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27 Januar 2024

Kafka: Reisetagebuch aus Paris

 "[...] Ein Mensch, der kein Tagebuch hat, ist einem Tagebuch gegenüber in einer falschen Position. Wenn dieser zum Beispiel in Goethes Tagebuch liest, daß dieser am 11. Januar 1797 den ganzen Tag zu Hause »mit verschiedenen Anordnungen beschäftigt« war, so scheint es diesem Menschen, daß er selbst noch niemals so wenig gemacht hat. [...]

Ansammlung der Besucher vor dem Öffnen des Louvre. Die Mädchen sitzen zwischen den hohen Säulen, lesen im Baedeker, schreiben Ansichtskarten.

Venus von Milo, deren Anblick bei dem langsamsten Umgehen schnell und überraschend wechselt. Leider eine erzwungene (über Taille und Hülle), aber einige wahre Bemerkungen gemacht, zu deren Erinnerung ich eine plastische Reproduktion nötig hätte, besonders darüber, wie das gebogene linke Knie den Anblick von allen Seiten mitbestimmt, manchmal aber nur sehr schwach. Die erzwungene Bemerkung: Man erwartet, daß über der aufhörenden Hülle der Leib sich gleich verjüngt, er wird aber zunächst noch breiter. Das fallende, vom Knie gehaltene Kleid.

Der Borghesische Fechter, dessen Vorderanblick nicht der Hauptanblick ist, denn er bringt den Beschauer zum Zurückweichen und ist verstreuter. Von hinten aber gesehen, dort, wo der Fuß zuerst auf dem Boden ansetzt, wird der überraschte Blick das festgezogene Bein entlang gelockt und fliegt geschützt über den unaufhaltsamen Rücken zu dem nach vorn gehobenen Arm und Schwert.


Beschreibung eins Unfalls:


Montag, 11. September. Auf dem Asphaltpflaster sind die Automobile leichter zu dirigieren, aber auch schwerer einzuhalten. Besonders wenn ein einzelner Privatmann am Steuer sitzt, der die Größe der Straßen, den schönen Tag, sein leichtes Automobil, seine Chauffeurkenntnisse für eine kleine Geschäftsfahrt ausnützt und dabei an Kreuzungsstellen sich mit dem Wagen so winden soll wie die Fußgänger auf dem Trottoir. Darum fährt ein solches Automobil knapp vor der Einfahrt in eine kleine Gasse, noch auf dem großen Platz in ein Tricycle hinein, hält aber elegant, tut ihm nicht viel, tritt ihm förmlich nur auf den Fuß, aber während ein Fußgänger mit einem solchen Fußtritt desto rascher weitereilt, bleibt das Tricycle stehen und hat das Vorderrad gekrümmt. Der Bäckergehilfe, der auf diesem der Firma gehörigen Wagen bisher vollständig sorglos mit jenem den Dreirädern eigentümlichen schwerfälligen Schwanken dahingefahren ist, steigt ab, trifft den Automobilisten, der ebenfalls absteigt, und macht ihm Vorwürfe, die durch den Respekt vor einem Automobilbesitzer gedämpft und durch die Furcht vor seinem Chef angefeuert werden. Es handelt sich nun zuerst darum, zu erklären, wie es zu dem Unfall gekommen. Der Automobilbesitzer stellt mit seinen erhobenen Handflächen das heranfahrende Automobil dar, da sieht er das Tricycle, das ihm in die Quere kommt, die rechte Hand löst sich ab und warnt durch Hin- und Herfuchteln das Tricycle, das Gesicht ist besorgt, denn welches Automobil kann auf diese Entfernung bremsen. Wird es das Tricycle einsehen und dem Automobil den Vortritt lassen? Nein, es ist zu spät, die Linke läßt vom Warnen ab, beide Hände vereinigen sich zum Unglücksstoß, die Knie knicken ein, um den letzten Augenblick zu beobachten. Es ist geschehen und das still dastehende verkrümmte Tricycle kann schon bei der weiteren Beschreibung mithelfen. Dagegen kann der Bäckergehilfe nicht gut aufkommen. Erstens ist der Automobilist ein gebildeter lebhafter Mann, zweitens ist er bis jetzt im Automobil gesessen, hat sich ausgeruht, kann sich bald wieder hineinsetzen und weiter ausruhn und drittens hat er von der Höhe des Automobils den Vorgang wirklich besser gesehn. Einige Leute haben sich inzwischen angesammelt und stehen, wie es die Darstellung des Automobilisten verdient, nicht eigentlich im Kreise um ihn, sondern mehr vor ihm. Der Verkehr muß sich inzwischen ohne den Platz behelfen, den diese Gesellschaft einnimmt, die überdies nach den Einfällen des Automobilisten hin und her rückt. So ziehen zum Beispiel einmal alle zum Tricycle, um den Schaden, von dem so viel gesprochen worden ist, einmal genauer anzusehen. Der Automobilist hält ihn nicht für arg (einige halten in mäßig lauten Unterredungen zu ihm), trotzdem er sich nicht mit dem bloßen Hinschauen begnügt, sondern rundherum geht, oben hinein und unten durch schaut. Einer, der schreien will, setzt sich, da der Automobilist Schreien nicht braucht, für das Tricycle ein; er bekommt aber sehr gute und sehr laute Antworten von einem neu auftretenden fremden Mann, der, wenn man sich nicht beirren läßt, der Begleiter des Automobilisten gewesen ist. Einige Male müssen einige Zuhörer zusammen lachen, beruhigen sich aber immer mit neuen sachlichen Einfällen. Nun besteht eigentlich keine große Meinungsverschiedenheit zwischen Automobilisten und Bäckerjungen, der Automobilist sieht sich von einer kleinen freundlichen Menschenmenge umgeben, die er überzeugt hat, der Bäckerjunge läßt von seinem einförmigen Armeausstrecken und Vorwürfemachen langsam ab, der Automobilist leugnet ja nicht, daß er einen kleinen Schaden angerichtet hat, gibt auch durchaus dem Bäckerjungen nicht alle Schuld, beide haben Schuld, also keiner, solche Dinge kommen eben vor usw. Kurz, die Angelegenheit würde schließlich in Verlegenheit ablaufen, die Stimmen der Zuschauer, die schon über den Preis der Reparatur beraten, müßten abverlangt werden, wenn man sich nicht daran erinnern würde, daß man einen Polizeimann holen könnte. Der Bäckerjunge, der in einer immer untergeordnetere Stellung zum Automobilisten geraten ist, wird von ihm einfach um einen Polizisten geschickt und vertraut sein Tricycle dem Schutz des Automobilisten an. Nicht mit böser Absicht, denn er hat es nicht nötig, eine Partei für sich zu bilden, hört er auch in Abwesenheit des Gegners mit seinen Beschreibungen nicht auf. Weil man rauchend besser erzählt, dreht er sich eine Zigarette. In seiner Tasche hat er ein Tabaklager. Neu Ankommende, Uniformierte, und wenn es auch nur Geschäftsdiener sind, werden systematisch zuerst zum Automobil, dann zum Tricycle geführt und erst dann über die Details unterrichtet. Hört er aus der Menge von einem weiter hinten Stehenden einen Einwand, beantwortet er ihn auf den Fußspitzen, um dem ins Gesicht sehen zu können. Es zeigt sich, daß es zu umständlich ist, die Leute zwischen Automobil und Tricycle hin- und herzuführen, deshalb wird das Automobil mehr zum Trottoir in die Gasse hineingefahren. Ein ganzes Tricycle hält, und der Fahrer sieht sich die Sache an. Wie zur Belehrung über die Schwierigkeiten des Automobilfahrens ist ein großer Motoromnibus mitten auf dem Platz stehengeblieben. Man arbeitet vorn am Motor. Die ersten, die sich um den Wagen niederbeugen, sind seine ausgestiegenen Passagiere im richtigen Gefühl ihrer näheren Beziehung. Inzwischen hat der Automobilist ein wenig Ordnung gemacht und auch das Tricycle mehr zum Trottoir geschoben. Die Sache verliert ihr öffentliches Interesse. Neu Ankommende müssen schon erraten, was eigentlich geschehen ist. Der Automobilist hat sich mit einigen alten Zuschauern, die als Zeugen Wert haben, förmlich zurückgezogen und spricht mit ihnen leise. Wo wandert aber inzwischen der arme Junge herum? Endlich sieht man ihn in der Ferne, wie er mit dem Polizisten den Platz zu durchqueren anfängt. Man war nicht ungeduldig, aber das Interesse zeigt sich sogleich aufgefrischt. Viele neue Zuschauer treten auf, die auf billige Weise den äußersten Genuß der Protokollaufnahme haben werden. Der Automobilist löst sich von seiner Gruppe und geht dem Polizisten entgegen, der die Angelegenheit sofort mit der gleichen Ruhe aufnimmt, welche die Beteiligten erst durch halbstündiges Warten sich verschafft haben. Die Protokollaufnahme beginnt ohne lange Untersuchung. Der Polizist zieht aus seinem Notizbuch mit der Schnelligkeit eines Bauarbeiters einen alten schmutzigen, aber leeren Bogen Papier, notiert die Namen der Beteiligten, schreibt die Bäckerfirma auf und geht, um dies genau zu machen, schreibend um das Tricycle herum. Die unbewußte unverständige Hoffnung der Anwesenden auf eine sofortige sachliche Beendigung der ganzen Angelegenheit durch den Polizisten geht in eine Freude an den Einzelheiten der Protokollaufnahme über. Diese Protokollaufnahme stockt bisweilen. Der Polizist hat sein Protokoll etwas in Unordnung gebracht, und in der Anstrengung, es wieder herzustellen, hört und sieht er weilchenweise nichts anderes. Er hat nämlich den Bogen an einer Stelle zu beschreiben angefangen, wo er aus irgendeinem Grunde nicht hätte anfangen dürfen. Nun ist es aber doch geschehen, und sein Staunen darüber erneuert sich öfters. Er muß den Bogen immerfort wieder umdrehen, um den schlechten Protokollanfang zu glauben. Da er aber von diesem schlechten Anfang bald abgelassen und auch anderswo zu schreiben angefangen hat, kann er, wenn eine Spalte zu Ende ist, ohne großes Auseinanderfalten und Untersuchen unmöglich wissen, wo er richtigerweise fortzusetzen hat. Die Ruhe, die dadurch die Angelegenheit gewinnt, läßt sich mit jener früheren, durch die Beteiligten allein erreichten, gar nicht vergleichen."

Kafka: Zusammenstellung von Texten von und über Kafka

 Nicht ich habe Kafka für mich entdeckt, sondern mein Bruder hat mir früh die Erzählung/Parabel Vor dem Gesetz (einen Ausschnitt aus dem Roman Der Prozess) vorgestellt, von da an hat er mich fasziniert. Aber wie hätte er Lieblingsdichter eines nachmaligen Fontanefans werden können?

Jetzt sind viele von Kafkas Texten online zugänglich, die ich noch nicht kannte.

Franz Kafka (Wikipediaartikel)

Kafkas Werke in Gutenberg.de

Kleine Fabel

»Ach«, sagte die Maus, »die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, daß ich Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, daß ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu, daß ich schon im letzten Zimmer bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe.« – »Du mußt nur die Laufrichtung ändern«, sagte die Katze und fraß sie.

über Kafkas Werke in der Wikipedia (insbesondere: Das UrteilDie Verwandlung, )

Reiner Stach und Franz Kafka (mit Kommentar) [ZEIT]

"[...] Reiner Stach spricht nicht gern über seine Jugend, das liegt vor allem an seinem Vater. Der Junge hatte vor, Philosophie zu studieren, das passte dem Vater nicht. Reiner Stach kaufte sich von seinem Taschengeld Bücher des Philosophen Jean-Paul Sartre, hörte in seinem Zimmer die Rolling Stones, auch das war dem Vater ein Ärgernis. "Wovon willst du denn mal leben?", habe er den Sohn gefragt. "Es war bei uns wie bei den Kafkas", sagt Stach heute. Auch Franz Kafka litt unter einem herrischen Vater, der den Jungen einschüchterte. [...]  Gerade hat Stach seine kommentierte Ausgabe von Kafkas Roman Der Process fertiggestellt. Er steht mit Kafka auf und geht mit Kafka schlafen. Achtzehn Jahre lang arbeitete er an einer Kafka-Biografie, die 2014 fertig wurde und mehr als 2.000 Seiten hat. 

Greiner: Kafka ganz nah [ZEIT]

"[...] Reiner Stach nähert sich seinem Autor, so paradox das klingt, mit einem liebenden, zudringlichen Respekt. Er will keine Distanz, er will Kafka so gut und genau verstehen, wie man einen anderen Menschen überhaupt zu verstehen vermag, und man kann sogar sagen, dass dieser Biograf Kafka besser versteht, als der sich selber verstehen konnte, denn Stach nutzt den historischen Abstand, studiert zahllose Quellen und Zeugnisse und hat alles gleichzeitig zur Hand, was sich für den Porträtierten auf die ganze Strecke seines Lebens verteilte, die Briefe, die Texte, die Tagebücher und vieles mehr. [...]"

Fröhlicher Fatalismus [ZEIT]

"[...] Diese Literatur ist, mit einem Wort ihres Autors gesagt, "stehender Sturmlauf". Das ganze Leben erscheint Kafka zwei Jahre vor seinem Tod als "stehendes Marschieren". Viel Energie, enormer Aufwand, aber man dreht sich, von einer Peitsche angetrieben, immerfort im Kreis wie die Varieté-Reiterin in der Erzählung Auf der Galerie. In Der Bau versucht ein nicht näher bezeichnetes Tier, "durch Kratzen und Beißen, Stampfen und Stoßen" dem "widerspenstigen Boden" ein labyrinthisches Netz von Gängen und Plätzen abzuringen, aber niemals ist der Bau vollendet, nie wird die vollkommene Sicherheit vor Feinden erreicht. [...] Der österreichische Schriftsteller Franz Blei hat in seinem Großen Bestiarium der modernen Literatur von 1922 zeitgenössische Autoren als Tiere zu beschreiben versucht. Es gibt auch einen Eintrag zu Kafka. Er lautet: "Die Kafka. Die Kafka ist eine sehr selten gesehene prachtvolle mondblaue Maus, die kein Fleisch frißt, sondern sich von bittern Kräutern nährt. Ihr Anblick fasziniert, denn sie hat Menschenaugen."

Aus seinen Tagebüchern

1910: "[...] Die Tänzerin Eduardowa ist im Freien nicht so hübsch wie auf der Bühne. Die bleiche Farbe, diese Wangenknochen, welche die Haut so spannen, daß im Gesicht kaum eine stärkere Bewegung ist, die große Nase, die sich wie aus einer Vertiefung erhebt, mit der man keine Späße machen kann – wie die Härte der Spitze prüfen oder sie am Nasenrücken leicht fassen und hin und her ziehen, wobei man sagt: »Jetzt aber kommst du mit.« Die breite Gestalt mit hoher Taille in allzu faltigen Röcken – wem kann das gefallen – sie sieht einer meiner Tanten, einer ältlichen Dame, ähnlich, viele ältere Tanten vieler Leute sehn ähnlich aus. Für diese Nachteile aber findet sich bei der Eduardowa im Freien außer den ganz guten Füßen eigentlich kein Ersatz, da ist wirklich nichts, was zum Schwärmen, Staunen oder auch nur zur Achtung Anlaß gäbe. Und so habe ich auch die Eduardowa sehr oft mit einer Gleichgültigkeit behandelt gesehn, die selbst sonst sehr gewandte, sehr korrekte Herren nicht verbergen konnten, obwohl sie sich natürlich viele Mühe in dieser Richtung gaben, einer solchen bekannten Tänzerin gegenüber, wie es die Eduardowa immerhin war.

Meine Ohrmuschel fühlte sich frisch, rauh, kühl, saftig an wie ein Blatt.

Ich schreibe das ganz bestimmt aus Verzweiflung über meinen Körper und über die Zukunft mit diesem Körper.

Wenn sich die Verzweiflung so bestimmt gibt, so an ihren Gegenstand gebunden ist, so zurückgehalten wie von einem Soldaten, der den Rückzug deckt und sich dafür zerreißen läßt, dann ist es nicht die richtige Verzweiflung. Die richtige Verzweiflung hat ihr Ziel gleich und immer überholt, (bei diesem Beistrich zeigt es sich, daß nur der erste Satz richtig war).

Bist du verzweifelt?
Ja? du bist verzweifelt?
Läufst weg? Willst dich verstecken? 
Im Manuskript folgen hier Federzeichnungen. Auch im weiteren Manuskript finden sie sich des öfteren.[...] (Gutenberg.de)

Tagebücher 1914:

12. Januar. Gestern: die Liebschaften Ottiliens, die jungen Engländer. – Tolstois Verlobung, klarer Eindruck eines zarten, stürmischen, sich bezwingenden, ahnungsvollen, jungen Menschen. Schön gekleidet, dunkel und dunkelblau.

Das Mädchen im Kaffeehaus. Der schmale Rock, die weiße, lose, fellbesetzte Seidenbluse, der freie Hals, der knapp sitzende, graue Hut aus gleichem Stoff. Ihr volles, lachendes, ewig atmendes Gesicht, freundliche Augen, allerdings ein wenig geziert. Das Heißwerden meines Gesichtes in Gedanken an F.

Weg nach Hause, klare Nacht, deutliches Bewußtsein des bloß Dumpfen in mir, das so weit von großer, ohne Hindernisse ganz sich ausbreitender Klarheit ist.

Nicolai, Literaturbriefe.

Es gibt Möglichkeiten für mich, gewiß, aber unter welchem Stein liegen sie?

Vorwärtsgerissen, auf dem Pferd –

Sinnlosigkeit der Jugend. Furcht vor der Jugend, Furcht vor der Sinnlosigkeit, vor dem sinnlosen Heraufkommen des unmenschlichen Lebens.

Tellheim:Zitiert aus Dilthey ›Das Erlebnis und die Dichtung‹.»Er hat jene freie Beweglichkeit des Seelenlebens, welche unter den wechselnden Lebensumständen immer wieder durch ganz neue Seiten überrascht, wie sie nur die Schöpfungen echter Dichter besitzen.«

 

19. Januar. Angst im Bureau abwechselnd mit Selbstbewußtsein. Sonst zuversichtlicher. Großer Widerwillen vor ›Verwandlung‹. Unlesbares Ende. Unvollkommen fast bis in den Grund. Es wäre viel besser geworden, wenn ich damals nicht durch die Geschäftsreise gestört worden wäre.

Tagebücher 1923

12. Juni. Die schrecklichen letzten Zeiten, unaufzählbar, fast ununterbrochen. Spaziergänge, Nächte, Tage, für alles unfähig, außer für Schmerzen.

