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17 Juli 2017

Kleist: Der Zweikampf

"Herzog Wilhelm von Breysach, der, seit seiner heimlichen Verbindung mit einer Gräfin, namens Katharina von Heersbruck, aus dem Hause Alt-Hüningen, die unter seinem Range zu sein schien, mit seinem Halbbruder, dem Grafen Jakob dem Rotbart, in Feindschaft lebte, kam gegen das Ende des vierzehnten Jahrhunderts, da die Nacht des heiligen Remigius zu dämmern begann, von einer in Worms mit dem deutschen Kaiser abgehaltenen Zusammenkunft zurück, worin er sich von diesem Herrn, in Ermangelung ehelicher Kinder, die ihm gestorben waren, die Legitimation eines, mit seiner Gemahlin vor der Ehe erzeugten, natürlichen Sohnes, des Grafen Philipp von Hüningen, ausgewirkt hatte. Freudiger, als während des ganzen Laufs seiner Regierung in die Zukunft blickend, hatte er schon den Park, der hinter seinem Schlosse lag, erreicht: als plötzlich ein Pfeilschuß aus dem Dunkel der Gebüsche hervorbrach, und ihm, dicht unter dem Brustknochen, den Leib durchbohrte. [...]" (H.v.Kleist)

Herr Rau hat mich auf diese mir recht ungeläufige Erzählung Kleists hingewiesen. (sieh Wikipediaartikel) Ich finde den ersten Satz, aber auch die Erzählung selbst, so bemerkenswert, dass ich gern meinerseits darauf hinweise.
Die Handlung ist nicht nur grob unwahrscheinlich, sondern auch von Gewalt und extremen Gefühlen geprägt. Dazu passt der gleichsam gewaltsame Stil mit seinen extrem geschachtelten Perioden. 

27 Oktober 2015

"Kleist ist kein Mann für Kompromisse"

Für meinen Direktor, Lehrer für Deutsch und Geschichte, war Kleists "Prinz Friedrich von Homburg" einer der wichtigsten Texte für den Deutschunterricht. Für mich ist es ein Stück des übertriebenen Nationalismus und eine fragwürdige Verherrlichung preußischen Pflichtgehorsams. Nicht des Kadavergehorsams, aber der Unterwerfung unter die höhere Idee des Staates und des nationalen Interesses, ähnlich dem des antiken Roms.
Ob mein Direktor es für eine grandiose Darstellung der Akzeptanz des Kantschen Pflichtgedankens hielt, ich weiß es nicht. So recht habe ich seine Wertschätzung des Stückes nie nachvollziehen können.
Dass Kleist aber - trotz fragwürdiger Stücke wie der Herrmannsschlacht - einer der besten deutschen Dramatiker war und ein begnadeter Sprachkünstler und Meister der Verdichtung, das würde ich schon vertreten. Mehr dazu in dem Spiegelartikel "Kleist ist kein Mann für Kompromisse", in dem bezeichnenderweise Prinz Friedrich von Homburg nicht vorkommt (vielleicht, weil er vor der Salzburger Aufführung von 2012 entstanden ist?), der aber eine sehr gelungene Charakteristik und Würdigung Kleists bietet.