03 Januar 2026

Die Rache des jungen Meh oder Das Wunder der zweiten Pflaumenblüte, Leipzig 1927. (geles. 1962/66)

 Die Rache des jungen Meh oder Das Wunder der zweiten Pflaumenblüte, Leipzig 1927. 

Dies Buch war der erste chinesische Roman, den ich gelesen habe. Das war in den 1960er Jahren, und er hat mir gut gefallen.

Anderes hat mich dann enttäuscht. So der Traum der roten Kammer, einer der berühmtesten chinesischen Romane. Natürlich habe ich nicht bezweifelt, dass das ein besserer Roman war. Aber aus der Rache habe ich so vieles über China gelernt: die Rolle der Bildung, der Konventionen, der Standesunterschiede. Und anders als in den Abenteuerromanen von A.E. Johann und selbst bei Pearl S. Buck, die ich früher gelesen hatte, war es hier chinesische Innensicht, wirklich ein Bestandteil der chinesischen Literatur.  

Dagegen bot der Traum der roten Kammer vor allem Unverständliches, ein ganz fremdes Lebensgefühl. Gelesen habe ich auch Die Räuber vom Liang-Schan-Moor und das Jīnpíngméi zwei weitere Romane, die zu den Klassischen chinesischen Romanen gezählt werden, beide weit leichter zugänglich als der Traum. Trotzdem blieb mir die Rache als der liebste chinesische Roman in Erinnerung (obwohl ich es wohl nie wieder ganz durchgelesen habe). Jetzt, bei einer Lektüre gut 60 Jahre später drängt sich mir auf: Das ist ja ein Kolportageroman, ganz abgestellt auf die Gegensätze von völlig gut und völlig böse. Außerdem - für mich als erwachsenen Leser fast beschämend - das große Element von Märchenhaftem, Geistern, Göttern. 

Zur Handlung: 
Der vorbildliche Beamte Meh und seine Freunde verlieren aufgrund der Intrigen der Bösen, nämlich des Kanzlers Lu Ki und des Kultusministers Huang Sung ihren Titel. Meh wird sogar hingerichtet. (Völlig unglaubhaft wirkt, dass er den Kanzler, der das volle Vertrauen des Himmelssohns genießt, wüst beschimpft, obwohl er keine Belege für seine Aussagen hat und kein Grund zu sehen ist, aufgrund dessen der Kaiser dem Kanzler das Vertrauen entziehen sollte.
Die Handlung führt über märchenhafte Unglücksfälle und Rettungen zum Sieg der Guten des jungen Meh und seines Freundes Wie schlecht es den Guten auch immer geht, sehr rasch wird erkannt, dass sie zur besseren Schicht gehören. Sie brauchen nur etwas zu sagen oder etwas zu schreiben, schon sind sie als bedeutende Kulturträger erkannt.
Wie bei Karl May gehen die Guten dann mit denselben Methoden mit ihren Gegnern um.Der Kanzler und der Kultusminister werden gefoltert, bis sie sich schuldig bekennen. 
Entscheidend dafür, dass das möglich ist: der Himmelssohn (Kaiser) wechselt plötzlich die Seiten und erkennt im Kanzler, der vorher sein volles Vertrauen genossen hat, einen schändlichen Verräter. Das passiert, weil die Guten sich in den Staatsprüfungen als die Allerkultiviertesten und somit Vorbildhaftesten im Sinne der Bildungsideologie erwiesen haben.