Und doch. Kein »und doch«, so ängstlich und gespannt du mich ansiehst, Krizanowskaja auf der Ansichtskarte vor mir.

Immer ängstlicher im Niederschreiben. Es ist begreiflich. Jedes Wort, gewendet in der Hand der Geister – dieser Schwung der Hand ist ihre charakteristische Bewegung –, wird zum Spieß, gekehrt gegen den Sprecher. Eine Bemerkung wie diese ganz besonders. Und so ins Unendliche. Der Trost wäre nur: es geschieht, ob du willst oder nicht. Und was du willst, hilft nur unmerklich wenig. Mehr als Trost ist: Auch du hast Waffen.

Reisetagebücher

daraus: Ausschnitt des Tagebuchs aus Paris

Stichwort Kafka in diesem Blog

Erwähnung von Kafka in diesem Blog

Digitalisate von handschriftlichen Texten Kafkas 

20 Juli 2022

Hennig Ritter: Die Eroberer. Denker des 20. Jahrhunderts

Hennig Ritter: Die Eroberer. Denker des 20. Jahrhunderts, Beck 2008

 Sigmund Freud S.13 ff.

"Was das Unbehagen in der Kultur der Gegenwart so weit entrückt, sind die Erwartungen, die sich immer noch an die Kultur richten, nun aber verkürzt auf Erlebnisse. Kultur ist heute ein Gegenwartserleben, das die vergangene Kultur unter dem Gesichtspunkt ihrer gegenwärtigen Genießbarkeit bruchlos einbezieht. Was dem einen der neueste Film, ist dem anderen die Kathedrale in den Osterferien. Da kommt ein Unbehagen allenfalls durch misslingende Erlebnisse auf. Für Freud war die höhere Kultur wesentlich Entschädigung für Enttäuschungen und produzierte wiederum Enttäuschungen." (S.28)

Franz Kafka  S.33 ff.

Der Verschollene, Der Process  Das Schloss (Wikipedia)

Der Verschollene (Deutungsansätze für den schulischen Gebrauch)

Ludwig Wittgenstein S.49 ff.

Aby Warburg S. 71 ff. (Kunsthistoriker)

Ikonographie, Ikonologie

Warburgs Bildatlas: Mnemosyne

Agambens Beitrag zu Warburgs Bildatlas

Walter Benjamin S.85 ff.

Das "Fortleben sei nicht etwas vom Leben Abgesetztes [...] Vielmehr soll es ein dem Subjekt entzogener Teil seines Lebens sein, ein Unpersönliches im Persönlichen.

Benjamins Schriften zielen offenbar auf Ähnliches. Sie enthalten einen Anteil von subjektiv Unfassbarem, suchen dem mit der Erfahrung des Subjekts nicht Vermittelbaren Raum zu geben und das Subjekt zum Schauplatz von etwas ihm Inkommensurablen zu machen. [...] Dem Misstrauen Walter Benjamins gegen das Nachleben der Werke als gegen ein ihnen Fremdes antwortet seine Absicht, in seinen Schriften authentisch fremdem Einlass zu verschaffen. Darauf verweist eine / Eigenart, die Scholem an ihm bemerkte: die Verwechslung von Persönliche und Unpersönlichen."  (S.87/88) 
 "[...] Benjamins Unverstehbarkeit. Man mag herausgreifen, was irgend ihm wichtig war, immer ist die Formulierung wie versiegelt gegen ein natürliches Verständnis, als sei es ihm darum gegangen, den Gedanken unbrauchbar zu machen für jede ihm zugedachte Verwendung." (S.88)
"Hierher gehört auch Benjamins merkwürdige Begabung für glasklar wirkende Definitionen, die freilich nicht erhellen, sondern verdunkeln. In einer Diskussion über Anschauung formuliert er: 'Gegenstand der Anschauung ist die Notwendigkeit eines sich im Gefühl als rein ankündigenden Inhalts, wahrnehmbar zu werden. Das Vernehmen dieser Notwendigkeit heißt Anschauen.' Wegen solcher Gegensinnigkeit fügt sich Benjamins Denken auch keiner der ihm nahestehenden Gattungen. (S. 89)
"Alle Umwege sind recht, solange sie nicht zum Ziel führen, so könnte Benjamins Devise gelautet haben." (S.89)
In keinem anderen sonst hat Benjamin sich selbst so unverhüllt porträtiert wie in Kafka: 'Um Kafkas Figur in ihrer Reinheit und ihrer eigentümlichen Schönheit gerecht zu werden, darf man das Eine nicht aus dem Auge lassen: es ist die von einem Ge/scheiterten. Die Umstände dieses Scheitern sind mannigfache. Man möchte sagen: war er des endlichen Misslingens erst einmal sicher, so gelang ihm unterwegs alles wie im Traum. Nichts denkwürdiger als die Inbrunst, mit der Kafka sein Scheitern unterstrichen hat.' [...] 
So erkennbar hat Benjamin sich nirgends sonst beschrieben." (S. 89/90)

Sein Passagenwerk* sollte ursprünglich nur aus Zitaten bestehen, dem ihm Inkommensurablen. Nachdem er sich von Adorno von dieser Form hat abbringen lassen, ist es unvollständig geblieben, also "gescheitert".

* "Die Fragmente des eigentlichen Passagenwerks kann man den Baumaterialien fiir ein Haus vergleichen, von dem nur gerade erst der Grundrifi abgesteckt oder die Baugrube ausgehoben ist. Mit den beiden Exposes, die der Ausgabe voranstehen, hat Benjamin seinen Plan in großen Strichen entworfen, so wie er ihm 193 5 und 1939 vor Augen stand: den sechs, bzw. fiinf Abschnitten der Exposes sollten ebenso viele Kapitel seines Buches oder, um im Bild zu bleiben, ebenso viele Geschosse in dem zu bauenden Haus entsprechen. Neben der Baugrube findet man die Exzerpte aufgehäuft, aus denen die Mauern errichtet worden waren.  Benjamins eigene Reflexionen aber hatten den Mörtel abgegeben, durch den das Gebäude zusammenhalten sollte. Von solchen theoretischen und interpretierenden Reflexionen sind zwar zahlreiche vorhanden, doch am Ende schei-nen sie hinter dem Exzerptenbestand fast verschwinden zu wollen. Der Herausgeber hat zuzeiten gezweifelt, ob es sinnvoll wäre, diese erdrückenden Zitatmassen zu veröffentlichen; ob er sich nicht besser auf den Abdruck der Benjaminschen Texte beschränkte, die leicht in eine lesbare Anordnung gebracht werden konnten und eine konzentrierte Sammlung funkelnder Aphorismen und beunruhigender Fragmente ergeben hatten. Indessen wäre das mit dem Passagenwerk Projektierte dahinter nicht einmal mehr zu erahnen gewesen. Benjamins Absicht war, Material und Theorie, Zitat und Interpretation in eine gegenüber jeder gängigen Darstellungsform neue Konstellation zu bringen, in der alles Gewicht auf den Materialien und Zitaten liegen und Theorie und Deutung asketisch zurücktreten sollten. Als »ein zentrales Problem des historischen Materialismus«, das er mit dem Passagenwerk zu lösen gedachte, hat er die Frage bezeichnet, »auf welchem Wege es möglich [sei], gesteigerte Anschaulichkeit mit der Durchführung der marxistischen Methode zu verbinden." (S.12/13) (Einleitung des Herausgebers des Passagenwerks: Rolf Tiedemann)

Carl Schmitt S.111 ff.

"Das Nachleben von Carl Schmitt ist merkwürdige Wege gegangen. War lange Zeit von ihm nur als vom nationalsozialistischen 'Kronjuristen' die Rede – eine Bezeichnung, die sein früherer Schüler, Waldemar Gurian, lanciert hatte –, so erlebte sein Werk nach seinem Tode eine erstaunliche Auferstehung: In Italien, in Frankreich in den Vereinigten Staaten wurden Hauptwerke und Nebenwerke, seine Abhandlungen "Politische Theologie", "Der Begriff des Politischen", "Der Nomos der Erde", "Theorie der Partisanen" übersetzt und diskutiert. Die Erklärung für diesen postumen Triumph, der Carl Schmitts Präsenz in den letzten Jahrzehnten seines Lebens – er starb 1985, drei Jahre vor seinem hundertsten Geburtstag – weit übertrifft, harrt noch einer Erklärung." (S.111)

Alexandre Kojève S.125

Kojève faszinierte vor allem in Frankreich durch seine Interpretation von Hegels Phänomenologie des Geistes, nach der das Ende der Geschichte erreicht sei. Ob der Weltstaat durch einen Sieg des Kommunismus erreicht würde (weil der Kapitalismus nicht anpassungsfähig genug sei) oder dadurch, dass kapitalistische und kommunistische Ökonomien sich integrierten, sei dabei nicht einmal sehr wesentlich. (S.126/27)

André Malraux S.133

Anthony Blunt, S.145 ff. (Kunsthistoriker und Doppelagent)

Doppelagenten (Cambrige Five): Kim Philby, Donald Maclean, Guy BurgessJohn Cairncross u. Blunt 

Elias Canetti, S.167 ff.

