Am aufschlussreichsten für den potenziellen Leser ist vermutlich das sehr ausführliche Inhaltsverzeichnis, das weiter unten durch 7 Fotos wiedergegeben wird. Es informiert auch über den Stil sowie die Erzählhaltung und die Annäherung an musikalische Kompositionsprinzipien, die die Rezensionen meist ansprechen.
Ich plane, dem auch Stilproben hinzuzufügen.
Nach 20 Jahren wieder entdeckt. Offenbar ein 2. Leseversuch in der Zeit nach meiner Krankheit. Ein Lesezeichen bei S.130.
Ich wunderte mich, dass ich das Taschenbuch (779 S.) damals gelesen habe (noch dazu mit kleiner, für mich jetzt relativ schwer im Bett lesbarer Schrift), als ich weniger Lesezeit hatte als heute. Erinnerte mich daran als an ein Buch aus einer interessanten Welt.
Jetzt wieder hineingesehen, verwirrend, bei Danae wieder das Gefühl einer sympathischen Person, über die ich mehr lesen will. Aber auch das Bedürfnis, die Erinnerung an das Buch festzuhalten.
1. Lektüre 2002 (Lektüretagebuch): Bis Seite 274 gelesen, etwas mehr als der erste Band und den Schluss. Auf der Rückfahrt aus Lübeck. Zu wortreich. Das, was mir als Nachahmung von Thomas Mann erscheint, vielleicht aber noch mehr von Hofmannsthal [Danae oder die Vernunftheirat - im Inhaltsverzeichnis vom Autor ausdrücklich als Inspiration genannt] beeinflusst ist, die ausführliche ridikulisierende Schilderung, mir zu penetrant, maniriert. Es erinnert mich in mancher Hinsicht an Hauffs 'Mann im Mond'. Doch für eine Parodie zu ausführlich. Da war der 'Mann im Mond' weit ergötzlicher zu lesen. Auch ist es wohl kaum als Parodie gedacht, da es (entsprechend den stark gedanklichen Passagen am Schluss) die Formalitäten des 18. Jahrhunderts zu ernst nimmt. Offenbar als Entfliehen aus der Wirklichkeit des Dritten Reiches geschrieben. Als Kritik an totalitärer Herrschaft aufgrund der Verspieltheit aber kaum zu lesen. Im wesentlichen wohl mehr nach 1945 entstanden. Dann wohl Ausweichen vor Naturalismus Borcherts, Bölls und der anderen Kahlschlag-Literatur, ohne die moralische Utopie des Glasperlenspiels übernehmen zu wollen. Realitätsflucht aus ästhetischen Gründen?
Der Blaue Kammerherr ist ein historischer Roman von Wolf von Niebelschütz, erschienen 1949.
Handlung
Der Roman spielt zu großen Teilen auf der Mittelmeerinsel Myrrha im Jahr 1732. König Alphanios ist das Opfer intriganter Minister und Finanzleute und sein Reich geht langsam, aber sicher dem Bankrott entgegen. Die Regierungsgeschäfte sind unentwirrbar verfahren, und die Großreiche Venedig und Konstantinopel beziehungsweise die ägäischen Nachbarstaaten bemühen sich eifrig, das Königtum zu annektieren. Dazu umwerben sie die Thronfolgerin, die kluge und selbständige Prinzessin Danae, den Liebling des Volkes. Die entzieht sich jedoch dem höfischen Zeremoniell und versucht allen Intrigen zu begegnen, um ihrem Land zu helfen. Schließlich weist sie sogar Göttervater Zeus zurück, der ihr als angeblicher „Kammerherr“ seine Avancen macht. Dies hat für Myrrha verheerende Folgen.
Mit unvergleichlicher Gewandtheit verbindet Niebelschütz die Mythologie der Antike mit der Galanterie des christlichen Rokokos und spannt mit einem bunten Figurenreigen aus Sagenwelt, Religion, Literatur- und Menschheitsgeschichte spielerisch den Bogen durch die Jahrhunderte bis in die Gegenwart. Niebelschütz' gewaltige Mittelmeersaga ist zugleich ein Lehrstück der Staatskunst und Gesellschaftskunde, eine Schelmengroteske von hintergründigem Humor und stilistischer Opulenz sowie ein psychologisch eindringliches Zeitgemälde, das von menschlicher Größe, Selbstbeherrschung und Leidenschaften erzählt.
Ausgaben
- Der Blaue Kammerherr. Galanter Roman in vier Bänden. Frankfurt a. M. 1949 (4 Bücher in 2 Bänden) Neuausgaben 1972 und 1980.
Weblinks
- Rezensionsnotiz bei Perlentaucher. Abgerufen am 21. Juli 2010.
Literatur
- Dominik Riedo: Wolf von Niebelschütz: Leben und Werk. Eine Biographie. Lang, Bern 2013, ISBN 978-3-0343-1346-9 (darin ein ausführliches Kapitel zum Barock-Roman)
Perlentaucher
KLAPPENTEXT
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.12.2011
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.07.2010
Die Zeit, 07.12.2000
Noch begeisterter zeigt sich Vollmann von dem zehn Jahre später erschienenen Roman "Die Kinder der Finsternis", ebenfalls einen geschichtlichen Stoff abhandelnd, diesmal im 12. Jahrhundert in der Provence angesiedelt, einem wilden und frei imaginierten Land, in dem alles und alle Phantasienamen tragen. Besonders angetan hat es Vollmann eine Stelle, die Niebelschütz` Witwe Ilse in ihrem Nachwort weiterspinnt: wie der Schriftsteller dort unten einmal eine geheimnisvolle Teilung des Wassers gesehen haben will. Diesem Geheimnis möchte Vollmann auf den Grund gehen.
Die Kinder der Finsternis, 1959 bei Diederichs? in Düsseldorf erschienen, ist Wolf von Niebelschütz' zweiter Roman. Er ist zwölften Jahrhundert angesiedelt und gilt als das dunkle Gegenstück des ersten. Wieder spielt das Buch in einem erfundenen Reich, das einer realen Region nachgebildet ist: in der mauretanischen Mark Kelgurien, die provenzalische Züge trägt.
Protagonist ist der Schäferjunge Barral, der als Einziger das Massaker eines moslemischen Heeres in seinem Heimatdorf überlebt. Von da an beginnt er um Macht und Einfluss zu kämpfen, steigt zum Grafen, zum Herzog und sogar zum Freund des Kaisers auf. Sogar die Liebe der schönen Markgrafentochter Judith gewinnt er. Doch je größer sein Erfolg, desto schwieriger fällt es ihm, sich selbst und seinen Idealen treu zu bleiben ...
Kriege und Seuchen, Inquisitionsprozesse, Turniere, Hungersnöte und eine mitunter jähzornige Lebensfreude - das sind die Zutaten, die Wolf von Niebelschütz in diesem Werk verarbeitet. Es gilt längst als Klassiker. Geradezu trunken, so jubelten die Kritiker, erlebe man als Leser diese wilde Zeit.