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28 Mai 2012

Heil ist unserm Haus begegnet ...


›Heil ist unserm Haus begegnet,
Und ein Brautpaar kommt gefahren,
Herr, ich bring Euch Eure Kinder!‹
Keiner soll den Tag vergessen!
Zur Erinnrung soll der Kater
Hiddigeigei eine echte
Italien'sche Rauchwurst fressen,
Und zum ewigen Gedächtnis
Muß der Herr Schulmeister mir ein
Feingedrechselt Lied verfert'gen,
's kommt mir nicht drauf an, es darf selbst
Zwei Brabanter Taler kosten.
Und am Schlusse muß es heißen:
    ›Liebe und Trompetenblasen
    Nützen zu viel guten Dingen,
    Liebe und Trompetenblasen,
    Selbst ein adlig Weib erringen;
    Liebe und Trompetenblasen,
    Mög' es jedem so gelingen,
    Wie dem Herrn Trompeter Werner
    An dem Rheine zu Säkkingen!«

(V. v. Scheffel: Trompeter von Säckingen, Schluss)

Der Trompeter wird nach zunächst erfolgloser Werbung in Italien vom Papst geadelt und kann nun seine Geliebte heiraten. Das Motiv der Liebe über Standesgrenzen hinweg wurde in der Literatur des 19. Jahrhunderts sonst weniger sentimental verarbeitet (vgl. u.a. Hebbel: Agnes Bernauer (1851) und Fontane: Irrungen, Wirrungen, 1888)



27 Mai 2012

Behüt' dich Gott! es wär' zu schön gewesen


Das ist im Leben häßlich eingerichtet,
Daß bei den Rosen gleich die Dornen stehn,
Und was das arme Herz auch sehnt und dichtet,
Zum Schlusse kommt das Voneinandergehn.
In deinen Augen hab' ich einst gelesen,
Es blitzte drin von Lieb' und Glück ein Schein:
    Behüt' dich Gott! es wär' zu schön gewesen,
    Behüt' dich Gott, es hat nicht sollen sein! –

Leid, Neid und Haß, auch ich hab' sie empfunden,
Ein sturmgeprüfter müder Wandersmann.
Ich träumt' von Frieden dann und stillen Stunden,
Da führte mich der Weg zu dir hinan.
In deinen Armen wollt' ich ganz genesen,
Zum Danke dir mein junges Leben weihn:
    Behüt' dich Gott! es wär' zu schön gewesen,
    Behüt' dich Gott, es hat nicht sollen sein! –

Die Wolken fliehn, der Wind saust durch die Blätter,
Ein Regenschauer zieht durch Wald und Feld,
Zum Abschiednehmen just das rechte Wetter,
Grau wie der Himmel steht vor mir die Welt.
Doch wend' es sich zum Guten oder Bösen,
Du schlanke Maid, in Treuen denk' ich dein!
    Behüt' dich Gott! es wär' zu schön gewesen,
    Behüt' dich Gott, es hat nicht sollen sein! –

(Viktor von Scheffel: Der Trompeter von Säckingen, Jung Werners Lieder XII)


Heinz Hoppe mit dem Trompeterlied aus der Oper "Trompeter von Säckingen", 1884, von Victor Ernst Nessler

Alt Heidelberg, du feine


Auf des ries'gen Ofens Bänklein
Setzt' er sich, es war belegt mit
Platten von glasiertem Tone,
Ihm entstrahlt anmut'ge Wärme.
Und der Pfarrherr winkt ihm, daß er
Sonder Scheu die Füße strecke.
Dies zwar tat er nicht, doch schlürft' er
Einen Schluck des roten Weines
Und begann drauf zu erzählen:
»Der hier sitzt, heißt Werner Kirchhof,
In der Pfalz ist meine Heimat,
In der Pfalz, zu Heidelberg.

      ›Alt Heidelberg, du feine,
      Du Stadt an Ehren reich,
      Am Neckar und am Rheine
      Kein' andre kommt dir gleich.

      Stadt fröhlicher Gesellen,
      An Weisheit schwer und Wein,
      Klar ziehn des Stromes Wellen,
      Blauäuglein blitzen drein.

      Und kommt aus lindem Süden
      Der Frühling übers Land,
      So webt er dir aus Blüten
      Ein schimmernd Brautgewand.

      Auch mir stehst du geschrieben
      Ins Herz gleich einer Braut,
      Es klingt wie junges Lieben
      Dein Name mir so traut.

      Und stechen mich die Dornen,
      Und wird mir's drauß zu kahl,
      Geb' ich dem Roß die Spornen
      Und reit' ins Neckartal.‹

Dort am Neckar hab' den süßen
Traum der Kindheit ich geträumt,
Bin auch in der Schul' gesessen,
Hab' Latein gelernt und Griechisch,
Und ein immerdurst'ger Spielmann
Lehrt' mich früh Trompete blasen.