Isaiah Berlin S.181 ff. (politischer Philosoph)

Die Gedanken Berlins über historische Größe:
"Immer gehört zu ihr eine starke historische Imagination, nicht aber die Fixierung auf ein visionäres Ziel. Viel mehr weiß historische Größe sich von den doktrinären Vorgaben der Visionäre frei zu machen. Sie vollbringt das Unwahrscheinliche kraft eines untrüglichen Realitätssinnes und nicht auf seine Kosten. Historische Größe ist für Berlin ein Beweis der Freiheit gegen den historischen Determinismus." (S.185)

Claude Lévi-Strauss S.205 ff.

"Während es für den Autor der 'Traurigen Tropen' noch einer ungewöhnlichen intellektuellen Anstrengung bedurfte, um der exotischen Versuchung zu widerstehen, liegt es heute für jedermann auf der Hand, dass der Zauber des Exotischen nur über denjenigen doch etwas vermag, der betrogen sein will. Fünfzig Jahre haben genügt, um zu einer banalen Einsicht werden zu lassen, dass es das Fremde nicht gibt, weil es nur um den Preis seiner Deformation zu haben ist. Wir leben überall die Umkehrung der Devise von Jean de Léry: Das Haben hat sich des puren Sehens vorweg bemächtigt. Den [...] Betonburgen des sozialen Fortschritts, sind die Ghettos der völlig Mittellosen gefolgt, die den Müllbergen der Zivilisation und den Schlachtfeldern der Naturzerstörung ähnlicher sind als allen noch so rudimentären Lebensordnungen, welche die Anthropologen bisher / zu erfassen suchten. Die 'teilnehmende Beobachtung', auf die sie sich so viel zugute hielten und die auch früher schon ihren Preis gehabt hat, würde heute von ihnen verlangen, die Hungerepidemien zu teilen, denen die Reste der ehedem mit fürsorglichem Paternalismus 'primitiv' genannten Völker erliegen. Oder sie müssten sich als Berater an der Seite der Hilfsorganisationen engagieren, deren Interventionen heute jedoch schon mit dem Etikett des 'philanthropischen Imperialismus' versehen werden." (S.211)

04 September 2019

Kafka und Trakl

Kafka in Zürau FAZ 6.9.19
"[...] Acht bis zehn Tage wollte er sich in Zürau, einem Nest in Nordwestböhmen, aufhalten; dass daraus am Ende acht Monate wurden, konnte Kafka nicht ahnen, doch der Umstand zeigt, wie befreiend das Patientendasein war. Endlich, endlich war das Büro mit seinen literaturfeindlichen Schreibaufgaben fern! Endlich war auch die Geliebte, Felice Bauer, abgewehrt, denn was konnte von einem Kranken in Liebesdingen billigerweise noch erwartet werden? Und endlich durfte sich dieser so zwanghaft in ein System von Schuldzuweisungen und Selbstrechtfertigungen verstrickte Autor mit vollem Recht zurücklehnen und den eigenen Krankheitszustand wie eine Trophäe herumreichen. [...]"

Siřem, Flöhau (Blšany)

Die Zürauer Aphorismen
Zitat:
„Der wahre Weg geht über ein Seil, das nicht in der Höhe gespannt ist, sondern knapp über dem Boden. Es scheint mehr bestimmt stolpern zu machen, als begangen zu werden.“
Zitateauswahl
Volltext
Bertram Rohde: Studien zu Kafkas Bibellektüre
Der Nachlass von Franz Kafka wird digitalisiert

Franz Kafka

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/kafka-und-trakl-eine-verwandtschaft-ueber-bilder-16352811.html

Georg Trakl

04 Juni 2019

Lesen

Schopenhauer: "Lesen heißt mit einem fremden Kopf statt mit dem eigenen zu denken."

Kafka: "Manches Buch wirkt wie ein Schlüssel zu fremden Sälen des eigenen Schlosses."

"[...] ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns." - An Oskar Pollak, 27. Januar 1904. In: Briefe 1902-1924, Hrsg. Max Brod, S. Fischer, Frankfurt/Main 1966, S. 28 books.google.de (Wikiquote)

sieh auch:
Kafka: Der Verschollene (Inhalt) (Wikipedia) [bekannter unter dem Titel "Amerika"]

Schopenhauer will Kant nicht nur verstehen, sondern über ihn hinaus. 

Kafka ist ohne Prozess gefangen und wird bei jedem Versuch, ins Freie zu gelangen, zurückgewiesen. Doch ein Buch öffnet eine Tür und damit eine neue Hoffnung. 
Er bleibt gefangen, doch schreibend erschließt er sich seine Welt. 

Mosche Ibn Esra redet Schopenhauer zu:
"Ein Buch ist ein Freund, der deine Fähigkeiten aufdeckt; es ist ein Licht in der Finsternis und ein Vergnügen in der Einsamkeit; 
es gibt und es nimmt nicht."

