Eine Geschichte von Liebe und Finsternis
Film von Natalie Portman
vgl. auch Judas
Fundstück von Torborg Nedreaas
vor 6 Stunden
"[...] Der Romancier Amos Oz wirkt auch als kritischer Intellektueller. So dass man sich fragt, was bedeutet diese Erzählung über Zweifel am Konzept der Staatsgründung und über Judas, einen vielleicht notwendigen Verräter, für den Nahost-Diskurs?Oz gibt mit der Form des Romans eine Antwort. Den mag er nicht verstanden wissen als Intervention im politischen Streit. Die so mutige wie dramatisch inszenierte künstlerische Auseinandersetzung appelliert an die Fantasie, den idealistischen Verrat als radikale Abweichung vom Mainstream zu denken. [...]"
"[...] Was Amos Oz da an historischen Quellen und Forschungsergebnissen zusammenträgt, reichte für ein kleines, feines Seminar. Da steht der Romancier ganz in der Tradition seines gelehrten Großonkels Joseph Klausner („Onkel Joseph“), der durch seine Werke „Jesus von Nazareth“ und „Von Jesus zu Paulus“ für Aufsehen und für Widerspruch gesorgt hatte. Klausner deutete Jesus als einen jüdischen Reformer – und Amos Oz pflichtet ihm jetzt bei.Das apogryphe Judasevangelium (Text)
Der Atheist Schmuel erklärt, er liebe Jesus – doch dieser sei nicht der Sohn Gottes, sondern ein reformierter Jude gewesen, der sich gegen die Auswüchse in der Priesterschaft gewandt habe. Und Judas Ischariot ist für ihn der Begründer des Christentums und nicht dessen größter Feind. Der glühendste Jünger habe Jesus ans Kreuz geliefert, weil er glaubte, in dessen Sinne zu handeln: ohne Kreuzigung kein Christentum. Und so einer wird als Verräter abgestempelt? So einer soll herhalten als Grund für den Judenhass? [...]"
"[...] Der Erzähler hütet sich, wie gesagt, als schlichtende Instanz einzugreifen, er legt die Ansichten seiner Figuren nicht auf die Waagschale. Trotzdem spürt der Leser, dass hinter dem Erzählten eine große und entsetzliche Furcht steht. Es ist die Furcht des linken Zionisten Amos Oz, dass der Staat Israel sich in einen muslimischen Vielvölkerfeind verbeißt, dass der Grundstücksstreit zwischen Juden und Arabern im Nahen Osten sich zu einem Konflikt zwischen dem Judenstaat und dem Islam auswächst – einem Konflikt, den der jüdische Zwergstaat nie und nimmer überleben könnte. Ein anderes Problem, das den Romancier offenbar sehr beschäftigt, ist das Verhältnis der Juden zum Christentum. "Und ich sage Ihnen, Schmuel", heißt es an einer Stelle, "dass der Streit zwischen uns und den Arabern nichts anderes ist als eine kleine Episode in der Geschichte, eine kurze, vorübergehende Episode. In fünfzig oder hundert oder zweihundert Jahren wird sich keiner mehr daran erinnern, während das, was wir mit den Christen haben, etwas Tiefes und Dunkles ist, und es wird noch hundert Generationen andauern." [...]"Meine persönliche Sicht: