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29 Mai 2026

Sigrid Damm: Künstler meines Lebens

KI Ecosia: Sigrid Damm ist eine deutsche Schriftstellerin, Literaturwissenschaftlerin und Publizistin, die am 7. Dezember 1940 in Gotha/Thüringen geboren wurde. Sie lebt und arbeitet als freie Autorin in Berlin und Mecklenburg und ist Mitglied des P.E.N. sowie der Akademie der Künste Berlin www.suhrkamp.de www.lovelybooks.de www.hugendubel.de de.wikipedia.org.

In ihrem Werk “Künstler meines Lebens” reflektiert Sigrid Damm über sechzehn Künstlerinnen und Künstler, die für sie prägend waren. Dazu gehören Persönlichkeiten wie Goethe, Käthe Kollwitz, Ernst Barlach und Eva Strittmatter. Das Buch bietet persönliche Porträts, die vom jeweiligen Todestag der Künstler:innen ausgehen und so auf ausgewählte Lebensmomente zurückblicken www.morgenpost.de www.amazon.de www.literaturland-thueringen.de www.fr.de.

Damm schreibt dabei nicht nur über Dichter:innen, sondern auch über bildende Künstler:innen. Ihre Texte sind als Reflexionen und Erinnerungen an diese Wegbegleiter:innen gestaltet, die sie auf unterschiedliche Weise inspiriert haben www.literaturland-thueringen.de.


KI Gemini:

„Künstler meines Lebens. Sechzehn Porträts | Reflexionen und Erinnerungen an Wegbegleiter“ ist ein im März 2026 im Insel Verlag erschienenes Buch der bekannten Biografin und Schriftstellerin Sigrid Damm.

Nach ihren großen Erfolgen rund um die Weimarer Klassik (wie Christiane und Goethe oder Das Leben des Friedrich Schiller) wirft sie in diesem Band einen sehr persönlichen, fast intimen Blick auf die Kunst- und Literaturschaffenden, die ihren eigenen Lebensweg maßgeblich geprägt haben.

Das Konzept: Ein literarischer Friedhofsspaziergang

Das Besondere an der Struktur dieser 16 Kurzbiografien ist der Ausgangspunkt: Sigrid Damm nähert sich den Persönlichkeiten jeweils von deren Todestag aus.

Von diesem finalen Moment blickt sie zurück auf prägende Lebensstationen, verknüpft historische Fakten mit Auszügen aus Werken und Briefen und spiegelt das Ganze an ihren eigenen, ganz persönlichen Begegnungen. Die Kritiken beschreiben das Buch treffend als einen nachdenklichen, melancholischen, aber ungemein unterhaltsamen „literarischen Friedhofsspaziergang“.

Die porträtierten Persönlichkeiten

Die Auswahl der sechzehn Porträts erstreckt sich über verschiedene Jahrhunderte und mischt persönliche Weggefährten mit lebenslangen literarischen Vorlieben und Zufallsfunden:

  • Persönliche Wegbegleiter: Künstler, mit denen Damm zu Lebzeiten persönlich bekannt oder freundschaftlich verbunden war, darunter das Schriftsteller-Ehepaar Eva und Erwin Strittmatter, der DDR-Autor Franz Fühmann und der legendäre Verleger Siegfried Unseld.

  • Lebenslange Vorlieben: Ikonen wie Caspar David Friedrich, Ernst Barlach, Käthe Kollwitz, Heinrich Heine, Hermann Hesse und natürlich Johann Wolfgang von Goethe samt Familie.

  • Literarische Entdeckungen & Funde: Porträts über Iwan Turgenjew, Else Lasker-Schüler, Rosa Luxemburg und Lew Tolstoj.

Das Fazit der Kritik: Ein Buch über das Sterben und das Überdauern durch die Kunst. Es zeigt eindrücklich, wie sehr uns die Geister der Vergangenheit im eigenen Alltag begleiten und das eigene Leben bereichern können.

18 März 2026

Sigrid Damm: Das Leben des Friedrich Schiller. Eine Wanderung

Zum Anfang des Buches sieh dort.

Sigrid Damm schildert uns Schiller in seiner Bedrängnis durch Krankheit, Geldsorgen, seinem wenig höfischen Auftreten. Bei seiner Arbeit am Superwerk Wallenstein immer auf Goethes Anregung und Ermunterung hoffen. Goethe oft abwesend, dann sogar mit dem Plan einer Italienreise, bei der man bei im damit rechnen muss, dass sie Jahre dauern wird. Schiller der Bedürftige, der in der Hoffnung, mehr von Goethe zu haben und mehr Unterstützung durch seinen Landesherrn zu bekommen, der ihn durch den Gewinn den das Hoftheater durch Schiller erhalten werde zu locken versucht.

Andererseits dann die merkwürdige Folge, dass Goethe ihm dadurch ferner wird, weil er für seine Arbeit immer wieder nach Jena zieht und weil seine Einladungen in sein Haus am Frauenplan, wo er den Hausherrn mit großer Gesellschaft und den Hofmann gibt, ihn seinem Freunde entziehen, wo sie doch bei Schiller am engeren Familienkreise in der ungezwungenen Vertrautheit ihre "Zweiheit" (wie Goethe es nennt) genießen können.

Dann wiederum: Schiller erlebt seine Jahre als der große Theaterautor mit hohen Auflagen, nationalem Ruhm. Goethe hat unfruchtbare Jahre. Aber Goethe genießt die Anerkennung der Romantiker und Kritiker Schlegel und ihres Kreises, Schiller kritisieren sie recht scharf und über seine "Glocke" lachen sie schallend. (Damm, S.300-387)

Nach Schillers Tod werden Goethes Wahlverwandtschaften und der West-östliche Diwan folgen. Schiller stirbt mit Schulden bei seinem Verlegen, der ihm für den Hauskauf Vorschuss gab. (Endlich eine Haus ohne Verkehrslärm und mit Garten.)

Übrigens der Goethesohn August und die Schillersöhne spielen miteinander. Die Kinder vermitteln Gemeinsamkeit, wo Charlotte, geb. v. Lengefeld den gesellschaftlichen Verkehr mit Goethes "Bettschatz" Christiane Vulpius ablehnt und dafür ihre Freundschaft mit Goethes ehemals Geliebter Frau von Stein pflegt. 

Sehr viel Goethe, wo es doch um Schillers Leben gehen soll. - Doch zu Recht: denn die Freundschaft der beiden, die klassische Dichterfreundschaft der Weimarianer, war ja ganz seine Leistung, denn ohne sein Zugehen auf Goethe, sein Eingehen auf seine "Urpflanze" wäre es ja nicht zur Freundschaft gekommen. Zu sehr fühlte Goethe den Abstand zu dem Stürmer und Dränger, den er in sich mit dem Italienjahren ja hinter sich gelassen hatte.

Damms Darstellung ist von ihr in der Rechtschreibung von Elisabetha Dorothea wiedergegeben. Den Text habe ich der KI vorgelesen. Natürlich stimmt von der Reschtschreibung nichts, aber der Sinn ist zu erraten:

https://de.wikipedia.org/wiki/Elisabetha_Dorothea_Schiller

Schillers Mutter wird von Damm als sehr uneigennützig und aufopferungsvoll beschrieben. 
"Regelmäßig schreibt sie dem Sohn. Ihre Briefe sind, wenn auch nicht vollständig, jedoch im Großen und Ganzen überliefert. Schillers Korrespondenz dagegen nur bruchstückhaft. Oft wissen wir nur aus seinem Kalender die Absendedaten. Das meiste ist verloren. 
Auch schrieb  offensichtlich in großen Abständen.
Die Mutter mag das besonders schmerzlich empfunden haben. Ihre Ängste wegen der so schlechten Gesundheit des Sohnes seines immer so schwächliche Körpers.
Aber nie macht sie im Vorwürfe. Sie weiß um die Kostbarkeit seiner Zeit. Drängt sich nicht auf. Keine Anspielung, dass sie in Weimar zu Besuch sein möchte. Dabei ist es sicherlich ihr sehnlichster Wunsch. Als Christine (das Kindermädchen der Famliie Schiller, die aus Schwaben nach Thüringen gegangen ist) ihr von den Kindern berichtet, schreibt sie: wann ich auch nur auch zeige (Zeuge) dabei sein könnte. Und nach der Geburt der Enkelin Karoline: die liebe kleinen Karoline Carolin möchte ich doch sehen… Und die liebe junge, wie werden sie die kleine Schwester verlieben.

