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25 Februar 2015

Martin Walser: Unser Auschwitz - Auseinandersetzungen mit der deutschen Schuld

Martin Walser: Unser Auschwitz, 1965
Quelle: Kursbuch Nr. 1, hrsg. von Hans Magnus Enzensberger, Juni 1965, S. 189 - 200

Martin Walser

Unser Auschwitz

Auseinandersetzung mit der deutschen Schuld
Rowohlt Verlag, Reinbek 2015

"Darin versammelt sind Texte und Textstellen aus fast 60 Jahren, in denen Walser jüdisches Leben und den Holocaust erörtert. Wer es noch nicht wusste, weiß es nach der Lektüre: Die deutsche Vergangenheit ist eines der Lebensthemen des Schriftstellers (und Historikers)." (Aus fortwährend aktuellem Anlass Von MARTIN OEHLEN, FR 25.2.2015)

05 August 2014

Die Nacht am Øresund

Wir wissen: Von den dänischen Juden haben trotz der deutsche Besetzung "fast alle" überlebt. Über das Schicksal der Deportierten wissen wir wenig, wenig auch darüber, wie viele Helfer notwendig waren, damit die dänischen Juden fliehen konnten, als trotz des Rückhalts in der dänischen Bevölkerung ihre Deportation sonst nicht hätte verhindert werden können.
Einen eindrucksvollen Bericht darüber hat Hanne Kaufmann geschrieben in "Die Nacht am Øresund".

Mehr dazu mit wörtlichen Zitaten von Arne Melchior, dem Sohn des Oberrabinners von Kopenhagen, hier.
Es ist ein Heer von Unbekannten, das da Menschenleben rettet. Eine spontane Aktion anonymer Helden, denen nachher niemand Dank sagen kann, weil man nicht einmal ihre Namen weiß. Es sind Junge und Alte, Bauern, Handwerker und Fischer, Studenten, Unternehmer, Polizisten, Pfarrer und Schüler, die sich alle in einem einig sind: der grausamen Menschenjagd in ihrem Land nicht tatenlos zusehen zu wollen. (Deutschlandfunk, 21.10.13)
Beginnend mit dem 13. April 1945 wurden die überlebenden dänischen Juden aus dem Konzentrationslager Theresienstadt im Rahmen der Rettungsaktion der Weißen Busse des Schwedischen Roten Kreuzes in einem Konvoi durch Deutschland über die dänische Grenze bei Padborg nach Schweden in Sicherheit gebracht. (Seite „Rettung der dänischen Juden“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 14. Juli 2014, 18:20 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Rettung_der_d%C3%A4nischen_Juden&oldid=132146881 (Abgerufen: 5. August 2014, 09:49 UTC). Mehr dazu: The Rescue of the Danish Jews)

10 August 2007

Juden in Rom

Und bis ins 16. Jahrhundert finden sich jüdische Leibärzte im Vatikan trotz aller Bannbullen dieses oder jenes judenfeindlichen Papstes. Als Orientalen, als Verwandte der Araber standen die Juden überhaupt in aller Welt, auch bei Fürsten und Kaisern, im höchsten Ansehen ärztlicher Wissenschaft. Samuel Sarfadi, ein spanischer Rabbiner, war Leos X. Arzt, ein grundgelehrter und beredter Mann.
Natürlich fiel ein Schimmer der päpstlichen Gnade, wenn sich der jüdische Arzt ihrer erfreute, auch auf das Judenvolk in Trastevere zurück. Aber bei der Natur des kirchlichen Regiments, welches persönlich ist, sah die römische Judenschaft ihr Los lediglich vom Charakter der jeweiligen Päpste abhängen, und diese wechselnde Behandlungsweise hielt sie in beständiger Aufregung, nährte oder erschlug ihre Hoffnung und gab sie einem fast gesetzlosen Zustande preis.
Es hatten schon viele Konzilien im frühesten Mittelalter die Trennung der Juden von den Christen anbefohlen und ihnen ein Schandabzeichen zu tragen auferlegt; dies Gebot erneute Innocenz III. im Jahre 1215, ebenso andere Päpste. Solche Edikte umgingen die Juden meistens, oder sie kauften sich davon los. Bald auch stieß ein gnädiger Papst um, was ein feindlicher verordnet hatte. Johann XXII. hatte die Juden verfolgt, endlich auch ihren Talmud untersagt und öffentlich verbrennen lassen. Innocenz VII. dagegen war ihnen gnädig, und am meisten schützte sie Martin V., ein Römer von Geburt. Er gewährte ihnen wieder das Privilegium, Ärzte sein zu können, [...]
(Wanderjahre in Italien - Der Ghetto und die Juden in Rom, S.33 - Hervorhebung von Fontanefan)

24 Juni 2007

Address unknown

Kressmann Taylors Briefnovelle von 1938 lässt eine Freundschaft zwischen zwei deutschamerikanischen Kunsthändlern, Max Eisenstein und Martin Schulze, darüber zerbrechen, dass Martin Ende 1932 nach München geht und schon 1934 am Tod der Schwester seines Freundes mitschuldig wird, weil er der Verführung durch die "Nationale Bewegung" erliegt.
Die Aufführung der deutschen Theaterversion, "Empfänger unbekannt", die ich sah, erleichterte das Verständnis für die an sich etwas unglaubhafte Offenheit, mit der Martin seinem jüdischen Freund Max seine Faszination durch Hitler berichtet, dadurch, dass diese Passagen so übersteigert vorgetragen wurden, dass man sich in eine Naziveranstaltung hineinversetzt fühlte, die mit ihrem Sog individuelle Widerstände hinweg spülte.

Die englische Wikipedia schreibt über den Schluss:
"After a gap of about a month, Max starts writing to Martin at home, carrying only what looks like business and remarks about the weather, but writing as though they have a hidden encoded meaning, with strange references to exact dimensions of pictures and so on. The letters refer to "our grandmother" and imply that Martin is also Jewish. The letters from Munich to San Francisco get shorter and more panicky, begging Max to stop: "My God, Max, do you know what you do? ... These letters you have sent ... are not delivered, but they bring me in and ... demand I give them the code ... I beg you, Max, no more, no more! Stop while I can be saved."
Max however continues, "Prepare these for distribution by March 24th: Rubens 12 by 77, blue; Giotto 1 by 317, green and white; Poussin 20 by 90, red and white." The letter is returned to Max, stamped: Adressat unbekannt. Addressee Unknown. (The title of the book is actually a mistranslation of Adressat unbekannt: The correct translation of "Adressat" is "addressee," not "address"; which is much more in keeping with the plot of the story.)
The book's afterword, lovingly written by Taylor's son, reveals that the idea for the story came from a small news article: American students in Germany wrote home with the truth about the Nazi atrocities, a truth most Americans, including Charles Lindbergh, would not accept. Fraternity brothers thought it would be funny to send them letters making fun of Hitler, and the visiting students wrote back, "Stop it. We’re in danger. These people don’t fool around. You could murder [someone] by writing letters to him." Thus emerged the idea of "letter as weapon" or "murder by mail."
(Kathrine Taylor - (Hervorhebung in Schrägdruck durch Fontanefan)