"Norwegen, 2017. Die fast 70-jährige Umweltaktivistin Signe begibt sich auf eine riskante Reise: Mit einem Segelboot versucht sie die französische Küste zu erreichen. An Bord eine Fracht, die das Schicksal des blauen Planeten verändern kann. [...]"
https://www.elli-radinger.de/rezension-die-geschichte-des-wassers/
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18 September 2019
11 Mai 2016
Yuval Noah Harari „Eine kurze Geschichte der Menschheit“
Yuval Noah Harari „Eine kurze Geschichte der Menschheit“
Lektüren eines Nachtwächters: "Es lohnt nicht, Hararis Geschwätz detaillierter zu beschreiben. Die Argumentation des Buches ist flach, dumm, ermangelt jeglicher Selbstreflexion und weitgehend der Sachrichtigkeit."
"Nach einem Überblick über die Frühgeschichte der Menschheit geht der Autor dazu über, sich sehr allgemein darüber auszulassen, wie die menschliche Gesellschaft seiner Meinung nach funktioniert. Seine Haupteinsicht besteht darin, dass es sich bei menschlichen Institutionen und Überzeugungen um Fiktionen handelt, die nichtsdestoweniger wirksam sind. Zwar kann Harari weder erklären, wie solche Fiktionen installiert werden (sie werden einfach von jemandem erfunden), noch warum sie perpetuiert werden, wenn sie ihre Nützlichkeit verloren haben, was ihn aber in keiner Weise dabei stört, ein schlecht durchdachtes Beispiel ans andere zu hängen, ohne ein einziges Mal auf Strukturen der Macht zu sprechen zu kommen. Auch handelt es sich bei der Geschichtswissenschaft und den Naturwissenschaften offenbar nicht um solche Fiktionen; auch seine Theorie vom fiktiven Charakter der gesellschaftlichen Institutionen scheint von dieser Theorie ausgenommen zu sein – so ein Glück!"
Amazon: "Vor 100 000 Jahren war der Homo sapiens noch ein unbedeutendes Tier, das unauffällig in einem abgelegenen Winkel des afrikanischen Kontinents lebte. Unsere Vorfahren teilten sich den Planeten mit mindestens fünf weiteren menschlichen Spezies, und die Rolle, die sie im Ökosystem spielten, war nicht größer als die von Gorillas, Libellen oder Quallen. Vor 70 000 Jahren dann vollzog sich ein mysteriöser und rascher Wandel mit dem Homo sapiens, und es war vor allem die Beschaffenheit seines Gehirns, die ihn zum Herren des Planeten und zum Schrecken des Ökosystems werden ließ. Bis heute hat sich diese Vorherrschaft stetig zugespitzt: Der Mensch hat die Fähigkeit zu schöpferischem und zu zerstörerischem Handeln wie kein anderes Lebewesen."
19 März 2014
Seinesgleichen geschieht oder warum erfindet man nicht Geschichte?
Denn ein Gedanke, der nicht einen praktischen Zweck hat, ist wohl eine nicht sehr anständige heimliche Beschäftigung; namentlich aber solche Gedanken, die ungeheure Stelzschritte machen und die Erfahrung nur mit winzigen Sohlen berühren, sind unordentlicher Entstehung verdächtig. Früher hat man ja wohl von Gedankenflug gesprochen, und zur Zeit Schillers wäre ein Mann mit solchen hochgemuten Fragen im Busen sehr angesehen gewesen; heute dagegen hat man das Gefühl, daß mit so einem Menschen etwas nicht in Ordnung sei, wenn das nicht gerade zufällig sein Beruf ist und seine Einkommensquelle. Man hat die Sache offenbar anders verteilt. Man hat gewisse Fragen den Menschen aus dem Herzen genommen. Man hat für hochfliegende Gedanken eine Art Geflügelfarm geschaffen, die man Philosophie, Theologie oder Literatur nennt, und dort vermehren sie sich in ihrer Weise immer unübersichtlicher, und das ist ganz recht so, denn kein Mensch braucht sich bei dieser Ausbreitung mehr vorzuwerfen, daß er sich nicht persönlich um sie kümmern kann. Ulrich in seiner Achtung vor Fachlichkeit und Spezialistentum, war im Grunde entschlossen, nichts gegen eine solche Teilung der Tätigkeiten einzuwenden. Aber er gestattete sich immerhin noch selbst zu denken, obgleich er kein Berufsphilosoph war, und augenblicklich malte er sich aus, daß das auf den Weg zum Bienenstaat führen werde. Die Königin wird Eier legen, die Drohnen werden ein der Wollust und dem Geist gewidmetes Leben führen, und die Spezialisten werden arbeiten. Auch eine solche Menschheit ist denkbar; die Gesamtleistung möchte vielleicht sogar gesteigert werden. Jetzt hat jeder Mensch sozusagen noch die ganze Menschheit in sich, aber das ist offenkundig schon zuviel geworden und bewährt sich gar nicht mehr; so daß das Humane fast schon der reinste Schwindel ist. Es käme für den Erfolg vielleicht darauf an, bei der Zerteilung neue Vorkehrungen zu treffen, damit in einer besonderen jener Arbeitergruppen auch eine geistige Synthese entsteht. [...]
Mit einem Wort, es geschah viel, es war eine bewegte Zeit, die um Ende 1913 und Anfang 1914. Aber auch die Zeit zwei oder fünf Jahre vorher war eine bewegte Zeit gewesen, jeder Tag hatte seine Erregungen gehabt, und trotzdem ließ sich nur noch schwach oder gar nicht erinnern, was damals eigentlich los gewesen war. Man konnte es abkürzen. Das neue Heilmittel gegen die Lues machte –; in der Erforschung des Pflanzenstoffwechsels wurden –; die Eroberung des Südpols schien –; die Steinachexperimente erregten –; man konnte auf diese Weise gut die Hälfte der Bestimmtheit weglassen, es machte nicht viel aus. Welche sonderbare Angelegenheit ist doch Geschichte! Es ließ sich mit Sicherheit von dem und jenem Geschehnis behaupten, daß es seinen Platz in ihr inzwischen schon gefunden hatte oder bestimmt noch finden werde; aber ob dieses Geschehnis überhaupt stattgefunden hatte, das war nicht sicher. Denn zum Stattfinden gehört doch auch, daß etwas in einem bestimmten Jahr und nicht in einem anderen oder gar nicht stattfindet; und es gehört dazu, daß es selbst stattfindet und nicht am Ende bloß etwas Ähnliches oder seinesgleichen. Gerade das ist es aber, was kein Mensch von der Geschichte behaupten kann, außer er hat es aufgeschrieben, wie es die Zeitungen tun, oder es handelt sich um Berufs- und Vermögensangelegenheiten, denn in wieviel Jahren man pensionsberechtigt sein wird oder wann man eine bestimmte Summe besitzen wird oder ausgegeben hat, das ist natürlich wichtig, und in solchem Zusammenhang können auch Kriege zu Denkwürdigkeiten werden. Sie sieht unsicher und verfilzt aus, unsere Geschichte, wenn man sie in der Nähe betrachtet, wie ein nur halb festgetretener Morast, und schließlich läuft dann sonderbarerweise doch ein Weg über sie hin, eben jener »Weg der Geschichte«, von dem niemand weiß, woher er gekommen ist. Dieses Der Geschichte zum Stoff Dienen war etwas, das Ulrich empörte.
Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften, Kapitel 83
Mit einem Wort, es geschah viel, es war eine bewegte Zeit, die um Ende 1913 und Anfang 1914. Aber auch die Zeit zwei oder fünf Jahre vorher war eine bewegte Zeit gewesen, jeder Tag hatte seine Erregungen gehabt, und trotzdem ließ sich nur noch schwach oder gar nicht erinnern, was damals eigentlich los gewesen war. Man konnte es abkürzen. Das neue Heilmittel gegen die Lues machte –; in der Erforschung des Pflanzenstoffwechsels wurden –; die Eroberung des Südpols schien –; die Steinachexperimente erregten –; man konnte auf diese Weise gut die Hälfte der Bestimmtheit weglassen, es machte nicht viel aus. Welche sonderbare Angelegenheit ist doch Geschichte! Es ließ sich mit Sicherheit von dem und jenem Geschehnis behaupten, daß es seinen Platz in ihr inzwischen schon gefunden hatte oder bestimmt noch finden werde; aber ob dieses Geschehnis überhaupt stattgefunden hatte, das war nicht sicher. Denn zum Stattfinden gehört doch auch, daß etwas in einem bestimmten Jahr und nicht in einem anderen oder gar nicht stattfindet; und es gehört dazu, daß es selbst stattfindet und nicht am Ende bloß etwas Ähnliches oder seinesgleichen. Gerade das ist es aber, was kein Mensch von der Geschichte behaupten kann, außer er hat es aufgeschrieben, wie es die Zeitungen tun, oder es handelt sich um Berufs- und Vermögensangelegenheiten, denn in wieviel Jahren man pensionsberechtigt sein wird oder wann man eine bestimmte Summe besitzen wird oder ausgegeben hat, das ist natürlich wichtig, und in solchem Zusammenhang können auch Kriege zu Denkwürdigkeiten werden. Sie sieht unsicher und verfilzt aus, unsere Geschichte, wenn man sie in der Nähe betrachtet, wie ein nur halb festgetretener Morast, und schließlich läuft dann sonderbarerweise doch ein Weg über sie hin, eben jener »Weg der Geschichte«, von dem niemand weiß, woher er gekommen ist. Dieses Der Geschichte zum Stoff Dienen war etwas, das Ulrich empörte.
Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften, Kapitel 83
16 November 2011
J. Fischer: Die Rückkehr der Geschichte
Ich beginne gerade - zwischen Wichtigerem - die Lektüre von Fischers "Die Rückkehr der Geschichte".
Das Urteil der Rezensenten geht erstaunlich weit auseinander. Für mich ist es das Buch eines Politikers zu einem historischen Thema, mit schönen Formulierungen und sehr undifferenziert.
Dankbar bin ich für die vielen Zitate, die das Auswärtige Amt geliefert haben dürfte; denn Fischer war bei der Abfassung, 2005, noch im Amt und hatte keine Zeit für eigene Recherchen.
Aus heutiger Sicht bemerkenswert ist, dass er großen Wert darauf legt, dass die Politik und nicht etwa die Wirtschaft die zukünftige Entwicklung bestimme.
Ein paar Zitate:
"In den Ersten Weltkrieg ritten die Armeen noch hoch zu Pferde hinein, und aus dem Zweiten Weltkrieg kam die Menschheit mit der Atombombe heraus." (S.10) - Eine Welt von Änderungen wird damit angedeutet: Die Entscheidungen von Militärs hätten in den Ersten Weltkrieg geführt, die Atombombe sei ein Phänomen, das die Situation der Menschheit präge, das ihr aber wie von außen zugekommen sei. Dazu ließe sich sehr viel sagen, doch hieße das, mehr in eine anschauliche Formulierung hineinstecken, als Fischer aussagen wollte.
"Heraklit, jener vorsokratische Philosoph im alten Griechenland, der bereits im 5. Jahrhundert vor Christus vermeldet hatte, daß der Krieg der Vater aller Dinge sei, war plötzlich wieder weitaus aktueller geworden als all die vielen Investmentbanken und Börsenkurse." - Nun ja, Krieg bringt sehr aktuelles und konkretes Leid über Menschen, während Investmentbanken und Börsenkurse immer nur abstrakte Entscheidungen und Augenblicksphänomene hervorbringen, über deren Bedeutung erst der Zusammenhang entscheidet. Eine sofortige Börsenschließung und ein weltweites konsequent keynesianistisches Programm hätten die Weltwirtschaftskrise verhindern oder doch zumindest erheblich abmildern können und so die grauenhaftesten historischen Folgen, den Aufstieg des Nationalsozialismus und den Holocaust vielleicht noch abwenden können. Aber das meint Fischer sicher nicht. Und dass Heraklit bei seiner Formulierung sicher an ein allgemeineres Phänomen gedacht hat als an den Angriff der Nato auf Serbien, den Fischer als von ihm mit zu verantworten zu "vermelden" hat, ist ohnehin außer Frage.
Unter Berufung auf Yehuda Bauer spricht Fischer vom dritten Totalitarismus, diesmal ohne seine Aussagen in einer griffigen Formulierung zu verdichten. Das zeugt zwar von einem erheblich analytischeren Zugriff als der "Kreuzzug", von dem Bush junior gesprochen hat, doch die Vergleichbarkeit mit Nationalsozialismus und Stalinismus ist doch höchst beschränkt und eröffnet kein verbessertes Verständnis des Phänomens. Denn die Gewalthandlungen der al-Qaida und die religiös-politische Fanatisierung in Gesellschaften, in denen der Islam die vorherrschende Religion ist, stehen gewiss nicht in dem engen Zusammenhang, wie es die Herrschaftsmechanismen in Nationalsozialismus und Stalinismus taten.
Das Urteil der Rezensenten geht erstaunlich weit auseinander. Für mich ist es das Buch eines Politikers zu einem historischen Thema, mit schönen Formulierungen und sehr undifferenziert.
Dankbar bin ich für die vielen Zitate, die das Auswärtige Amt geliefert haben dürfte; denn Fischer war bei der Abfassung, 2005, noch im Amt und hatte keine Zeit für eigene Recherchen.
Aus heutiger Sicht bemerkenswert ist, dass er großen Wert darauf legt, dass die Politik und nicht etwa die Wirtschaft die zukünftige Entwicklung bestimme.
Ein paar Zitate:
"In den Ersten Weltkrieg ritten die Armeen noch hoch zu Pferde hinein, und aus dem Zweiten Weltkrieg kam die Menschheit mit der Atombombe heraus." (S.10) - Eine Welt von Änderungen wird damit angedeutet: Die Entscheidungen von Militärs hätten in den Ersten Weltkrieg geführt, die Atombombe sei ein Phänomen, das die Situation der Menschheit präge, das ihr aber wie von außen zugekommen sei. Dazu ließe sich sehr viel sagen, doch hieße das, mehr in eine anschauliche Formulierung hineinstecken, als Fischer aussagen wollte.
"Heraklit, jener vorsokratische Philosoph im alten Griechenland, der bereits im 5. Jahrhundert vor Christus vermeldet hatte, daß der Krieg der Vater aller Dinge sei, war plötzlich wieder weitaus aktueller geworden als all die vielen Investmentbanken und Börsenkurse." - Nun ja, Krieg bringt sehr aktuelles und konkretes Leid über Menschen, während Investmentbanken und Börsenkurse immer nur abstrakte Entscheidungen und Augenblicksphänomene hervorbringen, über deren Bedeutung erst der Zusammenhang entscheidet. Eine sofortige Börsenschließung und ein weltweites konsequent keynesianistisches Programm hätten die Weltwirtschaftskrise verhindern oder doch zumindest erheblich abmildern können und so die grauenhaftesten historischen Folgen, den Aufstieg des Nationalsozialismus und den Holocaust vielleicht noch abwenden können. Aber das meint Fischer sicher nicht. Und dass Heraklit bei seiner Formulierung sicher an ein allgemeineres Phänomen gedacht hat als an den Angriff der Nato auf Serbien, den Fischer als von ihm mit zu verantworten zu "vermelden" hat, ist ohnehin außer Frage.
Unter Berufung auf Yehuda Bauer spricht Fischer vom dritten Totalitarismus, diesmal ohne seine Aussagen in einer griffigen Formulierung zu verdichten. Das zeugt zwar von einem erheblich analytischeren Zugriff als der "Kreuzzug", von dem Bush junior gesprochen hat, doch die Vergleichbarkeit mit Nationalsozialismus und Stalinismus ist doch höchst beschränkt und eröffnet kein verbessertes Verständnis des Phänomens. Denn die Gewalthandlungen der al-Qaida und die religiös-politische Fanatisierung in Gesellschaften, in denen der Islam die vorherrschende Religion ist, stehen gewiss nicht in dem engen Zusammenhang, wie es die Herrschaftsmechanismen in Nationalsozialismus und Stalinismus taten.
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23 September 2009
Der Ägypter - Die Geschichte von Sinuhe
Sie "halten das, was die Reichen wünschen, für Recht, und das, was die Armen wünschen für Unrecht" sagt der hethitische Archivar dem reisenden Ägypter Sinhue. Und damit spricht er aus, was in fast allen Gesellschaften der Erde zu fast jeder Zeit gegolten hat.
