Martin Wein: Die Weizsäckers. Geschichte einer deutschen Familie, 1988
Carl Friedrich von Weizsäcker war der erste der Familie, der mir ernsthaftes Interesse abnötigte: Protest gegen eine atomare Bewaffnung der Bundeswehr (1957) und das, wo er doch in der NS-Zeit an der Entwicklung einer Atombombe (in einem sehr frühen Stadium) mitgearbeitet hatte, dann sein Auftreten bei einer Tagung um die 1968er Jahre in München, wo ich ihn persönlich erlebte, ohne ihm zu begegnen. Dann seine philosophischen Arbeiten (am Rande sein Text über Goethes Farbenlehre). Ernst von Weizsäcker war mir wohl schon früher bekannt. Sein m. E. ernsthaftes Bemühen, "Schlimmeres zu verhüten", was zum Münchner Abkommen 1938 führte, Krieg verhinderte, aber eine geplante Absetzung Hitlers unmöglich machte, brachte ihn letztlich unter Anklage bei dem Wilhelmstraßen-Prozess (1947-1949), einem Nachfolger des Nürnberger Prozesses gegen die Hauptkriegsverbrecher (1945-1946).
Insofern eine tragische Figur, war er andererseits schon früh im SS-Hauptamt und insofern im Stab Himmlers und hat an der Deportation französischer Juden nach Auschwitz mitgewirkt.
Der Bundespräsident Richard von Weizsäcker hat sich vor allem durch seine Rede vom 8. Mai 1985 verdient gemacht. Über ihn glaube ich nicht viel Neues zu erfahren.
Über den Ministerpräsidenten Karl von Weizsäcker, hochbegabt, fleißig und königstreuer Monarchist habe ich jetzt schon nachgelesen, ein etwas positiveres Bild gewonnen (aus seiner Zeit zu verstehen). Über Victor von Weizsäcker hoffe ich mir ein besseres Bild machen zu können, wesentliche Informationen über den Wikipediaartikel hinaus verspreche ich mir nicht, hoffe aber auf das eine oder andere Zitat, was zu seiner Charakteristik beiträgt.
In den Vorsatzblättern des Buches findet sich eine Stammtafel der Familie, die bis ins 18. Jahrhundert zurückführt.
Ernst Ulrich von Weizsäcker wird in dieser Stammtafel mit aufgeführt, aber im Text nicht behandelt. Mir wurde er vor allen als Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie (1991-2000) bekannt. Mit seinem betont zukunfts- und umweltorientierten Ansatz passt dieser Sohn zwar durchaus zu seinem Vater Carl Friedrich von Weizsäcker, aber gar nicht in das Bild der früheren staatstragenden Honoratioren der Familie. Insofern ist es angemessen, dass er in dem 1988 veröffentlichten Buch nicht vorkommt.
Aber ich wüsste nicht, welche Familie des 20. Jahrhunderts ich als ebenso prägend für Deutschland nennen sollte außer den Weizsäckers und den Manns.
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