02 Mai 2026

Irving Stone: Zur See und im Sattel. Das Leben Jack Londons

Irving Stone: Zur See und im Sattel.  Das Leben Jack Londons. (engl. 1938; rororo TB 1955)

(von mir erstmals gelesen 1958 - Damals im Lektüretagebuch: "Jack London lebt in der Jugend als Pirat u.ä. Nach größten Werken tötet er sich."*) *Laut Wikipedia ist die Todesursache umstritten. Seine Niereninsuffizienz  wie Morphium, das er nahm, kommen in Frage.

Es ist nicht ganz leicht, die knappe Darstellung von Londons Leben in der Wikipedia, in seinem autobiographischen Roman Martin Eben und der ausführlichen Schilderung Stones in Übereinstimmung zu bringen.

Wikipedia: "Das Bild des sozialen Abgrunds heruntergekommener, ins Elend abgerutschter Männer, die in jüngeren Jahren genau so waren wie er, ließ seine Vorstellung reifen, nicht mehr körperlich zu arbeiten. Er beschloss, seinen Kopf zu gebrauchen, und begann hektisch, sich auf viele Arten zu bilden. Er las die Werke von Karl MarxCharles Darwin und Herbert Spencer. In ihren Ideen erkannte er sich selbst. So entwickelte sich sein politisches Bewusstsein. London engagierte sich für alles, was den Armen und den Arbeitern helfen konnte, sich aus dem Abgrund der Armut zu befreien. Gleichzeitig hielt er leidenschaftliche Ansprachen auf dem Rathausplatz in Oakland, die ihn ins Gefängnis brachten.

Die Zeit um die Mitte der 1890er Jahre, in die Londons erste schriftstellerischen Bemühungen fielen, schildert er selbst:

„Das Schlimmste für den Schreibanfänger sind die langen Dürreperioden, in denen kein Scheck von einem Verlag kommt und alles Pfändbare schon verpfändet ist. … Mein Problem bestand darin, dass ich niemanden hatte, der mich beriet. Ich kannte keine Menschenseele, die schrieb oder den Versuch zu schreiben gemacht hatte. Ich kannte nicht einmal einen Reporter. Außerdem stellte ich fest, dass ich praktisch alles vergessen musste, was die Lehrer und Professoren der Literatur an der High School und Universität mich gelehrt hatten, um mit dem Schreiben Erfolg zu haben.“[13]"

Das passt zur Darstellung in Martin Eden. Aber es fehlen die vielen Frauengestalten, die Stone anführt. Die finden sich dafür in Martin Eden. Ruth entspricht Mabel, der Empfindsamen, doch seine Mutter Flora und Bessie Maddern, die Frau, die er heiratet, finden sich dort nicht.


Bei Stone heißt es zu dieser Zeit unter anderem: "Aber wie sollte er es anstellen, dass seine Erzählungen über die Steinbarrikade von Chefredakteuren hinwegkamen, die ihr feines Leserpublikum vor den Überfällen der Barbaren des Westens schützen? Er hatte niemanden, der ihm hätte helfen oder raten können. [...] Er musste die Schlacht allein schlagen, im Dunkeln und nichts als seine Ausdauer, seine Entschlossenheit, seiner Überzeugung und seine Erzählergabe als Verbündeten. Er verströmte seine Seele in seine Geschichten und Artikel, faltete das frische Manuskript zusammen, fügte, dass sich ziemende Rückporto bei, schloss, den langen Umschlag, versiegelte ihn, klebte Briefmarken darauf und warf ihn in den Kasten. Das Manuskript reiste quer über den Kontinent, und nach Verlauf einiger Zeit brachte, es der Postbote zurück. Jack war überzeugt, dass auf der anderen Seite kein Redakteur seiendes Menschenwesen saß, sondern dass dort ein ausgeklügelter Apparat das Manuskript von einem Umschlag in den anderen schob und Marken daraufpickte.
Zeit! Zeit! Das war seine endlose Klage. Zeit, sein Handwerk beherrschen zu lernen, bevor der Mangel an Geld für Lebensunterhalt und Miete ihn untergehen ließ. Der Tag hatte nicht genug Stunden, alles zu tun, was er sich vorgenommen hatte. Schweren Herzens riss er sich vom Schreiben los, um zu studieren, schweren Herzens riss er sich aus ernsten Studium, um in die Bibliothek zu gehen und die Magazine zu lesen, und schweren Herzens verließ er den Lesesaal,  um zu Mabel zu eilen, der einzigen/ Erholungsstunde, die er sich gönnte. Am härtesten kam es ihn an, Bücher und Bleistift beiseite zu legen und die brennenden Augen zum Schlaf zuschließen. In seinem leidenschaftlichen Eifer setzte er sich auf eine Schlafration von fünf Stunden. Ihm war der Gedanke verhasst, ohne bedingten Zwang, auch nur kurze Zeit zu leben aufzuhören; sein einziger Trost war die Vorstellung, dass der Wecker auf fünf Uhr früh gestellt war, dass ihn die schrille Glocke der Bewusstlosigkeit entreißen und er neue herrliche neunzehn Stunden Arbeit vor sich haben werde. Er war eine verrückte, eine entflammte Seele.

Endlich, im Januar, brachte die 'Overland Monthly'  ''To the Man on Trail'. Es war Jacks Debüt als Berufsschriftsteller. Der Redakteur hatte es nicht nur unterlassen, ihm die versprochen, fünf Dollar zu schicken, es war ihm nicht einmal eingefallen, ihm ein Belegexemplar zu senden. Jack starrte stumm auf die Auslagen eines Zeitungsstandes am Broadway; er hatte nicht die zehn Cents in der Tasche, sich das Heft zu kaufen und zu sehen, wie sich seine Geschichte gedruckt ausnahm. Er wanderte zum Stadtrand zu Applegarths, borgte sich das Nickel Stück, wanderte wieder zurück… und kaufte sich sein Heft. (S. 88/89)

(Diese Passage könnte fast allein aufgrund des Textes von Martin Eden entstanden sein.)

"Im Juli endlich konnte er wirklich, als Schriftsteller von Beruf gelten, denn da liefen von ihm Geschichten und Artikel in fünf Zeitschriften – für einen jungen Menschen von 23 Jahren, der erst neun Monate schrieb, ein Wunder. Das 'American Journal of Education' brachte zwei Arbeiten über die Sprache und den Gebrauch der Zeitwörter, Studien, die zeigen, wie weit er mit seiner handwerklichen Selbsterziehung gekommen war. Die 'Owl, , die schäbig zahlende, aber eifrig druckende 'Overland Monthly' und der Tillotson-Konzern erwarben einiges Skizzen.

Jack hielt dafür, dass dieser Galamonat ebenso verdiene, gefeiert zu werden, wie die Veröffentlichung seiner beiden ersten Erzählungen, und so löst er es sein Fahrrad aus, holte Mabel ab und fuhr mit ihr in die Berge. Aber als er ihr diesmal seine Triumphe zu Füßen legte, schien sie nachdenklich und niedergeschlagen. Auf ihre direkte Frage gestand er, dass alle fünf Beiträge im nur zehn Dollar angebracht hätten, zu denen noch 7,50 Dollar kämen, wenn die Overland Monthly ihren Rückstand begliche. Mabel sank zusammen, packt den Kopf in seinem Schoß und weinte. Sechs Monate ihres Verlobungsjahres waren schon verfossen, und Mabel bewiesen Jacks Einkommen aus seiner doch erfolgreichen Schriftstellerei nur, dass sie davon niemals leben können. Sie selber/hätte seine Armut gern geteilt, aber ihre Mutter hatte ihr mit Nachdruck klargemacht, dass sie Jack nicht heiraten dürfte, bevor er nicht eine gesicherte Existenz bieten könnte. (Seite 92/93).

 "[...] Im Frühjahr 1913 war er, der am höchsten, bezahlte, bekannteste und volkstümlichste Autor der Welt und nahm die Stellung ein, die Kipling zur zu Beginn des Jahrhunderts behauptet hatte,. Seine erzählenden Werke wurden ins Russische, Französische, Deutsche, Schwedische, Norwegische, Dänische, Holländische, Ungarische, Polnische, Spanische, Italienische und Hebräische übersetzt, und seine Bilder erschien überall so oft, dass ich sein jungenhaftes, hübsches irisches Gesicht Millionen einprägte.
 Gerüchte und Anekdoten um ihn drängten bis in die Steppenasiens. Jedes Wort von ihm und das geringste, was er unternahm, wurde von den Zeitungen wiedererzählt. Äußerte oder tat er nichts, was ich hätte ausschlachten lassen, so erfanden die Reporter etwas. "Ich erinnere mich, dass an einem Tag drei verschiedene Nachrichten über mich erschienen. Die erste Depeche meldete, dass sich meine Frau mit mir in Portland, Oregon, entzweit habe und mit dem Schiff nach San Francisco gereist sei, um bei ihrer Mutter zu bleiben; die zweite Lüge war, ich sei bei einer Schlägerei in einer Kneipe in Eureka, in Kalifornien, von einem steinreichen Holzhändler verprügelt worden. Die dritte Schwindelmeldung behauptete, ich hätte in einem Gebirgsort in Washington, ein Exemplar einer Seeforelle gefangen, die wegen ihrer Schnelligkeit eigentlich überhaupt nicht zu fangen sei, und dadurch eine Wette über hundert Dollar gewonnen. An dem frag/lichen Tage hielten sich meine Frau und ich tief in den Wäldern Südwestoregons auf, fern jeder Bahn, jeder Straße, jedem Telefon und jedem Telegrafen."
Er reagierte auf solche journalistischen Märchen nie, obwohl sie ihn manchmal kränkten. "Weißt du übrigens schon, dass eine in dem Hügelland hinter Berkeley wandernde Studenten von einem Landstreicher überfallen worden ist und dass die Zeitungen schreiben, das müsste Jack London gewesen sein?" Nicht einmal hat ihn der Presseclub in San Francisco eingeladen, aber als sich seine Mitglieder ein Clubhaus bauen wollten, forderten sie ihn auf, zweitausend Dollar zu stiften. Es war dies der einzige Fall, wo ihm die Ablehnung einer Bitte um Geld  Vergnügen bereitete." (226/227). 

Sieh auch: Jack London: Martin Eben

Es fällt schwer, die Darstellung von Londons Leben in der Wikipedia, in seinem autobiographischen Roman Martin Eben und der Schilderung Stones in Übereinstimmung zu bringen.

Wikipedia: "Das Bild des sozialen Abgrunds heruntergekommener, ins Elend abgerutschter Männer, die in jüngeren Jahren genau so waren wie er, ließ seine Vorstellung reifen, nicht mehr körperlich zu arbeiten. Er beschloss, seinen Kopf zu gebrauchen, und begann hektisch, sich auf viele Arten zu bilden. Er las die Werke von Karl MarxCharles Darwin und Herbert Spencer. In ihren Ideen erkannte er sich selbst. So entwickelte sich sein politisches Bewusstsein. London engagierte sich für alles, was den Armen und den Arbeitern helfen konnte, sich aus dem Abgrund der Armut zu befreien. Gleichzeitig hielt er leidenschaftliche Ansprachen auf dem Rathausplatz in Oakland, die ihn ins Gefängnis brachten.

Die Zeit um die Mitte der 1890er Jahre, in die Londons erste schriftstellerischen Bemühungen fielen, schildert er selbst:

„Das Schlimmste für den Schreibanfänger sind die langen Dürreperioden, in denen kein Scheck von einem Verlag kommt und alles Pfändbare schon verpfändet ist. … Mein Problem bestand darin, dass ich niemanden hatte, der mich beriet. Ich kannte keine Menschenseele, die schrieb oder den Versuch zu schreiben gemacht hatte. Ich kannte nicht einmal einen Reporter. Außerdem stellte ich fest, dass ich praktisch alles vergessen musste, was die Lehrer und Professoren der Literatur an der High School und Universität mich gelehrt hatten, um mit dem Schreiben Erfolg zu haben.“[13]"

Das passt zur Darstellung in Martin Eden. Aber es fehlen die vielen Frauengestalten, die Stone anführt. Die finden sich dafür in Martin Eden. Ruth entspricht Mabel, der Empfindsamen, doch seine Mutter Flora und Bessie Maddern, die Frau, die er heiratet, finden sich dort nicht.

Bei Stone heißt es:

"Im Juli endlich konnte er wirklich, als Schriftsteller von Beruf gelten, denn da liefen von ihm Geschichten und Artikel in fünf Zeitschriften – für einen jungen Menschen von 23 Jahren, der erst neun Monate schrieb, ein Wunder. Das 'American Journal of Education' brachte zwei Arbeiten über die Sprache und den Gebrauch der Zeitwörter, Studien, die zeigen, wie weit er mit seiner handwerklichen Selbsterziehung gekommen war. Die 'Owl, , die schäbig zahlende, aber eifrig druckende 'Overland Monthly' und der Tillotson-Konzern erwarben einiges Skizzen.

Jack hielt dafür, dass dieser Galamonat ebenso verdiene, gefeiert zu werden, wie die Veröffentlichung seiner beiden ersten Erzählungen, und so löst er es sein Fahrrad aus, holte Mabel ab und fuhr mit ihr in die Berge. Aber als er ihr diesmal seine Triumphe zu Füßen legte, schien sie nachdenklich und niedergeschlagen. Auf ihre direkte Frage gestand er, dass alle fünf Beiträge im nur zehn Dollar angebracht hätten, zu denen noch 7,50 Dollar kämen, wenn die Overland Monthly ihren Rückstand begliche. Mabel sank zusammen, packt den Kopf in seinem Schoß und weinte. Sechs Monate ihres Verlobungsjahres waren schon verfossen, und Mabel bewiesen Jacks Einkommen aus seiner doch erfolgreichen Schriftstellerei nur, dass sie davon niemals leben können. Sie selber/hätte seine Armut gern geteilt, aber ihre Mutter hatte ihr mit Nachdruck klargemacht, dass sie Jack nicht heiraten dürfte, bevor er nicht eine gesicherte Existenz bieten könnte. (Seite 92/93).


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