(V. v. Scheffel: Trompeter von Säckingen, Kapitel 6)
(als Marschlied bei Youtube) [vgl. damit Hölderlins "kunstlos Lied"]

Wilhelm Meyer-Förster hat den Titel dieses Gedichts als Titel seines Schauspiels Alt-Heidelberg (1901) genutzt, in das er seinen Roman "Karl Heinrich" umgearbeitete. Nach dem Schauspiel wurde 1924 die Broadway-Operette The Student Prince geschrieben, die 1927 als Film Old Heidelberg herauskam. Hier ist das Motiv der Standesgrenze anders verwendet: Der Prinz verliebt sich als Student in die Kellnerin, muss dann aber auf sie verzichten, damit er den Thron seines kleinen Fürstentums besteigen kann.
Das Schauspiel, das Brecht ein "Saustück" nannte, wurde  in Japan zur Meiji-Zeit Pflichtlektüre der Deutschstudenten. (sieh: Wikipedia)

Der Trompeter von Säckingen

Ab vom Strande stieß jung Werner.
Wie ein Roß, das lang verschlossen
In dem Stall, sich freudig aufbäumt,
Freudig wiehernd, daß es seinen
Herrn ins Weite tragen darf,
So sprang keck und windschnell auf dem
Glatten Wasserpfad das Schifflein;
Sprang in hellem Lauf vorüber
An des Städtleins Mauerzinnen,
Sprang hinab zur alten Rheinbrück,
Die die holzverdeckten Bogen
Kühn zum andern Ufer spannt.
Unterm dritten Pfeiler steuert'
Mutig durch der junge Schiffsmann,
Lachend als zum Schabernack den
Kahn der Strudel wirbelnd packte,
Dreimal hob und dreimal senkte.
Bald erschaute er des Schlosses
Hohe Giebel, Erkertürme
Mondumschienen, durch des Gartens
Mächtige Kastanien glänzen,
Gegenüber ragte niedrig
Aus den Fluten eine Kiesbank –
Unbewachsen – oftmals gänzlich
Überflutet sie die Strömung,
Scherzend heißt der Mann im Rheintal
Sie den Acker Fridolini.
Dorthin trieb der schwanke Kahn jetzt.
Dorten hielt er – auf den spitzen
Kieselboden sprang jung Werner,
Und die Blicke hielten Umschau,
Fragend, ob er Sie erspähe.
Nichts erschaut' er – als im fernen
Erkerturm ein fernes Lichtlein;
Aber dies schon war genug ihm.
O wie oft erquickt im Leben
Mächt'ger uns ein ferner Schein, als
Reiche Fülle des Besitzes,
Und es gönnet ihm das Lied drum
Seine Freud', aus Rheines Mitten
Aufzuschauen nach dem Lichtlein.
Vor dem traumumflorten Blicke
Lag ein neues reiches Leben,
Sonn' nicht glänzt, nicht Sterne drinnen,
Nur das eine kleine Lichtlein,
Und vom Turm, worin es brannte,
Kam mit leisem Flügelschlag die
Lieb' zu ihm herabgerauschet
Und saß bei ihm auf der Kiesbank,
Auf dem Acker Fridolini.
Und sie reicht' ihm die Trompete,
Die auch hieher ihn begleitet,
Und sprach: Blase, blase, blase!
 Also blies er, und sein Blasen
Zog melodisch durch die Nacht hin.
 Lauschend hört's der Rhein im Grunde,
 Lauschend Hecht und Lachsforelle,
Lauschend auch die Wasserfrauen,
Und der Nordwind trug die Klänge
Sorgsam auf zum Herrenschloß.

(Viktor von Scheffel: Der Trompeter von Säckingen, Kapitel 8, 1854)


Der Tompeter von Säckingen war zeitweise eines von Deutschlands meistgelesenen Werken und wurde 1921 in der 322. Auflage verkauft. (vgl. Webseite Der Trompeter von Säckingen)
Es ist beeinflusst von Heines Versepen und teilt die Eigenschaften Verserzählung und Liebesgeschichte am Rhein(wasser) mit Mörikes Idylle vom Bodensee von 1846. 
Ihren Erfolg verdankt die Verserzählung nicht nur dem frischen Ton, sondern auch der Mischung von Nationalstolz und Ablehnung von Buchgelehrsamkeit. Insofern besteht eine - entfernte - Verwandtschaft mit der Ideologie der Jugendbewegung. Freilich, seine Anhänger hatte Scheffels Werk ja gerade bei den traditionell-nationalistischen Kleinbürgern, aus deren bürgerlicher Enge die "Bachanten" der Jugendbewegung sich befreien wollten.
Scheffel greift bei seiner Erzählung auf einen in Säckingen verbürgten Fall der erfolgreichen Liebe eines Bürgersohns zu einer Adligen zurück.
Der Säckinger Bürger Franz Werner Kirchhofer (1633 - 1690)  heiratete um 1657 Maria Ursula von Schönau gegen den Widerstand der Familie.


Für die, die es interessiert, das Wort über Schiller als "Moraltrompeter von Säckingen" stammt von Nietzsche.

Episteln aus Säckingen

Seit Mittwoch sitze ich nun »festgemauert in der Erden« d. h. in meiner Amtsstube, und helfe mit an der Weltverbesserung durch Vermehrung der Akten-Fascikel, und wenn mir hie und da ein Skrupel kommt, so denke ich an das alte Lied:
Vorm Schreiber muss sich biegen
Oft mancher stolze Held
Und in den Winkel schmiegen,
Ob's ihm gleich nicht gefällt.
und schreibe wieder weiter im Gefühl meiner Würde, dass die Feder knarrt und das Papier rauscht und braust. In diesen Mittelpunkt meines hiesigen Lebens, in diese Schreibstube, wo alle Wurzeln meiner Kraft liegen, muss ich euch aber noch des nähern einführen.
(Viktor von Scheffel: Säckinger Episteln) [Säckingen]