04 November 2017

Lieblingslektüren

Es hat mich beeindruckt, als meine Tochter mit knapp acht Jahren nach der Lektüre von  Der Mond hinter den Scheunen von Erwin Moser weinte und sagte: "Nie wieder werde ich so ein gutes Buch lesen."
Ich glaubte es besser zu wissen als sie. Und doch gewinne ich beim Rückblick auf meine Lieblingslektüren mehr Verständnis für diesen Satz. Denn so unangefochten wie das erste Lieblingsbuch ist vielleicht kein anderes mehr "das beste Buch, das ich je gelesen habe".
Bei mir war es "Ein Kampf um Rom" von Felix Dahn. Ich denke, dass ich zwischen 8 und 10 Jahren war, als ich es das erste Mal las. Meine ältere Schwester hatte es siebenmal gelesen, ob schon damals oder erst in den zwei, drei folgenden Jahren weiß ich nicht. 
Ich weiß aber noch, wie ich mit 16 Jahren selbst spürte, dass der Anfang des Romans nicht sonderlich originell und etwas zu pathetisch war, als mein Freund ihn im Kreis unserer Freunde vorlas. Im Studium entdeckte ich dann ein Werk von Dahn, an dessen Anfang ebenfalls vier Germanen in ähnlicher Konstellation zusammentrafen, was meine Lust, weiter zu lesen, erheblich dämpfte, auch wenn ich das Buch bestimmt interessiert durchgeblättert habe, um festzustellen, ob es noch mehr Parallelen zum Kampf um Rom gäbe. Im Augenblick nicht mehr dazu. 
"Die Familie Pfäffling" von Agnes Sapper habe ich wohl in derselben Altersstufe sehr geschätzt.

Als nächste geliebte Lektüren fallen mir Anne Franks Tagebuch und Die Buddenbrooks von Thomas Mann ein, die ich mit 16 Jahren las. Vorher hatte ich mehrere Dramen Schillers mit meinen Schwestern im Wechsel gelesen. Geschätzt habe ich sie mit Sicherheit, aber Lieblingslektüre?

Mein Lieblingsautor war von da ab einige Zeit Thomas Mann (nicht der Dr. Faustus!). Der wurde von Fontane abgelöst. Von ihm wurden meine Lieblingsromane wohl in dieser Reihenfolge Irrungen - Wirrungen, Vor dem Sturm und Der Stechlin. Als ich Jane Austen kennen lernte, zog ich, bis ich alle ihre Romane gelesen hatte, sie der Fontanelektüre vor. 

Natürlich gab es danach immer wieder Lektüren, die mich beeindruckt haben. Aber wenn ich jetzt zurückblicke, sind es so viele, jedes in seiner Art, dass es mir schwer fällt, welche hervorzuheben. Mit der Zeit fallen mir allerdings sicher noch viele ein. 
Im Augenblick möchte ich nur nennen Lark Rise to Candelford von Flora Thomson, die mir einfiel, als ich daran dachte, auf Agnes Sapper hinzuweisen. Thompson ist gewiss die bedeutendere Schriftstellerin, auch wenn sie in Deutschland noch recht unbekannt ist. Gemeinsam aber ist ihnen, dass sie ihre Figuren mit viel Empathie sehen.
Dann Krabat von Otfried Preußler, weil es ein Kinder- und Jugendbuch ist, das mich als Erwachsenen sehr beeindruckt hat, auch durch seine literarischen Qualitäten.
Und schließlich Never Let Me Go von Kazuo Ishiguro. Bemerkenswert, dass mich ein Werk nach so viel vorhergegangener Lektüre noch so berührt hat. 2012 habe ich darüber geschrieben: "Der Roman ist eine Dystopie, die unsere Empörung wachrufen soll, aber er schildert sie uns in einer Weise, dass wir uns selbst in ihr wiederfinden können, mit unseren Hoffnungen, unseren Enttäuschungen und der Art, wie wir damit umgehen."

Freilich kann man in diesem Blog noch eine ganze Reihe andere Bücher finden, die mich beeindruckt haben. Das ist jeweils dort nachzulesen.

Gegenwärtig lese ich Gerhart Hauptmanns Abenteuer meiner Jugend. Außer den Webern gibt es wohl kein anderes Werk von Hauptmann, auf dessen Lektüre zu verzichten mir von heute aus gesehen problematischer erschiene. 

Bei Gelegenheit werde ich hier Lieblingslektüren nachtragen. Schon jetzt nenne ich aus der Kinder- und Jugendzeit noch Der Kampf der Tertia von Speyer, Hasko von Luserke und die Deutschen Heldensagen in der Nacherzählung des als NS-Schriftstellers hervorgetretenen Blunck

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