Wikipedia in über 200 Sprachen.  Denn die Texte des Internets sind sozusagen Abfallprodukte menschlicher Kommunikation.  Doch die Arbeit, diese Texte mit Gegenständen in unserer Welt in Verbindung zu bringen, müssen Menschen in Akkordarbeit (ohne Mindestlohngarantie!) im Globalen Süden leisten, z.B., indem sie zu Filmen zu jedem Teil aller gezeigten Gegenstände  (Von der Landwirtschaft kennen wir das schon, und die Eine-Welt-Läden, die versuchen mit Fairem Handel zu mehr Gerechtigkeit in den Handelsbeziehungen zwischen den Ländern des Globalen Südens und des Nordens beizutragen, können die Ungerechtigkeit kaum abmildern, aber sie können Bewusstsein dafür schaffen, dass diese Ungerechtigkeit besteht. 

Doch zurück zu Packers Darstellung, wie sich der Profit für Erwerbsarbeit bei multinationalen Konzernen konzentriert. Das erste Beispiel ist der Unternehmer Dean Price. Er stammt aus einer Familie von Tabakfarmern in North Carolina und  beweist sein Unternehmergeist in ständig neuen Unternehmen.  Zunächst erlebt er den Zerfall der traditionellen, für seine Region wichtigen Industriezweige wie Tabakanbau und -verarbeiten, Textil und Möbelindustrie. Er unternimmt es wiederholt, sich als Unternehmer zu etablieren, indem er Fast-Food-Restaurants, Läden und Tankstellen betreibt. Doch er scheitert daran, dass  die Preise seiner Rohstoffe ihm von multinationalen Konzernen vorgegeben werden. Als er bei Biodiesel die Möglichkeit sieht, in der Region den Treibstoff vor Ort herzustellen, der vor Ort gebraucht wird, scheitert er trotz seines Optimismus und seiner unermüdlichen Anstrengungen scheitert einerseits daran, dass er für seine Investitionen auf Kredit angewiesen ist und andererseits, dass es ihm nicht gelingt, seine Arbeit der Werbung für das neuartige Produkt und die Überwachung  der einzelnen Betriebe miteinander zu verbinden.

Das Versprechen von Wohlstand für alle gilt nicht mehr und der Einzelne kämpft vergeblich gegen die internationalen Konzerne und die von ihnen aufgebauten Strukturen. (vgl. auch Wikipedia und   Antworten einer KI)

Man sieht hier, wie ich sowohl die Arbeit der Wikipedianer und der KI, die mir beide kostenlos zur Verfügung gestellt werden, nutze. Immer in der Hoffnung, dass es nicht nur meinem eigenen Lernvorgang (Lernen durch Lehren), sondern auch Lesern meines Blogs dient. Dass Internetnutzung als solche nicht umweltfreundlich ist, nehme ich dabei notgedrungen in kauf.

Das zweite Beispiel ist Jeff Connaughton:

In George Packers „Die Abwicklung“ (Originaltitel: The Unwinding) dient die Biografie von Jeff Connaughton als zentrales Beispiel für die Verflechtung von politischem Idealismus und dem Einfluss des großen Geldes in Washington (der sogenannten „Drehtür“ zwischen Politik und Lobbyismus).

Sein Karriereweg im Buch verläuft über mehrere markante Stationen, die den Wandel des politischen Systems der USA widerspiegeln:

1. Der idealistische Beginn („The Biden Guy“) Connaughtons Laufbahn beginnt Ende der 1970er Jahre. Als Student an der University of Alabama ist er fasziniert von dem damals jungen Senator Joe Biden. Er wird zu einem „Biden Guy“ – jemandem, der seine politische Identität und Karriere fast gänzlich an den Erfolg dieses einen Politikers knüpft. Er arbeitet zunächst im Finanzteam für Bidens erste Präsidentschaftskampagne (1988) und später in dessen Stab im Justizausschuss des Senats sowie im Weißen Haus unter der Clinton-Regierung.

"Die Regeln, nach denen das ultimative Spiel gespielt wurde, änderten sich gerade. Als George Romney 1968 im Fernsehen erklärte, dass ihn die Generäle in Vietnam einer Gehirnwäsche unterzogen hätten, war seine Kandidatur zu Ende. 1972 stand Ed Muskie auf einer Lastwagenpritsche vor der Redaktion von William Loebs Union Leader und  vergoss wütende Tränen, weil der Herausgeber seine Frau Jane beleidigt hatte – und das war das Ende von Ed Muskie. 1980 legte Ronald Regen den Kopf zur Seite, kicherte und sagte: 'Da, Sie tun es schon wieder. 'Womit Jimmy Carter Präsidentschaft auf eine Amtszeit zusammenschrumpfte. 1984 schließlich, zitierte Walter Mondale, den Werbespruch einer Burgerkette. 'Where's the beef?' und Gary Hart sah plötzlich aus wie ein Schuljunge. Zehn Sekunden im Fernsehen genügten, um einen Politiker für immer zu definieren, um ihn zu krönen oder zu zerstören. Präsidenten und Bewerber begingen Selbstmord, eifrige Medien leisteten Beihilfe." [Biden hatte die Kennedys  zitiert, ohne die Zitate zu kennzeichnen. Das bedeutete das Ende seiner Kampagne um die Präsidentschaft.] (S.84)

Raymond Carver (S.90 ff.) Carver kam aus schwierigen Verhältnissen und wurde zum Säufer. Aber es gelang ihm, daraus herauszukommen."Er war ein Held der Literatur, einer, der der Hölle entkommen war. Umsichtig, glücklich schritt er durchs Leben, wie ein Verurteilter, der kurz vor der Exekution begnadigt worden war.

Er profitierte davon, dass die Achtziger, die glitzernde Oberfläche feierten. In den Reagan-Jahren galt als Chronist einer verzweifelten Unterschicht. Je karger und wortloser seine Figuren waren, desto mehr liebten die Leser ihren Schöpfer. Der Untergang der arbeitenden Masse faszinierte und ängstigte sie, sie glaubten, durch Rays Geschichten etwas von ihrem Geist zu spüren. Ihre Verehrung des Autors nahm religiöse Züge an. Die New Yorker Literatur Szene, gerade wieder quicklebendig, öffnete ihm ihr Herz. Er wurde zum modernen Klassiker und fand eine Menge Bewunderer unter jungen Schriftstellern, die seine strenge Prosa nachahmten, ohne sie im Feuer der persönlichen Krise geschmiedet zu haben. Für seine Buchumschläge ließ er sich mit der alten Griesgrämigkeit fotografieren, er blieb der Mann aus dem Arbeiterviertel, der zufällig in eine Buchvorstellung geraten war.
'Seine Erzählungen über Verlierer, über gescheiterte, beschämte und beschämende Männer, Säufer, vor allem, wurden an Yuppies verkauft', sagte einer seiner alten Freunde. 'Seine Figuren bestätigten diese Yuppies in ihrer Überheblichkeit.' (S.95). 

" 'Nimm es nicht persönlich, Jeff', sagte er, 'Biden lässt jeden im Stich. Er diskriminiert nicht, wenn es darum geht, seine eigenen Leute im Stich zu lassen.'

Connaughton sollte es Biden auch später nie verzeihen. Er war nie mehr wirklich überrascht von ihm oder enttäuscht. Er sollte noch viele Jahre mit Biden verbunden bleiben, er sammelte Spenden für ihn und arbeitete hart für seine Wiederwahl, er war und blieb einer der Biden-Jungs, aber die romantische Phase ihrer Beziehung endete mit Bidens Weigerung, diesen Anruf zu machen. Connaughtons Begeisterung für Biden, seine Besessenheit, hatte immer auch einen Kosten-Nutzen-Aspekt gehabt, und der rückte nun ins Zentrum des Verhältnisses. Biden hatte ihn benutzt, und er hatte Biden benutzt. Und dieses Verständnis würde weitergehen. Und mehr nicht. Es war jetzt eine politische Beziehung, wie sie in Washington gang und gäbe war." (S.132/133)

2. Der Wechsel ins Lobbying (Der „Ausverkauf“) Desillusioniert von den niedrigen Gehältern und der Mühsal des öffentlichen Dienstes – und frustriert darüber, dass Biden seine Loyalität kaum zu würdigen scheint – wechselt Connaughton die Seiten. Er geht zur „K Street“ (dem Zentrum der US-Lobbyisten) und gründet später mit dem Republikaner Ed Gillespie die Lobbyfirma Quinn Gillespie & Associates. In dieser Phase wird er finanziell extrem erfolgreich und wohlhabend, fühlt sich aber zunehmend innerlich leer. Packer beschreibt diesen Abschnitt als symptomatisch für eine politische Klasse, die sich vom Gemeinwohl entfernt hat, um sich persönlich zu profitieren.

3. Die Rückkehr und der letzte Kampf Im Jahr 2009 kehrt Connaughton überraschend in den Senat zurück, nicht für Biden, sondern als Stabschef für dessen Nachfolger Ted Kaufman. Hier versucht er, seinen früheren Idealismus noch einmal zu beleben. Sein Hauptziel wird der Kampf für eine strenge Finanzmarktreform nach der Krise von 2008 (konkret arbeitet er am Brown-Kaufman Amendment, das Großbanken zerschlagen sollte).

4. Endgültige Desillusionierung und Ausstieg Connaughton muss feststellen, dass die Macht der Bankenlobby und der Einfluss der Wall Street auf Washington (und auch auf die Obama-Regierung) zu groß sind. Das Brown-Kaufman Amendment scheitert. Connaughton kommt zu dem Schluss, dass das System fundamental korrupt ist („The blob“).

Am Ende des Buches zieht er die Konsequenzen: Er verkauft seine Anteile, verlässt Washington D.C. endgültig, zieht nach Savannah (Georgia) und schreibt ein Enthüllungsbuch über die Mechanismen Washingtons (Titel: The Payoff: Why Wall Street Always Wins).

Zusammenfassend: Connaughtons Weg in „Die Abwicklung“ ist der Bogen vom naiven Idealisten zum zynischen Profiteur und schließlich zum desillusionierten Reformer, der das System verlässt, weil er es für nicht mehr reparierbar hält.

(Dieser leicht ergänzte Text der KI wird ergänzt durch Zitate und ein Link zu dem betreffenden Abschnitt aus Parker: Die Abwicklung.)

Tampa (S.221-243)

"In den 1950er Jahren erfuhr Tampa ein nie dagewesenes Bevölkerungswachstum, was insbesondere zu einem enormen Ausbau der Infrastruktur führte. In dieses Jahrzehnt fiel unter anderem auch die Eröffnung des Lowry Park Zoo (1957) und der Busch Gardens (1959). 1956 wurde im Stadtteil North Tampa die University of South Florida eröffnet, die viele neue Arbeitsplätze entstehen ließ. Viele Firmen und Einrichtungen zogen im Laufe der Zeit von ihrem traditionellen Standort im Stadtzentrum in weiter außerhalb gelegene Bezirke um.[31]

Von 1967 bis 1973 wurden insgesamt fünf Versuche unternommen, die Stadtverwaltung von Tampa mit der Verwaltung des Hillsborough County zusammenzulegen. Diese scheiterten jedoch alle an der Wahlurne. Bei der letzten Entscheidung stimmten 33.160 (31 %) der wahlberechtigten Einwohner für und 73.568 (69 %) gegen diese Reform.[32]

Zuletzt wurde das Stadtgebiet 1988 durch die Erschließung eines zuvor ländlich geprägten Gebietes zwischen den Interstates 75 und 275 nördlich von Tampa um etwa 62 km² erweitert, das zum Bezirk New Tampa ernannt wurde." (Wikipedia)

Das unkontrollierte Wachstum führte dazu, dass natürliche Lebensräume wie Kiefernwälder, Zwergpalmenstrände, Orangenhaine, Mangroven und Erdbeerfelder dem Bau von immer mehr Wohnungen zum Opfer fielen. 

"Kein Ort war zu abgelegen oder ungeeignet, um erschlossen zu werden. In Gibsonton, einem kleinen Dorf an der Ostseite der Bucht von Tampa, überwinterte regelmäßig eine Gruppe von Karnevalsfanatikern, ansonsten sah der Ort aus, wie das ländliche Florida einst ausgesehen hatte: an jeder Ecke konnte man Anglerbedarf und Munition kaufen, die schmalen Straßen säumten moosbehangene Eichen. Hier kaufte Lennar Homes, eine Baufirma, eine alte Tropenfischzucht, schaufelte sie zu und begrub sie unter einer Betonplatte. Eine Siedlung aus 382 Häusern sollte / entstehen. Die einzigen Schulen, die es in der Nähe gab, bestanden aus Containern, die einzige Einkaufsmöglichkeit war ein wenige Meilen entfernter Wal-Mart. Arbeit gab es im Umkreis von dreißig Meilen keine. Aber die Siedlung war Wachstum, weshalb die Bezirksverwaltung die Warnungen der eigenen Fachkommission in den Wind schlug und Lenar alle erdenklichen steuerlichen Vergünstigungen ein räumte. 2005 war alles fertig, Carriage Pointe öffnete die Tore.