Als Ende 1798 die Möglichkeit eines Treffens in Meiningen erwogen wird – offenbar kommt der Vorschlag von Schiller –, denkt sie über das Opfer an Zeit, Kosten und Unbequemlichkeit für den Sohn nach: mein bester Sohn, dies ist alles vor, mich zu unternehmen, wäre zu viel… Und so groß, mir aber die Freude und das Glück wäre, meine liebste, in der Welt noch zu umarmen, schreibt sie ihm so werde mir, als dann die Trennung noch empfindlicher werden, ich will mir diese Hoffnung, durch öfteren Nachricht von ihm und der lieben Lotte und meinen lieben Enkeln unter drucken…
Elisabetta Dorothea sucht Nähe zum Sohn durch Anteilnahme an seinem Werk. Ein Exemplar des Wallenstein auf Druckpapier möge Cotta seiner Mutter schicken, heißt es am 30. August 1800. Unter dem 12. September vermerkt der Verleger auf dem Konto seines Autors: laut Brief vom 30. August für Wallenstein / PostPorto drei,Gulden 36 Kreuzer. Die Mutter dankt am 6. November: den Wallenstein habe ich gleich auf seinen Befehl von Cotta erhalten, wovor ich vielen Dank sage, es freute mich um desto mehr, da es hier so gut gegen die all Langeweile, und es uns allen viele Unterhaltung gemacht.
Maria Stuart verschafft sie sich selbst. Bittet Cotta, ihr das Drama gegen Entgelt zu senden. Mit ihm korrespondiert sie, da über ihn, die finanzielle Zuwendung des Sohnes abgewickelt wird. Quartalsweise muss sie Cotta eine Quittung über den Betrag schicken, daraufhin erfolgt die Zahlung. Da ich Herrn Cotta die Quittung schicke, fragte ich um die Maria Stuart. Es mir von diesem Geld abzuziehen, heißt es Ende August/Anfang September 1801 an den Sohn. Er schickte es mir mit und zieht es nicht ab. Ich danke davor. Wirklich hat er Buch Bender. Eine Reaktion zum Inhalt des Buches ist nicht überliefert (S. 388/89). 




























Wikipedia: "[...] Ihr Mann Johann Caspar starb am 7. September 1796, vermutlich an Prostata-Krebs.[10] Mit dem Tod ihrer jüngsten Tochter sechs Monate zuvor war der Tod ihres Mannes ein weiterer Schicksalsschlag.[11] Friedrich überließ ihr seinen väterlichen Erbteil, „dass keine Sorge Sie mehr drückt.“[12] Seit dem Jahreswechsel 1797 lebte sie im Leonberger Schloss und erhielt eine Pension von hundert Gulden.[13]

Sie starb am 29. April 1802 in Cleversulzbach. Hier war sie von ihrer Tochter Luise, die mit dem dortigen Pastor Frankh verheiratet war, in ihren letzten Monaten gepflegt worden. Das Grab auf dem Friedhof des Orts, in dem sie am 1. Mai 1802 beigesetzt wurde,[14] ist 1834 von Eduard Mörike wiederhergerichtet worden; in einem benachbarten Grab bestattete er seine eigene Mutter Charlotte Mörike.[...]"


Perlentaucher:
Mit einem Frontispiz. Nicht Friedrich Schillers Werke sind der Gegenstand dieses Buches, sondern die

 Umstände und die Bedingungen ihrer Entstehung, der Alltag eines Schriftstellers, Gelehrten und Theatermannes. Sigrid Damm sucht bei ihrer Wanderung die Orte von Schillers viel zu kurzem Leben auf. Es ist ein überraschend kleiner Raum; Schiller hat nie die Schauplätze seiner Dramen - Frankreich, Schottland, die Schweiz - gesehen, nie Italien, hat niemals an einem Meer gestanden. Geldmangel hat sein Leben geprägt. Schiller war einer der ersten Autoren, der einen wesentlichen Teil seiner Einkünfte als freier Autor zu bestreiten versuchte und somit gezwungen war, sich im kommerziellen Literaturbetrieb zu behaupten. Bei aller äußeren Kargheit war dieses Leben dennoch kein "Leben im Kleinen". Der Mensch, dessen Lebensspuren Sigrid Damm folgt, spricht nicht nur von "Freiheit", er ist frei, innerlich unabhängig. Die Räume, die seine Gedanken durchschreiten, kennen keine Grenzen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.10.2004

Die Biografin Sigrid Damm ist eine Spezialistin für's "Menschlich- Allzumenschliche", für die atmosphärische Ausstattung eines Lebens. Friedrich Schiller war ein Mensch, der sein Leben ganz in der Kunst lebte und nicht einmal Tagebuch führte. Das absehbare Ergebnis der Zusammenkunft, nach Ansicht des Rezensenten Dieter Borchmeyer: eine "gescheiterte Biografie". Dabei schreibt die Autorin ja selber: "Es bleibt nichts als das Werk". Nur genau darüber wisse sie nichts zu sagen, und auch Schillers Zeit wird nicht dargestellt, und so bleiben ihr nur die Krankheiten und Schulden als Thema, ergänzt durch Werkparaphrasen ohne eigene Meinung, massenhaft Zitate plus "Interlinearversionen im Telegrammstil". Zur Ehrenrettung Damms ergänzt der Rezensent noch, dass ihre Flucht zu Nebenpersonen gelungen sei: "Über Schillers Mutter, über seinen Vater hat man selten so lebendige und bewegende Porträts gelesen", und die Beziehung von Goethe und Schiller werde als Ritual von "Annäherung und Distanz" wunderbar beschrieben. "Da ist", schreibt Borchmeyer, "die Autorin in ihrem Element, da schreibt sie plötzlich keine Telegrammsätze mehr, sondern lebendig atmende Prosa." Es bleibt aber die Ausnahme.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.10.2004

Rezensent Rolf-Bernhard Essig blickt schon ins Jahr 2005 - zum 200. Todestag von Friedrich Schiller - und berichtet in einer umfassenden Sammelrezension, was es Neues gibt am Horizont der Schiller-Literatur. Sigrid Damm, so der Rezensent, geht ihren gewohnten Weg, um sich und dem Leser ein Bild von dem Dichter zu machen, und nimmt - ohne die Werke aus den Augen zu verlieren - "den Alltag, die Arbeitsweise, die Menschen um Schiller und seine Person" ins Visier. Bemerkenswert findet der Rezensent nicht nur die Originalität, mit der Damm das Material zusammenstellt, sondern auch die Wirkung dieser Zusammenstellung. In der Tat verbinden sich Nähe und Fremde auf höchst einträgliche Weise, lobt er, wobei die Tatsache, dass sich Damm selbst ins Spiel bringe, den Leser auf ihre eigene "Wanderung" mitnehme, an dieser Wirkung beträchtlichen Anteil hat. Dass Damm "ich" sagt, möchte der Rezensent nicht als selbstgefällige Egozentrik verstanden wissen. Dies verhindere schon die "grundsätzliche Uneitelkeit" der Autorin, die sich ganz "in den Dienst Schillers" stelle und der es gelinge, den Respekt vor dem "Geistesheros und Menschen Schiller" mit jeder Seite wachsen zu lassen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.09.2004

Sigrid Damms Zugang zu Schiller ist Hanno Helbling zu betulich-selbstverliebt. Das moniert er, und er mokiert sich über das zwanghaft Literarische ihres Verfahrens - dessen Niederschlag der Rezensent noch im Auslassen der Anmerkungen aufspürt. Einen sehr persönlichen Zugang zu Schiller hat Damm gewählt - Helbling ist er anfangs viel zu persönlich, bis sich die symbiotische Lese-Schreib-Beziehung etwas lockert. Gleichwohl empfiehlt der Rezensent das Werk nicht, jedenfalls nicht als Studie über Schillers Leben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.09.2004

Rechtzeitig vor Schillers zweihundertstem Geburtstag [Todestag!] im Jahr 2005 erscheint ein ganzer Stapel neuer Biografien, die den Dichter würdigen, ohne in das nationale Pathos früherer Jahre zu verfallen. Eine davon - und eine sehr gelungene, wie die Rezensentin Ursula Homann findet - ist die von Sigrid Damm. Im Mittelpunkt steht der Mensch Schiller, mit seinen finanziellen Nöten, Krankheiten und seinen Beziehungen, wobei natürlich die Freundschaft zu Goethe viel Platz einnimmt. Grundlage für die Darstellung, so Homann, ist die ungewöhnlich fleißige Quellenarbeit der Autorin, die es ihr erlaubt, Schillers Existenz beinahe minutiös zu beschreiben. Das Schillersche Werk wird auf diese Weise vor allem aus der Perspektive seines Zustandekommens betrachtet. Eine gut informierte, zugänglich geschriebene Lebensbeschreibung, lobt die Rezensentin.

