Zweiundzwanzigstes Kapitel
Ohne es noch zu ahnen, fuhren wir
einem Paradiese zu. Capri glich dem echten sogar insoweit, als auch
in ihm eine Schlange war. Ich bin ihr auf den Kopf getreten, aber die
Vergiftung durch einen Fersenstich ist nicht ausgeblieben, und ich
habe damit, solange ich in Italien war, zu schaffen gehabt. Vom
Dampfer aus wurden wir zunächst in die Blaue Grotte geführt, die,
im Altertum bekannt, von den Deutschen Kopisch, dem Dichter-Maler,
und dem Maler Fries neu entdeckt wurde. [...]
Mit Sorgen quälten wir uns in Capri
nicht. [...]
Dreiundzwanzigstes Kapitel
Wie nach einem metallenen Kruzifix,
das auf den Grund des Meeres gesunken ist, hätte ich aussichtslose
Tauchversuche unternehmen müssen, um die religiösen Zustände von
Lederose wiederzufinden. Alle diese krankhaften Ängste und
Selbstquälereien waren mir unzugänglich geworden. Stufe für Stufe
war ich aus einer Welt ohne Kunst die Leiter der Schönheit
emporgeklommen, bis mir das Glück in Gestalt Marys die Hand reichte
und mir mit dem Zauberstabe der Liebe die Mauern meines Kerkers
öffnete. Da war ich nun, mein Bruder mit mir in der gleichen Lage.
Sieghaft standen wir hoch im Glanz. Aber war es nicht überaus
seltsam, wenn wir, fast betäubt von schönen Erfüllungen, unsere
Freunde und nicht unsere Bräute hierherwünschten? [...]
Was
Capri trotz dieser und anderer Verdrießlichkeiten uns war, empfanden
wir erst ganz, als wir uns nach Wochen, schweren Herzens, selbst aus
diesem Paradies verstoßen hatten.
Und
doch waren wir nur in das wundervolle Sorrent übergesetzt.
Aber
selbst hier spürte man überall den Einbruch einer fremden, einer
feindlichen Welt, die so wenig wie das Meer über die Insel Macht
hatte. Wirkliches Heimweh nach Capri überwältigte uns, und wir
dachten daran, sogleich wieder umzukehren und alle noch verfügbare
Zeit dem unvergleichlichen Orte zu schenken, wo wir, wie nirgend,
unsere eigene Jugend gefühlt und in Schönheit genossen hatten.
Alles
indessen hat seine Zeit, und so gehorchten wir einer anderen Stimme,
die uns vor dem Gedanken, einmal Gewesenes erneuern zu wollen,
abmahnte. Diese Stimme wollte auch wissen, daß uns ein solcher
Versuch nur enttäuschen würde.
Vierundzwanzigstes Kapitel
Carls und mein Zusammensein stand von
nun ab geradezu unter einem bösen Stern. Wir waren schon tief im
Mai, die Wärme wuchs und mit ihr Carls Reizbarkeit. Ich wünschte
Amalfi und Salerno zu sehen, die Tempel von Paestum zu besuchen,
Pompeji und Herkulanum kennenzulernen, den Vesuv zu besteigen und
anderes mehr. Gegen alles das sträubte er sich. Es gelang mir
schließlich mit großer Mühe, ihn zu bewegen, wenigstens eine Fahrt
nach Amalfi mitzumachen. Aber weder Carl noch ich hatten Freude
davon. Die Gluten des Himmels drückten auf Carl. Er ersehnte den
Norden, er wollte heimreisen. Daß ich es aber nicht wollte, nahm ihm
die Kraft zu diesem Entschluß. Konnte er sich als Schwächling
preisgeben? So saßen wir nebeneinander im Landauer, und mein Bruder
betrug sich so, als würde er gegen seinen Willen fortgeschleppt. Was
zu sehen war, Landschaft, Örtlichkeit und Menschen, wurde von ihm in
Bausch und Bogen abgelehnt. Wenn ich auf Schritt und Tritt
bewunderte, schwieg er gereizt oder versuchte, meine Empfindungen zu
entwerten. [...]
Besteigung des Vesuvs
Eine
Vesuvbesteigung kam hinzu, deren Schilderung ihr wohl Gruseln
erzeugen konnte.
Es
standen Gewitter am Horizont, als wir bei stechender Sonnenglut vom
Albergo del Sole abritten. Vor dem Aufbruchhatten wir lange
geschwankt. Nach längerem Ritt, aber bevor wir Bosco Trecase
erreicht hatten, sauste der erste Platzregen auf uns herab. [...]
Es war
notwendig, unsere Kleider zu trocknen, wenn unser kleiner Reisetrupp
die Vesuvbesteigung durchsetzen wollte. Aber auch weil man bei dem
ewigen Murren des Donners darüber noch beraten wollte, wurde in
einer kleinen Osteria Station gemacht.
Auf
den Steinen unserer Wirtsstube trugen die Führer, die wie
Abruzzenräuber aussahen, Reisig zusammen und machten ein Feuer an.
Was ich heute noch nicht begreife: wieso, bei der niedrigen Decke,
ging nicht das Haus in Flammen auf? wie war es möglich, daß
Menschen in dem weißen, beizenden Qualme atmeten, der mich
bereits nach Sekunden ins Freie trieb?
Ich
drängte zum Aufbruch, nachdem der Entschluß, den Aufstieg
fortzusetzen, gefaßt worden war, und bald saßen wir wieder in den
Sätteln.
Es
ging nun rücksichtslos bergan. Noch einige Häuser und Hütten
wurden passiert. Auf halber Höhe des Berges herrschte bereits
Dunkelheit. Groß war das Schauspiel, dem wir nun auf dem Rücken der
mit Anspannung aller Kräfte ausgreifenden Pferde beiwohnten.
Wiederum hatte sich schweres Gewölk
diesmal um den Gipfel des Berges gelegt, das murrte und grollte und
aus dem Innern des Kraters rot beschienen wurde. Von dorther wurde
außerdem ununterbrochen Glutgestein dawider emporgeschleudert. Höher
hinauf nahm das Grollen und die Mächtigkeit der Blitze zu, sie
folgten einander in kurzen Zwischenräumen. Endlich, als wir den
glühenden und knisternden Rand eines Lavastromes erreicht hatten,
war nur ein einziges ununterbrochenes Krachen in der Luft, und von
Wolke zu Krater und Krater zu Wolke sprangen ununterbrochen die
blauen Funken.
Bis zum Krater selbst zu gelangen,
mußten wir wohl unter solchen Umständen aufgeben. Ein Versuch dazu
wurde trotzdem gemacht.
Wir saßen ab und traversierten
mehrere Schlackenfelder, nur von Blitzen und vom Widerschein des
Vesuvs erhellt, bis wir durch unsere beinah versengten Sohlen und
einige furchtbare Einschläge in der Nähe zur Umkehr gezwungen
wurden. Glühende Steine sausten herab.
An den Fuß des Vesuvs zurückgekehrt,
wollte ich nicht in Trecase bleiben. Das Gasthaus war eine allzu
bedenkliche Unterkunft. Als ich aber meine Absicht, weiterzureiten,
um nachts noch Pompeji zu erreichen, den Führern und Pferdetreibern
mitteilte, rieten sie einstimmig davon ab.
Als ich auf meinem Entschluß
beharrte, ließen sie merken, daß die Straße nicht sicher sei. Um
den Ort Castellamare herum sei in letzter Zeit allerlei vorgekommen.
Keinesfalls wollte mich einer von ihnen begleiten.
Trotzdem galoppierte ich kurz darauf
durch die stockschwarze Nacht, neben mir ein mutiger Junge, den ich
mich zu begleiten bewogen hatte. Wir jagten beinah in Karriere dahin.
Noch erinnere ich mich, wie mir bewußt wurde, daß ich verloren
wäre, wenn irgendein kleines Hindernis das Pferd zum Stolpern
gebracht hätte. Auch an die hallenden Geräusche der Hufe, wenn wir
durch die Dörfer jagten, erinnere ich mich. Das Ganze in fremder,
unsicherer Gegend, zwischen ziemlich verrufenen Ortschaften, war wohl
geeignet, mich zu veranlassen, meine Seele Gott zu empfehlen. Aus
Torre Annunziata, wo unsere Pferde zu Hause waren, wollten sie nicht
mehr heraus. Wir mußten fortwährend auf- und abspringen, da sie
bäumten und dann sich leicht überwarfen. Mein kleiner Begleiter
übte dieses Turnen mit Meisterschaft. Er hätte auch sonst schlimm
enden mögen, da wir sein kleines, lebhaftes Pferd mehrmals aus einem
tiefen Straßengraben herausholen mußten, wo es zappelnd auf dem
Rücken lag. Nach alledem kamen wir aber doch wohlbehalten in Pompeji
vor meinem Gasthof Zur Sonne an. [...]
Fünfundzwanzigstes
Kapitel
Ohne
Carl würde Neapel nur ein Durchgangspunkt für mich gewesen sein.
Capri würde ich nicht besucht haben. Ich hätte das große Museum in
Neapel, hätte Herkulanum und Pompeji gesehen und wäre über
Brindisi, Korfu, Patras nach Athen weitergereist. Dieser Plan war
zunichte geworden, aber nicht allein wegen der fortgeschrittenen
Jahreszeit: er hatte in einer Überfülle neuer Eindrücke ertrinken
müssen.
Meine
hauptsächlich für Griechenland bestimmte Kofferbibliothek:
Overbeck, Curtius, Perikles von Adolf Schmidt, Pausanias, Hettners
Reise durch Griechenland und andere Werke, lag unberührt, freilich
auch – ich hatte den ganzen Crowe und Cavalcaselle mit –, was
sich auf italienische Kunst bezog.
Aber nun, zum schönen Schluß, wurde
mir doch noch das Glück zuteil, eines der schönsten Denkmäler
Großgriechenlands zu erblicken: die dorischen Tempel von Poseidonia.
So hatte meine Reise denn doch auf griechischem Boden zwischen den
Säulen griechischer Tempel ihre Weihen erhalten. Vielleicht ist es
gut, daß ich die Tempelburg und den Tempelberg der jungfräulichen
Göttin Athene nicht erreicht habe, deren Trümmerwelt meine Seele
damals vielleicht nicht mit so tiefer und fruchtbarer Trauer erfüllt
haben würde wie diese verlassenen rostroten Säulentempel, durch die
man das Blau des Mittelmeeres leuchten sieht. Sie heben sich aus
einer dichten grünen Wildnis von Farnkraut und Akanthus empor, jener
Distelart, die das klassische Blatt für das Kapitell der
korinthischen Säule gegeben hat, das vor noch gar nicht langer Zeit
im Zeichensaal meine Vorlage war. Als ich den Akanthus nun als
lebendige Pflanze vor mir sah, hatte dies etwas Traumhaftes: es hätte
können auch Asphodelos sein. War doch um mich trotz allem Brennen
der Sonne eine Art Versunkenheit und Verstorbenheit. [...]
Ich gelangte nach Rom, weil es auf
meinem Wege lag. Kaum aber war ich da, glaubte ich, daß ich nur
diese und diese Stadt gesucht hätte. Ich fühlte nach wenigen Tagen,
daß ich ihrer Atmosphäre erlegen und bereits darin heimisch war.
[...]
Zerzaust, ramponiert und äußerlich
elend kam ich heim, aber im Innern aufs höchste bereichert. Mary
erschrak, als ich in Hohenhaus auftauchte. Aber nach kurzer Zeit
haben mich die Hohenhauser Fleischtöpfe und das Hohenhauser Glück
wieder instand gesetzt. Es wollte mir freilich nicht mehr gelingen,
in dem schönen Elbtal so viel Glanz und Farbe wie früher zu sehen.
