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30 November 2015

Keltische Märchen und Sagen

Das Märchen heißt "Der Winter und der Zaunkönig" und handelt von Winter, Zaunkönig, Adler und Prinz sowie von der Schwester des Adlers, die den Prinzen ihr Treue bis in den Tod schwören lässt, ihn aber dann doch nicht heiraten will und ihm einen halben Ring und ein Taschentuch gibt. Der Zaunkönig jubelt über den Sieg, als seine Partei verloren hat.
Genügend eigentümlich? Dann lesen Sie es nach.
Bils, der schlaue Dieb ist ebenfalls ein Märchen aus der Bretagne.

zu finden in: Frederik Hetmann: "Keltische Märchen" Fischer TB 1593 Copyright 1975, S.134ff.

Mehr keltische Märchen im Netz findet man in der Märchenwirkstatt

und im Buch Frederik Hetmann: "Irische Märchen" Fischer TB 1225 Copyright 1971

Irische Sagen in:
"Keltische Sagen aus Irland" herausgegeben und übersetzt von Martin Löpelmann, erschienen 1944 in Brünn, 1977 bei Eugen Diederichs in München, 1988 in einer Neuausgabe bei Eugen Diederichs in München. 522 Seiten

Ergänzend:
Kelten
Keltische Mythologie
Irische Mythologie
Mythologischer Zyklus
Historischer Zyklus
Liste inselkeltischer Mythen und Sagen
Irische Elfenmärchen
Liste keltischer Götter und Sagengestalten
Keltische Gottheiten
Keltische Religion
Keltischer Kesselkult
Keltische Frauen



29 November 2015

Was man den Brüdern Grimm vielleicht nicht zugetraut hätte

Sie haben auch irische Elfenmärchen herausgegeben. Mich beeindrucken diese Erzählungen nicht nur durch die uns ungewohnten Namen, sondern auch durch einen originellen Erzählton oder - um es mit den Brüdern Grimm zu sagen - "sie haben einen eigentümlichen Beigeschmack, der nicht ohne Reiz ist"

Hier ein Beispiel:


Die beiden Gevatterinnen

(Siehe auch die Anmerkungen)
Zu Minane bei Tracton, das etwa fünf Stunden südlich von Cork liegt, lebte ein junges Ehepaar, namens Mac Daniel, und sie hatten ein so schönes, wohlaussehendes Kind, daß die Elfen Lust bekamen, es zu sich zu holen und einen Wechselbalg an seine Stelle zu legen. Doch Frau Mac Daniel hatte eine Gevatterin, namens Norah Buckeley, und die ging gerade bei dem Hause, worin die beiden lebten (es war eben neu mit Schiefern gedeckt und hatte ein neues Schild erhalten) in der Abenddämmerung vorbei. »Es ist zu spät«, dachte sie, »um einzutreten und mich nach der Gevatterin Befinden zu erkundigen.« Sie hatte noch eine gute Stunde zu gehen, überdies bemerkte sie, daß die Elfen ausgezogen waren, denn den Weg von Carrigaline war vor ihr ein Wirbel von Staub nach dem andern aufgestiegen; das sicherste Zeichen von einem Aufbruch und Umzug des stillen Volkes, und es tat ihr in den Beinen weh, sich so oft neigen zu müssen.
Indessen als Norah vor dem Hause ihrer Gevatterin war, blieb sie einen Augenblick stehen und sprach vor sich hin:
»Gott laß es ihr wohl ergehen!« Kaum hatte sie diese Worte ausgesprochen, so sah sie, daß sich eins von den Fenstern öffnete und das schöne Kind ihrer Gevatterin eilig herausgereicht wurde; sie konnte, und wenn es ihr Leben gekostet hätte, nicht sagen, wie oder von wem. Sie ließ sich aber nicht abhalten, herbei zu gehen und das Kind in Empfang zu nehmen. Sie wickelte es aufs beste in ihren Mantel und eilte damit nach Haus.
Am folgenden Morgen machte sie sich auf, um nach ihrer Gevatterin zu sehen, die klagte und jammerte über die Veränderung ihres Kindes, die ganze Nacht sei sie von seinem Geschrei aufgeweckt worden und es mit nichts in der Welt zu beruhigen gewesen.
»Ich will Euch sagen, was Ihr mit dem Balg anfangen müßt«, sagte Norah, »streicht ihn erst mit einer Rute, dann tragt ihn hinaus auf den Kreuzweg und laßt ihn da in dem Graben liegen, wo ihn holen kann, wer Lust hat. Wißt, ich habe Euer leibliches Kind gesund und wohl daheim bei mir, in der letzten Nacht ist es mir aus Euerm Fenster herausgereicht worden.«
Als die Mutter das hörte, geriet sie ins größte Erstaunen und ging hinaus, eine Rute zu holen. Kaum aber kehrte sich die Gevatterin um und schaute umher, so war der Elfe fort und weder sie noch des Kindes Mutter sahen ihn wieder, noch konnten sie erfahren, auf welche wunderbare Weise er verschwunden war.
Die Frau Mac Daniel lief in aller Eile in das Haus ihrer Gevatterin, fand da ihr eigenes Kind, nahm es mit sich nach Haus und es ist zu dieser Zeit ein feiner junger Mann. 

