Posts mit dem Label Milton werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Milton werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

29 März 2021

John Milton: Das verlorene Paradies (Original: Paradise Lost)

John Milton: Das verlorene Paradies

Des Menschen erste Schuld und jene Frucht

Des strengverbotnen Baums, die durch Genuß

Tod in die Welt gebracht und jeglich Weh,

Die Eden raubte, bis ein größrer Mensch

Des Heiles Sitz uns wiederum errang:

Besing' o Himmelsmuse, die auf Horebs,

Auf Sinai's verborgnem Gipfel einst,

Den Hirten entflammte, der zuerst belehrt

Das auserwählte Volk, wie Erd und Himmel

Im Anfang aus dem Chaos sich erhob;

Von dorther, oder wenn des Sion Hügel,

Siloah's Quell, der bei des Herrn Orakel

Hinfloß, dich mehr erfreut, so ruf ich dich

Von dort herab, mein kühnes Lied zu weih'n,

Das nicht gemeinen Flugs Aeoniens Berg

Mit solchen Dingen überschweben will,

An die sich Vers und Prosa nie gewagt.

Vor Allem du beseele mich, o Geist,

Der offne Herzen mehr als Tempel liebt:

Du bist allwissend, warst vom Anbeginn

Und ruhtest brütend einer Taube gleich

Mit mächtig ausgespreiztem Flügelpaar,

Den ungeheuern Abgrund fruchtbar machend.

Was in mir dunkel ist, erleuchte du,

Was in mir niedrig, heb' und stütze du;

Daß ich gemäß dem hohen Gegenstand

Die Wege Gottes zu den Menschen preisend

Die ewige Vorsehung vertheid'gen mag.

O sprich zuerst – denn Nichts verbirgt der Himmel,

Die tiefe Hölle Nichts vor deinem Blick –

O sprich, was unser erstes Elternpaar

In jener Seligkeit und Himmelsgunst

Bewog, von ihrem Schöpfer abzufallen,

Um ein Verbot sein Wort zu übertreten,[3]

Sie, die doch sonst die Herrscher dieser Welt?

Sprich! wer verführte sie zu dieser Schuld?

Der Höllendrache, Jener, dessen List

Von Rach' und Neid erregt, der Menschen Mutter

Zu einer Zeit betrog, als ihn sein Stolz

Herab vom Himmel stürzte sammt der ganzen

Rebellischen Engelschaar, mit deren Hülfe

Er glorreich seines Gleichen zu beherrschen

Und Gott sich gleich zu stellen trachtete,

Da er durch Widerstand und ehrsuchtvoll

Verruchten Krieg im Himmel gegen Gottes

Alleinherrschaft erhob, und stolzen Kampf,

Der fruchtlos blieb. Des Allerhöchsten Macht

Stieß häuptlings ihn aus den äther'schen Höh'n

Furchtbaren Sturzes glutumflammt hinab

Zum bodenlosen Abgrund, dort zu wohnen

In Demantketten und in Feuerpein,

Da dem Allmächtgen er gewagt zu trotzen.


Im Epos ist es in der Tradition Homers üblich, die Muse zum Singen aufzufordern.

Entsprechendes finden wir auch am Anfang von Klopstocks Messias (dort wird die "unsterbliche Seele" angerufen) und noch im finnischen Nationalepos Kalevala, wo der Dichter sich selbst zum Singen auffordert.


OF Mans First Disobedience, and the Fruit
Of that Forbidden Tree, whose mortal tast
Brought Death into the World, and all our woe,
With loss of Eden, till one greater Man
Restore us, and regain the blissful Seat[ 5 ]
Sing Heav'nly Muse, that on the secret top         Der Verweis auf Mose lässt an Gott, den                                                                                                       Heiligen Geist als Insirator denken.
Of Oreb, or of Sinaididst inspire
That Shepherd, who first taught the chosen Seed,
In the Beginning how the Heav'ns and Earth
Rose out of Chaos: Or if Sion Hill [ 10 ]
Delight thee more, and Siloa's Brook that flow'd
Fast by the Oracle of God; I thence
Invoke thy aid to my adventrous Song,
That with no middle flight intends to soar
Above th' Aonian Mount, while it pursues [ 15 ]
Things unattempted yet in Prose or Rhime.
And chiefly Thou O Spirit, that dost prefer
Before all Temples th' upright heart and pure,
Instruct me, for Thou know'st; Thou from the first
Wast present, and with mighty wings outspread [ 20 ]
Dove-like satst brooding on the vast Abyss
And mad'st it pregnant: What in me is dark
Illumin, what is low raise and support;
That to the highth of this great Argument
I may assert Eternal Providence, [ 25 ]
And justifie the wayes of God to men.

