"Bismarck bezog nach dem Tod seiner Mutter im Jahr 1839 das hinterpommersche Gut Kniephof und wurde Landwirt. Gemeinsam mit dem um fünf Jahre älteren Bruder Bernhard bewirtschaftete er die väterlichen Güter Kniephof, Külz und Jarchlin im Kreis Naugard. Nachdem Bernhard von Bismarck 1841 zum Landrat gewählt worden war, kam es zu einer vorläufigen Teilung. Bernhard bewirtschaftete nun Jarchlin, Otto Külz und Kniephof. Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1845 übernahm Otto die Bewirtschaftung des Familienbesitzes Schönhausen bei Stendal.
"Bismarck erwarb schnell gute Kenntnisse in rationaler landwirtschaftlicher Betriebsführung. In den etwa zehn Jahren, in denen er als Verwalter des elterlichen Besitzes fungierte, gelang es ihm nicht nur, die Güter zu sanieren, sondern auch die eigenen Schulden zurückzuzahlen, die er in den zurückliegenden Jahren aufgehäuft hatte.
Einerseits gefiel es ihm, sein eigener Herr zu sein, andererseits füllten ihn die landwirtschaftliche Tätigkeit und das Leben als Landjunker nicht aus.[19] Er beschäftigte sich nebenher intensiv, aber unsystematisch mit Philosophie, Kunst, Religion und Literatur, ohne dass ihn dies nachhaltig geprägt hätte. 1842 unternahm er eine Studienreise nach Frankreich und England und in die Schweiz. Das Bestreben, in den Staatsdienst zurückzukehren, gab er 1844 auf – erneut aufgrund seiner Abneigung gegen alles Bürokratische. In diesen Jahren war er gerngesehener Gast bei zahlreichen gesellschaftlichen Ereignissen in der Region. Er nahm unter anderem an zahlreichen Jagdveranstaltungen teil, aber auch an ausschweifenden Zechgelagen. Eigenen Bekundungen zufolge hatte er sich in diesem Zusammenhang eine Art Trinkfestigkeit angeeignet; bei den Landjunkern habe er an Ansehen hinzugewonnen, weil er dazu fähig gewesen sei, seine „Gäste mit freundlicher Kaltblütigkeit unter den Tisch zu trinken“.[20] Dies wie auch die ihm anhaftende Neigung, bei gesellschaftlichen Ereignissen fast stets im Mittelpunkt zu stehen, brachte ihm den Ruf des „tollen Bismarck“ ein.[21]"
Brief an die Braut Johanna von Puttkamer Kniephof, Mittwoch Abend. 28.4.4 Werke in Auswahl 1. Band, S.129f. "Heut früh, meine geliebteste Geliebte, bin ich effectiv hier eingetroffen, nachdem ich die Nacht mit 3 Offizieren, die mich kannten, ohne von mir gekannt zu sein, und mit einer hübschen jungen Dame zugebracht habe, die auf mein höfliches Anbieten, ihren Mittelplatz mit meinem sehr guten Eckplatz zu vertauschen, in gereizten Ton erwiderte: I c h kann nich rückwärts sitzen, un übrigens is mich dieser Platz anjewiesen; worauf ich ehrerbietig schwieg. In Cöstlin war Aufruhr, noch nach 12 die Straßen so gedrängt voll, dass wir sie mit Mühe und nur unter dem Schutz einer Abteilung der einbeorderter Landwehr passirten. Bäcker und Schlächter geplündert, 3 Häuser von Kornhändlern ruinirt, Scheibenklirren usw. Ich wäre gern dageblieben. Die Rieselwiesen und die Stachelbeeren sind hier/saftig grün, auch Faulbaum und Flieder haben Blätter wie ein Ducaten groß, und der Erdboden unter den Bäumen und Büschen des Dornbergs (Park) war mit blauen, weißen und gelben Blumen dicht bezogen, in meinen vollständigen Wappenfarben wie zum Abschiedsgruß prangend. Auf der ganzen Gegend von Wiesengrün, Wasser und entlaubten Eichen lag eine weiche, traurige Stimmung, als ich nach vielem Geschäftsverdruss gegen Sonnenuntergang meinen Abschiedsbesuch auf den Plätzen machte, die mir lieb und auf denen ich oft träumerisch und schwermüthig gewesen war. An der Stelle, wo ich ein neues Haus hatte bauen wollen, lag ein Pferdegrippe; noch im Knochenbau erkannte ich die Überreste meines treuen Caleb, der mich 7 Jahr lang, froh und traurig, wild und träge auf seinem Rücken über manche Meile Weg getragen hat. Ich dachte an die Haiden und Felder, die Seen und die Häuser und die Menschen darin, an denen wir beide vorbeigeflogen, mein Leben rollte sich rückwärts vor mir auf, bis in die Tage zurück, wo ich als Kind auf dieser Stelle matte Abendroth, bis zum Überlaufen voll von Wehmuth und Reue über die träge Gleichgültigkeit und die verblendete Genußsucht, in der ich alle reichen, Gaben der Jugend, des Geistes, des Vermögens, der Gesundheit zweck- und erfolglos verschleudert, bis ich dir, mein Herz, zumuthete, das Wrack, dessen reiche Ladung ich im Übermuth mit vollen Händen über Bord geworfen hatte, in den Hafen Deines unentweihten Herzens aufzunehmen. Ich ging recht niedergeschlagen nach Hause; jeder Baum, den ich gepflanzt, jede Eiche, unter deren rauschender Krone ich im Grase gelegen, schien mir vorzuwerfen, dass ich sie in fremde Hände gab, und noch deutlicher taten das meine sämtlichen Tagelöhner, die ich hier versammelt vor meiner Tür fand, um mir ihr Leid zu klagen, über die jetzige Not und ihre Besorgnis vor der Zukunft unter dem Pächter. 'Er wird sich viel darum kümmern, wenn wir in Krankheit und Elend geraten'; dabei hielten sie mir vor, wie lange sie meinem Vater schon gedient hätten, und die alten, Grauköpfe weinten ihre hellen Tränen, und ich war auch nicht weit davon. Ich wusste auch nichts zu meiner Entschuldigung zu sagen, denn hätte ich mich um das Meinige gekümmert, anstatt Fremde für mich wirtschaften zu lassen, und wäre so vernünftig gewesen, wie ich verschwenderisch war, so wäre mir die Verpachtung jetzt nicht ein pecuniäres Bedürfnis geworden und wahrscheinlich gar nicht erfolgt. Es beunruhigt mich im Gewissen recht sehr, diese Leute, deren Schutz mir Gott anvertraut hat, der Habsucht des Pächters zu überlassen.– Moritz ist, wie mir Antonie [v. Bblankenburg] schreibt, schon am Freitag nach Berlin gereist, wo ich ihn hoffentlich noch treffe. Morgen früh reise ich weiter und bleibe einen 1/2 Tag in Stettin; Freitag nach Berlin, Sonntagmittag nach Schönhausen. Herzliche Grüße an unsere Mutter. God bless you. Our love is the bright, star, that shines through the darkness of my soul! B.