02 April 2010

Brüder Grimm, Wikipedia und Wikisource

"Spezialisten fürs Unsichere" nennt Steffen Martus in seiner gleichnamigen Biographie Die Brüder Grimm. Das mussten sie sein, wenn sie am Neuen Literarischen Anzeiger mitarbeiteten, der zwei andere Zeitschriften fortsetzte, die jeweils nur vier bzw. fünf Jahre durchgehalten hatten. Er selbst bestand nur zwei Jahre.
Wenn Martus die Leser/Mitarbeiter dieser Art von Zeitschriften kennzeichnet, so trifft er damit die Leser/Mitarbeiter der Wikipedia. Freilich mag seine Formulierung auf Seite 120 auch von der ihm bekannten Arbeitsweise der Wikipedia beeinflusst sein:
Der Leser, der zugleich potentieller Beiträger war, musste sich mit prinzipieller Unsicherheit abfinden. Weder durfte er blind auf das vertrauen, was er las, noch zu sehr von der abschließenden Gültigkeit der eigenen Thesen überzeugt sein.
Hart arbeitet die Wikipedia gegenwärtig daran, dieses Image zu beseitigen, und doch wird sie lebendig nur bleiben können, wenn sie sich einiges von diesem Geiste bewahrt.
Doch auch die Abkehr von Unsicherheit und die Wendung zu Festigkeit und dauernder Gültigkeit teilt die Wikipedia mit den Brüdern Grimm. Denn anders als Arnim und Brentano in ihrer Sammlung "Des Knaben Wunderhorn" geht es ihnen nicht primär darum "eine Mode an altdeutscher Poesie zu erregen", sondern darum "die Quellen altdeutscher Poesie zu retten". Diese Absicht des Bewahrens teilt Wikisource, das Tochterunternehmen der Wikipedia, mit den Brüdern Grimm (nur dass es hier nicht nur um Poesie geht und dass vor allem die freie Nutzung der Quellen im Sinne von open source das zentrale Anliegen der dortigen Editionen ist).
So erscheint es nur passend, dass die Märchen der Brüder Grimm in ihren verschiedenen Auflagen in der Wikisource publiziert werden.
Freilich wird dabei auch dokumentiert, wie stark die wissenschaftlichen Sammler bei ihrer Wiedergabe, genauer: Neuformulierung der Märchen auf den Geschmack des Publikums eingehen, um damit wiederum seinen Geschmack zu prägen. Wie kurz und knapp ist die Überlieferung, von der die Brüder ausgehen, und wie sehr versteht es Wilhelm Grimm, einen romantischen Märchenton über den Text zu legen.
Die gewaltigen Unterschiede der "Kinder- und Hausmärchen" zu den keltischen Märchen, wie sie etwa Frederik Hetman (Autorenname von Hans-Christian Kirsch) gesammelt hat, könnten daher auch auf unterschiedliche Arten der Redaktion der Ausgangstexte zurückgehen.
Steffen Martus kennzeichnet die Brüder Grimm "als Marketing-Spezialisten, die einfach behaupteten, ihre Märchen seien mündlich überliefert - obwohl sie die meisten in verstaubten Bibliotheken gefunden und dann gehörig bearbeitet hatten; so lange, bis jener Märchen-Erzählton gefunden war, der den Leser noch heute in diese schaurig-schöne Stimmung versetzt..." (so formuliert vom Rezensenten seiner Doppelbiographie Marcus Weber).
Diese Arbeitsweise kann man mitverfolgen, wenn man die verschiedenen Auflagen der Grimmschen Märchen bei Wikisource vergleicht und man kann auch noch selbst an deren Edition bei Wikisource mitwirken, denn etwa die Auflage von 1843 ist noch nicht zweimal korrekturgelesen.

23 März 2010

Keltische Märchen: ein schottisches

"Der Prinz und die Tochter des Riesen" heißt es, und am Anfang befreit ein Prinz einen Jüngling aus seiner Bezauberung als Rabe und wird dafür mit einem Geschenk belohnt, das mit einer warnenden Bedingung verknüpft ist. (Man kennt das Motiv: "Die verbotene Tür.") Dann wird das Eingangsmotiv aus die Schöne und das Biest eingeführt: Jemand gerät in Not und macht ein Versprechen, das einen anderen ins Unglück stürzt. Damit beginnt die Motivverschachtelung.
Aufgaben werden gestellt und mit Hilfe gelöst, eine Flucht wird mit Zauber gesichert. Die Braut wird durch eine falsche ersetzt. Diese Motive folgen, sind aber noch gereiht. Aber eine Alte einzuführen, die wegen eines täuschenden Spiegelbildes im Wasser glaubt, in einen Jungbrunnen geraten zu sein, und ihr Mann der Schuster am Königshof, das ist schon stark.
Der fehlende Finger, der keine Benachteiligung ist, sondern erst den glücklichen Ausgang ermöglicht.
Eine Variante des Märchens findet sich als "Kampf der Tiere" imNetz.