09 November 2023

Sigrid Damm: Schillers Leben

 Sigrid Damm geht dem Leben des Menschen Friedrich Schiller nach, nicht seiner Werkbiographie.

Der junge Schiller ein Pumpgenie, das ständig vertrösten muss, Erfolge ankündigt, aus denen nichts wird, von Frauen ausgehalten wird und sie enttäuscht. 

Sein Fiesco fällt zunächst durch. Als er in der Not das Manuskript verkauft, wird es überall gespielt und Schiller hat den Ruhm, aber kein Geld. 

Charlotte von Kalb, seine Charlotte von Stein, knapp zwei Jahre jünger als er, ebnet ihm den Weg.

Beim erneuten Wandern durch Schillers Texte [...] wie eine Verkleidung, ein fremdes Kostüm fällt die Jahrhundertferne von ihm ab." (S.14)

"Existenz zwischen papiernen Fensterscheiben" (S.14)

"mein Blick richtet sich auf den Arbeitsalltag Schillers" (S.15)

"Schillers Stimme: ironisch, sarkastisch, bitter, heiter, verzweifelt, böse, scharf." (S.16)

Schillers Reise in seine schwäbische Heimat mit seiner hochschwangeren Frau Charlotte (S.156 ff.) befriedigt ihn lange nicht. Sorgen um seinen neugeborenen Sohn, seine eigene Krankheit und die wenig "(geist)reiche" Unterhaltung mit seinen alten Bekannten bewirken bei ihm eine Schreibblockade. Das bessert sich erst, als er von Ludwigsburg nach Stuttgart umzieht. Dort ist es nicht zuletzt der junge jetzt 29jährige Tübinger Verleger Cotta, der ihn aufmuntert.

"Die Arbeitsgespräche führen die beiden während eines Ausfluges nach Untertürkheim und auf den Kahlenberg. Mit Cotta begegnet Schiller einem Verleger, der seine Honorarforderungen stets akzeptiert, ihn darüber hinaus über Geldgeschenke sogar am Gewinn einzelner Werke beteiligt. Er findet in ihm einen finanzstarken und großzügigen Verleger, der  zudem lebenslang sein Freund sein wird. Ein großes Glück. Das er dem Aufenthalt in Schwaben zu verdanken hat. Das entscheidende Zusammentreffen von Autor und Verleger findet am 4. Mai 1794 statt, kurz vor Schillers Abreise. (S.189)

"Schiller kehrt voller Energie, den Kopf voller Ideen zurück, seine Gesundheit ist erträglich. Alle Zeichen stehen günstig. Erfreuliches erwartet den Ankommenden. Immanuel Kant hat sich zu seiner Schrift 'Über Anmut und Würde' geäußert, sie das Werk einer Meisterhand genannt. Johann Gottlieb Fichte ist als Nachfolger von Reinhold zum Professor für Philosophie nach Jena berufen worden. Wilhelm von Humboldt hat Schillers Vorschlag vom Vorjahr, als sie vor seiner Schwabenreise intensive Gespräche führten, wahr gemacht, hat als Privatier seinen Wohnsitz nach Jena verlegt; er wohnt nur wenige Häuser von Schiller entfernt. Humboldt ist mir eine unendlich angenehme und zugleich nützliche Bekanntschaft, schreibt Schiller an Körner, denn im Gespräch mit ihm entwickeln sich alle meine Ideen glücklicher und schneller. Es ist eine Totalität in seinem Wesen, die man äußerst selten sieht, und die ich außer ihm nur in Dir gefunden habe. Körner kündigt seinen Besuch an. Welches Leben wird das sein, wenn du hier herkommst und die Dreieinigkeit vollendest…(S.191 - Sigrid Damm setzt wörtliche Zitate in Schrägdruck; wen sie zitiert ergibt sich aus dem Zusammenhang.)