Nach der Farbenschwelgerei im Süden erschien mir die Landschaft wie
ausgebleicht und abgeblaßt. Das änderte sich, als eine, als die
zweite Woche vorüber war; Auge und Seele hatten ihre angeborene
Empfänglichkeit und Reizempfindlichkeit der schlichteren Heimatwelt
gegenüber wiedergewonnen. Ja, ein wahrer Heimatrausch kam dann über
mich: es war etwas Fröhlich-Sinnenfrohes, Unbesorgt-Barbarisches!
Schon in München bei der Durchreise hatte ich es gefühlt. Selbst
der letzte Schüttelfrost, den ich dort im Hotel zu bestehen hatte,
unterbrach ihn nicht. [...]
Sechsundzwanzigstes Kapitel
»Hic Rhodus, hic salta!« hieß es
nun. Ich war jung, unerfahren und hatte noch keineswegs über das
Wesen der Kunst, die ich ausüben wollte, genügend nachgedacht: ich
hätte sonst mein unschätzbares Selbstbestimmungsrecht besser
verwerten müssen. Denn statt nun mit Bewußtsein mein eigener
Schüler zu sein, ungeduldige Hast, Sprunghaftigkeit, Wunderglauben
und Ruhmesgier aus meinem Wesen zu tilgen, gab ich mich der
Verblendung hin, ich könne das Große im ersten Anlauf hinstellen.
Ich weiß nicht, ob ein Wort, das mein Vater immer wieder als Warnung
zu gebrauchen pflegte, von ihm richtig zitiert wurde: »Wer alles
will, will nichts.« Wäre ich dem, was es sagen will, damals
getreulich nachgegangen, hätte ich mich in meinem jetzigen Falle mit
dem l'art pour l'art begnügt. Ich würde mich, ohne anderes zu
wollen, als nur zu lernen, am besten vor die Natur, das Modell
gestellt haben. Alle Wucherungen der Phantasie, die ja überhaupt bei
dieser Kunst, wie ich bald erkannte, nur mit Vorsicht zu verwenden
ist, hätte ich gänzlich ausgeschaltet. Statt also Phantasien
beleben zu wollen und von innen nach außen zu bilden, hätte ich von
außen nach innen gebildet als ein zwar lebendiger, aber fast
unpersönlicher, fast willenloser Spiegel der Natur. Weit entfernt
davon, habe ich unreifes Wollen durch unreifes Hoffen zu manchmal
übergroßen, nutzlosen Mühen aufgerufen. [...]
Siebenundzwanzigstes Kapitel
Noch heut ist das gleiche Exemplar des
von Donner übersetzten Aischylos in meiner Hand,
aus dem ich
damals den »Gefesselten Prometheus« studierte. Es war mein Gedanke,
in dieser Rolle aufzutreten. Und ich bin fest überzeugt, daß, wenn
eine Liebhabervorstellung im Saal des Künstlervereins zustande
gekommen wäre, ich keineswegs Fiasko damit gemacht hätte. Ich war
mir dessen so sicher, wie ich mit dem Vortrag des »Tauchers« von
Schiller alle meine Mitschüler sicher übertroffen hätte. Aber man
rief mich dazu in der Klasse nicht auf, wo ich dann immer das
selbstgefällige Gestümper der Mitschüler, innerlich knirschend,
anhören mußte. Was liegt jedoch im Grunde daran, ob ich in jenem
kindlichen Falle oder in dem neuen, vielleicht ähnlich kindlichen
meinen Willen durchsetzen konnte? Dagegen ist mein unlösliches
Ergreifen der Aischyleischen Dichtung selbst in so jungen Jahren von
Bedeutsamkeit. Der Doppelband, den ich immer mit mir trug und der den
»Agamemnon«, »Das Todesopfer«, »Die Eumeniden«, »Die Sieben
gegen Theben«, »Die Perser«, »Die Schutzflehenden« und den
»Prometheus« enthält, ist bis auf diesen ungelesen, was die nur
hier vorhandenen Marginalien zeigen, woraus erhellt, wie mich der
»Prometheus«, immer wieder der »Prometheus«, an sich sog.
