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24 August 2011

Thomas Manns Gesang vom Kindchen

"Das wirke Vatergefühl: es mach mich zum metrischen Dichter."
So schließt Thomas Mann die Vorrede ("Vorsatz") seines einzigen in Versen (hier: Hexametern) gehaltenen Werks.
Wie Goethe am Schluss der "Kampagne in Frankreich" wendet sich Mann nach der Erfahrung des Krieges dem Häuslichen zu.
"Wir wenden uns, wie auch die Welt entzücke,
der Enge zu, die uns allein beglücke."
So zitiert er Goethe, bevor er sich der Schilderung des morgendlichen Bades seines fünften Kindes, Elisabeth, widmet, in der Idylle, die er 1922 veröffentlicht.
Doch so unpolitisch bleibt der Verfasser der "Betrachtungen eines Unpolitischen" nicht durchweg.
Der Bericht über die Taufe schließt:
"Wie die Blockade es zuließ der kalt gebietenden Angeln."

01 Mai 2008

Häuslichkeit

Im Gesang vom Kindchen spricht Thomas Mann sich deutlicher über zwei Aspekte seiner künstlerischen Existenz aus als anderswo.
Zum einen sein Bedauern, nicht zu den Dichtern zu zählen. Schon als Jüngling habe er nach hymnischen Ergüssen über seine Gefühle sich gedrungen gefühlt, sie in Prosa sachlicher darzustellen.
Zum andern der Abstand, den er von anderen Menschen, selbst von der Familie, hält "er wandte im Innern hinweg sich, / Sorgend bedacht, seine Freiheit und Einsamkeit vor dem Leben ... zu bewahren") , um seine Kunstwelt zu bewahren, die ihm doch notwendig zum erfüllten Leben gehört: "Nicht Erfindung war Kunst mir: nur ein gewissenhaft' Leben".

Über seine vier Kinder sagt er deutlich:

All die Wirklichkeit, die mich umringte, [...]
Und so erschien sie als krauses Abenteuer dem Träumer,
Das er belustigt sich gefallen ließ, aber in Abwehr
Auch, nicht willens, sich dran zu verlieren, neugierige Kühle
Wahrend und oft gereizt, wenn es störend zudrang und lärmte.