Die Rache des jungen Meh oder Das Wunder der zweiten Pflaumenblüte, Leipzig 1927.
Dies Buch war der erste chinesische Roman, den ich gelesen habe. Das war in den 1960er Jahren, und er hat mir gut gefallen.
Anderes hat mich dann enttäuscht. So der Traum der roten Kammer, einer der berühmtesten chinesischen Romane. Natürlich habe ich nicht bezweifelt, dass das ein besserer Roman war. Aber aus der Rache habe ich so vieles über China gelernt: die Rolle der Bildung, der Konventionen, der Standesunterschiede. Und anders als in den Abenteuerromanen von A.E. Johann und selbst bei Pearl S. Buck, die ich früher gelesen hatte, war es hier chinesische Innensicht, wirklich ein Bestandteil der chinesischen Literatur.
Dagegen bot der Traum der roten Kammer vor allem Unverständliches, ein ganz fremdes Lebensgefühl. Gelesen habe ich auch Die Räuber vom Liang-Schan-Moor und das Jīnpíngméi zwei weitere Romane, die zu den Klassischen chinesischen Romanen gezählt werden, beide weit leichter zugänglich als der Traum. Trotzdem blieb mir die Rache als der liebste chinesische Roman in Erinnerung (obwohl ich es wohl nie wieder ganz durchgelesen habe). Jetzt, bei einer Lektüre gut 60 Jahre später drängt sich mir auf: Das ist ja ein Kolportageroman, ganz abgestellt auf die Gegensätze von völlig gut und völlig böse. Außerdem - für mich als erwachsenen Leser fast beschämend - das große Element von Märchenhaftem, Geistern, Göttern.