Allgemeines zur Erforschung der jüdischen Geschichte in Deutschland (bpb)
Brodersen/Dammann: Zerrissene Herzen. Die Geschichte der Juden in Deutschland
Rezension: Perlentaucher
Machtkampf zwischen dem christlichen Kaiser Theodosius und Ambrosius, dem Bischof von Mailand (S.36):
"388 stürmte hier [in: Kallinikon] eine aufgebrachte Menge Christen die örtliche Synagoge und steckte sie in Brand, was zu einer Konfrontation zwischen Kaiser Theodosius I., der gegen die Brandstifter vorgehen wollte, und Ambrosius von Mailand führte.* Als Vorwand könnte möglicherweise eine grausame Christenverfolgung des Sassanidenkönigs Schapur II. gedient haben, an der einige Jahre zuvor angeblich auch Juden mitgewirkt hatten. Ambrosius empörte sich vor allem über die kaiserliche Anweisung, die zerstörte Synagoge wieder aufzubauen. Theodosius konnte sich nicht gegen den Bischof durchsetzen; der Pogrom blieb ungesühnt." (Wikipedia: a-Raqqa)
* Dieser Vorgang von 388 sollte nicht mit dem Massaker von Thessaloniki von 390 verwechselt werden, wo Ambrosius dem Kaiser sogar mit dem Kirchenbann drohte.
Als erster jüdischer Hoffaktor im Sinne eines Amtes gilt Salomon oder Salmon[2], der 1315 als Hof- und Küchenmeister von Herzog Heinrich VI. in Breslau tätig war. Samuel von Derenburg[3] diente vier Kirchenfürsten in Erzbistum Magdeburg, so Otto und Dietrich von Portitz.[4] Vivelin von Straßburg war im Elsaß eine der reichsten Personen in Europa vor seinem Tod in der Pest 1349. In England war Aaron von Lincoln bereits im 12. Jahrhundert tätig. Isaak Abarbanel war in Spanien ein großer Finanzier in der Reconquista.
Beginn am Wiener Kaiserhof und Berliner Hof
Die Geschichte der eigentlichen Hofjuden begann erst im 16. Jahrhundert: Im Jahr 1582 schuf Kaiser Rudolf II. die Institution des Hofbereiten Juden in Wien. Dieser war frei von Abgaben an Land und Stadt, hatte Maut- und Zollfreiheit für seine Waren, war ausschließlich der Gerichtsbarkeit des Obersthofmarschalls unterstellt, war befreit vom Tragen des Judenzeichens und durfte sich dort aufhalten, wo sich der Hof befand. Ab 1596 mussten diese befreytten Juden auch Sonderkontributionen für Kriegszwecke leisten.[5] Jakob Bassevi von Treuenberg, ab 1616 Vorsteher der Prager Judengemeinde, erhielt 1622 auf Betreiben Wallensteins von Ferdinand II. den Adelstitel und wurde gemeinsam mit Fürst Lichtenstein Pächter der Münzprägung.[6] 1624 wurde auch in Wien das Prägegeschäft im Kaiserlichen Münzhaus dem befreiten Juden Israel Wolf Auerbach und seinem Konsortium übertragen.[7]
Mit Michael von Derenburg hatte auch das Haus Hohenzollern in Kurbrandenburg ab 1543 früh einen Hoffaktoren. Kurfürst Joachim II. (1535–1571) ernannte den aus einer Prager Judenfamilie stammenden Lippold 1556 zum Münzmeister. Er gilt als erster Hoffaktor im umfassenden Sinne; zu seinen Aufgabe gehörte die Beschaffung des Münzmetalls und die Betreuung des Schlagschatzes."
Die Wikipedia zu Lippold Ben Chluchim und die die Kaufleute schädigenden Maßnahmen, die er als Münzmeister durchzusetzen hatte:
"1569 belehnte der König, zugleich Schwager Joachims II., ihn und die Berliner Hohenzollern als erbberechtigt im Herzogtum Preußen. Zur Finanzierung – und wegen der auch sonst verschwenderischen Hofhaltung Joachims II. – unterwarf der Kurfürst die Einwohner der Mark, insbesondere die jüdischen, hohen Steuern. Joachim II. schreckte auch nicht vor Münzverschlechterung und Konfiskationen zurück.[3]
Märkische Kaufleute, die von außerhalb der Mark Waren importierten, mussten diese in gewogenem Edelmetall bezahlen, da die märkische Münze wegen ihres herabgesetzten Edelmetallgehalts nicht mehr im Ausland akzeptiert wurde. Joachim II. verbot jedoch, die Münze zu herabgesetzten Kursen zu berechnen. Entsprechend entzogen sich die Kaufleute den Zwangskursen, indem sie zunächst ihre Außen- und Großhandelsgeschäfte in fremder Währung tätigten, und nachdem Joachim II. dies verboten hatte, in gewogenem Edelmetall zahlten. Darauf reagierte der Kurfürst mit einem Verbot, Edelmetall zu nutzen und zu besitzen. In Edelmetall erlangte Verkaufserlöse mussten zu verordneten, die entwertete Landesmünze hoch taxierenden Zwangskursen an die Landeskasse verkauft werden.[4] Märkische Juden mussten darüber hinaus kostspielig Edelmetall importieren, das sie dann unter Einstandspreis zu diktierten Inlandspreisen an den Kurfürsten liefern mussten.[5] Das machte es Kaufleuten unmöglich, zu kostendeckenden Erlösen zu im- und exportieren. Lippold war als Münzmeister beauftragt, die Zwangsmaßnahmen gegen die Kaufleute, lutherische und jüdische gleichermaßen, durchzusetzen. Zu den Maßnahmen gehörten auch Hausdurchsuchungen bei Kaufleuten, wobei gefundenes, verbotenerweise gehaltenes Edelmetall zu Gunsten des Landesherrn beschlagnahmt wurde."
Unter dem Nachfolger Joachims II.. Kurfürst Johann Georg, erging es Lippold weit schlechter. Er "wurde zum Tode durch Rädern und Vierteilen verurteilt." (mehr dazu)
Selbst der Aufklärer Lessing war vermutlich an der Münzverschlechterung Friedrichs II. von Preußen beteiligt, die der Jude Veitel-Heine Ephraim in Zusammenarbeit mit dem preußischen General von Tauentzien in Sachsen zu organisieren hatte, bei dem Lessing angestellt war. Offenbar mit den Einnahmen daraus konnte Lessing seine Schulden bezahlen und für seine Eltern sorgen. (S.73-75) [Die Wikipedia berichtet dazu nur, dass Lessing in der Zeit bei Tauentzien in Diensten stand, auch im Artikel über Tauentzien wird die Münzentwertung nicht erwähnt.]