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05 Juli 2022

Wolfram von Eschenbach: Parzival

 Wolfram von Eschenbach: Parzival (Text in der Übersetzung von Simrock)

Überblick über die Handlung

Wolfram beginnt seinen Parzival mit dem Elsterngleichnis (Vers 1,1-1,14).[7] Hier verwendet er die Analogie des zweifarbigen Federkleides der Elster agelstern (mittelhochdeutsch) bezogen auf die sinnfällige Gegenüberstellung von Wankelmut und treuer Ergebenheit. Er kommt hier zu dem Schluss, dass es eben nicht nur schwarz und weiß, gut und böse gibt, sondern dies alles wie das Gefieder einer Elster ineinander übergeht.

Ist zwîvel herzen nâchgebûr,

daz muoz der sêle werden sûr.[...]

       [Es folgt das Elsterngleichnis.]

       ein mære wil i'u niuwen,
10

daz seit von grôzen triuwen,

wîplîchez wîbes reht,

und mannes manheit alsô sleht,

diu sich gein herte nie gebouc.

sîn herze in dar an niht betrouc,

15

er stahel, swa er ze strîte quam,

sîn hant dâ sigelîchen nam

vil manegen lobelîchen prîs.

er küene, træclîche wîs,

(den helt ich alsus grüeze)

20

er wîbes ougen süeze,

unt dâ bî wîbes herzen suht,

vor missewende ein wâriu fluht.

den ich hie zuo hân erkorn,

er ist mæreshalp noch ungeborn,

25

dem man dirre âventiure giht,

und wunders vil des dran geschiht."



Wem Zweifel an dem Herzen nagt,
Dem ist der Seele Ruh versagt.*
[...]

Die Märe, die ich erneue,
Meldet von großer Treue,
Von Weibes rechter Weiblichkeit,
Von echten Mannes Mannheit,
Die nie vor hartem Stein sich bog.
Sein Herz ihn nie darum betrog, 
Er Stahl! wo er zum Streite kam,
Daß seine Hand nicht siegreich nahm
Manchen rühmlichen Preis.
Er kühner Mann, versucht und weis
(Der Held ists, den ich grüße),20  
In der Frauen Augen süße,
Und doch der Frauenherzen Sucht,
Im Unglück sichre Zuflucht!
Den ich hiezu mir auserkoren,
Im Gedicht ist er noch ungeboren,25  
Den diese Aventüre meint
Und was von Wunder drin erscheint."

1–4, 26. Ueber die Dunkelheit der Rede im Parzival, und namentlich in dieser Einleitung, ist schon bei Lebzeiten des Dichters (vgl. §. 8) und bald nachher wiederholte Klage geführt worden, und der jüngere Titurel giebt deshalb von den ersten 37 Versen eine Paraphrase, die aber oft den Zusammenhang der Gedanken verfehlt oder doch allegorisch umdeutet. 


sieh auch:
Richard Wagner: Parsifal
Wolfram von Eschenbach: Willehalm


31 Juli 2016

Parsifal-Inszenierung 2016 in Bayreuth

Die Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg halte ich für gelungen. Ich habe sie durchaus nicht als islamkritisch aufgefasst, sondern als gegen die Instrumentalisierung von Religion und menschlichen Grundbedürfnissen gerichtet. Die Anspielung auf Scharia und Terror legt sich dabei gegenwärtig nahe.
Die Inszenierung legt Fragen nahe.
Könnte die religiöse Überhöhung seines Auftrags Parzifal, statt seine Mitleidsfähigkeit zu stärken, zum Gotteskrieger machen?
Kann Instrumentalisierung und strikteste Privatisierung weiblicher Reize für den Ehemann (oder Besitzer?) die Belohnung durch die Huris im Paradies so attraktiv machen, dass Selbstmordattentate als Selbstverwirklichung verstanden werden oder ist die religiöse Motivierung weit stärker als solche vorgeblich Erfüllung lang unterdrückter Wünsche?

Aber ich habe großes Verständnis für Musikliebhaber, die eine solche Aktualisierung des Bühnenweihfestspiels für eine Verhunzung des Gesamtkunstwerkes halten.
Denn mich hat die Sprache des Musikdramas so abgestoßen, dass ich es nie fertig gebracht habe, das Stück durchzulesen. Die geniale Musik ist mir viel zu anspruchsvoll, als dass ich mich ihr länger als 20 Minuten aussetzen wollte, ohne mich auf anderes konzentrieren zu können. Der Parzival Wolframs von Eschenbach ist mir zu lieb, als dass ich die Fabel von Wagners Parsifal nicht als fragwürdige Beschränkung auffassen könnte.
So hat mir erst diese Inszenierung ermöglicht, Text und Musik des Gesamtkunstwerks im Zusammenhang kennen zu lernen. Dass ich damit dem Gesamtkunstwerk nicht gerecht werden kann, ist klar. Immerhin hat mir die Inszenierung erstmals einen ersten Zugang dazu verschafft und die Möglichkeit, die Leistungen der beteiligten Interpreten wenigstens im Ansatz zu würdigen.

Mir waren dabei die vielfältigen Verfremdungseffekte hilfreich, das theatralische Pathos zu würdigen, das ich so in einer Passionsaufführung nicht akzeptieren könnte.

Richard Wagner: Parsifal