Das 'Horen'-Projekt (S.192)

Goethe schreibt auf Schillers Einladung hin:

"Ew. Wohlgeb.

eröffnen mir eine doppelt angenehme Aussicht, sowohl auf die Zeitschrift welche Sie herauszugeben gedencken,[165] als auf die Theinahme zu der Sie mich einladen. Ich werde mit Freuden und von ganzem Herzen von der Gesellschaft seyn.

Sollte unter meinen ungedruckten Sachen sich etwas finden das zu einer solchen Sammlung zweckmäßig wäre, so theile ich es gerne mit; gewiß aber wird eine nähere Verbindung mit so wackern Männern, als die Unternehmer sind, manches, das bey mir ins Stocken gerathen ist, wieder in einen lebhaften Gang bringen.

Schon eine sehr interessante Unterhaltung wird es werden sich über die Grundsätze zu vereinigen nach welchen man die eingesendeten Schriften zu prüfen hat, wie über Gehalt und Form zu wachen um diese Zeitschrift vor andern auszuzeichnen und sie bey ihren Vorzügen wenigstens eine Reihe von Jahren zu erhalten.

Ich hoffe bald mündlich hierüber zu sprechen und empfehle mich Ihnen und Ihren geschätzten Mitarbeitern aufs beste.

W. d. 24. Jun. 1794."


mehr zu diesem Buch sieh (u.a. eine Reihe von Rezensionen) sieh dort.

sieh auch: 

Schillers Wende: Auf Dichterspuren durch Rudolstadt, 18.10.2023, 

07 März 2016

Sigrid Damm: Vögel, die verkünden Land (Goethe und Lenz)

Sigrid Damm: Vögel, die verkünden Land, it 1399

Damms Biographie von Lenz, dem Freund Goethes aus der Straßburger Zeit und dem Gegenstand von Büchners Erzählfragment, zeichnet ein Bild der Zeit, das mich auch Goethe viel plastischer und wirklichkeitsnäher sehen läßt. 
Goethe, der mit dem jungen 18jährigen Herzog zunächst einige Monate allerlei genialischfreundschaftliche Fest- und Urlaubsaktivitäten betrieben hat, läßt sich dann zum Minister machen. Seine Hoffnungen auf - realistisch betriebene - Reformen erfüllen sich freilich nicht. Er bleibt im klein klein stecken und wird nach zehn Jahren mit der italienischen Reise die Fesseln abwerfen. Alle Selbstverleugnung, etwa daß er für Friedrich den Großen persönlich Rekruten aushebt, um zu verhindern, daß die preußischen Werber ins Land kommen, hat ihm letztendlich nicht geholfen. Während er als Soldatenwerber herumzieht, schreibt er die Iphigenie. "... es ist verflucht, der König von Tauris soll reden, als wenn kein Strumpfwürker in Apolda hungerte". 
Lenz läßt sich nicht auf das Spiel ein, das Goethe später auch aufgeben wird. Als Goethe seine Stelle annimmt, geht er in das Nachbarstädtchen Berka. Da bleibt ihm die Rolle des armen Poeten. Als solcher verbringt er auch Wochen auf dem Landgut Kochberg bei Frau von Stein, während deren Mann und Goethe in Geschäften in Weimar, Ilmenau usw. sind. Goethe gegenüber Lenz von Mitleid, aber auch von etwas Eifersucht bestimmt. Später kommt es dann dazu, daß Lenz Goethe beleidigt und Goethe dessen Vertreibung aus Weimar betreibt. Alle Fürsprache der Freunde, die Lenz am Hof hat (u.a. Herzogin Amalia) hilft ihm nicht gegen den Favoriten des regierenden Herzogs. Worin die Beleidigung bestand, wissen wir nicht. Vermutlich hat sie sich darauf bezogen, daß Goethe sich zum Fürstendiener gemacht hat. Wir wissen nur, daß Wieland Lenz in einem Brief aus Weimar in Schutz nimmt. 
Goethes Briefe an Lenz hat Goethe zurückgefordert, über Frau von Stein dann auch erhalten und offenbar verbrannt, außer Wieland schweigen alle am Hof über diese Affäre. Lenzens Reformpläne gingen weiter als die Goethes. Er hoffte freilich noch auf den Erfolg von Denkschriften. Büchner wird später - nach der französischen Revolution - sich zusammen mit Weidig direkt an die Bauern wenden. Freilich auch er vergeblich und schon früh in der Erkenntnis, daß es vergeblich sein wird. Die geistige Nachbarschaft von Büchner und Lenz scheint nach dieser Biographie doch recht groß. Insgesamt sagt mir das Buch noch mehr als Film über Lenz.

