13 April 2018

Fontane bei der Büchergilde Gutenberg 1944

Im Vorwort taucht da so ein abgeklärter gemütlicher Herr auf, dem Herrn von Ribbeck beinah aus dem Gesicht geschnitten, dessen Bücher in einer norwegischen "Frontbuchhandlung" in Kirkenes zu erstehen sind.
Die Aussage, es sei das "mit Abstand älteste Stück des europäischen Kontinentes. Durch den Fund eines 3,69 Milliarden Jahre alten Kristalles nahe Kirkenes wurde das von Forschern geschätzte Alter des Kontinents um 200 Millionen Jahre übertroffen. Von diesem Stück Ureuropas aus entwickelte sich das Europa, das wir heute kennen." stammt freilich aus der Wikipedia. 
Dass man von einem "ewig jungen alten" Fontane sprechen kann, verdanken wir freilich Thomas Manns erstaunlich frühem Aufsatz, in dem er sich zu Fontane als Vorbild bekennt.

Ohne diese Ausgabe von 1944 wäre ich sicher nicht so bald auf das Kapitel "Buch" der "Wanderungen" gestoßen, das mit dem Storm-Motto "Was sonst in Ehren stünde, Nun ist es worden Sünde, Was fang ich an." beginnt und sich auf die "zur linken Hand" angetraute Geliebte Friedrich Wilhems II., die spätere Gräfin Ingenheim, bezieht. 

Auch "Grete Minde" liest sich auf dem vergilbten Kriegspapier, wenn "Zu Bacherach am Rheine ..." gesungen wird oder gesagt wird "Laß es, Grete. Du hast mich nicht um das Glück gebracht. Es war nur anders als andrer Leute Glück. Weißt du noch, ...", gar nicht so hölzern, wie ich diesen Ausflug Fontanes in die Geschichte in Erinnerung habe. 
Mir klingt da viel eher "Gestern, als wir über die Wiese gingen und plauderten und ich dir den Strauß pflückte, das war unser letztes Glück und unsere letzte schöne Stunde" aus
"Irrungen Wirrungen" an und "Noch in diesem Augenblicke lacht mir das Herz, wenn ich daran zurückdenke, wie wir gingen und sangen: ›Denkst du daran‹. Ja, Erinnerung ist viel, ist alles. Und die hab ich nun und bleibt mir und kann mir nicht mehr genommen werden."

Freilich "Grete Minde" hätte mich wohl kaum für Fontane gewinnen können. Trotz der Stelle "Aber a Sündfall ohn a Engel", die sich auf so viele Frauengestalten Fontanes* beziehen lässt, nicht nur auf die  Gräfin Ingenheim.

*Die Wikipedia zu "Grete Minde": "Auffällig ist Fontanes einfühlsame Beschreibung der ungerecht behandelten Frau. Dieses Thema findet man auch in anderen Werken Fontanes, in Grete Minde ist es aber besonders plakativ dargestellt. Fontane nimmt klar Partei für die junge, reine Liebe, die nicht den damaligen Konventionen folgt, und gegen Dogmatismus, Ungerechtigkeit, Neid und Gleichgültigkeit."

Doch genug der Erinnerungen, das ist ein zu weites Feld.

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