Da nirgends eine Ortsmitte zu finden war, da überhaupt keine Orte zu erkennen waren und kein einziger Hügel die Monotonie der flachen Landschaft brach, war es beinah unmöglich, sich ohne GPS zu orientieren. Wer seine Uhr einmal vergessen hatte, verlor im immer gleichen tropischen Licht schnell das Zeitgefühl. Man konnte nur versuchen, sich die Kreuzungen zu merken, an denen die immer gleichen Supermärkte, der Großmarkt Sam's Club, die Drogeriekette, Walgreens und eine Shell-Tankstelle die vier Ecken besetzen. […/...]
Anita, die die Sparsamkeit ihres Vaters nach St. Petersburg mitbrachte, wurde die Königin der Schnäppchenjagd. Sie arbeitete bei der Wachovia-Bank, die sich mit der Übernahme der kalifornischen Sparkasse World Savings in das Geschäft mit den Schrotthypotheken gestürzt hatte. Ihr besonderes Kreditangebot hieß Pick-a-Pay: Kunden waren eingeladen, Kreditverträge nach den eigenen Bedürfnissen zu gestalten, Zinssätze zu wählen und Ratenzahlungen festzulegen. Diese Hypotheken wurden zu einem spektakulär profitablen Saft gepresst, der in die Tanks der Wachstummaschine floss. 
Da war Jennifer Formosa, ebenfalls aus Michigan, die aber bei ihrer Mutter in Florida aufgewachsen war. Nach der High School arbeitete sie als Bankangestellte in Cape Coral und heiratete den Vater ihres Babys, einen Mann namens Ron, der zwar keinen Schulabschluss hatte, aber mit dem Gießen von Fundamenten ganz ordentlich verdiente. Ron und Jennifer nahmen einen Kredit von 110 000 Dollar auf und bauten ein Haus mit drei Schlafzimmern. Nach einiger Zeit refinanzierten sie die Hypothek, um die laufenden Rechnungen zu bezahlen, dann beliehen sie das Haus, um ein neues Dach zu bezahlen, dann refinanzierten sie noch einmal, um ihre Autos abzuzahlen, eine Terrasse zu bauen, ein Boot zu kaufen. Was übrig blieb, verschleuderten sie auf Kreuzfahrten und – mit den Kindern in Disney World." 
(Packer, S.223- 225)
"Aus dem ganzen Land kamen Spekulanten, die Häuser kauften, um sie möglichst schnell wieder abzustoßen. 50.000 Dollar in sechs Monaten galt als realistischer Profit, es gab Sekretärinnen mit einem Jahresgehalt von 35.000 $, die fünf oder zehn Häuser besaßen und mit Millionenkrediten jonglieren, und Autohändler, die ihr erstes richtiges Geld verdienten, als sich die Immobilienpreise innerhalb von zwei Jahren verdoppelten. 2005 auf dem Höhepunkt des Wahnsinns, wechselte am 29. Dezember in Fort Myers ein Haus für 399 600 Dollar den Besitzer, das einen Tag später, am 30. Dezember, für 589 900 Dollar weiter verkauft wurde. Es waren die Spekulanten, so genannte Flippers, die die Preise in die Höhe trieben." (S.227)
Ende 2005, Anfang 2006, auf dem Gipfel der Spekulation, brach plötzlich das Vertrauen weg, der Grund gab nach, auf den Floridas Wirtschaft gebaut war, sie stürzte, wie Bugs Bunny, der noch kurz in der Luft schwebte und in die Tiefe blickte, bevor er abwärts rauschte. Die Preise taten etwas, das Schuldner und Kreditgeber, Flipper, Wall-Street-Broker mit Überbeständen, Kreditausfallversicherer, die Hypothekenbank, Fannie Mae, asiatische Banker, die acht Prozent erwarteten, groteske Preistreiber im Kabelfernsehen und Alan Greenspan für undenkbar gehalten hatten: sie begannen zu fallen. (Packer, S.235). 
"Die Hälfte, vielleicht zwei Drittel der Häuser in der Siedlung standen leer, und wer versuchte, sich in Country Walk zu halten, parkte weiterhin brav in der Einfahrt und mähte den Rasen des Nachbarn mit, um die Verwahrlosung zu verbergen. Es gab Abschnitte, die schneller verkamen als andere. Hier wuchs das Gras bereits kniehoch, das Unkraut schoss zwischen den Platten hervor, aus Klimaanlagen waren die Kupferdrähte herausgerissen, grüner Schimmel wuchs auf altweißem Stuck wie Ausschlag, hier und da klebte an einer Haustür ein Zettel: LEERSTEHEND, AUFGEGEBEN. [...] So schnell, wie die Preise in die Höhe geschossen waren, waren sie auch wieder gefallen. Bunnys Haus in Twin Lakes, wenige mal nördlich von Country Walk, dessen Wert sich in kürzester Zeit von 114.000 Dollar auf 280.000 Dollar mehr als verdoppelt hatte, War zwei Jahre später noch 160.000 Dollar wert (S. 236) 
Ecosia: "Er zeichnet ein Bild von Menschen, die durch das Auseinanderbrechen sozialer Sicherheiten und wirtschaftlicher Stabilität in eine Abwärtsspirale geraten, wobei Tampa exemplarisch für viele amerikanische Städte steht, die von der Krise hart getroffen wurden. Die Zwangsvollstreckungen sind dabei nicht nur ein finanzielles Problem, sondern auch ein tiefgreifender Einschnitt in das Leben und die Würde der Betroffenen, was Packer eindringlich schildert": Richter bekamen 300 Fälle auf einmal zugewiesen, für jeden Fall brauchten sie durchschnittlich 3 Minuten, in Fällen, keine Beteiligten gehört werden mussten, ging es in Sekundenschnelle: "Richter in schwarzen Robben standen bereit – darunter einige, die aus dem Ruhestand zurückgekehrt waren und einen Tagessatz von 600 $ erhielten, der zum großen Teil durch die anfallenden Vollstreckunggebühren gedeckt wurde – und machten sich daran, eine halbe Million Fälle abzutragen, wie frühere Generationen die Mangrovensümpfe trocken gelegt hatten, und Platz für die Stadt Tampa zu schaffen. 
Die Anzahl der Fälle war so enorm, und der Druck des obersten Gerichts von Florida war so groß, dass einem einzigen altgedienten Richter, der vielleicht 75 Jahre alt war, 3000 Verfahren auf einmal gegeben wurden. Ein normaler Verhandlungstag an einem Dezembermorgen [...] bestand vielleicht aus 60 Fällen, um 9:00 Uhr begann es [...] und endete um 12:00 Uhr mit [...] pro Fall waren drei Minuten vorgesehen, meistens entschied der Richter schneller. Nach der Mittagspause kam die nächsten sechzig Fälle dran. Es begann um 13:30 Uhr [...] und endete um 17:00 Uhr [...]." (Packer, S. 303 )

Zur weiteren Entwicklung:

