"Keine Menschenseele in Sicht außer einem Mann an der grasbewachsenen Felskante. Er war gekleidet wie zu einer Safari in den fünfziger Jahren; steinfarbene Bermudashorts mit passender Weste, dazu ein breitkrempeiger Hut.. Er stand da und schaute hinaus aufs Meer, die linke Hand in der Hosentasche, in der rechten ausgestreckten Hand eine Leine, an der, wie es schien, ein großer Stein hing. Von Zeit zu Zeit ging er einen Schritt weiter und der Stein folgte ihm durch das vom Wind kurzgehaltene Gras. Wir sahen ihm zehn Minuten lang zu, in denen sich drei Meter mit kleinen Schritten vorwärtsbewegte."Ich kann mir nicht helfen, ich muss einfach nachschauen, was er da macht."
Als wir näher kamen, erkannten wir, dass es dich nicht um einen Stein handelte.
"Hallo. Was für ein schöner Tag, um ihre Schildkröte auszuführen."
Seit der Begegnung in dem Wäldchen am zweiten Tag unserer Wanderung von
Minehead war über ein Jahr vergangen; schon lange hatten wir nichts mehr auf die Prophezeiung gegeben, dass wir 'mit einer Schildkröte wandern' würden. Und doch, hier war sie, an einer für sie umgearbeiteten Hundeleine, am Ende unserer Reise. Eine Schildkröte, die Gras und Kräuter abrupfte und sich ganz gemächlich weiterbewegte.
"Salat"
"Bitte?"
"Ihr Name ist Salat."/
Wir gingen alle einen Schritt weiter.
"Was machen Sie hier oben mit ihr?"
Der Mann war erst einen Blick auf die Leine in seiner Hand und dann auf uns, als hätten wir eine dumme Frage gestellt, als wäre das, was er da tat, das Normalste der Welt.
"Ich führe sie spazieren."
"Spazieren? Das mag sie wohl gerne? Aber brauchen Sie denn wirklich eine Leine? Sie wird doch kaum wegrennen."
Gemeinsam machten wir wieder einen Schritt.
"Lassen Sie sich von ihr nicht täuschen, sie wirkt langsam, aber ich brauche nur den Kopf zu drehen, und zack, ist sie weg. Dann muss ich Salat auslegen und geduldig warten, Irgendwann riecht sie ihn und kommt, oft allerdings erst nach Stunden." Er hob die Klappe seiner Tasche und zeigte uns die kostbaren Salatblättchen darin.
"Darum nennen Sie sie Salat. Wäre es nicht einfacher, sie im Garten zu halten?"
Der Mann vertrete die Augen, während wir erneut einen Schritt weitergingen.
"Das kann man doch nicht machen. Sie muss raus und sich die Beine vertreten. Ich darf sie nicht einsperren, sie ist ein Wildtier. Ich bringe sie jeden Tag hierher."
"Okay."
Wir waren bereits auf die nächste Landzunge geklettert, bevor einer von uns etwas zu sagen wagte.
"Was?"
"Jetzt behaupte bloß nicht, dass auch das ein Zufall ist." " (S. 408/09)
"Am Ende verstand ich, was die Obdachlosigkeit für mich getan hatte. Sie hatte mir alle materiellen Dinge genommen und mir nur das nackte Leben gelassen, mich in eine leere Seite in einem noch nicht zu Ende geschriebenen / Buch verwandelt. Und sie hatte mich vor die Wahl gestellt, diese Seite entweder leer zu lassen oder der Geschichte eine hoffnungsvolle Wendung zu geben. Ich wählte die Hoffnung.