Wenn er hinzufügt "Für uns ist Recht, was wir wünschen, und Unrecht, was die Nachbarvölker wünschen", so ist auch das eine Aussage, die für viele Völker in der Geschichte gegolten hat und selbst in der Europäischen Union immer wieder einmal hervorgeholt wird, wenn es sich über den Agrarhaushalt oder über Umwelschutzregeln zu einigen gilt.
Freilich wenn er seinen Herrscher zitiert "Gebt mir dreißig Jahre - und ich mache aus dem Lande [...] das mächtigste Reich, das die Welt je geschaut hat", so erinnert uns das an eine ganz bestimmte Person und ihre Herrschaftspläne.
In der Tat ist der Roman Sinhue der Ägypter des Finnen Mika Waltari 1945 erschienen, zu einem Zeitpunkt, als klar war, was aus den "vier Jahre Zeit", die Hitler bei der Durchsetzung des Ermächtigungsgesetzes im deutschen Reichstag gefordert hatte, für Deutschland und die Welt geworden war.
Resigniert, ungläubig und altersweise ist der Erzähler dieses Romans, der von einer altägyptischen Erzählung angeregt wurde.
Man kann den Roman als Kulturgeschichte der antiken Welt lesen, aber er enthält auch Treffenderes über unsere Gesellschaft, als mancher hochgelobte zeitgenössische Bestseller zu bieten hat.
Comic Relief verschafft der Sancho-Pansa-artige Sklave Kaptah, der zudem wie Obelix über die Fähigkeit verfügt, seinen Herrn aus den schwierigsten Situationen letzlich unbeschadet entkommen zu lassen und anders als Don Quichote allen Rückschlägen und altruistischer Eskapaden zum Trotz reich zu bleiben.
Den konkreten historischen Hintergrund bietet der Versuch des Pharao Amenophis IV. als Echnaton (Acheaton) den Gott Aton an die Stelle des Obergottes Amun (Ammon) zu setzen. In diesem Zusammenhang wird der spätere Pharao Haremhab in seiner Rolle als oberster Feldherr eingeführt.
Wenn er hinzufügt "Für uns ist Recht, was wir wünschen, und Unrecht, was die Nachbarvölker wünschen", so ist auch das eine Aussage, die für viele Völker in der Geschichte gegolten hat und selbst in der Europäischen Union immer wieder einmal hervorgeholt wird, wenn es sich über den Agrarhaushalt oder über Umwelschutzregeln zu einigen gilt.
Freilich wenn er seinen Herrscher zitiert "Gebt mir dreißig Jahre - und ich mache aus dem Lande [...] das mächtigste Reich, das die Welt je geschaut hat", so erinnert uns das an eine ganz bestimmte Person und ihre Herrschaftspläne.
In der Tat ist der Roman Sinhue der Ägypter des Finnen Mika Waltari 1945 erschienen, zu einem Zeitpunkt, als klar war, was aus den "vier Jahre Zeit", die Hitler bei der Durchsetzung des Ermächtigungsgesetzes im deutschen Reichstag gefordert hatte, für Deutschland und die Welt geworden war.
Resigniert, ungläubig und altersweise ist der Erzähler dieses Romans, der von einer altägyptischen Erzählung angeregt wurde.
Man kann den Roman als Kulturgeschichte der antiken Welt lesen, aber er enthält auch Treffenderes über unsere Gesellschaft, als mancher hochgelobte zeitgenössische Bestseller zu bieten hat.
Comic Relief verschafft der Sancho-Pansa-artige Sklave Kaptah, der zudem wie Obelix über die Fähigkeit verfügt, seinen Herrn aus den schwierigsten Situationen letzlich unbeschadet entkommen zu lassen und anders als Don Quichote allen Rückschlägen und altruistischer Eskapaden zum Trotz reich zu bleiben.
Den konkreten historischen Hintergrund bietet der Versuch des Pharao Amenophis IV. als Echnaton (Acheaton) den Gott Aton an die Stelle des Obergottes Amun (Ammon) zu setzen. In diesem Zusammenhang wird der spätere Pharao Haremhab in seiner Rolle als oberster Feldherr eingeführt.
"Sinuhe der Ägypter ist ein historischer Roman des finnischen Schriftstellers Mika Waltari " (Wikipedia)
Vorbild dieses Romans ist die ägyptische Erzählung: Die Geschichte von Sinuhe
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Sinuhe
19 September 2007
Geschichte der BRD
Deutschland aus der Vogelperspektive ist interessant zu lesen. Die Mischung von Dokumentarischem und Meinung überzeugend.
Das Buch führte mir aber auch vor Augen, wie gut Heute und die 30 Jahre davor als Dokumentation über die 3 Jahre von 1949 bis 1979 war.
Das Buch führte mir aber auch vor Augen, wie gut Heute und die 30 Jahre davor als Dokumentation über die 3 Jahre von 1949 bis 1979 war.
18 Mai 2007
Loch in der Zeit
"... Womit sie und alle diese Leute sich beschäftigen, ist, ein Loch in der Zeit zu füllen, das da ist und nicht da ist.«
»Da ist und nicht da ist? Mein Gott! «
»Nein, hör doch mal zu. So schwer ist es nicht. Die Welt, so wie sie ist, ist das Resultat bestimmter Ereignisse. Von denen kann man folglich nichts mehr ausklammern, selbst wenn man sie nicht kennt. Sie haben stattgefunden.«"
"Die Welt, mit der wir zu tun haben, ist, wie auch immer, die Summe all dessen, was sich ereignet hat, obgleich wir häufig nicht wissen, was das ist, oder sich herausstellt, daß etwas, von dem wir glaubten, es habe sich so und so abgespielt, sich in Wirklichkeit ganz anders zugetragen hat ... und das, dieses Finden von etwas, was wir noch nicht wußten, oder dieses Korrigieren von etwas, was wir falsch wußten, ist die Arbeit von Historikern, jedenfalls von einigen: so komischen Pusselfritzen, die sich ihr ganzes sterbliches Leben lang mit einer einzigen Person oder einem Spezialgebiet befassen. Ich finde das unglaublich."
Manchmal öffnet sich mitten in der heutigen Stadt Berlin ein Loch in die Vergangenheit.
»Da ist und nicht da ist? Mein Gott! «
»Nein, hör doch mal zu. So schwer ist es nicht. Die Welt, so wie sie ist, ist das Resultat bestimmter Ereignisse. Von denen kann man folglich nichts mehr ausklammern, selbst wenn man sie nicht kennt. Sie haben stattgefunden.«"
"Die Welt, mit der wir zu tun haben, ist, wie auch immer, die Summe all dessen, was sich ereignet hat, obgleich wir häufig nicht wissen, was das ist, oder sich herausstellt, daß etwas, von dem wir glaubten, es habe sich so und so abgespielt, sich in Wirklichkeit ganz anders zugetragen hat ... und das, dieses Finden von etwas, was wir noch nicht wußten, oder dieses Korrigieren von etwas, was wir falsch wußten, ist die Arbeit von Historikern, jedenfalls von einigen: so komischen Pusselfritzen, die sich ihr ganzes sterbliches Leben lang mit einer einzigen Person oder einem Spezialgebiet befassen. Ich finde das unglaublich."
Manchmal öffnet sich mitten in der heutigen Stadt Berlin ein Loch in die Vergangenheit.
Vergangenheit der Zukunft
Einen "Vorschuß auf die Vergangenheit der Zukunft nehmen" nennt Noteboom das Bauen von Ruinen, wie es in der Romantik so gern geübt wurde, oder die Großbauten Speers im Auftrag Hitlers, von denen geplant war, dass sie so gigantisch würden, dass sie "nach tausend Jahren selbst als Ruine noch" schön wären.
Vergangenheit der Zukunft hat bei Google über 9000 Nennungen. Zukunft ohne Vergangenheit ist auch sonst im Gespräch.
Das Nooteboomzitat hat ein Projekt des Wiederaufbaus in Berlin aufgenommen.
Vergangenheit der Zukunft hat bei Google über 9000 Nennungen. Zukunft ohne Vergangenheit ist auch sonst im Gespräch.
Das Nooteboomzitat hat ein Projekt des Wiederaufbaus in Berlin aufgenommen.
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