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19 Juni 2024

Das Tagebuch der Anne Frank - zur literarischen Sonderstellung

 Nur ein Kurzhinweis auf die historische Sonderstellung: Dokumentation des singulären Menschheitsverbrechens Holocaust durch eine Jugendliche.

Literarisch ein Briefroman, der authentisch Wirklichkeit nur wenig verfremdet aus der Ich-Perspektive gestaltet und der aufgrund der künstlerischen Sonderperspektive: ohne Kenntnis der Zukunft, aber im Bewusstsein des wahrscheinlichen Ausgangs die Situation des Aufwachsens im Versteck während der Pubertät schildert.

Aufgrund der besonderen Situation steht nicht die Hauptsache, das zentrale Geschehen des Menschheitsverbrechens, im Vordergrund, sondern das Aufwachsen einer Pubertierenden und ihr Verhältnis zu zwei Familien und einem Junggesellen. Das ermöglicht eine realistische Schilderung, in die das Grauen nur hineinscheint: die ständige Lebensgefahr, Furcht vor dem Entdecktwerden. Die Entwicklung des Krieges bietet die Hoffnungsperspektive auf ein Happyend. 

So wird ein übersteigertes Pathos vermieden, die Lesbarkeit für Kinder und Jugendliche gewährleistet, die Spannung eines Handlungsfortschritts mit gelegentlichen dramatischen Einbrüchen der äußeren Situation aber sichergestellt. 

24 August 2021

Underground Railroad von Colson Whitehead

 Die Underground Railroad ist keine Fiktion. Es gab eine Einrichtung von Fluchthelfern, die schwarzen Sklaven die Flucht von den Plantagen der Südstaaten in die Nordstaaten erlaubte. 

Colson Whiteheads Roman The Underground Railroad ist freilich fiktional. Um den historisch belegten Umständen der Sklavenhaltung und den Problemen bei der Flucht ein wenig von dem Bedrückenden zu nehmen, die der Realität anhaften, hat Colson Whitehead eine reale Untergrund-Eisenbahn mit gut getarnten unterirdischen Bahnhöfen erfunden, die eine Art rückwärts gewandte Utopie darstellen. Denn vieles an Ungerechtigkeiten aus der Sklavenhalterzeit lebt ja noch fort. Die Tötung von George Floyd, die ja nicht ein heimtückischer Angriff eines einzelnen Mörders war, sondern ein mittelfristig unvermeidbarer "Unfall" in einem legalen (nicht legitimen) Unterdrückungssystem, beweist es.

Whiteheads Roman wurde die Vorlage einer Fernsehserie, die sei Mai 2021 zu sehen ist und ähnlich wie 1978/79 Holocaust - Die Geschichte der Familie Weiss durch Ausstrahlung im Fernsehen wesentlich dazu beigetragen hat, dass ein traumatisierendes historisches Geschehen nachfühlbar gemacht wurde. 

Frank Bösch hat in "Zeitenwende 1979" diese Serie über den Holocaust als einen Beleg für eine "Gewandelte Geschichtskultur" (S.393-95) gesehen. "Über zwanzig Millionen, die Hälfte der Bundesbürger über vierzehn Jahre, sahen zumindest eine Folge, ein Voertel sogar alle vier. Alle Bildungs- und Altersgruppen saßen vor dem Bildschirm, lediglich die Altersgruppe der 30- bis 49-Jährigen war leicht überrepräsentiert." (S.382)

Es steht zu hoffen, dass die Fernsehserie Underground Railroad der Verarbeitung des Stoffs durch Whitehead zu einer ähnlichen Breitenwirkung verhilft, wie 1979 mit der Serie Holocaust gelungen ist. Die Rezeption durch die Kritik gibt jedenfalls Anlass dazu. 

Interview mit Colson Whitehead unter anderem über seinen neusten Roman Harlem Shuffle in der Frankfurter Rundschau vom 24.8.21

10 März 2021

Annette Hess: Deutsches Haus

 Rezensionen bei Perlentaucher

"Die Rezensentin beklagt eine Sprache, die viel zu nahm am Mief der beschriebenen Kleinbürger ist. Handlungsfäden und Figuren würden einfach entsorgt. Und am Ende gibts noch ein Happy End. Ein "Triumph literarischer Trivialität", klagt Meyer-Gosau." über SZ 9.10.2018

"Das Thema der traumatischen Spaltung, die die Nachgeborenen wegen der Verschlossenheit ihrer Eltern durchleiden, sobald sie nach der Vergangenheit fragen, fand Renz mutig gewählt, aber nicht alle Figuren und Motivationen würde er als gelungen bezeichnen. Zu einer abschließenden Meinung scheint sich der Rezensent nicht durchringen zu können." über Werner Renz in FAZ 6.10.2018

Der Roman ist kein großes Kunstwerk. Der Anfang mit den aufdringlichen Vorausdeutungen, mit der sehr einfachen Sprache, mit der simplen Personenkonstellation und der unglaubwürdigen Handlungskonstruktion schienen mir eine leichte Lektüre zu versprechen. 

In der Tat liest sich alles ohne Anstrengung und mehr als einmal glaubte ich handwerkliche Fehler zu erkennen (was einem eine gewisse Souveränität gegenüber der Aussage des Romans verspricht). Und doch fühlte ich mich mit der fortschreitenden Lektüre über die Identifikation mit der Hauptfigur immer stärker in das Erschrecken darüber hineingetrieben, was Menschen möglich ist und wie verständlich es ist, dass man von einem gewissen Maß an Schuld kaum mehr imstande ist, es sich zuzugeben. 

Gerade weil nicht realistisch, sondern stark verkürzt beschrieben wird, habe ich weiter gelesen, obwohl ich mich auf eine tiefgehende Beschäftigung mit dem Thema nicht einlassen wollte. Ich bin gleichsam dazu überlistet worden. Das halte ich für eine großartige Leistung, für die ich dankbar bin.

Übrigens erhöht die Lesbarkeit auch, dass Hess, vom Film her kommend, viele Szenen gestaltet und Personen visuell charakterisiert. So bleiben Bildeindrücke haften, die für relevante Personen und Geschehnisse stehen.

Radioansprache von Anita Lasker nach ihrer Befreiung aus Bergen-Belsen am 16.4.1945

Hier ein Angebot zum direkten Zugang auf die 

Tonbandmitschnitte des1. Auschwitz-Prozesses (1963–1965) 

Raphael Gross, Werner Renz (Hrsg.) Der Frankfurter Auschwitz-Prozess (1963–1965)

Zusammenschnitt von Dokumenten in 70 + 32 Minuten


11 Februar 2021

Lessings "Ringparabel" und der Holocaust

 Die Ringparabel gilt als die zentrale Formulierung von Lessings Forderung nach Toleranz.

Und doch kündigt Nathan im Monolog, wo er seine Gedanken ohne Verstellung formuliert, mit: "Nicht die Kinder bloß speist man mit Märchen ab." (Nathan III,6)
Warum weckt Lessing von vornherein den Zweifel an der Aussagekraft der Parabel?
Ich weiß es nicht. 
Ein Grund könnte sein, dass er menschliche Wahrheit als stets nur vorläufige Erkenntnis ansieht. So in seinem Text über die Wahrheit
"Wenn Gott in seiner Rechten alle Wahrheit und in seiner Linken den einzigen immer regen Trieb nach Wahrheit, obschon mit dem Zusatze, mich immer und ewig zu irren, verschlossen hielte und spräche zu mir: wähle! Ich fiele ihm mit Demut in seine Linke und sagte: Vater gib! die reine Wahrheit ist ja doch nur für dich allein!"
Ein zweiter lässt sich in die Schlussszene des Nathan hinein interpretieren. 
Da sagt der Sultan Saladin zu Nathan: 
"Ich meines Bruders Kinder nicht erkennen? Ich meine Neffen – meine Kinder nicht? Sie nicht erkennen? ich? Sie dir wohl lassen? (Wieder laut.)   Sie sinds! sie sind es, Sittah, sind! Sie sinds! Sind beide meines ... deines Bruders Kinder! (Er rennt in ihre Umarmungen.)"
Das lässt Raum für die Interpretation: Gerade weil Nathan den muslimischen Sultan und den christlichen Tempelherrn von der Idee der Toleranz überzeugen will, verliert er darüber seine Tochter (das Kind, das er angenommen hatte, nachdem seine sieben Söhne verloren hatte) an die Vertreter der beiden anderen Hauptreligionen.
In einer Inszenierung aus dem 20. Jahrhundert wurde - aufgrund der Erfahrung des Holocaust, die Lessing nicht hatte - die Szene so dargestellt: Alle umarmen sich. Nathan steht allein. Hinzu kam eine Inszenierungsbesonderheit, an die ich mich gegenwärtig nicht genau besinne (ich habe aber ein Aufnahme der Inszenierung), wo vor Beginn und nach dem Schluss des Stückes schemenhafte Kamele über die Bühne schreiten, ein Sinnbild für das "Gottesvolk", die ewig heimatlosen Juden?
Könnte Lessing wirklich eine Deutung zugelassen haben, dass Nathan letztendlich verliert, gerade weil er für Toleranz ist?
Er war mit Moses Mendelssohn befreundet und hatte erlebt, dass dieser heftig angegriffen wurde, weil er nicht bereit war, zum Christentum überzutreten. (Rechtfertigen könne er das nur, wenn er das Christentum in aller Form widerlegen könne.) Dazu heißt es in der Wikipedia: 
"1771 erlitt Mendelssohn, wahrscheinlich im Zusammenhang mit diesen Anstrengungen, einen psychophysischen Zusammenbruch, der ein zeitweiliges Aussetzen jeglicher philosophischen Tätigkeit erzwang. Die im selben Jahr vorgeschlagene Aufnahme Mendelssohns in die Preußische Akademie der Wissenschaften auf Antrag von Johann Georg Sulzer, dem Präsidenten der Philosophischen Klasse, scheiterte am Widerstand Friedrichs II."
Lessing schrieb seinen Nathan gewiss im Blick auf seinen Freund. Könnte er - nach außen nicht, wohl aber versteckt - nicht nur seiner Leistung, sondern auch seinen Leiden ein Denkmal haben setzen wollen? 
Darauf deuten auch die Worte hin, die er den Sultan Saladin sagen lässt: "Nie die Wahrheit zu Verhehlen! für sie alles auf das Spiel Zu setzen! Leib und Leben! Gut und Blut!" (III,7
Was kann es für einen deutlicheren Hinweis an den Juden Nathan geben, dass er wirklich "behutsam" vorgehen muss, wie er es sich in der 6. Szene vorgenommen hat. Dem Muslim seine eigene Wahrheit unverhohlen präsentieren, ist nach diesen Worten gefährlich. Nathan sagt dann auch: "Ja! ja! wanns nötig ist und nutzt." und erzählt dann etwas, was ihn aus der Schlinge zieht, die die Schwester des Sultans für ihn vorbereitet hat. Lessing motiviert damit Nathans vorsichtiges Vorgehen; aber er ermöglicht auch die Interpretation, dass die Ringparabel nicht das einzige Deutungsmuster für die gemeinsame Geschichte der drei abrahamitischen Religionen ist. 
Nach dem Holocaust gibt es jedenfalls guten Grund, daran zu erinnern, dass den deutschen Juden ihr Beitrag zum deutschen Geistesleben (nicht nur Einstein!) nicht gedankt worden ist. Auch Juden, die sich als deutsche Patrioten verstanden, wurden Opfer des Holocaust. 


25 Februar 2015

Martin Walser: Unser Auschwitz - Auseinandersetzungen mit der deutschen Schuld

Martin Walser: Unser Auschwitz, 1965
Quelle: Kursbuch Nr. 1, hrsg. von Hans Magnus Enzensberger, Juni 1965, S. 189 - 200

Martin Walser

Unser Auschwitz

Auseinandersetzung mit der deutschen Schuld
Rowohlt Verlag, Reinbek 2015

"Darin versammelt sind Texte und Textstellen aus fast 60 Jahren, in denen Walser jüdisches Leben und den Holocaust erörtert. Wer es noch nicht wusste, weiß es nach der Lektüre: Die deutsche Vergangenheit ist eines der Lebensthemen des Schriftstellers (und Historikers)." (Aus fortwährend aktuellem Anlass Von MARTIN OEHLEN, FR 25.2.2015)

12 Mai 2014

Jan Karski: Mein Bericht an die Welt

Großer Mut, gewaltige Opferbereitschaft zur Verhinderung des größten Verbrechens seit Menschengedenken: Jan Karskis Mission zur Erstellung eines Augenzeugenberichtes über den Holocaust.

Sein Werk Mein Bericht an die Welt ist jetzt literarisch neu aufgearbeitet worden.

Neben ihm darf freilich Witold Pilecki nicht vergessen werden. Er starb schon 1948, Karski erst 2000.
Sie berichteten beide schon 1943 über den Holocaust. Doch obwohl Karski Präsident Franklin D. Roosevelt persönlich sprechen konnte, wurde ihm nicht geglaubt.
Pileckis Bericht ging in die  Auschwitz-Protokolle ein, das zentrale Dokument der Anklage wegen des Holocaust bei den Nürnberger Prozessen


Das 32seitige Dokument, auch Vrba-Wetzler Report oder Vrba-Wetzler-Bericht oder Auschwitz notebook genannt, besteht aus drei verschiedenen Teilen:
Aufnahme aus Bratislava, Juni–Juli 1944. R. Vrba (rechts) und A. Rosin (links)
  • einem mehrseitigen Bericht von Arnost Rosin und Czesław Mordowicz, zwei kurz nach Vrba und Wetzler am 27. Mai 1944 ebenfalls aus Auschwitz Entflohenen.
Kopien des Dokuments befinden sich in der Nachlass-Bibliothek Roosevelts, Hudson River Valley, New York, im vatikanischen Archiv und inYad VashemJerusalem. (Seite „Auschwitz-Protokolle“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 11. März 2014, 00:26 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Auschwitz-Protokolle&oldid=128392753 (Abgerufen: 12. Mai 2014, 08:11 UTC))

07 November 2013

Der letzte der Ungerechten

Der letzte der Ungerechten ist ein Film von Claude Lanzmann auf der Basis eines 1975 von ihm mit Benjamin Murmelstein geführten Interviews, das Lanzmann nicht in seinen Film über die Shoah aufgenommen hat. Der Film ist von Lanzmann dafür gedacht, ein besseres Verständnis für die Judenräte und ihre Rolle zu ermöglichen.
Lebhaft, mit funkelnden Augen und unerbittlicher Präzision, berichtet Murmelstein, wie er in Theresienstadt das Propagandaspiel der Nazis mitspielte und die materiellen Vorteile für die Lagerinsassen nutzte. Ein Ghetto, so seine Rechnung, das als Kulissenstadt dient, kann nicht geschlossen, also ausgelöscht werden. Sehenden Auges begab sich der Rabbiner in dieses Geflecht aus Überleben, Rettung und erzwungener Kollaboration. [...] 
Fast scheint es, als wolle Lanzmann Murmelsteins Sache, die Sache eines Gerechten, der sich selbst als den letzten der Ungerechten bezeichnete, auch physisch auf sich nehmen. Einmal sieht man ihn in eine Kaserne eintreten und auf eine schier endlose Treppe zugehen. Sie führt in Räume, in denen die ältesten Lagerinsassen unter unvorstellbaren Bedingungen dahinvegetierten. Lanzmann holt kurz Luft und geht die Treppe hoch, ohne ein einziges Mal innezuhalten. Es ist die Vergegenwärtigung des Unfassbaren durch die körperliche Präsenz eines 88-jährigen Filmemachers. (Zeit online, 23.5.13)

In einem Interview in der ZEIT vom 7.11.13 berichtet Lanzmann über eine Begegnung mit Steven Spielberg. Er hatte Spielbergs Film Schindlers Liste sehr scharf kritisiert. Bei einem Abendessen, wo man sie absichtlich weit auseinander gesetzt hatte, ging er zu Spielberg:
Ich sagte: "Ich freue mich, Ihnen die Hand zu geben." Er ergriff sie und sagte: "Sie verachten mich." Ich sage zu ihm: "Keineswegs. Ich habe nur einen wirklichen Konflikt mit ihnen. Einen ontologischen Konflikt über das, was das Kino und die Shoah miteinander machen können. Oder nicht miteinander machen können. [...] und ich habe meine Meinung über Schindlers Liste nicht geändert." Steven Spielberg war sehr sympathisch, und er hat sich dann in Cannes Der letzte der Ungerechten angeschaut. Danach hat er mir sieben Briefe geschrieben. Und er gibt mir heute recht, was meine Einwände gegen Schindlers Liste betrifft. [...] Ich habe ihm gesagt, dass wir uns letztlich sehr ähnlich sind. Wir sind zwei ängstliche Juden. Der eine zieht sich aus der Affäre, indem es bei ihm immer ein gutes Ende gibt. Und bei mir geht es immer schlecht aus. Mit dem Tod. Aber sonst sind wir gleich. Zwei jüdische Angsthasen, die Filme machen.
Über die Rolle der Judenräte informieren u.a. ein Wikipediaartikel und ein Aufsatz von Wolf Murmelstein, des Sohnes von Benjamin Murmelstein. Bei allen Bemühungen um Aufklärung über den Holocaust kommen - verständlicherweise - die Rolle der Judenräte und des jüdischen Widerstandes zu kurz. Schließlich geht es dabei nicht um deutsche Schuld. - Judenräte wie Widerstandskämpfer haben völlig gegensätzliche Antworten auf die unlösbare Frage gefunden, wie man der Ausrottungsmaschinerie des deutschen NS-Regimes begegnen soll.
Man mag über Kohls Wort von der "Gnade der späten Geburt" sagen, was man will: Man kann nur dankbar sein, wenn einem eine solche Frage nicht gestellt wird.

03 Februar 2013

Ein Geheimnis

Philippe Grimbert ist ein ruhiges, würdevolles Buch gelungen, wo doch die Fabel, die dahinter steht, die große Wucht einer antiken Tragödie hat.
Liebe auf den ersten Blick, die dem Untergang weiht: nicht nur die Liebenden, sondern alle, die sie lieben.

Dabei gibt es nichts Heroisches wie im Nibelungenlied, wo die verschmähte Jungfrau sich am Geliebten und dessen Geliebter rächt und diese Rache alle, die sich zu den Nibelungen rechnen, in den Tod treibt.

Vielmehr ist es das große Schicksal, das eine von heutigen Moralverstellungen aus gesehen geringe Schuld zur Tragödie werden lässt.  Doch der, den das unentdeckte Geheimnis zu erdrücken drohte, wird durch die Entdeckung stark.
Hier scheint das Wort von der bewältigten Vergangenheit am Platz, obwohl es um den Holocaust geht.
Denn bewältigt wird nicht die Schuld, sondern das durch fremde Schuld hervorgerufene Schuldgefühl eines Kindes.
Tragisch ist das Schicksal des starken, glücklichen Kindes. Das des schwachen führt zu besonderer Stärke.

Es ist ein gelungenes Buch. Es war gut zu lesen. Aber alles geht - bei aller Tragik - zu gut auf.
Ich denke, es wird mir nicht lange im Gedächtnis bleiben. Es ist die Psychoanalyse, die zu stimmig ist.

Dabei verspricht der Anfang eine große Nähe zu "Die Erfindung des Lebens". Der erfundene Bruder, der ihn begleitet. Der Tod des Bruders, der seine Mutter verstört.

Wie andere es gelesen haben:

Perlentaucher

Dieter Wunderlich

Leselust (zu empfehlen "Vor allem an jüngere Leser")

Nina (Aufgabe des Geschichtsunterrichts. Anforderung, "dass der Autor im 19. Jahrhundert gelebt hat". (gemeint: 19xx)

der Film