Schopenhauer will kein Zwerg auf den Schultern eines Riesen sein, wie Bernhard von Chartres sich um 1120 gefühlt hat. 
Er hat den "Mut, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen". Wie Galilei will er die Welt mit eigenen Augen sehen, nicht mit denen eines Vorgängers, sei es Aristoteles, sei es Kant.

Kafka ist dankbar für alles, was ihn nicht zurück stößt, was ihm erlaubt, er selbst zu sein.

29 März 2009

Tellkamps Turm

Uwe Tellkamp: Der Turm:
Die Fahrt mit der Standseilbahn erinnert mich an das erste Kapitel von Musils "Mann ohne Eigenschaften". Dazu passend die vielen genau beschriebenen Wege durch das Viertel und nach und in Ostrom. Autoren als Zensoren. Der Alte vom Berg. (Dazu: Turm als Schlüsselroman)
Arbogast. Die ausführlich beschriebene naturwissenschaftlich angereicherte Pracht in historischem Stil. Das Ausfragen auf der Basis von vorherigen Erkundigungen. Ähnlich der Allwissenheit der Stasi. Die wilden Hunde. Der Schreck am Tor. Hier etwas von Kafkas Prozess, der sonst dem Bewilligungsgebäude mit seinen vielen buchstabenkodierten Abteilungen seine Schrecken leiht. Die Rechtfertigung der Niederwerfung des Prager Frühlings.
Christian als der Sympathieträger.
Stasi "Dialog über Kinder": "Wenn diese Kinder nun bestimmte Talente besitzen, wäre es doch fahrlässig für einen Vater, sie nicht zu fördern, so gut er kann." (S.257f.)
Flüstergespräche der Ehepaare auf der Straße, das Gelächter der Angst.
Die Karavelle (Wikipediaartikel: "Vorbild für das Haus „Karavelle“ sei die Jugendstilvilla, in der Uwe Tellkamp aufgewachsen ist"), Falter im Treppenhaus, Meno: "Laß uns ein wenig sehen üben." (S.270) - Freut sich Christian wirklich?

2025:
Der Roman ist mir wieder in die Hände gefallen, und ich hätte Lust, mein überaus positives Urteil nach der ersten Lektüre zu überprüfen, nachdem mir Tellkamps Stellungnahmen ab 2017 zur mangelnden Meinungsfreiheit in Deutschland überzogen erschienen.
Wikipedia: "Im Umfeld der Frankfurter Buchmesse 2017 gehörte Tellkamp zu den 32 Erstunterzeichnern der „Charta 2017“, einer Online-Petition der Dresdner Buchhändlerin Susanne Dagen. Sie richtete sich gegen die Ausgrenzung der rechten Verlage Antaios, Manuscriptum und Tumult auf der Messe.[34]

Vor der Leipziger Buchmesse 2018 sorgten Äußerungen Tellkamps bei einer öffentlichen Diskussion mit Durs Grünbein zur „Meinungsfreiheit in der Demokratie“ im Dresdner Kulturpalast für Aufsehen. Zur Flüchtlingskrise in Deutschland ab 2015 sagte er unter anderem: „Die meisten fliehen nicht vor Krieg und Verfolgung, sondern kommen her, um in die Sozialsysteme einzuwandern, über 95 Prozent.“ In Deutschland gebe es einen „Gesinnungskorridor zwischen gewünschter und geduldeter Meinung“. Seine Meinung sei „geduldet, erwünscht ist sie nicht.“[35] Der Suhrkamp Verlag distanzierte sich auf Twitter von diesen Aussagen.[36] Diese lösten eine umfangreiche Debatte in Feuilletons und sozialen Medien aus.[37][38]

Ich nehme an, ich werde nicht genügend Zeit und Engagement aufbringen. Erstes Hineinsehen bestätigt mein frühes positives Urteil, das werde ich angesichts anderer anstehender Fragen keinen Versuch machen, vom heutigen zeitgeprägten Standpunkt aus mein Urteil irgendwie zu objektivieren.

Ich werde - wie bei den Buddenbrooks - das literarische Werk als ungewöhnlich gut in Erinnerung behalten und Tellkamps politische Stellungnahmen wie Thomas Manns "Betrachtungen eines Unpolitischen" als zeitgebundene Aussage eines bedeutenden Autors einstufen, mit dem ich politisch durchaus nicht übereinstimme. 

Ich hoffe aber, dass ich noch dazu kommen werde, einzelne Passagen aus dem Werk vorzustellen,  die mein literarisches Urteil zu untermauern imstande sind.

Gegenwärtig reizt mich die Lektüre von Christa Wolfs Ein Tag im Jahr und Juli Zehs letzten Roman und ihrer politischen Stellungnahmen mehr, und ich traue ihr mehr zu, mir ein angemessenes Bild von der DDR und dem heutigen Ostdeutschland zu machen als dem literarisch so hochwertigen Roman Tellkamps.