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31 Januar 2026

Eugen Ruge: Metropol

 

Klappentext

Moskau, 1936. Die deutsche Kommunistin Charlotte ist der Verfolgung durch die Nationalsozialisten gerade noch entkommen. Im Spätsommer bricht sie mit ihrem Mann und der jungen Britin Jill auf zu einer mehrwöchigen Reise durch die neue Heimat Sowjetunion. Die Hitze ist überwältigend, Stalins Strände sind schmal und steinig und die Reisenden bald beherrscht von einer Spannung, die beinahe körperlich greifbar wird. Es verbindet sie mehr, als sich auf den ersten Blick erschließt: Sie sind Mitarbeiter des Nachrichtendienstes der Komintern, wo Kommunisten aller Länder beschäftigt sind. Umso schwerer wiegt, dass unter den "Volksfeinden", denen gerade in Moskau der Prozess gemacht wird, einer ist, den Lotte besser kennt, als ihr lieb sein kann. "Metropol" folgt drei Menschen auf dem schmalen Grat zwischen Überzeugung und Wissen, Loyalität und Gehorsam, Verdächtigung und Verrat. Ungeheuerlich ist der politische Terror der 1930er Jahre, aber mehr noch: was Menschen zu glauben imstande sind. "Die wahrscheinlichen Details sind erfunden", schreibt Eugen Ruge, "die unwahrscheinlichsten aber sind wahr." Und die Frau mit dem Decknamen Lotte Germaine, die am Ende jenes Sommers im berühmten Hotel Metropol einem ungewissen Schicksal entgegensieht, war seine Großmutter.

Rezensionen

Zitat aus den Rezensionen:

"Dieser Roman trägt nach, was Eugen Ruge in seinem preisgekrönten Mehrgenerationenroman "In Zeiten des abnehmenden Lichts" aussparen musste, erklärt Rezensent Christoph Bartmann. Aus den Daten in der Kaderakte zu seiner Großmutter Charlotte, gemischt mit seiner Fantasie, hat Ruge ein fast schon "süffiges" Buch gemacht, vor allem weil er das Private so detailliert schildert, lobt der Kritiker. Das reale Moskauer Hotel Metropol mit den dorthin verfrachteten ehemaligen OMS-Mitarbeitern, zu denen auch Ruges Großeltern zählen, wird dabei zum Schauplatz für das Oszillieren des Paares "zwischen Lebenslust und Todesangst", denn vielleicht werden die beiden treu zu Stalin stehenden jeden Moment abgeholt - schließlich wurden sie denunziert und die Säuberungen machen schon lange nicht mehr vor den Treuen halt. [...]" (Süddeutsche Zeitung, 15.10.2019)

"[...] Gebannt folgt der Kritiker Ruges emigrierten Großeltern durch ihre Moskauer Jahre, erlebt aus drei Perspektiven den stalinistischen Terror, bangt mit dem Großelternpaar 477 Tage im Hotel Metropol, wo die beiden Mitarbeiter des OMS wegen Verstößen gegen die Parteilinie einsitzen und trifft in "somnambulen" Nächten nicht nur Lion Feuchtwanger, der nebenan übernachtet, sondern erinnert sich mit Ruges Helden auch an die "kommunistische Kampfzeit" in der Weimarer Republik. [...]" (Alexander Cammann, Die Zeit, 30.10.2019)

09 April 2012

Eugen Ruge: In Zeiten des abnehmenden Lichts

Wir erfahren mehr über das Rezept von Irinas Burgundergans und darüber, wie man sich  in Zeiten der DDR mühen musste, die dafür notwendigen Zutaten zu besorgen, als über die Lebensleistung der männlichen Helden Wilhelm, Kurt (für ihn lieferte Eugen Ruges Vater Wolfgang Ruge das Vorbild) und Alexander Umnitzer.
Und das, obwohl wir die Geburtstagsfeier des 90-jährigen Wilhelm, bei der über seine Leistungen berichtet wird, sogar fünfmal erleben. Zu dröge und verlogen ist der Bericht, zu unterschiedlich die Interessen der Zuhörer, als dass die fünf verschiedenen Personen, aus deren Sicht über die Feier berichtet wird, so recht etwas mit dem Bericht anfangen könnten, das der Leser für seine Information nutzen könnte.

Damit ist auch das Bauprinzip des Romans angedeutet. Fünf Berichte aus dem Jahr 2001, je einer von 1952, 1959, 1961, 1966, 1973, 1976, 1979, 1991 und 1995 aus der Sicht von acht verschiedenen Personen werfen Licht auf vier Generationen einer Familie und verschiedene Phasen der DDR-Geschichte. Doch was mich am meisten interessiert hat, ist der Blick auf das Verhältnis der Ehepartner und der verschiedenen Generationen im Umgang miteinander und ihre Auseinandersetzung mit dem Älterwerden.

Eugen Ruge selbst wollte - laut Interview - seine Familiengeschichte erzählen und bei der Gelegenheit - sekundär - auch etwas DDR-Leben möglichst neutral dokumentieren.
Eugen Ruge: In Zeiten des abnehmenden Lichts (Wikipedia) (Film)
Wolfgang Ruge: Gelobtes Land. Meine Jahre in Stalins Sowjetunion

Eugen Ruge spricht über seinen Roman und liest drei kurze Passagen daraus vor.
Recht kritische Rezension. Die DDR werde darin zu negativ gesehen.