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14 Oktober 2025

Fontane über seine Arbeitsweise

 An Emilie Zöllner Berlin 5.6.1884

Ich muss die letzten drei Juni-Wochen in Thale zubringen, weil ich dort – im ersten Entwurf – eine Novelle niederschreiben will, deren erste Hälfte in Thale, im Hotel Zehnpfund, spielt. Ich muss dazu das Lokal vor Augen, aber als Zweites, ebenso Wichtiges auch unbedingte Ruhe haben, nicht bloß äußerliche, sondern namentlich auch innerliche. Die hat man aber immer nur in der Einsamkeit als Solo-Krebs. Einmal hab ich es bei meiner guten lieben Rohr in Dobbertin versucht, aus dem harmlosesten und freundlichsten Freundeskreise heraus, etwas zu schreiben, aber ich bin damit gescheitert. Die Menschen, unter denen man lebt, stellen sich zwischen einen und das Papier darauf man schreiben will. Natürlich klingt all dergleichen kindisch und doch es ist eine Tatsache. So denn Pardon nochmals tausend Dank an Sie und den besten und liebenswürdigsten der Brüder und der Obristlieutenants. Auch an die jugendliche Rotblondine herzlichen Gruß. Wie immer ihr treu-ergebenster  Noel  

06 Juli 2020

Regina Dieterle: Theodor Fontane


Sie berichtet darüber, welche Schreibwerkzeuge Fontane verwendet hat. Er wird auf offiziellen Portraits, auf Fotos wie auf Gemälden, mit Schreibfeder dargestellt. Er hat aber schon als Apotheker mit Stahlfedern geschrieben. Des Öfteren erwähnt er auch den Federhalter.
Von seinen Personen berichtet er mal, dass sie mit Schwanenfeder schreiben, mal, bei Personen, die untergeordnete Arbeit leisten, mit Stahlfeder. (S.578)

S.642: "Das Poetische hat immer recht; es wächst weit über das Historische hinaus..." (Frau Jenny Treibel, 7. Kapitel) bezogen auf Fontanes Satz "Denn wie er ganz zuletzt war, so war er eigentlich." aus dem 16. Kapitel über seinen Vater.
Dazu Dieterle: "Die Interpreten haben diesen Satz gern auf Fontane selbst bezogen. Er stimmt aber, nüchtern betrachtet, weder für ihn noch für den Vater oder nur insofern, als gilt:  "Das Poetische hat immer recht; ..." [sieh oben] (S.642)

24 März 2019

Hanya Yanagihara über "Das Volk der Bäume" und "Ein wenig Leben"

"Ich glaube, es hilft, wenn man nicht auf einer Schreibschule war. Jeder Künstler, der auf einer Kunstschule war, nimmt ein bisschen von der Ästhetik dieser Schule und den akademischen Lehren der jeweiligen Zeit mit. Und in den vergangenen zehn, zwanzig Jahren ging der Trend in der amerikanischen Prosa in Richtung einer Art Distanziertheit, einer affektlosen Trockenheit, einer gewissen Innerlichkeit. Das interessiert mich einfach nicht, als Leserin."
https://www.zeit.de/kultur/literatur/2019-03/hanya-yanagihara-schriftstellerin-ein-wenig-leben-rassismus-melodrama/komplettansicht