"[...] Für Breitbart veränderte sich noch einmal alles, als an einem Augusttag des Jahres 2009 – die Chicago Tribune schloss ihrer Auslandsredaktion, die Washington Post schloss, die letzten Büros in New York, Chicago und Los Angeles – ein junger Bürgerjournalist namens James O'Keefe mit einem Stapel ungeschnittener Videos in sein Haus spazierte. Sie waren das Abu Ghraib des Sozialstaats, wie er seit den Great-Society-Reformen unter Lyndon B. Johnson bestanden hatte. In den Videos gaben sich O'Keefe und eine Bürgerjournalistin namens Hannah Giles als Zuhälter und Prostituierte aus, die ein Bordell mit minderjährigen Mädchen aus El Salvador eröffnen wollten. James und Hannah trugen ihre versteckte Kamera in Baltimore, New York und anderswo in die Büros der linken Organisation ACORN und filmten freundliche Büroangestellte, die ihnen Ratschläge zur Geschäftsgründung gaben und Steuertricks verrieten. 'Es war, als würde man zuschauen, wie die westliche Zivilisation an die Wand gefahren wird.'
Breitbart wusste sofort, was zu tun war. Eine Nachricht war erst dann etwas wert, wenn man die Leute hungrig machte, er wollte die Medien füttern wie einen abgerichteten Hund. Ein Video nach dem anderen würden sie veröffentlichen, sie würden ACORN ohne Warnung konfrontieren und die Agenturen überraschen, um sie mit ihren Lügen und Tendenzen bloßzustellen und die Story möglichst lange am Leben zu halten. Ein Sender wie Fox News würde den Effekt verstärken. Immer auf Angriff bleiben, immer laut und empört. Er zielte auf eher auf die Mainstream/medien – mal ehrlich, wer interessierte sich schon für die paar armen Hausbesitzer, die ACORN gegen Kredithaie schützte, oder die Arbeiter, für deren Löhne die Organisation kämpfte?
Wenige Monate später gab es ACORN nicht mehr, und Breitbart war ein Held der Teeparty. Die Medien stürzten sich auf ihn, alle wollten über ihn schreiben. Er fühlte sich, als hätte er hundert verbotene Substanzen gleichzeitig eingeworfen. Ein Riesenspaß war das! Es machte Spaß, die Wahrheit zu sagen, es machte Spaß, die öffentliche Meinung hinter sich zu wissen, es machte Spaß, nervöse Journalisten zu verarschen und den alten Medien auf den Hocker zu helfen, damit sie sich erhängen konnten. Breitbart ging in die Sendung des Politsatirikers Bill Maher bei HBO und verteidigte sich selbst und Rush Limbaugh gegen die politisch korrekte Meute seiner Fans. Und er spürte zum ersten Mal im Leben wirklich, dass er auf der richtigen Seite stand. Er war der Anführer einer Freischärlertruppe von unangepasster Patrioten, die Chance zu tun, was die Gründerväter einst getan hatten – eine Revolution gegen die Maschine anzuzetteln – war zum Greifen nahe.
Es kam dann so, dass eine Beamten des Landwirtschaftsministeriumsnamens Shirley Sherrod gefeuert wurde, weil sie in einem irreführend geschnittenen Video anti-weiße, rassistische Kommentare zu machen schien, obwohl sie eigentlich genau das Gegenteil getan hatte. Und wenn schon? Die andere Seite war auch nicht gerade für Fair Play bekannt. Und überhaupt: die Regeln der alten Medien, ihr Beharren auf Wahrheit und Objektivität, galten nicht mehr. Was zählte, war der größtmögliche Effekt, es ging darum, die Geschichte selbst an sich zu reißen. Das war der Grund, warum Breitbart von seinen erklärten Feinden Schützenhilfe erhielt, warum er jede Schlacht gewann. Offenbar war er zumindest halbwegs nüchtern gewesen, als er im College Vorlesungen über moralischen Relativismus hörte. [...]" (S.352/353). 

Tom Periello (S.370ff.)

Packer nutzt Perriellos Geschichte als Beispiel für den Versuch, das politische System in Washington von innen heraus zu verändern und die „Abwicklung“ der amerikanischen Gesellschaft aufzuhalten:

  • Der unwahrscheinliche Wahlsieg: Packer schildert Perriellos überraschenden Sieg bei den Kongresswahlen 2008 in einem eigentlich konservativ geprägten Wahlbezirk in Virginia. Perriello trat als progressiver Außenseiter an, der sich für die Arbeiterklasse einsetzte.

  • Idealismus gegen Realpolitik: Das Buch beschreibt Perriello als einen Idealisten, der im Kongress mutige Entscheidungen traf (wie die Zustimmung zur Gesundheitsreform „Obamacare“ oder zum Klimaschutzgesetz), obwohl er wusste, dass ihn dies in seinem Distrikt politisch gefährden würde.

  • Scheitern an der Polarisierung: Packer zeigt auf, wie Perriello Opfer der wachsenden politischen Spaltung und des Einflusses von Interessengruppen wurde. Trotz seiner Bemühungen, volksnah zu bleiben und seine Entscheidungen zu erklären, verlor er seinen Sitz bei den Wahlen 2010 gegen einen Kandidaten der Tea-Party-Bewegung.

Packer stellt Perriello als eine tragische Figur dar, die versuchte, die alte Ordnung des Gemeinwohls wiederherzustellen, während das politische System bereits in sich zusammenfiel.


