07 Juni 2026

Adelbert von Chamisso

 Adelbert von Chamisso

Ich bilde mir nicht ein, einem Mann wie Chamisso gerecht zu werden, wenn ich hier au ihn hinweise. Es geht mir nur darum, dem Buch gerecht zu werden, das ich in einem öffentlichen Bücherregal fand und dem Projekt Gutenberg, in dessen Sinne ich nur bei Wikisource   arbeiten konnte. Das versuche ich dadurch, dass ich die Angebote für mich nutze und das, was ich dabei erfahre, öffentlich anbiete.

Chamisso, deutscher Dichter mit französischer Muttersprache und Naturforscher von Rang, beides wohl nur durch die Verbindungen, die er aufgrund seiner Herkunft auch als Flüchtling nutzen konnte und - freilich - seiner Begabung und seines Ehrgeizes. 

Peter Schlemihls wundersame Geschichte (1814)  Das Riesenspielzeug (1831)

Chamisso über seinen Schlemihl (An Hitzig Cunersdorf, Spätherbst 1813).

"»Dieses zur Erinnerung, daß Du einen Freund in Cunersdorf hast, dem Du eben nicht sehr oft schreibst. Es ist eine ganz fatale Empfindung, wenn alle Tage der Postbote einläuft, und die Austheilung der Briefe im Salon geschieht und für einen Jeden etwas da ist, und für den Herrn von Chamisso – nischt niche!

... Ich kratze immer an meinem ›Schlagschatten‹, und wenn ich's Dir gestehen muß, lache und fürchte ich mich manchmal darüber, so wie ich daran schreibe; – wenn die anderen nur für mich nicht darüber gähnen. Mein viel gefürchtetes viertes Kapitel habe habe ich mir, nach vielem Kauen, gestern aus einem Stücke, wie eine Offenbarung, aus der Seele geschnitten und heute abgeschrieben. Es ist auch schon eher Morgen als Nacht, darum ade. Das Blitz-Prosa-schreiben wird mir ungeheuer sauer, mein Brouillon sieht toller aus als alle Verse, die ich je gemacht.«
Bald nach diesem Briefe scheint Chamisso nach Berlin zurückgekehrt zu sein. Es wird zwar in Cunersdorf erzählt, er habe sich zunächst nach Nennhausen hin, zu Fouqué, auf den Weg gemacht, um diesem seinen Schlemihl vorzulesen; es liegen aber doch wohl Monate dazwischen, da, wie wir aus dem letztzitierten Briefe ersehen, bis etwa Mitte Oktober erst vier Kapitel von elf beendigt waren. Übrigens stand Fouqué damals auch wohl im Felde."

Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Das Oderland. Das Oderbruch und seine UmgebungenCunersdorf.Graf und Gräfin Itzenplitz. Chamisso in Cunersdorf, S.164-166

Aus Chamissos Einleitung seiner Reise um die Welt (sieh auch: Rurik-Expedition)"

[...] Aus einem alten Hause entsprossen, ward ich auf dem Schlosse zu Boncourt in der Champagne im Januar 1781 geboren. Die Auswanderung des französischen Adels entführte mich schon im Jahre 1790 dem Mutterboden. Die Erinnerungen meiner Kindheit sind für mich ein lehrreiches Buch, worin meinem geschärften Blicke jene leidenschaftlich erregte Zeit vorliegt. [...] 

So stand ich in den Jahren, wo der Knabe zum Manne heranreift, allein, durchaus ohne Erziehung; ich hatte nie eine Schule ernstlich besucht. Ich machte Verse, erst französische, später deutsche. Ich schrieb im Jahre 1803 den »Faust«, den ich aus dankbarer Erinnerung in meine Gedichte aufgenommen habe. Dieser fast knabenhafte metaphysisch-poetische Versuch brachte mich zufällig einem andern Jünglinge nah, der sich gleich mir im Dichten versuchte, K. A. Varnhagen von Ense. Wir verbrüderten uns, und so entstand unreiferweise der »Musenalmanach auf das Jahr 1804«, der, weil kein Buchhändler den Verlag übernehmen wollte, auf meine Kosten herauskam. Diese Unbesonnenheit, die ich nicht bereuen kann, ward zu einem segensreichen Wendepunkte meines Lebens. [...]

Aus Chamissos Bericht über die Weltreise:

Kapitel 4: Vorfreude. Reise über Hamburg nach Kopenhagen

 "[...] Der Hausknecht, der seinen Herrn so freundlich vertraut mit mir umgehen sah und mich beim Globus von weiten Reisen erzählen hörte, fragte einen der Kommis, wer denn der schwarze ausländische Herr sei, für den er manche Gänge zu besorgen gehabt. – »Weißt du das nicht?« antwortete ihm jener; »es ist Mungo Park.« Und froh und stolz, wie ein Zeitungsblatt, das einmal eine große Nachricht auszuposaunen hat, lief der literarische Zwischenträger seine Gänge durch die Stadt, jeden, den er kannte, anhaltend, um ihm mitzuteilen, Mungo Park sei nicht umgekommen; er sei da, er sei bei seinem Herrn, er sehe so und so aus und erzähle viel von seinen Reisen. – Nun kamen einzeln und scharenweise die guten Hamburger zu Perthes in den Laden gelaufen und wollten Mungo Park sehen. – Im »Schlemihl«, und zwar im vierten Abschnitt, steht geschrieben: »Muß ich's bekennen? es schmeichelte mir doch, sei es auch nur so, für das verehrte Haupt angesehen worden zu sein.« [...]"


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