Say first, for Heav'n hides nothing from thy view
Nor the deep Tract of Hell, say first what cause
Mov'd our Grand Parents in that happy State,
Favour'd of Heav'n so highly, to fall off [ 30 ]
From thir Creator, and transgress his Will
For one restraintLords of the World besides?
Who first seduc'd them to that foul revolt?
Th' infernal Serpent; he it was, whose guile
Stird up with Envy and Revenge, deceiv'd [ 35 ]
The Mother of Mankind, what time his Pride
Had cast him out from Heav'n, with all his Host
Of Rebel Angels, by whose aid aspiring
To set himself in Glory above his Peers,
He trusted to have equal'd the most High, [ 40 ]
If he oppos'd; and with ambitious aim
Against the Throne and Monarchy of God
Rais'd impious War in Heav'n and Battel proud
With vain attempt. Him the Almighty Power
Hurld headlong flaming from th' Ethereal Skie [ 45 ]
With hideous ruine and combustion down
To bottomless perdition, there to dwell
In Adamantine Chains and penal Fire,
Who durst defie th' Omnipotent to Arms.

(Milton: Paradise Lost, Book 1)

Wenn man auf die unterstrichenen Passagen in diesem Text klickt, wird man nicht direkt zur Erläuterung geführt, sondern vom Originaltext. Dort wird beim Anklicken der entsprechenden Passage eine Erläuterung eingeblendet.

18 Januar 2016

Michaels Kampf mit dem Drachen

 Und es erhob sich ein Streit im Himmel: Michael und seine Engel stritten mit dem Drachen; und der Drache stritt und seine Engel, 
8und siegten nicht, auch ward ihre Stätte nicht mehr gefunden im Himmel. 
Und es ward ausgeworfen der große Drache, die alte Schlange, die da heißt der Teufel und Satanas, der die ganze Welt verführt, und ward geworfen auf die Erde, und seine Engel wurden auch dahin geworfen.  (Offenbarung des Johannes Kapitel 12 Vers 7-9)

Dazu die Wikipedia unter dem Stichwort Erzengel Michael:

"Im Judentum wird Michael zusammen mit Gabriel bildhaft als Schutzengel des Volkes Israel benannt."
"Der hl. Michael wurde seit der siegreichen Schlacht auf dem Lechfeld am 10. August 955 zum Schutzpatron des Heiligen Römischen Reiches und später Deutschlands erklärt."
" Nach dem Glauben der Zeugen Jehovas ist Michael sowohl mit dem Wort Gottes (vgl. Joh 1,1) identisch als auch mitJesus. Er habe Jehova bei der Erschaffung der Welt Hilfe geleistet, später als fleischgewordener Menschensohn ein Leben ohne Sünde gelebt und sei nach dessen Opfertod in seinen ursprünglichen spirituellen Zustand zurückgekehrt."

Unter dem Stichwort Höllensturz wird die Vorstellung vom gefallenen Engel ausführlich behandelt. Ich zitiere hier nur:
 In "John Miltons epischem Gedicht Paradise Lost [...] rebellieren Satan und ein Drittel der Engel gegen Gott, nachdem dieser seinen Sohn als Herrscher eingesetzt hat. Satan und seine Verbündeten sind zu stolz, um sich der Herrschaft von Gottes Sohn unterzuordnen. Sie machen von ihrem freien Willen Gebrauch, verweigern Gott den Gehorsam und bereiten sich für einen Angriff vor. Daraufhin entbrennt ein drei Tage währender Kampf zwischen den gottestreuen Engeln und den Rebellen, an dessen Ende Gottes Sohn in Gottes Auftrag die ungehorsamen Engel aus dem Himmel vertreibt und sie in die Hölle stürzen lässt.[3] Nach dem Fall rächt sich Satan, indem er die von Gott geliebten Menschen zum Essen der verbotenen Frucht vom Baum der Erkenntnis verführt."

Unter dem Stichwort Lucifer heißt es in der Wikipedia:

"Wandlung zum Luzifer-Satan
In seiner Schrift De principiis Prooemium und in einer Homilie über das Buch XII verglich der christliche Gelehrte Origenes den Morgenstern Eosphoros-Luzifer erstmals mit dem Teufel/Satan. Im Kontext mit der im Christentum aufkommenden Engellehre vertrat Origenes die Ansicht, dass der ursprünglich mit Phaeton verwechselte Helal-Eosphoros-Luzifer, nachdem er sich Gott gleichzustellen versuchte, als himmlischer Geist in den Abgrund stürzte. Tertullian (150–230), Cyprian (um 400), Ambrosius (um 340–397) und einige andere Kirchenväter schlossen sich im Wesentlichen dieser dem hellenistischen Mythos entlehnten Auffassung an.
Hieronymus, Cyrillus von Alexandrien (412–444) und Eusebius (um 260–340) sahen demgegenüber in der Prophezeiung des Jesaja nur das mystifizierte Ende eines babylonischen Königs. Diesen irdischen Sturz eines heidnischen Königs von Babylon betrachteten sie als deutlichen Hinweis auf den himmlischen Sturz Satans.[2]

Gleichsetzung Luzifers mit dem Satan

Im Mittelalter wurde Luzifer durch die Kombination von Jesaja (14,12) (Sturz des Sohnes der Morgenröte) mit Lukas (10,18) (Sturz Satans) auch im offiziellen kirchlichen Sprachgebrauch zum Synonym für den Satan/Teufel.[3][4]"