Außentexte für eine Klausur von Bob Blume
Musterbeispiel für eine literarische Erörterung von Bob Blume
Gegenwärtig wegen der Coronapandemie besonders aktuell.
Hinweise für den Unterricht von Klaus Dautel in ZUM Unterrichten
Außentexte für eine Klausur von Bob Blume
Musterbeispiel für eine literarische Erörterung von Bob Blume
Gegenwärtig wegen der Coronapandemie besonders aktuell.
Hinweise für den Unterricht von Klaus Dautel in ZUM Unterrichten
Lanzarote, am Neujahrsmorgen: Henning sitzt auf dem Fahrrad und will den Steilaufstieg nach Femés bezwingen.
Seine Ausrüstung ist miserabel, das Rad zu schwer, Proviant nicht vorhanden. Während er gegen Wind und Steigung kämpft, lässt er seine Lebenssituation Revue passsieren. Eigentlich ist alles in bester Ordnung.
Er hat zwei gesunde Kinder und einen passablen Job. Mit seiner Frau Theresa praktiziert er ein modernes, aufgeklärtes Familienmodell, bei dem sich die Eheleute in gleichem Maße um die Familie kümmern.
Aber Henning geht es schlecht. Er lebt in einem Zustand permanenter Überforderung. Familienernährer, Ehemann, Vater – in keiner Rolle findet er sich wieder.
Als Henning schließlich völlig erschöpft den Pass erreicht, trifft ihn die Erkenntnis wie ein Schlag: Er war als Kind schon einmal hier in Femés.
Damals hatte sich etwas Schreckliches zugetragen. Etwas so Furchtbares, dass er es bis heute verdrängt hat …
Urlaub im Scheibenhaus
Die Geschichte beginnt mit einem stinknormalen Familienurlaub. Gebucht mit großen Erwartungen, aber die Realität fällt stark ab.
Daheim hatte Hennig von großen Villen geträumt, einsam gelegenen Anwesen, deren Mauern sich strahlend weiß aus dunklen Bergen erheben. Doch letztlich ist es nur ein Scheibenhaus geworden: ein funktionales Reihenhaus, eine schmale Scheibe Urlaubsglück. Dort verbringen Henning, Theresa und die Kinder ihre Tage genauso wie daheim – jedoch mit deutlich weniger Komfort.
An Neujahr ist Henning endgültig sauer. Er hatte gehofft, Theresa im Urlaub wieder näher zu kommen. Aber auf der Silvesterparty warf sie sich einem Fremden an den Hals. Der Frust bringt Henning auf die Palme und schließlich auf den Berg von Fémes.
Als er am Gipfel zusammenbricht, gleitet er in einen Dämmerzustand zwischen Traum und Realität. Er erinnert sich an die große Tragödie, die er als Kind hier erlebt hat: Tage grenzenloser Überforderung und tiefschwarzer Angst.
Mit dem Erreichen des Gipfels zerfällt auch das Buch in zwei Teile. Beide Hälften erzählen eine eigene Geschichte, die nur lose miteinander verbunden sind. Hennings Déjà-vu wirkt ein recht konstruiert und die Erklärung der Panikattacken ein wenig zu geradeaus. Aber dafür wird es ungemein spannend. Der Roman steigert sich zu einem intensiven Drama, in dem der alleingelassene Henning verzweifelt um das Leben seiner Schwester kämpft.
Zwei Familiengeschichten in einem Buch. Eine normale und eine außerordentliche. Gute Unterhaltung mit viel Lanzarote-Flair.
Rezension Deutschlandfunk: Trauma und Panik auf Lanzarote
Fontanefan:
Juli Zeh zeigt die Spannung auf, in die insbesondere die heutige Frauenrolle führt. Die Verantwortung für das Kind zu haben und dabei gleichzeitig die Anforderungen an ein völlig selbstbestimmtes Leben erfüllen zu sollen. Die Überforderung, die das bedeutet, wird in der Haupthandlung durch den älteren Bruder verdeutlicht, der durch den Ausfall der Eltern schlagartig in die Rolle des Haushaltungsvorstands versetzt wird und daran scheitert. In der Nebenhandlung wird an den Eltern von Therese (vergleiche dazu Therese in Wilhelm Meister) angedeutet, dass die neue Konstellation bei den Eltern Erwartungen an die Unterstützung durch die relativ fitten Großeltern entstehen lässt, die über die hinausgehen, die bei einer Mutter als Nur-Hausfrau bestanden. Dass die Eltern der Mutter diese Erwartungen eklatant nicht erfüllen, führt zu einer kleinen Einigkeit der Ehepartner.
Juli Zeh: Über Menschen (Perlentaucher) 2021
Verlagsseite mit Leseprobe, Leserstimmen, Interview, Pressestimmen, Video
Sehr konstruiert und lebensnah. Alle aktuellen Probleme in "Bracken" durchgespielt.
Von "Unterleuten" zu "Über Menschen".
Jochen-der-Rochen, Robert, Gustav. Dora wirbt für nachhaltige Gutmensch-Jeans.
"Die Welt verlangte 3.900 Einkäufe, ansonsten würde sie auf ihrem Untergang bestehen." (S.53)
"In Bracken ist man unter Leuten. Da kann man sich nicht mehr so leicht über die Menschen erheben. Wirst du dich dran gewöhnen müssen.
Dora muss wieder an Robert denken. Ihm hat sie tatsächlich einmal vorgeworfen, dass er sich über andere Menschen erhebt. Dass er sich für einen Supra-Menschen hält. Vielleicht nicht direkt in Nietzsches Sinn. Aber für einen, der mehr weiß, mehr kann und mehr darf als die anderen. Weil er im Besitz einer höheren Wahrheit ist. Robert ist wütend geworden. Er hat gesagt, dass er nur das Beste für die Menschen will. Warum Dora genau darin ein Problem sah, hat er nicht verstanden." (S.128)