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02 März 2026

Lektüreanregungen von J-P Martin nicht nur für Politiker

 https://jeanpol.wordpress.com/2026/03/02/warum-jean-pol-martin-meint-dass-politiker-diese-zwei-bucher-lesen-sollten/

  • Das Endorphin-Prinzip von Borwin Bandelow
  • Not the End of the World von Hannah Ritchie

Warum gerade diese beiden?


1. Weil Angst Demokratien destabilisieren kann

Nach Jean-Pol Martin unterschätzen viele Politiker, wie stark Angst das Denken verändert. Der Psychiater Borwin Bandelow beschreibt, wie unser Gehirn auf Unsicherheit reagiert. Wenn Menschen das Gefühl haben, keine Kontrolle mehr zu haben, geschieht etwas Vorhersehbares:

  • Denken wird einfacher, aber weniger differenziert.
  • Komplexität wird als Bedrohung erlebt.
  • Der Wunsch nach klaren, schnellen Lösungen wächst.
  • Polarisierung nimmt zu.

Für Martin ist das entscheidend: Eine Demokratie braucht Bürgerinnen und Bürger, die komplex denken können. Wenn politische Kommunikation jedoch dauerhaft Krisenrhetorik verstärkt, wenn Unsicherheit betont wird oder Entscheidungsprozesse undurchsichtig bleiben, entsteht Stress. Und Dauerstress schwächt die Fähigkeit zur sachlichen Urteilsbildung. Deshalb meint Martin: Politiker sollten verstehen, wie Angst wirkt – und wie man Stabilität erzeugt, statt Unruhe zu verstärken.


2. Weil verzerrte Weltbilder zu Fehlentscheidungen führen

Gleichzeitig betont Jean-Pol Martin: Angst ist nicht das einzige Problem. Auch falsche oder verzerrte Informationen sind gefährlich. Hannah Ritchie zeigt in Not the End of the World, dass viele globale Entwicklungen langfristig besser verlaufen, als öffentliche Debatten oft suggerieren:

  • Extreme Armut ist stark gesunken.
  • Die Lebenserwartung ist weltweit gestiegen.
  • Technologische Innovationen ermöglichen Fortschritte im Klimaschutz.

Probleme bleiben – aber die Welt ist nicht nur im Niedergang. Für Martin ist das zentral: Politik braucht belastbare Daten und realistische Einschätzungen. Wenn alles als Katastrophe erscheint, entstehen Panikreaktionen. Wenn Fortschritte ignoriert werden, sinkt Motivation. Wenn Fakten durch Ideologie ersetzt werden, verliert Politik ihre Orientierung.

05 Mai 2018

Poetischer Realismus

"Ich möchte Bilder schaun, nicht machen können,
Und bloß, um nichts vom Häßlichen zu leiden,
Denn niemals hat’s der Maler noch gesehen."


Das Hässliche soll durch Kunst veredelt werden. Der poetische Realist sieht die Wirklichkeit und verwandelt sie. In diesem Falle, indem er eine Empfindung ausformuliert und in strenger Form, einem Sonett, gestaltet
Dem Maler Gurlitt unterstellt Hebbel, dass er es fertigbringe, es gar nicht erst zu sehen.
So meine Sicht. 
Es folgt das vollständige Gedicht und ein Link zu Lesung und Interpretation in der Frankfurter Anthologie:


Friedrich Hebbel: 

„An meinen Freund Gurlitt“

Ich dachte dein, als ich die Herrlichkeiten
Der Steiermark vom Berg herab erblickte
Und im Empfindungswirbel fast erstickte,
Weil mir die Kraft gebrach, ihn abzuleiten.
Denn wer, wie du, in nebelhafte Weiten
Den Künstlerblick so oft schon siegreich schickte
Und sicher war, daß keine ihn verstrickte,
Vermag auch dort mit der Natur zu streiten.
Zwar werde ich dir nie die Hand mißgönnen,
Doch könnt’ ich dir das Auge fast beneiden,
Vor dem des Chaos Formen nicht bestehen.
Ich möchte Bilder schaun, nicht machen können,
Und bloß, um nichts vom Häßlichen zu leiden,
Denn niemals hat’s der Maler noch gesehen.