Ergänzend:
"Schwierig freilich bleibt der Pfarrersohn aus dem Baltikum auch für den an ihm Interessierten, der sich um eine differenzierte Sichtweise bemüht. Allein der Verlauf seines Lebens und sein Selbstverständnis unterscheiden Lenz auffällig von den anderen Stürmern und Drängern, die allesamt über kurz oder lang annehmbare bis glänzende Karrieren machten. Lenz fehlte hierzu im Grund jeglicher Impuls. Als sein ebenso engstirniger wie ehrgeiziger Vater (1759 Oberpastor in Dorpat, seit 1779 Generalsuperintendent für ganz Livland in Riga) ihm befahl, bis Michaelis 1771 das Theologiestudium an der Königsberger Universität abzuschließen, entzog sich Lenz dieser Anweisung. [...]
Symptomatisch läßt sich gerade an dieser hellen Phase ablesen, in welchem Ausmaß Diskontinuität, Zufall, Fixierung und der allumfassende Goethebezug Lenz‘ Leben und Schaffen bestimmten. Nicht in schrittweiser Entfaltung, sondern in einem gewaltigen Schub gelangten in einem einzigen Jahr vier zentrale Werke unterschiedlicher Ausrichtung zum Druck. 1774, also im Erscheinungsjahr von Goethes Sensations- und Erfolgsroman Werther, wurden die beiden Komödien Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung und Der neue Menoza oder Geschichte des cumbanischen Prinzen Tandi, ferner die grundlegende theoretische Abhandlung Anmerkungen übers Theater und schließlich die wichtigen Übertragungen Lustspiele nach dem Plautus gedruckt. Alle anonym! Als ihr Verfasser galt gemeinhin Goethe." (kulturportal-west-ost)

Lenz Anfang März 1776 von Straßburg aus an Heinrich Julius von Lindau
(Lenz ist als Soldat bei den englischen Truppen im Kampf gegen die 13 Kolonien)

"In der Magna charta von England steht kein Wort vom Unterhause. Nur durch das Geld das sie dem König Eduard stießen brachten sie es bei ihm dahin.
Auch werden es die Kolonisten nicht lange machen alles rüstet wider sie und das Geld wird ihnen in die Länge auch schon fehlen. Schreibt aus Amerika an mich wenn Ihr Euren Peter* verlangt kann er künftiges Frühjahr ein wenig gescheuter mit den Schiffen zu euch kommen. 
Greven ist bei Euch, grüßt ihn feurig wenn er mich gleich nicht leiden kann." Lenz - Briefe,  Insel Taschenbuch it 1443, S.405 [Nachtrag vom 16.7.18]
*Lindau hat seinen 10jährigen Adoptivsohn Peter gegen Kostgeld in Pflege gegeben. Lenz lässt Peter zurück und reist allein nach Weimar, wo er auf seinen Freund Goethe setzt, der am Hof gut angeschrieben ist. (S. Damm: Vögel, die verkünden Land, it 1399, S.181f.)

24 Dezember 2011

Goethe

"ein poetisches Werk weiß ich auszuführen und zu verantworten, aber die Lebenswerke haben mir nie recht gelingen wollen" (Goethe)
"Man hat mich immer als einen vom Glück besonders Begünstigten gepriesen; auch will ich mich nicht beklagen und den Gang meines Lebens nicht schelten. Allein im Grunde ist es nichts als Mühe und Arbeit gewesen, und ich kann wohl sagen, daß ich in meinen fünfundsiebzig Jahren keine vier Wochen eigentliches Behagen gehabt. Es war das ewige Wälzen eines Steines, der immer von neuem gehoben sein wollte. Mein eigentliches Glück war mein poetisches Sinnen und Schaffen." (Goethe 1824 zu Eckermann)
"Man wird das Politische bei Goethe im umfassenderen Rahmen einer geglückten Lebensführung betrachten müssen, vergleichbar mit der praktischen Philosophie der antiken Griechen."
Rudolf Augstein: Gleichgültig für alles Deutsche (über den politischen und privaten Dichterfürsten Goethe)

