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25 Mai 2022

David Lodge: Nice Work

 David Lodge: Nice Work

"[...] Set in 1986, in the fictional city of Rummidge, the book describes the relationship between Robyn Penrose, a feminist university teacher specialising in the industrial novel and women's writing and Vic Wilcox, the manager of J. Pringle & Sons Casting & General Engineering ("Pringle's").  [...] The relationship between Robyn and Vic reveals their weaknesses. Robyn's academic position is precarious because of national budget cuts to education and the universities. Vic has to deal with industrial politics at Pringle's. The plot is a pastiche of the industrial novel genre, alluding to North and South by Elizabeth Gaskell.[7] This gentle ribbing acts to undermine the postmodern and feminist position of Robyn, who accepts the hand of fate despite ridiculing its role as the sole restorative capable (in the minds of authors of industrial novels) of elevating the female to a serious social position. Robyn acquires insight into the pragmatic ethos whose encroachment on university culture she resents and about the physical reality of factories of which her only prior knowledge was literature.[8] In his turn, Vic learns to appreciate the symbolic or semiotic dimension of his environment and discovers a romanticism within himself that he had previously despised in his everyday life. [...]" (Wikipedia)

Vic Wilcox entdeckt seine Liebe für Gedichte von Tennyson, einen spätromantischen viktorianischen Dichter, der zu seiner Zeit zu den drei bekanntesten Personen in Großbritannien zählte: Königin Victoria, Premierminister Gladstone und Tennyson. (Er wurde oft dem Ästhetizismus zugerechnet, was er nicht gern sah.) Vic Wilcox beeindruckt er durch seine Liebeslyrik, denn zu diesem Zeitpunkt ist Vic in Robyn verliebt. 

03 November 2010

Mit David Lodge ins Freie

Ein 15-jähriger Schüler aus den Londoner Vororten fährt aus dem von Lebensmittelrationierung geprägten England der Nachkriegszeit ins amerikanische Hauptquartier nach Heidelberg. Die Bahnfahrt will nicht enden, und als Leser will man auch endlich aus dem Zug heraus.
Und dann kommt er an bei der jungen Verwandten, die ihn eingeladen hat und aus Verlegenheit in einem Frauenhotel mit Heimcharakter unterbringt, wo er sich möglichst unsichtbar machen muss.
Tagsüber und bis spät in die Nacht kann er aber die Vergnügungen der amerikanischen Militärs und ihrer Entourage mitmachen.
Wie meist bei David Lodge gibt es also einen Zusammenstoß von Kulturen, an dem es viel zu lernen gibt, es gibt eine Menge Humor, wenn auch nicht ganz mit der späteren Leichtigkeit, dem Alter des Helden entsprechend gibt es viel Nachdenken über Sex und die entsprechenden Erfahrungen, und schließlich werden die Nazizeit und der Holocaust thematisiert.
Bei den vorhergehenden Schilderungen des Bombenkrieges ("Blitz") aus London und der Phasen der Evakuierung ist bei einem Autor, der 1935 geboren ist, nicht verwunderlich, dass er aus eigener Erfahrung schreibt. Aber auch die fast verrückte Geschichte vom Jungen im amerikanischen Hauptquartier ist autobiographisch. Nur die romanhaften Verwicklungen, die die Story im Hauptteil vorantreiben, sind es nicht.
So viele Schwierigkeiten der Roman Out of the Shelter auch gemacht hat (nach der für ihn höchst unbefriedigenden Ausgabe von 1970 gelang es ihm erst 1985 eine Fassung drucken zu lassen, die ihn befriedigte), der Roman ist bei aller wirklichkeitsnaher Schilderung der Problematik leicht zu lesen. Ich hatte Schwierigkeiten, ihn zwischendurch aus der Hand zu legen.

28 August 2009

Paradise News

Hawai, moderne Theologie, Krankheit und Sterben sind Themen von Paradise News, dem Roman, den David Lodge 1991 schrieb.
Darin zitiert er Miguel de Unamuno mit einer Passage aus Del sentimiento trágico de la vida en los hombres y en los pueblos (Das tragische Lebensgefühl), 1913: Wer nicht an ein Leben nach dem Tod glaubt, wird doch ein ganz ganz kleinen Zweifel haben: "Wer weiß?". Und wer an das Leben nach dem Tod glaubt, wird doch eine ganz ganz kleine Unsicherheit spüren: "Wer weiß?".
Wie könnten wir es fertigbringen zu leben, wenn es diese Unsicherheit nicht gäbe?


Typisch für Lodge: Witzig, voller geistreicher Satire über Eitelkeiten und Schwächen seiner Personen und auch ganz ernst und mit liebevollem Verständnis.

05 Juli 2009

deaf sentence

Taubheit ist komisch, Blindsein ist tragisch, schreibt David Lodge in seinem Roman über einen schwerhörigen Linguisten, bei dem er aus der eigenen Erfahrung schöpft. Der Titel deaf sentence spielt darauf an, dass ein Schwerhöriger deaf leicht als death missverstehen kann, so dass Todesstrafe für ihn genauso klingt wie gestraft mit Taubheit und umgekehrt.
Der Roman handelt davon, wie irritierend solche fortwährenden Missverständnisse von Schwerhörigen für sie selbst und für ihre Angehörigen sein können, auch wenn manche Missverständnisse von großer Komik sind.
Dann berichtet er von den Schwierigkeiten des Alterns und dem Stress, der bei der Betreuung seniler Eltern entsteht. Alles geschieht mit sehr viel Verständnis und mit viel Sinn für die komischen Seiten dieser Schwierigkeiten. Eine Liebes/Kriminalgeschichte sorgt für die nötige Spannung. So lässt sich der Roman leicht lesen, und doch bleiben Moral, Ernst und der Blick auf Tragik und letzte Dinge nicht ausgespart. So zitiert David Lodge einen Satz aus einem Brief, den Chaim Herzog, ein Mitglied eines Sonderkommandos aus Auschwitz, in der Asche der verbrannten Juden versteckt hat. (Die Mitglieder der Sonderkommandos hatten die vergasten Juden aus den Gaskammern in die Verbrennungsöfen zu schaffen und wurden nach einigen Wochen oder Monaten selbst vergast und verbrannt.)
Der Brief war an seine Frau gerichtet und der Satz lautet (in meiner Übersetzung aus dem Englischen)
Wenn es zu verschiedenen Zeiten kleine Missverständnisse in unserem Leben gegeben hat; jetzt sehe ich, wie unfähig man war, die Gegenwart richtig zu schätzen.