In der Studentenbewegung 1968 und auch gegenwärtig wurde und wird der Faschismusbegriff so inflationär verwendet, dass er seine inhaltliche Bedeutung verliert. Bei Stanley wird er auch ausgeweitet, aber doch bei der Bezeichnung "faschistische Politik", so beschrieben, dass er mir trennscharf verwendbar erscheint. Daher möchte ich schon bevor ich das Buch "Wie Faschismus funktioniert" gelesen habe, darauf hinweisen.
Dazu die KI Gemini:
"In seinem Buch „Wie Faschismus funktioniert“ (Original: How Fascism Works: The Politics of Us and Them, 2018) analysiert der US-amerikanische Philosoph Jason Stanley, wie rechtspopulistische und autoritäre Bewegungen demokratische Strukturen untergraben. Sein zentrales Argument ist, dass ein Land kein vollendeter faschistischer Staat sein muss, um unter faschistischer Politik zu leiden.
Stanley geht es nicht um historische Detailstudien zu Hitler oder Mussolini, sondern um eine Früherkennung von Taktiken, die das Denken einer Gesellschaft schleichend verändern und normalisieren.
Das Buch ist entlang von zehn Säulen (Taktiken) strukturiert, die faschistische Bewegungen nutzen, um an die Macht zu gelangen und diese zu sichern:
Die 10 Säulen der faschistischen Politik
Die mythische Vergangenheit (The Mythic Past)
Faschistische Bewegungen glorifizieren eine rein erfundene oder stark idealisierte Vergangenheit, in der die eigene Nation angeblich rein, stark und erfolgreich war (z. B. Trumps „Make America Great Again“).
Diese Vergangenheit dient als utopischer Maßstab, um die Gegenwart als „verdorben“ darzustellen. Propaganda (Propaganda)
Hierbei wird die Sprache der Demokratie gekapert, um sie von innen heraus zu zerstören. Korrupte Absichten werden als hehre Ziele getarnt: Ein systematischer Abbau von Rechten wird beispielsweise als „Kampf für die Freiheit“ oder „Wiederherstellung der Ordnung“ inszeniert.
Anti-Intellektualismus (Anti-Intellectual)
Bildungseinrichtungen, Universitäten und Experten werden gezielt attackiert und als „ideologisierte Eliten“ delegitimiert.
Wissenschaftliche Erkenntnisse (wie zum Klimawandel oder zu Gender-Studies) werden als politische Angriffe („Kulturmarxismus“) verunglimpft, um das Vertrauen in Fakten zu zerstören. Unwirklichkeit (Unreality)
Fakten werden durch alternative Realitäten, Fake News und Verschwörungstheorien ersetzt.
Wenn die Bürger keine gemeinsame, auf Fakten basierende Realität mehr teilen, bricht der vernünftige demokratische Diskurs zusammen. Macht entscheidet dann darüber, was als wahr gilt. Hierarchie (Hierarchy)
Der Faschismus lehnt das demokratische Ideal der Gleichheit aller Menschen ab.
Stattdessen wird eine vermeintlich „natürliche“ Hierarchie gepredigt, in der die eigene Gruppe (sei es durch Ethnie, Religion oder Kultur) biologisch oder historisch überlegen ist. Opferrolle (Victimhood)
Obwohl die dominante Gruppe die Macht im Staat besitzt, inszeniert sie sich als das „wahre Opfer“.
Gleichberechtigung von Minderheiten wird als „Unterdrückung“ oder „Rassismus gegen die Mehrheit“ umgedeutet. Man behauptet, die eigene Kultur stehe kurz vor der Auslöschung. Recht und Ordnung (Law and Order)
Diese Rhetorik teilt die Welt in zwei Gruppen: das „von Natur aus gesetzestreue Wir“ und die „von Natur aus kriminellen Anderen“.
Als kriminell gelten oft Minderheiten, politische Gegner oder Migranten. „Recht und Ordnung“ dient hier nicht der Gerechtigkeit, sondern der Unterdrückung der „Anderen“. Sexuelle Ängste (Sexual Anxiety)
Faschistische Politik schürt die Angst, dass die Frauen und Kinder der Eigengruppe durch die (oft als triebhaft dargestellten) Fremden bedroht seien. Gleichzeitig wird das Patriarchat gestärkt: Die Rolle des Mannes als starker „Beschützer“ wird verabsolutiert, während Abweichungen von traditionellen Geschlechterrollen als Schwächung der Nation gelten.
Sodom und Gomorrah (Appeals to the Heartland)
Es wird eine Spaltung zwischen Stadt und Land heraufbeschworen. Das ländliche Leben wird als rein, fleißig, gläubig und als das „wahre Herz der Nation“ idealisiert.
Städte hingegen werden als Orte der moralischen Dekadenz, Korruption und der Überfremdung gebrandmarkt. „Arbeit macht frei“ (Dismantling of Welfare)
Der Titel dieses Kapitels spielt bewusst auf die zynische Parole an den Toren der Konzentrationslager an. Stanley beschreibt damit die Taktik, die eigene Gruppe als „hart arbeitend“ und Minderheiten oder Geflüchtete als „faul“ darzustellen, die das Sozialsystem ausnutzen. Dies dient dazu, die soziale Solidarität zu zerbrechen und den Sozialstaat abzubauen.
Stanleys Fazit und Warnung
Stanley betont, dass das Vorhandensein einzelner dieser Merkmale ein Land noch nicht in eine Diktatur verwandelt. Die eigentliche Gefahr liegt in der schleichenden Normalisierung. Wenn faschistische Rhetorik im alltäglichen politischen Diskurs akzeptiert wird, verschieben sich die Grenzen des Sagbaren.
Sein Buch ist ein Plädoyer für Wachsamkeit: Demokratien sterben heute oft nicht mehr durch einen plötzlichen Militärputsch, sondern dadurch, dass ihre Bürger Schritt für Schritt die Werkzeuge der Aufklärung, der Wahrheit und der Toleranz aufgeben."
Jürgen Kocka: Zur Kritik an der Ausweitung des Faschismusbegriffs:
Zugleich hat die Warnung vor rechtsextremer Politik dieselbe Stoßrichtung.
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