Die Instrumentalisierung seiner Umgebung: August, Christiane:
"Wir lieben an einem jungen Frauenzimmer ganz andere Dinge als den Verstand. Wir lieben an ihr das Schöne, das Jugendliche, das Neckische, das Zutrauliche, den Charakter, ihre Fehler, ihre Kapricen, und Gott weiß was alles Unaussprechliche sonst; aber wir lieben nicht ihren Verstand. Allein der Verstand ist nicht dasjenige, was fähig wäre, uns zu entzünden und eine Leidenschaft zu erwecken." (Goethe zu Eckermann)

"Dass er sie bei offiziellen Einladungen geradezu verbarg, schien die junge Frau nicht weiter zu stören. Christiane war in hohem Maße bereit, sich den Wünschen des Dichters zu fügen." (Augstein: Gleichgültig für alles Deutsche)
Sigrid Damm hat in Christiane und Goethe deutlich gemacht, dass Christiane erst nach 10 Jahren, nach einer Krise, wo Goethe sie zu verstoßen drohte, diese Haltung gelernt hat. Und sie hat wahrscheinlich gemacht, dass diese mannhafte Unterdrückung ihrer Eifersucht ihr ihre Gesundheit - und letztlich das Leben - gekostet hat.

Goethe in "Maximen und Reflexionen" über Theorien:
„Theorien sind gewöhnlich Übereilungen eines ungeduldigen Verstandes, der die Phänomene gern los sein möchte und an ihrer Stelle deswegen Bilder, Begriffe, ja oft nur Worte einschiebt.“ (Zur Naturwissenschaft)
"Die große Aufgabe wäre, die mathematisch-philosophischen Theorien aus den Teilen der Physik zu verbannen, in welchen sie Erkenntnis, anstatt sie zu fördern, nur verhindern und in welchen die mathematische Behandlung durch Einseitigkeit der Entwicklung der neuern wissenschaftlichen Bildung eine so verkehrte Anwendung gefunden hat." (aus dem Nachlass)

Vergleiche dazu auch den Aufsatz von Manfred Osten: Die Europäer - von Dämonen geplagte Wesen von 2007.

10 Dezember 2011

Goethes "Kampagne in Frankreich"

"Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen." So hat Goethe laut seiner Kampagne in Frankreich, die er von 1819-1822 verfasste, am Abend des 19.9.1792 bei der Kanonade von Valmy gesagt.
In einem Brief an Karl Ludwig von Knebel schrieb er am 27.9.1792 weit weniger emphatisch, aber sehr ähnlich: "Es ist mir sehr lieb, dass ich das alles mit Augen gesehen habe und dass ich, wenn von dieser wichtigen Epoche die Rede ist, sagen kann - et quorum pars minima fui (und worin ich eine kleine Rolle spielte." (zitiert nach Sigrid Damm: Christiane und Goethe, Frankfurt u. Leipzig 1998, S.168)
Es ist unwahrscheinlich, dass er sich nach ca. 30 Jahren noch an eine Formulierung erinnern konnte, andererseits ist die Briefstelle ein Beleg dafür, dass er sich schon damals der Bedeutung des Vorgangs bewusst war.

Zu dieser Kampagne vgl. auch den Bericht des Anonymus "Biedermann"
https://web.archive.org/web/20200711180819/https://twitter.com/mdemanto/status/1282004846812573696

Da ich den Entschluss faßte, meine mir in diesen Kriege aufstoßende Begebenheiten auf zu schreiben, war es nicht meine Meynung daß diese meine Erfahrungen je jemandem zu Angesicht kommen solten.“

Als ...1789 ... die grose Revolution in Franckreich ausbrach ... dachte Niemand daß sich diese ... Gesinnungen der Französischen Tollhäußler, so weit, wie leider nachher geschehen, vorzügl: in Deutschland umher verbreiten würden; anfänglich belachte man ...die tollen Francken.“