Marianne Fredriksson hat mit ihrem Werk „Evas Töchter“ die Ur-Familiengeschichte der Bibel (Adam, Eva, Kain und Abel) aus einer psychologischen und feministischen Sicht neu interpretiert.
„Abels Bruder“ erzählt die Geschichte von Kain und Abel, den Söhnen von Adam und Eva, aus einer sehr menschlichen und psychologisch einfühlsamen Perspektive.
Es ist ein Roman, der die biblische Geschichte von Kain, dem Bruder Abels, neu interpretiert und dabei tief in dessen innere Konflikte und Schuldgefühle eintaucht. Die Erzählung schildert, wie Kain nach dem Mord an seinem Bruder von einer schweren Last der Schuld geplagt wird, die wie ein Fluch auf ihm liegt. Diese Schuldgefühle bestimmen sein Leben und führen ihn schließlich dazu, in ein Paradies zu fliehen, von dem Eva ihm viel erzählt hat – ein Ort der Hoffnung und des Neuanfangs www.fischerverlage.de www.lovelybooks.de www.zvab.com .
Das Buch ist typisch für Fredrikssons Stil, der Spiritualität und Menschlichkeit verbindet und dabei oft Fragen nach dem Sinn des Lebens und der menschlichen Natur stellt.
Zitate:
Kapitel 1, S.9 ff.
"Ab und zu, unterbrach er seine Arbeit und starte auf seine Hände. Als ob er sich ihrer plötzlich bewusst wurde, besah er sie prüfend. Einstmals hatten sich diese Hände in rasender Wut um den Hals des Bruders gelegt und ihn so lange umklammert, bis die unselige Tat ausgeführt war. Manchmal klang etwas in ihm an. Dann fühlten die langen, geschickten Finger wieder, was damals geschehen war, Und er dachte, allein die Hände wussten auf dieser Erde, die Wahrheit über ihn.
Er selbst konnte sich an nichts erinnern. Das hatte er noch nie vermocht. Es war für ihn unmöglich zu verstehen, wie damals, als der Zorn ihn an jenem Morgen überwältigt hatte, auf eine Handlung, die nächste gefolgt war. Alles war in Windeseile geschehen, so schnell, dass er es nie mehr nachvollziehen konnte, weder in den einzelnen Phasen noch als Ganzes.
Manchmal kam ihm der Gedanke, das gesamte Geschehen habe sich außerhalb der Zeit abgespielt.
Das ist der Grund, weshalb es so unwirklich ist, dachte er.
Als hätte es nie stattgefunden.
Wie die Mutter es ausgedrückt hatte – ein unglücklicher Vorfall. Sie hatte die unselige Tat auf sich genommen und seine Schuld zu der ihren gemacht. Damit wurde der Schmerz, der ewige Schmerz, noch schlimmer. Doch nicht unerträglich, oh nein, Kain hielt ihm stand. Selbst die Qual kann zur Gewohnheit werden./ Es gab jedoch auch gute Tage, Tage, an denen die Sonne auf den Acker schien und der Schmerz sich als murrender Begleiteter im Hintergrund hielt. Dann wiederum konnte es passieren, dass der Schmerz Kain unverhofft an der Gurgel packte und er sich sehr zurückhalten musste.
Damit er nicht zurück schlug." (...)
Kapitel 7, S.52ff.
40 Schritte waren es von dem goldenen Thron bis zu dem geflügelten Steinlöwen am Ende des Säulenganges. Sie wusste es genau, denn sie war sie nunmehr viele Jahre lang auf – und abgeschnitten.
Jahrzehntelang hatte der Gott des Schlafes die heilige Königin von Not gemieden. Die Nächte hindurch wanderte sie über den Mosaik Boden, der von Alu – Lebenshandwerkern gelebt worden war, dem Stammvater, dem obersten Himmels Scott, der eins den Tempelturm hier auf der Hochebene errichtet hatte. Zwischen Raum.
Vom Dach des Turmgebäudes konnte man die Gebete des Mond Priester hören, die langen, heiligen Verse, die der Göttervater Alu – Lynn, zum Schutz der Menschheit vom Himmel herunter hinunter auf die Erde gebracht hatte. Jetzt wussten alle und manche, ohne darüber nachgedacht zu haben, dass die Gebete des Mond Priesters ihre Kraft aus dem göttlichen Blut erhielten, dass immer langsamer durch die Adern der alten Königin ran. Zwischenraum. Sie machte eine Bewegung, als wollte sie die Bürde von sich abschütteln, die drückende Verantwortung für das fort, bestehendes Volkes, von Not hier auf Erden.
Langsam hob einen Arm gegen das Mondlicht, lange stand sie da und sah auf die durchscheinende Hand. Sie war schmal und von Adern durchzogen, Die Finger leicht gekrümmt vom Alter und der Gicht, die sich mit den Jahren und der Feuchtigkeit des Flusses einstellt.
Wie zerbrechlich ist doch die Verbindung zwischen Göttern und Menschen, dachte sie. Wenn das Blut aufhört, durch meine alten Adern zu rennen, ist die Verbindung durchbrochen und die Menschen undsind den Dämonen und dem Untergang geweiht. (Seite 52/54).
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen