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06 März 2018

Jens Peter Jacobsen: Niels Lyhne - der Einzug des Frühlings

"Um sie her wurde das schönheitsschwangere Fest des Frühlings gefeiert, die weißen Schneeglöckchen läuteten es ein, die geäderten Becher der Krokusblume grüßten es jubelnd. Hundert kleine Bergströme stürzten kopfüber hinab ins Tal, um zu melden, daß der Frühling gekommen, und kamen alle zu spät; denn wo sie an grünen Ufern vorüberkamen, standen Primeln in Gelb und Veilchen in Blau und nickten, wir wissen schon, wir wissen schon, wir haben es früher gemerkt als du. Die Weiden hißten die gelben Wimpel, und krauses Farnkraut und samtweiches Moos hängten grüne Girlanden an die nackten Weinbergsmauern, während Tausende von Nesseln den Fuß der Mauer mit langen Verbrämungen in Braun und Grün und mattem Purpur verbargen. Das Gras breitete seinen grünen Mantel weit und breit aus und viele hübsche Kräuter setzten sich darauf, Hyazinthen mit Blüten wie Sterne und Blüten wie Perlen, Tausendschön tausendweise, Enzian, Anemonen und Löwenmaul und hundert andere Blumen. Und über den Blumen auf der Erde schwebten, von den hundertjährigen Stämmen der Kirschbäume getragen, wohl tausend strahlende Blüteninseln, an deren weiße Küsten das Licht schäumend schlug, und welche die Schmetterlinge, die Botschaft vom Blumenkontinent da unten brachten, blau und rot sprenkelten.
Jeder Tag brachte neue Blumen, er trieb sie in den Gärten am See in bunten Mustern aus der Erde, er lud sie unten auf den Zweigen der Bäume ab, Riesenveilchen auf der Paulownia und große purpurstreifige Tulpen auf der Magnolia. An den Wegen entlang zogen die Blumen in blauen und weißen Reihen, sie füllten die Felder mit gelben Horden, aber nirgend standen sie so dicht, wie oben zwischen den Höhen in einsamen, warmen, kleinen Tälern, wo der Lärchenbaum mit licht funkelnden Rubinzapfen im hellen Laub stand; denn dort oben blühten Narzissen in blendenden Myriaden und erfüllten die Luft in der Runde mit dem. betäubenden Duft ihrer weißen Orgien."
(Jens Peter Jacobsen: Niels Lyhne 8. Kapitel)

17 März 2012

Frühling läßt sein blaues Band ...

Er ist's

Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
– Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's!
Dich hab ich vernommen!

Septembermorgen

Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
In warmem Golde fließen.

Die Geister am Mummelsee

Vom Berge was kommt dort um Mitternacht spät
mit Fackeln so prächtig herunter?
Ob das wohl zum Tanze, zum Feste noch geht?
Mir klingen die Lieder so munter.
O nein!
So sage, was mag es wohl sein?

Das, was du da siehest, ist Totengeleit,
und was du da hörest, sind Klagen.
Dem König, dem Zauberer, gilt es zu Leid,
sie bringen ihn wieder getragen.
O weh!
So sind es die Geister vom See!

Sie schweben herunter ins Mummelseetal -
sie haben den See schon betreten -
sie rühren und netzen den Fuß nicht einmal -
sie schwirren in leisen Gebeten -
o schau,
am Sarge die glänzende Frau!

Jetzt öffnet der See das grünspiegelnde Tor;
gib acht, nun tauchen sie nieder!
Es schwankt eine lebende Treppe hervor,
und - drunten schon summen die Lieder.
Hörst du?
Sie singen ihn unten zur Ruh'.

Es zuckt in der Mitten - o Himmel! ach hilf!
Nun kommen sie wieder, sie kommen!
Es orgelt im Rohr, und es klirret im Schilf;
nur hurtig, die Flucht nur genommen!
Davon!
Sie wittern, sie haschen mich schon!

Gebet

Herr! schicke was du willt,
Ein Liebes oder Leides;
Ich bin vergnügt, daß beides
Aus Deinen Händen quillt.

Wollest mit Freuden
Und wollest mit Leiden
Mich nicht überschütten!
Doch in der Mitten
Liegt holdes Bescheiden.