18 Januar 2026

Marianne Fredriksson: Sofia und Anders

 Kapitel 1: 

"[...] Kurz gesagt, nichts hatte erahnen lassen, dass Östmora an diesem Tag von einem Wunder heimgesucht werden sollte.

Das einzige Ungewöhnliche waren die Kinder gewesen. Sie hatten direkt vor dem Altar gesessen, ganz weit vorn in der ersten Bank, und das Mädchen, das größer war, hatte seinen Arm um die Schulter des Jungen gelegt. Mia Johansson, die eine Ausnahme unter Gottes Kindern bildete und in allem nur Gutes sah, dachte gerührt, dass Kerstin Horners merkwürdiges Enkelkind sicher ein gutes Herz hatte und außerdem viel Geduld mit Berglunds blindem Jungen.
Aber dann überlegte sie etwas beunruhigt, dass die Berglunds, die ja dem schwedischen Missionsverband angehörten, es vielleicht gar nicht so gern sahen, wenn das Mädchen den armen Blinden mit in die Staatskirche nahm. [...]
Eigentlich hätte er darauf vorbereitet sein müssen, der neue Pfarrer Karl Erik Gustav Holmgren. Hatte er doch seinen Tag mit einem verzweifelten Gebet an den Gott begonnen, an den er nur so schwer glauben konnte. Ein Gebet, ohne alle Hoffnung auf ein / Wunder, das ihm das Vertrauen seiner Kindheit wiedergeben könnte.
Aber als die Kinder dem Kirchendach entgegenflogen, empfand er genauso viel Angst wie alle anderen, genauer gesagt, sogar noch mehr. Hätte er nur seine Stimme und die richtigen Worte gefunden, so hätte er geschrien: Hör auf, Gott, hör doch auf. Ich habe es nicht so gemeint... 
Nun geschah das Wunder, aber nicht während seiner Predigt, sondern erst während des Kirchenlieds 'Bereitet den Weg für den Herrn! Die Berge versinken, die Tiefen erheben sich.'

Unerhörte Worte, dachte der Pfarrer, von viel größere Bedeutung als zwei Kinder, die zum Kirchendach hinaufflogen. Im selben Augenblick, als er dies dachte, hörte er Gott lachen.

Gott lachte. Er stellte das Wunder von Östmora infrage, machte es ganz einfach lächerlich. Aber nur der Pfarrer hatte Gottes Lachen gehört, und das würde ihn nun von nun an sein Leben lang wie eine besondere Gabe begleiten.
Nachdem die Kinder verschwunden waren und das Kirchendach sich wieder geschlossen hatte, saßen die Leute wie versteinert da.
Sie sahen erschrocken auf ihren Hirten, er müsste doch etwas sagen, was sie wieder auf den sicheren Boden der erklärbaren Tatsachen zurückführte. Aber er stand unbeweglich da, das Gesicht dem geschlossenen Dach zugewandt. Und lachte, ja genau, das tat er. " (S. 12/13) 

KI Gemini:

"In dem Roman „Sofia und Anders“ (Originaltitel: Blindgång, auch unter den Namen der Protagonisten bekannt) von Marianne Fredriksson geht es um eine tiefgründige, fast mystische Freundschaft zwischen zwei außergewöhnlichen Kindern und die Aufarbeitung von Familiengeheimnissen.

Hier ist eine Zusammenfassung der wichtigsten Inhalte:

Die Protagonisten

  • Sofia: Ein zehnjähriges Mädchen mit einer lebhaften Fantasie und einer besonderen, beinahe hellseherischen Begabung. Sie wächst bei ihrer Großmutter Kerstin in einem schwedischen Küstendorf auf.

  • Anders: Ein zwölfjähriger Junge, der von Geburt an blind ist. Er hat sich eine eigene, strukturierte Innenwelt erschaffen, in der er sich sicher fühlt.

Die Handlung

Die Geschichte beginnt mit der intensiven Freundschaft der beiden Kinder. Sofia und Anders verbringen jede freie Minute miteinander. Durch Sofias Fähigkeit, Bilder und Stimmungen extrem stark zu vermitteln, entsteht eine tiefe Seelenverwandtschaft.

Das „unerhörte Ereignis“: Der Wendepunkt der Geschichte ist ein gemeinsames Erlebnis in der Kirche von Östmora. Während eines Gottesdienstes trainieren die Kinder, „gemeinsam zu träumen“. In einer Art Massenhalluzination oder spirituellem Phänomen scheinen die Kinder vor den Augen der Gemeinde zur Decke zu schweben.

