Das Buch "Maria Magdalena" habe ich durchgelesen (parallel zu Margaret Atwoods: "Der Report der Magd").
Beiden gemeinsam ist die Perspektive aus der Sicht der Frau. Bei Fredriksson ist Jesus derjenige, der alle versteht, zu ihr aber ein besonderes Verhältnis hat, weil sie eine Frau ist, alle anderen Anhänger Jesu, die dort eine Rolle im Christentum spielen, sind Juden und Männer. Dagegen ist ihr Mann, Leonidas, ein Grieche, römischer Soldat und wird von Jesus (wie alle Menschen) fraglos anerkannt, er brauche keine Religion, in deren Namen er missionieren muss. Ähnlich bei dem Rabbi, der Jesus versteht und zu jüdischen Gesetzen einen Abstand hat. Von den Juden ist Magdalena die einzige, die keine Religion braucht, um ihre Beziehung zu Jesus zu beweisen, sie hat eine Sonderbeziehung zu ihm.Euphrosyne wird wie alle Menschen von Jesus anerkannt, das unterscheidet sie aber von den jüdischen Männern, weil sie aufgrund ihrer Berufstätigkeit von Juden nicht vorurteilsfrei gesehen wird. Diese Männer brauchen eine eigene Religion, um sich als von Jesus anerkannt sehen zu können, und fühlen sich auch in dieser Rolle noch als minder anerkannt als Magdalena.Natürlich ist die Rolle von Petrus und Paulus differenziert gesehen; aber Paulus als Heidenmissionar wird das Odium eines Religionsgründers nicht los, während Petrus der übliche Macho ist, der sich immer als etwas Besseres fühlen muss. Paulus lässt ausgewählte Aussagen Jesu notieren, wenn sie in sein Bild der Jesusreligion passen.Die Frauen wollen die weibliche Sicht auf Jesus dokumentieren.Du merkst, dass ich in meiner Darstellung eine gewisse Distanz zu den verschiedenen Sichtweisen von Jesus habe.Das liegt daran, dass die weibliche Sicht als die richtige Sicht dargestellt wird und die männliche als falsch. Da sie die Sichtweise ist, die mehr unserem Modernen Verständnis entspricht, passt das einerseits, aber andererseits wird auch hier eine Art Rangordnung in der Nähe zu Jesus geschaffen, so wie im Glaubensbekenntnis die Nähe Jesu zu Gott durch sitzend "zur Rechten Gottes" hervorgehoben wird. Man fragt sich: "Wo sitzt der Heilige Geist?" Zwar gibt es eine Dreieinigkeit, aber trotzdem ist der, der zur Rechten sitzt, irgendwie hervorgehoben?Petrus und Paulus fühlen beide, dass Jesus Magdalena ihnen vorgezogen habe (irgendwie gilt das ja offenbar auch von Johannes). Und das, obwohl Jesus doch alle Menschen gleich anerkannt habe.Sympathisch also das "Macht keine Gesetze ..." (in meiner Ausgabe auf S.241 als Hauptaussage betont); aber irgendwie steckt doch eine Art Wertung darin.Beim Report der Magd geht es auch primär um die Sicht der Frau, weil sie dort besonders in ihrer Selbstentfaltung beschnitten scheint. Aber das ist noch ein anderes Kapitel.Zum Schluss: Mit haben bei der Lektüre von Fredriksson wiederholt die Tränen in den Augen gestanden, weil so vieles so treffend geschildert wird. Als abstrakte Gesamtaussage scheint es mir zwar etwas problematisch. Doch es war eine schöne christliche Sicht auf die Weihnachtsbotschaft, wie man sie in diesen Tagen brauchen kann.
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