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27 Februar 2016

Jerusalem bei Sacharja, Bach und Büscher

9 Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Sieh, dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft; er ist demütig und reitet auf einem Esel, auf einem Fohlen, dem Jungen einer Eselin. 10 Ich vernichte die Streitwagen aus Efraim und die Rosse aus Jerusalem, vernichtet wird der Kriegsbogen. Er verkündet für die Völker den Frieden; seine Herrschaft reicht von Meer zu Meer und vom Eufrat bis an die Enden der Erde.  (Sacharja 9, 9-10 Einheitsübersetzung)

12,6 Jerusalem aber wird für immer bestehen bleiben. (Sacharja 12,6 Die Bibel in heutigem Deutsch)


Lutherbibel 1912:
Zu der Zeit will ich die Fürsten Juda's machen zur Feuerpfanne im Holz und zur Fackel im Stroh, daß sie verzehren zur Rechten und zur Linken alle Völker um und um. Und Jerusalem soll auch fürder bleiben an ihrem Ort zu Jerusalem. (Bibeltext.com)

Kontext von Sacharja 12:
Lutherbibel 1912
1Dies ist die Last des Wortes vom HERRN über Israel, spricht der HERR, der den Himmel ausbreitet und die Erde gründet und den Odem des Menschen in ihm macht.
2Siehe, ich will Jerusalem zum Taumelbecher zurichten allen Völkern, die umher sind; auch Juda wird's gelten, wenn Jerusalem belagert wird. 3Zur selben Zeit will ich Jerusalem machen zum Laststein allen Völkern; alle, die ihn wegheben wollen, sollen sich daran zerschneiden; denn es werden sich alle Heiden auf Erden wider sie versammeln. 4Zu der Zeit, spricht der HERR, will ich alle Rosse scheu und ihren Reitern bange machen; aber über das Haus Juda will ich meine Augen offen haben und alle Rosse der Völker mit Blindheit plagen. 5Und die Fürsten in Juda werden sagen in ihrem Herzen: Es seien mir nur die Bürger zu Jerusalem getrost in dem HERRN Zebaoth, ihrem Gott.
6Zu der Zeit will ich die Fürsten Juda's machen zur Feuerpfanne im Holz und zur Fackel im Stroh, daß sie verzehren zur Rechten und zur Linken alle Völker um und um. Und Jerusalem soll auch fürder bleiben an ihrem Ort zu Jerusalem.7Und der HERR wird zuerst die Hütten Juda's erretten, auf daß sich nicht hoch rühme das Haus David noch die Bürger zu Jerusalem wider Juda. 8Zu der Zeit wird der HERR beschirmen die Bürger zu Jerusalem, und es wird geschehen, daß, welcher schwach sein wird unter ihnen zu der Zeit, wird sein wie David; und das Haus David wird sein wie Gott, wie des HERRN Engel vor ihnen. 9Und zu der Zeit werde ich gedenken, zu vertilgen alle Heiden, die wider Jerusalem gezogen sind.
10Aber über das Haus David und über die Bürger zu Jerusalem will ich ausgießen den Geist der Gnade und des Gebets; und sie werden mich ansehen, welchen sie zerstochen haben, und werden um ihn klagen, wie man klagt um ein einziges Kind, und werden sich um ihn betrüben, wie man sich betrübt um ein erstes Kind. 11Zu der Zeit wird große Klage sein zu Jerusalem, wie die war bei Hadad-Rimmon im Felde Megiddos. 12Und das Land wird klagen, ein jegliches Geschlecht besonders: das Geschlecht des Hauses David besonders und ihre Weiber besonders; das Geschlecht des Hauses Nathan besonders und ihre Weiber besonders; 13das Geschlecht des Hauses Levi besonders und ihre Weiber besonders; das Geschlecht Simeis besonders und ihre Weiber besonders; 14also alle übrigen Geschlechter, ein jegliches besonders und ihre Weiber auch besonders. (Bibeltext.com)

Historischer Kontext:

520 BCTattenai's Letter to DariusEzra 5
520 BCThe Word of the LORD by HaggaiHaggai 1, 2
520 BCThe Word of the LORD to ZechariahZechariah 1 - 14
520 BCTemple Work Resumed by Darius' DecreeEzra 6

J.S.Bach: Himmelskönig sei willkommen (BWV 182)

vgl. Büscher:  Ein Frühling in Jerusalem

01 Juli 2015

Wolfgang Büscher: Drei Stunden Null

Wolfgang Büscher: "Drei Stunden Null. Deutsche Abenteuer", 1998, ist Büschers erste Buchveröffentlichung. Diese Sammlung von Reportagen hat zwar auch schon viele Qualitäten, reicht aber nicht an seine späteren Reiseberichte heran. 

Drei Stunden Null
Der erste Text "Der schöne Sommer" (S.7ff) handelt von der Schlacht um Breslau.

Auch ich war in Berlin (S.45-85)
"Rasend schnell, schneller als jeder andere, stürzt dieser Brocken Zeit [die Geschichte der DDR] in die Geschichte zurück, in die Schnurre, in die Hoffmanniade, die er immer gewesen war." (Auch ich war in Berlin, S.48)

"Das freie Land dehnte sich bis an die äußerste Kante der Hochhäuser heran. Westberlin war eine dunstige Wand, die ohne Vorwarnung, ohne ersichtlichen Grund aus dem Grasland aufstieg. [...] Berlin von innen war eine ignorante Insel und wollte von der Steppe nichts wissen. Berlin von außen war ein jähes Ereignis in einem leeren Land." (Auch ich war in Berlin, S.70)

Amerika!
Der letzte Flug der Betty Lou: Kampf zwischen von Italien kommender amerikanischer fliegender Festung und einem deutschen Jäger am 24.3.1945, unter Bezug auf das Kind Rudi Dutschke. (S.89-107)
Faust eins. Faust zwei: Konrad Henlein und Ferdinand Porsche, beide aus Maffersdorf an der Neiße, zwei unterschiedliche Schicksale. Beide mit einer selbst gewählten Lebensaufgabe (Sudetendeutschland nach Deutschland zu führen; Fahrzeuge zu konstruieren), die sie für einige Zeit für Hitlers Pläne arbeiten lässt. (S.100-107)
Porsche in Amerika: Ferdinand Porsche besichtigt amerikanische Autofabriken, insbesondere die von Henry Ford. - Bericht von Porsches (angeheiratetem Neffen*) Neffen Ghislaine Kaes: "Ford ist der einzige Große in den USA, der in seinen Werken, ohne Unterschied Neger und Weiße einstellt." (S.107-118)
* sieh: Aloisia Johanna Kaes (Stammbaum der VW-Dynastie)

Tief im Westen
Das Schicksal des Wuppertaler Metzgermeisters Karl Hans Rohn, genannt Charly, der sich nach dem Ende seiner geschäflichen Glanzzeit eine jüdische Herkunft andichtet und von einem Neonazi ermordet wird. (S.119-137)

Das Klavier in der Steppe (S.139-191)
Die Mennoniten, die aus ihrem Dorf an der Wolga aufbrechen, sind inspiriert von Jung-Stillings Roman "Das Heimweh" und biegen sich Bibelzitate so zurecht, dass sie zu ihrer Situation und ihren Hoffnungen passen.

29 Dezember 2014

Zitate aus "Ein Frühling in Jerusalem"

Büscher fragt eine jüdische Siedlerin: "Warum sind Sie hier?"
"Weil es Jerusalem ist." [...] Es war keine gewöhnliche Landnahme [...] Es war eine Menschennahme. Bevor diese Siedler das Land nahmen, hatte das Land sie genommen - das verheißene Land" (S.194)

"Wäre Jerusalem eine Bombe, der Tempelberg wäre ihr Zünder." (S.195)

Der christliche Armenier Charly Effendi erklärt Büscher: "Also, warum bin ich hier? [...] "Ich bin hier, weil es Jerusalem ist." (S.230)
Charly zeigt ihm: "Ein armenisches Mosaik, eintausendsechshundert Jahre alt, vollständig erhalten. [...] nicht nur ein Volk war hier, nicht nur ein Glaube." S.232)

"Kehrte ich je von einer Reise so reich beschenkt heim wie von dieser?" (S.235)

Wolfgang Büscher: Frühling in Jerusalem, 2014

  Wem gehört Jerusalem? von MAREIKE ENGHUSEN ZEIT Campus Nr. 04/2015
"Sie sind gleich alt, leben in derselben Stadt, besuchen beide die Uni. Doch für den Konflikt, der Avigayil und Hadil trennt, gibt es vielleicht keine Lösung." 
mit 44 Kommentaren

Wem gehört das alte Jerusalem? Wem wird es gehören?

Die  griechische Orthodoxie "gilt als größter Grundbesitzer in Jerusalem, gefolgt von [...] den Katholiken, und den Armeniern". (S.172) Denn das osmanische Reich begünstigte die Kirchen steuerlich. "Und so haben im Laufe der Jahrhunderte viele Gläubige ihre Häuser oder ihr Land ihren Kirchen überschrieben." (S.172) Da die Kirchen die Häuser und das Land nicht alles selbst nutzen können, gibt es die protectet tenants. "Der protectet tenant zahlt einmalig eine recht hohe Summe an die Kirche, erwirbt dafür sehr langfristig die vertraglich geschützte Verfügung über das Haus, dessen stiller Eigentümer aber die Kirche bleibt." (S.184) Das ist jüdischen Siedlern ein Dorn im Auge, die versuchen, einen größeren Teil der Jerusalemer Altstadt zu erwerben. 
Dazu sagt ein Araber zu Büscher: "Was aus Jerusalem wird", [...] "hängt nicht von den Moslems ab und nicht von den Juden, es liegt allein an den Christen. Den Christen gehört die Altstadt, nicht den Moslems, nicht de Juden. Es liegt in ihrer acht, was hier wird. Und sie kümmern sich nicht darum." (S.186)

Wolfgang Büscher: Frühling in Jerusalem, 2014

27 Dezember 2014

Jeunesse dorée in Palästina

Das zweite und dritte Jahrzehnt des zwanzigsten Jahrhunderts war eine Zeit, in der in Palästina der kulturelle Austausch zwischen Religionen und Nationalitäten sehr intensiv war. Man feierte den nachlassenden Druck der osmanischen Herrschaft und ließ sich von Jungtürken und den Vertretern des britischen Mandats nicht irre machen.
Es war die große Zeit von Wasif Jawhariyyeh (1897-1972), von der er berichtet hat [The Diaries of Wasif Jawhariyyeh (1904–1968)] und die Büscher im Kapitel "Gute alte Boheme" vorstellt.
"Osmanische Reichsdämmerung", "kleine Wohnung in der Altstadt" zum Feiern, die Oud zum Spielen und Singen, wochenlanges Feiern,das sind die Bilder, die Büscher vorzeigt von der "Blüte der Freiheit" und "den großen Festen der drei Religionen" (S.99). (vgl. hier)
Als dann die Ahnung vom Terrorismus der dreißiger und vierziger Jahre kam, wurde auch noch gefeiert. "Aber jeder jubelte für sich allein." (S.103)
"Der schöne Frieden  [...] - das alles war eine ferne Erinnerung. Er war etwas anderem gewichen, das an manchen Tagen als grauer Staub der Melancholie auf der Stadt lag, an anderen Tagen knisterte es wie eine glimmende Lunte." (S.103)
Wolfgang Büscher: Frühling in Jerusalem, 2014

26 Dezember 2014

Geheul in der Nacht

"Und dann - obgleich ich ihn doch kannte, [...] erwischte mich der Ruf zum Gebet wieder und jagte mir einen leisen Schrecken ein. So nahe, so laut in die Stille platzend wie ein Schuß. [...] Allahu akbar! [...] In die Kälte der Nacht geschmiegt, lauschte Jerusalem dem Werben der Wüste, denn so klang es." (S.41)
"Das Bett aus Eisen füllte die Kammer fast aus. Nichts sonst, nicht mal ein Stuhl, nur fünf Nägel in der Wand." (S.42)

Wolfgang Büscher: Frühling in Jerusalem, 2014

"Nächstes Jahr in Jerusalem!"

Der Felsen auf dem Tempelberg:
"Grabhöhle Adams, Verschlußstein der Sintflut, Thronsitz Jahwes, Nabel der Welt. [...] Akedah, das heißt Bindung. Auf dem Tempelbergfelsen dort drüben soll Abraham seinen gebundenen Sohn gelegt haben, Isaak, bereit, ihn zu opfern." (S.22)
"Dem Abraham, der ihm den Sohn opfern will, verwehrt Gott dieses Opfer im letzten Moment. Auf Golgatha opfert er selbst seinen Sohn. Der eine Fels antwortet dem anderen." (S.23)
"[...] der heiligste Ort der Juden befindet sich im Innersten der ersten moslemischen Moschee der Welt." (S.24/25)
"'Nächstes Jahr in Jerusalem!' [...] Wer für diesen Ruf kein Ohr hatte, [...] der hatte hier nichts verloren." (S.30)
Wolfgang Büscher: Frühling in Jerusalem, 2014

Tweets zum Hashtag Jerusalem

Araber sind der Mörtel des harten Brotes Jerusalem

"Das Arabische ist der Mörtel des alten Jerusalem." (S.27)
Wenn man Jerusalem beschreibt, darf man, um keine falschen Assoziationen zu wecken, es nicht Stadt nennen. Jerusalem ist ein Brot, lange geknetet, "in den Jahrtausendofen geschoben, so einen, wie ich sie frühmorgens sah, wenn die Bäckerjungen aus den väterlichen Backhöhlen stiegen, das duftende Brot auf Brettern auf der Schulter tragend." (S.30)
Wolfgang Büscher: Frühling in Jerusalem, 2014

Tweets zu Araber

Büscher: Jerusalem - gelbes Licht der Gefahr

Als Büscher mit dem Sammeltaxi mit sechs Schwarzen (drei orthodoxe jüdische Amerikaner, drei russische Nonnen) seine Herberge am Jaffator der Sultan Süleymans Mauer erreicht, liegt Jerusalem vor ihm "in diesem Schwefligen Unheilslicht. Es griff nach dem Verstand, nach dem Glauben, daß alles gut wird [...] Innewerden [...] einer Gefahr." (S.11) "Wo hatte ich dieses Licht schon einmal gesehen [...]? Plötzlich wußte ich es - auf Bildern. Auf Bildern, die nichts Gutes verheißen. Es gab Maler, die dieses Licht kannten." (S.12)
"Etwas fehlte, das Leichte, der Sinn, der den Tod verlacht." (S.12)
"There's no joy in this city" (S.40)
Wolfgang Büscher: Frühling in Jerusalem, 2014

25 Dezember 2014

Wolfgang Büscher: Ein Frühling in Jerusalem

Wolfram Büscher verdanke ich einige der ausdrucksstärksten Einträge auf diesem Blog. Er ist ein Meister verdichteter Formulierungen und auch die Szenen, die er entwirft, prägen sich ein.

Orhan Pamuks Buch über Istanbul wird nicht leicht übertroffen, in der Dichte der Atmosphäre übertrifft es m.E. "Ein Frühling in Jerusalem" doch.

Büscher schreibt: "Er lebte in einer Welt, die verschwunden war, dem Nahen Orient".
Der Satz scheint aus einem Klischee zu bestehen, bis man auf die Formulierung "dem Nahen Orient" stößt.
Was wir Naher Osten nennen, heißt für die Amerikaner Middle East, für Inder ist es der nahe Westen. In der Zeit meiner Kindheit und Jugend las ich vom Vorderen Orient, dem Gebiet, in dem Historiker ihren fruchtbaren Halbmond finden. Es war ein Gebiet, das bewusstseinsmäßig noch nicht vom Nahostkonflikt geprägt war.  In den Zeiten, als man auch außerhalb der Pegida in den Kategorien Abend- und Morgenland dachte, war das Morgenland die Inkarnation des Anderen. Der Orient war das Ferne, das Land der Märchenträume, das Land, in das Pilger und Kreuzfahrer aufbrachen, um nie oder doch zumindest nicht mehr als dieselben zurückzukommen.
Und jetzt der Nahe Orient.
Diesen Ausdruck erklärt Büscher später. Er meint damit die Zeit, als es im Osmanischen Reich in Jerusalem eine christliche Elite gab.*


*Nichts davon wird ausgesprochen. Für mich schwingt darin mit, dass für Europäer die Christen im Osmanischen Reich als wesentlich näher, verwandter empfunden wurden als die Muslime.- Mir scheint es eine ähnliche Konstellation wie mit den Phanarioten in Istanbul. All das sind für mich Konnotationen des mir völlig ungeläufigen Begriffs "Naher Orient".
Offenbar ist aber der Begriff "Naher Orient" in der Zeit vor und in dem 1. Weltkriegs relativ geläufig gewesen. In den Kontext gehören wohl die Pläne Wilhelms II., in Arabern Verbündete gegen Großbritannien zu gewinnen.
Lawrence von Arabien war mit seinen Plänen erfolgreicher. Dass die Hoffnungen auf arabische Selbständigkeit dann mit dem Sykes-Picot-Abkommen schwer enttäuscht wurden, trug sicher zusammen mit der Balfourerklärung zu einer Verschärfung des arabisch-israelischen Konflikts bei, den wir Nahostkonflikt, nicht Naher-Orient-Konflikt nennen,

Tweets zum Hashtag Jerusalem
Tweets zu Nahostkonflikt

09 Juli 2013

"Beide wurden weggegeben."

Der Wirt von Timberlake berichtet. Er stammt aus der Gegend von Bismarck, seine Eltern waren Deutsche.
"Beide wurden weggegeben." Das heißt: Sie wurden als Kinder weggegeben, weit weg von daheim im eben arbeitsfähigen Alter. Außerstande, sie alle zu füttern, gingen die ärmsten der Siedler dazu über, ihre hungrigen Mäuler auszusiedeln [...]
Ich dachte, wer über die Härte des amerikanischen Fegefeuers nicht reden will, sollte von den bunten Freuden des melting pot schweigen.
Wolfgang Büscher: Hartland. Zu Fuß durch Amerika, Kapitel Der Junge mit dem Revolver, S.70/71

08 Juli 2013

Die Wortfährte "Hartland"

"Big hatte viel geredet, aber mir nichts über Hartland gesagt. Das mußte er auch nicht. Er hatte mir geraten, die Wortfährte zu lesen, und sie war deutlich genug. Die Spur im Schnee, die von Herzland nach Hartland führte, war die der zerbrochenen amerikanischen Träume."

Büscher: Hartland, S.37

Eine sehr schöne Vorstellung des Buches von buchpost findet man hier. Meine Kurzbeiträge zu einzelnen Kapiteln unter dem Label Hartland.

19 Juni 2011

King

Was Cäsar im Römischen Reich sein wollte, wollte er in den USA sein, der Erste.
Dass der Präsident in den USA, mögen sie so undemokratisch regiert sein, wie sie wollen, nicht Herrscher, sondern nur "Herrscher" von Gnaden eines Systems von "checks and balances" sein kann, dürfte ihm klar gewesen sein, ihm Richard King.
So schuf er sich - auch er Gewinner in einem Bürgerkrieg, blutiger als der Cäsars, die meisten würden ihn freilich abschätzig Kriegsgewinnler nennen - sein Reich. Nur dass es in den USA nicht Reich hieß, sondern Ranch, King Ranch. Über 3000 km² groß. "Hier habe ich im Frieden eine Provinz erobert", hätte Friedrich II. gesagt. Bloß dass das Oderbruch eine Fläche von nur rund 1000 km² hatte.
Als Büscher nach Kingsville kommt, trifft er Beto und nennt daraufhin das Kapitel über die Ranch "Das Paradies".
(Büscher: Hartland, S.282-292)

18 Juni 2011

Nicht ganz nach Plan

Er war gewarnt worden, und doch hatte er sich nicht abschrecken lassen. Doch nun:
"Minot betreten hieß hin und her zu springen, links, rechts - rechts, links, einen Fuß im Autoverkehr, den anderen in Vorgärten, an Böschungen, in einer Einfahrt. Noch schwerer passierbar waren Straßenkreuzungen und Überführungen. Wer zu Fuß hinübermußte, nahm sich besser am Hasen ein Beispiel. Hakenschlagend kam ich voran. [...] Sturmböen rasten mir entgegen. Schnee trieb, heftiger als draußen in Hartland, der Blizzard machte Ernst."
Da sieht er ein Auto, das darauf wartet, nach Süden überführt zu werden. Kurz darauf sitzt er am Steuer. Der Pickup hat seinem Namen Ehre gemacht und ihn aufgenommen. Aus dem Fußgänger ist doch ein Fahrer geworden.
Büscher: Hartland, Kap. Rotes, rotes Auto, S.39-41

Medizinpfeife zum Bund mit dem "Herrn des Lebens"

Wied und seine Gefährten zogen 1833 den Nátka-pássahä (Herzfluss) flussaufwärts durch das Land der Mandan. 1838 kam ein Pelzhändlerschiff dorthin. Die Indianer kamen zum Pelzhandel an Bord. Dort gab es einige Pockenkranke. Als Wied wieder in die Gegend kam, war kein Mandan mehr zu finden, nur noch die Geschichte vom Untergang des Stammes.
Aber Wied hatte schon 1833 den Schöpfungsmythos der Mandan aufgezeichnet:
Der "Herr des Lebens" und der erste Mensch stritten sich darüber, wer der Vater und wer der Sohn sei.
Als der Mensch zweimal - zuletzt in einem Schöpfungswettstreit - verloren hat, fertigen sie beide Medizinpfeifen an. Und der Herr gibt dem Land den Namen: "Dies soll das Herz, der Mittelpunkt der Welt sein."

Wolfgang Büscher: Hartland, S.49-57

Beatrice

Eine verrückte Stadt. Vor 20 Jahren ist da ein Mord passiert und jetzt sind die sechs Verurteilten freigekommen. "...die sechs hatten sich eingeredet, sie seien wirklich die Mörder. Sie haben es selbst geglaubt."  (S.161) "Sie haben jetzt diesen DNA-Test, damals gab es den nicht." (S.171)

Zeizefoun, ein Araberhengst, den der Sultan von Konstantinopel Ulysses Grant geschenkt hatte, war über dessen Sohn nach Beatrice gekommen. So wurde es berühmt als Pferdezuchtort. Als Zeizefoun 1902 starb erhielt er ein "fürstliches Begräbnis."
Das "Grand Hotel" der Stadt ist zum Altersheim geworden. Nebendran ein Opernhaus mit 750 Plätzen. Und dann ist da noch der Brief von Reagan über Robert Taylor, seinen Freund.

Über die Altersheimbewohner: "Sie kamen mir vor wie Fische in einem Aquarium, nur dass sie nicht von dort draußen betrachtet wurden, sondern ihrerseits die Welt außerhalb des Aquariums betrachteten." (S.172)

Wolfgang Büscher: Hartland. Zu Fuß durch Amerika, S.161-172

04 April 2007

An der Grenze

Warten. Es wird kontrolliert. Nicht der eigene Bus, der davor. Stunden. Ein schwarzer Wagen. Darin eine Frau, die auf den Mann schließen lässt, der dazu gehört. So schön und gelangweilt, dass er sehr reich sein muss. Keine Chance, mitgenommen zu werden.

17 März 2007

Napoleons Weg

"Ich ging Napoleons Weg, und wie zu seiner Zeit gab es keine Straßenschilder ..."
Büscher zählt Berge und Flüsse. Nicht sieben Berge, sondern acht. Auf dem Wege nach Kardimowo.

16 März 2007

Osten

Für alle ist Osten das Schlechtere. Die Brandenburger sehen ihn in Polen anfangen, die Westpolen hinter Warschau, die Ostpolen in Weißrussland. Nur Moskau. "Moskau ist wieder Westen."

11 März 2007

Vitebsk

Endlich wieder Fernsehen. Ein Hochhaus in Rauch. Männer schauen es sich an. Frauen gehen weiter. Es ist der 11. September.