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11 Mai 2022

Joseph und Asenath

 Über die Vorgeschichte dieses Berichtes über Joseph und seine Frau Asenath informiert ein früherer Blogartikel aus dem Jahr 2010. Aber vielleicht wird mancher auch angeregt, den vollständigen Text bei Wikisource nachzulesen. Eine Einführung in die Erzählung und ihren Hintergrund gibt die Wikipedia: Josef und Asenat.   

24. Kapitel: Verschwörung gegen das junge Paar

1
Da blieb nun Pharaos Sohn voll Furcht und Trauer,

weil er die Brüder Josephs fürchtete;
doch wieder war er toll,
weil Asenath so schön;
so härmt er sich darum noch mehr.

2
Da flüstern seine Knechte ihm ins Ohr:

„Die Söhne Ballas und die Söhne Zelphas,
der Mägde Lias und der Rachel,
der Weiber Jakobs,
sie hassen Joseph und die Asenath
und sie verabscheuen sie;
die werden dir in allem wohl zu Willen sein.“

3
Auf dieshin sandte Pharaos Sohn

gar eilig Boten an sie ab
und ließ sie rufen.
Und in der ersten Stunde in der Nacht erschienen sie vor ihm
und traten vor ihn hin;
er sprach zu ihnen:
Von vielen habe ich erfahren, daß ihr tapfre Männer seid.

4
Darauf erwiderten ihm Dan und Gad, die ältern Brüder:

Es rede unser Herr mit seinen Knechten, was er wünscht,
damit es deine Knechte hören
und wir nach deinem Wunsche tun!

5
Da freute sich des Pharao Sohn

und sprach zu seinen Dienern:
Entfernet euch auf kurze Zeit von mir!
Ich möcht mit diesen Männern ein geheimes Wörtlein reden.

6
Darauf entfernen sie sich alle.
7
Dann lügt der Sohn des Pharao

und spricht zu ihnen:
Seht, Segen oder Fluch liegt hier vor eurem Angesicht!
Wählt lieber Segen als den Tod!
Ihr seid ja tapfre Männer
und wollt nicht wie die Weiber sterben.
Seid vielmehr tapfer!
Rächt euch an euren Feinden!

[531]
8
Ich hab auch selbst gehört,

wie Joseph, euer Bruder, einst zu meinem Vater Pharao sprach:
Dan, Gad und Nephthalim
und Aser sind nicht meine Brüder;
sie sind vielmehr die Mägdekinder meines Vaters;
Ich warte nur den Hingang meines Vaters ab,
dann tilg ich von der Erde sie und ihre ganze Sippe.
Sie sollen nimmer mit uns erben,
dieweil sie Mägdekinder sind!

9
Auch haben sie mich an die Ismaeliten einst verkauft,

und so vergelt ich ihnen ihren Übermut,
womit sie gegen mich gefrevelt.
Nur soll mein Vater vorher sterben.

10
Da lobte ihn mein Vater Pharao darob

und sprach zu ihm:
Gar gut gesprochen, Kind!
Nun nimm von mir doch starke Männer!
Alsdann belange sie
nach dem, was sie dir angetan!
Ich will dabei dein Helfer sein.

11
Als dieses Dan und Gad vom Sohne Pharaos vernahmen,

da wurden sie betrübt und ängstlich;
sie sagten ihm:
Wir bitten, Herr, dich: Leist uns Hilfe!
Von jetzt an sind wir deine Diener, deine Sklaven,
und wollen mit dir sterben.

12
Da sprach der Sohn des Pharao:

Ich werde euer Helfer sein,
wenn ihr auf meine Worte hört.

13
Da sprachen sie zu ihm:

Befiehl uns, was du willst!
Wir tun nach deinem Willen.

14
Da sprach der Sohn des Pharao zu ihnen:

Ich werde meinen Vater Pharao in dieser Nacht noch töten,
weil Pharao zu Joseph wie ein Vater ist
und weil er ihm versprochen, gegen euch zu helfen.
Ihr aber tötet Joseph;
dann nehme ich mir Asenath zum Weib.
Ihr werdet meine Brüder sein,
Miterben all des Meinen.
Nur tuet so!

15
Da sprachen Dan und Gad zu ihm:

Wir sind heute deine Knechte
und wir tun alles, was du uns befiehlst.
Wir hörten aber Joseph so zu Asenath sprechen:
Geh morgen doch in unser Erbgut;
es ist ja Erntezeit!

[532]

Er sandte auch sechshundert Krieger mit ihr aus
und fünfzig leicht Bewaffnete.

16
Nun hör uns an!

Wir möchten jetzt mit unserm Herren reden!

17
Da redeten mit ihm sie alles insgeheim.
18
Und den vier Brüdern gab der Sohn des Pharao

fünfhundert Mann
und machte sie zu ihren Obersten und Führern.

19
Da sprachen Dan und Gad zu ihm:

Wir sind heut deine Knechte
und wir tun alles, was du uns befiehlst;
wir ziehen in der Nacht noch fort
und legen in der Schlucht uns in den Hinterhalt
und bergen uns im Röhrendickicht.
Nun nimm auch du mit dir berittene Bogenschützen,
so fünfzig an der Zahl!
Zieh lange vor uns her!
Und kommt dann Asenath,
fällt sie in unsere Hände.
Wir hauen dann die Männer bei ihr all zusammen.
Flieht sie nach vorn auf ihrem Wagen,
so fällt sie dir in deine Hände.
Dann kannst du mit ihr tun,
was nur dein Herz begehrt.
Nach diesem töten wir auch Joseph,
der Asenath betrauern wird.
Auf gleiche Weise töten wir vor seinen Augen seine Kinder.
Als dies der erstgeborne Sohn des Pharao vernahm,
ward er mit großer Freud erfüllt
und er entließ sie mit 2000 Kriegern.

20
Sie kamen zu der Schlucht

und bargen sich im Röhrendickicht;
sie teilten sich auch in vier Teile
und lagerten sich vorne an der Schlucht,
auf jeder Seit des Weges je fünfhundert Mann.
Die andern blieben ebenso hier an der Schlucht
und lagerten sich in dem Röhrenwald;
auf jeder Seit des Weges je fünfhundert Mann;
doch zwischen ihnen blieb ein breiter und bequemer Weg.


25. Kapitel: Attentat auf Pharao
1
Alsdann erhob sich in der gleichen Nacht der Sohn des Pharao

und ging zu seines Vaters Schlafgemach;
er wollte diesen mit dem Schwerte töten.
Doch seines Vaters Wächter ließen ihn nicht zu dem Vater gehen;
sie fragten ihn:
Was ist, Herr, dein Befehl?

[533]
2
Es sprach der Sohn des Pharao zu ihnen:

Ich will nur meinen Vater sehen,
dieweil ich gehe,
um meinen neugepflanzten Weinberg abzuernten.

3
Die Wächter aber sagten ihm:

Dein Vater leidet Schmerzen;
der Schlaf floh ihn die ganze Nacht.
Nun kann er ruhen;
drum sagte er zu uns,
wir sollten niemand bei ihm einlassen,
selbst nicht den erstgebornen Sohn.

4
Als er dies hörte, ging er zornig fort

und nahm geschwind berittne Bogenschützen mit,
so fünfzig an der Zahl
und zog vor ihnen her,
wie Dan und Gad es ihn geheißen.

5
Die jüngern Brüder Nephthalim und Aser sprachen

zu ihren ältern, Dan und Gad:
Warum nur handelt ihr an eurem Vater Israel,
sowie an eurem Bruder Joseph abermals so schlecht?
Und diesen hütet Gott doch wie des Auges Apfel.
Habt ihr nicht Joseph schon einmal verkauft,
und heute ist er König über ganz Ägypterland,
ein Heiland und ein Nahrungsspender?

6
Wollt ihr an ihm jetzt wieder schnöde handeln,

wird er zum Höchsten rufen,
und dieser sendet Feuer aus dem Himmel,
das euch verzehren wird,
und Gottes Engel werden mit euch kämpfen.

7
Da wurden ihre ältern Brüder auf sie zornig;

sie sprachen:
Wir sollen wohl wie Weiber sterben? Das sei ferne!

8
Sie zogen also fort,

den Joseph und die Asenath zu treffen.


26. Kapitel: Asenaths Rettung
1
Und Asenath stand in der Frühe auf

und sprach zu Joseph:
Ich will auf unser Erbgut gehen, wie du gesagt;
doch meine Seel ist voller Angst,
weil du nicht bei mir bist.

2
Und Joseph sprach zu ihr:

Sei guten Muts, hab keine Angst!
Geh vielmehr freudig hin!
Hab doch vor niemand Angst!
Der Herr ist ja mit dir
und er behütet dich
wie einen Augapfel vor allem Ungemach.

[534]
3
Auch ich geh jetzt zu meiner Kornverteilung

und geb dort allen Leuten in der Stadt Getreide,
daß niemand im Ägypterlande Hungers sterben muß.

4
Alsdann begab sich Asenath auf ihren Weg,

und Joseph ging zu seiner Kornverteilung.

5
Und Asenath kam an die Schlucht mit den 600 Männern;

da sprangen plötzlich die beim Sohne Pharaos aus ihrem Hinterhalt
und kämpften mit den Männern bei der Asenath
und hieben sie mit ihren Schwertern all zusammen
und töteten all ihre Leichtbewaffneten
und Asenath ergriff die Flucht auf ihrem Wagen.

6
Doch da erkannte Levi, Lias Sohn,

all das im Geist, wie ein Prophet,
und meldet seinen Brüdern die Gefahr der Asenath.
Schnell nimmt ein jeglicher sein Schwert an seine Hüfte
und ihre Schilde an die Arme
und Lanzen in die rechte Hand
und laufen hinter Asenath in schnellem Laufe her.

7
Und wie nun Asenath nach vornen floh,

zog ihr der Sohn des Pharao
mit seinen fünfzig Reitern schon entgegen.

8
Als Asenath ihn sah,

ward sie von Furcht erfüllt
und zitternd rief sie ihres Gottes und Herren Namen an.


27. Kapitel: Der Kampf
1
Und Benjamin saß ihr zur Rechten auf dem Wagen

und Benjamin war ein gar kräftiger Bursch von neunzehn Jahren;
er war von einer wunderbaren Schönheit
und einer Stärke, wie ein Löwenjunges;
er war sehr gottesfürchtig.

2
Da sprang vom Wagen Benjamin herab,

nahm aus dem Bache einen runden Stein,
legt ihn in seine Hand
und schleudert ihn gen Pharaos Sohn
und trifft ihn an die linke Schläfe
und schlägt ihm eine schwere Wunde.

3
Halbtot fällt er vom Pferd zu Boden.
4
Und gleich darauf läuft Benjamin auf einen Felsen

und ruft dem Wagenlenker Asenaths zu:
Hol aus dem Bach mir Steine!

5
Er gab ihm fünfzig Steine;

so tötete nun Benjamin mit Steinwürfen
die fünfzig Männer bei dem Sohn des Pharao.
die Steine drangen all durch ihre Schläfen.

6
Alsdann verfolgten Lias Söhne, Ruben, Simeon

und Levi, Juda,

[535]

und Issachar mit Zabulon
die Männer, die der Asenath aufgelauert,
und überfielen sie ganz unversehens;
sie hieben allesamt sie nieder,
und die sechs Männer töteten 2706.

7
Die Söhne Ballas und der Zelpha flohen

vor ihnen mit den Worten:
„Zugrunde gehen wir durch unsere Brüder,
und Pharaos Sohn starb durch die Hand des jungen Benjamin,
und all die Seinen fielen durch die Hand des Knaben Benjamin.

8
Nun also kommt!

Wir wollen Asenath und Benjamin erschlagen
und dann in diesen Rohrwald fliehen!“

9
Sie gingen mit gezückten Schwertern voller Blut zu Asenath.
10
Als Asenath sie sah,

ward sie von Furcht erfüllt und rief:
Herr, Gott! Du hast das Leben mir geschenkt
und mich befreit von Götzenbildern,
von tödlichem Verderben,
hast mir verheißen,
es werde meine Seele ewig leben.
Befrei mich jetzt von diesen bösen Männern!

11
Und Gott der Herr erhört die Stimme Asenaths,

und augenblicklich fielen ihrer Feinde Schwerter
aus ihrer Hand zu Boden
und wurden Staub.


28. Kapitel: Asenaths Großmut
1
Als Ballas und der Zelpha Söhne dieses seltsam Wunder sahen,

da sprachen sie voll Furcht:
„Es kämpft der Herr zugunsten Asenaths jetzt gegen uns.“

2
Da fielen sie auf ihr Gesicht zur Erde

und warfen sich der Asenath zu Füßen mit den Worten:
„Erbarm dich unser, deiner Sklaven,
dieweil du unsere Herrin bist und unsere Königin!

3
Wir handelten an dir gar schlimm,

sowie an unserem Bruder Joseph;
der Herr jedoch vergalt uns schon nach unseren Werken.

4
Deswegen flehen wir dich an, wir deine Sklaven:

Hab Mitleid mit uns Armen, Elenden!
Schütz uns vor unserer Brüder Hand!
Sie mögen nicht als Rächer auftreten,
daß wir dich unterdrücken wollten!
Nicht mögen ihre Schwerter gegen uns sich wenden!

5
Wir wissen ja,

daß unsre Brüder gottesfürchtige Männer sind
und keinem Menschen Böses tun für Böses.

[536]
6
Schütz deine Sklaven

vor jenen, ach du unsre Herrin!“

7
Da sprach zu ihnen Asenath:

„Seid guten Muts;
habt keine Furcht vor euren Brüdern!
Sie sind ja gottesfürchtige Männer
und voller Furcht des Herrn.
Geht aber in den Rohrwald dort,
bis ich zu euren Gunsten sie hab umgestimmt
und ihren Zorn beschwichtigt
für das, was ihr so schrecklich gegen sie gewagt!
Indessen sieht’s der Herr
und richtet zwischen mir und euch.“

8
Da flohen in den Rohrwald Dan und Gad;

doch ihre Brüder, Lias Söhne, eilten, wie die Hirsche,
gar eifrig gegen sie heran.

9
Da stieg von ihrem überdachten Wagen Asenath herab

und reichte unter Tränen ihnen ihre Rechte;
sie aber warfen huldigend vor ihr sich hin
und brachen in ein lautes Weinen aus
und fragten nach den Brüdern, nach den Mägdesöhnen,
um sie zu töten.

10
Da sprach zu ihnen Asenath:

„Ich bitt euch: Schoner eure Brüder!
Vergeltet ihnen nimmer für das Böse Böses!
Der Herr hat mich vor ihnen ja gerettet.
Denn er zerbrach in ihren Händen ihre Degen, ihre Schwerter;
sie schmolzen hin und wurden Asche,
wie Wachs vorm Feuer,
und dies ist uns genug
daß selbst der Herr mit ihnen kämpft zu unsern Gunsten.

11
Nun schonet eure Brüder!

Sie sind ja eure Brüder,
von eures Vaters Israel Blut.“

12
Darauf erwiderte ihr Simeon:

„Warum spricht unsere Herrin gute Worte
zugunsten ihrer Feinde?

13
Nein! Lieber wollen wir sie Glied um Glied

mit unsern Schwertern jetzt zusammenhauen.
Sie planten Schlimmes gegen unsern Bruder Joseph
und unsern Vater Israel
und gegen dich heut, unsere Herrin.“

14
Da streckte Asenath die Rechte aus,

berührte Simeons Bart
und küßte ihn und sprach:
„In keiner Weise, Bruder, darfst du deinem Nächsten
für Böses Böses auch vergelten.
Der Herr würd eine solche Überhebung rächen.

[537]

Sie sind nun einmal eure Brüder
und eures Vaters Israel Geschlecht;
sie flohen ja auch weit von euch hinweg.
Verzeihet ihnen doch!“

15
Da trat nun Levi auf sie zu

und küßte ihr die rechte Hand;
er sah, daß sie vor ihrer Brüder Zorn die Männer retten wollte,
daß diese sie nicht töteten.

16
Und diese selber waren in der Nähe in dem Röhrendickicht:
17
Obgleich ihr Bruder Levi dieses wußte,

verriet er es den Brüdern nicht;
er fürchtete,
in ihrem Zorne würden sie die Brüder niederschlagen.

(Joseph und Asemath Kapitel 24-28 Wikisource)


22 November 2010

Josef und Asenat

Sie hat alle Freier zurückgewiesen und als man ihr von Josef sprach, ihn als Hirten aus Kanaan als ihr nicht ebenbürtig bezeichnet. Dann sieht sie ihn aus der Ferne und ist von seiner Erscheinung so beeindruckt, dass sie ihn für einen Gottessohn hält. Josef aber weigert sich, sie zu küssen, weil sie falsche Götter anbete.
Sie wird jetzt nicht zornig über die Zurückweisung, sie klagt aber auch nicht über ihre unglückliche Liebe, sondern sie bereut, dass sie nicht schon früher den wahren Gott angebetet hat, hüllt sich in ein Trauergewand und büßt sieben Tage, bevor sie zu Josefs Gott betet, er möge sie als Glaubende annehmen.
Da kommt der Erzengel Gabriel zu ihr, isst mit ihr eine Honigwabe und verkündet ihr, dass Jsosef ewig ihr Bräutigam sein werde.

Textauszüge:

Wie Asenath den Joseph sah,
ward sie in ihrer Seele stark bewegt;
es ward ihr Herz erschüttert
und ihre Kniee wankten;
sie zitterte am ganzen Leib
und hatte große Angst,
2
Sie seufzt und spricht in ihrem Herzen:
Weh mir Unseligen!
Wohin soll ich, Unglückliche, jetzt fliehen?
Wo mich vor seinem Angesicht verbergen?
[503]
Wie wird doch Joseph, dieser Gottessohn, mich anschauen,
da ich so schlimm von ihm gesprochen?
3
Weh mir Unseligen!
Wo soll ich hingehen und mich bergen?
Er sieht ja jegliches Versteck,
weiß alles
und nichts Verborgenes entgehet ihm
des großen Lichtes wegen, das er in sich trägt.
4
Nun sei des Joseph Gott mir gnädig,
daß ich unwissentlich so Schlimmes wider ihn geredet!
Was soll ich tun, ich Elende?
(6. Kapitel)
Als Asenath den Joseph küssen wollte,
legt Joseph seine rechte Hand auf ihre Brust
und Joseph spricht:
Nicht ziemt es sich für einen gottesfürchtigen Mann,
der mit dem Munde den lebendigen Gott verherrlicht
und der geweihtes Lebensbrot genießt
und der Unsterblichkeit geweihten Trank einnimmt
und mit der Unverweslichkeit geweihtem Salböl wird gesalbt,
daß einen Kuß er einem fremden Weibe gebe,
das mit dem Munde tote, stumme Götzen preist,
von ihrem Tisch erwürgte Speis genießt,
von ihrem Opfertrank den Kelch des Truges nimmt
sich mit des Verderbens Salbe salbt.

und sich mit des Verderbens Salbe salbt.
(8. Kapitel)
Josef und Asenat bei Wikisource Kapitel 1-10

Asenat spricht:

Ich hab gesündigt, Herr,
ich hab vor dir gesündigt;
ich habe wissentlich wie auch unwissentlich gottlos gehandelt;
ich hab ja tote, stumme Götzenbilder angebetet.
Ich bin nicht würdig, meinen Mund, o Herr, zu dir zu öffnen,
ich arme Asenath,
die Tochter Pentephres, des Priesters,
Jungfrau und Königin,
ich, die ich einstmals stolz und übermütig,
durch meinen elterlichen Reichtum glücklicher als alle Menschen war,
ich, die ich nunmehr einsam und verwaist,
von allen Menschen ganz verlassen bin.
6
Zu dir, Herr, fliehe ich;
dir trag ich meine Bitte vor;
ich ruf zu dir:
7
Errette mich von den Verfolgern, Herr,
eh’ ich von ihnen werd ergriffen!
[...]
Errette, Herr, die Einsame und Schutzlose,
weil mich der Vater und die Mutter schon verleugneten:
Sie sprachen:
„Das ist nicht unsere Tochter Asenath“,
dieweil ich ihre Götter hab zerbrochen und vernichtet,
da ich sie gänzlich haßte.
13
Nun bin ich ganz verwaist und einsam:
ich habe keine andere Hoffnung mehr als dich, mein Herr,
und keine andere Zuflucht mehr als dein Erbarmen,
du Menschenfreund.
Nur du bist ja der Waisen Vater,
der Schützer der Verfolgten,
der Helfer der Bedrückten.
14
Erbarm dich meiner, Herr!
Schütz mich, die reine Jungfrau,
die so verwaist, verlassen ist!
Nur du, Herr, bist ein süßer, guter, milder Vater.
15
Wer wäre sonst ein Vater, Herr, so süß und gut, wie du?
Sieh: alle die Geschenke meines Vaters Pentephres,
die er mir zum Besitze gab,
sind zeitlich und vergänglich;
doch deines Erbes Gaben, Herr,
sind unvergänglich, ewiglich.

Der Erzengel Gabriel spricht:

Sei guten Muts,
du reine Jungfrau Asenath!
Heut gab dich Gott der Herr zur Braut dem Joseph;
er wird dein Bräutigam für ewig sein.
7
Auch heißt du nicht mehr Asenath von heute ab;
dein Name ist jetzt Zufluchtsstadt;
denn viele Völker fliehen zu dir
und rasten unter deinen Flügeln,
und viele Völker finden durch dich Schutz.
In deinen Mauern fühlen sich gesichert,
die sich dem höchsten Gott in Reue hingegeben;
denn Reue ist des Höchsten Tochter,
und sie erweicht den höchsten Gott
zu jeder Zeit für dich und alle anderen Bereuenden,
ist er ja doch der Reue Vater
und sie der Schlußstein und der Hort der Jungfrauen allen.
(15. Kapitel)
Josef und Asenat bei Wikisource Kapitel 11-19