Meine Knabenzeit, so glücklich sie
war, machte mich in einem ungewöhnlichen Maße mit der angeborenen
menschlichen Eristik vertraut. Wer wüßte nicht, daß Eristik das
innerste Wesen des Dramas ist. Also war es das Drama, als das ich das
Leben zu leben gewöhnt ward. Anders verstand ich das Leben nicht. Ob
mich das glücklich machte oder nicht, zog ich nicht in Betracht. Ich
werde mich oft nach Ruhe, nach Frieden gesehnt haben. Aber das Drama,
das ich später Urdrama nannte, lebte nun einmal in mir. Der Vater,
die Mutter, die Geschwister, die engere und weitere Familie agierten
zunächst darin. Wie schon einmal erwähnt, wurden auf das innere
Forum, wo diese Schatten Eristik übten, alle wichtigen Fragen
gebracht und unter Affekten ausgekämpft. Ich hatte meine
Einmaligkeit gegen sie durchzusetzen. Das war es, worin mir der
»Gefesselte Prometheus« entgegenkam. Wie er, war auch ich von
Feinden umgeben, da sich mein inneres Forum und meine innere
Menschenwelt inzwischen geweitet und vervielfältigt hatten. Ich
spürte um mich »Kraft« und »Gewalt« am Werk und ihre von
höchsten Stellen gestützte Überlegenheit.
Gern machte ich mich glauben, daß
meine Gefangenschaft wie die des Prometheus, damit er »seiner
Menschenlieb' Einhalt gebeut«, verhängt werde. [...]
Man mißbraucht dieses Wort
Größenwahn, wenn man es auf die erbärmliche Lafferei ehrgeiziger
Dummköpfe anwendet. Die große Empfindung dieser Art, die ich damals
hatte und die sich ins unaussprechlich Erhabene weitete, verführte
mich zu irgendeinem äußeren Dünkel nicht. Meinethalben war es
Wahn; aber ist dann nicht alles Wahn? Weiß man nicht, daß jede
Empfindung nur ihre eigene Realität bedeutet und flüchtig ist, und
hat nicht Immanuel Kant trocken festgestellt, das Ding an sich bleibe
ewig von unserer Erkenntnis geschieden? [...]
Meine Angriffslust, mein Trotz, mein
Größenwahn mochten allerdings mitunter einen schwer erträglichen
Grad erreichen. Aber man mußte doch vor den Ideen Achtung haben, die
ich vertrat. Das prometheische Göttergeschenk der Kunst sollte als
göttlich betrachtet werden. Ich vertrat die Heiligkeit der Natur,
vor der jeder Ehrfurcht und Andacht empfinden müsse. Ich stellte
paradoxe Behauptungen auf: ein schmutziger Kerl, der sich mit seinem
Modell herumwische, könne etwas Großes und Reines nicht
hervorbringen. [...]
Schöne Frauen und junge Damen waren
plötzlich in großer Menge hereingeschneit. Den Preis erhielten zwei
Schwestern Dohm aus Berlin, die mit ihrer Mutter, Hedwig Dohm,
gekommen waren. Ihr Vater war Chefredakteur des »Kladderadatsch«.
[...]
Bei alledem blieb ich ein eigensinniger Frühaufsteher, besuchte die Frühmessen und dabei im Halblicht immer wieder das Grabmal Julius des Zweiten, trank meinen Umbra im Arbeitercafé und eilte zu meiner Kolossalfigur des Germanenkriegers zurück, mit der ich mich unsäglich abquälte.
Ob diese Riesenfigur von jemand bestellt sei, fragte man mich, und wenn ich verneinend geantwortet hatte, so wollte man nicht begreifen, weshalb ich sie ausführte. Nun begriff ich wieder, als ein eigenen Ideen frei hingegebener Künstler, dieses Nichtbegreifen nicht und ließ mich's nicht im geringsten anfechten.
(Gerhart Hauptmann: Das Abenteuer meiner Jugend , 1937)