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23 Februar 2023

Juli Zeh und Simon Urban: Zwischen Welten

 

Juli Zeh und Simon Urban: Zwischen Welten

Versteh mich nicht falsch, ich habe nichts gegen Biogas

Juli Zeh und Simon Urban haben einen Roman zur polarisierten Debattenkultur geschrieben. Er ist verlabert und rührend schlicht. Er passt leider wunderbar in unsere Zeit.

Eine Rezension von David Hugendick

Es ist ein vergleichsweise junges Phänomen, dass Romane sich nicht unbedingt mehr mit der Kühnheit ihrer Konstruktion beweisen sollen, ihrer Sprache oder erzählerischen Originalität. Sie sollen lieber Veranschaulichungen dessen sein, was im großen weiten Außerhalb der Literatur sonst gerade besprochen und bekakelt wird. Dafür werden sie gelobt, dafür gibt es die Wendung "Wichtiges Buch!" und Rezensionen, die dessen Inhalt (selbst)ergriffen nacherzählen, als sei das schon eine kritische Auseinandersetzung. [...]"

Juli Zeh als streitbare Intellektuelle (YouTube) 2025

Die Reaktionen auf den 11.9.2001, wo Grundrechte aufgegeben wurden, um Problemlösungen zu erreichen, waren für sie ein größerer Schock als Corona Corpus delicti war ihre Antwort auf diesen Schock und dass sie das am Beispiel Gesundheit vorgeführt hat war eher zufällig.

Video ab Minute 22ff.


05 Juli 2022

Juli Zeh: Neujahr (2018)

 Rezensionen bei Perlentaucher

mein eigener Text wird folgen:

Lanzarote: Henning kümmert sich um die Kinder,  er ist Verlagslektor. Therese ist Erfolgsfrau. Wenn die Kinder sich schlecht fühlen, flüchten sie zu ihr. Sie guckt ihn dann gequält an, "als ob es seine Schuld wäre", dass sie vorgezogen wird. Er fährt Fahrrad, weil er sich das vorgenommen hatte, überfordert sich dabei. 

Therese hat übermütig mit einem Franzosen getanzt und hat ihm davon erzählt. Er hat Angst, dass "Es" wiederkommt [eine Art Angstzustand], versucht deshalb nicht daran zu denken, denkt wohl gerade deswegen daran; doch trotzdem ist es bisher die ganze Zeit auf Lanzarote gut gegangen. – Seine Mutter hatte keine Energie für ihre Kinder. Seine jüngere Schwester Lena, für die er sich zuständig gefühlt hat, ist relativ lebenunstüchtig und Schriftstellerin. Thereses Eltern nerven Therese und Henning. Therese, die – im Unterschied zu Henning - in der Kindheit stets einen Weihnachtsbaum hatte, organisiert immer einen Weihnachtsbaum, würde das wohl auch im einsamen Hochgebirge schaffen.

Er erreicht ein Haus. Dehydriert, wie er ist, wird er von der dort wohnenden Künstlerin versorgt, die einen hinten strengen geflochtenen Zopf trägt. Das erinnert ihn an seine Mutter. Als sie ihm das Haus zeigt, kommt ihm alles unheimlich bekannt vor. Als er an eine offene Zisterne kommt, erinnert sich an eine fürchterliche Geschichte, die er mit seiner zweijährigen Schwester erlebt hat, als plötzlich seine Eltern beide verschwunden waren. ...
Als er nach Hause kommt - seine Schwester ist bei Ihnen während ihres Urlaubs im Home-Office gewesen - erzählt er ihr davon. Sie sagen sich gegenseitig, dass er sich alles eigentlich nur eingebildet hat.
Er ruft seine Mutter an. Sie erklärt ihm, dass alles so war: Sie sind beide in die Zisterne gestürzt und nur gerettet worden, weil zufällig ein Mann (Handwerker, der dafür einen Schlüssel hatte?)  ins Haus kam. (S.188) Er ist offenbar völlig traumatisiert, weil er sich damals  für seine zweijährige Schwester Lena verantwortlich gefühlt hat, aber an der Aufgabe gescheitert ist.
Er schickt seine Schwester nach Hause und hofft, dass das "Es" ihn nicht mehr packen wird. (S. 190/91)

Zitat:

" 'Wir wollten euch befreien', sagt Henning. 'Das Monster hatte euch unter die Erde gezogen.'

Das anschließende Schweigen tat ihnen beiden weh. Es ist Zeit, das Gespräch zu beenden.

'Warum hast du mir nie davon erzählt?' fragt Henning.

Die Mutter atmet hörbar ein und wieder aus.

'Ich dachte, Vergessen sei eine Gnade' sagt sie. Dann legt sie auf. (S.188)


07 April 2021

Juli Zeh: Über Menschen - Clash of Civilizations zwischen Berlin und Bracken

 Juli Zeh: Über Menschen (Perlentaucher) 2021

Verlagsseite mit Leseprobe, Leserstimmen, Interview, Pressestimmen, Video

Sehr konstruiert und lebensnah. Alle aktuellen Probleme in "Bracken" durchgespielt. 

Von "Unterleuten" zu "Über Menschen".

Jochen-der-Rochen, Robert, Gustav. Dora wirbt für nachhaltige Gutmensch-Jeans.

"Die Welt verlangte 3.900 Einkäufe, ansonsten würde sie auf ihrem Untergang bestehen." (S.53)

"In Bracken ist man unter Leuten. Da kann man sich nicht mehr so leicht über die Menschen erheben. Wirst du dich dran gewöhnen müssen.

Dora muss wieder an Robert denken. Ihm hat sie tatsächlich einmal vorgeworfen, dass er sich über andere Menschen erhebt. Dass er sich für einen Supra-Menschen hält. Vielleicht nicht direkt in Nietzsches Sinn. Aber für einen, der mehr weiß, mehr kann und mehr darf als die anderen. Weil er im Besitz einer höheren Wahrheit ist. Robert ist wütend geworden. Er hat gesagt, dass er nur das Beste für die Menschen will. Warum Dora genau darin ein Problem sah, hat er nicht verstanden." (S.128)

"Während sie der Hündin zusieht, begreift sie mit einem Mal, dass der Clash of Civilizations tatsächlich existiert. Nur nicht zwischen Morgen- und Abendland. Sondern zwischen Berlin und Bracken. Zwischen Metropole und Provinz, Zentrum und Peripherie." (S.132)

Teil eins: Rechte Winkel
Bracken 7 
Robert 20 
Gote 37 Hier wird das Symbol der Mauer eingeführt (S.39)
Müllinsel 48 Gustav 56 Pfandflaschen 65 R2 – D2 76  Pflanzkanacken 85 Taschenlampe 93 Bus 99 Center 103 Axel 107 Tom 113
Teil zwei: Saatkartoffeln
AfD 123 Jojo 131 Brandenburg 143 Steffen 149 Mon Chérie 155 Franzi 164 Horst Wessel 171 Rochen 182 Krisse 187 Hortensien 190 Soldaten 196 E-Mail 200 Farbe 205 Sadie 212 Museum 223 Messer 231 Über Menschen 236
Teil drei: Raumforderung
Au revoir 247 Skulptur 252 Vater, Tochter 261 Herr Proksch 268 Raumforderung 275 Frühkartoffeln 284 Einhorn 294 Fleischlappen 102 Pudding 311 Pieps 317 Gebrüll 325 
Floyd 331 Blühende Freundschaften 342 Fest 349 Schütte 359 Hochsitz 369 
Power Flower 374 Stau 379 Proksch ist tot 386 Regen 398

sieh auch: Corpus Delicti (2009)  Unterleuten (2016) Neujahr (2018)