06 März 2012

Blütenlese aus Jean Pauls Titan III

[…] im Morgengeläute spricht die zukünftige, wie im Abendgeläute die vergangene Zeit; [...]

hier errötete ihr ganzes schönes Wesen wie eine beleuchtete Landschaft nach dem Abendregen; [...]

wenn die weibliche Träne leicht flieht, so entflattert ja noch leichter das weibliche Lächeln, und dieses ist ja noch öfter als jene nur Schein!

»Mein Lehrer, der Kunstrat Fraischdörfer, setzte auch die Malerei über die Musik hinauf. Mir ist aber bei ihr, als hört' ich eine laute Vergangenheit oder eine laute Zukunft. Die Musik hat etwas Heiliges, sie kann nichts als das Gute

Wie oft, ihr schönen Seelen, hab' ich in diesem Kapitel mein ergriffenes Herz bezwingen müssen, das euch anreden und stören wollte! [...]

Alles schwillt für die Menschen ungeheuer an, wovon sie lange reden müssen -

Unter den Kindern – wovon die unerzognen allein noch nicht ungezogen waren –

[...] ein letzter Tag ist feierlicher als ein erster; am 31sten Dezember überrechn' ich 365 Tage und deren Fata, am 1sten Jenner denk' ich an nichts, weil ja die ganze Zukunft durchsichtig ist oder in fünf Minuten aus sein kann

In London macht' ich Reden voraus (denn ich bin ein Gelehrter) für Menschen, die gehangen werden und doch noch etwas sagen wollen; ich trug sie den reichsten Parlamentsrednern und selber Spitzbuben von Buchhändlern an, hätte aber die Reden beinah selber gebraucht.

der Huldigungsprediger Schäpe glaubte fast alles von seiner Rede, weil er sie zu oft gelesen, [...]

Im Schloßhofe stand ein Fuß auf dem andern, und eine Nadel konnte zwar zur Erde kommen, aber kein Mensch, um sie aufzuheben; [...]

Für die weibliche Schönheit ist der Tanzboden, was für unsere das Pferd ist, auf beiden entfaltet sich der gegenseitige Zauber, und nur ein Reiter holet eine Tänzerin ein.

Schon an und für sich haben die Weiber und spanischen Häuser viele Türen und wenige Fenster und es ist in ihr Herz leichter zu kommen als zu schauen

Keine Kommentare: