19 Februar 2024

Edward Snowden: Permanent Record. Meine Geschichte

Edward SnowdenPermanent Record. Meine Geschichte, Fischer, 2019  (jeweils Wikipedialinks)

Perlentaucher 

Zitate:

Ich hatte mir wenig Gedanken darüber gemacht, was / ich tun würde, wenn das Spiel vorbei war, vor allem, weil ich kaum mit einem guten Ausgang gerechnet hatte. Mir war nur wichtig gewesen, der Welt die Fakten zu präsentieren, und ich hatte die Vorstellung, wenn ich die Dokumente in die Öffentlichkeit brächte, würde ich auch mich selbst dem Urteil der Öffentlichkeit unterstellen, mich damit mehr oder weniger dem Urteil der Öffentlichkeit ausliefern. Es dürfte nicht nur eine einzige Ausstiegsstrategie geben, denn jeder Schritt, den ich als nächsten geplant hätte, hätte den Erfolg der Aktion gefährden können. [...]

Das Haupthindernis für ein gerechtes Verfahren war eine gravierende Lücke im Gesetz, die die Regierung bewusst herbeigeführt hatte. Jemand in meiner Position dürfte vor Gericht gar nicht erst geltend machen, dass die Enthüllungen gegenüber dem Journalisten dem Allgemeinwohl dienten. Selbst heute, Jahre später, dürfte ich nicht vorbringen, dass meine Enthüllungen den Kongress veranlasst hätten, gewisse Gesetze zur Überwachung zu ändern, oder die Gerichte davon überzeugt hätten, ein bestimmtes Massenüberwachungsprogramm für illegal zu erklären, oder den Justizminister und den Präsidenten der Vereinigten Staaten dazu gebracht hätten einzuräumen, dass die Diskussion über Massenüberwachung für die Öffentlichkeit von zentraler Bedeutung sei und das Land letztlich stärker machen würde. All diese Einwände würden nicht nur / als irrelevant angesehen, sondern in dem Gerichtsverfahren, das mich zu Hause erwarten würde, gar nicht erst zugelassen. Meine Regierung müsste vor Gericht einzig und allein beweisen, dass ich Journalisten geheime Informationen verraten hatte, und dieser Sachverhalt war unstrittig." (Permanent Record, S.369-371)

"In Begleitung von Sarah Harrison von WikiLeaks versuchte Snowden, nach Ecuador zu reisen, um dort politisches Asyl zu suchen. Sie planten über Moskau nach Havanna, von dort nach Caracas, um dann nach Quito, Ecuador, zu fliegen, da sie nicht direkt von Hongkong aus fliegen konnten und alle anderen Anschlussflüge durch den Luftraum der Vereinigten Staaten reisten. Sie kamen am 23. Juni am Flughafen Moskau-Scheremetjewo an, wurden aber von einem Mann des russischen Geheimdienstes (FSB) abgefangen und befragt. Der Mann bat Snowden, für sie zu arbeiten, doch Snowden lehnte das Angebot ab und sagte, er habe nicht die Absicht, in Russland zu bleiben. Der Mann informierte Snowden, dass das US-Außenministerium seinen Pass annulliert hatte. Er fuhr fort, Snowden zu bitten, Informationen mit ihnen zu teilen, aber er lehnte ab. Snowden war vierzig Tage in Sheremetyevo inhaftiert. Während dieser Zeit beantragte er in siebenundzwanzig Ländern politisches Asyl, aber keines bot es an. Am 1. August gewährte die russische Regierung Snowden vorübergehend Asyl.

Das vorletzte 28. Kapitel des Buches besteht aus Einträgen aus Lindsay Mills Tagebuch aus dem Jahr 2013. Snowden erklärte, dass niemand außer ihr die Erfahrung oder das Recht hatte, diese Zeit ihres Lebens zu erzählen: „Die FBI-Verhöre, die Überwachung, die Aufmerksamkeit der Presse, die Online-Belästigung, die Verwirrung und der Schmerz, die Wut und die Traurigkeit.“[3]

Im letzten Kapitel, „Liebe und Exil“, äußert Snowden seine Gedanken zu den Auswirkungen seiner Enthüllungen, einschließlich des Gerichtsverfahrens  ACLU v. Clapper und der EU-Datenschutzverordnung, sowie zu seinen Hoffnungen auf die Zukunft von Technologie und Datenschutz. Er diskutiert auch, wie er sich mit Lindsay an das Leben in Moskau gewöhnen kann. Zum Schluss verrät Snowden, dass er und Lindsay 2017 geheiratet haben."



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