Adelbert von Chamissos berühmter Reisebericht „Reise um die Welt in den Jahren 1815–1818“ (veröffentlicht im Jahr 1836) ist das Ergebnis seiner Teilnahme an der russischen Rurik-Expedition unter der Leitung von Otto von Kotzebue.
Wikipedia: "Die russische Rurik-Expedition (veraltet Rurick-Expedition) war eine Weltumsegelung, die vom 30. Juli 1815 bis zum 3. August 1818 unter dem Kommando von Otto von Kotzebue stattfand und zur Entdeckung und Erkundung der Nordwestpassage dienen sollte. Die Expedition des Kriegsschiffes Rurik (russisch Рюрик) wurde durch den russischen Grafen Nikolai Petrowitsch Rumjanzew (russisch Никола́й Румянцев) ausgerüstet und finanziert. Sie fand mit wohlwollender Unterstützung des Zaren Alexander I. statt. Aufgrund widriger Wetterbedingungen erreichte sie ihr Ziel jedoch nicht und kehrte früher als geplant zurück. Die historische Bedeutung der Expedition liegt in den zahlreichen Neuentdeckungen entlang der gesamten Route sowie den menschlichen und kulturellen Erfahrungen, welche die Besatzung von dieser dreijährigen Reise mitbrachte.
Die Teilnehmer:
Neben den drei Untersteuerleuten Chramtschenko, Petrow und Koniew, zwei Unteroffizieren, einem Koch und 20 Matrosen nahmen folgende Personen an der Expedition teil:
- Otto Jewstafjewitsch von Kotzebue (1787–1846), Leutnant der kaiserlich-russischen Kriegsmarine, Kapitän der Rurik und Leiter der Expedition.
- Johann Friedrich Eschscholtz (1793–1831), Schiffsarzt und Naturforscher
- Adelbert von Chamisso (1781–1838), Naturforscher (Titulargelehrter), Verfasser des Tagebuchs Reise um die Welt in den Jahren 1815–1818
- Ludwig Choris (1795–1828), Zeichner (stand auch den Naturforschern zur Dokumentation zur Verfügung)
- Morten Wormskjold (1783–1845), freiwilliger Naturforscher (ging in Petropawlowsk-Kamtschatski von Bord)
- Gleb Simonowitsch Schischmarew, Erster Leutnant
- Iwan Jakowlewitsch Sacharin, Zweiter Leutnant
- Wassili Stepanowitsch Chromtschenko, Steuermann-Assistent
Im Laufe der Reise gingen zeitweise folgende Personen an Bord:
- 17. August 1815: Lotse für die Fahrt im Kanal und nach Plymouth.
- 1. Oktober 1816: zwei russische Matrosen sowie ein Passagier: Elliot de Castro, Leibarzt des Königs von Hawaii (von San Francisco bis Hawaii)
- 23. Februar 1817: der Südseeinsulaner Kadu (während der gesamten Sommerkampagne 1817)
- 27. Mai 1817: zwei Dolmetscher für die Dialekte der nördlicheren Küstenvölker
- August 1817: vier Aleuten zur Verstärkung der Mannschaft
KI Gemini: "Chamisso trennte das persönliche Erleben strikt von den rein wissenschaftlichen Daten. Das Buch besteht daher aus zwei grundverschiedenen Hauptteilen:
Erster Teil: Tagebuch (Das eigentliche Reisemärchen)
Der erste Teil ist chronologisch aufgebaut und liest sich wie ein klassisches, lebendiges Reisetagebuch. Chamisso beschreibt hier im Plauderton seine persönlichen Erlebnisse, die Natur, Begegnungen mit fremden Kulturen (besonders eindringlich in Polynesien und Mikronesien) sowie die teils zermürbenden Spannungen an Bord des engen Schiffes.
Die Gliederung folgt strikt den Stationen der dreijährigen Route:
Abfahrt in Europa (Kopenhagen, Plymouth) --> Atlantiküberquerung (Teneriffa, Brasilien) --> Umrundung von Kap Hoorn nach Chile --> Weiterfahrt über den Pazifik (Osterinsel, Marshallinseln) nach Kamtschatka und in die Beringstraße.
Nach dem gescheiterten Versuch, die Nordostpassage zu finden, folgt der Rückweg über Kalifornien (San Francisco), Hawaii (Sandwich-Inseln), die Philippinen (Manila), Kapstadt und zurück nach St. Petersburg.
Zweiter Teil: Bemerkungen und Ansichten
Dieser Teil ist thematisch und systematisch geordnet. Hier zeigt sich Chamisso als exakter, analytischer Wissenschaftler. Er bündelt die Ergebnisse seiner jahrelangen Forschungen in verschiedenen Fachdisziplinen:
Ethnographie und Linguistik: Vorurteilsfreie und detaillierte Beschreibungen der Sitten, Religionen und Sprachen der Inselbewohner (Pionierarbeit im pazifischen Raum).
Botanik und Zoologie: Systematische Katalogisierung der rund 2.500 gesammelten Pflanzenarten (davon etwa 800 Neuentdeckungen) sowie Tierbeobachtungen (wie dem Generationswechsel bei Salpen).
Geologie: Wissenschaftliche Abhandlungen, unter anderem eine bahnbrechende Theorie zur Entstehung von Korallenatollen.
2. Die textuelle Organisation und Quellen
Da Chamisso auf dem schwankenden und militärisch straff geführten Schiff oft keinen Platz oder keine Ruhe hatte, um ein lückenloses Journal zu führen, organisierte er den Text im Nachhinein aus drei Quellen:
Seinen tatsächlichen, unvollständigen Bordnotizen.
Den ausführlichen Briefen, die er von den verschiedenen Häfen aus an seinen engen Freund Eduard Hitzig nach Berlin geschickt hatte.
Seinen Beiträgen zum offiziellen russischen Expeditionsbericht, die er für den zweiten Teil umschrieb und ergänzte.
Das Besondere an der Organisation: Chamisso stellt dem eigentlichen Reisebericht eine persönliche Einleitung voran, in der er beschreibt, wie er überhaupt als „Titulargelehrter“ (Zivilist ohne echten Rang) auf das russische Kriegsschiff kam. Dadurch bekommt das Werk einen stark autobiografischen Rahmen: Es ist die Geschichte eines Mannes, der sich in Europa oft heimatlos fühlte und auf den Weiten des Ozeans seine Bestimmung fand.
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