Der Konflikt: Dieses Ereignis löst bei Anders eine Krise aus. Er konnte in diesem Moment „sehen“, was seine gewohnte, dunkle Welt erschüttert und ihn wütend auf Sofia macht. Er fühlt sich seiner Sicherheit beraubt.

Kapitel 3: 
"Die Zeit war knapp. [...]  als Sofia bereits Berglunds Nummer wählte. Und seufzte, seine Mutter war zu Hause.
Anders gehe es besser, sagte sie. Aber er schien so traurig.
'Grüß ihn von mir', sagte Sofia, das war der Code, dass Anders anrufen sollte, sobald seine Mutter zur Arbeit im Supermarkt gegangen war.
Sie hatte eine unruhige halbe Stunde– warum war er traurig? Er kümmerte sich doch sonst auch nicht darum, was die Leute redeten. Das war er gewohnt.
Dann rief er an, und das wurde fürchterlich. Doch, er hatte alles/gesehen, die Kirche, das Kreuz mit Jesus, das Dach, das sich öffnete. Und nie hätte er gedacht, dass die Welt so erschreckend sein könnte.
'Es war so furchtbar', sagte er. 'Grelle Farben und Unmengen von Licht, die weh taten. Und laut und gefährlich.' Nie, niemals wollte er in dieser Welt leben.
'O Scheiße', schrie er, 'o Scheiße, was für eine Welt.'
 Dann sagt er noch etwas Sonderbares:
'Es gibt keine Barmherzigkeit', und legte den Hörer auf. Sofia weinte und versuchte, sich an den Traum mit dem verschwommenen Engel zu erinnern.
War er barmherzig gewesen? Sie wusste es nicht, verstand nicht so recht, was das Wort eigentlich bedeutete.
 Sie weinte, bis schließlich Tante Inger kam und rief, dass sie jetzt für das kranke Küken etwas zu essen mache. Und als sie mit ihrer ekligen Grütze hoch kam, sagte sie:
'Das ist ja schlimm, was für rote Augen du hast und wie verschnupft du bist.' " (S. 31/32)

Was mich an dem Roman beeindruckt, ist die Ähnlichkeit von der Erklärung des Hellsehens, die Fredriksson gibt, mit der Art, wie künstliche Intelligenz funktioniert. Sie versteht nichts, aber weil sie so viel Text parat hat, kann sie aus dem einen Text finden, der möglichst gut zu dem passt, was sie gerade leisten soll. 

Zitat: 
Klara, die Tochter von Kerstin und Mutter von Sofia spricht: "Ich hatte eine Zeitmaschine im Kopf und konnte nach vorn gehen und zurück und konnte das wiederholen lassen, was gesagt und gemacht worden war. Zurückzugehen, das ist einfach, das ist so einfach, dass es selbstverständlich ist. Auf diese Art kommt man drum herum, etwas lernen zu müssen.
Ich habe Sofias Lehrerin kennen gelernt, als ich letztes Mal zu Hause war. Wir waren Klassenkameradinnen, alte Freundinnen, deshalb war es ganz selbstverständlich, dass ich sie ins Café einlud. Wir haben zusammen einen Kaffee getrunken. Uns wurde ganz warm von dem vielen 'Weißt du noch?'. Sie ist so menschlich und sicher eine gute Lehrerin. Zum Schluss traute ich mich, sie zu fragen, / wie es mit Sofia in der Schule lief, und sie lacht und sagte, dass das Kind spielend leicht den Unterricht meistere. Sie sei nicht neugierig oder wissbegierig, wie begabte Kinder oft sind, nein, sie sitze meist auf ihrem Platz und sehe aus, als träume sie. Aber wenn sie gefragt werde, komme immer die Antwort und immer richtig. Ich kannte das, ich wusste, wie Sofia, das machte, sie sitzt dort in der Klasse, ist aber weit weg. Wenn sie von einer Frage aufgestört wird, spult sie ihren Film zurück und hört, was die Lehrerin gesagt hat und worüber die Kinder geredet haben. Dann muss sie nur noch davon eine Zusammenfassung machen und schlau genug sein, hier und da ein Wort zu verändern. Ich habe das jahrelang so gemacht." (S. 75/76).

Die KI versteht nichts, aber Text abrufen, der gut zu dem passt, was sie gerade leisten soll, kann sie.
Die Gefahr für Schüler, die KI zur Verfügung haben, ist also, dass sie Richtiges wiedergeben können, ohne es verstanden zu haben. Bei Fredriksson findet Kerstin (Klaras Mutter)  von Klara, dass sie das Zurückspulen bleiben lassen müsse. Darauf kann Klara, weil sie nicht verstanden hat, dem Unterricht lange kaum mehr folgen, bis sie ihre Erinnerungen "in Schubladen" geordnet hat und aufgrund des gedanklichen Zusammenhangs die richtigen Antworten finden kann.
Man findet Ähnliches nicht selten bei kleinen Kindern beim Memory spielen. Sie brauchen sich nicht zu konzentrieren, können zwischendurch etwas anderes tun und können doch, wenn es darauf ankommt "mit traumwandlerischer Sicherheit" die Karte finden, auf die es ankommt.

Gemini:

Die Familiengeschichte: Das Ereignis rüttelt Sofias Familie wach. Es stellt sich heraus, dass Sofias hellseherische Begabung in der Familie mütterlicherseits Tradition hat. Die Erzählung weitet sich zu einem Generationenroman aus, der die Schatten der Vergangenheit und das Schicksal von Sofias Mutter Klara beleuchtet.

Zentrale Themen

  • Wahrnehmung vs. Realität: Wie unterscheiden sich die Welten eines Blinden und eines „Sehenden“ (im spirituellen Sinne)?

  • Intuition und Erbe: Die Last und das Geschenk außergewöhnlicher Begabungen innerhalb einer Familie.

  • Heilung durch Erkenntnis: Die Aufarbeitung alter Geheimnisse führt letztlich zu Trost und Verständnis.

Hinweis: Marianne Fredriksson ist vor allem für ihren Weltbestseller „Hannas Töchter“ bekannt. Auch in „Sofia und Anders“ nutzt sie ihren charakteristischen, einfühlsamen Stil, um komplexe psychologische Prozesse darzustellen.

Zitat: 

Sofia hat von Kerstin gelernt, dass man die äußere Realität und das innere Erleben "auseinanderhalten muss". Jetzt verpflichtet die Psychologin Judith Dorf sie darauf, auch innerhalb ihres persönlichen Erlebens keine Kontakte mit Toten aufzunehmen: Ich möchte, dass du mir versprichst, alle Kontakte zu Toten abzubrechen. Um deiner selbst willen. Und ihnen zuliebe." (S.460)















Dann wird der Leser aber über die Toten aufgeklärt. Denn der Roman über Sofia und Anders gehört in eine umfassendere Familiengeschichte. Dazu eine KI mit zwei Antworten:

1. 

In Marianne Fredrikssons literarischem Universum – insbesondere in den Romanen „Simon“ (Simon och ekarna), „Inge und Mira“ und „Sofia und Anders“ – sind die Familien Goldschmidt und Horner (sowie die Familie Larsson) durch eine komplexe Generationen- und Schicksalsgemeinschaft miteinander verwoben.

Man kann diese Bücher als eine lose zusammenhängende Familiensaga verstehen, in der die Nachkommen der einen Geschichte die Protagonisten der nächsten sind. Der Zusammenhang lässt sich in folgenden Punkten zusammenfassen:

1. Die genealogische Verbindung (Die Brücke Simon Larsson)

Der zentrale Knotenpunkt ist Simon Larsson (der Protagonist aus „Simon“).

  • Die Goldschmidts: In „Simon“ wird der junge Simon von der jüdischen Familie Goldschmidt (Isak und sein Sohn Thomas) geistig und kulturell adoptiert. Isak Goldschmidt wird für Simon zu einer Vaterfigur, die ihm Bildung und den Zugang zu seiner eigenen (verborgenen) jüdischen Identität ermöglicht.

  • Sofia: Sofia (aus „Sofia und Anders“) ist die Tochter von Simon Larsson. Damit trägt sie das Erbe weiter, das Simon durch die Goldschmidts empfangen hat.

2. Die Rolle der Familie Horner

Die Horners (bekannt aus „Inge und Mira“) repräsentieren eine andere Facette der schwedischen Gesellschaft, die sich mit den Kreisen der Larssons und Goldschmidts überschneidet.

  • In „Inge und Mira“ ist Inge Horner die zentrale Figur. Die Familien begegnen sich oft auf der Ebene von Freundschaften und Ehen in der nächsten Generation.

  • In „Sofia und Anders“ verbinden sich diese Linien endgültig: Die Kinder und Enkel der ursprünglichen Familien (Larsson/Goldschmidt einerseits und Horner andererseits) versuchen, die Traumata ihrer Eltern zu verarbeiten.

3. Thematische Verknüpfung: Das jüdische Erbe

Der wichtigste inhaltliche Zusammenhang ist das jüdische Erbe und die Bewältigung des Holocausts:

  • Die Goldschmidts bringen das Thema der Flucht, des Exils und der Angst vor der Vernichtung in die Geschichte ein.

  • Die Horners und die Larssons (insbesondere Sofia) müssen sich in den späteren Romanen damit auseinandersetzen, wie diese Erfahrungen von Simon und Isak das Leben der nachfolgenden Generationen geprägt haben (transgenerationales Trauma).

  • Es geht oft um das „Schweigen“ der Väter (Isak Goldschmidt und Simon Larsson), das Sofia und die Mitglieder der Familie Horner erst mühsam aufbrechen müssen, um ihre eigene Identität zu finden.

4. Soziale Symbiose

Marianne Fredriksson nutzt die Familien, um den sozialen Wandel in Schweden darzustellen:

  • Die Goldschmidts stehen für das intellektuelle, wohlhabende jüdische Bürgertum.

  • Die Larssons (Simons Herkunft) stehen für die einfache Arbeiterklasse.

  • Die Horners bewegen sich oft in einem akademischen oder bürgerlichen Milieu. Durch die Freundschaften und Verbindungen zwischen diesen Familien (z.B. Sofia Larsson und die Kreise um Anders) zeigt Fredriksson, wie kulturelle und soziale Grenzen durch gemeinsame menschliche Erfahrungen überwunden werden.

Zusammenfassend: Die Goldschmidts legen in „Simon“ das Fundament (kulturell und emotional), auf dem Sofia (Simons Tochter) später ihr Leben aufbaut, während sie sich mit den Horners und deren Lebenswelt auseinandersetzt. Es ist die Geschichte einer Wahlverwandtschaft, die über drei Generationen hinweg die Suche nach Heimat und Wahrheit thematisiert.


2. Die Vorgeschichte zu Sofia und Anders:

"In Marianne Fredrikssons Familiengeschichte „Simon och ekarna“ (deutsch: Simon) nimmt Sophia Goldtschmidt (Sophia Goldschmidt) eine Schlüsselrolle als mütterliche Identifikationsfigur und Bindeglied zwischen verschiedenen Welten ein.

Ihre Rolle lässt sich in folgenden zentralen Aspekten zusammenfassen:

  • Mütterliche Instanz und emotionale Wärme: Sophia ist die Frau des wohlhabenden jüdischen Buchhändlers Isak Goldtschmidt. Während ihr Mann oft mit seinen eigenen Ängsten vor dem aufkeimenden Nationalsozialismus kämpft, bietet Sophia eine Beständigkeit und emotionale Geborgenheit, die Simon (den Protagonisten) tief beeindruckt.

  • Kultur und Bildung: Sie repräsentiert das gebildete, jüdische Bürgertum in Göteborg. Fürr Simon, der aus einer einfachen Arbeiterfamilie stammt, öffnet sie die Tür zu einer Welt der Literatur, Musik und intellektuellen Reflexion, die seine eigene Identitätsentwicklung maßgeblich prägt.

  • Brückenbauerin zwischen den Familien: Sophia fördert die enge Verbindung zwischen den Goldtschmidts und Simons Familie (den Larssons). Sie erkennt früh die tiefe Freundschaft zwischen ihrem Sohn Thomas und Simon und unterstützt diese Beziehung als stabilisierenden Faktor in einer Zeit politischer Bedrohung.

  • Symbol für Leid und Resilienz: Durch ihre Figur wird das Trauma der jüdischen Verfolgung greifbar. Ihre Sorge um die Verwandten im besetzten Europa und die ständige Bedrohung während des Zweiten Weltkriegs machen sie zu einer tragischen, aber auch charakterstarken Figur, die Simon lehrt, was Mitgefühl und historische Verantwortung bedeuten.

Obwohl Sophia im Verlauf der Geschichte stirbt, bleibt ihr Einfluss auf Simons Verständnis von Kultur und Menschlichkeit bis ins Erwachsenenalter bestehen."

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