Tammy Thomas (S.382ff.)

Tammy Thomas ist eine Fabrikarbeiterin aus Youngstown, Ohio, die aufgrund des wirtschaftlichen Niedergangs ihrer Heimatstadt zur Aktivistin wird.

Über ihr Engagement im Zusammenhang mit der MVOC (Mahoning Valley Organizers Collective) berichtet Packer Folgendes:

  • Soziale Mobilisierung: Tammy Thomas schließt sich der MVOC an, einer Bürgerorganisation, die sich für die Belange der Bewohner des Mahoning Valley einsetzt. Durch diese Arbeit findet sie eine neue Bestimmung jenseits der Fabrikarbeit.

  • Kampf gegen den Verfall: Ein zentrales Projekt, über das berichtet wird, ist der Kampf gegen die „Blight“ (den städtischen Verfall). Tammy und die MVOC setzen sich dafür ein, dass die Stadtverwaltung und abwesende Immobilienbesitzer zur Verantwortung gezogen werden, um baufällige Häuser abzureißen oder instand zu setzen.

  • Empowerment: Tammy lernt durch die MVOC, öffentliche Versammlungen zu organisieren, Politiker zu konfrontieren und ihre Stimme für die Gemeinschaft zu nutzen. Die Organisation dient ihr als Plattform, um den strukturellen Problemen in Youngstown entgegenzuwirken.

"

 Elizabeth Warren: Die „Populistin aus der Prärie“ (S.404ff.)

 Elizabeth Warren (Professorin an der Harvard Law Schoolund Expertin für Verbraucherinsolvenzen)   kommt aus bescheidenen Verhältnissen in Oklahoma.. Ihre politische Ansichten entstehen nicht aufgrund ideologischer Theorie, sondern aufgrund empirischer Forschung und persönlichen Beobachtungen.

Vom Konservatismus zur Systemkritik

Ein zentraler Punkt in Packers Darstellung ist Warrens intellektuelle Wandlung:

  • Ursprüngliche Sicht: Zu Beginn ihrer Karriere als Rechtsgelehrte vertrat sie eher konservative Ansichten. Sie glaubte, dass Privatinsolvenzen meist die Folge von mangelnder Disziplin oder dem Versuch seien, sich aus der Verantwortung zu stehlen.

  • Die Wende: Durch ihre Studien zum Insolvenzrecht erkannte sie jedoch, dass nicht mangelnde Moral, sondern wegbrechende Sicherungssysteme die Ursache waren. Sie stellte fest, dass Familien oft durch unvorhersehbare Ereignisse wie Krankheiten, Jobverlust oder räuberische Kreditpraktiken in den Ruin getrieben wurden. Warren erklärt, wie reglementierende Institutionen und Verbraucherschutzgesetze systematisch ausgehöhlt wurden. Sie zeigt auf, dass die Kosten für das, was ein Leben in der Mittelschicht ausmacht (Wohnen, Bildung, Gesundheitsversorgung), massiv gestiegen sind, während die Reallöhne stagnierten. Sie war eine der wenigen Stimmen, die nach der Finanzkrise 2008 die Macht der Banken offen angriffen, z.B. durch E die Gründung des Consumer Financial Protection Bureau (CFPB) – eine Behörde zum Schutz von Verbrauchern vor Betrug durch Finanzinstitute. Doch im Washingtoner Politikbetrieb stößt sie  auf Widerstand stieß, weil sie unangenehme Wahrheiten über die Verflechtung von Politik und Finanzwirtschaft ausspricht. (vgl. Gemini)

Kampf gegen die Wall Street (418ff.)

Am Beispiel von Nelini Stamp  und anderen jungen Menschen wird über die intensive Phase der Kohärenz und Gemeinschaft berichtet, die für viele Teilnehmer eine fast religiöse oder lebensverändernde Bedeutung hatte. Dazu gehört z.B. das Volksmikro (engl. Human microphone) Doch nach der Räumung des Zuccotti Parks bleiben die meisten Aktivisten allein, teils obdachlos und ohne politische Struktur 

Deutlich wird der Kontrast zwischen den der Arroganz und Abgehobenheit der Finanzeliten (wie etwa Robert Rubin mit seiner Aufhebung des Glass-Steagall Act, das die Trennung von Kredit- und Investmentbanken festlegte) und den „99 Prozent von Occupy.

Packer zieht eine Parallele von Occupy Wall Street und der Tea-Party-Bewegung. Beide Bewegungen seien aus einem Gefühl der Ohnmacht entstanden, sie sahen das System als manipuliert an. Der Unterschied lag darin, dass die Tea Party den Staat als Feind sah, während sich Occupy gegen die Banken und Konzerne richtete. Er würdigt den Mut der Protestierenden von Occupy, während die Regierung Obama demgegenüber zu zögerlich war, die Verantwortlichen der Finanzkrise zur Rechenschaft zu ziehen. Doch den fehlenden Erfolg von Occupy sieht er als Beweis an, dass in dieser Gesellschaft jeder zunehmend auf sich allein gestellt war.

Bei den Demonstrationen wurden keine konkreten Forderungen gestellt. Es gab auch keine zentrale Leitung, die sie hätte ausarbeiten und verbreiten können. Statt dessen trugen und zeigten viele stichwortartige Lebensläufe, die zeigen sollten, dass sie unverschuldet in ausweglose Not geraten waren. Das waren Texte wie der folgende:
"Ich habe alles getan, was man mir sagte, um Erfolg zu haben. Meine Noten waren sehr gut, ich erhielt ein Stipendium. Ich nahm einen Kredit auf, studierte und schloss mit Diplom ab. Jetzt bekomme ich keine Stelle. Die Schulden erdrücken mich. An meiner Haustür hängt ein Räumungsbescheid. Ich weiß nicht, wohin ich gehen soll.
Auf dem Konto habe ich $42.
Ich bin die 99 Prozent" (S.434)

"Zusammengenommen entwickelten diese Kurzbiografien die moralische Kraft eines sozialkritischen Dokumentarfilms oder eines Romans von John Steinbeck. Und sie erklären, warum Occupy Wall Street im Handumdrehen eine Marke wurde.
Die Verwendung des Wortes 'Einkommensschere' in den Medien verfünffachte sich, Präsident Obama hielt eine Rede zum Thema und sprach selbst über das 'eine Prozent'.  Jeder Filmstar, jede öffentliche Figur hatte zum Thema Occupy eine Meinung. Colin Powell äußerte sich verhalten positiv, und er erinnerte an eine Zeit, als seine Eltern in der South Bronx jederzeit Arbeit finden konnten. Robert Rubin bestätigte, dass in den vergangenen dreißig Jahren, mit Ausnahme der späten Neunziger, die realen Gehälter gefallen sein: 'Die Demonstranten haben Themen gefunden, die in unserer Wirtschaft eine zentrale Rolle spielen.'
Peter Thiel erklärte in einem Interview: 'In der neueren Weltgeschichte hat ungerechte Einkommensverteilung immer zu kommunistischen Revolutionen, Krieg oder einem deflationären. Zusammenbruch der Wirtschaft geführt. Die verstörende Frage ist, mit welchem Ergebnis wir dieses Mal zu rechnen haben, oder ob es einen vierten Weg gibt.' Elisabeth Warren, die mitten im Wahlkampf für den Senat stand, sagte: 'Ich habe die intellektuelle Grundlage für das geschaffen, was die Demonstranten dort tun. Newt Gingrich, der sich um die Präsidentschaft bewarb, wurde von Demonstranten bei einer Rede in Harvard gestört. Kurz darauf erklärte er vor einem Forum über 'familienorientierte Wertvorstellungen' in Iowa:    'Die ganze Occupy-Bewegung beruht auf der Annahme, dass wir denen immer etwas schuldig sind. Sie besetzen einen öffentlichen Park, für den sie nicht bezahlt haben, sie benutzen Toiletten in der Umgebung, für die sie nicht bezahlt haben, sie betteln um Essen, für das sie nicht bezahlen wollen, und sie stellen sich denjenigen in den Weg, die zur Arbeit gehen und die Steuern aufbringen, mit denen Toiletten und Parks bezahlt werden. Und all das nur, weil sie in ihrer Selbstgerechtigkeit zeigen wollen, wie tugendhaft sie sind und dass wir in ihrer Schuld stehen. Ich finde, das macht ziemlich deutlich, wie moralisch zerrüttet die Linke in unserem Land ist, und warum / wir ihnen immer wieder die schlichte Wahrheit zurufen müssen: Wascht euch erst mal ordentlich und sucht euch eine Arbeit.' Andrew Breitbach, der um einen Kommentar gebeten wurde, antwortete: 'Man muss sich schon genau ansehen, worum es geht um die Fäkalverschmutzung? Um die öffentliche Masturbation? Um Vergewaltigungen und Belästigung im Park? Wir haben den ganzen Zirkus im Blick.' Er sprach den Kommentar zu einem Dokumentarfilm mit dem Titel Occupy Unmasked, es war sein letztes Projekt und erschien erst nach seinem Tod." (S. 435/36)

Peter Thiel (S.447ff.) : "Auf der Tech Crunch-Konferenz in San Francisco kündigte er seine Thiel-Stipendien an: jährlich zwanzig mal einhundertausend Dollar für junge Menschen unter zwanzig, die eine unternehmerische Idee hatten, die die Welt verbessern würde." (S. 481).

Tammy Thomas
"Tammy war so engagiert, dass sie kaum Zeit hatte, im Wahlkampf zu helfen. Aber  am 5. November, wenige Tage vor der Wahl, fuhr sie mit Kirk Nodon zum Linkoln Park, und ging in dem Viertel, in dem sie aufgewachsen war, von Haus zu Haus. Es gab das Gerücht, dass eine Liste kursierte, die Wähler in dem Glauben unterschrieben, dass sie damit ihre Stimme abgaben, weshalb Tammy jeden, der mit ihr zu sprechen, bereit war, zuerst fragte, ob sie schon gewählt hätten oder ob sie bis zum Wahltag warteten. Dann fragte sie, ob sie am Wahltag abgeholt werden wollten. Überrascht stellte sie fest, dass die Begeisterung für Obama noch größer war als 2008, als viele Wähler unsicher waren, ob die Zeit für einen schwarzen Präsidenten reif sei und ob er eine Amtszeit über überhaupt überleben würde.
 Und als er am Tag darauf wieder gewählt wurde, war Tammy noch bewegter als vier Jahre zuvor. Sie war hautnah dabei gewesen, hatte die Umfragen gelesen und wusste, wie knapp der Ausgang in Ohio sein würde. Aus Angst, dass Obama verlieren könnte, hatte sie die ganze Wahl eher negativ gesehen: wenn er nämlich verloren hätte, hätten Miss Hattie und Miss Gloria, die Männer im Front Porch Café Und all die anderen, die sie rekrutiert hatte, gedacht, dass ihre Arbeit umsonst gewesen war. Und ihre eigene Lebenszeit, die Jahre, die sie investiert hatte, wären verloren gewesen. Tammy hatte sich gescheut, zu fragen, was im Fall eines Wahlsiegs passieren würde. Und als es geschafft war, dachte sie: 'Mein Gott, das bedeutet ja, dass wir wirklich etwas verändern können.' "(S. 484). 

Dean Price (S.485-504)

Wofür Dean Price das Altfett sammelte

Dean Price, ein Unternehmer aus North Carolina, wollte eine lokale und unabhängige Energieversorgung aufbauen. Sein Ziel war die Herstellung von Biodiesel.

  • Der Rohstoff: Er sammelte gebrauchtes Frittierfett (Altfett) aus Fast-Food-Restaurants in der Region.

  • Die Vision: Price wollte den "Bio-Fußabdruck" verkleinern und sich aus der Abhängigkeit von globalen Ölkonzernen befreien. Er gründete eine genossenschaftliche Tankstelle und eine Produktionsstätte, um den Kraftstoff direkt an lokale Bauern und Autofahrer zu verkaufen. Er sah darin eine Möglichkeit, die wirtschaftlich abgehängte Region der Appalachen wiederzubeleben.


2. Weshalb er zunächst erfolglos blieb

Trotz seines Enthusiasmus stieß Price auf massive Widerstände, die symptomatisch für die "Abwicklung" der alten Strukturen sind:

  • Bürokratie und Regulierung: Er wurde von staatlichen Auflagen und Sicherheitsbestimmungen für die Kraftstoffherstellung erdrückt, die eher auf Großkonzerne als auf kleine Garagenbetriebe zugeschnitten waren.

  • Logistische Probleme: Das Sammeln und Filtern von Altfett war schmutzig, zeitaufwendig und technisch fehleranfällig.

  • Finanzkrise 2008: Die Wirtschaftskrise traf ihn hart. Kredite wurden fällig, die Nachfrage sank, und seine Investitionen in die physische Infrastruktur (Tankstellen) lasteten schwer auf ihm.

  • Der Ölpreis: Als die Ölpreise schwankten, wurde sein Biodiesel zeitweise teurer als herkömmlicher Diesel, was die Kundenbasis schwinden ließ. Am Ende verlor er sein Geschäft und sein Vermögen.


In meinem Exemplar von Packer: Die Abwicklung von Dezember 2015 (ich habe im Internet kein neueres gefunden) enthält am Schluss nur einen Traum von Dean Price über das Haus, das er sich bauen will, keinen Erfolg mit Hanf. Ob in der englischen Version die Erfolgsgeschichte vorkommt oder ob die KI Gemini sie erfunden hat, weiß ich nicht. Die zusammenfassende Aussage der KI über den Misserfolg wird durch einen später denkbaren Erfolg aber nicht widerlegt.

3. Warum er am Ende Erfolg hatte

Sein "Erfolg" am Ende des Buches ist nicht unbedingt ein klassischer finanzieller Triumph im großen Stil, sondern eher eine erfolgreiche Anpassung an die neuen Realitäten:

  • Fokus auf Hanf: Price erkannte, dass Biodiesel allein nicht reichte. Er wechselte den Fokus auf den Anbau von Industriehanf. Er sah darin eine vielseitigere Nutzpflanze, die sowohl für Treibstoff als auch für Textilien und Baumaterialien genutzt werden konnte.

  • Politischer Aktivismus: Er wurde zu einem Pionier für die Legalisierung von Nutzhanf in North Carolina. Sein Erfolg lag darin, die Gesetzgebung zu beeinflussen und eine neue Nische zu besetzen.

  • Dezentralisierung: Er gab den Traum vom großen Imperium auf und konzentrierte sich auf ein Modell der lokalen Selbstversorgung. Sein Erfolg war die Erkenntnis, dass man in einer "abgewickelten" Welt nur bestehen kann, wenn man flexibel bleibt und sich auf die Gemeinschaft vor Ort verlässt, anstatt auf das alte System der Banken und Konzerne.

Zusammenfassend: Dean Price scheiterte an der Trägheit und den Regeln der alten Welt (Öl, Banken, Bürokratie), fand aber Erfolg, indem er die Trümmer dieser Welt nutzte, um mit Hanf und lokaler Energie etwas völlig Neues und Widerstandsfähiges aufzubauen.

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