12 Mai 2026

Franz Grillparzer: Libussa

 Libussa (WikipediaBehandlungen des Stoffs in der Kunst (Literatur usw.)

Grillparzer (Wikipedia)

Der Dichter Grillparzer spielt in meiner literarischen Bildung nur eine unwichtige Nebenrolle. In meiner Schulzeit lernte ich nur Weh dem, der lügt! (1838) kennen. Der arme Spielmann  (1847) folgte als nächstes, war mir aber zu resignativ, auch wenn er Grillparzer sympathisch erscheinen ließ. Neben Schillers Dramen konnte das nicht bestehen. Mit Sicherheit habe ich in manche Werke hineingesehen. König Ottokars Glück und Ende (1825) interessierte mich vom historischen Standpunkt.

Bei meiner Erstlektüre von Libussa im Juli 2024 habe ich mehr zu Grillparzer und meiner Erfahrung mit ihm geschrieben. Dort findet sich auch längere Zitate aus dem 1.und 3. Akt.

Hier sollen einige Zitate aus dem Nachwort von Heinz Rieder* stehen, die die Bedeutung des Werkes würdigen. *Heinz Rieder (1911–1995) war ein österreichischer Historiker, Germanist und Bibliothekar, arbeitete an der Österreichischen Nationalbibliothek und als freier Schriftsteller.              Zunächst Stichworte: Der Stoff der Libussa interessierte G. erstmals 1822, also mit 31 J. , der 1. Akt wurde erstmals 1840 aufgeführt und 1841 gedruckt. Das vollständige Stück (vermutlich 1848 vollendet) fand sich erst in seinem Nachlass und wurde 1874 aufgeführt.

Nachwort (Zitate): "Nach dem Motiv, das schon in Schillers Jungfrau von Orleans vorkommt, überwindet in Libussa des Weib mit seiner Liebe zu Primislaus, die Seherin und Herrscherin. Vergebens sucht Libussa diese Entwicklung zurückzunehmen, und erst die Todesstunde mit der Selbstüberwindung gibt ihr die Sehergabe wieder. [...]/
Mit dem Dämmerlicht zweier einander ablösender Zeitalter, das Libussa Gestalt umgibt, ist schon die politische, auf die damalige Umwelt des Dichters beziehbare Aussage umrissen. Damit rückt das Werk nah an die beiden anderen Dramen heran, die erst nach dem Tod des Dichters bekannt werden durften: die Die Jüdin von Toledo  und Ein Bruderzwist in Habsburg. Es ist die Stimmung des vormärzlichen Österreich knapp vor der Revolution von 1848, die den Dichter bei der Niederschrift umgab, und beeinflusste: die Stimmung des sich langsam totlaufenden Metternichschen Systems, der dem Untergang geweihten absoluten Feudalmonarchie, da hinter den überlebten politischen Kulissen sich die von Technik und Industrie geprägte neue bürgerliche und politische Gesellschaft abzeichnete und mit ihr die alles abschleifende und nivellierende Zivilisationswelt, in der auch das geistige Erbe Weimars infrage gestellt wird. Einen umwälzenden Wandel menschlicher Ordnungen hat Grillparzer in diesen drei Dramen / auf die Bühne gebracht, künstlerisch gestaltet und gedeutet, darüber hinaus, seherisch in eine neue Zukunft gewiesen. In manchen prophetischen Worten, Kaiser Rudolfs im Bruderzwist, in manchen Versen, die Libussa im fünften Akt in den Mund gelegt werden, ist unsere Zeit direkt angesprochen, wird sie vorausgeahnt. Nur ist in Libussa – im Gegensatz zum Bruderzwist – die hoffnungslose Düsterkeit und die Katastrophenstimmung einem versöhnlicheren Zukunftsbild gewichen. [...] 
In der Abschiedsrede Libussas im fünften Akt finden sich die Verse: 
Die Erde steigt empor an ihren Platz,
Die Götter wohnen wieder in der Brust,
Und Demut heißt ihr Oberer und Einer.
Als Libussa diese Verse spricht, ist sie vom Tode gezeichnet, den die neue Zeit des Primislaus für sie bereitete. Aber sie hat sich auch zu einer Haltung durchgerungen, die bereits über den Gegensatz des Diesseits und der Menschenwelt steht, getragen von der Einsicht, dass der Mensch gut sei. Sie hofft, dass dieser gute Mensch auch das neue Zeitalter, die Epoche der Zivilisation, die Welt des Schaffens und Wirkens bestehen wird, dass er in dieser nüchternen Welt sich nach seiner ursprünglichen, geistigen Heimat sehnen wird, in der er sich über die täglichen Bedürfnisse, über die Jagd nach Nutzen und Erfolg erheben kann. Alles liegt nun bei Menschen. Der Himmel, die Götterwelt Libussas ist verschlossen, die alten Götter ziehen nun in die Brust des Menschen ein – Grillparzer bekennt sich hier zum anthropozentrischen Weltbild der deutschen Klassik, die das göttliche Jenseits in den zu einer größeren humanitären Verantwortung emporgestiegenen Menschen verlegte. [...] /
Mit Demut aber wollte er offensichtlich jenen Wert in der humanitären Wertehierarchie bezeichnen, der das menschliche Ich zur Selbstbescheidung und Selbstbeschränkung mahnt. [...] Die Demut ist sozusagen ein Geschenk Libussas an die künftige Welt, die aber auch nicht die Zivilisationswelt der nächsten Zukunft sein wird: 'Jahrhunderte, verschlafen bis dahin.' Erst nach dieser Welt wird das goldene Zeitalter anbrechen, dann erst, wenn die Menschen, die in der Zivilisation verlorengegangene Einheit mit der Natur, die in Libussas Reich herrschte, zurückgewinnen.
'Dann kommt die Zeit, die jetzt vorüber geht,
Die Zeit der Seher wieder und Begabten.'        (Reclam Universal-Bibliothek 4391, S.93-96)

                         

5. Akt:

"Primislaus(aufstehend).
Siehst du, die Moldau, dieses Landes Ader,
Die blutverbreitend durch den Körper strömt,
Hier hat versammelt sie all ihre Quellen
Und breitet sich in weiten Ufern aus.
Noch weiter unten fließt sie in die Alb,
Mit der vereint sie durch die Berge bricht,
Die scheiden unser Land vom deutschen Land
Und strömt mit ihr, so sagt man, bis ins Meer.
Steht unsre Stadt nun hier, so baun wir Schiffe
Und laden auf des Landes Überfluß
An Frucht, an Korn, an Silber und an Gold.

Libussa. So achtest du das Gold?

Primislaus.         Ich nicht, doch andre,
Und andern eben bieten wir es dar.
So schafft uns Tausch was hier noch etwa fehlt.

Libussa. Genügsamkeit ist doch ein großes Gut!

Primislaus. Befriedigt ist das Tier nur und der Weise,
Den Menschen, die gleich mir und gleich den meisten
Ward das Bedürfnis als ein Reiz und Stachel
Von ew'gen Mächten in die Brust gelegt,
Bedürfnis das sich sehnt nach der Befried'gung
Und dort auch noch zu neuen Wünschen keimt."


Text der KI Ecosia zum Stück  mit weiterweisenden Links)

„Libussa“ von Franz Grillparzer ist ein monumentales Trauerspiel in fünf Aufzügen, das die legendäre Gründung Prags und Böhmens thematisiert freitext.org. Die Handlung dreht sich um die böhmische Königstochter Libussa, die aus göttlichem Geschlecht stammt und nach dem Tod ihres Vaters die Regierung übernimmt austria-forum.org www.deutsche-digitale-bibliothek.de link.springer.com.

Libussa begibt sich auf die Suche nach Heilkräutern für ihren todkranken Vater und verirrt sich dabei link.springer.com. In dieser Situation wird sie mit politischen und persönlichen Herausforderungen konfrontiert, die letztlich zur Gründung Prags führen. Das Drama untersucht auch die Rolle der Frau in der Gesellschaft und die Erwartungen an weibliche Herrschaft macau.uni-kiel.de.

Grillparzer vollendete das Werk im Revolutionsjahr 1848 odysseetheater.at. Es verbindet mythische Elemente mit politischen und sozialen Themen seiner Zeit."


Mehr zum Stück und an Zitaten bei meiner Erstlektüre von Libussa im Juli 2024.



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